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Donnerstag, 8. Januar 2015

Briefzensur in Schweden

Die Geschichte Schwedens während des Zweiten Weltkriegs wird bis heute kaum behandelt, da man ungern über „jüdische Pässe“, „Lager“ oder auch „deutsche Truppentransporte“ innerhalb Schwedens Grenzen sprechen will. Noch weniger findet man in schwedischen Büchern über die Briefzensur, die das Parlament bereits ab dem 8. Januar 1940 genehmigte, neben dem Recht im Bedarfsfall Privatfahrzeuge der Bürger zu beschlagnahmen. Vor allem die Briefzensur ist im Grunde eine etwas heiße Angelegenheit, da König und Regierung meinungsmäßig auf der Seite Hitlers standen und die Neutralität vor allem deswegen gewählt wurde um weiterhin Eisen nach Deutschland und Kugellager nach England liefern zu können.

Ob die Akten über die am 8. Januar 1940 eingeführte Briefzensur nach Ende des Weltkriegs je an die Öffentlichkeit gelangt wären, ist heute nicht mehr zu beurteilen, denn um diese Zeit war eine bekannte Schriftstellerin Schwedens in der sogenannten snuskavdelningen beschäftigt, die später von ihren Erfahrungen berichtete, nämlich Astrid Lindgren. Während eines Radiointerviews im Jahre 1993 erzählte Lindgren sehr ausführlich von ihrer damaligen Arbeit und das vom Staat lang gehütete Geheimnis trat damit an die Oberfläche.

Wie umfassend allerdings die Briefzensur war, ist bis heute nicht ganz geklärt, denn sicher ist nur, dass jedes Propagandamaterial von und und nach Deutschland kontrolliert wurde und jeder Brief, der an Konsulate und Botschaften anderer Länder gerichtet war erst über den Tisch des schwedischen Geheimdienstes ging. Die Briefzensur war jedoch nur der Beginn der Überwachung und der Steuerung der schwedischen Meinungsbildung, denn ein Jahr später wurde auch die Pressefreiheit massiv eingeschränkt und das Verbreiten jeder Nachricht die dem Land Schaden zufügen könne, wurde verboten, was jedoch nur bedeutete, das Zeitungen beschlagnahmt wurden, die sich kritisch zu Deutschland stellten.


8. Januar 1810: Daniel Melanderhjelm, Astronom und Mathematiker
8. Januar 1864: Carl August Hagberg und die schwedische Literatur 
8. Januar 1917: Folgen des Ersten Weltkriegs in Schweden
8. Januar 1937: Der schwedische Theologe Olle Meurling stirbt in Spanien 
8. Januar 1994: Hans Asplund, der Architekt des Brutalismus 
8. Januar 2007: Die Geburt Kirunas und die Flucht der Stadt

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 2. Mai 2014

Harald Hjärne als Historiker und Politiker

Harald Hjärne kam am 2. Mai 1848 in Norra Kyrketorp bei Skövde zur Welt und schrieb sich bereits mit 17 Jahren an der Universität Uppsala ein um dort Geschichte und alte Sprachen zu studieren. 1871 wurde Hjärne dann Dozent in Uppsala und dank seines Kapitals und einiger Stipendien konnte sich der Geschichtswissenschaftler, der 1903 in die Svenska Akademien aufgenommen wurde, in den Folgejahren mehrere Auslandsreisen leisten, die ihm einen völlig neuen Blick zur Geschichtswissenschaft Schwedens öffneten.

Als Historiker nahm Harald Hjärne eine besondere Rolle in Schweden ein, da er einer der ersten schwedischen Wissenschaftler war, der zwar die Großmachtszeit Schwedens als besonders wichtig nahm, andererseits aber die Geschichte des Landes in einem internationalen Zusammenhang sah und daher davon ausging, dass Schweden nicht seine eigne Geschichte schaffen kann, sondern von Ereignissen in anderen Ländern abhängig ist. In diesem Zusammenhang sah er auch die schwedisch-norwegische Union eher als Möglichkeit der nordischen Stärke, obwohl er sehr früh am Überleben der Union zweifelte. Als Lehrer wiederum gehörte er zur kleinen Schicht der Professoren, die ihren Studenten beibrachten grundsätzlich jede Denkweise erneut in Frage zu stellen, da es nur selten eine einzige Lösung oder Analyse gibt.

Aber auch als Politiker ging Harald Hjärne einen sehr eigenen Weg, der eine Mischung aus modernem und konservativem Gedankengut war. Am bekanntesten wurde dabei seine Aussage, dass die schwedische Neutralität nur dann gesichert werden kann wenn das Land über eine sehr starke Verteidigung verfügt und die Nationalisten einsehen, dass sie einen internationalen politischen Dialog führen müssen, Forderungen, die noch heute dem rechten Block Schwedens entsprechen. Allerdings sah Hjärne eine stärkere Verteidigung nur unter der Voraussetzung möglich, dass man in Schweden das allgemeine Wahlrecht einführe damit sich der Bürger als Teil seines Landes fühlen kann, eine Forderung, die sich noch wenige Jahre vor dem Tod des Wissenschaftlers am 6. Januar 1922 erfüllte.


2. Mai 1754: Hedemora brennt bis auf wenige Häuser nieder
2. Mai 1797: Gustaf Engzell, der konservative Modernist der schwedischen Literatur
2. Mai 1875: Der schwedische Künstler Gunnar Hallström
2. Mai 1981: Olle Bærtling, der gemobbte Künstler Schwedens
2. Mai 1986: Åsa, mehr als nur ein Namenstag
2. Mai 2007: Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen

Copyright: Herbert Kårlin