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Sonntag, 1. November 2015

Jakob von Engeström und der Mord an Gustav III.

Jakob von Engeström kam am 1. November 1735 als Sohn eines Bischofs in Lund zur Welt und wurde, auf Grund der Verdienste seines Vaters, im Jahre 1751 in den Adelstand aufgenommen. Im Alter von 18 Jahren schloss von Engström sein Jurastudium an der Universität Lund ab und nur ein Jahr später legte er auch das Kanzleiexamen an der gleichen Universität ab, das ihm den Zugang zum Kanzleikollegium machte und eine Arbeit im diplomatischen Dienst ermöglichte, sowie ihm eine sichere berufliche Zukunft garantierte.

Da Jakob von Engeström mehr Wissenschaftler und Sammler historischer Dokumente war, wurde er bei Beförderungen jedoch mehrmals übergangen und seine politische Rolle war kaum für die Entwicklung Schwedens von Bedeutung. Sicher ist jedoch, dass von Engström der Regierung von Gustav III. sehr kritisch gegenüberstand und dessen Krieg im Jahre 1788 als unrechtmäßigkeit bezeichnete, aber auch die hohe Staatsverschuldung als Problem Schwedens sah. Zumindest indirekt setzte sich von Engeström daher für den Parlamentarismus ein und wollte die Macht des Königs beschränken.

Nach der Ermodung von Gustav III. im Jahre 1792 kam Jakob von Engeström unmittelbar in den Verdacht am Attentat beteiligt gewesen zu sein, da seine Meinungen zur königlichen Macht um diese Zeit allgemein bekannt waren. Bei Verhören musste von Engeström auch zugeben, dass er vom geplanten Attentat wusste, aber gleichzeitig versicherte er, dass er der Hoffnung gewesen war dass der Mord verhindert werden konnte. Da vermutet wurde, dass von Engeström auch eine neue Verfassung ausgearbeitet habe, wurde seine Wohnung durchsucht, allerdings ohne dass dieses Dokument gefunden wurde. Erst sehr viel später fanden Geschichtswissenschaftler dann dieses Dokument unter seinen Papieren. Ohne dieses Papier konnte man Engeström, der am 14. November 1802 in Uppsala starb, nicht sehr viel nachweisen und er wurde daher nur zu einer relativ milden Strafe verurteilt. Der zehnjährigen Gefängnisstrafe entging er jedoch dadurch, dass er unmittelbar nach Uppsala zog, da dort die Durchführung der Strafe nicht möglich war.


1. November 1318: Die Hinrichtung des Ritters Johan von Brunkow
1. November 1772: Allerheiligen in Schweden
1. November 1778: Gustav IV. Adolf, der vom Thron verstoßene König Schwedens
1. November 1876: Torgny Segerstedt und der Kampf gegen den Nazismus
1. November 1937: Die Pfadfinderbewegung in Schweden
1. November 1944: Die Arbeitszeiten von Hausangestellten werden in Schweden geregelt
1. November 1961: Louise Boije af Gennäs und die schwimmende Grenze

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Dienstag, 23. September 2014

Ernst Trygger wird Ministerpräsident Schwedens

Als Ernst Trygger am 23. September 1943 im Alter von 85 Jahren in Stockholm starb, konnte er zwar auf eine großartige Karriere zurücksehen, aber er musste auch erkennen, dass seine politischen Träume endgültig einer neuen Zukunft Platz gemacht hatten, denn als erbitterter Kämpfer gegen den Parlamentarismus musste er erleben, dass der Einfluss des Parlaments in Schweden immer stärker wurde und die königliche Macht in immer mehr Punkten beschnitten wurde. Die Ironie des Schicksals wollte auch, dass Trygger an den Folgen eines gebrochenen Beines starb.

Nach seinem Jurastudium machte Ernst Trygger, der am 27. Oktober 1857 in Stockholm geboren worden war, eine der bedeutendsten Karrieren seiner Zeit, denn nach seinem Doktortitel im Jahre 1885 wurde er Dozent an der Universität Uppsala und schon 1889 erhielt er an dort eine Professur in Prozessrecht. Einige Jahre später nahm er in der Ersten Kammer des Reichstags Platz und ab 1905 war Trygger einer der wichtigsten Personen in den verschiedenen Ausschüssen und entschied weitgehend über die Gesetze Schwedens. Als erbitterter Gegner der Demokratie konnte der Politiker und Jurist daher über Jahre hinweg die Modernisierung Schwedens aufhalten und jedes Streben des Volkes nach Mitbestimmung unterbinden.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges musste Ernst Trygger jedoch akzeptieren, dass mit den Sozialdemokraten auch die Demokratie nach Schweden gekommen war. Als jedoch Hjalmar Branting in Fragen der staatlichen Unterstützung von Arbeitslosen im Jahre 1923 scheiterte, beauftrage Gustav V. Ernst Trygger mit der Regierungsbildung. Allerdings musste Trygger sein Amt als Ministerpräsident bereits nach den Wahlen im Jahr 1924 wieder an Branting abgeben. Sein Einfluss auf die poltische Geschichte Schwedens war daher gering. Nach den chaotischen Wahlen des Jahres 1928 gelang es Ernst Trygger nochmals für zwei Jahre unter Arvid Lindman Außenminister zu werden, aber als die rechte Regierung zwei Jahre später zurücktreten musste, begann sich Trygger ganz aus der Politik zurückzuziehen. Die letzten zehn Jahre seines Lebens blieb der Politiker daher ohne jeden politischen Auftrag und Einfluss
.

23. September 1535: Katharina von Sachsen-Lauenburg, Königin von Schweden
23. September 1835: Georg Adlersparre, zwischen Feldherr, Literat und Revolutionär
23. September 1885: Kristina Nilssons Gesang verursacht 20 Tote in Stockholm
23. September 1934: Per Olov Enquist und die interpretierte Wirklichkeit im Roman
23. September 1944: Die Entwicklung des Stadttheaters in Malmö
23. September 1963: Tystnaden, das Schweigen, von Ingmar Bergman

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 6. Juni 2014

Die schwedische Regierungsreform des Jahres 1974

Als sich nach dem ersten Weltkrieg in Schweden der Parlamentarismus durchsetzte, stellte man sehr bald fest, dass die Regierungsform aus dem Jahre 1809 völlig veraltet war und in mehreren Punkten auch nicht mehr angewandt wurde. Während nach den alten Bestimmungen der König über die Regierungsbildung entscheiden konnte und nur tolerierte dass dies von der Regierung durchgeführt wurde, war die Rückkehr in eine totalitäre Königsmacht jederzeit möglich. Auch wenn aus diesem und ähnlichen Gründen die Forderung nach einer moderneren Regierungsform schnell wuchs, so sollte es noch bis zum 6. Juni 1973 dauern bis das Parlament mehrheitlich dafür stimmte eine Regierungsreform vorzunehmen.

Was jedoch als moderne Regierungsreform gedacht war, wurde letztendlich eine Kompromisslösung, denn die königliche Erbfolge (Thronfolge) wurde beibehalten, auch wenn diese 1979 nachträglich noch geringfügig geändert wurde. Der König verlor mit der Reform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, lediglich seinen politischen Einfluss, sollte jedoch weiterhin Schweden nach Außen repräsentieren. Obwohl die Sozialdemokraten, die bei der Ausarbeitung der Regierungsreform an der Macht waren, in ihrem Parteiprogramm eine Republik in Schweden vorsahen, so wagte die Partei es nicht den König abzuschaffen, da das Königshaus für die Mehrheit der Bürger als unantastbar galt.

Die Regierungsreform wurde bereits vom ersten Tag an auch aus anderen Gründen kritisiert, da die Sozialdemokraten auch eine Möglichkeit geschaffen hatten die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit durch eine parlamentarische Abstimmung außer Kraft zu setzen, da diese Freiheit notwendige soziale Reformen verhindern könne. Dies ist auch einer der Gründe, dass es bis heute keine echte Pressefreiheit in Schweden gibt und nahezu jedes offizielle Dokument als geheim eingestuft werden kann und eine Veröffentlichung dadurch zum Staatsverrat werden kann. Aber trotz der zahlreichen Kritiken wurde diese Regierungsreform bis heute nur in wenigen Punkten nachgebessert.


6. Juni 1523: Gustav Vasa, der berühmteste König Schwedens
6. Juni 1654: Kristina von Schweden, die widerspenstige Königin
6. Juni 1809: König Karl XIII. von Schweden
6. Juni 1891: Dövas Tidning, eine Zeitschrift für Taube
6. Juni 1970: Kernenergie und Kernreaktoren in Schweden
6. Juni 1973: Jackie Arklöfs Weg zum Verbrecher
6. Juni 1983: Der schwedische Nationaltag
6. Juni 2003: Der Ostindiensegler Götheborg wird vom Stapel gelassen

Copyright: Herbert Kårlin