Dienstag, 17. Juli 2012

Oscar Levertin, Autor, Literaturkritiker und Professor

Am 17. Juli 1862 wurde Oscar Levertin in Norrköping geboren, ein Literat, der in den 44 Jahren seines kurzen Lebens eine geradezu bemerkenswerte Karriere machte und es verstand mehrere literarische Tätigkeiten miteinander zu verknüpfen. Seine Karriere als Poet begann Oscar Levertin im Jahre 1891 mit „Legender och visor“, einer Gedichtsammlung im Stile von Verner von Heidenstam, wobei bei Levertin jedoch die Romantik im Vordergrund steht und er ganz auf die nationalistischen Züge Heidenstams verzichtete.

Oscar Levertin begann seine Arbeit als Literaturkritiker erst beim Aftonbladet, wechselte dann zu Ord och Bild, erreicht jedoch seinen bedeutendsten Einfluss erst als er zum Svenska Dagbladet wechselte, denn hier entwickelte sich Levertin nicht nur zum maßgeblichen Literaturkritiker der Jahrhundertwende, sondern gab dem Beruf des Kritikers auch seine Autorität und seine Glaubwürdigkeit zurück, da er sich nicht von persönlichen Gefühlen leiten ließ, sondern jedes Werk so neutral wie nur möglich betrachtete und seine Kommentare darauf ausrichtete.

Seine wissenschaftliche Karriere begann Oscar Levertin als erster literaturhistorischer Professor an der Universität Stockholm, eine Stelle, die er im Jahre 1899 einnahm. In diesem Rahmen schrieb Oscar Levertin in nur sieben Jahren zahlreiche Abhandlungen zur schwedischen Literatur des 18. Jahrhunderts, die heute noch als Quellen der literarischen Forschung dienen. Am 22. September starb Levertin an einer allergischen Reaktion, als er nachts versehentlich statt Wasser eine Medizin gegen seine Halsprobleme trank.


17. Juli 1917: Graböffnung und Untersuchung der Wunde von Karl XII.
17. Juli 1951: Der schwedische Musiker Jan Hammarlund

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 16. Juli 2012

Der erste Geldschein kommt aus Schweden

Am 16. Juli 1661 wurde in Schweden der weltweit erste Geldschein ausgegeben, der den Geldverkehr in allen Ländern bis heute revolutionieren sollte, da man bei langen und teilweise auch gefährlichen Reisen, nicht mehr gezwungen war die schweren Silber- oder Kupfermünzen bei sich zu tragen, sondern nur noch einen von der Bank ausgestellten Geldschein, der allerdings nicht vom ersten Tag an als direktes Zahlungsmittel diente, sondern nur bei einer Bank wieder in Münzen eingelöst werden konnte.

Die ersten Geldscheine, die die Palmstruchska Bank, der Vorläufer der schwedischen Reichsbank, ausstellte, waren daher nicht Geldscheine im heutigen Sinne, sondern eine Art Kreditbriefe, die dem Inhaber offiziell bestätigten, dass er die aufgedruckte Summe auf seinem Konto eingezahlt hatte. Diese ersten Geldscheine hatten bereits feste Werte, die jeweils 1000, 100, 50 oder 25 Talern oder aber dem entsprechenden Wert in Silbermünzen entsprachen. Jeder der Geldscheine war nummeriert und wurde von einem Bankangestellten unterzeichnet.

Knapp 80 Jahre lang wechselten sich dann die verschiedensten Arten von Geldscheinen in Schweden ab, bevor dann 1738 die eigentlichen Vorläufer der heutigen Geldscheine erschienen, die als solches dem aufgedruckten Wert entsprachen und nicht mehr eine Bestätigung dafür waren, dass die entsprechende Summe bei der Bank einbezahlt worden war. Bis 1849 existierten dann jedoch weiterhin verschiedene parallele Zahlungsmittel auf Papier, die sehr unterschiedlich gehandhabt wurden. Erst 1849 wurde dann der heute noch gültige Zahlungsverkehr mit Geldscheinen und Münzen in Schweden eingeführt.


16. Juli 1860: Der Tamms Kanal im Hälsingland
16. Juli 1983: Annie Lööf bringt der Zentrumspartei wenig Wähler 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 15. Juli 2012

Der schwedische Kreuzzug ins russische Reich

Der 15. Juli 1240 war einer der verhängnisvollen Tage in der Geschichte der schwedischen Kreuzzüge, zumindest wenn man den russischen Quellen vollen Glauben schenkt, denn in der schwedischen Geschichte findet man zwar Hinweise zu diesem Kreuzzug ins russische Reich, aber von der Schlacht bei Neva berichtete nur Alexander von Nowgorod ausführlich, der spätere Heilige Alexander Newski, einer der größten russischen Nationalhelden um den zahlreiche Legenden aufgebaut wurden.

Als Birger jarl diesen Kreuzzug nach Russland plante, hatte er eben erst die Tavaster in Finnland besiegt und zum rechten Glauben gebracht, so dass er davon überzeugt war, dass ihm Gott nun auch gegen die russischen Barbaren helfen würde, zumal er der Meinung war, dass die Mehrheit des russischen Heeres in der Mongolei beschäftigt sei und er daher bei seinem Zug gegen Nowgorod auf keinen bedeutenden Widerstand stoßen würde. Die Mündung der Newa zu dominieren sollte ihm dabei gleichzeitig dazu dienen den gesamten Ostseeraum zu beherrschen.

Über den verhängnisvollen 15. Juli gehen dann die schwedische und russische Versionen jedoch etwas auseinander, denn nach Alexander von Nowgorod soll Birger jarl bei den Kämpfen verletzt worden sein und die Schweden geradezu in Panik die Flucht ergriffen haben, während nach schwedischen Quellen Birger jarl sich zu jener Zeit gar nicht an der Front aufhalten konnte, sondern der Bischof Thomas von Åbo den Kreuzzug leitete. Sicher ist jedoch, dass sich die schwedischen Truppen zurückziehen mussten und das russische Reich bei diesem Kreuzzug nicht zum christlichen Glauben fand.


15. Juli 1949: Carl Bildt, diplomatischer Außenminister Schwedens
15. Juli 2008: Der Streik der Busfahrer, nur ein halber Erfolg 

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 14. Juli 2012

Folke, ein schwedischer Vorname am Aussterben

Auch wenn der schwedische Vorname Folke in Schweden problemlos bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, so tauchte dieser Vorname erst ab dem 14. Juli 1901 in den schwedischen Kalendern auf, dem Jahr, als zahlreiche christliche Namenstage mehr nordischen Namen Platz machen mussten. Heute feiert man daher am 14. Juli den Vorname Folke und denkt nicht mehr an den katholischen Sankt Phocas, der vorher an der Stelle von Folke zu finden war.

Der Name Folke, der sowohl als Vorname als auch als Familienname existiert, hat seine Wurzeln im Altnordischen, und bedeutet soviel wie Führer oder Häuptling. Dies drückt sich auch darin aus, dass ein gesamtes Königsgeschlecht, das Bjälboätten, ursprünglich folkungar genannt wurde, da der erste König dieses Geschlechts Folke Filbyter war, eine Zentralfigur in Verner von Heidenstams Roman „Folke Filbyter“ aus dem Jahre 1903. Seit den 30er Jahren ist der Vorname Folke in Schweden allerdings immer mehr im Rückgang, so dass dieser alte schwedische Name mittlerweile nahezu am Aussterben ist.

Umso erstaunlicher ist diese Entwicklung, da der Vorname Folke in Schweden insbesondere mit Folke Bernadotte, einem Diplomaten des schwedischen Königshauses, in Verbindung gebracht wird, der durch die sogenannten Weißen Busse bekannt wurde und am 17. September 1948 während der Palästinakrise von extrem rechten Juden ermordet wurde. Unmittelbar nach seiner Ermordung wurde denn der Folke Bernadotte Minnesfond gegründet, der bis heute in Form von internationalen Jugendlagern Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 25 das Leben und Denken in anderen Ländern näher bringt.


14. Juli 1866: Der schwedische Architekt Ragnar Östberg 
14. Juli 1918: Ingmar Bergman, eine schwedische Legende

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 13. Juli 2012

Der Paltdagen (Knödeltag) in Schweden

Wann der Paltdagen (Knödeltag) das erste Mal in Schweden „gefeiert“ wurde, ist unbekannt, denn dieses Gericht der typisch nordländischen Hausmannskost scheint schon immer eine besondere Rolle in der Nähe des Polarkreises gespielt zu haben, wobei allerdings Piteå als die Hauptstadt des Palt (Knödel, Kloß) gilt und am 13. Juli einen außerordentlichen Paltdagen feiert an dem jeder Mitbürger und Besucher der Stadt in der Fußgängerzone zu Palt mit Preiselbeeren, Butter und Milch eingeladen wird. In kürzester Zeit werden hier an diesem Tag 5000 Palt verteilt.

Aber auch wenn der Paltdagen in Piteå sich geradezu zu einem nationalen Ereignis entwickelt hat, so wird dieser Tag auch in zahlreichen anderen Orten Nordschwedens in ähnlicher Weise gefeiert und wer als Besucher des nördlichsten Teil Schwedens am 13. Juli Palt nicht zumindest versucht, hat eines der bedeutendsten Gerichte Schwedens missachtet. Wer an einem anderen Tag des Jahres in Piteå ist, sollte vielleicht auch den Ort Öjebyn, der etwas außerhalb Piteås liegt, besuchen, denn dort findet man die weltweit einzige „Paltzeria“ mit einer nahezu erdrückenden Auswahl an Palt, einer Art gefüllter Kartoffelknödel.

Die klassischen „Pitepalt“ werden aus rohen, geriebenen Kartoffeln, die mit Weizenmehl gemischt werden und mit etwas Salz zu einem harten Teig verarbeitet werden, hergestellt. Aus diesem Teig werden dann die Paltar (Knödel) geformt, die mit Fleischstückchen gefüllt werden. Anschließend werden diese Klöße in Salzwasser gekocht, bevor man sie mit Preiselbeeren, Butter und einem Glas Milch serviert. Mit den zahlreichen Abwandlungen dieses Rezeptes, die mittlerweile angeboten werden, kann man heute bereits ein ganzes Kochbuch füllen.


13. Juli 1858: Der Berzelii Park und seine Statue in Stockholm
13. Juli 1954: Kernenergie und Kernreaktoren in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 12. Juli 2012

Wolfgang Zaugg, alias John Ausonius, der Lasermannen

Am 12. Juli 1953 wurde Wolfgang Zaugg in Lidigö geboren, ein Mann, der sich später John Ausonius nannte, aber als sogenannter Lasermannen in ganz Schweden berüchtigt wurde, nachdem er mehre Banken überfallen hatte und zwischen August 1991 und Januar 1992 insgesamt elf Personen in Stockholm und Uppsala beschossen hatte, eine davon mit Todesfolge. Den Namen „Lasermannen“ erhielt er von der schwedischen Zeitung Aftonbladet, weil er zu Beginn mit einem Gewehr mit Laserpointer bewaffnet war.

Nach seiner Einbürgerung im Jahre 1979, seine Mutter kam aus Deutschland und der Vater aus der Schweiz, wurde John Ausonius zur Wehrpflicht einberufen, aber da er mehrmals Schwierigkeiten machte und andere Wehrpflichtige bedrohte, landete er als Schlosswache in Stockholm. In dieser Zeit lernte Ausenius auch den Umgang mit Waffen und entwickelte sich zu einem außerordentlichen Schützen. Nachdem er beim Studium versagt und der erst erfolgreiche Optionshandel scheiterte, benötigte John Ausenius Geld, da er im Laufe der Jahre auch noch zum Spieler geworden war. Die nötige Summe beschaffte er sich durch Bankraub.

Die Polizeijagd nach Ausenius dauerte sechs Monate, da er bei den Überfällen jedes Mal eine andere Frisur und Haarfarbe hatte und er selbst die Augenfarbe durch Linsen veränderte. Allerdings konnte Ausenius dann wegen einiger kleiner Fehler entdeckt werden und er wurde während eines neuen Bankraubs festgenommen. Der Prozess zog sich über Jahre hin, da John Ausenius seine ersten Pflichtverteidiger bei einem Besuch im Gefängnis misshandelte und die nächsten beiden sogar noch im Gerichtssaal, was dazu führte, dass er ab diesem Moment nur noch in Handschellen vorgeführt wurde. Der Antrag von Ausenius auf eine zeitbegrenzte Haft wurde am 21. Dezember 2010 vom Amtsgericht in Örebro abgelehnt.


12. Juli 1873: Oscar von Sydow, für acht Monate Ministerpräsident Schwedens
12. Juli 1908: Fußball in Schweden

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Mittwoch, 11. Juli 2012

Dénis Lindbohm und die Science Fiction Bewegung in Schweden

Dénis Lindbohm wurde am 11. Juli 1927 in Tranås geboren und gilt als der Vater der schwedischen Science Fiction Bewegung, der er sein gesamtes Leben über treu blieb. Seine Karriere als Autor begann Lindbohm mit 18 Jahren, als seine erste Novelle „Atombranden“ im Jules Verne-magasinet veröffentlicht wurde. Da die schwedischen Verlage jedoch wenig von Science Fiction Romanen hielten, dauerte es dann jedoch bis 1973, bis Dénis Lindbohm auch seinen ersten Roman „Soldat från Jorden“ veröffentlichen konnte.

Als Dénis Lindbohm 1949 seinen Militärdienst abgeleistet hatte, gründete er, gemeinsam mit einigen Freunden, den Science Fiction Fanclub „Strate-Organisation“. In diesem Fanclub trafen sich die Freunde regelmäßig um über Literatur aus dem Science Fiction Bereich zu diskutieren. In den 50er Jahren wurde daraus dann der „Club Meteor“, der Science Fiction nahezu auf wissenschaftliche Weise anging. Dieser Zusammenschluss führte selbst dazu, dass Dénis Lindbohm einige Schmalfilme zum Thema begann, wovon allerdings nur der Film „Den stora nattens vålnad“ fertig gestellt wurde und im Anschluss daran jahrelang bei allen Science Fiction Kongressen des Nordens gezeigt wurde.

In den 60er Jahren wurde die Wohnung von Dénis Lindbohm in Malmö zu einem Treffpunkt für alle bedeutenden Science Fiction Fans Schwedens, darunter mehrere spätere Autoren und der Astronom Leif Erland Andersson. Da die Bücher, die Dénis Lindbohm Mitte der 60er Jahre schrieb zu sehr die sexuelle Freiheit im Stile von „Brave New World“ hervorhob, wurden diese erste Ende der 70er Jahre von den Verlagen veröffentlicht, als die sexuelle Revolution kein Thema mehr war. In den 80er Jahren erschienen dann die vermutlich besten Werke des Autors, bevor er sich mehr und mehr in eine eigene Welt des Science Fiction zurückzog. Dénis Lindbohm starb am 24. Oktober 2005 nach einer längeren Krankheit.


11. Juli 1974: Pär Lagerkvist, ein Kämpfer für die Freiheit
11. Juli 1979: Sigvard Nilsson-Thurneman, der Anführer der Salaligan

Copyright: Herbert Kårlin