Posts mit dem Label Sozialdemokraten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sozialdemokraten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 29. Januar 2019

Die schwedischen Brigaden und der finnische Freiheitskrieg

Nur zwei Tage nachdem in Finnland der sogenannte Freiheitskrieg, ein Bürgerkrieg,  ausgebrochen war bei dem sich die kommunistisch-sozialistische rote Seite (Rote Brigaden) und die weiße Seite, die die Selbständigkeit und Selbststeuerung Finnlands verteidigen wollten, gegenüberstanden, gründete man am 29. Januar 1918 in Stockholm die schwedischen Brigaden, die das Ziel hatten Finnland in seinem Kampf nach Selbständigkeit zu unterstützen, sich also der weißen Seite anschließen wollte, eine Idee, die von den schwedischen Sozialdemokraten und Kommunisten nahezu als Verrat gesehen wurde.

Innerhalb von nur zwei Monaten gelang es den „Freunden Finnlands“ eine Stärke von rund 1000 Soldaten zu vereinen, zu denen sich sehr viele schwedische Berufsoffiziere gesellten, auch wenn die schwedische Verteidigung die Bewegung nicht offiziell unterstützte. Das Ergebnis war jedoch, dass die schwedischen Brigaden dadurch gewissermaßen eine Eliteeinheit bildeten, die denn finnischen Kräften sehr schnell zur Verfügung gestellt werden konnten, gerade rechtzeitig für die große Offensive des weißen Finnland.

Nach Ende des finnischen Bürgerkrieges im Mai des gleichen Jahres, der vom unabhängigen, weißen Finnland gewonnen wurde, kehrten die schwedischen Brigaden in die Heimat zurück und veranstalteten am 30. Mai 1918 einen Siegeszug durch Stockholm. Während die Berufsoffiziere problemlos zurück an ihre Arbeitsplätze in der schwedischen Armee kehren konnten, hatten Arbeiter, die sich als Freiwillige den schwedischen Brigaden angeschlossen hatte, oft keine Chance zurück in ihre Berufe zu kommen, da die Gewerkschaften ihnen den Kampf für Finnland nicht verziehen. Ein Teil dieser Gruppe verdingte sich anschließend als Soldat in Estland, andere wurden von der schwedischen Gesellschaft ausgeschlossen und landeten auf der Straße.


29. Januar 1688: Emanuel Swedenborg, der große Mystiker Schwedens 
29. Januar 1850: Der Yrvädertisdagen in Schweden
29. Januar 1856: Der schwedische Philosoph Vitalis Norström
29. Januar 1884: Der schwedische Ministerpräsident Rickard Sandler 
29. Januar 1904: Stockholm erhält das erste dauerhafte Kino 
29. Januar 1919: Der schwedische Künstler Richard Bergh
29. Januar 1920: Der schwedische Architekt Peter Celsing
29. Januar 1938: Das Skattefjällsmålet und das Recht der Samen
29. Januar 1949: Der grüne Politiker Birger Schlaug 
29. Januar 1990: Schwedische Banken schließen ihre Schalter 
29. Januar 1993: Die schwedische Schauspielerin Eva Britt Remaeus 
29. Januar 2008: Der schwedische Künstler Bengt Lindström

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 3. Januar 2019

Die Einführung der Citymaut in Stockholm

Noch 2002 versprachen die Sozialdemokraten der schwedischen Hauptstadt dass es in Stockholm keine Citymaut geben werde, ein Versprechen, das nicht sehr lange hielt, denn bei den folgenden Wahlen benötigte die Partei die Unterstützung der Grünen um regieren zu können. Die wichtigste Forderung der Grünen war jedoch eine Citymaut einzuführen um die Luft in Stockholm zu verbessern und den Autoverkehr zu reduzieren. Dass um diese Zeit eine bedeutende Mehrheit der Stockholmer gegen diese Gebühr war, spielte bei allen folgenden Entscheidungen kaum eine Rolle. Um die Bürger überzeugen zu können, entschieden sich die Sozialdemokraten sogar dazu ihren Bürgern die aufkommenden Kosten zu verschweigen.

Um das Projekt der Citymaut bis zur Reichstagswahl im Herbst 2006 zu klären, entschied man sich in Stockholm, trotz des Widerstands der Bürger, ab 3. Januar 2006 versuchsweise eine Citymaut einzuführen, ein Versuch, der am 31. Juli des gleichen Jahres abgeschlossen sein sollte und eine Bewertung ermöglichen sollte. Nach Abschluss des Tests kamen Meinungsforscher zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, was die Grünen Stockholms dazu veranlasste eine manipulative Volksbefragung durchzuführen, unter anderem auch mit dem Versprechen, dass sämtliche Einnahmen aus der Citymaut dem Straßenunterhalt und den öffentlichen Verkehrsmitteln Stockholms zurückgeführt werde. Das Ergebnis davon war, dass 51,5 Prozent der Stockholmer der Einführung der Citymaut zustimmten.

Zum 1. August 2007 wurde entsprechend eine permanente Citymaut in Stockholm eingeführt, jedoch mit veränderten Regeln. Da in Schweden städtische Brücken- und Straßengebühren nur für neue Straßen und Brücken verlangt werden dürfen, übernahm die Regierung die Entscheidung und setzte eine Straßensteuer als Citymaut fest, wobei die Einnahmen als ganzes dem Staatsbudget zugerechnet werden, das die Regierung nach Entscheidungen des Parlaments verteilen kann. Es zeigte sich auch, dass die Unterhaltskosten für die Citymaut enorm waren. Um auch später keinen Widerstand aufkommen zu lassen, gab es nach der festen Einführung der Citymaut in Stockholm keinerlei offizielle Analyse mehr hinsichtlich der Rentabilität der Steuer oder dem Vorteil für die Stockholmer Luft.


3. Januar 1676: Der konservative Erzbischof Johannes Steuchius
3. Januar 1760: Der Matallurgist und Zeichner Reinhold Angerstein
3. Januar 1868: Isidor Behrens und der schwedische Sportklub AIK
3. Januar 1890: Die schwedische Schriftstellerin Ulla Bjeme-Biaudet
3. Januar 1928: Der schwedische Künstler Hans Norman 
3. Januar 1937: Die Pfadfinderbewegung in Schweden 
3. Januar 1947: Nylonstrümpfe kommen nach Schweden 
3. Januar 1960: Victor David Sjöström, der Stern des schwedischen Stummfilms

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 23. Februar 2017

Helga Henschen, Schriftstellerin, Künstlerin und Illustratorin

Helga Henschel kam am 23. Februar 1917 als Tochter eines Medizinprofessors in Stockholm zur Welt und bereitete sich in der Maj Brings und der Otte Skölds Malerschule auf die Kunstakademie in Stockholm vor, die die Künstlerin von 1940 bis 1945 besuchte und wo sie, unter anderen, auch Isaac Grünewald und Arvid Fougstedt als Lehrer hatte. Bereits 1947 hatte Henschen dann die erste Separatausstellung, der im Laufe ihres Lebens mehrere bedeutende Ausstellung folgen sollten, unter anderem 1960 bei Färg und Form und 1972 in der Liljewalchs Kunsthalle.

Helga Henschen, die am 16. August 2002 im Alter von 85 Jahren in Sundbyberg starb, griff als Malerin vor allem zu Öl und Aquarell, war jedoch auch als Skulpteurin aktiv und hat in ihrer Eugenschaft als Künstlerin auch zahlreiche öffentliche Werke geschaffen, unter anderem die Ausschmückung der U-Bahn-Haltestelle Tensta und den Springbrunnen Dafne in Södertälje, die oft als die bedeutendsten Werke Henschens bezeichnet werden. Die Skulptur Gaia, die man seit 2001 im Europaparlament in Brüssel findet, geht neben diesen beiden Werken nahezu unter, trotz des starken Ausdrucks, den Henschen Gaia verleihen konnte.

Wenn man heute auf die gesamten Arbeiten von Helga Henschen zurückblickt, so stellt man jedoch sehr schnell fest, dass die Künstlerin in mehreren Bereichen sehr aktiv war, denn Henschen veröffentlichte zwölf Bücher, darunter drei Autobiographien, und illustrierte mehrere Bücher, unter anderem von Evert Taube, Gösta Knutsson und Ebbe Linde. Privat war Henschen zudem auch politisch sehr aktiv in der Friedensbewegung Schwedens, der Kulturarbeit der Sozialdemokraten und in Hilfsorganisationen, die sich um alles zwischen Tierschutz und dem Recht politischer Gefangener kümmerten. Lediglich im Privatleben hatte die Künstlerin weniger Glück, denn ihre beiden Ehen mit Schriftstellern hielten nur jeweils vier Jahre.


23. Februar 1717: Magnus Stenbock stirbt in dänischer Haft
23. Februar 1868: Anna Maria Viktoria Uddgren und die erste Strindberg-Verfilmung
23. Februar 1901: Ivar Lo-Johansson, ein Pfeiler der Arbeiterliteratur Schwedens
23. Februar 1967: Das Schloss Skokloster wird Museum
23. Februar 2002: Die schwedische Version von Chess kommt nach Schweden
23. Februar 2012: Prinzessin Estelle kommt zur Welt 

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Montag, 30. Januar 2017

Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme

Olof Palme kam am 30. Januar 1927 als Sohn eines Versicherungsdirektors in der Stockholmer Nobelgegend Östermalm zur Welt uind erhielt daher auch von den jüngsten Jahren an eine ausgezeichnete Ausbildung. Man sagt, dass bereits der vierjährige Palme mit seinem Kindermädchen Französisch sprach, mit seiner Mutter Deutsch und seinen Geschwistern Schwedisch. Mit sieben Jahren begann Palme seine Schulbildung mit der zweiten Klasse des Beskowska Schule und als er zehn Jahre alt war, begann er mit dem Gymnasium. Nach der Hochschulreife im Jahre 1944 begann Palme für das Svenska Dagbladet zu schreiben und machte einen vierjährigen Militärdienst bevor er in den USA seine Studien begann. Als Olof Palme 1951 nach Schweden zurückkehrte, schrieb er sich an der Universität Stockholm ein um dort Jura zu studieren, parallele hierzu setzte er jedoch auch seine militärische Karriere fort und 1956 wurde er Leutnant der Kavallerie.

Obwohl Olof Palme in der bürgerlichen Schicht Schwedens aufgewachsen war, wurde er ab den 50er Jahren bei den Sozialdemokraten politisch aktiv. Nach eigenen Aussagen hatten ihn drei Ereignisse von der Politik der bürgerlichen Parteien entfernt. Zum einen die Steuerdebatten im Jahre 1947, zum anderen sein Aufenthalt in den USA, als der Politiker mit den Klassenunterschieden konfrontiert wurde, und zum dritten eine Asienreise im Jahre 1953, als Palme die Folgen des Kolonialismus mit eigenen Augen gesehen hatte. Olof Palme vertrat daher die Sozialdemokraten an 1958 im Parlament und hatte unter Ministerpräsident Tage Erlander auch mehrere bedeutende politischen Aufgaben. Dieser politische Wandel und die elitäre Herkunft Palmes ist nahezu einmalig in der schwedischen Politik und verhalf dem Politiker sicher auch teilweise zu seinem besonderen Ruf, nicht zuletzt deshalb, weil er als Nicht-Arbeiter der Politik Schwedens teilweise auch eine andere Richtung geben konnte.

Am 1. Oktober 1969 wurde Olof Palme zum Parteivorsitzenden der Sozialdemokraten gewählt und am nur zwei Wochen später wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt. Bereits während seiner ersten Phase als Ministerpräsident zeigte sich Palme mit einer deutlichen sozialistischen Linie, denn er kritisierte die USA auf Grund des Vietnamkrieges, er erreichte ein Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und er schwächte den Einfluss der Monarchie, da er dem König jeden Einfluss bei Regierungsbildungen nahm. Aber auch während seiner zweiten Phase als Ministerpräsident konnte Palme die schwedische Politik sehr deutlich prägen, auch wenn er sich nun mehr in der Verteidigung seiner Ideologie sehen musste, denn die bürgerlichen Parteien zeigten seine Verhandlungsbereitschaft mit der Sowjetunion als Schwäche und seine Kritik an Israel auf Grund des Palästina-Konflikts  wurden nicht als Friedensgedanke betrachtet, sondern als Angriff auf Israel. Die Israelkritik Palmes wird heute von der schwedischen Außenministerin Margot Wallström weitergeführt, wenn auch weitaus aggressiver als durch Palme. Olof Palme wurde am 28. Februar 1986 in Stockholm ermordet.


30. Januar 1658: Über das Eis und den Großen Belt zum Frieden von Roskilde
30. Januar 1716: Der schwedische Architekt Carl Fredrik Adelcrantz
30. Januar 1813: Adam Smedberg und die Erweckungsbewegung in Närke
30. Januar 1896: Die schwedische Internatsschule Lundsberg
30. Januar 1941: Erik Lindorm, ein Anarchist wird zum Schriftsteller
30. Januar 1945: Die größte menschliche Katastrophe auf der Ostsee
30. Januar 1982: Tora Dahl, die Bewältigung einer unehelichen Geburt
30. Januar 2009: Ingo (Ingemar Johansson) wird Weltmeister im Schwergewicht

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Montag, 9. Januar 2017

Von der Högerpartiet zu den Moderaterna

Als sich 1952 der ursprüngliche Allmänna Valmansförbundet und die folgende Högerns Riksorganisation in Högerpartiet (rechte Partei) umbenannte, wollte man vor allem den Ruf als „Hitlerpartei“ verlieren und das konservative Gedankengut der Partei dem gehobenen Bürgerstand schmackhafter machen, was unter der Leitung von Jarl Hjalmarson auch einen gewissen Erfolg hatte, da dieser sich, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, volksnah zeigte. Aber auch wenn die Partei damit wieder aus dem absoluten Tief auftauchte, so gelang es auch Hjalmarson nicht die Sozialdemokraten von der Macht zu verdrängen, und selbst die Parteien der Mitte sahen die Högerpartiet noch als extremistisch, so dass eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien nahezu ausgeschlossen war.

Die Högerpartiet hatte bei seiner Umbenennung zwar erkannt, dass sie der Mehrheit der Bürger Zugeständnisse machen musste und es unmöglich war das Volk rechtlos zu lassen, so waren der Partei dennoch eine starke Monarchie, die Verteidigung und das Wachstum von Wirtschaftsunternehmen wichtiger als die Mitentscheidung und die soziale Absicherung der Bevölkerung. Als daher die Sozialdemokraten in den 60er Jahren das Folkhemmet nicht mehr nur als vagen Begriff benutzten, sondern Wohnungen für alle bauten, war die Bedeutung der Högerpartiet erneut auf dem Tiefpunkt angekommen und hatte kaum noch eine Unterstützung in der Bevölkerung.

Da man diesen Verlust an Wählern stark mit dem Begriff Högerpartiet in Zusammenhang brachte, entschied sich die Partei erneut für einen Namenswechsel, ohne jedoch zu viele Werte auf der Strecke zu lassen. Am 9. Januar 1969 wurde dann aus der Högerpartiet die Moderate Samlingspartiet (Moderaterna), die vom Wort her eine Politik der Mitte ausdrücken sollte, da man mit moderat eine Mitte-Rechts-Politik verbindet. Als Gösta Bohman dann 1970 den Vorsitz der Partei übernahm, sollte es aufwärts gehen, denn trotz seiner konservativen Einstellung zu Familie, Verteidigung und Gesetzgebung, zeigte er sich im Handel relativ liberal und wollte Schweden durch einen internationalen Handel zu einer europäischen Vormacht führen. Allein diese Öffnung und das Versprechen von Steuersenkungen halfen der umbenannten Partei erneut zum Aufschwung. Im Laufe der Jahre sollten die Moderaten dann tatsächlich mehr und mehr eine Mittenposition einnehmen und konnten damit von 2006 bis 2014 die Regierung stellen. Nach dem Rücktritt des Vorsitzenden Fredrik Reinfeldt im Jahre 2015 nahm die Partei erneut seine extrem konservative Haltung ein und konnte bei den Wahlen des Jahres 2018 gerade noch 19,8 Prozent der Wähler gewinnen.


9. Januar 1202: Birger Brosa unter Knut Eriksson und Sverker den yngre
9. Januar 1636: Die neue schwedische Kupferkompanie
9. Januar 1811: Desideria von Schweden, eine Kaufmannstochter wird Königin
9. Januar 1895: Greta Johansson und olympisches Gold
9. Januar 1897: Die schwedische Künstlerin Tyra Lundgren 
9. Januar 1900: Der Lorensbergs Cirkus in Göteborg brennt
9. Januar 1939: Annette Kullenberg, die Schriftstellerin mit der spitzen Zunge 
9. Januar 1954: Der Frachtdampfer Nedjan sinkt bei Eggegrund 
9. Januar 1969: Moderaterna, von extrem rechts zur Mitte

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 20. Dezember 2016

Das Abkommen von Saltsjöbaden

Das Abkommen von Saltsjöbaden (Saltsjöbadsavtalet), das am 20. Dezember 1938 vom Gewerkschaftsbund LO und der Arbeitgebervereinigung SAF unterschrieben wurde, entwickelte sich sehr schnell zu einem Stützpfeiler des sogenannten schwedischen Modells, da dieses Abkommen zu Fragen des Arbeitsmarkts anschließend von allen anderen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden als Basis anerkannt wurde und zu einem Vorteil sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer wurde. Erst nach einem knapp 70-jährigen Bestehen des Abkommens zeigten sich auch Nachteile des Saltsjöbadsavtalet und die Arbeitgeberverbände setzten sich, wenn auch vergebens, für eine grundlegende Änderung des Abkommens ein.

Die Jahre vor dem Abkommen von Saltsjöbaden waren, mit dem Aufkommen der Arbeiterbewegungen, von mehreren Großstreiks und Unruhen geprägt und insbesondere die Fronten zwischen LO und SAF hatten sich verhärtet, da die Arbeitgeber keinerlei Zugeständnisse machen wollten. Als jedoch 1936 die Sozialdemokraten endgültig die Macht in Schweden übernahmen, waren die Arbeitgeber zum Umdenken gezwungen, da der politische linke Druck kaum zum Vorteil der Arbeitgeber sein konnte, es daher sinnvoll wurde bei Streitigkeiten die politische Macht zu reduzieren oder auszuschließen.

Das Abkommen von Saltsjöbadet umfasst vor allem vier verschiedene Gebiete, wobei der wichtigste Punkt dabei war immer zu Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen zu greifen und das politische Eingreifen bei einem Arbeitskonflikt auszuschließen war. Im Saltsjöbadsavtalet wurde auch klar geregelt in welcher Weise Verhandlungen zwischen den Parteien zu erfolgen hatten, welche Bedingungen bei Kündigungen gelten und welche Arbeiten auch im Falle eines Streiks durchgeführt werden müssen. Einige dieser Punkte wurden später neu verhandelt, ohne jedoch aus dem Rahmenwerk zu verschwinden, sondern lediglich um gesellschaftlichen und arbeitsrechtlichen Bedingungen angepasst zu werden.


20. Dezember 1483: Dialogus creatorum, das erste gedruckte Buch Schwedens
20. Dezember 1537: König Johan III., der Bauherr Schwedens
20. Dezember 1851: Der schwedische Nationalökonom Knut Wicksell
20. Dezember 1946: Peps Persson bringt Blues und Reggae nach Schweden
20. Dezember 1977: Die schwedische Sängerin Sonja Aldén 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 4. September 2016

Vom Konsumentenverein KF zu Coop

Ab dem 4. September 1899 trafen sich die Repräsentanten von 44 Verbrauchervereinen Schwedens um bereits am folgenden Tag einen ökonomischen Verein der Konsumenten zu gründen der den Einzelhandel landesweit moralischer gestalten sollte. Diese Bewegung muss im Rahmen der damaligen Arbeiterbewegung gesehen werden, da die Grundregeln nicht mehr in der heutigen Gesellschaft angewendet werden können. Die Geschäfte, die der Konsumentenverein KF (Kooperativa Förbundet) schufen, hatten zwei Leitlinien: Zum einen sollte der Handel auf Kredit ausgeschlossen werden, da dies arme Kunden zu einer Art Leibeigener der Landhändler machte, die mit ihrem Gehalt immer nur alte Schulden bezahlen konnten und daher den Händler nicht wechseln konnten. Zum anderen sollte der Gewinn zurück zum Kollektiv geführt werden.

Im Jahre 1904 hatte der KF bereits 57 Mitgliedsvereine, die die Waren gemeinsam einkauften und 1920 war die Anzahl der „Handelsagenturen“ bereits auf 920 angewachsen. Die Waren konnten daher günstig erworben werden und waren bei den angeschlossenen Händlern entsprechend günstig zu kaufen. Auch wenn die Bewegung als solche politisch unabhängig war, so war der KF immer den Sozialdemokraten nahe und hatte einen engen Kontakt zu Per Albin Hansson, Tage Erlander und Olof Palme. Es sollte dann allerdings über 50 Jahre dauern bis die Geschäfte zu einem gemeinsamen Namen übergingen und in Katrineholm das erste Domus-Warenhaus, heute Coop, entstand.

Im Jahr 1957 wurde das Logo, das Zeichen der Unendlichkeit, geschaffen, das noch heute vom KF benutzt wird und als Vorlage für den Namen Coop gilt. 1963 öffnete der KF (Kooperativa Förbundet) dann das erste Großkaufhaus im Stil der amerikanischen Supermärkte, zu dem 1970 auch die Geschäftskette Servus kam. Heute haben alle angeschlossenen Firmen den Namen Coop, jeweils mit einem Zusatznamen, der die Aktivität und die Größe der Geschäfte definiert. Zum 1. Januar 2014 wurden die Statuten für Coop vom KF bisher letztmals geändert, was eine direkte Mitgliedschaft in der Gruppe Coop ermöglicht, ohne vorher Mitglied im KF zu werden.


4. September 1563: Das Schloss Älvsborg wird von Dänemark erobert
4. September 1564: Das Blutbad von Ronneby
4. September 1755: Axel von Fersen der Jüngere in der schwedischen Geschichte
4. September 1776: Jacob Serenius und die Konfirmation in Schweden
4. September 1826: Martin Wiberg, ein vergessener Erfinder Schwedens
4. September 1922: Per Olof Sundman und die Sehnsucht nach dem Norden
4. September 1994: Folke Mellvig, der schwedische Krimiautor der 50er Jahre
4. September 2014: Nässjö wird 100 Jahre alt, vom Kirchdorf zur Stadt 

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Sonntag, 24. Juli 2016

Der Schriftsteller und Journalist Carl-Adam Nycop

Carl-Adam Nycop kam am 24. Juli 1909 in Helsingfors (Helsinki) zur Welt und begann seine journalistische Karriere beim Huvudstadsbladet, zog dann jedoch bald nach Schweden um bei verschiedenen kleineren Zeitungen zu arbeiten. Sehr schnell machte Nycop Karriere und 1936 war er im Auftrag mehrere schwedische Zeitungen Reporter bei den Olympischen Spielen in Berlin. Seine Berichtserstattung war so geschätzt, dass Nycop bereits zwei Jahre später den Auftrag erhielt die Zeitschrift Se zu gründen, die vor allem auf Bildmaterial baute, und damit eine neue Art der Berichtserstattung einnahm, die eine Sensation visuell ausdrücken konnte.

Sehr schnell erkannte Carl-Adam Nycop die Bedeutung der bebilderten Berichtserstattung, da Se mit den Berichten über den Zweiten Weltkrieg eine immer bedeutendere Leserschicht anziehen konnte. In diesen Jahren kam Nycop auch mit Albert Bonnier in näheren Kontakt, der ihm bereits 1941 den Auftrag gab die Wochenzeitschrift Allt zu gründen, die, im Gegensatz zu Se weniger auf Bildjournalismus setzten sollte, sondern die die Reportage als Hauptziel hatte. Drei Jahre später beendete Nycop seine Arbeit als Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift Se und gründete, gemeinsam mit Albert Bonnier und Ivar Harrie die Abendzeitung Expressen, die er jedoch 1962 verließ, da er mit der politischen Richtung, die die Zeitung immer mehr nach rechts setzte, nicht einverstanden war.

Allerdings blieb Carl-Adam Nycop auch nach 1962 weiterhin beim Mediakonzern Bonnier und gründete dort noch mehrere andere Zeitschriften, die jedoch weitaus weniger politisch waren, da er persönlich mehr der Politik der Sozialdemokraten folgte und ein Fürsprecher der journalistischen Unabhängigkeit war und von Journalisten zudem ein hohes moralisches Gefühl forderte. Nachdem Nycop den Expressen verlassen hatte, arbeitete er auch zeitweise als Lehrer für Journalistik und er schrieb mehrere Werke zum Zeitgeschehen und zur Journalistik. Carl-Adam Nycop, der am 4. Juli 2006 in Kristianstad starb, gilt heute als einer der großen Visionäre des schwedischen Journalismus, da er Strömungen erfassen konnte und seine Zeitschriften so aufbaute, dass sie immer den aktuellen Wünschen des Publikums entgegen kamen, noch bevor diese Strömmungen allgemein erkannt wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 22. September 2015

Der satirische Zeichner und Künstler Ivar Starkenberg

Auch wenn Ivar Starkenberg im Laufe seines Lebens sehr viele unpolitische Zeichnungen aus dem Sport- und dem Kulturleben veröffentlichte und auch als Künstler tätig war, galt er bei seinem Tod am 22. September 1947 als einer der wichtigsten politischen, satirischen Zeichner Schwedens. Noch weniger bekannt als seine kulturellen Zeichnungen waren allerdings seine Gedichte, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hatte. Von seinem schöngeistiges Jugendwerk, das er unter dem Namen Brutus veröffentlicht hatte, wollte der Künstler später selbst nichts mehr wissen und gab vor sich nicht mehr daran zu erinnern.

Ivar Starkenberg war am 27. Februar 1886 als Sohn eines Zöllners in Stockholm zur Welt gekommen und begann mit 13 Jahren in wechselnden Berufen zu arbeiten, zu denen man keine Ausbildung benötigte, verdankte es jedoch seiner Intelligenz zum Buchhalter aufzusteigen und wurde 1990 Hausmeister im Reichstag. Um diese Zeit begann sich Starkenberg auch für Karikaturen zu interessieren, parallel zu seinem Engagement in der immer stärker werdenden Arbeiterbewegung Schwedens, was sich in seinem Album Farbröder aus dem Jahre 1912 zeigt, einer Sammlung an Karikaturen der damaligen Parlamentarier. Obwohl Starkenberg auch als Zeichner ein Autodidakt war, begann er ab 1913 satirische Zeichnungen in der Presse der Arbeiterbewegung zu veröffentlichen.

Sehr früh wurden die Karikaturen von Ivar Starkenberg in Zeitungen wie dem Social-Demokraten, Söndags-Nisse und dem Grönköpings Weckoblad veröffentlicht, wobei er ab 1912, gemeinsam mit Erik Lindorm, auch die satirische Zeitschrift Naggen, den schwedischen Simplicissimus, herausgab, die bis 1922 existierte. Auch wenn Starkenberg sich im Grunde am Rande des extrem linken Flügel der Sozialdemokraten Schwedens bewegte, entwickelte er sich ab den 20er Jahren zum wichtigsten zeichnerischen Agitator der Partei und erhielt auch den Auftrag mehrere der Plakate der Sozialdemokraten zu malen. Eine besondere Eigenart des satirischen Zeichners war, dass er bei der politischen Satire keine Auftragsarbeit annahm, sondern grundsätzlich nur seine selbst geschaffenen Werke zur Veröffentlichung anbot.


22. September 1782: Fredrik Westin, vom Portraitmaler zum Maler von Altarbildern
22. September 1790: Anders af Botin und die Geschichtsschreibung Schwedens
22. September 1855: Der schwedische Architekt Gunnar Asplund 
22. September 1906: Oscar Levertin, Autor, Literaturkritiker und Professor
22. September 1932: Ingo (Ingemar Johansson) wird Weltmeister im Schwergewicht
22. September 1959: Johan Norberg und der moderne Jazz Schwedens
22. September 1993: Kommerzielle Radiostationen erreichen Schweden
22. September 2008: Olov Svedelid, Kriminalromane im Stockholmer Milieu

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Freitag, 5. Juni 2015

Der schwedische Ministerpräsident Carl Swartz

Carl Swartz kam am 5. Juni 1858 als Sohn eines Fabrikanten in Norrköping zur Welt und übernahm, nach einem Studium in Uppsala und Bonn, den Familienbetrieb, die Tabakfirma Petter Swartz. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Bonn wurde Swartz auch in der Kommunalpolitik aktiv und kümmerte sich vor allem um die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung seiner Heimatstadt. Auf Grund seiner Beziehungen und seiner Leistungen gelang es dem Firmenbesitzer auch bald in mehrere staatliche Ausschüsse berufen zu werden, die ihm den Weg in eine nationale politische Karriere öffneten.

Im Jahre 1906 wurde Carl Swartz unter Arvid Lindman zum Finanzminister ernannt und war für zahlreiche Reformen verantwortlich. Unter anderem führte er eine einheitliche, progressive Einkommens- und Vermögenssteuer in Schweden ein. Und als 1917 die Regierung unter Hjalmar Hammarskjöld aufgeben musste, wurde Swartz von Gustaf V. zum Ministerpräsidenten ernannt, da der König hoffte, dass Swartz als moderater rechter Politiker das Volk beruhigen konnte, da um diese Zeit in Schweden das Gerücht kursierte, dass sich die russische Februarrevolution auch nach Schweden ausdehnen sollte.

In der Tat gelang es Carl Swartz sowohl die extrem konservative Rechte als auch die Linke zu beruhigen und Ausschreitungen zu verhindern. Auch das größte Problem Schwedens jener Zeit konnte Swartz in den Griff bekommen, die extreme Hungersnot des Jahres 1917. Während die Linken die Hungernot dazu ausnutzten wollten um ein allgemeines Wahlrecht zu erzwingen, verhandelte Swartz mit Großbritannien und konnte dadurch Lebensmittel importieren. Die Forderungen der Sozialdemokraten blockierte er durch eine taktische Maßnahme, denn er verwies auf die kommenden Wahlen im Herbst und verhinderte damit, dass der König eine neue Regierung einsetzte, sondern das Parlament entscheiden konnte. Carl Swartz führte die schwedische Regierung lediglich 203 Tage. Der Politiker starb am 6. November 1926 in Stockholm und gilt bis heute als Wohltäter Norrköpings, da er der Stadt 1912 die Villa Swartz schenkte um dort eine Bibliothek und ein Museum einzurichten.


5. Juni 1862: Allvar Gullstrand revolutioniert die Augenheilkunde
5. Juni 1964: Die Revue Gula Hund (Gelber Hund)
5. Juni 1965: Prinz Wilhelm Ludvig, ein gemeinsames Leben ohne Trauschein
5. Juni 2007: Schweden muss Alkoholkauf über Internet zulassen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 13. Mai 2015

Die Linken Schwedens, Entstehung der Vänsterpartiet

Als es am 13. Mai 1917 zum Bruch zwischen der Hauptgruppe der schwedischen Sozialdemokraten und seinem linken Flügel kam, da die dominante Gruppe der Partei eine absolute Loyalität zu seinem Programm forderte, bildete der linke Flügel die Partei Sveriges Socialdemokratiska Vänsterparti, die sich im Laufe einer langen Entwicklung zur Linken Schwedens, der Vänsterpartiet, entwickeln sollte. Die neue Partei folgte der Ideologie der Sowjetunion und ab 1919, mit der Gründung der Kominter, wurde die neue Partei auch von der sowjetischen kommunistischen Partei gelenkt.

Von Beginn an nahmen die Linken eine besondere Position in Schweden ein, da sie einerseits dem kommunistischen Gedankenzug folgten und selbst beim Finnischen Krieg die Seite der Sowjets verteidigten, andererseits aber parlamentarisch die Sozialdemokraten stützten und diesen daher bei der Durchführung ihrer Pläne half. Erst ab den 60er Jahren ging die Partei von der strikten kommunistischen Linie ab und näherte sich damit der politischen Demokratie, auch wenn die Linken nach wie vor vor allem Kontakte zu kommunistisch gesteuerten Ländern unterhielten.

Mit dem Zusammenbruch Osteuropas kam für die heutigen Linken die zweite entscheidende Wende, denn 1990 strichen sie das Wort Kommunismus aus dem damaligen Parteinamen und aus dem Parteiprogramm. Dies führte dazu, dass die Linken, unter der Führung von Gudrun Schyman, zur drittgrößten Partei des Landes wurden und 1998 rund 12 Prozent der Wählerstimmen erhielten. Bereits unter Schyman, und noch deutlicher unter ihren Nachfolgern, lösten sich die Linken ganz vom Kommunismus und begannen eine sozialistische, feministische, grüne Politik zu führen, was auch die Verbindungen zu den Sozialdemokraten wieder stärkte, die grundsätzlich auf die Unterstützung der Linken rechnen.


13. Mai 1707: Carl von Linné, der Botaniker Schwedens
13. Mai 1782: Der schwedische Botaniker Daniel Solander
13. Mai 1862: Fredrik Westin, vom Portraitmaler zum Maler von Altarbildern
13. Mai 1901: Linnea, eine Blume wird zum schwedischen Vornamen
13. Mai 1921: Rassenstudien in Schweden
13. Mai 1979: Prinz Philip und der verlorene Thron Schwedens
13. Mai 2006: Östen Sjöstrand, der Dichter, der Antike und Gegenwart verbindet

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Sonntag, 8. Februar 2015

Die Sozialdemokraten antworten auf die Provokation des Königs

Da sich Gustav V. von der aufkommenden sozialdemokratischen Bewegung bedroht sah, hatte er bereits Jahre vor dem sogenannten Bauernzug nach Stockholm am 6. Februar 1914 eine Bewegung geschaffen, die von den Großunternehmern des Landes stark unterstützt wurde. Der sogenannte Bauernzug war so gut organisiert und manipuliert, dass Gustav V. anschließend nicht nur behaupten konnte, dass dies eine Volksbewegung sei, sondern es gelang ihm auch die liberale Regierung zu stürzen und die einflussreichsten Unternehmer der Landes an die Spitze des Staates zu setzen, was bedeutete aufzurüsten um eventuell den deutschen Freunden zu Hilfe eilen zu können.

Womit Gustav V. jedoch nicht gerechnet hatte, war der Einfluss und die tatsächliche Bedeutung der Sozialdemokraten und der Liberalen, die mit Karl Staaff an der Spitze, eine Politik der Abrüstung führten. Er hatte auch die Bedeutung von Hjalmar Branting unterschätzt, dem die Arbeiterbewegungen des Landes volles Vertrauen schenkten und die wirtschaftliche Macht des Kapitals des Landes einschränken wollte, ein Wunsch, der jedoch erst 1917 ansatzweise in Erfüllung ging. Diese Fehleinschätzung zeigte dem König jedochendgültig die Grenzen seiner Macht und war der Beginn einer neuer politischen Ordnung.

Innerhalb von nur zwei Tagen war es Hjalmar Branting gelungen 50.000 Arbeiter zu mobilisieren, die am 8. Februar 1914 durch die Straßen Stockholms zogen und für eine Abrüstungspolitik demonstrierten, während der Jugendverband gleichzeitig hunderttausende von Flugblättern zur Abrüstung  verteilte. Die wichtigste Botschaft war dabei, dass man keine Öre mehr in Rüstung stecken soll, da man dieses Geld für soziale Reformen benötige und der Frieden wichtiger sei als sinnlose Tote in einem unsinnigen Krieg. Auch wenn es dem König also gelungen war den Rechten die Macht im Land vorübergehend zurückzugeben, so wagte es nach dieser Demonstration niemand mehr von einer Teilnahme am Ersten Weltkrieg zu reden.


8. Februar 1782: Malla Silfverstolpe und der literarische Salon in Uppsala 
8. Februar 1878: Elias Magnus Fries, der erste schwedische Fachmann für Pilze
8. Februar 1903: Der schwedische Nationalsozialist Sven Olov Lindholm
8. Februar 1911: Gustaf Fröding, der Dichter mit der geistigen Verwirrung 
8. Februar 1966: Carl-Henning William Crafoord bringt den Hiphop nach Schweden 
8. Februar 1969: Pippi Langstrumpf wird in Schweden zum Fernseherfolg

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 18. Januar 2015

Das schwedische Folkhemmet, ein Symbol der Sozialdemokraten

Am 18. Januar 1928 benutzte der Sozialdemokrat und später Ministerpräsident Per Albin Hansson das erste Mal bei einer öffentlichen Rede den Begriff Folkhemmet, da er dieses Wort für einprägsamer hielt als Medborgarhemmet, das im Grunde die Alternative war. Auch wenn das Folkhemmet bereits um diese Zeit extrem rechtslastig war und auch unter den Sozialdemokraten eine starke Diskussion herausforderte, sollte dieser Ausdruck die Politik der schwedischen Sozialdemokraten über Jahrzehnte prägen, zumindest bis Göran Persson die Politik der Sozialdemokraten zu prägen begann.

Vermutlich wäre der Begriff Folkhemmet, der für Hansson der Ausdruck dafür war, dass Schweden das Heim für ein ganzes Volk werden solle, sehr bald wieder aus dem Wortschatz der Sozialdemokraten verschwunden, da es auch vom rechten Staatswissenschaftler Rudolf Kjellén verwendet wurde und in Deutschland zur Volksgemeinschaft wurde, einer Idee, die die Nationalsozialistische Arbeiterpartei aufnahm, wenn Hansson das Paar Gunnar und Alva Myrdal 1934 nicht mit dem Buch Kris i befolkningsfrågan zu Hilfe gekommen wäre, denn dadurch wurde das Folkhemmet ein Symbol für das kommende Schweden, den sogenannten Wohlfahrtsstaat.

Der Begriff Folkhemmet, der in keinem Parteiprogramm der Sozialdemokraten zu finden ist, begann durch zahlreiche Reformen bereits in den 80er Jahren zu verblassen, denn ab dieser Zeit wurde die damit zusammenhängende Baupolitik aufgegeben und staatliche Unternehmen wurden mehr und mehr in wirtschaftliche Unternehmen verwandelt. Selbst die Arbeitspolitik änderte sich dann in den 90er Jahren, als die Sozialdemokraten plötzlich von der Idee der Vollbeschäftigung abgingen und eine vierprozentige offene Arbeitslosigkeit propagierten. Göran Persson und später auch Mona Sahlin geben dann dem Begriff Folkhemmet einen völlig neuen Inhalt und gingen, trotz der fortgesetzten Benutzung des Wortes, ganz von der Grundidee Hanssons ab.


18. Januar 1862: Anders Magnus Strinnholm und die schwedische Geschichte 
18. Januar 1865: Magnus Jacob Crusenstolpe der schreibende Revolutionär
18. Januar 1938: Die Beerdigung des Schauspielers Gösta Ekman 
18. Januar 1945: Jane Horney, mit 27 Jahren im Meer versenkt 
18. Januar 1972: Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg-Gotha 
18. Januar 1980: Warum die Almöbron von der Tjörnbron ersetzt wurde 
18. Januar 2008: Kerstin Johansson i Backe, Kinderbücher aus dem Norden

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 12. November 2014

Der schwedische Ministerpräsident Rickard Sandler

Als Rickard Sandler am 12. November 1964 starb, hatten die Sozialdemokraten einen ihrer intellektuellsten Politiker verloren der die Arbeiterbewegung und die Politik Schwedens nicht nur von der Warte des Arbeiters betrachtete, sondern die Entwicklung Schwedens mehr im Sinne von Karl Marx sah, dessen Kapital er auch ins Schwedische übersetzte. Sandler zeichnete sich in seiner Politik dadurch aus, dass er keine harte Auseinandersetzung suchte, sondern erklären und überzeugen wollte, was ihm jedoch nicht nur Freunde innerhalb der Partei verschaffte.

Rickard Sandler war am 29. Januar 1884 in Torsåker im Ångermanland geboren worden, hatte ein Examen der Universität Uppsala und ein Lizentiat der Universität Göteborg, wobei er seine politische Karriere bereits während seiner Zeit in Uppsala einleitete. Seine Besonnenheit und seine Argumentation ermöglichten es, dass Sandler bereits im Alter von nur 26 Jahren in die Führungsschicht der Sozialdemokraten aufstieg und er war bis 1952 in diesem Rahmen aktiv. Erstmals im Parlament vertreten war Sandler im Jahre 1912, was ihn auch zu einem der jüngsten einflussreichen Politiker der Sozialdemokraten jener Zeit machte.

Dass Rickard Sandler im Jahre 1925 zum Ministerpräsidenten Schwedens ernannt wurde, war indes von keiner Seite geplant, aber als Hjalmar Branting erkrankte, war es logisch, dass ihm Fredrik Thorsson im Amt als Ministerpräsident folgen sollte. Dieser hatte jedoch kurz zuvor erfahren, dass er Magenkrebs hatte und konnte deshalb die Position nicht annehmen, musste nun jedoch selbst einen Ministerpräsidenten vorschlagen. Er stand zwischen Per Albin Hansson, der allerdings von der Opposition nicht akzeptiert war und eben Rickard Sandler, der von allen Seiten akzeptiert wurde. Allerdings konnte sich auch Sandler nur bis1926 als Ministerpräsident halten und stolperte dann über das Problem der steigenden Arbeitslosigkeit des Landes.


12. November 1860: Ola Hansson, der schwedische Schriftsteller ohne Heimat
12. November 1869: Carl Georg Brunius, ein Priester als Architekt und Kunstkenner
12. November 1887: Elisabeth Bergstrand-Poulsen, Künstlerin und Schriftstellerin
12. November 1921: Lars Gyllensten, philosphische Gedanken zum Alltagsleben
12. November 1921: Lars Gyllensten, ein schwarzes Schaf der Svenska Akademien
12. November 1961: Ernst Thörnberg, der vergessene sozioökonomische Schriftsteller
12. November 1965: Filippa K wird zum Modeimperium in Schweden
12. November 1987: Cornelis Vreeswijk, eine musikalische schwedische Legende

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Dienstag, 7. Oktober 2014

Karl Staaff wird liberaler Ministerpräsident

Als Karl Staaff am 7. Oktober 1911 zum zweiten Mal Ministerpräsident Schwedens wurde und den konservativen Arvid Lindman ersetzte, setzte er die Weichen für eine liberaleres Schweden, das dem Volk einen Einfluss in das politische Geschehen ermöglichte, denn Staaff war erste Ministerpräsident des Landes, der sich für das allgemeine Wahlrecht einsetzte und ihm ist es auch zu verdanken, dass bereits einige Jahre vorher die Auflösung der Union zwischen Norwegen und Schweden auf friedliche Weise ablief und nicht zu kriegerischen Handlungen führte, denn Gustav V. und die rechte politische Schicht wollten Norwegen notfalls mit Gewalt weiterhin an Schweden binden.

Karl Staaff wurde am 21. Januar 1860 als Sohn eines Priesters in Stockholm geboren und studierte nach seiner Hochschulreife an der Universität Uppsala, wo er sich sehr schnell den revolutionären Kreisen anschloss und eine Modernisierung der studentischen Nationen forderte. Nach Staaff war es unsinnig, dass schwedische Prinzen dort automatisch Ehrenmitglieder wurden oder die Rechte der Frauen extrem eingeschränkt waren. Allerdings gelang es Staaff, trotz seiner steigenden Anhängerschaft, nicht Vorsitzender der Nation Stockholm zu werden, eine Position, die vom konservativen Ernst Trygger eingenommen wurde, der später auch ein bedeutender politischer Gegner Staafs wurde.

Als Karl Staaff im Jahre 1896 erstmals in den Reichstag gewählt wurde, schloss er sich der damaligen Folkpartiet (Volkspartei) an, die später zur Liberala samlingspartiet wurde, einem Zusammenschluss von drei liberalen Parteien, die etwa die gleichen Ideen verfolgten. Staaf war bereits 1905 mit der Hauptforderung zu allgemeinen Wahlen Ministerpräsident geworden, stolperte jedoch bereits nach einem Jahr am Widerstand der Rechten. Als er zum zweiten Mal an die Spitze des Staates gewählt wurde, sicherte er sich dann die Unterstützung der Sozialdemokraten, was zwar noch nicht dazu führte, dass das Wahlrecht geändert wurde, aber Staaff konnte mit seinem linken Partner im Jahre 1913 die allgemeine Pension in Schweden einführen. Karl Staaff starb am 4. Oktober 1915 an einer Lungenentzündung.


7. Oktober 1818: Gudmund Jöran Adlerbeth und die gustavianische Epoche
7. Oktober 1879: Joe Hill, der berühmteste Schwede Amerikas
7. Oktober 1882: Der Tierschutzverband Djurens Rätt nimmt seine Arbeit auf
7. Oktober 1924: Gunnar Brusewitz, Naturerlebnisse in Wort und Bild
7. Oktober 1974: Die schwedische Sängerin Charlotte Perrelli
7. Oktober 1980: Ernst Alm, der Sieger des ersten Wasalaufs im Jahre 1922
7. Oktober 1994: Die schwedische Komödie Svensson, Svensson

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 6. Oktober 2014

Per Albin Hansson, ein Antialkoholiker als Ministerpräsident

Als Per Albin Hansson am 6. Oktober 1946 in Stockholm plötzlich an einem Herzinfarkt starb, hatte er knapp 14 Jahre lang als Ministerpräsident Schwedens über die Poltik des Landes entschieden und mit seiner Idee des schwedischen Volksheimes (Folkhemmet) den Sozialdemokraten eine Ideologie geboten, die die ideologische Basis für die folgenden Ministerpräsidenten Tage Erlander und Olof Palme festlegte. Ach wenn die Sozialdemokraten Schwedens noch heute den Begriff Folkhemmet verwenden um Wähler zu gewinnen, so ging die ursprüngliche Idee des Sozialstaats den der Begriff beinhaltet, nach Olof Palme verloren.

Per Albin Hansson von Emil Näsvall im Folkets Park in Malmö

Per Albin Hansson war am 28. Oktober 1885 in ärmlichen Verhältnissen in Malmö aufgewachsen und begann nach der vierjährigen Volksschule zu arbeiten. Als Hansson 16 Jahre alt war, schloss er sich dem Verband der Antialkoholiker Verdani an. Den Gedanken der absoluten Abstinenz verfolgte Per Albin Hansson sein Leben lang, auch wenn er selbst Abende mit Grog liebte. Die Forderung die absolute Abstinenz gesetzlich zu regeln verursachte auch bedeutende Spannungen mit Hjalmar Branting und führte dazu, dass der politische Aufstieg Hanssons, der ab 1910 bei der Zeitung Social-Demokraten in Stockholm arbeitete, bis zum Tode Brantings gebremst wurde.

Der Erfolg von Per Albin Hansson als Ministerpräsident lag jedoch weniger an seiner Einstellung zum Alkohol oder seiner Idee des Folkhemmet, sondern an einer Reihe von politischen Entscheidungen, die den Sozialdemokraten über viele Jahre hinweg die Vormacht boten. Hansson zwang 1917 die revolutionäre Gruppe der Partei, die heutigen Linken, die Sozialdemokraten zu verlassen, er spielte eine wichtige Rolle bei der Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Schweden und er sorgte als Verteidigungsminister für die Abrüstung um Gelder für soziale Maßnahmen zu befreien. Mit der sogenannten Baltenauslieferung verursachte Per Albin Hansson allerdings auch den ersten politischen Skandal Schwedens nach dem Zweiten Weltkrieg, entging jedoch durch seinen plötzlichen Tod den bedeutendsten Kritiken.


6. Oktober 1550: Karin Månsdotter, die erste bürgerliche Königin Schwedens
6. Oktober 1820: Jenny Lind erscheint auf einem schwedischen Geldschein
6. Oktober 1821: Der schwedische Naturwissenschaftler Anders Jahan Retzius
6. Oktober 1869: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
6. Oktober 1888: Der schwedische Künstler Einar Nerman
6. Oktober 1942: Anna Wahlgren und die Bibel für Mütter
6. Oktober 1942: Anna Wahlgren und das Barnaboken
6. Oktober 1958: Die Mosebackes Monarchie wird ausgerufen

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 28. September 2014

Die schwedische Politikerin Margot Wallström

Margot Wallström kam am 28. September 1954 in Kåge bei Skellefteå zur Welt und begann sich bereits als Jugendliche für Politik zu interessieren. Als Wallström 20 Jahre alt war, war sie bereits Ombudsman der Jugendorganisation der Sozialdemokraten und nur drei Jahre später wurde sie ins Parlament gewählt. Über ihre Ausbildung ist Wallström relativ verschwiegen, sicher ist jedoch, dass sie ab 1977 als Bankangestellte arbeite, im gleichen Jahr als sie ins Parlament gewählt wurde, was auch erklärt, warum sie ihren Beruf bereits 1979 wieder aufgab um sich ganz der Politik zu widmen.

Der Aufstieg von Margot Wallström im Kreise der Sozialdemokraten war rekordverdächtig, denn 1988 war Wallström stellvertretende Zivilministerin, 1994 wurde sie zur Kulturministerin ernannt und 1996 zur Sozialministerin. Nach Differenzen mit dem damaligen Ministerpräsident Göran Persson verzichtete Wallström dann jedoch auf ein politisches Amt bis Mona Sahlin an die Spitze Schwedens kam. Unter Sahlin erhielt Wallström, gemeinsam mit Jan Eliasson, den Auftrag für die Sozialdemokraten ein Programm zur Europapolitik auszuarbeiten, was allerdings von mehreren Seiten stark kritisiert wurde, da die europäische Arbeit parteineutral geführt werden soll.

Ab 1999 widmete sich Margot Wallström als Mitglied der Europäischen Kommission vor allem der Europapolitik. Auch in Europa ging die Karriere rapide voran, denn 2004 wurde Wallström stellvertretende Vorsitzende der Kommission und war damit an der zweithöchsten Position Europas, unmittelbar nach José Manuel Barroso. In dieser Zeit war die Beliebtheit von Margot Wallström bereits so hoch, dass das schwedische Volk die niederschmetternde Kritik des The Economist im Jahre 2009, nach dem ihr Einsatz in Europa geradezu zu vernachlässigen sei, gar nicht erst beachtete. Im Jahre 2010 wechselte Wallström dann von der Europapolitik zu einem Auftrag der Vereinten Nationen und sollte die Situation der Frauen in Krisengebieten beobachten, ein Auftrag, der 2012 ohne große Ergebnisse endete. Anfang 2013 wurde Margot Wallström dann Projektdirektoren der häufig kritisierten Svenska Postkodlotteriet und rechtzeitig vor den Wahlen 2014 erklärte Stefan Löfven, dass die Politikerin nun zurück in der schwedischen Politik sei und dort ihre Stärken beweisen werde. Nach Wettbüros wird Wallström die neue Außenministerin des Landes.


28. September 1675: Die Krönung des Königs Karl XI. In der Domkirche in Uppsala
28. September 1797: Die schwedische Schriftstellerin Sophie von Knorring
28. September 1911: Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen
28. September 1994: Der Untergang der M/S Estonia in der Ostsee
28. September 1994: Der schwedische Musiker Pierre Isacsson
28. September 1998: Olle Länsberg, der verschollene Autor Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin