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Sonntag, 18. Januar 2015

Das schwedische Folkhemmet, ein Symbol der Sozialdemokraten

Am 18. Januar 1928 benutzte der Sozialdemokrat und später Ministerpräsident Per Albin Hansson das erste Mal bei einer öffentlichen Rede den Begriff Folkhemmet, da er dieses Wort für einprägsamer hielt als Medborgarhemmet, das im Grunde die Alternative war. Auch wenn das Folkhemmet bereits um diese Zeit extrem rechtslastig war und auch unter den Sozialdemokraten eine starke Diskussion herausforderte, sollte dieser Ausdruck die Politik der schwedischen Sozialdemokraten über Jahrzehnte prägen, zumindest bis Göran Persson die Politik der Sozialdemokraten zu prägen begann.

Vermutlich wäre der Begriff Folkhemmet, der für Hansson der Ausdruck dafür war, dass Schweden das Heim für ein ganzes Volk werden solle, sehr bald wieder aus dem Wortschatz der Sozialdemokraten verschwunden, da es auch vom rechten Staatswissenschaftler Rudolf Kjellén verwendet wurde und in Deutschland zur Volksgemeinschaft wurde, einer Idee, die die Nationalsozialistische Arbeiterpartei aufnahm, wenn Hansson das Paar Gunnar und Alva Myrdal 1934 nicht mit dem Buch Kris i befolkningsfrågan zu Hilfe gekommen wäre, denn dadurch wurde das Folkhemmet ein Symbol für das kommende Schweden, den sogenannten Wohlfahrtsstaat.

Der Begriff Folkhemmet, der in keinem Parteiprogramm der Sozialdemokraten zu finden ist, begann durch zahlreiche Reformen bereits in den 80er Jahren zu verblassen, denn ab dieser Zeit wurde die damit zusammenhängende Baupolitik aufgegeben und staatliche Unternehmen wurden mehr und mehr in wirtschaftliche Unternehmen verwandelt. Selbst die Arbeitspolitik änderte sich dann in den 90er Jahren, als die Sozialdemokraten plötzlich von der Idee der Vollbeschäftigung abgingen und eine vierprozentige offene Arbeitslosigkeit propagierten. Göran Persson und später auch Mona Sahlin geben dann dem Begriff Folkhemmet einen völlig neuen Inhalt und gingen, trotz der fortgesetzten Benutzung des Wortes, ganz von der Grundidee Hanssons ab.


18. Januar 1862: Anders Magnus Strinnholm und die schwedische Geschichte 
18. Januar 1865: Magnus Jacob Crusenstolpe der schreibende Revolutionär
18. Januar 1938: Die Beerdigung des Schauspielers Gösta Ekman 
18. Januar 1945: Jane Horney, mit 27 Jahren im Meer versenkt 
18. Januar 1972: Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg-Gotha 
18. Januar 1980: Warum die Almöbron von der Tjörnbron ersetzt wurde 
18. Januar 2008: Kerstin Johansson i Backe, Kinderbücher aus dem Norden

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 28. September 2014

Die schwedische Politikerin Margot Wallström

Margot Wallström kam am 28. September 1954 in Kåge bei Skellefteå zur Welt und begann sich bereits als Jugendliche für Politik zu interessieren. Als Wallström 20 Jahre alt war, war sie bereits Ombudsman der Jugendorganisation der Sozialdemokraten und nur drei Jahre später wurde sie ins Parlament gewählt. Über ihre Ausbildung ist Wallström relativ verschwiegen, sicher ist jedoch, dass sie ab 1977 als Bankangestellte arbeite, im gleichen Jahr als sie ins Parlament gewählt wurde, was auch erklärt, warum sie ihren Beruf bereits 1979 wieder aufgab um sich ganz der Politik zu widmen.

Der Aufstieg von Margot Wallström im Kreise der Sozialdemokraten war rekordverdächtig, denn 1988 war Wallström stellvertretende Zivilministerin, 1994 wurde sie zur Kulturministerin ernannt und 1996 zur Sozialministerin. Nach Differenzen mit dem damaligen Ministerpräsident Göran Persson verzichtete Wallström dann jedoch auf ein politisches Amt bis Mona Sahlin an die Spitze Schwedens kam. Unter Sahlin erhielt Wallström, gemeinsam mit Jan Eliasson, den Auftrag für die Sozialdemokraten ein Programm zur Europapolitik auszuarbeiten, was allerdings von mehreren Seiten stark kritisiert wurde, da die europäische Arbeit parteineutral geführt werden soll.

Ab 1999 widmete sich Margot Wallström als Mitglied der Europäischen Kommission vor allem der Europapolitik. Auch in Europa ging die Karriere rapide voran, denn 2004 wurde Wallström stellvertretende Vorsitzende der Kommission und war damit an der zweithöchsten Position Europas, unmittelbar nach José Manuel Barroso. In dieser Zeit war die Beliebtheit von Margot Wallström bereits so hoch, dass das schwedische Volk die niederschmetternde Kritik des The Economist im Jahre 2009, nach dem ihr Einsatz in Europa geradezu zu vernachlässigen sei, gar nicht erst beachtete. Im Jahre 2010 wechselte Wallström dann von der Europapolitik zu einem Auftrag der Vereinten Nationen und sollte die Situation der Frauen in Krisengebieten beobachten, ein Auftrag, der 2012 ohne große Ergebnisse endete. Anfang 2013 wurde Margot Wallström dann Projektdirektoren der häufig kritisierten Svenska Postkodlotteriet und rechtzeitig vor den Wahlen 2014 erklärte Stefan Löfven, dass die Politikerin nun zurück in der schwedischen Politik sei und dort ihre Stärken beweisen werde. Nach Wettbüros wird Wallström die neue Außenministerin des Landes.


28. September 1675: Die Krönung des Königs Karl XI. In der Domkirche in Uppsala
28. September 1797: Die schwedische Schriftstellerin Sophie von Knorring
28. September 1911: Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen
28. September 1994: Der Untergang der M/S Estonia in der Ostsee
28. September 1994: Der schwedische Musiker Pierre Isacsson
28. September 1998: Olle Länsberg, der verschollene Autor Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 9. März 2014

Die schwedische Sozialdemokratin Mona Sahlin

Mona Sahlin wurde am 9. März 1957 als Mona Andersson in Sollefteå in einer politisch engagierten Familie geboren, was sicher auch dazu beitrug, dass sie bereits mit 13 Mitglied der kommunistischen FNL (Front National pour la Libération du Sud Viêt Nam) in Nacka wurde und zu Beginn der 70er Jahre in die sozialdemokratische Jugendorganisation SSU (Sveriges Socialdemokratiska Ungdomsförbund) beitrat, wo sie auch bald die Sprecherin für den Kreis Nacka-Värmdö wurde. Auch wenn Sahlins politisches Engagement sehr stark war, so war sie nach ihrem Abitur wenig an einer Berufsausbildung interessiert und arbeitete daher in den unterschiedlichsten Bereichen. Ihre Freizeit gehörte der Politik.

Ab 1980 war Mona Sahlin die Vorsitzende des SSU für den Kreis Stockholm, was nahezu eine Voraussetzung für eine politische sozialdemokratische Karriere in Schweden ist, was sich bei Sahlin auch deutlich zeigte, denn 1982 wurde die Politikerin ins Parlament gewählt und war damit mit 25 Jahren das jüngste Parlamentsmitglied. Nur acht Jahre später war sie Arbeitsmarktminister unter Ingvar Carlsson und 1992 stand Sahlin gewissermaßen schon auf der Spitze ihrer Karriere, denn sie wurde der erste weibliche Parteisekretär der Sozialdemokraten - und am 17. März  2007, nach dem Rücktritt von Göran Persson, wurde Sahlin auch die erste weibliche Vorsitzende der Sozialdemokraten Schwedens.

Dass Mona Sahlin nie schwedischer Ministerpräsident wurde und am 25. März 2011 letztendlich auch den Vorsitz der Partei abgeben musste, ging im Grunde auf ihre Zeit als Arbeitsmarktministerin zurück, da sie während dieser Zeit mehrmals die Kreditkarte als Politikerin für private Ausgaben benutzte. Diese sogenannte Tobleroneaffäre, bei der es sich um 53.174 Kronen handelte, war seit der Aufdeckung durch den Expressen eine Belastung für die Parteivorsitzende, auch wenn die Staatsanwaltschaft die Anzeige zu den Akten legte, da es nicht zu beweisen war, dass Sahlin eine betrügerische Absicht hatte. Dass Mona Sahlin ein gestörtes Verhältnis zu Geld hat, zeigt sich allerdings auch auf privatem Niveau, denn sie musste auch ihr Privatunternehmen nach nur einem Jahr Aktivität auflösen um eien Konkurs zu verhindern, da Sahlin das Aktienkapital dazu benutzte sich ein hohes Gehalt zu bezahlen und dieses dadurch sehr schnell schrumpfte. Mehrere ihrer Versuche wieder politisch wichtige Positionen einzunehmen, scheiterten bisher.


9. März 1865: Natanael Beskow, ein Dichter moderner Psalmen 
9. März 1938: Barbro Margareta Svensson, alias Lill-Babs 
9. März 1945: Schweden befreit Gefangene in Deutschland 
9. März 1975: Die schwedische Sängerin Lisa Miskovsky

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 21. März 2011

Göran Persson an der Spitze der Macht

Nachdem Mona Sahlin wegen der Toblerone-Affäre 1996 ihre Kandidatur zum Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei Schwedens zurückzog, wurde Göran Persson, der am 20. Januar 1949 in Vingåker geboren wurde, am 16. März 1996 auf einem außerordentlichen Parteikongress zum Vorsitzenden der Partei gewählt. Nur wenige Tage später, am 21. März 1996 wurde Göran Persson auch schwedischer Ministerpräsident.

Bereits von Beginn an war die politische Position Perssons, der in Zusammenarbeit mit der schwedischen Zentrumspart (Centerpartiet) eine Minoritätsregierung bildete, auf schwachen Beinen, da sein Sparprogramm sowohl in der eigenen Partei als auch beim Gewerkschaftsverband LO (Landsorganisationen i Sverige) bedeutende Konflikte hervorrief.

Als Folge der Konflikte verlor die Minoritätsregierung unter Göran Persson bei den Wahlen 1998 zahlreiche Wählerstimmen und der Politiker konnte seine Stellung nur durch eine Zusammenarbeit mit den Linken (Vänsterpartiet) und den Grünen (Miljöpartiet) aufrecht halten, was ihn dann selbst bei den folgenden Wahlen im Jahre 2002 weiterhin an der Spitze des Staates hielt.

Die größte Leistung Göran Persons waren die Erfolge in der Außenpolitik, da er Schweden sowohl der Europäischen Union näherte, als auch eine aktive Zusammenarbeit zwischen den Anrainern der Ostsee in Gang setzte. Der Rückschlag seiner Europapolitik kam mit dem Mord von Anna Lindh und der folgenden Tatsache, dass sich die schwedische Bevölkerung wenige Tage nach dem Mord bei einem Volksentscheid gegen die Einführung des Euro in Schweden entschied.

Während dieser Wahlperiode führten zahlreiche Fehlentscheidungen Göran Persssons dazu, dass bei den Wahlen 2006 die neue Regierung unter Fredrik Reinfeldt (Moderaterna) die Regierungsarbeit übernehmen konnte. Persson scheiterte daher sowohl mit seiner Europapolitik, als auch am Problem mit der Ausweisung von Asylanten nach Ägypten als auch an seiner Reaktion auf den Tsunami im Indischen Ozean im Jahre 2004.

21. März 1809: Die Konvention auf Åland
21. März 1917: Der schwedische Maler Arne Isacsson 

Copyright: Herbert Kårlin