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Dienstag, 10. Februar 2015

Karl Staaff tritt mit der liberalen Regierung zurück

Als im Jahre 1909 mit der Änderung des Wahlrechts der Weg in den Parlamentarismus geöffnet wurde, wurde die Zweite Kammer von liberalen und sozialdemokratischen Politikern übernommen, was der Beginn zu einem Kampf zwischen konservativen Kräften unter der Führung von Gustav V. und den Gruppen, die für ein Parlament eintraten, das sich aus allen Schichten, Frauen ausgenommen, zusammensetzte. Da jedoch die Erste Kammer noch immer eine geschlossene und konservative Gruppe war, konnte sich der König parlamentarischen Entscheidungen immer noch widersetzen.

Die Streitigkeiten erreichten 1914 ihren Höhepunkt als Gustav V. die Verteidigung des Landes stärken wollte, die liberale Regierung unter Karl Staaf jedoch die Ausgaben zur Verteidigung so weit wie möglich beschränken wollte. Als die üblichen Druckmittel der konservativen Kräfte kaum Erfolg zeigten, organisiert der König erst einen Bauernzug in Stockholm und anschließend die Sozialdemokraten, als Gegenpol, einen Arbeiterzug. Beim wachsendem nationalistischen Bewusstsein und einer steigenden Angst vor einer russischen Invasion, was bereits 1912 auch zur privaten Finanzierung eines Kreuzers geführt hatte, sah Gustav V. die Chance die Macht des Königs halten zu können und den Parlamentarismus zu verhindern.

Als daher Karl Staaff den König in die Enge drängen wollte, zeigte dieser sich plötzlich als Alleinherrscher des Landes und als oberster Befehlshaber. Gustav V. begann von seiner Armee, seiner Flotte und seinen persönlichen Entscheidungen zu reden, was zeigte, dass er nicht an Verhandlungen mit Staaff interessiert war, sondern diesen in jedem Punkt bekämpfen wollte. Das Ergebnis davon war, dass Staaff und seine Regierung am 10. Februar 1914 zurücktraten und den Rechten des Landes die Regierung übergaben. Aber auch wenn der König, Königin Victoria, Ernst Trygger und Sven Hedin sich nun als Sieger betrachteten, so sollte sich sehr schnell zeigen, dass nun zwar die Liberalen zurückgingen, die Sozialdemokraten jedoch an Macht gewannen, die Forderung nach allgemeinen Wahlen in beiden Kammern immer stärker wurde und die neue Regierung unter Hjalmar Hammarskjöld den Parlamentarismus nicht mehr aufhalten konnte und in ihren Entscheidungen ebenso beschränkt waren wie vorher Karl Staaff.


10. Februar 1050: Ingegerd Olofsdotter, eine russisch-orthodoxe Heilige aus Schweden
10. Februar 1306: Torgils Knutsson, der Gründer Viborgs 
10. Februar 1858: Nils Lovén, der schreibende Priester Skånes 
10. Februar 1881: Pauline Brunius, die erste Frau, die das Dramaten leitete

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Montag, 17. November 2014

Die Feministin und Politikerin Anna Bugge

Anna Bugge kam am 17. November 1862 im norwegischen Egersund zur Welt und legte 1886 an der Universität in Kristiania, dem heutigen Oslo, ihre Kandidatur ab, dem 1911 ein Abschluss als Juristin an der Universität Lund folgen sollte. Um ihre Unabhängigkeit zu behalten und um für die Rechte der Frauen weiterkämpfen zu können, ging Bugge 1889 lediglich eine vertraglich festgelegte Partnerschaft mit Knut Wicksell ein, da nur dies verhinderte, dass Wicksell beim gemeinsamen Umzug nach Schweden automatisch ihr Vormund wurde, eine Idee, die Wicksell voll mit seiner Partnerin teilte.

Schon in ihrer Jugend stand Anna Bugge gegen die damalige Gesellschaft auf, denn bereits um studieren zu können, gründete sie mit einigen Freunden einen Studienkreis, der die Mitglieder auf das für Frauen gesperrte öffentliche Abitur vorbereitete. Auf diese Weise wurde Bugge 1885 die fünfe Frau, der der Zugang zu einer norwegischen Universität möglich wurde. Schon während der Vorbereitung auf die Hochschulreife nahm die junge Frau auch an der Gründung des feministischen norwegischen Vereins Norsk Kvindesaksforening teil dessen Vorsitzende sie einige Jahre später wurde. Bugge reiste in diesen Jahren durch Norwegen um für das Wahlrecht der Frauen zu kämpfen und war 1888 Mitglied der norwegischen Delegation beim Kongress zum Recht der Frauen in Kopenhagen

Nach ihrem Umzug nach Schweden kämpfte Anna Bugge zwar weiter für die Rechte der Frauen, unterstützte jedoch während der ersten Jahre ihren Lebenspartner bei seinen Forschungsarbeiten. Erst als sich dann die finanzielle Lage der Beiden verbesserte, machte Bugge ihr Examen in Jura und trat wieder massiv an die Öffentlichkeit. Ihre wichtigsten Aufgaben sah die Frauenrechtlerin im Wahlrecht der Frauen und der Friedensbewegung. In diesem Rahmen und mit ihren juristischen Kenntnissen half Bugge auch dem schwedischen Ministerpräsidenten Karl Staaf beim Regierungsvorschlag zur Änderung des Wahlrechts in Schweden. Anna Bugge war bis zu ihrem Tod durch Krebs am 19. Februar 1928 eine der führenden Figuren der Frauenbewegung, die sich für die Rechte der Frauen im gesamten nordischen Raum einsetzte.


17. November 1587: Louis De Geer und die schwedische Industrialisierung
17. November 1592: König Johan III., der Bauherr Schwedens
17. November 1777: Der schwedische Künstler Johan Stålbom
17. November 1877: Hans Magnus Melin und die moderne Bibel Schwedens
17. November 1924: Maj-Briht Bergström-Walan, die erste Sexologin Schwedens
17. November 1967: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
17. November 1971: 35 Jahre Hem till byn im schwedischen Fernsehen

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 7. Oktober 2014

Karl Staaff wird liberaler Ministerpräsident

Als Karl Staaff am 7. Oktober 1911 zum zweiten Mal Ministerpräsident Schwedens wurde und den konservativen Arvid Lindman ersetzte, setzte er die Weichen für eine liberaleres Schweden, das dem Volk einen Einfluss in das politische Geschehen ermöglichte, denn Staaff war erste Ministerpräsident des Landes, der sich für das allgemeine Wahlrecht einsetzte und ihm ist es auch zu verdanken, dass bereits einige Jahre vorher die Auflösung der Union zwischen Norwegen und Schweden auf friedliche Weise ablief und nicht zu kriegerischen Handlungen führte, denn Gustav V. und die rechte politische Schicht wollten Norwegen notfalls mit Gewalt weiterhin an Schweden binden.

Karl Staaff wurde am 21. Januar 1860 als Sohn eines Priesters in Stockholm geboren und studierte nach seiner Hochschulreife an der Universität Uppsala, wo er sich sehr schnell den revolutionären Kreisen anschloss und eine Modernisierung der studentischen Nationen forderte. Nach Staaff war es unsinnig, dass schwedische Prinzen dort automatisch Ehrenmitglieder wurden oder die Rechte der Frauen extrem eingeschränkt waren. Allerdings gelang es Staaff, trotz seiner steigenden Anhängerschaft, nicht Vorsitzender der Nation Stockholm zu werden, eine Position, die vom konservativen Ernst Trygger eingenommen wurde, der später auch ein bedeutender politischer Gegner Staafs wurde.

Als Karl Staaff im Jahre 1896 erstmals in den Reichstag gewählt wurde, schloss er sich der damaligen Folkpartiet (Volkspartei) an, die später zur Liberala samlingspartiet wurde, einem Zusammenschluss von drei liberalen Parteien, die etwa die gleichen Ideen verfolgten. Staaf war bereits 1905 mit der Hauptforderung zu allgemeinen Wahlen Ministerpräsident geworden, stolperte jedoch bereits nach einem Jahr am Widerstand der Rechten. Als er zum zweiten Mal an die Spitze des Staates gewählt wurde, sicherte er sich dann die Unterstützung der Sozialdemokraten, was zwar noch nicht dazu führte, dass das Wahlrecht geändert wurde, aber Staaff konnte mit seinem linken Partner im Jahre 1913 die allgemeine Pension in Schweden einführen. Karl Staaff starb am 4. Oktober 1915 an einer Lungenentzündung.


7. Oktober 1818: Gudmund Jöran Adlerbeth und die gustavianische Epoche
7. Oktober 1879: Joe Hill, der berühmteste Schwede Amerikas
7. Oktober 1882: Der Tierschutzverband Djurens Rätt nimmt seine Arbeit auf
7. Oktober 1924: Gunnar Brusewitz, Naturerlebnisse in Wort und Bild
7. Oktober 1974: Die schwedische Sängerin Charlotte Perrelli
7. Oktober 1980: Ernst Alm, der Sieger des ersten Wasalaufs im Jahre 1922
7. Oktober 1994: Die schwedische Komödie Svensson, Svensson

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 14. Mai 2013

Schweden führt die allgemeine Zusatzpension ATP ein

Am 14. Mai 1959 legte das schwedische Parlament einen Vorschlag vor nach dem die Volkspension (Folkpension) in eine allgemeine Pension, die abhängig ist von den Arbeitsjahren und, in beschränktem Masse, auch dem Verdienst umgestellt wird, eine Entscheidung, die in der zweiten Kammer mit einer einzigen Stimme Mehrheit akzeptiert wurde, da sich ein Mitglied des Parlaments, das sich gegen den Vorschlag entscheiden sollte, der Stimme enthielt. Diese Änderung des Rentenrechts war die erste Stufe zum heutigen Rentensystem, das jedoch erst 1993 in Schweden eingeführt wurde.

Bis zum Jahre 1913 gab es in Schweden keinerlei Pensionssystem, was bedeutete, dass die Kinder oder Verwandten für den Rentner aufkommen mussten, ein System, das ausschließlich auf die Großfamilie abgestimmt war. Als dann unter Karl Staaf im Jahre 1913 die Folkpension eingeführt wurde, so handelte es sich dabei um eine Art Sozialhilfe, die sehr gering bemessen war und in der Regel nicht ausreichte um davon ein normales Leben führen zu können. Hinzu kommt, dass das Pensionsalter damals bei 67 Jahren lag, die Lebenserwartung statistisch gesehen jedoch nur bei 60 Jahren lag.

In den 50er Jahren, als sich das gesamte Gesellschaftssystem veränderte, forderten die Linken und die Sozialdemokraten dass die Beihilfe (Folkpension) abgeschafft wird und forderten die Einführung einer allgemeinen Rente. Alles was sie jedoch nach einer positiven Volksbefragung im Jahre 1957 für Personen, die zwischen 1938 und 1953 geboren waren, erreichen konnten, war, dass diese ab 1963 zu ihrer Folkpension eine allmän tilläggspension (ATP) erhielten, die der allgemeinen Pension, die damals eingeführt wurde, nahe kam. Um jedoch diese allgemeine Zusatzpension zu erhalten, musste der Betroffene mindestens 15 Jahre lang gearbeitet haben, was dazu führte, das vor allem für Frauen die Probleme nach wie vor nicht gelöst waren.


14. Mai 1931: Todesschüsse in Ådalen ändern die Geschichte Schwedens 
14. Mai 1981: Die Schwedische Zeichensprache wird offiziell anerkannt

Copyright: Herbert Kårlin