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Montag, 30. März 2015

Torsten Rudenschöld, der Gründer der schwedischen Volksschule

Torsten Rudenschöld kam am 30. März 1798 auf Gut Riseberga in Närke als Sohn eines Oberleutnants zur Welt und erhielt seine Schulbildung durch Privatlehrer, was ihm 1811 ein Jurastudium an der Universität Uppsala ermöglichte. Allerdings machte Rudenschöld nie sein Examen und entschied sich 1816 für eine militärische Karriere, die ihn innerhalb von acht Jahren bis zum Rang eines Kapitäns führte. 1824 verließ er jedoch den Militärdienst mit dem Wunsch ein ländliches Leben zu führen.

Nach einem gescheiterten Versuch in einer Landgemeinschaft im Värmland kaufte Torsten Rudenschöld ein kleineres landwirtschaftliches Gut im Västergötland. Allerdings zeigte sich bald, dass er nicht zum Landwirt geboren war und seine Familie unmöglich vom Ertrag des Gutes ernähren konnte. Da Rudenschöld um diese Zeit einen Anteil am Stjernfors Bruk, einer Eisenhütte im Värmland, erbte, konnte er jedoch dort als Verwalter beschäftigt werden. Dort entdeckte Rudenschöld plötzlich den Unterschied zwischen einem Leben in der bürgerlichen Schicht und dem miserablen Verhältnis von Arbeitern in einer Eisenhütte. Als er diese Situation ändern wollte und deren Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern wollte, musste er jedoch seine Arbeit wieder aufgeben

Nach dieser Erfahrung zog Torsten Rudenschöld zu seinem älteren Bruder auf Gut Läckö und öffnete dort seine erste Privatschule, unterbrochen von einer erneut missglückten landwirtschaftlichen Aktivität. In dieser Zeit entwickelte Rudenschöld seine Theorien über die Bildung schwedischer Kinder aller gesellschaftlicher Klassen, die er später landesweit verbreiten durfte. Rudenschöld ging dabei von mehreren Kernpunkten aus, denn zum einen sollte es auch für Kinder aus der unteren Klasse möglich sein aufzusteigen, gleichzeitig jedoch unfähige Kinder der oberen Klasse von ihrem Rang stürzen können. Der Unterricht sollte daher in drei Teile aufgeteilt sein, nämlich die grundlegende Bildung, die Verbreitung der christlichen Lehre und die körperliche Arbeit. Gleichzeitig wollte Rudenschöld die Grundschulen gleichmäßig über das ganze Land verteilen und Klassen mit 100 Schülern und einem Lehrer für alle Fächer abschaffen. 1853 erhielt der Pädagoge dann von den Ständen den Auftrag seine Ideen landesweit in die Tat umzusetzen, was zur allgemeinen Volksschule Schwedens führte. Torsten Rudenschöld starb am 27. Mai 1859 in Uppsala, wo er auch begraben wurde.


30. März 1796: Johan Simmingsköld, ein homosexueller Schriftsteller im 18. Jahrhundert
30. März 1808: Gustaf Fredrik Gyllenborg, der Satiriker des 18. Jahrhunderts
30. März 1858: Arvid Nordquist, eine Erfolgsgeschichte Schwedens 
30. März 1920: Jan Olof Olsson, der historische Roman und Reiseschilderungen 
30. März 1926: Ingvar Kamprad und das schwedische Imperium Ikea 
30. März 1933: Filip Månsson und die öffentliche Kunst Schwedens 
30. März 1944: Pauline Brunius, die erste Frau, die das Dramaten leitete 
30. März 1976: Dampferfahrt auf dem schwedischen See Mjörn

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Freitag, 30. Januar 2015

Die schwedische Internatsschule Lundsberg

Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Großunternehmer William Olsson aus Lundsberg die Idee, nach Vorbild der englischen Internatsschulen, in Schweden eine Schule zu schaffen aus der die Machthaber des Landes hervorgehen sollten und in der Religion und Disziplin eine der wichtigsten Rollen spielen sollten. Dass daher um diese Zeit Mädchen nichts in so einer solchen Einrichtung verloren hatten, war selbstverständlich, denn die Macht des Landes musste von den Männern ausgehen. Für Olsson war es kein großes Problem die Idee zu verwirklichen und so gründete er am 30. Januar 1896 die Lundbergs skola.

Die Internatsschule Lundsberg, die heute noch eine der drei Reichsschulen Schwedens ist, die auch heute noch von den Nachkommen des Königshauses und Schülern wichtiger Persönlichkeiten besucht wird, war zu Beginn lediglich eine Realschule, die jedoch bereits 1904 zum Gymnasium wurde und vier Jahre später das Recht erhielt die Hochschulreife zu vergeben. Seit 1907 ist die von Olsson gegründete Schule eine Stiftung, die in Statuten festhält, dass eine demokratisch Erziehung auf christlicher Grundlage zu erfolgen hat und bildet daher eine der konservativsten Schulen des Landes in die die Vorsitzenden der Stiftung wenig Einblick gewähren.

Ab 2011 wurde die ungeschriebene innere Blockade der Internatsschule Lundsberg durchbrochen und die ersten Klagen gingen bei der Polizei ein. Es handelte sich um verschiedene Gewaltanwendungen und Misshandlungen. Auch wenn diese Angelegenheit bei den Akten landete, so forderte nun das Schulamt Änderungen, die die Leitung der Schule zusagte. Bereits ein Jahr später kam es erneut zu Gewalt und ein Schüler musste mit schweren Brandschäden, nach einer Misshandlung mit einem heißen Bügeleisen, ins Krankenhaus eingeliefert werden und wenige Monate später ging eine Klage wegen Vergewaltigung bei der Polizei ein. Die Folge davon ist, dass die drei Reichsschulen des Landes ab 1. Juli 2015 den Privatschulen gleichgestellt werden, also keine Sondergelder mehr erhalten und in Zukunft kein jährliches Schulgeld in Hohe von 250.000 Kronen mehr verlangen dürfen.


30. Januar 1716: Der schwedische Architekt Carl Fredrik Adelcrantz 
30. Januar 1813: Adam Smedberg und die Erweckungsbewegung in Närke
30. Januar 1941: Erik Lindorm, ein Anarchist wird zum Schriftsteller 
30. Januar 1945: Die größte menschliche Katastrophe auf der Ostsee 
30. Januar 1982: Tora Dahl, die Bewältigung einer unehelichen Geburt 
30. Januar 2009: Ingo (Ingemar Johansson) wird Weltmeister im Schwergewicht

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Helge Zimdal, der Architekt, der Schulen baute

Der schwedische Architekt Helge Zimdal starb am 3. Oktober 2001 im Stadtteil Hovås in Göteborg. Seine Ausbildung erwarb Zimdal auf der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm und anschließend an der Kunsthochschule, ebenfalls in der Hauptstadt Schwedens. Noch im gleichen Jahr als er seine Ausbildung abschloss beteiligte sich Zimdal bereits mit Möbel und Textilien an der Stockholmausstellung 1930, wobei er auch bereits zu Beginn seines Studiums mit Nils Ahrbom ein Architekturbüro gegründet hatte, das die beiden Architekten lange Zeit gemeinsam führten.

Helge Zimdal, der am 27. April 1903 in Alingsås geboren worden war, machte sich zwischen 1936 und 1951, die Jahre, die er in Stockholm verbrachte, einen Namen als Architekt für den Bau von Schulen, auch wenn er dazwischen das Länsmuseum in Linköping zeichnete. Bei den meisten dieser Bauten handelte es sich um Gymnasien und Hochschulen. Seine Gebäude kann man noch heute in Städten wie Stockholm, Motala, Enköping oder auch Ludvika betrachten, wobei man dabei entdecken wird, dass man auch an Schulbauten die Handschrift eines Architekten sehr deutlich feststellen kann.

Als Helge Zimdal im Jahre 1951 als Professor an die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg kam, änderten sich zwei Dinge. Zum einen nahm der Architekt den Namen an unter dem er bekannt ist, denn bis dahin schrieb man den Nachnamen Zimdahl, also mit einem zusätzlichen „h“. Zum anderen begann Helge Zimdal nun Bürohäuser, eine Kirche und im Jahr 1974 auch die schwedische Botschaft in Brasilia zu bauen. In der gleichen Zeit begann eine intensive journalistische Arbeit des Architekten, denn er wollte die Diskussion über Architektur in den Alltag bringen und der Architektur eine Seele geben. Helge Zimdal führte ab dieser Zeit einen ständigen Kampf gegen routinierte und gefühllose Massenbauten, wenn auch nur mit geringem Erfolg.


3. Oktober 1832: Lina Sandell-Berg und 1700 Gedichte
3. Oktober 1962: Hylands hörna, 20 Jahre Erfolg im Fernsehen
3. Oktober 1972: Der schwedische Sänger und Musiker Martin Stenmarck 

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 23. Mai 2011

Die schwedische Grundschule

Obwohl bereits 1949 einige Gemeinden Schwedens eine neunjährige Schulpflicht einführten, entschied das schwedische Parlament erst am 23. Mai 1962 über eine Umstellung von der Volksschule zur Grundschule und damit gleichzeitig über eine allgemeine neunjährige Schulpflicht in ganz Schweden. Bevor dann jedoch die Reform vollständig umgesetzt war, vergingen weitere neun Jahre.

Bis zum Jahre 1994 war die Grundschule dann in drei getrennte Niveaus aufgeteilt, nämlich das lågstadium (Unterstufe), das mellanstadium (Mittelstufe) und das högstadium (Oberstufe). Da dieses System Lehrer forderte, die mehr für eine Alterstufe ausgebildet waren als für bestimmte Fächer und die Leistung der Kinder dabei immer nur stufenweise gesehen wurden und das Gesamtziel oft nicht angesteuert wurde, stellte man dann das Schulsystem erneut um und wollte den Schülern eine bessere und gleichzeitig individuelle Grundausbildung bieten.

Da in Schweden das Schulsystem unter der Aufsicht der Gemeinden steht, die ihrerseits auch Freischulen zulassen und bei allen Schulen nur das Gesamtziel nach neun Jahren zählt, gibt es in Schweden keinen klaren Lehrplan, der für alle Schulen gilt. Die Qualität der Ausbildung, die Größe der Klassen und selbst die Leistungen der Lehrer hängen daher von den jeweiligen Gemeinde und teilweise auch einzelnen Schule ab. Die schwedische Grundschule verfügt bei der Bewertung nur über drei „Noten“: G für bestanden (godkänt), VG für gute Leistungen (väl godkänd) und MVG für sehr gut (mycket väl godkänd), eine System, das jedoch letztmals im Frühjahr 2014 angewandt wird. Ab diesem Zeitpunkt wird es dann nur noch eine Skala mit sieben Bewertungen geben.

23. Mai 1936: Der Stockholmer Flughafen Bromma
23. Mai 1951: Tetra Pak, eine schwedische Marke und Erfindung

Copyright: Herbert Kårlin