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Samstag, 17. November 2012

Maj-Briht Bergström-Walan, die erste Sexologin Schwedens

Am 17. November 1924 wurde Maj-Briht Bergström-Walan in Stockholm geboren, eine Frau, die ursprünglich zur Hebamme und Verhütungsberaterin ausgebildet war, danach klinische Psychologie studierte und ab Ende der 50er Jahre als Experte für Sexualkunde im Auftrag des Stockholmer Schulamts vor allem Lehrer auf den Unterricht in Sexualkunde vorbereitete. Maj-Briht galt um diese Zeit als die einzige Fachkraft Schwedens auf diesem Gebiet, zumal es ein Berufsbild für ihre Aufgabe noch nicht gab.

Dass ausgerechnet Maj-Briht Bergström-Walan sich für Sexualkunde einsetzte und innerhalb weniger Jahre die maßgebliche Führungsrolle auf diesem Gebiet einnahm, ist in gewisser Weise erstaunlich, denn sie war nie auf der Linie der Sozialdemokraten, die sich in jener Zeit für Sexualunterricht in der Schule einsetzten und gehörte während der 50er Jahre einer konservativen Freikirche an in deren Sinne ihre Mutter sie auch erzogen hatte. Vielleicht lag diese Entscheidung daran, dass noch während der 60er Jahre niemand sich für die sexuelle Aufklärung in Schweden öffentlich einsetzen wollte und Maj-Briht diese Lücke sah und einnahm.

Mit der Woge der sexuellen Befreiung der 60er Jahre wurde Maj-Briht Bergström-Walan dann an allen Fronten eingesetzt. Sie schrieb Aufklärungsbücher, Schulbücher zur Sexualkunde, erklärte im Fernsehen ihre Theorien, wurde für die Aufklärungsspalten von Expressen und der Kamratposten Ratgeber und antworte auf die Fragen der Leser. Die logische Folge war, dass Maj-Briht im Jahre 1970 das Svenska Sexualforskningsinstitutet gründete und, unter anderem, Forschungen über Transvestie machte. Die erste Sexologin Schwedens hat mit ihrer kontinuierlichen Arbeit die gesamte Aufklärung Schwedens bis heute maßgeblich geprägt. Maj-Briht Bergström-Walan starb am 25. August 2014 im Alter von 89 Jahren.


17. November 1587: Louis De Geer, der Wegbereiter der schwedischen Industrialisierung
17. November 1877: Hans Magnus Melin und die moderne Bibel Schwedens
17. November 1967: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
17. November 1971: 35 Jahre "Hem till byn" im schwedischen Fernsehen

Copyright: Herbert Kårlin

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Freitag, 24. Februar 2012

Der schwedische Reichsverband für sexuelle Aufklärung

Am 24. Februar 1933 gründete Elise Ottesen-Jensen in Schweden den Reichsverband für sexuelle Aufklärung, was für die Tochter eines Priesters, der wiederum mit der Tochter eines Bischofs verheiratet war, in dieser Zeit mehr als nur ungewöhnlich war und Elise Ottesen-Jensen endgültig zum schwarzen Schaf der Familie machte, aber auch eine Folge der extremen religiösen Erziehung des Elternhauses war.

Der Reichsverband für sexuelle Aufklärung (RFSU) war vom ersten Tag an eine parteiübergreifende und nicht religionsgebundene Lobbyorganisation, die drei Freiheiten als Basis sah: Die Freiheit zu sein, die Freiheit zu wählen und die Freiheit Vergnügen zu haben. Der Reichsverband für sexuelle Aufklärung sieht als wichtigste Aufgabe in neutraler Weise über Sex und Verhütung aufzuklären, insbesondere auch in Schulen, da Sexualität eine persönliche Frage ist, die nicht mit religiösen Tabus angegangen werden darf, die die Freiheit des Menschen einschränken.

Allerdings forderte der RFSU nicht nur eine Aufklärung, sondern setzte sich auch vom ersten Tag für das Recht auf Abtreibung ein und erzog zur Toleranz der Homosexualität, da Elise Ottesen-Jensen auch davon ausging, dass die Partnerwahl eine persönliche Freiheit ist und von niemandem, der offen ist, verurteilt werden darf. Ein wichtiger Punkte für den Verband ist ebenfalls über jede Art von Verhütungsmöglichkeit zu sprechen und über ansteckende sexuelle Krankheiten zu informieren, da nur eine offene und allgemeine Diskussion darüber die Ausbreitung dieser Krankheiten verhindern kann. Im Laufe seiner 79-jährigen Geschichte konnte der Verband auf zahlreiche Gesetzesänderungen einwirken und Sexualerziehung in schwedischen Schulen einführen.

24. Februar 1972: Sven Markelius, der Architekt der schwedischen Funkis-Bewegung

Copyright: Herbert Kårlin