Freitag, 7. November 2014

Christian Lundeberg wird Ministerpräsident Schwedens

Als Christian Lundeberg am 10. November 1911 im Alter von 69 Jahren starb, gehörte er zur Reihe der Personen, die einst die höchste politische Position des Landes erreicht hatten, auch wenn er nur knappe vier Monate lang der Ministerpräsident des Landes war, bevor er am 7. November 1905 zurücktrat und das Amt an Karl Staaff weitergeben musste. Lundeberg gehörte zu jenen Führern des Landes, die gewohnt waren zu regieren und er war, als einer der bedeutendsten Industriellen im Raume Gävles, vor allem gewohnt zu entscheiden und seinen Willen durchzusetzen.

Christian Lundeberg gehörte bereits bevor er Ministerpräsident wurde zu den bedeutendsten politischen Personen des Landes, die die schwedische Verteidigung ab Ende des 19. Jahrhunderts als grundlegend betrachteten. Unter seinem Einfluss wurde die Festung in Boden gebaut, die Seeverteidigung ausgedehnt und er entwickelte ein schlagkräftiges Heer, das durch lange Waffenübungen immer auf den Ernstfall vorbereitet war. Nahezu logisch ist daher auch, dass Lundeberg Norwegen jede Selbständigkeit absprach und, wie jeder konservative Politiker des Landes, die Union zwischen Schweden und Norwegen als natürlich betrachtete.

Die Ernennung von Christian Lundeberg zum Ministerpräsidenten beruhte mit Sicherheit auf seiner extrem konservativen Einstellung. Der Politiker sah das Volk als unfähig zu einer politischen Mitbestimmung an und er wollte selbst eine Vetorecht der Ersten Kammer bei neuen Gesetzen durchführen, da nur die Elite des Landes entscheiden kann was gut für das Land und das Volk sei. In diesem Rahmen muss man auch sehen, dass Lundeberg vermutlich der einzige Ministerpräsident Schwedens jener Zeit war bei dessen Entscheidungen der König nicht mitwirkte. Erstmals unter seiner Regierung wurde auch ein Vertreter des Bauernstandes zum Staatsrat ernannt, ein liberaler Gutsbesitzer, der es ermöglichte eventuelle Widersacher der Regierung Lundeberg zu besänftigen und eine Öffnung der Politik zur ländlichen Schicht zu zeigen.


7. November 1852: Johan Ramstedt, eine Notlösung als Ministerpräsident
7. November 1893: Das Karlstads Theater, genannt Wermland Opera
7. November 1929: Erik-Gunnar Eriksson und Hoppets Stjärna
7. November 1935: Johan Lindström Saxon, der Heimatautor Närkes
7. November 1938: Der Tag des Kladdkaka in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 6. November 2014

Der schwedische Philosoph Samuel Grubbe

Als der schwedische Philosoph Samuel Grubbe am 6. November 1853 in Uppsala starb, gehörte er zu den wenigen Philosophen Europas, die nur wenige Schriften hinterließen, aber dennoch das philosophische Denken eines Jahrhunderts prägten, ein Denken, zu dem man heute nur noch dann Zugang findet wenn man seine posthum herausgegebenen Aufzeichnungen zu seinen Vorlesungen liest. Grubbe gehört zur Gruppe der Philosophen die das gesprochene Wort und die Handlungen wichtiger nahmen als eine Publikation.

Samuel Grubbe schrieb sich 1802, im Alter von 16 Jahren, an der Universität Uppsala ein  um dort Philosophie zu studieren. Nur vier Jahre später schloss er sein Studium ab und wurde an der gleichen Universität Dozent. Bereits sieben Jahre später erhielt Grubbe dann einen Lehrstuhl als Professor in Logik und Metaphysik, wobei sich der Wissenschaftler bei seiner Lehre vor allem auf die deutsche Philosophie jener Epoche bezog. Als Grubbe dann 1827 Professor in Ethik und Politik wurde, ging auch seine politische Karriere nach oben und bald darauf wurde der Philosoph in die Svenska Akademien aufgenommen und er erhielt die Aufgaben eines Staatsrates.

Die Hauptlinie der Philosophie von Samuel Grubbe findet man in der Idee, dass er Gott als Urwesen sieht das in jedem Lebewesen vorhanden ist, ein Gedanke bei der er die nordische Mythologie mit der deutschen Philosophie verbindet. Nach Grubbe kann man dabei die religiöse Erfahrung in drei Teile aufspalten, die sich nebeneinander entwickeln. Zum einen verfügt jedes denkende Wesen über theoretische Kenntnisse, also Bildung, zum anderen über das Gefühl, das im Ursprung den richtigen Weg weist und zum dritten existiert die Willenskraft, die entscheidet welchen Weg eine Person dann tatsächlich einschlägt. Auch wenn Gruppe gegen Ende seines Lebens, unter dem Einfluss von Schleiermacher, diese These relativierte, so ist diese Trennung die Basis der Philosophie Grubbes geblieben.


6. November 1632: Gustav II. Adolf wird König von Schweden
6. November 1894: Der schwedische Künstler Axel Fridell
6. November 1907: Gustav Jonsson und das Kinderdorf Skå
6. November 1962: Örnulf Tigerstedt und die rechte schwedische Literatur Finnlands
6. November 1964: Hans von Euler-Chelpin erhält den Nobelpreis in Chemie
6. November 2011: Der schwedische Architekt Carl Nyrén

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 5. November 2014

Gustaf Fredrikson, vom Schauspieler zum Theaterdirektor

Als Gustaf Fredrikson, besser bekannt als Frippe Fredrikson, am 5. November 1921 auf Gut Höstsol, einem Altersheim für Schauspieler, bei Stockholm, starb, konnte er auf 56 Jahre als Schauspieler zurückblicken, denn noch 1918 wirkte Fredrikson in der Rolle des Kammerherrn Emil von Schinkel im Film Mästerkatten i stövlar mit, dem einzigen Film in dem der Schauspieler je mitwirkte. Im gleichen Jahr veröffentlichte der 86-jährige auch sein autobiographisches Buch Teaterminnen.

Gustaf Fredrikson, der am 31. Juli 1832 in Stockholm geboren wurde, hatte seine Karriere als Schauspieler am 4. November 1862 im Dramaten eingeleitet und wurde dort bereits im darauffolgenden Jahr fest angestellt. Als jedoch der schwedische Reichstag im Jahre 1888 sämtliche Subventionen für die Oper und das Dramaten strich, stellte Fredrikson das eigene Auftreten an die zweite Stelle und er übernahm
, im Auftrag eines Vereins den er mit gegründet hatte, die Leitung des Dramaten, von 1904 bis 1907 sogar vollkommen unter eigener Rechnung. In dieser Zeit kamen die Einnahmen vor allem über Tourneen, die die Truppe des Theaters im nordischen Raum unternahm.

Als das Dramaten 1907 in die neuen Räume umzog und das klassische Theater Gustaf Fredriksons in die Ära August Strindberg überging, verließ der Schauspieler das Dramaten. Im Jahre 1912 vermachte Fredrikson dann sein gesamtes Vermögen, inklusive seiner Möbel und seiner Kunstsammlung, einer damals noch geplanten Stiftung, die 1918 ein Gut kaufte, das sich anschließend zum Altersheim Höstol verwandelte und Schauspielern im höheren Altern eine Ruheplatz und die eventuell nötige Pflege bietet. Noch heute wird Höstol oft als das Altersheim von Gustaf Fredrikson bezeichnet.


5. November 1829: Die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg
5. November 1879: Die Guttempler-Loge Schwedens wird in Göteborg gegründet
5. November 1919: Die schwedische Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen
5. November 1932: Sonora, das schwedische Label für Schallplatten

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 4. November 2014

Kristian II. wird in Schweden zum König gekrönt

Kristian II. war am 1. Juli 1481 auf dem dänischen Schloss Nyborg geboren worden und war zwischen 1513 und 1523 der König von Dänemark und Norwegen. Aber bereits mit 16 Jahren, also im Jahre 1497, war der sehr aufbrausende junge Mann auch in Schweden zum Thronfolger ernannt worden, auch wenn dies ein langer Weg für ihn werden sollte, denn Schweden war zu dieser Zeit Feindesland und Kristian II. konnte 1502 gerade einmal die Festung Älvsborg am Göta älv einnehmen und Öresten erobern, beides weit entfernt von Stockholm.

Erst als zwischen Sten Sture dem Jüngeren und dem Erzbischof Gustav Trolle 1517 eine erbitterte Feindschaft ausbrach, schien für Kristian II. die Zeit gekommen und er griff Schweden erstmals an. Allerdings lag weder 1517 noch 1518 das Glück auf der Seite des Königs und die Macht über Schweden war weit entfernt. Als jedoch der Papst 1519 Sten Sture mit dem Kirchenbann belegte und Kristian II. den Auftrag gab Schweden von Sten Sture zu befreien, kam es erneut zum Kampf und als der schwedische König tödlich verletzt wurde und am 5. Februar 1520 starb, wurde Kristian II. In der Tat zum Herrscher über Schweden. Am 4. November 1520 krönte ihn dann Erzbischof Gustav Trolle auch zum König über das Land.

Allerdings sollte Kristian II. die Macht in Schweden nicht sehr lange behalten, da er, unter Anraten von Trolle, erst in Stockholm ein Blutbad anrichtete, da er die Getreuen des vorherigen Königs als Ketzer hinrichten ließ, sondern in ganz Schweden etwa 600 Personen töten ließ, was ihm den Beinahmen Kristian der Grausame einbrachte. Schweden lehnte sich natürlich bald gegen diese Grausamkeit auf und als der spätere König Gustav Vasa mit einem großen Heer gegen Stockholm zog, musste Kristian II. sein Fehldenken eingestehen. Am 23. August 1521, nicht einmal ein Jahr als König, musste er das Land wieder verlassen und zwei Jahre später wurde er auch in Dänemark als König abgesetzt.


4. November 1842: Olof Arborelius und die Landschaft Dalarnas
4. November 1925: Die schwedische Schauspielerin Kjerstin Dellert
4. November 1954: Stig Dagerman, ein zerrissenes Leben bis zum Tod
4. November 1954: Stig Dagerman, der depressive Schriftsteller Schwedens
4. November 1970: Die schwedische Opernsängerin Malena Ernman

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Montag, 3. November 2014

Die Filmstadt Sergel in Stockholm

Die Geschichte der Filmstadt Sergel (Filmstaden Sergel) geht im Grunde zurück in die 40er Jahre, als der Plan auftauchte am Hötorget im zentralen Stockholm das Stadttheater zu bauen und die Sergelsgatan zu einer der wichtigsten Fußgängerzonen der schwedischen Hauptstadt zu gestalten. Die Glasfassade am Hötorget sollte einen Blick in das beleuchtete Foyer des Theaters bieten. Aber die Pläne realisierten sich nie und in Hötorgcity entstand letztendlich lediglich ein kleinerer Theatersaal, das Sergelteatern, das jedoch nie eine Theaterbühne wurde, sondern sich in einen Kinosaal verwandelte.


Auch die eindrucksvolle Glasfassade von Hötorgcity entstand daher erst Mitte der 90er Jahre, gleichzeitig mit dem Bau einer der größten „Filmstädte“ Schwedens, der Filmstadt Sergel, die heute über 14 Kinosäle verfügt in denen 2667 Filmliebhaber gleichzeitig Platz finden. Die Einweihung der Filmstaden fand am 3. November 1995 statt, wobei man unter dem gigantischen Kino nicht nur ein Parkhaus findet, sondern auch die unterirdische Markthalle des Hötorget, auf dem zusätzlich an allen Wochentagen bis zu 50 Markthändler ihre Waren anbieten.

Als die Filmstaden Sergel gebaut wurde, hatte man den alten Kinosaal Sergelteatern nicht vergessen und der zuständige Architekt bettete ihn im Gesamtprojekt ein, was den Kinobesuchern ermöglicht auch heute noch in einem bereits historischen Kinosaal moderne Filme zu sehen. Allerdings gehört das gesamte Gebäude der Stadt Stockholm und die SF Bio sind lediglich Mieter der Kinosäle. Verlässt man die Filmstaden Richtung Hötorget, so findet man dort sowohl die bekanntesten Hochhäuser Stockholms als auch das Kaufhaus PUB aus dem Jahr 1916 und das von Ivar Tengbom in den 20er Jahren gebaute Konzerthaus.


3. November 1896: Gustaf Tenggren, von Trollen zu Disneys Pinocchio
3. November 1902: Die Göteborgs-Tidningen (GT) erscheint zum ersten Mal
3. November 1905: Der schwedische Schauspieler Sigge Fürst
3. November 1911: Der schwedische Kapellmeister William Lind

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 2. November 2014

Rutger Sernander, Botaniker, Archäologe und Geologe

Rutger Sernander kam am 2. November 1866 in der gehobenen Bürgerschicht in Viby in Närke zur Welt und hatte daher eine hervorragende Bildung, die es ihm ermöglichte an der Universität Uppsala zu studieren wo er, nach einer Disputation über die Vegetation Gotlands, 1895 Doktor in Philosophie wurde und im Jahre 1909 auch zum ordentlichen Professor in Botanik ernannt wurde. Anschließend wurde Sernander in nahezu alle wissenschaftlichen Vereinigungen und Akademien Schwedens aufgenommen und entwickelte sich zu einem er bedeutendsten Botaniker des Landes.

Rutger Sernander war mit seinen Ideen einer der bedeutendsten Neuerer der botanischen Wissenschaft, denn er lehnte bereits zu Beginn seiner Arbeiten jeden göttlichen Einfluss auf die Pflanzenevolution ab und sah die Veränderung der Flora vor allem in der klimatischen Entwicklung, was um diese Zeit in Schweden sehr ungewöhnlich war. Seine Pflanzenstudien zur Geographie der Pflanzenwelt ab der schwedischen Eiszeit führten auch dazu, dass Sernander beweisen konnte, dass es während der Eisenzeit zu einem bedeutenden Kälteeinbruch in Schweden kam der die Vegetation des Landes vollkommen veränderte.

Auch wenn man heute den Namen Rutger Sernander nur selten in Zusammenhang mit der modernen Botanik hört, so ist seine Bedeutung für das heutige schwedische Denken zur Ökologie und zum Naturschutz bedeutend, denn Sernander war der erste schwedische Wissenschaftler, der die Grundlagen der heutigen Ökologie schuf und 1909 einer der Gründer des schwedischen Naturschutzvereins war. Natürlich lag dies nicht nur an den Forschungsergebnissen Sernanders, sondern auch daran, dass er sich für sämtliche wissenschaftlichen Strömungen des damaligen Europa interessierte und den Forschungsergebnissen seiner Kollegen folgte. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verfasste Sernander auch zahlreiche Biografien, zum Beispiel über Carl von Linné und Olof Rudbeck den Älteren.


2. November 1822: Carl Gustaf Malmström und die Freiheitszeit Schwedens
2. November 1887: Jenny Lind erscheint auf einem schwedischen Geldschein
2. November 1890: Moa Martinson eine feministische Arbeiterschriftstellerin
2. November 1961: August Strindberg und Harriet Bosse
2. November 1963: Jonas Gardell, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens
2. November 2005: Rolf Bergh und die moderne Kirche Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 1. November 2014

Die Hinrichtung des Ritters Johan von Brunkow

Auch wenn die ältere Geschichte Schwedens wegen dem geringen Quellmaterial jener Zeit nur sehr oberflächlich bekannt ist, so findet man mehrere Hinweise zu den Geschehnissen unter König Birger Magnusson und der Hinrichtung seines Getreuen Johan von Brunkow am 1. November 1318 auf dem Brunkaberg im heutigen zentralen Stockholm. Von Brunkow hatte um diese Zeit bereits den Rang eines Drots und war damit, vermutlich in bereits sehr jungen Jahren, der wichtigste Mann des Reiches, unmittelbar nach dem König, geworden.

Johan von Brunkow war einer der treuesten Anhänger des Königs Birger Magnusson und gilt als die Person, die dafür verantwortlich war, dass der König 1317 während eines Festes seine beiden Brüder Valdemar und Erik festnehmen ließ, dem sogenannten Nyköpings gästabud. Nach existierenden Aufzeichnungen soll die Idee jedoch nicht von Brunkow selbst gekommen sein, sondern von der Königin Märta von Dänemark, die dadurch die Macht ihres Mannes stützen wollte. Von Brunkow war jedoch, im Gegensatz zur Königin, bei der Festnahme anwesend und hatte auch die entsprechende politische Macht.

Diese Festnahme sollte allerding Johan von Brunkow auch zum Verhängnis werden, denn als das Heer der beiden Brüder Stegeborg belagerte, die Burg in der sich Magnus Birgersson, der Sohn des Königs, aufhielt, wollte von Brunkow diesen befreien und die Belagerung durchbrechen. Bei diesem Versuch wurde er jedoch festgenommen und, als der bedeutendste Feind der Herzöge Valdemar  und Erik, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Diese Hinricchtung war jedoch auch Nahestehenden des Königs willkommen, denn von Brunkow war als Einwanderer ohnehin nicht von allen geliebt und galt als der Günstling des Königs.


1. November 1735: Jakob von Engeström und der Mord an Gustav III.
1. November 1772: Allerheiligen in Schweden
1. November 1778: Gustav IV. Adolf, der vom Thron verstoßene König Schwedens
1. November 1876: Torgny Segerstedt und der Kampf gegen den Nazismus
1. November 1937: Die Pfadfinderbewegung in Schweden
1. November 1961: Louise Boije af Gennäs und die schwimmende Grenze

Copyright: Herbert Kårlin

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