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Sonntag, 26. Februar 2017

Karin Smirnoff, die unbekannte Tochter Strindbergs

Karin Smirnoff kam am 26. Februar 1880 als Tochter von August Strindberg und Siri von Essen in Stockholm zur Welt. Als die Elfjährige von der Mutter erfuhr dass die Scheidung bevorstand, reagierte Smirnoff eher beruhigt und kehrte mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Finnland zurück. Noch während ihres Studiums lernte Smirnoff den Lektor der russischen Sprache an der Universität Helsinki kennen, einen späteren russischen Revolutionär, und nahm bei der Ehe im Jahre 1914 auch seinen Namen an. Wegen seiner radikalen Einstellung verlor der Ehemann seinen Lehrauftrag und vier Jahre später zog das Ehepaar nach Stockholm.

Auch wenn Karin Smirnoff nie ein Verhältnis zu ihrem Vater aufbaute, so hatte sie doch einen seiner wichtigsten Charakterzüge geerbt, nämlich keine Angst vor der Gesellschaft zu haben. Dies drückte sich vor allem dadurch aus dass Smirnoff ganz offen Gesellschaftskritik betrieb und sich sehr stark für die Rechte der Frauen einsetzte und die Homosexualität verteidigte, beides absolute Tabuthemen jener Zeit. Vor allem hinsichtlich der Homosexualität zeigte sich Smirnoff extrem offen, was vermutlich damit zusammenhing dass ihre Mutter einige Jahre mit einer offen lesbischen Frau im Haus lebte und Smirnoff daher die Vorurteile der Zeit abschütteln konnte.

In den 20er und 30er Jahren begann Karin Smirnoff in Stockholm mehrere Romane zu veröffentlichen, die zwar von der Kritik gut aufgenommen wurden, aber bald nach der Erscheinung wieder vergessen waren, denn ihr literarischer Konkurrent war August Strindberg, der diese Jahre im literarischen Schweden dominierte. Auch die Themenwahl Smirnoffs war ein Problem, da sie in ihren Werken die Frau zum Widerstand aufrief, die Gesellschaft jedoch eine reine Männergesellschaft war. Ihr Schauspiel Ödesmärkt hatte dabei das größte Problem, denn erst zehn Jahre nach der Veröffentlichung wagte sich eine Experimentalbühne in Brüssel an das Stück und die erste größere Aufführung musste bis 1999 warten, fand also erst 26 Jahre nach dem Tod der Schriftstellerin, am 10. Mai 1973, die verdiente Anerkennung, und war auch um diese Zeit, wegen dem homosexuellen Thema, noch ein Vorreiter.


26. Februar 1416: Christoph von Bayern wird König in Schweden
26. Februar 1533: König Erik XIV, der Nachfolger von Gustav Vasa 
26. Februar 1658: Der Frieden von Roskilde und das heutige Schweden 
26. Februar 1729: Anders Chydenius, ein Kämpfer für die Freiheit
26. Februar 1739: Göran Josuæ Adelcrantz und der Fall eines Hofarchitekt 
26. Februar 1814: Johan Tobias Sergel, Ritter des Vasaorden
26. Februar 1861: Die schwedische Künstlerin Fanny Brate
26. Februar 1889: Wilhelm Erik Svedelius, der erste Staatswissenschaftler Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 27. Juni 2012

Sophie Adlersparre und die schwedische Frauenbewegung

Am 27. Juni 1895 starb in Södertälje Sophie Adlersparre, eine schwedische Freiherrin, die sich zu einer der Pioniere der schwedischen Frauenbewegung entwickelte, auch wenn sie nur selten mit ihrem tatsächlichen Namen an die Öffentlichkeit trat, sondern ihre Arbeiten meist mit S.L-d unterzeichnete und unter dem Pseudonym „Esselde“ auftrat. Dies hing allerdings auch damit zusammen, dass ihr Ehemann, Axel Adlersparre, im Reichstag vertreten war und eine wichtige Rolle in der schwedischen Politik spielte.

Dass Sophie Adlersparre zur Frauenbewegung kam, lag vermutlich an ihrer Kindheit und Jugend, denn ihr Vater, Oberstleutnand und Freiherr Erik Gabriel Knutsson Leijonhufvud, hatte in seinem Heim sehr häufig ausländischen Besuch, wo alle zeitnahen inländischen und ausländischen Fragen diskutiert wurden. Sophie gewann hier ihr Weltbild und bald war die Schriftstellerin Fredrika Bremer ihr größtes Vorbild, die Bekämpfung von sozialen Problemen und Frauenkampf in engem Zusammenhang sah und, unter anderem, auch das Rote Kreuz in Schweden gründete.

Im Jahre 1859 gründete Sophie Adlersparre, gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Rosalie Roos, die „Tidskrift för hemmet“, gründete dann eine Schule für Mädchen der Arbeiterschicht, öffnete einen Leseraum für Frauen und gründete schließlich auch „Handarbetets vänner“. Sophie war dann eine der Mitgründerinnen des Vereins für Kinder mit Lernschwierigkeiten, eine Gruppe, die bis dahin in Schweden unbeachtet geblieben war. Dass Sophie Adlersparre dann den „Giftaprocessen“ einleitete, brachte ihr einige Zeilen in einem Brief Strindbergs, in dem er ausdrückte, dass er ihr das Nasenbein brechen werde, da Sophie seiner damaligen Frau Siri von Essen ihre Tat bekannte.


27. Juni 1902: Der letzte Geadelte Schwedens: Sven Anders Hedin
27. Juni 2003: Carl Bernadotte und die Affäre Huseby 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 17. August 2011

Siri von Essen, die stärkste Frau Strindbergs

Sigrid Sofia Matilda Elisabet von Essen, allgemein nur als Siri von Essen bekannt, wurde am 17. August 1850 in Finnland geboren, wo sie jedoch nur die ersten 13 Jahre ihres Lebens verbrachte. Obwohl Siri von Essen eine der anerkanntesten Schauspielerinnen ihrer Zeit war und in sehr vielen Punkten eine Vorläuferin der Frauenbewegung gelten kann, wurde sie später fast nur als die Frau von August Strindberg bekannt, mit dem sie von 1877 bis 1891 verheiratet war.

Siri von Essen hatte in Finnland eine französischsprachige Gouvernante, wodurch sie bereits in frühen Jahren fließend französisch sprach und 1863, als die Familie nach Frankreich zog, problemlos in der neuen Gesellschaft aufging. Als die Familie fünf Jahre später ihre finnischen Güter verkaufen musste, kam Siri von Essen nach Stockholm, wo sie sich nach wenigen Jahren mit dem Freiherrn Carl Gustaf Wrangel verheiratete. Die Ehe scheiterte bereits nach vier Jahren, da Siri als Schauspielerin arbeiten wollte, was bei einem Freiherrn als Mann gesellschaftlich unmöglich war. Zudem hatte ihr Mann bereits nach kurzer Zeit der Ehe ein Verhältnis mit einer jüngeren Cousine Siris.

Nach der Scheidung nahm Siri von Essen Schauspielunterricht und wurde dann bereits 1877 vom Stockholmer Dramaten angestellt, wo sie erst nach sechs Jahren gekündigt wurde, als sie ihr drittes Kind von Strindberg erwartete und vom Theater als Belastung betrachtet wurde. Ab 1884 wurde das Verhältnis zwischen Siri von Essen und Strindberg angespannt, da Strindberg seine Frau beschuldigte ein lesbisches Verhältnis mit Marie David zu unterhalten. 1888 starteten dann Siri von Essen und August Strindberg, ohne großen Erfolg, eine Versuchstheater in Dänemark, wo Siri von Essen während der Uraufführung die Hauptrolle in Fröken Julie spielt. Nach der Scheidung von Strindberg im Jahre 1893 zog Siri von Essen mit den Kindern nach Finnland, wo sie die Familie mit Übersetzungen und Theaterunterricht versorgte.

17. August 1908: Laura Fitinghoff, Literatur gegen Schundliteratur
17. August 1995: Der Mord an John Hron bewegt Schweden 

Copyright: Herbert Kårlin