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Freitag, 15. Januar 2016

Die schwedische Piratenpartei (Piratpartiet)

Auch wenn Rickard Falkvinge die Website der schwedischen Piratenpartei (Piratpartiet) bereits am 1. Januar 2006 online gab und die offizielle Eintragung als Partei erst am 15. Februar des gleichen Jahres erfolgte, geht die Gründung der Piratpartiet auf den 15. Januar 2006 zurück, denn an diesem Tag entstand das erste Parteiprogramm, das sich damals vor allem auf Urheberrecht und den Schutz von Warenzeichen erstreckte. Die Grundidee dabei war vor allem das private vom wirtschaftlichen Recht zu trennen, zum Beispiel private Downloads zu erlauben, jedoch gewerbsmäßige zu verbieten.

In jenen Jahren entstanden in etwa 70 Länder Piratenparteien, die in einigen Ländern kaum beachtet wurden, in anderen bald einen beachtlichen Erfolg verbuchen konnten.Da in Schweden in dieser Zeit mehrere bedeutende Gesetze in Vorbereitung waren, die das Persönlichkeitsrecht einschränken sollten und zudem die Site The Pirate Bay juristische Probleme bekam, gehörte Schweden zu den Ländern in denen sehr viel über die Piratpartiet gesprochen wurde und schon 2009 bekam die junge Partei ein Mandat im Europaparlament. Die Hoffnungen im Jahre 2010 auch in das schwedische Parlament einzuziehen, erfüllten sich jedoch nicht, denn die Piratenpartei erreichte gerade einmal ein Prozent an Wählerstimmen und lag damit unterhalb der Sperrgrenze.

Die Piratpartiet arbeitete anschließend ein vollständiges Parteiprogramm aus und präsentierte sich 2014 erneut in den lokalen, nationalen und europäischen Wahlen, ohne jedoch, im Gegensatz zu Deutschland, auch nur in die Nähe der notwendigen Stimmen zu kommen, denn die die Diskussion über Persönlichkeitsrechte hatte sich längst nach rechts verlagert und die politische Diskussion ging überwiegend über die Sverigedemokraterna, Fragen der Integration und der Fremdenfeindlichkeit. Seit dieser Zeit liegt die schwedische Piratenpartei wieder in der Startposition, ohne jedoch die Medien auf sich aufmerksam machen zu können. Auf Grund der mittlerweile relativ geringen Anzahl an Mitgliedern ist auch die finanzielle Position der Piratpartiet in Schweden sehr angespannt.

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 9. Juni 2014

Die schwedische Politikerin Gudrun Schyman

Gudrun Schyman wurde am 9. Juni 1948 in Täby bei Stockholm geboren und begann nach der Realschule als Kontoristin bei der Post zu arbeiten. Da sie jedoch sehr schnell erkannte, dass sie ohne Weiterbildungen immer wieder an Grenzen stoßen würde, machte Schyman in Abendkursen die Hochschulreife nach und besuchte anschließend die Sozialhochschule in Stockholm, die sie mit Erfolg abschloss. In dieser Zeit begann auch ihre politische Aktivität, wobei sie bereits 1977 Mitglied des kommunistischen Flügels (VPK, Vänsterpartiet Kommunisterna) der schwedischen Linken wurde, was letztendlich 1981 dazu führte, dass Schyman in den Vorstand der Partei gewählt wurde. Bereits um diese Zeit waren die Hauptfragen der Politikerin Umwelt, Frieden, Kernkraft und Frauenbewegung, Themen, die bis heute von größtem Interesse für die Politikerin sind.

Als Gudrun Schyman im Januar 1993 zur Vorsitzenden der Linken gewählt wurde, nahm sie Abstand vom Kommunismus und gab damit der Partei eine neue Linie, eine Entscheidung, die dazu führte, dass sie neue Wähler gewinnen konnte und sie die Parlamentsmitglieder der Partei bei den folgenden Wahlen verdoppelt hatte. Die Alkoholprobleme Schymans führten 1997 zu einer kurzen Unterbrechung ihrer politischen Arbeit, brachten sie jedoch dem Volk noch näher. Erst ein Steuerbetrug im Jahre 2003 zwang Gudrun Schyman dazu als Vorsitzende der Partei zurückzutreten. Die Politikerin behielt jedoch ihren Sitz im Parlament, ging mehr und mehr zur feministischen Arbeit über und brach am 7. Dezember 2004 ganz mit den Linken.

Die parteiungebundene Arbeit im Parlament sollte für Gudrun Schyman jedoch nicht sehr lange anhalten, denn bereits am 4. April 2005 wurde sie bei einer Pressekonferenz als Mitglied der Parteiführung der neu gegründeten Partei Feministiskt initiativ (Feministische Initiative) genannt. Bis heute ist Schyman, mit Ausnahme einer zweijährigen Unterbrechung, Sprecherin der feministischen Partei, die sowohl bei den Wahlen 2006 als auch 2010 weder für Europa, noch für das schwedische Parlament die Vier-Prozent-Schwelle überwinden konnten. Durch einige spektakuläre Auftritte gelang es Gudrun Schyman jedoch die FI  (Feministiskt initiativ) regelmäßig in die Presse zu bringen, was auch dazu führte, dass das Programm der Partei diskutiert wurde und die FI nun im Europaparlament Platz nehmen kann.


9. Juni 1744: Frans Suell, ein schwedischer Kaufmann mit neuen Ideen
9. Juni 1896: Tora Dahl, die Bewältigung einer unehelichen Geburt
9. Juni 1960: Eva Dahlgren, mehr als ein musikalisches Symbol Schwedens
9. Juni 1962: Die Rennstrecke Knutstorp in Skåne
9. Juni 2007: Die Götheborg legt wieder in Göteborg an

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 20. Januar 2013

Alf Svensson, 31 Jahre lang Vorsitzender einer Partei

Am 20. Januar 1973 wurde der Lehrer Alf Svensson mit 34 Jahren, nach dem Tod seines Vorgängers Birger Ekstedt, der Vorsitzende der schwedischen Partei Kristen Demokratisk Samling (KDS), einer christlichen Partei, die gerade einmal seit neun Jahren existierte und bei der Svensson bereits seit der Gründung der Vorstand des Jugendverbandes war, also ausreichend Erfahrung für seinen neuen Posten gesammelt hatte.

Die Voraussetzung für die Führung einer christlichen Partei waren für Alf Svensson aber auch aus privater Sicht ideal, da er in einem Elternhaus aufwuchs, das der Pfingstbewegung angehörte, der größten Freikirche Schwedens, die wegen seiner konservativen Einstellung auch einen starken Zuspruch von den konservativen Mitgliedern der Svenska Kyrkan hat. Das Engagement von Svensson führte sehr bald dazu, dass die KDS mit ihm als Person verknüpft wurde, was letztendlich auch dazu führte, dass sein Nachfolger, Göran Hägglund, die Partei umbenannte und Kristdemokraterna (KD) nannte.

Alf Svensson blieb 31 Jahre lang der Vorsitzende der Kristen Demokratisk Samling und blieb damit  länger Parteiführer als jeder andere schwedische Politiker. Svensson gab der christlichen Partei nicht nur ihren Stempel, sondern führte sie auch zu bedeutenden Wahlerfolgen, die man allerdings sehr personenbezogen sehen muss, denn Alf Svensson ist auch der einzige Politiker Schwedens, der bei den Europawahlen 2009 ein Direktmandat erhielt, da er persönlich mehr Stimmen erhielt als die Liste der KD und damit verhinderte, dass die Topkandidatin der Partei in Europa einziehen konnte. Auch in Europa zeigt sich die konservative Einstellung des Politikers, denn er war der einzige Schwede, der sogar forderte, dass Provider auch die Suchen in den Suchmotoren speichern sollen.


20. Januar 1156: Bischof Henrik wird während eines Kreuzzugs getötet
20. Januar 1864: Mathilda Malling, von avantgardistischer Literatur zum Liebesroman 

Copyright: Herbert Kårlin