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Mittwoch, 28. September 2016

Der schwedische Hochzeitsschwindler Gustaf Raskenstam

In der Geschichte Schwedens tauchen bis heute nur zwei bedeutende Heiratsschwindler auf, einer davon war Gustaf Raskenstam, der am 28. September 1969, imAlter von 68 Jahren, an Krebs und in größter Armut in einem Hospital in Farsta bei Stockholm starb. Raskenstam ist in Schweden bis heute eine bekannte Persönlichkeit, da der Regisseur Gunnar Hellström seine Geschichte 1983 auf der Leinwand verewigte und dafür Schauspielerinnen wie Lena Nyman, Harriet Andersson und Inga Gill beschäftigte. Auch wenn die Kritik die Hauptfigur, die vom Regisseur selbst interpretiert wurde, kritisierte, weil Raskenstam zu liebenswürdig dargestellt wurde, war das Publikum vom Film begeistert.

Gustaf Raskenstam war am 27. März 1901 in Karlstad zur Welt gekommen und war ein relativ wenig erfolgreicher Geschäftsmann. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Raskenstam dann die glorreiche Idee seine Geldprobleme auf eine sehr einfache Weise zu lösen, nämlich sich das Vertrauen von Frauen zu erschleichen und diese dann um ihre Ersparnisse zu erleichtern. Wie viele Frauen der Heiratsschwindler tatsächlich betrogen hat, ist bis heute unbekannt, auch wenn man mit Sicherheit weiß, dass er über 100 Frauen ausgenommen hat und mit mindestens 30 unter ihnen auch verlobt war, und dies innerhalb von nur zwei Jahren, da er 1943 wegen seinen Taten eine längere Gefängnisstrafe antreten musste.

Der Erfolg von Gustaf Raskenström lag vor allem an seinem Charme, wodurch er durch seine Korpulenz und seine feine Lebensart vertrauenswürdig wirkte. Nachdem er,  gegenüber den Frauen, auch immer einen etwas gehobenen Beruf ausübte, zum Beispiel Bankier, kamen den Frauen nur selten Zweifel an der Redlichkeit Raskenströms. Da dieser auch noch eigenes Auto hatte und eine Zigarre rauchte, machte er den Eindruck eines zuverlässigen Partners, der beruflich eben viel unterwegs war und vorübergehen ein Geldproblem hatte. Als Raskenström nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Gefängnis entlassen wurde, heiratete er eine ärmer Fischertochter und bekam mit ihr ein Kind. Die Ehe hielt jedoch nur einige Jahre, dann trennte sich das Paar, ohne sich jedoch je scheiden zu lassen.


28. September 1675: Die Krönung des Königs Karl XI. In der Domkirche in Uppsala
28. September 1797: Die schwedische Schriftstellerin Sophie von Knorring
28. September 1911: Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen
28. September 1954: Die schwedische Politikerin Margot Wallström
28. September 1994: Der Untergang der M/S Estonia in der Ostsee
28. September 1994: Der schwedische Musiker Pierre Isacsson
28. September 1998: Olle Länsberg, der verschollene Autor Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 9. April 2015

Der schwedische Skandalregisseur Vilgot Sjöman

Als Vilgot Sjöman am 9. April 2006 in Stockholm starb, verschwand ein schwedischer Regisseur, der als Skandalregisseur bekannt war, obwohl er mit seiner Zeitkritik und seiner Offenheit lediglich der Zeit vorausgeeilt war und Themen verfilmte, die im prüden und konservativen Schweden jener Tage als Tabu galten. Mehrere seiner Filme kamen nie in ihrer Gesamtheit in die schwedischen Kinos, da Teile davon der Schere der Filmkritik zu Opfer gefallen waren. Aber Sjöman gehörte auch zu jener kleinen Gruppe der schwedischen Filmer, die, gerade wegen ihrer Themen, weit über Schweden hinaus bekannt waren. Norman Mailer schrieb über Vilgot Sjöman sogar, das dieser einer der bedeutendsten Regisseur war, die je existierten.

Vilgot Sjöman war am 2. Dezember 1924 als Sohn eines Bauarbeiters in Stockholm zur Welt gekommen und begann nach einem Studium an der Universität Stockholm als Schriftsteller mit dem Roman Lektorn, der später von Gustaf Molander verfilmt wurde. Seine wahre Karriere begann dann jedoch 1955 mit einem Stipendium für ein Filmstudium an der Universität UCLA in Kalifornien. Zurück in Schweden entstand dann 1961 sein erster Langfilm Älskarinnan mit Bibi Andersson in der Hauptrolle, ein verwickeltes Dreierverhältnis, das bedeutende Aufmerksamkeit erregte. Parallel zu seiner Tätigkeit als Regisseur arbeitet Sjöman auch weiterhin als Schriftsteller und veröffentlichte, unter anderem, eine Reportage über Ingmar Bergman.

Im Jahr 1964 realisierte Vilgot Sjöman dann seinen Film 491 nach dem Roman von Lars Görling, der bereits vor der Premiere in die Presse kam, da die Filmkritik hier zahlreiche Szenen entfernte, dadurch allerdings das Publikum noch neugieriger auf den Film machte. Sjöman setzte mit den kritischen Gesellschaftsbetrachtungen fort und als 1967 der Film Jag är nyfiken - gul mit Lena Nyman in die Kinos kam, war der Filmer bis an die Grenzen des filmisch möglichen gegangen, wobei allerdings weniger über seine politische Nachricht im Film diskutiert wurde, sondern die sehr realistische Nacktszene ins Zentrum geriet. Den Höhepunkt seiner Karriere als Regisseur erreichte Vilgot Sjöman 1974 mit seinem Film En handfull kärlek mit Anita Ekström in der Hauptrolle für den der Filmer mit einem Guldbagge (Goldenen Käfer) belohnt wurde. Als Sjöman 1995 seinen letzten Film, ein Drama über Alfred Nobel präsentierte, dem thematisch die Brisanz fehlte, war die Kritik niederschmetternd und der Film wurde geradezu eine finanzielle Katastrophe.


9. April 1689: Kristina von Schweden, die widerspenstige Königin
9. April 1862: Anna Maria Roos, vom Schulbuch zum Drama und zum Kinderbuch
9. April 1903: Die Schauspielerin und Regisseurin Mimi Pollak
9. April 1944: Lars Norén und die schwedischen Außenseiter
9. April 1947: Maria-Pia Boëthius und der schwedischer Feminismus
9. April 1947: Die erstaunliche Karriere von Karin Kock-Lindberg
9. April 1970: Gustaf Tenggren, von Trollen zu Disneys Pinocchio
9. April 2010: Kerstin Thorvall und die sexuelle Revolution Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 4. Februar 2013

Lena Nyman und die sündige Filmwelt Schwedens

Die schwedische Schauspielerin Lena Nyman starb am 4. Februar 2011 in Stockholm im Alter von nur 66 Jahren, eine Schauspielerin, die sowohl im Dramaten als auch beim Stadttheater in Stockholm gearbeitet hat und an zahlreichen Filmen mitwirkte, die ihr zu einem internationalen Ruf verhalfen. Da Lena Nyman bereits mit sechs Jahren in der Theaterschule begann, war ihre Zukunft als Schauspielerin bereits von den Eltern vorbestimmt.

Mit elf Jahren spielte Lena Nyman bereits in dem für Kinder verbotenen Thriller Farligt löfte und in Luffaren och Rasmus, was bedeutete, dass sich das Mädchen von den Einnahmen bereits selbst versorgen konnte. Als die Schauspielerin schließlich als Schauspielstudentin im Dramaten aufgenommen wurde, hatte sie auf der Bühne des gleichen Theaters bereits mehrere Rollen gespielt und war in zahlreichen Filmen aufgetreten. Die Schule diente daher weniger dem Erlernen des Berufs, sondern bot ihr eine Pause im ständigen Stress.

International bekannt wurde Lena Nyman jedoch weniger wegen ihrer ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen, sondern weil sie in Vilgot Sjömans Film Jag är nyfiken - gul die weibliche Hauptrolle spielte. Da die Schauspielerin bei diesem Film ein Tabu brach und ihre nackte Brust zeigte, wurde sie als die „Sünde Schwedens“ in den schwedischen Medien auf das heftigste kritisiert und der politische Inhalt des Films wurde fast zur Nebensache. Aber gerade diese Szene öffnete dem Film den Zugang zum internationalen Markt. In den USA wurde der Film sogar im Kampf gegen die Zensur angewandt. Nach Norman Mailer war Jag är nyfiken - gul mit Lena Nyman der bedeutendste Film, den er je gesehen hatte.


Copyright: Herbert Kårlin