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Mittwoch, 16. November 2016

Der schwedische Ministerpräsident Edvard Carleson

Edvard Carleson wurde am 16. November 1820 als Sohn eines Oberleutnants in Valstad im Östergötland geboren und war, vor der Staatsreform im Jahre 1876, der vorletzte Politiker Schwedens der den Titel Justitiestatsminister trug und damit gleichzeitig Ministerpräsident, Justizminister und Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs war. Bereits sein Nachfolger, Louis De Geer der Ältere war nur kurze Zeit noch Justitiestatsminister um dann 1876 vom König als Ministerpräsident eingesetzt zu werden. Edvard Carleson war daher während seiner kurzen Amtszeit, nach dem König natürlich, die wichtigste Person Schwedens.

Edvard Carleson studierte Jura an der Universität Uppala um unmittelbar danach eine Karriere am Svea Oberlandesgericht zu beginnen, wo er auch ab 1860 zum Richter ernannt wurde. Carleson verkehrte in diesen Jahren vor allem in liberalen Kreisen und war ein Fürsprecher der Religionsfreiheit  und der feien Wirtschaft, die die Macht und den Einfluss Schwedens stärken sollten. Der politische Einfluss Carlesons war indes bis 1875 relativ eingeschränkt, auch wenn er als Adeliger und Ritter bereits ab 1850 im Reichstag vertreten war. 1875 wurde Carleson dann von Oscar II. zum Justitiestatsminister ernannt und stand an der Spitze der Macht in Schweden.

Warum Oscar II. ausgerechnet Edvard Carleson dieses Amt anvertraute, lag vermutlich an seiner liberalen Einstellung und der Hoffnung des Königs dass dieser dadurch positiv auf das Volk einwirken könne, denn die Zeit war turbulent, da die Industrialisierung des Landes auch zur Armut führte, die Arbeiterbewegung wuchs und Schweden zudem in eine finanzielle Krise geriet. Sehr schnell zeigte sich jedoch dass Carleson der Aufgabe nicht gewachsen war und ein stärker Politiker nötig war um Schweden aus der Tiefphase zu führen. Bereits am 11. Mai 1875 setzte der König daher Louis De Geer als Nachfolger Carlesons ein. Edvard Carleson kehrte zurück zu seinem Amt als Richter und starb am 1. April 1884 in Stockholm.


16. November 1779: Pehr Kalm, ein Apostel des Botanikers Carl von Linné
16. November 1785: Johan Gottschalk Wallerius und die schwedische Landwirtschaft
16. November 1901: Die Nobelbibliothek der Schwedischen Akademie
16. November 1912: Volksbildung wird in Schweden zur Arbeiterbewegung
16. November 1940: Albert Engström, Humor als Ausdrucksmöglichkeit
16. November 1944: Expressen, die Zeitung gegen den Nationalsozialismus
16. November 1969: Die heutige Jakobskirche in Stockholm 

Copyright: Herbert Kårlin

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Donnerstag, 6. Oktober 2016

Svensk Form um schwedisches Design bekannt zu machen

Bereits im Jahre 1845 hatte der schwedische Volksforscher und Künstler Nils Månsson Mandelgren eine Sonntagsschule gegründet in der Kunsthandwerker das Zeichnen als Grundlage für Design lernen konnten. Dieser Schule fügte Mandelgren am 6. Oktober 1845 den Verein Svenska Slöjdföreningen an, einen Verein, der heute unter dem Namen Svensk Form bekannt ist und im Auftrag der Regierung die Formgebung und das Design schwedischer Künstler und Kunsthandwerker national und international bekannt machen soll, insbesondere durch die Herausgabe der Zeitschrift Form, durch die Vergabe von Preisen und das Organisieren von Ausstellungen.

Nils Månsson Mandelgren hatte die Svensk Slöjdförening, die 1976 den Namen Svensk Form annahm, gegründet um das schwedische Kunsthandwerk gegen die steigende Industrialisierung zu verteidigen, die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte und begann Massenproduktionen auf dem Markt zu verbreiten. Gleichzeitig wollte er einen Gegenpol zur wachsenden Anzahl an Handwerkern schaffen, die keiner Gilde angeschlossen waren und teilweise schlechte und billige Imitate anboten. Mit diesem Gedanken stand Mandelgren natürlich nicht allein da, denn auch die Tekniska Skolan, das heutige Konstfack in Stockholm, wurde in jenen Jahren aus dem gleichen Grund gegründet.

Aber auch wenn die Formgebung von Beginn an bedeutend für den heutigen Svensk Form war, so richtete sich dies bis Ende des 19. Jahrhunderts mehr auf Kunstgegenstände und erst ab 1896 wurde das Alltagsdesign, unter anderem Möbel, bedeutend, in einer Zeit, als auch Frauen der Zugang zu künstlerischen Ausbildungen möglich geworden war, die bis 1857 auch von jeder Ausbildung des Vereins ausgeschlossen waren. Der Verein Svensk Form, der sich heute vor allem durch Ausstellungen einen Namen macht, spielte während der ersten 100 Jahre seines Bestehens eine bedeutende Rolle in der Geschichte von schwedischem Design und Kunsthandwerk, denn der Vorläufer von Svensk Form war eine der treibenden Kräfte für sie Stockholmausstellung 1851, die Stockholmausstellung 1897, die 15 Jahre später organisiert wurde, sowie für die Stockholmausstellung 1930 und die Helsingborgausstellung 1955.


6. Oktober 1550: Karin Månsdotter, die erste bürgerliche Königin Schwedens
6. Oktober 1820: Jenny Lind erscheint auf einem schwedischen Geldschein
6. Oktober 1821: Der schwedische Naturwissenschaftler Anders Jahan Retzius
6. Oktober 1869: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
6. Oktober 1872: Der Sturz des Ministerpräsidenten Carl Gustaf Ekman
6. Oktober 1888: Der schwedische Künstler Einar Nerman 
6. Oktober 1942: Anna Wahlgren und die Bibel für Mütter
6. Oktober 1942: Anna Wahlgren und das Barnaboken
6. Oktober 1946: Per Albin Hansson, ein Antialkoholiker als Ministerpräsident
6. Oktober 1958: Die Mosebackes Monarchie wird ausgerufen

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 27. August 2016

Die schwedische Schriftstellerin Kerstin Ekman

Kerstin Ekman kam am 27. August 1933 als Tochter eines Fabrikanten in Risinge unter dem Namen Kerstin Hjort zur Welt und wuchs vor allem in Katrineholm auf, dem Handlungsort ihrer bedeutendsten Bücher. Nach ihrer Hochschulreife besuchte Ekman die Universität Uppsala, die sie 1957 mit einem Magister in Philosophie verließ. Anschließend arbeitete die Schriftstellerin bei einer Filmgesellschaft und später (1966 bis 1970) als Lehrerin an der Volkshochschule Wiks, wobei Ekman allerdings bereits ab 1959 Kriminalromane mit mittlerem Erfolg veröffentlichte.

Während ihrer Arbeit als Lehrerin hatte Kerstin Ekman sich jedoch entschlossen vom Krimi  zur Romanliteratur zu wechseln, was 1970 zu ihrem ersten Roman Menedarna führte, einem Werk, das allerdings wenig ausgereift war. Der Durchbruch sollte für Ekman dann mit dem Buch Häxringarna kommen, dem ersten Band einer Tetralogie, die die Geschichte von Frauen in Katrineholm als Leitlinie hat, eingebunden in die Entwicklung der Gemeinde von einem Dorf zur Industriestadt. Als Ekman diese Tetralogie schrieb, wohnte sie bereits in Östersjäland an der Höga Kusten, einer Landschaft die zu einer Trilogie führen sollte, die erneut die Entwicklung eines kleinen Ortes zur modernen Zeit zeigt.

Bereits nach den ersten beiden Bänden ihrer Tetralogie Kvinnorna och staden hatte Kerstin Ekman ihren Ruf als herausragende Literatin gewonnen, der dazu führte, dass sie 1978 als dritte Frau Schwedens, nach Selma Lagerlöf und Elin Wägner, in die Svenska Akademien gewählt wurde. Als sich 1989 die Akademie allerdings weigerte sich hinsichtlich Salman Rushdie an die Regierung zu wenden, beendete Ekman jede Mitarbeit mit der Svenska Akademien, auch wenn die Wahl in die Organisation auf Lebenszeit läuft und ein Austritt daher nicht möglich ist. Peter Englund verbreitete später dass der Rückzug Ekmans auf mehreren Streitpunkten beruhte, eine Aussage, der die Schriftstellerin öffentlich widersprach. Trotz ihres hohen Alters veröffentlichte Kerstin Ekman noch 2015 ein Buch über Clas Bjerkander, einen der Lehrlinge von Carl von Linné.

Copyright: Herbert Kårlin

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Donnerstag, 19. Mai 2016

Knut Agathon Wallenberg, Bankier, Mäzenat und Politiker

Knut Agathon Wallenberg kam am 19. Mai 1853 als Sohn eines Seeoffiziers in Stockholm zur Welt und hatte ursprünglich den Plan in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, hatte jedoch auch sehr früh eine solide Ausbildung als Bankkaufmann in Paris erworben, da sein Vater 1856 die Stockholms Enskilda Bank gegründet hatte, die sich anfangs sehr erfolgreich zeigte, während der Finanzkrise jedoch nur durch eine staatliche Unterstützung dem Konkurs entgehen konnte. Als Wallenberg denn 1886, nach dem Tod seines Vaters, die Bank übernahm, war Schweden im industriellen Aufschwung und das Bankgeschäft florierte.

Nachdem Knut Agathon Wallenberg auch Beziehungen zu französischen Banken hatte und Kredite in Schweden eine hohe Nachfrage aufwiesen, gelang es dem Bankier die  Stockholms Enskilda Bank in dieser Zeit zu einer der wichtigsten Banken der schwedischen Hauptstadt zu machen. Wallenberg war damit eine der Personen, die Schweden den industriellen Durchbruch ermöglichten, sich aber auch gleichzeitig in einen der reichsten und einflussreichsten Personen Schwedens verwandelte. Das hohe Einkommen Wallenbergs diente dem Bankier wiederum für Investitionen, unter anderem im Bergbau und im Immobilienmarkt.

Knut Agathon Wallenberg hatte jedoch nicht nur seinen persönlichen Wohlstand im Auge, sondern als wichtiger Politiker Stockholms dachte er auch an die Entwicklung Schwedens und ermöglichte, unter anderem durch eine bedeutende Spende, den Bau der Handelshochschule in Stockholm. Als Außenminister in den Kriegsjahren 1914 bis 1917 gelang es dem Politiker, unter Hjalmar Hammarskjöld, auch einen deutlichen Gegenpol gegen die deutschfreundlichen Strömungen in Regierung und Königshaus schaffen und damit die Stellung Schwedens zu stärken. Bereits 1917 gründete Wallenberg dann, gemeinsam mit Alice Wallenberg, seiner Ehefrau, die Knut und Alice Wallenberg Stiftung, die für ihre Einsätze in Kultur und Wissenschaft bekannt ist. Knut Agathon Wallenberg starb am 1. Juni 1938 im Alter von 85 Jahren in Stockholm.


19. Mai 1793: Jean Eric Rehn und der gustavianische Stil Schwedens
19. Mai 1890: Die Entwicklung der schwedischen Reederei Nordstjernan
19. Mai 1897: Der Silberschmied und Hofjuwelier Wiwen Nilsson
19. Mai 1903: Carl Snoilsky und die kulturelle Revolution Schwedens
19. Mai 1951: Religionsfreiheit und Svenska Kyrkan in Schweden
19. Mai 1956: Der schwedische Regisseur Kristian Petri

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 12. Mai 2016

Der englisch-schwedische Techniker und Industrielle Samuel Owen

Samuel Owen kam am 12. Mai 1774 im englischen Norton-in-Hales zur Welt und machte in Birmingham eine solide Ausbildung als Konstrukteur und Techniker für Dampfmaschinen. Als der schwedische Erfinder Abraham Niclas Edelcrantz im Jahre 1804, bei einem Aufenthalt in England, vier Dampfmaschinen für mehrere Unternehmer Stockholms in England bestellte, forderte  er, dass ein Techniker mit den Maschinen nach Schweden kam um die Maschinen aufzubauen und in Gang zu setzen. Das britische Unternehmen wählte für diesen Zweck einen der größten Fachkräfte der Zeit aus, Samuel Owen.

Nach Abschluss der Arbeiten kehrte Samuel Owen ein Jahr später zurück nach England um dort eine neue Arbeitsstelle anzunehmen. Als 1806 Edelcrantz erneut eine Dampfmaschine für eines seiner Unternehmen bestellte, bat er erneut Owen diese zu installieren. Owen akzeptierte, aber nur einen Tag nach seiner Ankunft in Schweden, erschienen die Techniker des englischen Unternehmens und Owen bat daher seinen Auftraggeber ihm die Rückreise zu finanzieren. Noch bevor Owen jedoch das Geld bekam, erhielt er eine Anstellung in Stockholm und entschied sich in Schweden zu bleiben.

Für die schwedische Industriegeschichte sollte die Entscheidung Samuel Owens von größter Bedeutung sein, denn dieser leitete in Schweden die industrielle Revolution durch indem er in Stockholm die erste mechanische Werkstatt öffnete, die auch die Serienproduktion ermöglichte und die Herstellung von Geräten und Ziergegenständen aus Gusseisen revolutionierte. In diesem Zusammenhang erhielt Owen auch den Auftrag zahlreichen anderen Fabriken Schwedens beim Aufbau zu helfen und er schuf das erste Walzwerk des Landes. Auch wenn sich Samuel Owen dann auch noch als Erbauer von Schaufelraddampfern einen Namen machte, starb er am 15. Februar 1854 in relativ einfachen Verhältnissen in Stockholm, denn so bedeutend er auch als Techniker war, so wenig war er ein Geschäftsmann, der seine Erfindungen vermünzen konnte.


12. Mai 1496: Gustav Vasa, der berühmteste König Schwedens
12. Mai 1665: Magnus Stenbock stirbt in dänischer Haft
12. Mai 1831: Reichsmarschall Claes Adolph Fleming
12. Mai 1869: Albert Engström, Humor als Ausdrucksmöglichkeit
12. Mai 1936: Das Unglück auf dem Ormsjö in Lappland
12. Mai 1940: Lill Lindfors, 52 Jahre im Rampenlicht
12. Mai 1967: Der Kaknästornet in Stockholm
12. Mai 1968: Postleitzahlen in Schweden
12. Mai 1970: Nelly Sachs und die Gedichte zur Flucht des jüdischen Volkes
12. Mai 2005: Monica Zetterlund, ein Leben im Rampenlicht und im Schatten

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Der Ort Järle bei Nora erhält die Stadtrecht

Wer heute den kleinen Ort Järle bei Nora besucht, findet ein kleines Dorf mit rund 30 Einwohnern und kann sich kaum vorstellen, dass dieser Ort am 29. Oktober 1642 die Stadtrechte verliehen bekam und, da diese Rechte bis heute nicht zurückgezogen wurden, damit die vermutlich kleinste Stadt Schwedens ist, zumindest auf dem Papier, denn mit nur einem Café und einer Keramikwerkstadt wäre es vermessen sich bereits mit der nahen Kleinstadt Nora vergleichen zu wollen.

Um die Geschichte Järles, früher Jerle geschrieben, zu verstehen, muss man zurück zur Mitte des 16. Jahrhunderts, als dort der erste Eisenhammer in Betrieb genommen wurde mit dem die Industrialisierung des Ortes begann. Bis 1880 wurde in Järle nicht nur Eisen bearbeitet, sondern man fand hier auch eine Schmiede, eine Getreidemühle, ein Sägewerk und eine rege Aktivität, die arbeitswillige Kräfte aus dem ganzen Land anzog. Im 19. Jahrhundert war das Warenzeichen Jerle Bruk in ganz Europa bekannt, ein Warenzeichen, das erst im Jahr 2003 vollständig verschwand, als die letzten Teile der früheren Eisenhütte verkauft wurden.

Als Karl Bonde im Jahre 1629 Regierungspräsident der Region Närke und Bergslagen wurde, wollte dieser Järle zum Zentrum der Eisenindustrie der Region machen. Er plante ein Kanalsystem, das ermöglichen sollte das Eisen nach Stockholm und Göteborg zu transportieren und er sah in Järle die zukünftige Großstadt der Region. 1639 war Bonde dem Ziel sehr nahe, denn er begann den Marktplatz zu bauen und plante sowohl eine Domkirche als ein Gut für den König. Seine Methoden waren allerdings nicht bei allen Bürgern willkommen, denn Bonde drohte Kaufleuten aus Nora und Lindesberg mit einem Berufsverbot, sollten diese sich nicht in Järle ansiedeln. Noch bevor die Stadt wirklich entstanden war, erreichte es der Politiker, dank seiner Beziehungen, auch die Stadtrechte für Järle zu erhalten. Als dann jedoch der Bau der Kanäle verzögert wurde und die Eisenindustrie in eine Krise geriet, begann der Abstieg der Stadt Järle, die Mitte des 20. Jahrhunderts wieder zu einem Dorf geschrumpft war.


29. Oktober 1908: Lorens Marmstedt, vom Filmkritiker zum Produzenten
29. Oktober 1950: König Gustav V., der älteste König Schwedens
29. Oktober 1956: Die Schauspielerin und Komikerin Babben Larsson
29. Oktober 1971: Der schwedische Nobelpreisträger Arne Tiselius
29. Oktober 1998: Ein Fest in Göteborg wird zum Feuerinfierno
29. Oktober 2012: Cordelia Edvardson und das überlebte Auschwitz

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 7. August 2014

Der schwedische Gewerkschaftsbund LO

Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich in Schweden die Arbeiter der Städte zu organisieren, wenn auch noch in sehr eingeschränktem Masse und ihm Rahmen einzelner lokaler Berufsgruppen und als Interessenverbände. Erst nachdem August Palm seinen Vortrag Hvad vilja Social-Demokraterna gehalten hatte verstärkte sich diese Arbeiterbewegung und 1886 wurde dann die erste offizielle Gewerkschaft Schwedens gegründet, die Gewerkschaft der Drucker, der noch im gleichen Jahr eine Gewerkschaft der Postangestellten folgte.

Innerhalb kürzester Zeit entstanden dann zahlreiche Gewerkschaften, die überwiegend auch die gleichen Ziele hatten, denn es ging um den Arbeitstag von acht Stunden und das allgemeine Wahlrecht. Während zu Beginn der Aufruf zur Zusammenarbeit der Arbeiter vor allem über Pamphlete und lokale, teilweise illegale, Zeitungen in den Arbeitergegenden verbreitet wurde, kam mit der Gründung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens im Jahre 1889 eine übergreifende politische Bewegung hinzu, die den Gewerkschaften den tatsächlichen Durchbruch brachten.

Da sich die Grundforderungen aller  Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts sehr ähnlich waren, entstand auch bald die Idee eine Dachorganisation für alle Gewerkschaften zu schaffen, da nur dies die Möglichkeit bot auch einige der Forderungen durchzusetzen. Am 7. August 1898 kam es dann zur Gründung des Dachverbands LO (Landesorganisationen i Sverige). Bereits beim Gründungskongress waren die Vertreter von 24 organisierten Gewerkschaften, jene von 13 freien Fachverbänden und jene von 19 lokalen gewerkschaftlichen Vereinen vertreten, die die Rechte von rund 50.000 Arbeitern durchsetzen wollten. Im Laufe der kommenden hundert Jahre sollte die LO einen immer größeren Einfluss in der Arbeiterpolitik erhalten, sich aber auch teilweise von den ursprünglichen Werten lösen.


7. August 1598: Georg Stiernhielm, der Vater der schwedischen Skalden
7. August 1848: Jacob Berzelius und die Kennzeichnung der chemischen Elemente
7. August 1862: Victoria von Baden wird schwedische Königin
7. August 1869: Ellen Palmstierna und der Kampf für eine andere Zukunft
7. August 1890: Anna Månsdotter und die Todesstrafe in Schweden
7. August 1892: Der schwedische Künstler Einar Forseth 

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 2. Juni 2012

Jonas Alströmer bringt die Kartoffel nach Schweden

Am 2. Juni 1761 starb Jonas Alströmer, ein Mann, der den damals relativ kleinen Ort Alingsås auf die Landkarte setzte und ihn bereits im 18. Jahrhundert in ganz Schweden bekannt machte. Dabei sah die Zukunft Alströmers gar nicht so glanzvoll aus, da er aus einer sehr armen Familie stammte, kaum Schulbildung hatte und sich sehr früh mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten musste. Dies änderte sich erst als er mit einem Freund nach London ging, diesem half dort eine Firma aufzubauen und die Firma dann bald, sehr erfolgreich, ganz übernahm.

In England machte Jonas Alströmer Bekanntschaft mit der industriellen Bewegung, die dort am Wachsen war, was ihm die Idee brachte, die Industrialisierung nach Schweden zu bringen. 1715 kehrte er daher nach Schweden zurück und gründete dort mehrere Unternehmen. Dies verursachte natürlich erhebliche Spannungen mit den Kaufleuten in Göteborg, da diese am Import verdienten und nicht daran, dass Waren in der Stadt selbst hergestellt wurden. Alströmer wurde daher ihr größtes Feindbild, das ihre Gewinne schrumpfen ließ.

Wirklich bekannt wurde Jonas Alströmer jedoch nicht für die Industrialisierung, die er nach Schweden brachte, sondern wegen seinem Hobby, das die Landwirtschaft war. In einer Zeit, als in ganz Schweden die Hungersnot herrschte, baute er als erste Schwede Kartoffeln, Pflanzen, die vorher wegen ihrer Blumen nur in Botanischen Gärten zu finden waren, zum Genuss an. Auch wenn die Kartoffel von Alingsås aus dann ganz Schweden eroberte und die Hungersnot minderte, so kamen die Schweden jedoch auch sehr schnell auf die Idee, dass man aus Kartoffeln auch Schnaps brennen kann, was neue Probleme schuf.


Jonas Alströmer kam am 7. Januar 1685 in Alingsås zur Welt und starb am 2. Juni 1761 in Stockholm. Mitte Juni findet in Alingsås ein jährliches Potatisfestival, ein Kartoffelfestival, statt.

2. Juni 1871: Torben Andreas Grut, Schlösser und öffentliche Bauten
2. Juni 1938: Urlaub und Urlaubsanspruch in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Oscar II. und die Industrialisierung Schwedens

Als der schwedische König Oscar II. am 8. Dezember 1907 starb, hatte er, als einziger König Schwedens, die moderne Industrialisierung des Landes erlebt, aber auch die Auflösung der Union zwischen Norwegen und Schweden. Zwischen 1872 und 1905 regierte der Monarch sowohl über Schweden als auch Norwegen und die letzten beiden Jahre seines Lebens dann nur noch über Schweden, was er als grosse Niederlage betrachtete.

Oscar II., der überzeugt davon war, dass ein König ein Gesandter Gottes sei und daher über mehr Klugheit verfügt als andere Menschen, steuerte er sein Reich auch nach diesem Prinzip. Dies führte im positiven Sinne dazu, dass er auch an den modernen industriellen Entwicklungen teilhaben wollte. Während der Industrieausstellung in Stockholm wurde die Ankunft des Königs gefilmt und 1904 ließ er im Schloss das Telefon installieren. Oscar II. erlebte den Ballonflug, die erste Straßenbeleuchtung, die Telegraphie, das erste Auto und die erste Straßenbahn, all die Errungenschaften, die wegweisend für das heutige Leben sind.

Der Glaube, dass Oscar II. von Gott zum König bestimmt war, führte allerdings auch zur Auflösung der Union zwischen Norwegen und Schweden, da der König sich weigerte auf norwegische Berater zu hören und jede Krise zwischen Norwegen und Schweden als Revolution Norwegens und eine Auflehnung gegen Gott betrachtete. Kompromisse kamen für Oscar II. nicht in Frage, was 1905 schließlich dazu führte, dass Norwegen die Vormundschaft des Monarchen vollständig ablehnte und eine von Schweden unabhängige Regierung schuf.

8. Dezember 1818: Johan Gottlieb Gahn, der uneigennützige Chemiker Schwedens
8. Dezember 1972: Tony Olssons Weg zum Verbrecher 

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 27. Mai 2011

Die Krankenversicherung in Schweden

Obwohl die ersten Vorläufer einer Krankenversicherung in Schweden bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, entschied das schwedische Parlament erst am 27. Mai 1953 über eine obligatorische Krankenversicherung. Gleichzeitig wurde auch über eine allgemeine Pension beschlossen und aus dem Namen Sjukkassa (Krankenkasse) wurde der heutige Ausdruck Försäkringskassa (Versicherungskasse].

Auch wenn die ersten Krankenversicherungen in Schweden sehr früh geschaffen wurden, so entwickelte sich dieses System erst mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit verließen Knechte, Mägde und andere Dienstboten ihre Arbeitsstätten, die sie nicht nur gegen geringen Lohn arbeiten ließen, sondern ihnen bei Krankheit auch eine gewisse Absicherung boten. Mit dem Wechsel zu einem industriellen Arbeitsplatz stiegen zwar ihre Einkommen, aber sie sie wurden nur für geleistete Arbeit bezahlt und Arbeiter verarmten bei jeder längeren Krankheit.

1931 wurden dann die ersten Schritte unternommen um die hunderten von Krankenversicherungen Schwedens, die auch unterschiedliche Leistungen anboten, zu vereinen und das Grundsystem zu schaffen, das dann 1953 beschlossen und 1955 in Schweden als obligatorische Krankenkasse eingeführt wurde. Mit der 1931 erfolgten Umstellung wurden nicht nur staatliche Zentral-Krankenkassen für die langwierige Absicherung eingeführt und lokale Krankenkassen geschaffen, die bei Krankheit die ersten 21 Tage absichern mussten und für den Geldeinzug zuständig waren, sondern es wurde auch ein Schwangerschaftsgeld eingeführt, was insbesondere die Situation für größere Familien verbesserte.

27. Mai 1901: Artur Hazelius, das Nordische Museum und Skansen
27. Mai 2010: Der Käsetag in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. März 2011

Streik der Waldarbeiter in Schweden

Am 24. März 1975 begann einer der bedeutendsten Streiks in Schweden. Zu Beginn streikten rund 8000 Waldarbeiter Schwedens, aber bald waren es 15.000, die die Arbeit niederlegten und einen festen Monatslohn verlangten, der ihnen erst nach etwas über zwei Monaten Streik (am 3. Juni 1975) zugebilligt wurde.

Die Unruhe der schwedischen Waldarbeiter ging bis zu den 50er Jahren zurück, als die Industrialisierung und Mechanisierung sich in Schweden immer mehr durchsetzten und Säge und Axt durch Maschinen ersetzt wurden, die nicht nur schwerer in der Handhabung waren, sondern auch zu häufigeren Unfällen und einer permanenten Lärmbelästigung führten, ohne dass jedoch Waldarbeiter von kurzfristigen Kündigungen und schlechter Bezahlung geschützt wurden. Mit staatlichen Forschungsgelder, die dann ab den 60er Jahren dafür bezahlt wurden noch effektivere maschinelle Methoden der Waldarbeit zu entwickeln, verschlechterte sich die Situation der Waldarbeiter erneut.

Als dann 1975 die Abkommen zwischen Waldarbeiter-Gewerkschaften und der holzverarbeitenden Industrie ausliefen, forderten die Waldarbeiter endgültig einen festen Lohn und griffen zum Streik, der erst beendet werden sollte, wenn ihre Forderung erfüllt war. Ein Teil der Gewerkschaften der Waldarbeiter unterstützte den Streik, andere, und vor allem der Dachverband LO standen auf Seiten der Arbeitgeber, was dazu führte, dass der Streik als wilder Streik eingestuft wurde.

24. März 1817: Fritz von Dardels schwedische Kulturgeschichte
24. März 1948: Sigrid Hjertén, Malen bis zur Psychose 

Copyright: Herbert Kårlin