Mittwoch, 7. November 2012

Der Tag des Kladdkaka in Schweden

Während man bei den meisten Thematagen, die in Schweden im Laufe des Jahres gefeiert werden, weiß wie dieser Tag zu Stande kam und wer ihn wann schuf, sucht man beim Kladdkakans Dag vergebens. Sicher ist eigentlich nur, dass dieser Tag bereits in den 90er Jahren in einigen Kalendern Schwedens zu finden war und seither immer beliebter wird und landesweit seinen Einzug gehalten hat, denn am 7. November jeden Jahres werden in ganz Schweden mehr Kladdkakor gegessen als an irgend einem anderen Tag des Jahres.

Aber auch über die Ankunft des Kladdkaka in Schweden, einem der Nationalkuchen des Landes, kursieren verschiedene Gerüchte, die jedoch nicht mehr nachzuprüfen sind, denn während Sveriges Radio den ersten Kladdkaka, eine Art Schokoladenkuchen, in einer Markthalle in Paris gefunden haben will, kursiert im Allgemeinen eine andere Geschichte, die in die Stadt Örebro führt, eine Stadt, die über keine eigene Backspezialität verfügt.

Im Jahr 1938 sollte Gudrun Isaksson, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Bäckerei in Örebro hatten, Brownies nach einem Rezept backen, das sie von Verwandten aus den USA bekommen hatte. Da Backpulver um diese Zeit in Schweden jedoch nicht sehr häufig war, versuchte sie Brownies ohne Backpulver zu backen, was dazu führte, dass der Teig im Inneren etwas flüssig blieb. Auf diese Weise soll Gudrun Isaksson den legendären Kladdkaka entdeckt haben. Die Geschichte ist umso glaubwürdiger, weil um diese Zeit Nils Nilsson Isaksson die Bäckerei Solgården in Örebro besaß, die auf alten Fotos noch deutlich zu sehen ist.


7. November 1852: Johan Ramstedt, eine Notlösung als Ministerpräsident
7. November 1929: Erik-Gunnar Eriksson und Hoppets Stjärna
7. November 1935: Johan Lindström Saxon, der Heimatautor Närkes 

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Dienstag, 6. November 2012

Hans von Euler-Chelpin erhält den Nobelpreis in Chemie

Am 6. November 1964 starb Hans von Euler-Chelpin im Alter von 91 Jahren in Stockholm. Euler-Chelpin war 1873 im deutschen Augsburg geboren und studierte erst an der Kunstakademie in München Farbenlehre bevor er anschließend zwei Jahre lang Chemie in München und Berlin studierte und in diesem Fach auch promovierte. Ab 1897 arbeitete Hans von Euler-Chelpin an der Universität Stockholm, wo er bis zum Leiter des Instituts für Biochemie emporstieg und einen maßgeblichen Einfluss auf die Forschung der schedischen Hochschulen bekam.

Obwohl Euler-Chelpin bereits 1902 die schwedische Staatsangehörigkeit annahm, beteiligte er sich auf deutscher Seite aktiv am Ersten Weltkrieg, war Mitglieder einer Vereinigung, die später die Hitlerregierung in Deutschland förderte und er hielt während des gesamten Zweiten Weltkriegs sehr enge Verbindungen zu den Machthaber und der politischen Elite Deutschlands. Diese rechte Einstellung verhinderte jedoch nicht, dass er 1943 dem jüdischen Chemiker George de Hevesy, der sich damals in Kopenhagen aufhielt, vermutlich das Leben rettete indem er ihn als Mitarbeiter in sein Institut nach Stockholm holte.

Hans von Euler-Chelpin erhielt im Jahre 1929, gemeinsam mit Arthur Harden, den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten über die alkoholische Gärung und seine Forschung über die Enzyme. Allerdings hatte der Chemiker einen bedeutenden Stab an Mitarbeitern und Studenten, die ihn bei der Forschung unterstütze, so dass seine persönliche Leistung nicht festzustellen ist. Seine Arbeiten veröffentliche Euler-Chelpin grundsätzlich in deutscher Sprache, die für ihn bis zu seinem Lebensende die Sprache der Wissenschaft war.


6. November 1907: Gustav Jonsson und das Kinderdorf Skå
6. November 2011: Der schwedische Architekt Carl Nyrén 

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Montag, 5. November 2012

Sonora, das schwedische Label für Schallplatten

Als Ende der 20er Jahre neue Aufnahmetechniken entwickelt wurden, so bedeutete dies das Ende der Kleinproduktionen von Schallplatten in Schweden und führte dazu, dass zwischen 1929 und 1932 sämtliche Aufnahmen und die Produktion von Schallplatten schwedischer Künstler in Deutschland oder Großbritannien erfolgten. Dies bedeutete gleichzeitig, dass Schallplatten wegen den hohen Importzöllen zu einem Luxusgut wurden und sich der Verkauf von Schallplatten in Schweden innerhalb von drei Jahren halbierte.

Dieses Problem brachte Erik Ljungberg auf die Idee eine schwedische Plattenfirma zu gründen, wobei er bei Alpha AB einen Partner fand, die das Pressen der schwarzen Scheiben übernehmen konnte. Am 5. November 1932 gründete Erik Ljungberg daher das schwedische Plattenlabel Sonora, das sich innerhalb weniger Jahre zur größten Plattenfirma des Landes entwickeln sollte. Obwohl die Firma erst im November entstanden war, kamen bereits zum Weihnachtsgeschäft die ersten Schallplatten unter schedischem Label auf den Markt, die auch vollständig in Schweden geschaffen worden waren.

Sonora konnte seine Schallplatten zur Hälfte dessen verkaufen, was internationale Label verlangen mussten und konnte damit selbst den größten Firmen Konkurrenz machen, nicht zuletzt auch deswegen, weil Sonora auch mit ausländischen Künstlern, die in Schweden auf Tournee waren, Verträge abschloss und damit selbst amerikanischen Jazz anbieten konnte. Als Erik Ljungberg im Jahre 1958 starb und die Schellackplatten mit 78 Umdrehungen verschwanden, wurde Sonora an Philips verkauft, das heute zu Universal Music gehört. Das Label Sonora ist indes damit nicht ganz verschwunden, da die klassischen Aufnahmen des schwedischen Unternehmens auch heute noch unter diesem Warenzeichen vermarktet werden.


5. November 1829: Die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg
5. November 1919: Die schwedische Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen 

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Sonntag, 4. November 2012

Olof Arborelius und die Landschaft Dalarnas

Olof Arborelius wurde am 4. November 1842 in Orsa in Dalarna geboren, dessen Natur ihn so stark beeinflusste, dass er noch heute als der Landschaftsmaler Dalarnas bezeichnet wird, da er als Motive für seine Gemälde überwiegend die dunklen Wälder, die Seen und die Dörfer Dalarnas wählte, ohne dabei die Menschen der Region zu vergessen, die immer wieder in ihrer traditionellen Kleidung in den Gemälden auftauchen.

Der Landschaftsmaler Olof Arborelius studierte sieben Jahre lang Malerei an der Konstakademien in Stockholm, machte anschließend eine dreijährige Studienreise durch Europa um seine Kenntnisse zu vervollständigen und wurde bei seiner Rückkehr im Jahre 1872 bei der Konstakademien als Lehrer beschäftigt. Im Jahre 1902 wurde Arborelius dann an der gleichen Kunstakademie zum Professor ernannt. Die Werke von Olof Arborelius findet man heute in den größten Kunstmuseen Schwedens, unter anderem dem Nationalmuseum in Stockholm und dem Kunstmuseum in Göteborg.

Die Erben von Olof Arborelius schenkten nach dem Tod des naturromantischen Malers der Konstakademien mehrere Skizzenbücher. Unter diesen Skizzenblöcken entdeckte man im Jahre 1998 noch einen besonderen Schatz, denn Arborelius hatte auf einer der Seiten 22 Briefmarken aus dem Jahre 1850 eingeklebt, die aus verschiedenen europäischen Ländern stammten. Da es sich dabei um die vermutlich älteste Briefmarkensammlung Schwedens in ihrem Originalzustand handelt, wurde dieses Skizzenbuch im Jahre 1999 dem Postmuseum in Stockholm übergeben.


4. November 1954: Stig Dagerman, der depressive Schriftsteller Schwedens
4. November 1970: Die schwedische Opernsängerin Malena Ernman 

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Der Botanaische Garten in Göteborg

Samstag, 3. November 2012

Gustaf Tenggren, von Trollen zu Disneys Pinocchio

Am 3. November 1896 wurde Gustaf Tenggren im kleinen Ort Magra bei Alingsås im Västergötland geboren. Da sein Vater 1898 nach Amerika auswanderte ohne den Sohn mitzunehmen, wurde Gustaf von seinem Großvater Johan Teng erzogen. Der spätere Illustrator lernte seinen Beruf in der Kunsthochschule Valand in Göteborg und ersetzte im Jahre 1916 den Illustrator John Bauer bei der Serie Bland tomtar och troll, für die er bis 1925 Gestalten der schwedischen Sagenwelt zeichnete.

Bereits 1920 wanderte Gustaf Tenggren ebenfalls nach Amerika aus, wo er die ersten Jahre vor allem Zeitungen illustrierte und Plakate malte, da er sich erst dem amerikanischen Stil anpassen musste, der wenig mit jenem in Schweden gemein hatte. Bald begann Gustaf Tenggren dann jedoch auch Märchenbücher zu malen, die zwar im amerikanischen Stil entstanden, wo man jedoch immer wieder die bekannten Morauhren im Hintergrund entdeckt, die auch die typische Malereien aufweisen und eine verborgene schwedische Signatur des Illustrators darstellt.

Im Jahre 1936 wurde Gustaf Tenggren bei den Disney Studios angestellt wo er während der Entstehung der Filme „Schneewittchen und die Sieben Zerge“, „Bambi“ und „Pinocchio“ Atelierchef war, was sich, unter anderem, bei der Gestalt Geppetto sehr deutlich zeigt, da dieser in sehr vielen Zügen seinem Großvater Johan Teng ähnelt. Gustaf Tenggren, der bis 1940 bei Disney arbeitete und anschließend fast ausschließlich Bücher illustrierte, kehrte nie nach Schweden zurück, sammelte jedoch Antiquitäten aus Scheden, die er testamentarisch dem Dalarna Museum in Falun vermachte, wo sie in einer eigenen Abteilung zu sehen sind.


3. November 1902: Die Göteborgs-Tidningen (GT) erscheint zum ersten Mal
3. November 1911: Der schwedische Kapellmeister William Lind 

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Freitag, 2. November 2012

Der Tag des Stockfischs (Lutfiskens Dag) in Schweden

Da in Schweden der Lutfiskens Dag, der Tag des Stockfischs, jeweils am Tag vor dem Alla Helgons Dag gefeiert wird, fällt er dieses Jahr auf den 2. November, ein gastronomischer Tag, der bereits 1993 von den Freunden des Stockfischs gegründet wurde und traditionell an diesem Tag auch erstmals im Jahr Stockfisch in den schwedischen Geschäften zu finden ist. Die Idee diesen Tag zu feiern kam von einer Gruppe an Personen, die alle in der Gastronomie tätig waren, wenn auch in unterschiedlichen Bereichen, denn sie wollten die kulinarische und traditionelle Bedeutung des Lutfisken hervorheben.

Auch wenn Stockfisch heute in ganz Schweden mit dem Weihnachtsessen verbunden wird, so aß man Lutfisk ursprünglich zu allen wichtigen Ereignissen des Jahres, insbesondere zu Ostern, Mittsommer und Weihnachten, aber auch bei Begräbnissen und Hochzeiten dachte man in erster Linie an Stockfisch, eine Tradition, die man noch heute in Teilen Skånes finden kann, wobei man natürlich wissen sollte, dass es sich bei Lutfisk sehr häufig um verschiedene Arten von Dorschen handelt, aber auch andere Fischarten in Frage kommen können.

Seit wann Stockfisch in Schweden tatsächlich zubereitet wird, ist unbekannt, aber die älteste schriftliche Quelle geht bis zum Bischof Hans Brask aus Linköping zurück, der ihn während der Fastenzeit mit Rosinen, Mandeln und Erbsen aß. Heute wird aller Stockfisch, der in Schweden verzehrt wird nur noch von norwegischen Fischern im Frühling und Sommer gefangen, denn der letzte schwedische Fischkutter, der noch Dorsche für die Zubereitung von Lutfisk fing, brach bereits 1992 zu den Shetlandinseln auf und kam mit einem Fang von zehn Tonnen Dorsch zurück.


2. November 1963: Jonas Gardell, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens
2. November 2005: Rolf Bergh und die moderne Kirche Schwedens 

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Donnerstag, 1. November 2012

Die Pfadfinderbewegung in Schweden

Am 1. November 1937 starb Ebbe Lieberath in Stockholm, der Mann, dem im allgemeinen die schwedische organisierte Pfadfinderbewegung zugeschrieben wird, auch wenn man hierbei kaum auf eine historische Beweisführung hoffen kann, denn Ebbe Lieberath entdeckte im Jahre 1909, als er mit einer Fähre in den Schären vor Göteborg unterwegs war, das Buch Scouting for Boys von Robert Baden-Powel, das ihn so beeindruckte, dass er in Göteborg eine gleiche Bewegung in Gang setzte.

Nahezu unmittelbar nachdem Ebbe Lieberath das Buch gelesen hatte, das er später auch ins Schwedische übersetzte, gründete er die Riddarpojkarna i Göteborg, wobei er gleichzeitig auch die Zeitschrift Var Redo mit herausgab, die die Idee der Bewegung verbreiten sollte. Auch wenn die Zeitschrift nur ein halbes Jahr überlebte, so verbreitete sich die Idee als solches sehr schnell in ganz Schweden und 1912 konnte Ebbe Lieberath im Hotell Kronprinsen in Stockholm bereits Sverige Scoutförbung (Schwedischer Pfadfinderverband) gründen.

Bereits 1908 hatte allerdings Emil Winqvist ein erstes Pfadfinderlager in seiner Villa in Spånga veranstaltet und am 18. Dezember 1911 hatte er, ebenfalls beeinflusst von Baden-Powel den Pfadfinderverband KFUM gegründet. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war jedoch, dass sich Ebbe Lieberath als Militär, zumindest zu Beginn der schwedischen Pfadfinderbewegung, mehr den strikten Ideen der amerikanischen Pfadfindern mit einer klaren Struktur anschloss, war es Emil Winqvist zu Beginn wichtiger Jugendlichen eine Aktivität in der Natur zu bieten. Beide Seiten beanspruchten seither das Recht die Pfadfinderbwewegung in Schweden eingeführt zu haben.


1. November: Allerheiligen in Schweden
1. November 1876: Torgny Segerstedt und der Kampf gegen den Nazismus 

Copyright: Herbert Kårlin