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Dienstag, 23. September 2014

Ernst Trygger wird Ministerpräsident Schwedens

Als Ernst Trygger am 23. September 1943 im Alter von 85 Jahren in Stockholm starb, konnte er zwar auf eine großartige Karriere zurücksehen, aber er musste auch erkennen, dass seine politischen Träume endgültig einer neuen Zukunft Platz gemacht hatten, denn als erbitterter Kämpfer gegen den Parlamentarismus musste er erleben, dass der Einfluss des Parlaments in Schweden immer stärker wurde und die königliche Macht in immer mehr Punkten beschnitten wurde. Die Ironie des Schicksals wollte auch, dass Trygger an den Folgen eines gebrochenen Beines starb.

Nach seinem Jurastudium machte Ernst Trygger, der am 27. Oktober 1857 in Stockholm geboren worden war, eine der bedeutendsten Karrieren seiner Zeit, denn nach seinem Doktortitel im Jahre 1885 wurde er Dozent an der Universität Uppsala und schon 1889 erhielt er an dort eine Professur in Prozessrecht. Einige Jahre später nahm er in der Ersten Kammer des Reichstags Platz und ab 1905 war Trygger einer der wichtigsten Personen in den verschiedenen Ausschüssen und entschied weitgehend über die Gesetze Schwedens. Als erbitterter Gegner der Demokratie konnte der Politiker und Jurist daher über Jahre hinweg die Modernisierung Schwedens aufhalten und jedes Streben des Volkes nach Mitbestimmung unterbinden.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges musste Ernst Trygger jedoch akzeptieren, dass mit den Sozialdemokraten auch die Demokratie nach Schweden gekommen war. Als jedoch Hjalmar Branting in Fragen der staatlichen Unterstützung von Arbeitslosen im Jahre 1923 scheiterte, beauftrage Gustav V. Ernst Trygger mit der Regierungsbildung. Allerdings musste Trygger sein Amt als Ministerpräsident bereits nach den Wahlen im Jahr 1924 wieder an Branting abgeben. Sein Einfluss auf die poltische Geschichte Schwedens war daher gering. Nach den chaotischen Wahlen des Jahres 1928 gelang es Ernst Trygger nochmals für zwei Jahre unter Arvid Lindman Außenminister zu werden, aber als die rechte Regierung zwei Jahre später zurücktreten musste, begann sich Trygger ganz aus der Politik zurückzuziehen. Die letzten zehn Jahre seines Lebens blieb der Politiker daher ohne jeden politischen Auftrag und Einfluss
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23. September 1535: Katharina von Sachsen-Lauenburg, Königin von Schweden
23. September 1835: Georg Adlersparre, zwischen Feldherr, Literat und Revolutionär
23. September 1885: Kristina Nilssons Gesang verursacht 20 Tote in Stockholm
23. September 1934: Per Olov Enquist und die interpretierte Wirklichkeit im Roman
23. September 1944: Die Entwicklung des Stadttheaters in Malmö
23. September 1963: Tystnaden, das Schweigen, von Ingmar Bergman

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 12. Juli 2013

Oscar von Sydow, für acht Monate Ministerpräsident Schwedens

Oscar von Sydow wurde am 12. Juli 1873 in Kalmar geboren, wuchs jedoch in Nordschweden auf. Auch wenn der Name Sydow in Schweden mit mehreren Politikern und einflussreichen Personen zusammenhängt, so geht dieser Familienname grundsätzlich auf Einwanderer aus Pommern zurück, die wegen ihrem protestantischen Glauben nach Schweden gekommen waren und hier nicht nur, auf königlichen Beschluss, ihre adeligen Rechte behalten konnten, sondern sich auch in sieben adelige Zweige verteilten von denen heute noch fünf existieren.

Oscar von Sydow ging als der am kürzesten regierende Ministerpräsident Schwedens in die Geschichte ein, der zudem nur gewählt wurde, weil Hjalmar Branting das Amt vorher abgelehnt hatte. Sydow akzeptierte das Amt, obwohl Schweden damals in der Krise stand und er wusste, dass er wegen seiner harten Linie eine schwere Stellung haben würde. Um jedoch nicht machtlos auf die baldigen Wahlen zu warten, forderte von Sydow Garantien, die ihm auch ermöglichten die Staatsgeschäfte aktiv zu führen und nicht nur als Marionette an der Spitze Schwedens zu stehen.

Noch heute wird der parteilose Oscar von Sydow nur so nebenbei als Ministerpräsident genannt, obwohl gerade er es war, der den Sozialdemokraten, und damit auch dem folgenden Ministerpräsidenten Hjalmar Branting, eine gute Regierungsbasis bot, denn als Ministerpräsident hatte in der kurzen Zeit seiner Macht zwei wichtige Änderungen herbeigeführt und zum einen die Todesstrafe in Friedenszeiten abgeschafft und das Wahlrecht der Frauen endgültig abgesichert, damit also die konservativen Kritiker der neuen Bestimmungen endgültig zum Schweigen gebracht. Man kann heute sagen, dass Oscar von Sydow mit seiner Änderung der Verfassung die Demokratie in Schweden geschaffen hat. Oscar von Sydow starb am 19. August 1936 im Alter von 63 Jahren in Stockholm.


12. Juli 1908: Fußball in Schweden 
12. Juli 1953: Wolfgang Zaugg, alias John Ausonius, der Lasermannen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Der Film 491 wird in Schweden verboten

Am 28. Dezember 1963 wurde vom Statens Filmgranskningsråd der Film 491 von Vilgot Sjöman von allen Kinos Schwedens verbannt, da das Amt, das seit 1911 jeden Film Schwedens zensierte, der Meinung war, dass dieser schwedische Film zu gewaltsam für das schwedische Publikum sei, auch wenn das Buch von Lars Görling frei verkäuflich war auf das die Geschichte aufbaute und das Werk bereits ein legendärer, wenn auch sehr umstrittener, Bestseller war, da er das morbide Leben im Stockholm der 50er Jahre schilderte.

Erst am 16. März 1964 konnte 491 dann in die schwedischen Kinos kommen, nachdem jedoch alle gewaltsamen Filmszenen aus dem Werk entfernt worden waren, unter anderem auch einige Sexszenen, da diese schädlich für die Entwicklung der schwedischen Gesellschaft gewesen seien. Der äußerst kontroverse Film war in Norwegen sogar noch bis 1971 verboten, wobei er in anderen Ländern bereits zu Beginn in ungekürzter Form gesehen werden konnte, da der Begriff Filmkunst in jedem Land anders bewertet wurde.

Schweden war weltweit das erste Land, das bereits im Jahre 1911 eine Filmzensur einrichtete, was sehr viele Länder kritisierten, da diese Zensur die Ausdrucksfreiheit verhinderte, ein Grundelement jeder Demokratie. Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich die schwedische Filmzensur dann stufenweise gelockert und sich während der letzten Jahre dann vor allem darauf beschränkt ein Mindestalter für Filme festzulegen. Erst 2011 wurde die Zensur in Schweden dann endgültig abgeschafft und der Statens Medieråd nahm seine Arbeit auf, ein Amt, das entscheiden soll ab welchem Alter Filme oder auch Videospiele zulässig sind.

28. Dezember: Der Tag der unschuldigen Kinder in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 9. Dezember 2011

Schweden führt Wahlrecht für ausländische Bürger ein

Am 9. Dezember 1975 wurde in Schweden das allgemeine aktive und passive Wahlrecht für Bewohner des Landes eingeführt, die noch nicht naturalisiert sind oder auch ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft behalten wollen. Das schwedische Parlament sah dies als Demokratisierung des Landes an, in dem Frauen erstmals im Jahre 1921 wählen konnten und sogar erst 1945 auch Arme bei den allgemeinen Wahlen in Schweden zugelassen wurden. Schweden nahm damit innerhalb nur eines Jahrhunderts alle Schritte der Demokratisierung des Wahlrechts.

Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass noch 1892 in 44 schwedischen Gemeinden jeweils eine einzige Person über mehr als 50 Prozent aller Stimmen verfügte und damit allein über die Zukunft des Ortes entscheiden konnte. 1908 durften dann, nach den damaligen Bestimmungen, gerade einmal zehn Prozent aller Schweden ihre Stimme abgeben und ab 1945 durften dann auch Personen, die von der Sozialhilfe lebten oder in Konkurs gegangen waren, über die Führung des Ortes, der Region und des Landes entscheiden.

Das allgemeines Wahlrecht für ausländische Bürger, die in Schweden leben, hat natürlich einige Beschränkungen, denn nur Personen mit schwedischer Staatsangehörigkeit dürfen das Parlament wählen. Alle anderen können an Lokal- und Regionalwahlen teilnehmen und sich auch als Kandidat aufstellen lassen. Ein Unterschied besteht auch, ob der Wahlberechtigte aus einem europäischen Land kommt oder nicht, denn Europäer können, sobald sie eine Personennummer besitzen, an den Wahlen teilnehmen, während Nichteuropäer vorher drei Jahre lang ihren Hauptwohnsitz in Schweden haben müssen.

9. Dezember: Die Bedeutung des Annadagen (Annatag) in Schweden
9. Dezember 1936: Der schwedische Ministerpräsident Arvid Lindman 

Copyright: Herbert Kårlin