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Samstag, 4. Juli 2015

Bauhilfsarbeiterinnen treten in Stockholm in den Streik

Spätestens gegen 1830 wurden auf den Baustellen in Schweden vor allem Frauen für die schwersten Hilfsarbeiten angestellt, die sogenannten mursmäckorna. Es handelte sich dabei überwiegend um unverheiratet Frauen, oft mit Kind, und Witwen, die gezwungen waren ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Diese Frauen erhielten den geringsten Lohn und verdienten in der Regel gerade soviel, dass sie überleben konnten, was zu jener Zeit bedeutete, dass sie pro Jahr etwa 400 Kronen verdienten, oft aber auch weniger.

Die mursmäckorna konnten sich im 19. Jahrhundert, da es sich um Frauen handelte, keiner Gewerkschaft anschließen, wurden daher sehr häufig zu kostenlosen Überstunden gezwungen und waren in der Regel von November bis März arbeitslos, mussten sich also in dieser Zeit eine andere Beschäftigung suchen. Im sozialen Rang gehörten diese Frauen, vor allem wenn sie unverheiratet waren, zur untersten Schicht die mit Prostituierten gleichgesetzt wurden. An eine eigene Wohnung konnten die mursmäckorna meist ebenfalls nicht denken, weswegen sie oft zu mehreren in einem Zimmer wohnten.

Da die Lebenshaltungskosten, im Gegensatz zu ihren Löhnen, permanent stiegen, entschlossen sich die mursmäckorna in Stockholm zum Streik und legten am 4. Juli 1888 die Arbeit nieder. Ihre Forderung war eine Lohnerhöhung von 2 Öre die Stunde, was sehr bescheiden war, denn um diese Zeit kostete spisbröd (eine Art Knäckebrot) 30 Öre und ein Kilogramm Fleisch 80 Öre. Da zum ersten Mal Frauen in Schweden streikten, erregte dies in der Presse sehr viel Aufmerksamkeit und die Arbeitgeber entschieden sich den Forderungen nachzukommen und bezahlten den Frauen nach drei Tagen Streik 18 Öre pro Stunde. Schon wenige Jahre später wurde dieser Lohn, auf der Grund der einsetzenden Krise, jedoch wieder auf 14 Öre reduziert.


4. Juli 1374: Die Heilige Birgitta im schwedischen Vadstena
4. Juli 1799: Oscar I., König von Schweden und Norwegen
4. Juli 1967: Stieg Trenter und der Kriminalroman mit Stockholmer Milieu
4. Juli 1969: Die Eisenhütte Herräng schließt nach vier Jahrhunderten
4. Juli 2002: Der schwedische Architekt Sten Samuelson

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 23. April 2014

Die Entstehung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens

Auch wenn die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens (abgekürzt S oder SAP) erst am 23. April 1889 in Stockholm gegründet wurde, so geht die Geschichte der Socialdemokraterna bis ins Jahr 1881 zurück, als August Palm in Malmö seine Rede Hvad vilja socialdemokraterna? hielt. Bereits bei dieser ersten Rede legte Palm die Grundlinie der Partei vor, die notwendig war um die Sozialdemokraten an die Spitze zu führen, denn er forderte das allgemeine Wahlreicht aller Schweden, denn zu dieser Zeit entschieden nur etwa fünf Prozent der männlichen Schweden über die Politik des Landes.

Als dann 1889 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens entstand, so bildete die Partei als solches und der Gewerkschaftsbund LO eine Einheit die den Arbeitern des Landes Vertrauen geben sollte. Erst 1889 wurden Politik und Gewerkschaft voneinander getrennt, auch wenn der LO nach wie vor die gesamte Linie der Sozialdemokraten beeinflusste. Es sollte sieben Jahre dauern bis es der neuen Partei gelang mit Hjalmar Branting einen Vertreter der Arbeiterbewegung in den Reichstag zu bringen, da die konservative Schicht Schwedens die Gefahr der Arbeiterbewegung sehr schnell erkannt hatte und dessen Einfluss verhindern wollte.

Während des Ersten Weltkrieges begann sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu splittern was letztendlich dazu führe dass sich der kommunistische Flügel der Partei im Mai 1917 abspaltete und die Sozialdemokraten eine mehr moderate Stellung einnehmen konnten. Durch mehrere bedeutende Streiks zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich die Position der Partei zu stärken, auch wenn es noch bis 1919 dauern sollte um einen Arbeitstag von acht Stunden durchzusetzen und Frauen erst 1921 das erste Mal wählen durften.


23. April 1847: Erik Gustaf Geijer, der nationalistische Dichter Schwedens
23. April 1889: Die schwedische Prinzessin Eugénie
23. April 1906: Der religiöse Dichter Anders Frostenson
23. April 1938: Anna Maria Roos, vom Schulbuch zum Drama und zum Kinderbuch
23. April 1941: Karin Boye und die Zerbrechlichkeit einer Schriftstellerin
23. April 1942: Das nordische Folkbåt (Volksboot) läuft vom Stapel
23. April 1967: Musik, Vergnügen und Essen im Stockholmer Nalen

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 15. Juli 2013

Der Streik der Busfahrer, nur ein halber Erfolg

Am 15. Juli 2008 ging der Streik der Fahrer der kommunalen Busfahrer zu Ende, der seit dem 1. Juli des Jahres zu einer harten Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft und den Busunternehmen geführt hatte, zumal die Unternehmen auf den Streik auch mit Aussperrungen reagiert hatten und die Arbeitsbedingungen der Busfahrer geradezu als idyllisch dargestellt hatten und einen veränderten Tarifvertrag und Lohnerhöhungen geradezu als unakzeptabel bezeichneten.

Die Gewerkschaften forderten bei dieser Auseinandersetzung jedoch nichts unmögliches, sondern forderten nur eine feste Anstellung nach zwei Jahren Zeitverträgen, eine tägliche Pause von mindestens elf Stunden und eine Anpassung der Gehälter an die Preissteigerungen, die den Lohnerhöhungen der Industriearbeiter entsprechen. Wie üblich bei Konflikten in diesem Gewerbe, brach der Streik in Stockholm aus, da dort die Störungen, trotz der Sommerpause, am größten sind. Geplant war eine Ausdehnungen des Streiks auf ganz Schweden, der durch einen neuen dreijährigen Tarifvertrag ab dem 15. Juli jedoch abgeblasen wurde.

Der Streik hatte in Stockholm etwa 100.000 Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel betroffen und weitere 15.000 in Västerbotten und blieb daher noch in einem überschaubaren Rahmen. Der neue Tarifvertrag, der etwa 18.000 Angestellte in rund 500 Unternehmen betraf, wurde von der übergreifenden Gewerkschaft als Erfolg gefeiert, auch wenn die Stockholmer Gewerkschaft der Transportunternehmen von einem Verlust sprach, da die Busunternehmen einige Ausnahmegenehmigungen bei den Ruhepausen durchsetzen konnten, die einen Teil der Forderungen geradezu annullierten. Die Dachorganisation der Gewerkschaft hatte Ausnahmegenehmigungen problemlos durchgewinkt.


15. Juli 1240: Der schwedische Kreuzzug ins russische Reich 
15. Juli 1949: Carl Bildt, diplomatischer Außenminister Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

Sonntag, 26. Mai 2013

Der Streik von Sundsvall, der erste Großstreik Schwedens

Als am 26. Mai 1879 der Streik der Forstarbeiter in Sundsvall ausbrach, war die Stadt auf 9000 Einwohner angewachsen und gehörte mit zu den bedeutendsten Städten Schwedens, die vor allem durch eine industrielle Revolution der Sägewerke entstanden war. Das Problem war jedoch, dass sich nur die Besitzer der 23 Sägewerke bereicherten und die Arbeiter mit ihren Familien in der größten Armut gehalten wurden, da sie nicht nur durch ihren Lohn von den Holzherren abhängig waren, sondern diesen auch die Wohnungen der Arbeiter gehörten. Oft musste in einem Raum nicht nur eine Familie mit mehreren Kindern leben, sondern die Besitzer brachten zusätzlich einen ledigen Arbeiter dort unter.

Als im Jahre 1879 Holz plötzlich weniger gefragt wurde und damit der Gewinn der Unternehmer sank, wollten diese sich nicht mit weniger Geld zufrieden geben, sondern senkten die Löhne der Arbeiter, die zwölf Stunden am Tag arbeiten mussten und schon mit dem alten Lohn kaum über die Runden zu kamen. Als dann noch bekannt wurde, dass die Holzunternehmen Sundsvalls vom Staat mit drei Millionen Kronen unterstützt wurden, damit sie die Krise überstehen konnten und diese deswegen ein großes Fest feierten, natürlich ohne Arbeiter, entschieden sich die Arbeiter der Sägewerke zu reagieren.

Als dann am 26. Mai das erste Sägewerk die Arbeit niederlegte und der Streikzug von Sägewerk zu Sägewerk zog, hatten sich am Nachmittag die Arbeiter von 22 der 23 Sägewerke der Bewegung angeschlossen und man zählte rund 5000 Arbeiter bei der Demonstration. Erneut sollte sich jedoch zeigen, dass ein Arbeiter in Schweden nicht zählte, denn die Arbeitgeber erhielten Unterstützung vom Militär und die Lokalregierung drohte jedem Arbeiter, der nicht sofort an die Arbeit zurückkehrte, ihn ins Gefängnis zu stecken und die Familie aus den Wohnungen zu werfen. Damit war der Streik erledigt. Diejenigen, die man als Anführer des Streiks betrachtete, wurden gefangen genommen und die Familien aus Sundsvall vertrieben.


26. Mai 1888: Karolina Widerström, die erste Ärztin Schwedens 
26. Mai 1931: Sven Delblanc, Autor und Literaturwissenschaftler

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 14. Mai 2011

Todesschüsse in Ådalen ändern die Geschichte Schwedens

Am 14. Mai 1931, vor genau 80 Jahren, wurden vom schwedischen Militär fünf Personen getötet und fünf weitere verletzt, weil sich die Arbeiter in Ådalen für ihre Rechte einsetzten und mit einer Lohnsenkung nicht einverstanden waren. Die tatsächlichen Geschehnisse wurden bis heute nicht vollständig geklärt, da die Berichte der Arbeiter nicht mit jenen der Unternehmer oder des Militärs übereinstimmen und die Presse ebenfalls sehr unterschiedlich berichtete.

Sicher ist jedoch, dass die Krise der 30er Jahre zu Absatzschwierigkeiten führte, die Arbeiter jedoch nicht mit noch weniger Geld auskommen konnten. Seit Anfang 1930 brodelte bereit ein Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft wegen Lohnsenkungen, was auch zu mehreren Streiks führte und am 13. Mai 1931 ihren Höhepunkt erreichte und 6000 Arbeiter zu gemeinsamen Aktionen zusammenführte.

Da die Unternehmen, trotz der Streiks, ihre Aktivitäten aufrecht halten wollten, stellten sie Studenten und professionelle Streikbrecher für die notwendigen Arbeiten ein, was teilweise zu sehr gewaltsamen Ausschreitungen führte. Da es in Schweden damals noch keine nationale Polizei gab, durften die zu Hilfe gerufenen Beamten nicht eingreifen und die Lokalregierung bat um Hilfe des Militärs. Während einer abschließenden Demonstration glaubten einige Soldaten Waffen in den Händen der Demonstranten zu sehen und Schüsse zu hören. Sie eröffneten daher selbst das Feuer und töteten vier Demonstranten und einen Zuschauer.

Dieses Ereignis in Ådalen, das als reiner Arbeitskampf begann und von dem die linken Parteien Schwedens noch heute sprechen, hatte vor allem zwei Wirkungen auf die schwedische Geschichte. Zum einen richtete sich eine starke Kritik gegen das militärische Eingreifen und das Volk forderte, dass sich Schüsse von Militärs auf Streikende nie mehr wiederholen dürfen. Zum anderen wurde nach dem Ereignis die Diskussion über eine nationale Polizei eingeleitet, die dann bereits 1933 gegründet wurde und das Militär bei Aufruhr ersetzte.

14. Mai 1959: Schweden führt die allgemeine Zusatzpension ATP ein
14. Mai 1981: Die Schwedische Zeichensprache wird offiziell anerkannt

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

Donnerstag, 24. März 2011

Streik der Waldarbeiter in Schweden

Am 24. März 1975 begann einer der bedeutendsten Streiks in Schweden. Zu Beginn streikten rund 8000 Waldarbeiter Schwedens, aber bald waren es 15.000, die die Arbeit niederlegten und einen festen Monatslohn verlangten, der ihnen erst nach etwas über zwei Monaten Streik (am 3. Juni 1975) zugebilligt wurde.

Die Unruhe der schwedischen Waldarbeiter ging bis zu den 50er Jahren zurück, als die Industrialisierung und Mechanisierung sich in Schweden immer mehr durchsetzten und Säge und Axt durch Maschinen ersetzt wurden, die nicht nur schwerer in der Handhabung waren, sondern auch zu häufigeren Unfällen und einer permanenten Lärmbelästigung führten, ohne dass jedoch Waldarbeiter von kurzfristigen Kündigungen und schlechter Bezahlung geschützt wurden. Mit staatlichen Forschungsgelder, die dann ab den 60er Jahren dafür bezahlt wurden noch effektivere maschinelle Methoden der Waldarbeit zu entwickeln, verschlechterte sich die Situation der Waldarbeiter erneut.

Als dann 1975 die Abkommen zwischen Waldarbeiter-Gewerkschaften und der holzverarbeitenden Industrie ausliefen, forderten die Waldarbeiter endgültig einen festen Lohn und griffen zum Streik, der erst beendet werden sollte, wenn ihre Forderung erfüllt war. Ein Teil der Gewerkschaften der Waldarbeiter unterstützte den Streik, andere, und vor allem der Dachverband LO standen auf Seiten der Arbeitgeber, was dazu führte, dass der Streik als wilder Streik eingestuft wurde.

24. März 1817: Fritz von Dardels schwedische Kulturgeschichte
24. März 1948: Sigrid Hjertén, Malen bis zur Psychose 

Copyright: Herbert Kårlin