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Samstag, 7. Juni 2014

Die schwedische Politikerin Anna-Greta Leijon

Am 7. Juni 1988 musste Anna-Greta Leijon, die erst 1987 von Ingvar Carlsson zur Justizministerin ernannt worden war und damit die erste Justizministerin Schwedens wurde, die keinerlei Jurastudium hinter sich hatte, wegen der sogenannten Ebbe Carlsson Affäre von ihrem Amt zurücktreten. Allerdings beendete dies nicht ihre politische Karriere, denn noch im gleichen Jahr wurde sie erneut ins Parlament gewählt und die Vorsitzende des Finanzausschusses. Selbst als Anna-Greta Leijon 1990 wegen internen politischen Schwierigkeiten als Vorsitzende des Ausschusses zurücktrat, so erhielt sie bis zu ihrer Rente regelmäßig Regierungsaufträge, unter anderem beim schwedischen Fernsehen und als Direktorin des Skansen in Stockholm.

Anna-Greta Leijon war am 30. Juni 1939 als Tochter eines Gefängniswärters in Stockholm geboren worden. Bereits als Schülerin engagierte sie sich im Jugendverband der Antialkoholiker und zeigte sich als Kämpferin gegen jeden Alkoholkonsum. Nach ihrem Abitur begann Leijon im Herbst 1960 Staatswissenschaft an der Universität Uppsala zu studieren und trat gleichzeitig dem Jugendverband der Sozialdemokraten bei. Noch bevor die Studentin irgendein Examen ablegte, heiratete sie und verließ die Universität - um jedoch bereits 1964 im Vorläufer des schwedischen Arbeitsamts beschäftigt zu werden, mit der Aufgabe Frauen beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu helfen.

Der politische Aufstieg von Anna-Greta Leijon begann dann im Jahre 1970, als sie in die Regionalregierung der Region Stockholm als Vertreterin der Sozialdemokraten gewählt wurde. Nur drei Jahre später wurde Leijon in das Parlament gewählt und zum Staatsrat ernannt sowie von Olof Palme als stellvertretende Arbeitsmarktministerin eingesetzt. Als Staatsrat trat Leijon dann besonders hervor, als sie nach der Geiselnahme am 24. April 1975 im Schnellverfahren die deutschen Terroristen abschob und anschließend knapp einer Entführung durch die RAF entging. Diese Berühmtheit half ihr im Jahre 1982 dabei, als die Sozialdemokraten in Schweden wieder an die Macht kamen, unmittelbar das Amt als Arbeitsmarktministerin zu erhalten. Anna-Greta Leijon stolperte mit der Ebbe Carlsson Affäre letztendlich an mangelnden juristischen Kenntnissen.


7. Juni 1876: Josefina von Leuchtenberg wird Königin in Schweden
7. Juni 1905: Schweden und Norwegen gehen getrennte Wege
7. Juni 1907: Sigvard Bernadotte verzichtet auf Titel und Thron
7. Juni 1988: Die Ebbe Carlsson Affäre und der Tod von Olof Palme
7. Juni 2015: Das Naturreservat Fjällberget bei Leksand 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 11. April 2012

Der schwedische Kampf gegen den Alkohol

Am 11. April 1837 gründete eine Handvoll Personen die Svenska Sällskapet för Nykterhet och Folkuppfostran, deren Ziel es war über die Gefahren des Alkohols aufzuklären und dahin zu arbeiten, dass niemand mehr starke Getränke zu sich nimmt. Allein während der nächsten 15 Jahre konnte die Gesellschaft, die eine christliche Lebensanschauung als Basis hatte, mehr als 100.000 Mitglieder sammeln, die alle gegen die Gefahren des Schnapses kämpfen wollten.

Die schwedische Nüchternheitsbewegung hatte ihre Vorbilder in einer britischen Antialkoholikergesellschaft aus dem Jahre 1831 und jener aus Amerika, die bereits seit 1826 bestand und von einem Prediger der Presbyterianer, Robert Baird, nach Europa gebracht worden war. Karl XIV Johan unterstützte die schwedische Gesellschaft unmittelbar, da er einerseits über den hohen Alkoholgenuss der Schweden bekümmert war, zum anderen darin die Möglichkeit sah die protestantische Kirche zum Vorsprecher der Bewegung zu machen und damit andere religiöse Gruppen in Schweden weiterhin in ihre Grenzen weisen konnte. Letztendlich sorgte dann auch die Dominanz der protestantischen Priester für den schnellen Wachstum der Gesellschaft.

Die antialkoholische Gesellschaft war zu Beginn der Meinung, dass man nicht den Verkauf beschränken muss, sondern das Ziel auch durch Information erreichen kann. Insbesondere Reiseprediger wie Peter Wieselgren wollten ihr Ziel ausschliesslich durch Aufklärung erreichen. Die Lobbyarbeit dieser Bewegung veränderte jedoch langsam die Einstellung der führenden Gesellschaftsschicht zum Alkohol, was dann 1855 zum Gesetz führte, dass das Schnapsbrennen für eigene Zwecke verboten wurde. Im Jahr 1902 ging dann die ursprüngliche Gesellschaft der schwedischen Antialkoholiker im neu gegründeten IOGT (Independent Order of Good Templars) auf, die durch eine intensive Lobbyarbeit auf die Politik einwirken wollen um den Alkoholkonsum in Schweden möglichst ganz zu verhindern.

11. April 1940: Schweden rüstet sich gegen Deutschland 
11. April 1973: Szenen einer Ehe, ein Film von Ingmar Bergman

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 27. August 2011

Restriktive Alkoholpolitik in Schweden

Am 27. August 1922 fand in Schweden eine Volksumfrage statt, die entscheiden sollte, ob Alkohol in Schweden vollständig verboten werden soll oder frei verkauft werden darf. Diese Entscheidung hat die Alkoholpolitik des Landes bis heute beeinflussen und führte 1923 zum staatlichen Monopol für den Alkoholverkauf, die heutige Systembolaget, obwohl 50,8 Prozent der Schweden für den freien Verkauf von alkoholischen Getränken gestimmt hatten.

Bei der Volksumfrage verhielten sich, außer der Kommunistischen Partei Schwedens, alle Parteien mehr als Beobachter und wollten, vor einer politischen Entscheidung, die Meinung des Volkes kennenlernen. Für ein absolutes Alkoholverbot kämpften die in Schweden sehr gut organisierten Bewegungen der Antialkoholiker, die bei ihren Reden und auf ihren Plakaten den Alkohol als den Untergang jeder Familie darstellten und auf die hohen Kosten hinwiesen, die Alkoholiker für die Gesellschaft verursachen.

Jene, die das Alkoholverbot ablehnten, wählten mehr eine humoristische Kampagne und benutzten, unter anderem, ein Plakat von Albert Engström, das darauf hinwies, dass zu einem Krebsessen auch Alkohol gehört. Interessant war bei der Auszählung der Stimmen, dass 63 Prozent der Frauen Alkohol verbieten wollten und 63 Prozent der Männer für einen freien Verkauf waren. Auch regional waren ähnliche Unterschiede zu bemerken, denn in Västerbotten stimmten 81 Prozent der Bevölkerung für ein absolutes Verbot von Alkohol und in Skåne waren 81 Prozent der Bevölkerung gegen das Verbot.

Nach der Auswertung der Volksumfrage wählte das Parlament eine Entscheidung, die keine der beiden Seiten wirklich befriedigte und führte die bereits vorher bestimmte restriktive Alkoholpolitik fort, wollte jedoch nun nicht mehr so weit gehen den Verkauf von Wein, Bier und Schnaps ganz zu verbieten. Trotz dem Sieg der Befürworter des freien Alkoholverkaufes wurde nach der Volksumfrage Starkbier verboten und der Verkauf von Alkohol staatlich geregelt, eine Entscheidung, die im Grunde bereits vor der Volksumfrage gefällt war.

27. August 1756: Gustav III. schafft in Schweden die Tortur ab
27. August 1973: Johan Norberg, der Schriftsteller für Globalisierung und Kapitalismus 

Copyright: Herbert Kårlin