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Sonntag, 29. April 2018

Die Schriftstellerin Stina Bergman

Stina Bergman kam am 29. April 1888 als Elsa Kristina Lindberg, als Tochter eines Schauspielerpaares, in Stockholm zur Welt und wuchs gewissermaßen im Theater auf, da ihr Vater eine reisende Theatergesellschaft hatte, während die Mutter am Dramaten angestellt war. Mit 17 Jahren lernte die damalige Lindberg dann Hjalmar Bergman kennen, den sie drei Jahre später heiratete, als dieser noch ein relativ unbedeutender Schriftsteller war. Vom ersten Tag an half Stina ihrem Mann bei der Bearbeitung seiner Aufträge und 1913 begann sie sich dann intensiv für den Film und die Verfassung von Szenarien zu interessieren.

Zwischen 1913 und 1924 arbeitete Stina Bergman intensiv mit ihrem Mann zusammen, ohne jedoch selbst in Erscheinung zu treten, auch wenn das Paar innerhalb dieser Zeit rund 40 Filmmanuskripte schrieb und 1919 ihr Ehemann mit dem Roman Markurells i Wadköping bekannt wurde, an dem auch Stina eine bedeutende Rolle spielte. Als 1924 Victor Sjöström, Mauritz Stiller und Greta Garbo nach Hollywood gingen, hoffte auch das Paar Bergman, das in diesen Jahren als unzertrennlich galt, dort Karriere zu machen. Auch wenn wenig über diese Zeit bekannt ist, so kehrte das Paar Bergman nach knapp vier Monaten in Hollywood wieder nach Schweden zurück und Stina Bergman brach die Zusammenarbeit mit ihrem Mann ab und verteidigte ihn persönlich, im Gegensatz zu den gemeinsamen Werken, nicht mehr in der Öffentlichkeit, so dass allgemein bekannt wurde, dass ihr Ehemann nicht nur homosexuell und stark drogenabhängig war, sondern zudem Kinder missbrauchte.

Nach dem Tod Hjalmar Bergmans im Jahr 1931 hatte Stina Bergman einen kompletten Nervenzusammenbruch, der sie erst vier Jahr später zu einer Art Neugeburt führte, als sie, gemeinsam mit Gustaf Molander das Filmmanuskript Swedenhielms schrieb, bei dem auch deutlich wurde, dass sie bei der Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann immer gebremst wurde, denn ab dieser Zeit waren die Werke Bergmans menschlicher und daher dem Publikum auch zugänglicher. Im Jahr 1940 wurde Stina Bergman dann für die Auswahl aller Manuskripte bei der Svensk Filmindustri verantwortlich, einer Zeit des Umbruchs, da kaum noch ausländische Filme nach Schweden kamen, der Bedarf an rein schwedischen Filmen daher bedeutend wurde. Stina Bergman legte bei der Auswahl der Manuskripte ein hohes Qualitätsniveau voraus, was dadurch vereinfacht wurde, da Manuskriptschreiber damals zur Arbeitszeit im Büro von SF schrieben und Bergman daher die Autoren auch maßgeblich beraten und steuern konnte. Stina Bergman starb am 3. Juli 1976 in Stockholm. Bergman ist es auch zu verdanken, dass Ingmar Bergman bei der Svensk Filmindustri angestellt wurde.


29. April 1442: Krister Nilsson und die Kalmarer Union
29. April 1659: Sophia Elisabet Brenner, Frauenliteratur im 17. Jahrhundert
29. April 1659: Sophia Elisabet Brenner und die Frauenbewegung
29. April 1742: Der Bergwerksarzt Johan Moraeus
29. April 1805: Der Künstler Lorens Pasch der Jüngere
29. April 1812: Emilie Högqvist, ein kurzes Leben im Glanz
29. April 1828: Der Industrielle Carl Otto Bergman
29. April 1913: Schwedischer Reißverschluss erobert die Welt
29. April 2011: Der Beginn und das Ende des Smålands Folkblad

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 15. Februar 2016

Hasse Ekman, Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor

Als Hasse Ekman am 15. Februar 2004 im Krankenhaus im spanischen Marbella starb, ging er als einer der produktivsten Regisseure und Schauspieler in die schwedische Geschichte ein, denn er führte bei 41 Filmen Regie und stand für 51 Filme vor der Kamera. Hasse Ekman ist sowohl im Theater als auch der Filmwelt bis heute eine Symbolfigur der 40er und 50er Jahre, was oft auch damit verbunden wird, dass Ekman für einige seiner Filme das Manuskript schrieb, die Regie führte und auch noch die Hauptrolle spielte, was in der schwedischen Filmgeschichte geradezu als einmalig betrachtet werden kann.

Hasse Ekman war am 10. September 1915 unter dem Namen Hans Ekman als Sohn des legendären Schauspielers und Theaterdirektors Gösta Ekman in Stockholm zur Welt gekommen und hatte sich mit 17 Jahren dazu entschieden eine wichtige Rolle im schwedischen Film zu spielen. Mit 20 Jahren ging er nach Hollywood um dort Film zu studieren. Als Ekman ein Jahr später nach Schweden zurückkehrte, erhielt er unmittelbar seine erste Nebenrolle im Film und stand neben seinem Vater und Ingrid Bergman bei Intermezzo vor der Kamera, gleitet vom Regisseur Gustaf Molander.

Es sollten nur vier Jahre vergehen bis Hasse Ekman seinen ersten eigenen Film Med dej i mina armar präsentierte. Allerdings war Ekman nicht nur im Film aktiv, sondern führte auch im Theater Regie, dem er sich ab den 60er Jahren mehr und mehr zuwandte, da er sich im damals modernen Film nicht mehr wohl fühlte. 1964 zog sich Ekman dann ganz von der Filmwelt zurück und führte nur noch gelegentlich Regie am Theater. Auch privat änderte sich in dieser Zeit das Leben des Regisseurs, Schauspielers und Filmers, denn er verkaufte seine gesamte Kunstsammlung um sich ein Leben in Marbella aufbauen zu können.

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Donnerstag, 9. April 2015

Der schwedische Skandalregisseur Vilgot Sjöman

Als Vilgot Sjöman am 9. April 2006 in Stockholm starb, verschwand ein schwedischer Regisseur, der als Skandalregisseur bekannt war, obwohl er mit seiner Zeitkritik und seiner Offenheit lediglich der Zeit vorausgeeilt war und Themen verfilmte, die im prüden und konservativen Schweden jener Tage als Tabu galten. Mehrere seiner Filme kamen nie in ihrer Gesamtheit in die schwedischen Kinos, da Teile davon der Schere der Filmkritik zu Opfer gefallen waren. Aber Sjöman gehörte auch zu jener kleinen Gruppe der schwedischen Filmer, die, gerade wegen ihrer Themen, weit über Schweden hinaus bekannt waren. Norman Mailer schrieb über Vilgot Sjöman sogar, das dieser einer der bedeutendsten Regisseur war, die je existierten.

Vilgot Sjöman war am 2. Dezember 1924 als Sohn eines Bauarbeiters in Stockholm zur Welt gekommen und begann nach einem Studium an der Universität Stockholm als Schriftsteller mit dem Roman Lektorn, der später von Gustaf Molander verfilmt wurde. Seine wahre Karriere begann dann jedoch 1955 mit einem Stipendium für ein Filmstudium an der Universität UCLA in Kalifornien. Zurück in Schweden entstand dann 1961 sein erster Langfilm Älskarinnan mit Bibi Andersson in der Hauptrolle, ein verwickeltes Dreierverhältnis, das bedeutende Aufmerksamkeit erregte. Parallel zu seiner Tätigkeit als Regisseur arbeitet Sjöman auch weiterhin als Schriftsteller und veröffentlichte, unter anderem, eine Reportage über Ingmar Bergman.

Im Jahr 1964 realisierte Vilgot Sjöman dann seinen Film 491 nach dem Roman von Lars Görling, der bereits vor der Premiere in die Presse kam, da die Filmkritik hier zahlreiche Szenen entfernte, dadurch allerdings das Publikum noch neugieriger auf den Film machte. Sjöman setzte mit den kritischen Gesellschaftsbetrachtungen fort und als 1967 der Film Jag är nyfiken - gul mit Lena Nyman in die Kinos kam, war der Filmer bis an die Grenzen des filmisch möglichen gegangen, wobei allerdings weniger über seine politische Nachricht im Film diskutiert wurde, sondern die sehr realistische Nacktszene ins Zentrum geriet. Den Höhepunkt seiner Karriere als Regisseur erreichte Vilgot Sjöman 1974 mit seinem Film En handfull kärlek mit Anita Ekström in der Hauptrolle für den der Filmer mit einem Guldbagge (Goldenen Käfer) belohnt wurde. Als Sjöman 1995 seinen letzten Film, ein Drama über Alfred Nobel präsentierte, dem thematisch die Brisanz fehlte, war die Kritik niederschmetternd und der Film wurde geradezu eine finanzielle Katastrophe.


9. April 1689: Kristina von Schweden, die widerspenstige Königin
9. April 1862: Anna Maria Roos, vom Schulbuch zum Drama und zum Kinderbuch
9. April 1903: Die Schauspielerin und Regisseurin Mimi Pollak
9. April 1944: Lars Norén und die schwedischen Außenseiter
9. April 1947: Maria-Pia Boëthius und der schwedischer Feminismus
9. April 1947: Die erstaunliche Karriere von Karin Kock-Lindberg
9. April 1970: Gustaf Tenggren, von Trollen zu Disneys Pinocchio
9. April 2010: Kerstin Thorvall und die sexuelle Revolution Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 5. Juli 2014

Karin Swanström und der schwedische Film

Als Karin Swanström am 5. Juli 1942 in Stockholm starb, gehörte sie zu den wenigen Frauen des schwedischen Filmgeschehens, die durch ihre Hintergrundarbeit einen der wichtigsten Beiträge für die Entwicklung des schwedischen Films geleistet hat, da sie zwischen 1933 und 1941 für die gesamte Produktion der Svensk Filmindustri (SF) zeichnete. Swanström führte damit den Tonfilm in Schweden ein, der Ingrid Bergman unsterblich machte, und unter ihr bekam Ingmar Bergman seine ersten Chancen im schwedischen Film.

Karin Swanström war am 13. Juni 1873 in Norrköping geboren worden und lernte ab 1890 an der Schauspielschule des Dramaten in Stockholm den Beruf der Schauspielerin. Nach einigen Jahren in reisenden Theatergesellschaften gründete Swanström 1906 ihre eigene Gruppe, die sowohl klassische Dramen als auch humoristische Stücke präsentierte. 1920 gab Swanström das Theater auf um zur wachsenden Filmindustrie Schwedens zu wechseln, wobei sie hier sowohl als Schauspielerin als auch als Regisseurin für Stummfilme zu arbeiten begann.

Ihren Einstieg als Filmschauspielerin machte Karin Swanström im Jahre 1921 als Fürstin Ivanovna Stefanovna Barantscheff in Mauritz Stillers Film De landsflyktige. Dieser weiblichen Hauptrolle sollten rund 50 weitere tragende Filmrollen folgen bis Swanström 1933 bei der Svensk Filmndustri (Schwedische Filmindustrie) angestellt wurde und entschied was in den Studios Filmstaden (Filmstadt) in Råsunda gedreht wurde, den damals führenden Filmstudios Schweden in denen auch Gustaf Molander und Weyler Hildebrand arbeiteten. Nur ein Jahr vor ihrem Tod musste Swanström jedoch von ihrem Amt zurücktreten, vermutlich auf Grund eines Plagiats.


5. Juli 1568: Die erste bürgerliche Königin Schwedens: Karin Månsdotter
5. Juli 1793: Der schwedische Maler Alexander Roslin
5. Juli 1874: Der schwedische Künstler Fritz Lindström
5. Juli 1919: Karl Alfred Melin, der Dichter der Schären des Södermanlands
5. Juli 1987: Eine Fokker F-28 landet auf dem Flughafen Emmaboda

Copyright: Herbert Kårlin

Way Out West, Musik in Göteborg Göteborger Kulturfestival 2013

Montag, 18. November 2013

Der schwedische Filmregisseur Gustaf Molander

Gustaf Molander wurde am 18. November 1888 in Helsingfors (Helsinki) geboren und hatte einen bekannten Regisseur als Vater (Harald Molander) und eine bedeutende Opernsängerin als Mutter (Lydia Wessler). Seine Berufswahl nach dem Gymnasium in Stockholm, nämlich Schauspieler zu werden, erstaunte daher niemanden und 1907 begann er seine Ausbildung bei der Dramatiska teaterns elevskola (Dramaten). Sein jüngerer Bruder Olof Molander sollte nur wenige Jahre später den gleichen Weg gehen.

Das Ziel von Gustaf Molander war jedoch bald nicht nur Schauspieler zu werden, sondern er wollte Manuskripte für Film und Theater schreiben und Regie führen. Bereits ab 1910 begann Molander dann Skripts für Victor Sjöström und Mauritz Stiller zu schreiben und 1920 erhielt er einen festen Vetrag der Svensk Filmindustri, parallel zu seiner ersten Regie für den Film Bodakungen, einer Geschichte einer langen Familienfeindlichkeit, die mit einem Happy End der Kinder der beiden Feinde endet und stark vom christlichen Gedanken der Vergebung geprägt ist.

Gustaf Molander hatte die Regie bei 64 schwedischen Filmen, die eine erstaunliche Breite von seichten Komödien bis zu tiefsinnigen Filmen umspannen, wobei er auch die Regie für Ingmar Bergmans erstes Filmmanuskript Kvinna utan Ansikte hatte. Das Kennzeichen bei allen Realisationen von Molander, auch später bei Fernsehen und Theater, war, dass er einen hohen Anspruch bei Manuskripten stellte und von den Autoren die Einhaltung einer Logik und einer klaren Linie forderte. Gustaf Molander gilt noch heute als der vielseitigste und produktivste Regisseur der schwedischen Filmindustrie.


18. November 1844: Die inoffizielle schwedische Nationalhymne 
18. November 2003: Ein Super Puma stürzt vor Göteborg ins Meer

Copyright: Herbert Kårlin