Freitag, 3. Mai 2013

Berndt Johan Hastfer, ein schwedischer Verräter

Berndt Johan Hastfer kam am 3. Mai 1737 in Töfsala (heute finnisches Taivassalo) zur Welt und machte unter dem schwedischen König Gustav III. eine bedeutende militärische Karriere. Mit 30 Jahren war er bereits Oberleutnant des Björnborgs Regiment in Åbo (heute Turku). Privat war Hastfer allerdings weniger erfolgreich, denn er war leichtsinnig, hatten keine Charakterstärke und 1775 war er bereits so hoch verschuldet, dass ihm nur noch die Landesflucht blieb.

Da jedoch Gustav III. tüchtige Offiziere an der finnisch-russischen Grenze benötigte, half dieser Berndt Johan Hastfer aus der Misere und verhinderte nicht nur den Konkurs seines Offiziers und rettete ihn vom Gefängnis, sondern beförderte ihn zudem zum Oberst des Regiments, damit er ein höheres Einkommen hatte. Hastfer zeigte dem König seine Dankbarkeit indem er ihn 1786 im Reichstag stützte und sich dem Herrscher für seine Pläne einer Invasion in Karelien zur Verfügung stellte. Der König hatte Vertrauen, das ihm jedoch später teuer zu stehen kam.

Bald hatte Berndt Johan Hastfer erneut hohe Schulden und als er auch noch dachte, dass der König auf verlorenem Posten stehe und unsicher über seine zukünftige Situation war, nahm er mit Russland Verbindungen auf und versprach gegen eine bedeutende Summe und eine Anstellung im Russischen Heer die Trennung Finnlands von Schweden zu unterstützen. Als sich die Lage des schwedischen Königs verbesserte, brach er jedoch die Verhandlungen mit Russland ab, allerdings zu spät, da der König bereits über den Verrat informiert war. Hastfer wurde zum Tode verurteilt, aber vom König begnadigt. Da ihm die militärische Karriere in Schweden nun jedoch verschlossen war, ging Hastfer über Umwege dennoch nach Russland und wurde dort zum Brigadegeneral ernannt.


3. Mai 1826: Karl XV, König von Schweden 
3. Mai 2001: Die schwedische Wikipedia entsteht

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 2. Mai 2013

Olle Bærtling, der gemobbte Künstler Schwedens

Als Olle Bærtling am 2. Mai 1981 in Stockholm starb, galt er als einer der  bedeutendsten abstrakten Maler Schwedens und war nicht nur weltweit anerkannt, sondern seine Bilder wurden von den größten Museen Schwedens gekauft und erzielten bei Ausstellungen in Galerien Rekordsummen. Als Bærtling jedoch 1934 zu malen begann, sah seine Zukunft alles andere als vielversprechend aus, denn ihm fehlte jede Voraussetzung um von schwedischen Künstlern und Kritikern anerkannt zu werden.

Olle Bærtling war Bankangestellter als er 1934 als Autodidakt zu malen begann, einer jener zahlreicher expressionistischer Hobbymaler, die man in ganz Schweden fand. Als er jedoch 1949, während einer längeren Urlaubs in Paris bei André Lhote und Fernand Léger die abstrakte Kunst entdeckte, ging er ganz zu diesem Stil über, ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken, dass diese bahnbrechende Kunst in Schweden noch nicht angekommen war. Als er sich zurück in Schweden um Ausstellungen bemühte, wurde er aus allen künstlerischen Gruppen ausgeschlossen und jede Ausstellung wurde ihm unmöglich, denn Dreiecke und Kreise hatte nichts mit schwedischer Kunst zu tun.

In Form der Galeristin Agnes Widlund kam dann jedoch die Wende für Olle Bærtling, denn über Widlund traf der Künstler Oscar Reuterswärd, Pontus Hultén und Rolf Söderberg, die von seinen Gemälden spontan begeistert waren und ihm 1953 zu einer Ausstellung in Paris verhalfen. Erst als man weltweit auf das Genie Olle Bærtling aufmerksam geworden war, wurde der Künstler auch in Schweden gefeiert, dem Land, das seine Bilder zu Beginn am liebsten verbrannt hätte, da er eine abartige Kunst schuf.


2. Mai: Åsa, mehr als nur ein Namenstag
2. Mai 1754: Hedemora brennt bis auf wenige Häuser nieder

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 1. Mai 2013

Schwedischer Reaktor entgeht nur knapp einer Kernschmelze

Bereits im Jahre 1958 hatten sich die beiden staatlichen Unternehmen Vattenfall und AB Atomenergi entschieden zwei Kernkraftwerke in Schweden zu bauen. Eines davon erhielt den Namen Ågestaverket, das auch unter den Bezeichnungen R3 und Adam bekannt wurde. Bereits 1963 wurde das Ågestaverket in Huddinge (bei Stockholm) in Betrieb genommen. Der Reaktor war bis 1974 in Betrieb und lieferte Fernwärme an den Stockholmer Stadtteil Farsta, aber es wurde auch Strom ins öffentliche Netz eingespeist.

Der Bau des Ågestaverkets hatte mehrere Ziele, sollte aber vor allem ausreichende Kenntnisse für die Entwicklung der Kernenergie in Schweden liefern. Warum Schweden sehr schnell zur Kernkraft griff, lag insbesondere daran, dass Schweden energiemäßig unabhängig von allen anderen Ländern werden wollte und ausschließlich Uran aus dem eigenen Land verwenden wollte. So nebenbei sollte auch Plutonium für eine schwedische Atombombe gewonnen werden, die Russland von jedem Invasionsplan abhalten sollte.

Am 1. Mai 1969  kam es jedoch im Ågestaverket erstmals zu einem bedeutenden Vorfall, da durch ein Leck eine Überschwemmung ausgelöst wurde durch den ein Teil des Sicherheitssystems ausgeschaltet wurde. Durch eine Kettenreaktion, die auch auf ein beim Vorfall zerstörtes Ventil zurückzuführen war, traten 500 Liter schweres Wasser aus und der Reaktor musste von Hand abgeschaltet werden. Da das Ågestaverket in diesem Fall nur sehr knapp einer Kernschmelze entkam, griffen die Medien den Fall wochenlang auf, was auch dazu führte, dass die schwedische Bevölkerung sich anschließend kritisch zur Kernenergie stellte, was sich letztendlich noch bei Volksbefragung zur Kernenergie im Jahre 1980 auswirkte.


1. Mai 1890: Der 1. Mai in Schweden
1. Mai 2009: Hochzeit für Homosexuelle in Schweden 

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 30. April 2013

Der Tag der schwedischen Flagge

Der inoffizielle Tag der schwedischen Flagge wurde bereits am 6. Juni 1916 von Artur Hazelius im Stockholmer Skansen eingeführt, wobei Hazelius hierbei mehrere Gedanken miteinander verband. Zum einen war er ständig auf der Suche nach Festen, die möglichst viele Besucher ins Skansen zogen, zum anderen wollte er die nationale Bewegung, die um diese Zeit in Schweden herrschte, ausnutzen um auf einen Nationaltag vorzubereiten und er wollte den Gustafsdagen in Erinnerung an Gustav Vasa besonders hervorheben.

Aber auch wenn die heutige schwedische Flagge bereits seit 1906 existiert, da in diesem Jahr die Union zwischen Norwegen und Schweden aufgelöst wurde und daher eine neue Flagge benötigt wurde und Artur Hazelius ihr 1916 nicht nur eine bedeutende Rolle gab, sondern seine Idee auch dazu führte, dass in schwedischen Haushalten bei wichtigeren Festen Tischflaggen eingeführt wurden und später die Wimpel und die Fassadenflaggen erschienen, so gab es in dieser Zeit weder einen Tag der schwedischen Flagge, noch einen Nationaltag.

Erst am 30. April 1982 entschied sich das schwedische Parlament einen Tag der schwedischen Flagge einzuführen, und im gleichen Zug auch einen Nationaltag und so nebenbei auch die Tage festzulegen an denen die Nationalflagge gehisst werden darf, die Flaggentage. Mit dieser Reform entstand jedoch nicht nur der Nationaltag Schwedens und der Tag der schwedischen Flagge, sondern an diesem Tag werden auch in ganz Schweden diejenigen Personen willkommen geheißen, die im Vorjahr die schwedische Staatsbürgerschaft erhielten. Seit  der Nationaltag im Jahre 2005 zum Nationalfeiertag ernannt wurde, sind diese drei Ereignisse kaum noch auseinanderzuhalten, obwohl es sich in Wirklichkeit nach wie vor um drei verschiedene Ereignisse handelt.


30. April: Die Walpurgisnacht in Schweden 
30. April 1946: Carl XVI. Gustaf Folke Hubertus, König von Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 29. April 2013

Emilie Högqvist, ein kurzes Leben im Glanz

Emilie Högqvist wurde am 29. April 1812 in Stockholm geboren und hatte bei ihrem Tod mit 34 Jahren mehr erlebt als die meisten Frauen Schwedens. Bereits 1821 wurde sie im Opernballett in Stockholm als Schülerin aufgenommen, 1826 war sie bei der Bergengrenska Teatersällskapet angestellt und 1828 wurde sie Schauspielschülerin am Königlichen Theater der schwedischen Hauptstadt, das sie nach Abschluss ihrer Ausbildung wegen ihrer außerordentlichen schauspielerischen Leistungen übernahm.

Die Karriere von Emilie Högqvist begann dann ernsthaft im Jahre 1834 als der Star des Königlichen Theaters, Sara Torsslow, das Theater verließ, dringend eine Nachfolgerin gesucht wurde und nur Emilie Högqvist dem Schauspielstil der Vorgängerin nahe kam. Dies bedeutete für Högqvist nicht nur eine Karriere sondergleichen, sondern auch ihr Gehalt ging bedeutend in die Höhe. Sie wurde mit 1200 Kronen eine der bestbezahlten Schauspielerin des Landes, was bedeutete, dass sie sechsmal soviel verdiente wie eine normale Schauspielerin.

Bekannt wurde Emilie Högqvist jedoch nicht nur als Schauspielerin, denn sie sammelte auch die einflussreichsten Liebhaber der Zeit, was ihr den Beinamen Aspasia einbrachte, eine Anspielung auf eine frühe griechische Liebhaberin von Perikles. Geradezu ein Skandal wurde jedoch, dass sie etwa zehn Jahre lang auch die Liebhaberin des Kronprinzen Oscar war, dem späteren König Oscar I., denn aus dieser Liebschaft gingen auch zwei Kinder hervor, die vom königlichen Hof in Hamburg versteckt wurden um den Skandal weitgehend zu vermeiden. Der letzte Liebhaber Högqvists wurde dann der Politiker Emil Key, der Vater der Schriftstellerin Ellen Key.


29. April 1659: Sophia Elisabet Brenner und die Frauenbewegung 
29. April 1913: Der schwedische Reißverschluss erobert die Welt

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 28. April 2013

Hjalmar Procopé, ein finnlandschwedischer Dichter

Hjalmar Procopé wurde am 28. April 1868 in Helsingfors, dem heutigen Helsinki, geboren und gehört zu jener Gruppe an Personen, die ein Teil der schwedischen Kultur sind, da sie in einer Zeit zur Welt kamen als Finnland noch nicht selbstständig war und sie die schwedische Sprache als ihre Muttersprache benutzten, zu einer Gruppe, die heute sehr rückläufig ist, da Finnland sich als wenig offen für Minoritätensprachen zeigt und zudem sehr viele Finnlandschweden während der letzten 50 Jahre nach Schweden umzogen.

Hjalmar Procopé studierte nach seinem Schulgang in Vasa (Vaasa) und Helsingfors (Helsinki) Geschichte. Als er sein Studium abgeschlossen hatte, überlegte er, ob er Lehrer oder Journalist werden sollte. Da er den Schulbetrieb jedoch mit Disziplin in Verbindung brachte, entschied er sich letztendlich für den Journalismus. Wann Procopé dann daran dachte auch literarisch aktiv zu werden, ist nicht bekannt, aber als er im Jahre 1900 bei den Tammerfors Nyheter als Redakteur arbeitete, erschien auch der erste Gedichtband des Journalisten.

Sehr schnell zeigte sich, dass sein erster Gedichtband eine breite Leserschicht ansprach, was Hjalmar Procopé dazu veranlasste weitere acht Lyrikbände zu veröffentlichen, die ihn zu einem der bedeutendsten schwedischsprachigen Schriftsteller Finnlands machten. Bereits 1905 begann Procopé eine zusätzliche Karriere und veröffentlichte das Theaterstück Belsazars gästabud, das erstmals 1906 aufgeführt wurde, mit einer von seinem Freund Jean Sibelius dafür geschriebenen Pausenmusik. Nach diesem Erfolg gab Procopé den Journalismus ganz auf und wurde hauptberuflich Schriftsteller.


28. April 1938: Wasser und Brot in schwedischen Gefängnissen 
28. April 1973: Siri Derkert, Erneuerin der öffentlichen Kunst

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Göteborg Reiseführer Göteborgs Tanz- und Theaterfestival

Samstag, 27. April 2013

Inge Schiöler, der schwedische Maler der kräftigen Farben

Der am 27. April 1971 verstorbene schwedische Maler Inge Schiöler gehört heute zu den bedeutendsten Repräsentanten der sogenannten Göteborgskoloristerna (Koloristen von Göteborg) der mit seinen kräftigen und starken Farben Aufmerksamkeit erweckte. Seine Bilder findet man heute in allen großen Museen Schwedens, selbst in der staatlichen Portraitsammlung im Schloss Gripsholm, wo nur herausragende Kunstwerke zu finden sind.

Inge Schiöler war 1908 im westschwedischen Strömstad geboren worden und hatte von 1925 bis 1929 Kunst in Göteborg studiert. Als Künstler trat er dann 1930 in einer Gruppenausstellung in der Schwedisch-Französischen Kunstgalerie erstmals an die Öffentlichkeit. Schon zwei Jahre später hatte der Künstler eine eigene Ausstellung. Die Karriere wurde jedoch 1933 rapide unterbrochen, denn Schiöler wird wegen psychischen Problemen in die Psychiatrie eingewiesen, wo er sich bis 1942 kaum noch für Kunst interessiert. Anschließend beginnt Schiöler jedoch auch dort langsam wieder zu malen.

In der Psychiatrie entstehen in den Folgejahren zahlreiche Bilder von Inge Schiöler, viele davon auf Toilettenpapier, wovon heute noch rund 200 erhalten sind. Seine Galerie, die auch in dieser Zeit weiterhin seine Werke verkauft, wurde 1946 stark kritisiert, weil sie Geschäfte mit einem kranken Mann macht, aber wenig später kauft selbst das Nationalmuseum in Stockholm ein Bild des Künstlers. Erst 1962 wird Inge Schiöler als geheilt entlassen und bereits 1968 hat er erneut eine Separatausstellung im Stockholmer Künstlerhaus, wo 70 seiner Gemälde aus den Jahren zwischen 1944 und 1967 ausgestellt werden.


27. April 1900: Die Gründung der Stadt Kiruna 
27. April 1900: Die Geburt Kirunas und ihre Flucht

Copyright: Herbert Kårlin

Vetenskapsfestivalen Göteborg 2013