Montag, 7. Januar 2013

Ingrid Thulin, von Sollefteå nach Hollywood

Ingrid Thulin starb am 7. Januar 2004, umgeben von alle ihren Freunden, in Stockholm an Krebs, der erst wenige Jahre vorher festgestellt worden war. Thulin, die am 27. Januar 1926 in Sollefteå geboren wurde, machte drei Karrieren nahezu gleichzeitig, denn sie arbeitete als Schauspielerin, führte Regie und schrieb Filmmanuskripte. Als Schauspielerin ist sie eine der Ikonen Schwedens, denen es gelang eine Weltkarriere zu machen, auch wenn die Künstlerin immer eine Bindung zu ihrer Heimat verspürte und die die Karriere sie zwang fern von ihr zu leben.

Ihre Ausbildung zur Schauspielerin machte Ingrid Thulin an der Schauspielschule des renommierten Königlichen Dramatischen Theaters in Stockholm, dem Dramaten, wo sie auch ihre ersten Rollen bekam. Ihr Aufstieg ist jedoch mit dem Theater in Malmö und Ingmar Bergman verbunden, denn Bergman erkannte während seiner Zeit als künstlerischer Leiter des Theaters in Malmö das Talent der Schauspielerin und forderte von ihr Höchstleistungen, die sie zudem zwischen Theater und Film teilen musste.

Der erste der sieben Filme in denen Ingrid Thulin unter der Regie von Ingmar Bergman spielte war im Jahre 1957 in Smultronstället, wo die Schauspielerin Marianne spielte, die Schwiegertochter von Isak Borg. Auch als Bergman den Film Ett drömspel für das Fernsehen drehte, das Stück von August Strindberg, das ihn sein Leben lang inspirierte, wählte er Ingrid Thulin als die Tochter Indras. Ab dieser Zeit bricht die Karriere Thulins nicht mehr ab. Die Künstlerin spielte in rund 60 Filmen, führte die Regie bei drei Filmen und spielt Theater am Broadway, in Paris, London und Venedig.

7. Januar 1926: Die Thielska Galleriet, ein Kunstmuseum in Stockholm

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 6. Januar 2013

Johnny Bode, der erste Punkstar Schwedens

Am 6. Januar 1912 wurde Johnny Bode in Falköping geboren, ein Komponist und Sänger, der als unmoralischer Mythoman, als enfant terrible und erster Punkmusiker Schwedens in die Geschichte einging, seinen Kultstatus allerdings erst nach seinem Tod bekam, nicht zuletzt wegen seiner Platte Bordellmammas visor, die bereits 1968 erschien, aber noch 1995 als CD geprägt wurde, da sie ein Meilenstein der schwedischen Musikgeschichte ist.

Johnny Bode begann seine musikalische Karriere mit 17 Jahren und schrieb und sang hunderte von Titeln, was nahezu als Wunder betrachtet wurde, da er durch seine Art, sein unmögliches Auftreten in der Gesellschaft und seine Lügen seine Karriere mehrmals zerstörte und immer wieder neu aufbaute. Egal was Johnny Bode an Geld einnahm, es verschwand bei Vergnügen und in Kneipen. Wenn er Geld hatte, war er freizügig, war er pleite, so kannte er jede Hintertür und jeden Trick, dass andere für ihn bezahlen mussten.

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war Johnny Bode fasziniert vom Nazismus und ging soweit, dass er sich in Finnland vom deutschen Heer anwerben lies, was jedoch nur dazu führte, dass er, wegen seiner persönlichen Art, sehr bald wieder entlassen wurde, da er sich selbst dort unmöglich gemacht hatte. Als er 1942 zurück nach Schweden kam um eine neue Karriere aufzubauen, hatte er nicht damit gerechnet, dass die kulturelle Elite kein Verständnis für die Machenschaft Hitlers hatte und er gelangte auf die schwarze Liste, auch bei seinen früheren Freunden des Nachtlebens.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, versuchte Johnny Bode eine neue Karriere, was sich jedoch als relativ schwierig erwies, da niemand ihm einen Vertrag geben wollte. Also wechselte Johnny seine Pseudonyme, die er jedoch immer nur so lange benutzen konnte bis die Presse herausfand wer hinter dem Namen stand. Mit wenig Erfolg versuchte er die Gedichte von Nils Ferlin zu vertonen und vorzutragen, mit größerem Erfolg gelang es ihm die Filmmusik für den ersten Film Åsa-Nisse zu schreiben und selbst Lapp-Lisa sang einige seiner religiösen Lieder. Johnny Bode starb am 25. Juli 1983 arm und vereinsamt in Malmö.


6. Januar 1493: Olaus Petri, der schwedische Reformator

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 5. Januar 2013

Flugzeugabsturz beim Stockholmer Flugplatz Arlanda

Am 5. Januar 1970 sollte ein Flugzeug der spanischen Fluggesellschaft Spantax mit einer Gruppe von Touristen vom Stockholmer Flughafen Arlanda nach Mallorca aufbrechen. Als jedoch bereits beim Start einer der vier Motoren der Convair 990 Coronado ausfiel, brach der Flugkapitän den Start ab und kehrte mit der Maschine zum Terminal zurück und sämtliche Passagiere mussten das Flugzeug verlassen um auf eine Ersatzmaschine zu warten.

Allerdings entschied sich der Pilot der Maschine mit Hilfe der drei Motoren bis Zürich zu fliegen um den vierten Motor austauschen zu lassen, was im Prinzip kein Problem sein sollte. Kurz nach dem Start um 22 Uhr 24 neigte sich sich die Convair nach rechte, wenig später verlor sie an Geschwindigkeit und nur 1800 Meter vom Flugplatz entfernt streifte sie Baumspitzen, stürzte ab und zerbrach in drei Teile. Die Ursache dieses Absturzes konnte nie ermittelt werden zumal auch die Witterung eine Rolle spielen konnte, denn diese Nacht war sehr stürmisch und die Temperatur zeigte minus 28 Grad an.

Da sich nur Kabinenpersonal an Bord befand, zählte man nur fünf Tote, wobei der Flugkapitän und eine Flugbegleiterin überlebten. Die Rettung dauerte jedoch Stunden, da man um diese Zeit auf Arlanda auf keinerlei Notsituation vorbereitet war und selbst eine Funkverbindung zur Polizei und dem Rettungsdienst des Krankenhauses nicht vorgesehen war. Es war nicht einmal möglich den Notsender der abgestürzten Maschine anzupeilen. Die Rettung des Piloten dauerte zusätzliche Stunden, weil es der Stolz der Feuerwehrmänner nicht zuließ die Hilfe von Ingenieuren zuzulassen, die die Konstruktion der Convair kannten, was das Losschneiden des Piloten bedeutend beschleunigt hätte.

Der Absturz dieser Spantax-Maschine in Stockholm veränderte die gesamte Situation auf Arlanda, da man sich plötzlich bewusst wurde wie schlecht der Flughafen auf ein Unglück vorbereitet war. Seit diesem Unglück verfügt Arlanda über einen eigenen Rettungsdienst, der rund um die Uhr einsatzbereit ist. Gleichzeitig begannen sich auch die Stockholmer Krankenhäuser auf Katastropheneinsätze vorzubereiten und schafften die notwendige Ausrüstung an, was sich 21 Jahre später beim sogenannten Wunder von Gottröra als kluge Entscheidung zeigte.


5. Januar 1960: Der Flugplatz Arlanda in Stockholm

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 4. Januar 2013

Die ersten Postautos kommen nach Schweden

Auch wenn der Ursprung der schwedischen Post als solches bis zum 20. Februar 1636 zurückreicht, so änderte sich im Laufe der Zeit der Transport der Briefe erheblich. Natürlich waren Pferde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vom Posttransport nicht wegzudenken, aber die erste Revolution kam bereits mit den Dampfern, die den Transport verbesserten und beschleunigten, und die zweite Revolution kam 1856 mit der ersten Eisenbahnlinie Schwedens, wodurch ein Brief von Stockholm nach Ystad nicht mehr sechs Tage dauerte, sondern bereits am nächsten Tag am Ziel war.

Ein Problem war jedoch nicht nur der Transport von Briefen über größere Strecken, sondern auch die Verteilung, da man im 19. Jahrhundert auch in Schweden vom Abholdienst zum Zustelldienst übergegangen war. Auch hier waren Pferdewagen das üblichste Transportmittel. Als die ersten Automobile auftauchten, so wollte auch Schweden den Anschluss nicht verlieren und bereits 1903 wurde in Stockholm der Einsatz eines Postautos getestet, der jedoch wenig überzeugend verlief und noch im gleichen Jahr wieder auslief ohne dass ein zweites Auto bestellt worden wäre.

Als dann 1905 in mehreren Städten die ersten privaten Unternehmen eine Postverteilung per Auto einführten und vom enormen Preisvorteil sprachen, kam auch die staatliche Post wieder auf die Idee von Pferden auf Autos umzusteigen. Das größte Hindernis für den Postdienst per Automobil stellte jedoch nicht das Wetter dar, das bei den offenen Fahrzeugen ebenfalls eine lästige Nebensache war, sondern ein Gesetz von 1907, das die Geschwindigkeit der Autos bei Tageslicht auf 25 Kilometer die Stunde beschränkte und bei Dunkelheit auf zehn Kilometer, auf eine Geschwindigkeit, die auch Pferde erreichen konnten.

Der Durchbruch für die staatlichen Postautos kam dann jedoch am 4. Januar 1911, als das Postamt in Göteborg erst einen Lastwagen und einen Kombi für den Transport von Briefen und Paketen kaufte und noch im gleichen Jahr zwei weitere Fahrzeuge in Betrieb nahm und damit 18 Pferde in den Ruhestand gehen konnten. Bereits zehn Jahre später waren dann 96 Postautos in Schweden in Betrieb und 1925 zählte man 540 Fahrzeuge und niemand dachte mehr an den früheren sehr beschwerlichen Transport. Für kleinere Abstände hatte zur gleichen Zeit auch das Fahrrad bereits Boden bei der schwedischen Post gewonnen, eine Kombination, die man heute noch im ganzen Land findet.


4. Januar 1793: Bengt Lidner, der Skalde, der in Ungnade fiel
4. Januar 1918: Schweden erkennt Finnland als unabhängigen Staat an
4. Januar 2008: Stig Claesson, der unbekannte Schriftsteller Schwedens 

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Donnerstag, 3. Januar 2013

Victor David Sjöström, der Stern des schwedischen Stummfilms

Victor David Sjöström starb am 3. Januar 1960 im Sophiaheim in Stockholm, ein Schauspieler und Regisseur, der, neben Mauritz Stiller, die wichtigste Figur des schwedischen Stummfilms war. Eines seiner bedeutendsten Werke als Regisseur und Schauspieler gleichzeitig war die Verfilmung des Buches Jerusalem von Selma Lagerlöf im Jahre 1919, das unter dem Titel Ingmarssönerna in die Kinos kam. International berühmt wurde er als Schauspieler mit seiner letzten Rolle, als er in Ingmar Bergmans Smultronstället den alternden Arzt Isak Borg spielte.

Victor David Sjöström gehört zu jenen Filmgrößen, die mangels Geld nicht die Bühnenschule des Dramaten in Stockholm besuchen konnten und daher den Beruf über Theatergesellschaften lernen musste. Bevor Sjöström daher zum Film kam, war er zwischen 1898 und 1912 nahezu ständig mit wechselnden Theatergruppen in Schweden und Finnland auf Tournee. Als sich der Schauspieler daher im Februar 1912 von Charles Magnusson als Regisseur und Schauspieler für das Svenska Biografteatern engagiert wurde, hatte er mehr Erfahrung gesammelt als andere, die die offiziellen Wege zur Bühne nahmen.

Seine ersten Schritte im Film machte Victor David Sjöström im Film Vampyren, wo er unter Mauritz Stiller als Schauspieler arbeitete, damit er lernen konnte welche Unterschiede zwischen Theater und Film bestehen. Noch im gleichen Jahr war er dann Regisseur des Filmes Trädgårdsmästaren. Allein während der ersten fünf Jahre beim Svenska Biografteatern drehte Sjöström insgesamt 30 Filme. Auch wenn einige dieser Filme auch internationales Aufsehen erregten, so kam der Durchbruch für Sjöström erst 1917 mit der Verfilmung Henrik Ibsens Terje Vigen, der auch den internationalen Durchbruch des schwedischen Films brachte. Der Film war die bis dahin teuerste Produktion Schwedens und einer der ersten Filme weltweit, die in natürlicher Umgebung bei Nynäshamn eingespielt wurden.

Als 1919 das Unternehmen Svensk Filmindustri entstand, schuf Victor David Sjöström mit dem Film Körkarlen, bei dem er neue Tricktechniken anwandte, ein Meisterwerk, das ihn nach einer sehr positiven Kritik in der New York Times weltberühmt machte. Die Folge war, dass er 1923 bei der neu gegründeten Firma Metro-Goldwyn-Meyer in Hollywood zu arbeiten begann. 1930, nachdem er seinen ersten Tonfilm Bröllopsnatten noch in den USA gedreht hatte, kehrte Sjöström zurück nach Schweden, wo er nur noch zwei Filme drehte, darunter Markurells i Wadköping. Ansonsten wandte sich der Regisseur dann jedoch wieder der Schauspielerei zu. Am 1. Februar 1943 wurde er künstlerischer Leiter der Svensk Filmindustri.


3. Januar 1947: Nylonstrümpfe kommen nach Schweden

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Mittwoch, 2. Januar 2013

Gustaf Lagerheim, der Gründer der Pollenanalyse

Am 2. Januar 1926 starb der schwedische Botaniker Gustaf Lagerheim in Djursholm, ein Verwandter von Olof Celsius dem Älteren, dem Gründer der Bryologie und von Anders Celsius, der die Celsius-Skala einführte. Das Interesse für Botanik wurde ihm von seinem Vater und seinem Großvater vermittelt, was letztendlich dazu führte, dass Lagerheim in Uppsala Astronomie und Botanik studierte. Sein Hauptinteresse galt dabei der Mikrobiologie, Kenntnisse, die er bei Robert Koch in Berlin anschließend vervollständigte.

Nach Abschluss seiner Studien widmete sich Gustaf Lagerheim vor allem dem Erforschen von Pilzen und Algen und bald entwickelte sich der Wissenschaftler zu einem Spezialisten von Süßwasseralgen und parasitischen Pilzen. In diesem Rahmen entdeckte er, dass die Lebensmittelindustrie zahlreiche giftige Zusätze verwendete und durch den Zusatz von Algen und Pilzen auch Lebensmittel verfälschte, die dadurch gesundheitliche Schäden nach sich führen konnten.

Die wichtigste Entdeckung von Gustaf Lagerheim war jedoch die Pollenanalyse, die nicht nur ein bedeutender Schritt für die Botanik war, sondern auch in der Archäologie angewendet werden konnte. Interessant ist dabei, dass Pollen, die jahrtausendelang in Torf gelagert werden noch Auskünfte über die Entwicklungsgeschichte der Erde liefern können. Dank der Pollenanalyse ist es, unter anderem, möglich die Entwicklungsgeschichte der Wälder Europas von der Eiszeit bis heute zu verfolgen.


2. Januar 2000: Die Stabkirche in Skaga wird durch einen Brand zerstört

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 1. Januar 2013

Die schwedische Kirche wird vom Staat getrennt

Der Beschluss, dass die schwedische Kirche (Svenska Kyrkan) vom Staat getrennt werden sollte, wurde bereits im Jahre 1995 gefällt. Allerdings sollte es noch bis zum 1. Januar 2000 dauern bis alle entsprechenden Verträge und Bedingungen ausgehandelt waren und sowohl das Parlament als auch die Svenska Kyrkan die Idee umsetzen konnten. Auch wenn die Entscheidung mehr eine Zwischenlösung wurde als eine absolute Trennung der beiden Einheiten, so waren beide Seiten mit der Entscheidung als solches zufrieden..

In der Tat sollte diese Reform das Rad der Geschichte bis zur Zeit vor Gustav Vasa zurückdrehen, der ab 1523 die Reformation durchstzte und in Schweden die Staatskirche einführte. Allerdings wollte die schwedische Regierung auch 2000 noch einen gewissen Einfluss über die Arbeit und die Bedeutung der Svenska Kyrkan ausüben, was sich darin zeigt, dass es nach wie vor vier Gesetze gibt, die dem Staat eine Macht über die Kirche geben. Aus der Staatskirche wurde daher nichts anderes als eine nationale Volkskirche.

Die Hauptunterschiede der Trennung zwischen Staat und Kirche am 1. Januar 2000 zeigen sich vor allem darin, dass die Abgaben an die Svenska Kyrkan keine Steuern mehr sind, sondern eine Mitgliedsabgabe gelten, dass die schwedische Kirche Eigentum besitzen kann und dass sie nicht mehr Einwohnermeldeamt tätig ist. Aber nach wie vor ist die Svenska Kyrkan die einzige volks-nationale Kirche, die, unter anderem, auch über nahezu alle Friedhöfe verfügt und daher allen anderen religiösen Gemeinden des Landes indirekt übergeordnet wurde.


1. Januar 1879: Schweden führt die Normalzeit ein
1. Januar 1929: Cordelia Edvardson und das überlebte Auschwitz 

Copyright: Herbert Kårlin