Posts mit dem Label Folter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Folter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 27. Januar 2016

Dagmar Hagelin verschwindet in Buenos Aires spurlos

Als Dagmar Hagelin, die väterlicherseits Schwedin und mütterlicherseits Argentinierin war, am 27. Januar 1977 während einer Reise nach Argentinien eine Freundin besuchen wollte, verschwand die 17-jährige wie vom Erdboden und teilte damit das Schicksal von rund 30.000 anderen Personen, die in nur wenigen Jahren in Argentinien verschwanden, teilweise, weil sie in Widerstandsbewegungen aktiv waren, teilweise, weil sie sich zum falschen Moment am falschen Platz befanden. Jede Suche nach Hagelin war vergeblich und selbst die schwedische Botschaft wurde von der Sicherheitspolizei Argentiniens nicht über den Verbleib der jungen Frau informiert.

Dagmar Hagelin hatte das Pech dass ihre Freundin, die sie besuchen wollte, als Widerstandskämpferin registriert war und das Militär um diese Zeit nach einer hellhäutigen Frontfigur der Bewegung suchte. Als sie die junge Schwedin sahen, gab es für sie kein Zweifel dass es sich um die Kämpferin handelte und da sie sich zudem in einem Haus befand, das gerade gestürmt wurde, ist nahezu sicher dass man Dagmar Hagelin unmittelbar in eines der Foltergefängnisse brachte in denen alle gestanden oder ohne Geständnis umgebracht wurden. Aber all dies konnte man erst nach Ende der Militärdiktatur aus vorher geheimen Dokumenten entnehmen, wie auch den Namen des Täters: Alfredo Astiz.

Vieles über das Schicksal von Dagmar Hagelin kann man nur zwischen den Zeilen lesen und ihre Geschichte ist, auch nach Veröffentlichung zahlreicher Dokumente, nur eine Zusammenstellung von Zeugenaussagen und Vermutungen. So soll Hagelin beim Stürmen des Hauses am Kopf verletzt werden sein und anschließend in der Krankenstube des argentinischen Torturzentrums ESMA gesehen worden sein. Später verschwand sie aus ESMA und maximal zwei Monate später wurde sie, mit vielen anderen Verdächtigen, vermutlich ermordet. Nach mehreren Menschenrechtsgruppen wurde Dagmar Hagelin mit einem Narkosemittel eingeschläfert und dann lebend aus einem Herculesflugzeug in die Mündung des Rio de la Plata geworfen. Ihr Vater sucht noch heute die Geschichte seiner verschwundenen Tochter. Astiz wurde 2011 für den Mord an fünf Personen, unter anderem an Hagelin, zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 29. Mai 2012

Körperstrafe und Dunkelhaft werden in Schweden abgeschafft

Nachdem Hausangestellte ab dem 1. Oktober 1858, zumindest offiziell, nicht mehr verprügelt werden durften (Husaga), war auch nach diesem neuen Gesetz die Körperstrafe in Gefängnissen weiterhin zulässig. Erst am 29. Mai 1938 trat dann ein weiteres Gesetz in Kraft, das die Körperstrafe auch in Gefängnissen verbot. Gleichzeitig wurde dabei auch die Dunkelhaft abgeschafft, die bis dahin bei Ungehorsam sehr häufig angewandt wurde und heute, wie auch das Auspeitschen, als Folter betrachtet wird.

Auch als durch eine Reform zu Beginn des 19. Jahrhunderts Landstreicher und Bettler nicht mehr in Arbeitshäusern und Gefängnissen untergebracht werden durften, so stieg die Anzahl der Gefängnisse in Schweden nahezu von Jahr zu Jahr und die Anzahl der Gefangen wurde so hoch, dass man mit dem Bau von Gefängnissen kaum noch nachkam. Die Unterbringung in Einzelzellen war unmöglich geworden und, um Ordnung in den überfüllten Gefängnissen zu halten, waren gewaltsame Körperstrafen vor den Augen anderen Gefangenen eine Methode Angst zu verbreiten.

Aber natürlich waren Körperstrafen und Dunkelhaft nicht nur dafür gedacht Ordnung zu halten, sondern die Gefangenen mussten durch Arbeit auch den gesamten Unterhalt des Gefängnisses finanzieren. War die Arbeitsleistung zu gering, so wurde zuerst am Holz für die Wärme in den Arbeitsräumen und am Essen der Gefangenen gespart. Bevor dann auch die Wächter durch eine schlechte Arbeitsleistung betroffen waren, griffen diese zu exemplarischen Körperstrafen, die oft in brutale Gewalt ausuferten, aber die Arbeitsleistung wieder steigerten. Mit der Abschaffung der Körperstrafen in Gefängnissen musste daher in Schweden der gesamte Strafvollzug reformiert werden.


29. Mai 1940: Hemvärnet, eine paramilitärische Einheit in Schweden
29. Mai 1985: Der mysteriöse Tod der Journalistin Cats Falck 

Copyright: Herbert Kårlin