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Freitag, 29. März 2013

Niklas Lindgren, genannt Hagamannen

Am 29. März 2006 wurde Niklas Lindgren, der in Schweden allgemein als Hagamannen bekannt ist, vor seinem Arbeitsplatz festgenommen, nachdem er seit 1998 die nordschwedische Stadt Umeå in Angst und Schrecken versetzt hatte, da er mehrere Frauen vergewaltigt hatte und eine unter ihnen nur knapp mit dem Leben davongekommen war. Insgesamt waren bei der Polizei in diesen acht Jahren acht Anzeigen eingegangen, die deutlich auf den gleichen Täter schließen ließen, den Hagamannen.

Im Grunde hätte die Polizei Niklas Lindgren bereits im Jahr 2000 auf die Spur kommen können, da ihn damals eine Frau auf einem Fahndungsfoto erkannt hatte und dies auch der Polizei meldete, aber da die Frau des Hagamannen gerade ein Kind bekam, hielt man die Ähnlichkeit für einen Zufall, da ein unbescholtener Familienvater dessen Frau gerade ein Kind bekam nicht in ihr Profil passte. Zudem galt Lindgren auch bei seinen Nachbarn als freundlich und zuvorkommend, was allerdings für nahezu alle Vergewaltiger gilt.

Für seine erste Vergewaltigung hatte sich der Hagamannen im Jahre 1998 eine 14-jährige ausgesucht, die jedoch das Glück hatte, dass noch kurz vor der Vergewaltigung als solche ein Fußgänger kam, was den Täter zur Flucht trieb. Für seine letzte Tat im Jahre 2005 wählte er eine 51-jährige, die versuchte sich zu wehren und deswegen nicht nur vergewaltigt wurde, sondern extrem schwer verletzt wurde und nur knapp mit dem Leben davonkam. Für seine Taten erhielt Niklas Lindgren eine Gefängnisstrafe von 14 Jahren, was bedeutet, dass er bereits 2015 wieder in Freiheit sein wird. Wie so oft bei besonders auffälligen Kriminaltaten, so wurde auch über den Hagamannen eine Dokumentation gedreht.


29. März 1772: Emanuel Swedenborg, der größte Mystiker Schwedens 
29. März 1968: Ein Tunnel unter dem Göta Älv

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg Jährlicher Gothia Cup in Göteborg

Mittwoch, 20. März 2013

Der Mord an Helén Nilsson in Hörby

Am 20. März 1989 macht sich Helén Nilsson auf den Weg zu einem Einkaufszentrum in Hörby um dort eine Freundin zu treffen. Als das Mädchen dort nicht auftaucht und am Abend auch nicht nach Hause zurückkehrt, wird allen sehr schnell klar, dass etwas geschehen sein muss. Erst sechs Tage später wird Helén tot aufgefunden und die folgende Obduktion zeigt, dass sie auf brutalste Weise misshandelt und vergewaltigt worden war. Wegen der Schwere des Falles wird unmittelbar alles in die Wege geleitet um den Täter zu finden, was sich jedoch ohne Zeugen als sehr schwierig erweist.

Obwohl die Obduktion beweist, dass Helén Nilsson mehrere Tage lebend in den Händen des Gewalttäters war, kommt die Polizei bei der Suche nach dem Täter nicht weiter und alle, die als verdächtig eingestuft werden oder gar festgenommen werden, erweisen sich als unschuldig. Obwohl die DNA-Technik nicht sehr fortgeschritten war und der Polizei 1989 keine großen Dienste leistete, kamen die Beamten auf die Idee das gefundene Sperma und die anderen Spuren einfrieren zu lassen, was sich 2004 als kluge Entscheidung erwies, denn erst am 24. Juni 2004, 15 Jahre nach der Tat Heléns, konnte der Täter dadurch festgestellt werden.

Die Aufklärung des Mordes an Helén Nilsson im Jahre 2004 war dennoch einem Zufall zu verdanken, denn der Polizistin Monica Olhed wurde bei einem privaten Fest zugetragen, dass sich ein Mann in einer bestimmten Firma um die Mordzeit sehr merkwürdig verhalten habe und damals eigenartige Gerüchte um ihn kreisten. Die Polizistin nahm den Tipp ernst und bei einer Abgleichung der DNA stellte sich heraus, dass Ulf Olsson, der Täter, in diesem Jahr nicht nur die zehnjährige Helén getötet hatte, sonder mit Sicherheit auch die 26-jährige Jannica Ekblad. Auf Grund einer DNA-Beweisführung wurde Olsson erst zu lebenslänglicher Haft verurteilt, die bei der Berufung jedoch in eine Einweisung in die Psychiatrie geändert wurde, wo sich der Täter dann das Leben nahm.


20. März 1413: Landskrona, die Hauptstadt Skånes
20. März 1413: Landskrona wird Stadt und zum Handelszentrum 
20. März 1957: Der schwedische Gitarrist und Sänger Joakim Thåström 

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

Samstag, 5. Mai 2012

Schweden und die Rechte der Frau

Auch wenn die Frau in Schweden heute als gleichberechtigt betrachtet wird und sie schon im Mittelalter eine hohe Stellung einnehmen konnte, so liegen dazwischen fast 1000 Jahre in denen die Rolle der schwedischen Frau auf das extremste eingeschränkt war. So wurde erst am 5. Mai 1939 ein Gesetz erlassen nach dem die Frau nicht mehr wegen einer Verlobung, einer Ehe oder einer Geburt gekündigt werden konnte. Gleichzeitig wurden ihr dabei auch zwei Wochen lang Gehalt nach einer Geburt gewährt.

Immerhin durfte eine schwedische Frau bereits seit 1872 selbst bestimmen wen sie heiraten wollte und musste nicht mehr den ihr zugewiesenen Mann akzeptieren. Ob diese Bestimmung allerdings immer zum Vorteil der Frau war, ist weniger sicher, denn nach der Ehe hatte die Frau keine Freiheit gefunden, sondern ihr Ehemann war automatisch zu ihrem Vormund geworden und ohne dessen Zustimmung durfte sie keinerlei Verträge unterzeichnen, selbst dann nicht, wenn sie das gesamte Geld mit in die Ehe gebracht hatte. Erst 1921 durfte sie dann auch über sich selbst bestimmen, selbst eine Arbeit suchen und auch über ihre Einkünfte entscheiden.

Wer allerdings der Meinung ist, dass dies die schwedische Frau wirklich befreite, täuscht sich, denn noch bis 1965 durfte der Ehemann seine Frau völlig legal vergewaltigen ohne die geringste Strafe befürchten zu müssen, wobei sie bis 1938 auch nicht an irgendwelche Präventivmittel denken konnte, denn bis dahin war es in Schweden bereits strafbar sich allein danach zu erkundigen. Bis 1975 sollte sie dann auch nicht an Abtreibung denken, da dies hart bestraft wurde. Aber noch heute hat die schwedische Frau nicht den gleichen Lohn wie der Mann.


5. Mai 1912: Die Olympischen Spiele in Stockholm
5. Mai 1984: Herreys, Schwedens erste Boyband, gewinnt den ESC 

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 9. April 2012

Maria-Pia Boëthius und der schwedischer Feminismus

Am 9. April 1947 wurde Maria-Pia Boëthius geboren, eine Frau, die ab 1976 vor allem für ihren Kampf für die Rechte der schwedischen Frau bekannt wurde. Nachdem sie acht Jahre lang Mitarbeiterin der schwedischen Abendzeitung Expressen war, publizierte sie ihr erstes Buch: „Skylla sig själv“, das zu einer der bedeutendsten Debatten zur Rolle eines Vergewaltigungsopfers führte, zumal zu jener Zeit alle Richter bei jedem Fall untersuchten inwieweit das Opfer eine Vergewaltigung provoziert hat.

Skylla sig själv“ war letztendlich auch der Anlass dazu, dass die schwedische Regierung im Jahre 1984 das Gesetz zur Vergewaltigung änderte und die Rolle des Opfers nicht mehr in die Debatte aufgenommen werden durfte. Maria-Pias erste Belletristik war indes eine Revanche auf das Buch „Jack“ von Ulf Lundell, der sie in seinem Werk wenig schmeichelhaft darstellte, obwohl die beiden zu jener Zeit ein Paar waren und Ulf Lundell das Buch in ihrer Stuga geschrieben hatte. Als Folge veröffentlichte dann Maria-Pia Boëthius ihren Roman „Svensson, Svensson“, wo sie Ulf Lundell in wenig schmeichelnder Form präsentierte.

Bereits 1994 forderte Maria-Pia Boëthius die Gründung einer Frauenpartei, was dann im Jahre 2005 zur Feministisk Initiativ führte, der sie zwar ideologisch nahe stand, jedoch keine Rolle innerhalb der Partei einnehmen wollte. Maria-Pia wollte sich in keinerlei Richtung festlegen und betrachtete sich mehr als Kämpfer gegen das allgemeine schwedische System, das nicht nur die Frau diskriminiert. So griff sie unter anderem auch die Berichtserstattung der Nachrichten an, die sie mit einer Okkupationsmacht verglich, da die ökonomische Abhängigkeit der Journalisten dazu führt nur populistische Informationen zu verbreiten und die Vielfalt der Medien zu einem Einheitsbrei wird.

9. April 1689: Kristina von Schweden, die widerspenstige Königin
9. April 1944: Lars Norén und die schwedischen Außenseiter 

Copyright: Herbert Kårlin