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Samstag, 13. Juni 2015

Junilistan, die europakritische Partei Schwedens

Kurz nachdem die Schweden bei der Volksabstimmung des Jahres 2003 die Einführung des Euro mehrheitlich abgelehnt hatten, entschlossen sich einige Wirtschaftswissenschaftler des Landes eine politische Partei für Europa-Skeptiker zu gründen, die sogenannte Junilistan. Das erste Ziel der Partei war die Teilnahme an den Europawahlen im Juni 2004, was zeitlich nicht dazu ausreichte ein komplettes Parteiprogramm auszuarbeiten. Da die Mitglieder der neuen Partei auch aus allen politischen Richtungen kamen, legte man zu den Europawahlen lediglich eine Liste von Namen vor hinter denen genannt wurde welcher politischen Richtung sie angehörten, daher auch der Name Junilistan (Juniliste).

Bei den Europawahlen am 13. Juni 2004, zeigte sich, dass sehr viele Schweden mit der Europapolitik der etablierten Parteien nicht einverstanden waren, denn die Junilistan wurde mit 14,5 Prozent der Stimmen die drittgrößte schwedische Partei des Europaparlaments und konnte daher drei Abgeordnete nach Brüssel schicken. Da der Partei jedoch Mitglieder fehlten, sich der Aufbau einer Parteistruktur sehr schwierig zeigte und die Presse die zeitweise antidemokratischen Probleme der Partei hervorhob, spielte die Junilistan lediglich in Europa eine gewisse Rolle.

Dies zeigte sich auch daran, dass es der Junilistan, die sich auch für die darauf folgenden schwedischen Parlamentswahlen präsentierte, denn nach internen Parteiproblemen 2006 gerade einmal gelang auf 0,47 Prozent der Stimmen zu kommen. Da es der Junilistan nach personellen Umstrukturierungen auch nicht gelang ihr Programm bekannt zu machen, war die Begeisterung des schwedischen Volkes auch bei den Europawahlen des Jahres 2009 sehr schwach und die Partei blieb knapp unterhalb der Vier-Prozent-Sperre. Nach den gesammelten Erfahrungen entschied sich die Parteispitze der Junilistan jetzt nur noch auf Europawahlen zu setzen, allerdings mit dem Ergebnis, dass sie 2004  nur noch 0,3 Prozent an Wählern für sich gewinnen konnte, nicht zuletzt deswegen, weil die schwedischen Media die Partei kaum erwähnten und die meisten Schweden überzeugt waren, das die Junilistan nicht mehr existierte. Seit diesem Wahlverlust ruht die Partei, jedoch nur um sich auf die kommenden Europawahlen des Jahres 2019 vorzubereiten.


13. Juni 1817: Erik af Edholm wird Chef der Königlichen Oper und des Dramaten
13. Juni 1854: Jenny Nyström und die schwedischen Weihnachtstrolle
13. Juni 1878: Der schwedische Entomologe Carl Stål
13. Juni 1901: Tage Erlander und der schwedische Sozialismus
13. Juni 1925: Der schwedische Sprachforscher Adolf Noreen
13. Juni 1951: Stellan Skarsgård, anerkannter Schauspieler ohne Ausbildung
13. Juni 1952: Die verschwundene DC-3 und die Catalinaaffäre

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 27. Mai 2014

Die Krone macht in Schweden ihren Einzug

Wer heute nach Schweden kommt, nimmt es als selbstverständlich dass man hier mit Kronen bezahlt. So mancher erinnert sich auch noch an die Öre, die im Jahre 2010 nach langen Diskussionen als physische Währung abgeschafft wurde und nur noch im Bankverkehr eine gewisse Rolle spielt. Kaum jemand kommt heute auf die Idee, dass die Krone als Währung noch nicht einmal 150 Jahre alt ist und in gewisser Weise ein Symbol für die Einheit von Schweden, Dänemark und Norwegens ausdrückt.

Die Einführung von Kronen als Währung war keine isolierte schwedische Entscheidung, denn am 27. Mai 1873 entschieden sich Schweden und Dänemark im Rahmen einer Währungsunion, der sich 1876 auch Norwegen anschloss, eine gemeinsame Währung einzuführen, die im gesamten nordischen Raum gültig sein sollte. Die Wahl fiel dabei auf die Krone, die in Schweden dem Wert eines vorhergehenden Reichstalers entsprach. Diese Währungsunion bestand bis 1914 als die Währungspolitik und der internationale Handel der drei Länder eine nationale Geldpolitik forderten. Auch wenn die Krone von den drei Ländern beibehalten wurde, so gab es ab 1914 einen Wechselkurs und die drei Kronen gingen ihre eigenen Wege.

Als die europäischen Ländern den Euro einführten, war im Grunde auch das Schicksal der schwedischen Krone besiegelt, aber als sich die Bürger des Landes am 14. September 2003 in einer Volksbefragung für oder gegen die Einführung des Euro entscheiden sollten, wollte die absolute Mehrheit der Schweden ihre Krone behalten, eine Meinung, die immer noch von der Mehrheit der Schweden vertreten wird. Um nicht zwangsweise die Krone gegen den Euro tauschen zu müssen, greift die schwedische Regierung zu einem Trick und schließt sich nicht dem europäischen Exchange Rate Mechanism (ERM II) an und behält daher einen sogenannten instabilen Wechselkurs und erfüllt nicht die Voraussetzungen für die Einführung des Euro, trotz schriftlichen Vertrages.


27. Mai 1901: Artur Hazelius, das Nordische Museum und Skansen
27. Mai 1953: Die Krankenversicherung in Schweden
27. Mai 1962: Mare Kandre und der moderne Frauenroman Schwedens
27. Mai 1965: Der Tierpark Kolmården, der Safaripark Schwedens
27. Mai 2010: Der Käsetag in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 14. Dezember 2013

Der Dala-Demokraten erscheint zum ersten Mal

Am 14. Dezember 1917 erschien die erste Nummer des Dala-Demokraten, eine Tageszeitung, die sich bis heute als unabhängige sozialdemokratische Zeitung betrachtet und sich vor allem dadurch auszeichnet sich kritisch zu den Sozialdemokraten zu verhalten und auf der Titelseite oft ein Thema zu präsentieren, das die Partei zum Nachdenken bringen soll. Obwohl selbst sozialdemokratisch eingestellt, will die Zeitung vor allem die klassischen Werte der Partei hervorheben und Fehlentscheidungen öffentlich anprangern.

Zu Beginn erschien der Dala-Demokraten nur einmal die Woche, aber der Erfolg ließ nicht auf sich warten und schon ab dem 3. Dezember 1918 wurden pro Woche drei Ausgaben veröffentlicht. Heute erscheint die Zeitung von Montag bis Samstag einschließlich und zählt pro Ausgabe knapp 15.000 Abonnenten, was bedeutet, dass etwa ein Drittel aller Bewohner Dalarnas täglich zumindest einen Blick in die Zeitung werfen. Seit 1997 ist die gesamte Produktionskette des Dala-Demokraten als umweltfreundlich anerkannt.

Obwohl der Dala-Demokraten im Grunde eine regionale Zeitung ist, so gilt diese als stark meinungsbildend für ganz Schweden, da sehr viele andere Zeitungen und vor allem der schwedische Rundfunk sehr häufig auf den Dala-Demokraten hinweisen. Bis heute ist nicht klar welche Bedeutung diese Zeitung für den Ausgang der Volksbefragung zur Einführung des Euro im Jahre 2003 hatte, denn Tatsache ist, dass der Dala-Demokraten damals, im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, zu einem Nein aufrief und das Ergebnis auch ein Nein wurde.


14. Dezember 1774: Anders Berch, der erste Nationalökonom Schwedens 
14. Dezember 1988: Christer Pettersson wird wegen Olof Palme Mord festgenommen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 14. September 2011

Referendum über den Euro in Schweden

Am 14. September 2003, nur wenige Tage nach dem Mord an Anna Lindh in Stockholm, wurde in Schweden ein Referendum abgehalten bei dem sich die Bevölkerung für oder gegen die Einführung des Euro entscheiden sollte. Bereits am Morgen der Abstimmung war sicher, dass die Volksabstimmung keine klare Mehrheit bringen würde, sondern dass es sich um ein Kopf an Kopf Rennen handelte, zumal die Befürworter des Euro mit dem Tode Anna Lindhs jede Propaganda eingestellt hatten.

Die Euro-Frage war für die schwedische Bevölkerung so bedeutend, dass insgesamt 5.843.788 Personen zu den Urnen eilten, was 82,6 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung entspricht. Obwohl nur die Zentrumspartei, die Linken und die Grünen sich gegen die Einführung des Euro aussprachen, also die Minderheit, erreichten die Befürworter ausschließlich in der Region Stockholm mehr als 50 Prozent der Stimmen und selbst in Skåne, wo sich noch eine Mehrheit für den Euro aussprach, lag die die tatsächliche Anzahl der Befürworter, auf Grund der ungültigen Stimmen, unter 50 Prozent.

Das Referendum zeigte letztendlich, dass nur 42 Prozent der Schweden ihre Krone gegen den Euro tauschen wollten. Während der letzten 8 Jahre sollten 18 verschiedene Meinungsumfragen herausfinden, ob sich die Einstellung der Schweden zum Euro gebessert hat, aber nur zweimal im Jahre 2009 gab es eine Neigung zu einem Ja und seit 2010 haben die Befürworter nicht einmal mehr die Schwelle von 40 Prozent erreicht, sondern landeten meist unter 30 Prozent. Obwohl mittlerweile fast alle politischen Parteien Schwedens den Euro einführen wollen, sehen sie bei diesen Werten die nächste Volksabstimmung frühestens im Jahre 2018.

14. September 1913: Die schwedische Schauspielerin Annalisa Ericson
14. September 1933: Der Flugzeugträger HMS Gotland wird zu Wasser gelassen 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 11. September 2011

Anna Lindh stirbt nach Überfall im Kaufhaus NK

Am 11. September 2003 verstarb die schwedische Außenministerin Anna Lindh im Karolinska Krankenhaus in Solna, nachdem sie einen Tag vorher von Mijailo Mijailović im Stockholmer Nobelkaufhaus NK schwer verletzt worden war. Mijailo Mijailović wollte bewusst einen Politiker töten, wobei Anna Lindh das Zufallsopfer war, zumal sie bei ihrem Besuch im NK ausnahmsweise keine Bodyguards bei sich hatte, was dem Täter den Überfall ermöglichte.

Anna Lindh, ausgebildete Juristin, wurde im Jahre 1984 die erste weibliche Sprecherin des Sozialistischen Jungendbundes in Schweden, seit 1998 war sie schwedische Außenministerin und galt als die wahrscheinlichste Nachfolgerin von Göran Persson. Anna Lindh lag insbesondere eine internationale Umweltpolitik und ein geeintes Europa am Herzen. Nach mehreren Analysen war auch ihr gewaltsamer Tod daran Schuld, dass der Euro nicht in Schweden eingeführt wurde, da die Partei ab dem 11. September jede politische Kampagne zum Euro einstellte.

Auch wenn Anna Lindh heute gerne idealisiert wird, so haftet an ihr auch ein Skandal, da Anna Lindh die Ausweisung der beiden Ägypter Ahmed Agiza und Mohammed Al Zery unterstütze, die dann in Ägypten gefangen genommen und gefoltert wurden. Anna Lindh erlaubte in diesem Zusammenhang auch, dass der amerikanische Sicherheitsdienst CIA die Zwangsausweisung übernahm. Diese Abschiebung wurde vom Europarat, der UN und Amnesty International aufs äußerste kritisiert, da Anna Lindh bekannt sein musste, dass die beiden Ägypter nach Ankunft in Ägypten gefoltert würden.

11. September 1380: Håkan Magnusson, ein gewählter König ohne Macht
11. September 1988: Die Musikgruppe Imperiet gibt ihr letztes Konzert

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 21. März 2011

Göran Persson an der Spitze der Macht

Nachdem Mona Sahlin wegen der Toblerone-Affäre 1996 ihre Kandidatur zum Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei Schwedens zurückzog, wurde Göran Persson, der am 20. Januar 1949 in Vingåker geboren wurde, am 16. März 1996 auf einem außerordentlichen Parteikongress zum Vorsitzenden der Partei gewählt. Nur wenige Tage später, am 21. März 1996 wurde Göran Persson auch schwedischer Ministerpräsident.

Bereits von Beginn an war die politische Position Perssons, der in Zusammenarbeit mit der schwedischen Zentrumspart (Centerpartiet) eine Minoritätsregierung bildete, auf schwachen Beinen, da sein Sparprogramm sowohl in der eigenen Partei als auch beim Gewerkschaftsverband LO (Landsorganisationen i Sverige) bedeutende Konflikte hervorrief.

Als Folge der Konflikte verlor die Minoritätsregierung unter Göran Persson bei den Wahlen 1998 zahlreiche Wählerstimmen und der Politiker konnte seine Stellung nur durch eine Zusammenarbeit mit den Linken (Vänsterpartiet) und den Grünen (Miljöpartiet) aufrecht halten, was ihn dann selbst bei den folgenden Wahlen im Jahre 2002 weiterhin an der Spitze des Staates hielt.

Die größte Leistung Göran Persons waren die Erfolge in der Außenpolitik, da er Schweden sowohl der Europäischen Union näherte, als auch eine aktive Zusammenarbeit zwischen den Anrainern der Ostsee in Gang setzte. Der Rückschlag seiner Europapolitik kam mit dem Mord von Anna Lindh und der folgenden Tatsache, dass sich die schwedische Bevölkerung wenige Tage nach dem Mord bei einem Volksentscheid gegen die Einführung des Euro in Schweden entschied.

Während dieser Wahlperiode führten zahlreiche Fehlentscheidungen Göran Persssons dazu, dass bei den Wahlen 2006 die neue Regierung unter Fredrik Reinfeldt (Moderaterna) die Regierungsarbeit übernehmen konnte. Persson scheiterte daher sowohl mit seiner Europapolitik, als auch am Problem mit der Ausweisung von Asylanten nach Ägypten als auch an seiner Reaktion auf den Tsunami im Indischen Ozean im Jahre 2004.

21. März 1809: Die Konvention auf Åland
21. März 1917: Der schwedische Maler Arne Isacsson 

Copyright: Herbert Kårlin