Freitag, 6. Januar 2012

Olaus Petri, der schwedische Reformator

Olaus Petri, auch Mäster Olof genannt, wurde am 6. Januar 1493 in Örebro geboren und hat für die schwedische Kirche die gleiche Bedeutung wie Martin Luther für die protestantische Kirche in Deutschland. Überliefert ist auch, dass Olaus Petri vom schwedischen König nach Wittenberg geschickt wurde und dort, vermutlich unter Martin Luther, den protestantischen Glauben studierte, den er dann nach seiner Rückkehr in Schweden verbreitete. Olaus Petri, der ursprünglich Olof Pettersson hieß, übersetzte, gemeinsam mit Laurentius Andreae, die Bibel, gab Psalmbücher heraus und änderte, unter Gustav Vasa, die gesamte Kirchenordnung.

Theodor Lundbergs Olaus Petri in Stockholm

Die Reformation in Schweden war indes nur möglich, da Olaus Petri erst Stadtschreiber in Stockholm war und dann Reichskanzler unter Gustav Vasa wurde, also einen bedeutenden Einfluss in Schweden hatte und das Vertrauen des Königs besass. Allerdings nahm Olaus Petri auch das Beichtgeheimnis ernster als der König forderte und wurde deswegen bereits zehn Jahre nach der Kirchenreform des Hochverrats bezichtigt und zum Tode verurteilt, da er Gustav Vasa nicht berichtet hatte, dass ein Komplott gegen ihn geplant war, eine Tatsache, die Petri während einer Beichte anvertraut worden war. Auf Grund der bedeutenden Rolle, die Olaus Petri für die neue Kirche leistete, wurde das Todesurteil wenig später jedoch in eine Geldstrafe umgewandelt und bald wurde Petri auch wieder in seinen Funktionen bestätigt. Olaus Petri starb daher am 19. April 1552 in Stockholm eines natürlichen Todes.

Olaus Petri arbeitete auch als Rechtsphilosoph und Geschichtswissenschaftler, was ihm Ehre und Kritik brachte, denn während seine Domareregler noch heute Teil der schwedischen (und finnischen) Gesetze sind, so wurde er schwer für seine schwedische Geschichte „En svensk krönika“ kritisiert, deren Herausgabe Gustav Vase verbot und die daher erst 1818 erstmals erscheinen konnte. Olaus Petri hatte sich bei seinem Werk von der Auffassung gelöst, dass Geschichte dann richtig ist, wenn sie von Kirchenmännern abgesegnet war und legte einen Wert auf Analyse und Forschung. Aus diesen Gründen lehnte er auch die Schriften der Heiligen Birgitta ab, die Magnus Eriksson als „schlechten König“ beschrieben hatte. Auch seine kritische Beleuchtung der römischen Schriften über Schweden oder die Ablehnung der Glorifizierung der alten Geschichte Schwedens widersprachen der geschichtlichen Auffassung Vasas, der ein Schweden ohne Fehler sehen wollte.

Allerdings hatte August Strindberg mit seinem „Mäster Olof“, in dem Olaus Petri die Hauptfigur ist, ebenfalls wenig Glück, denn seine ersten beiden Versionen wurden abgelehnt weil er in seinem Stück Gustav Vasa handeln ließ, den König, der noch heute in Schweden als unantastbar gilt. Erst die dritte Version, ohne die Präsenz von Gustav Vasa, konnte dann veröffentlicht und im Theater gespielt werden.

6. Januar 1912: Johnny Bode, der erste Punkstar Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 5. Januar 2012

Der Flugplatz Arlanda in Stockholm

Obwohl bereits 1952 der erste Spatenstich für den Stockholmer Flughafen Arlanda erfolgte, konnte die erste Linienmaschine erst am 5. Januar 1960, also acht Jahre später starten. Offiziell eingeweiht wurde Arlanda von König Gustav VI. Adolf dann jedoch erst zwei Jahre später, nämlich am 1. April 1962, wobei an diesem Tag auch eine besondere Persönlichkeit an Bord war, denn mit der Maschine um 0 Uhr 15 flog Greta Garbo in die USA.

Die Geschichte des Flughafens Arlanda ist vermutlich die längste aller Flughafengeschichten, da bereits 1943 ein Platz für einen neuen Flughafen gesucht wurde, da auf Bromma die neueren Flugzeuge wegen der kurzen Landebahnen nicht zugelassen waren. Wenn man also eine Flugverbindung von Schweden nach Amerika einrichten wollte, so benötigte man einen neuen Flugplatz. Aber jeder Plan wurde verworfen und als man sich 1952 für das heutige Arlanda entschied, so reichte das Geld gerade einmal für eine Betonbahn, die nicht nur zu kurz war, sondern auch von Grund auf in einem so schlechten Zustand, dass nur wenige kleinere Maschinen sie benutzten.

Bevor man dann jedoch 1960 den Flugplatz für den Weltverkehr öffnete, musste man auch noch einen Namen für die Anlage finden. 1958 hatte man daher in der Zeitschrift Året Rund ein Preisausschreiben ausgeschrieben, das zu einem guten Namen führen sollte. Aber auch wenn sehr interessante Namen vorgeschlagen wurden, entschied sich die Jury für keinen unter ihnen, sondern wählte den Vorschlag des Ortsnamensforschers Lars Hellberg, der den ursprünglichen Namen der Umgebung, wenn auch etwas abgewandelt, erhalten wollte. Und so machte der Wissenschaftler aus der Provinz Aarland des Mittelalters Arlanda.

5. Januar 1970: Flugzeugabsturz beim Stockholmer Flugplatz Arlanda

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 4. Januar 2012

Schweden erkennt Finnland als unabhängigen Staat an

Auch wenn das finnische Parlament Finnland bereits am 5. November 1917 als unabhängigen Staat bezeichnete und dies am 6. Dezember des gleichen Jahres schriftlich niederlegte, so wagte es kein Land Finnland anzuerkennen bevor nicht Russland das Land offiziell frei gab. Lenin entschied sich dann am 31. Dezember 1917 Finnland offiziell anzuerkennen, überreichte aber den Vertrag erst am 4. Januar 1918 dem neuen finnischen Staatsoberhaupt. Noch am gleichen Tag erkannten dann Schweden und Frankreich Finnland als selbständigen Staat an. Deutschland folgte dem Schritt zwei Tage später und die USA im folgenden Jahr.

Die Unabhängigkeitserklärung Finnlands beruhte auf § 38 der alten schwedischen Verfassung von 1772, der dem Staatsstreich des schwedischen Königs Gustav III. folgte und dem König ursprünglich alle Macht in Finnland gab. Die Anerkennung des finnischen Staates durch Schweden war daher der bedeutendste Schritt zu einem unabhängigen Finnland, das dadurch jede Abhängigkeit von Schweden abstreifen und an einer eigenen Verfassung arbeiten konnte.

Auch wenn die finnische Unabhängigkeit auf alte schwedische Gesetze baut, so war durch die Anerkennung Finnlands durch Schweden die Monarchie auf finnischem Boden aufgehoben, was die führende Schicht des Landes mit großer Erleichterung aufnahm und den Weg in eine Republik öffnete, zu der sich das Parlament Finnlands bereits im November 1917 entschieden hatte. Durch den Bürgerkrieg, der nach der Unabhängigkeit in Finnland ausbrach, konnte das Parlament jedoch erst 1919 eine eigene Regierungsform annehmen.

4. Januar 1793: Bengt Lidner, der Skalde, der in Ungnade fiel
4. Januar 1911: Die ersten Postautos kommen nach Schweden
4. Januar 2008: Stig Claesson, der unbekannte Schriftsteller Schwedens 

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 3. Januar 2012

Nylonstrümpfe kommen nach Schweden

Am 3. Januar 1947 wurde in Malmö die Serienproduktion von Nylonstrümpfen aufgenommen, einer Erfindung, die bereits 1939 auf der Weltausstellung in New York vorgestellt worden war und von denen die schwedischen Auswanderer in den USA in ihren Briefen schwärmten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nur wenige Exemplare an Nylonstrümpfen nach Schweden gelangt, wobei die europäische Produktion fast ausschließlich in Frankreich zu finden war.

Vor 1920 trugen die meisten schwedischen Frauen der einfacheren Schicht im Winter Wollstrümpfe oder verzichteten im Sommer ganz auf diese Beinbekleidung. In gehobenen Kreisen trug man die relativ teuren Seidenstrümpfe. Als dann ab den 20er Jahren die Röcke etwas kürzer wurden, so dass ein kleines Stück weibliches Bein sichtbar wurde, entwickelte sich die Herstellung von Strümpfen aus Kunstseide, die allerdings immer noch so teuer waren, dass sich die meisten schwedischen Frauen diesen Luxus nur an besonderen Tagen leisten konnten. Die Entwicklung von preisgünstigem Nylon konnte daher als Revolution in der Mode gesehen werden.

Erst 1956 wurden in Schweden dann auch die ersten Strumpfhosen hergestellt, allerdings nur für Kinder. Frauen mussten nach wie vor auch zu Strumpfbändern, Strumpfhaltern, Hüftgürteln und Korsett greifen, wenn sie Nylonstrümpfe tragen wollten. Mitte der 60er Jahre, und mit den immer kürzeren Röcken, konnten dann auch Frauen in Schweden Strumpfhosen kaufen und das vorher nötige Zubehör fand den Weg vom Kaufhaus zum Sexshop. Die Strumpffabrik in Malmö lieferte 1947 nahezu 3000 Paar Strümpfe und überschritt erst 1950 eine Produktion von 100.000 Paar Strümpfen pro Jahr. Nylonstrümpfe konnten erst Mitte der 50er Jahre auch die Frau vom Volke erreichen, etwa fünf Jahre nachdem der Traum bereits geboren war.

3. Januar 1960: Victor David Sjöström, der Stern des schwedischen Stummfilms

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 2. Januar 2012

Die Stabkirche in Skaga wird durch einen Brand zerstört

Als am 2. Januar 2000 die Feuerwehr in Karlsborg ausrücken müsste, war eines der kulturhistorisch bedeutendsten Gebäude in Brand, nämlich die Stabkirche in Skaga, eine der seltensten Kirchen Schwedens, die zudem eine Geschichte hat, die bis zum 12. Jahrhundert zurückreicht. Da die gesamte Kirche aus Holz errichtet war und auf Holzpfeilern, den Stäben, ruhte, war die Kirche allerdings nicht zu retten. Die Stabkirche Skaga war jedoch nicht nur eine der seltensten Kirchen Schwedens, sondern auch die Kirche, um die die meisten Legenden kreisen.

Die erste Stabkirche Skaga wurde gegen 1137 auf einem alten Opferplatz der Wikinger errichtet. Nach einer alten Sage soll hier Skaga, die Tochter des Wikingerfürsten Ramunder auf dem Opferplatz eine Kirche für ihren Mann bauen lassen haben. Aber auch wenn dies nie bestätigt werden konnte, so ist sicher, dass an der Stelle der ursprünglichen Kirche in der vorchristlichen Zeit Opfer stattgefunden haben. Dies führte jedoch auch dazu, dass selbst Jahrhunderte später noch regelmäßig Pilger zur Stabkirche kamen und dort ihre Opfer brachten um von den Göttern eine besondere Gunst zu erlangen.

Auf Grund dieses Opferkults zerstörte man im Jahre 1826 die ursprüngliche Stabkirche, was man jedoch bald zu bereuen begann, da Skaga auch sehr viele Besucher in die Gegend gebracht hatte. Zwischen 1957 und 1960 wurde daher eine Rekonstruktion der Stabkirche Skaga an ihrem ursprünglichen Platz errichtet. Diese Rekonstruktion brannte jedoch am 2. Januar 2000 restlos ab. Mittlerweile war die Kirche zwar kein Opferplatz mehr, aber ein beliebter Ausflug für Touristen geworden. Schon wenige Monate später wurde daher erneut eine Rekonstruktion der Stabkirche gebaut, die dann Mittsommer 2001 eingeweiht wurde.

2. Januar 1926: Gustaf Lagerheim, der Gründer der Pollenanalyse

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 1. Januar 2012

Schweden führt die Normalzeit ein

Schweden war am 1. Januar 1879 das erste Land weltweit, das gesetzlich von der Sonnenzeit auf die Normalzeit (gegenwärtige Winterzeit) überging um die Zeitunterschiede innerhalb des Landes auszugleichen und zu normalisieren. Und seit einer kleinen Anpassung im Jahre 1900 ist die schwedische Normalzeit nun mit der Zentraleuropäischen Zeitzone, die von 15 Grad östlichem Meridian ausgeht, identisch und die Uhren in Haparanda zeigen die gleiche Zeit wie jene in Göteborg.

Bevor diese Umstellung eintrat, war zwischen Strömstad und Haparanda ein Zeitunterschied von 45 Minuten und selbst zwischen Göteborg und Stockholm lagen noch 24 Minuten Unterschied. Deshalb musste man in vielen Punkten bereits vor 1879 eine gewisse Zeit-Lösung finden, so bei den Fahrplänen der Eisenbahn, die nach einiger Diskussion der Zeit Göteborgs angepasst wurden, da es sinnvoller war, dass die Stockholmer zu früh am Bahnhof eintrafen als dass die Göteborger den Zug um 24 Minuten verpassten.

Bevor man jedoch 1879 zur Normalzeit übergehen konnte, kam es im schwedischen Parlament 15 Jahre lang zu heißen Debatten, denn sowohl Göteborg als auch Stockholm forderten ihre Zeit als Basis für die schwedische Normalzeit. Da keine der Städte nachgeben wollte, wurde schließlich eine Linie genau zwischen den beiden Großstädten als Basis genommen, eine Linie, die in etwa bei Karlshamn, Örebro und Östersund verläuft und 15,3 Grad östlichem Meridian entsprach.

1. Januar 1929: Cordelia Edvardson und das überlebte Auschwitz
1. Januar 2000: Die schwedische Kirche wird vom Staat getrennt


Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 31. Dezember 2011

Der Weihnachtsbock in Gävle brennt nieder

Auch wenn man den Ursprung des schwedischen Weihnachtsbocks nicht so genau kennt, da er seinen Ursprung sowohl in der schwedischen Mythologie haben kann, da Thors Wagen von zwei Böcken über den Himmel gezogen wurde, als auch darauf zurückführen kann, dass man im frühen Schweden eine Ziege zu Weihnachten aß, so bleiben beim Weihnachtsbocks aus Gävle keine Geheimnisse offen, da dieser überdimensionale Bock erstmals im Jahre 1966 auftauchte.

Der Weihnachtsbock aus Gävle hat seit seinem ersten Erscheinen seine Gestalt beibehalten, denn das Gerüst wird aus Holzstämmen und Zweigen errichtet, die dann von Stroh ummantelt werden. Seit 1966 wird dieser Weihnachtsbock am Ersten Advent an der gleichen Stelle der Stadt errichtet, auch wenn die Verantwortlichen für den Bock immer wieder einmal änderten. Der erste Weihnachtsbock auf dem Slottsberget in Gävle war indes nichts anderes als eine ausgefallene Werbeaktion des Unternehmers Stig Gavlén.

Vermutlich wäre der 13 Meter hohe, sieben Meter lange und drei Tonnen schwere Weihnachtsbock auch nur eine einmalige Aktion geblieben, wenn er nicht pünktlich um Mitternacht des 30. Dezembers 1966 einem Brandanschlag zu Opfer gefallen wäre. Durch diesen Anschlag wurde dem Weihnachtsbock in Gävle eine Wichtigkeit gegeben, die dazu führte, dass er seither jedes Jahr errichtet wird, und, bis auf wenige Ausnahmejahre, regelmäßig einem Brandanschlag zum Opfer fällt. Der diesjährige Bock wurde bereits am 2. Dezember, trotz Webkamera und Bewachung, in Brand gesteckt, lange vor dem Weihnachtsfest. Ab diesem Jahr kann man nun durch den Kauf eines Plüschbocks aus Gävle einen Beitrag für die Bewachung im kommenden Jahr leisten.

31. Dezember 1987: Der erste private Fernsehkanal Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin