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Mittwoch, 6. Februar 2019

Der schwedische Bauernzug im Jahr 1914

Bereits vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verbreiteten die konservativen Parteien Schwedens eine Angst vor ausländischen Spionen, einem möglichen Krieg auf schwedischem Raum und wollten damit die Bürger gegen die liberale Regierung von Karl Staaff aufstacheln, mit dem Ziel die Regierung zu hohen militärischen Ausgaben zu zwingen, was natürlich zu einer noch größeren Verarmung der Arbeiter und Städter geführt hätte. Um ihr Ziel zu erreichen, riefen sie insbesondere die konservativen Landwirte ganz Schwedens zu einer gigantischen Demonstration auf, die Gustav V. zeigen sollte, dass die alten Werte Schwedens von der Bevölkerung des Landes weiterhin gestützt werden.

Auf Grund einer landesweiten Organisation zogen daher am 6. Februar 1914 über 32.000 Bauern in Stockholm ein, die ihren Glauben an traditionelle Werte auch dadurch zum Ausdruck brachten. Jede Region zog in einer eigenen Gruppe durch die schwedische Hauptstadt, die Regionalfahne an der Spitze und die Bauern in ihren Nationaltrachten folgten. Die Demonstration erregte zwar große Aufmerksamkeit und Karl Staaff versprach die vorgebrachten Argumente der Bauern zu überdenken, ohne jedoch ein weiteres Versprechen abzugeben, denn in der Tat war dieser Bauernzug mehr ein Auseinandersetzung zwischen den konservativen Landbewohnern und den mehr fortschrittlichen Städtern, wo Arbeiter ganz andere Forderungen hatten als Landwirte.

Auch wenn zwei Tage später Hjalmar Branting bei einer Gegendemonstration in Stockholm mit Arbeitern über 50.000 Demonstranten sammeln konnte, so hatte der Bauernzug dennoch eine große Bedeutung für die Wahlen im gleichen Jahr, denn das Eingreifen des Königs führte dazu, dass Karl Staaff von seinem Amt zurücktrat und die kommende Regierung eine konservative Regierung mit Beamten wurde. Noch bedeutender war jedoch, dass dadurch auch eine sehr konservative Bauernbewegung entstand, die 1921 zum Reichsverband der Landwirte führte, die damit auch bei allen zukünftigen Wahlen in Schweden berücksichtigt werden musste. Die Rüstungsfrage war indes nach dem Bauernzug des Jahres 1914 zweitrangig geworden.


6. Februar 1816: Henrik Gahn, einer der bekanntesten Ärzte Schwedens
6. Februar 1837: Johan Anders Wadman, der Skalde, der an Alkoholmangel stirbt
6. Februar 1900: Rudolf Värnlund, der unverstandene Arbeiterliterat
6. Februar 1914: Der letzte politische Machtbeweis der schwedischen Könige
6. Februar 1927: Der nordschwedische Künstler Leander Engström
6. Februar 1929: Der schwedische Skiläufer Sixten Jernberg 
6. Februar 1975: Das Verbot von DDT in Schweden
6. Februar 1981: Der schwedische Musiker Jens Lekman 
6. Februar 1988: Die nationalistische Partei Sverigedemokraterna
6. Februar 1992: Der Nationaltag der Samen in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 2. Januar 2019

Die kommunistische Zeitung Ny Dag

Ab 1917 war das Folkets Dagblad Politiken des Organ der Kommunisten Schwedens. Als sich dann 1929 jedoch die Kommunisten in verschiedene Gruppen splitterten, entstand die Socialistiska Partiet als Vorläufer der heutigen Linken und entschied noch im Dezember des Jahres eine neue Zeitung als Parteiorgan auf den Markt zu bringen. Mit dieser Entscheidung wurde die  alsTageszeitung Ny Dag geboren, deren erste Nummer dann allerdings erst am 2. Januar 1930 Tageszeitung auf den Markt kam.

Mit dem Zweiten Weltkrieg bekamen in Schweden nicht nur alle Kommunisten Probleme, wobei ein Teil von ihnen auch in Lager gesperrt wurde, sondern auch die Zeitung Ny Dag spürte eine deutliche Veränderung, denn von 1940 bis 1943 wurde die Zeitung von der Regierung mit einem Transportverbot belegt, was indes sowohl den Kommunisten, als auch dem Ny Dag, zu einem Aufschwung verhalf. Ny Dag wurde in diesen Jahren auf illegale Weise verbreitet und wurde damit nicht nur einem Informationsblatt für die kommunistische Bewegung, sondern wurde auch von zahlreichen Gruppen gelesen, die sich gegen die nazistische Bewegung Hitlers in Schweden stellten.

Während der Chefredakteur der Zeitung Ny Dag im Februar 1931 von einer Gruppe Jugendlicher, die den Ideen Hitlers nahe standen, entführt werden sollte und 1940 eine ähnliche extreme Gruppe ein Attentat auf die Redaktion unternahmen, wurde Ny Dag Anfang der 50er Jahre geradezu ein Symbol der schwedischen Arbeiterbewegung und die Auflage stieg auf über 30.000 Exemplare pro Tag an. Erst als sich 1990 die heutigen Linken gründeten und sich vom sowjetischen Kommunismus abwandten wurde Ny Dag eingestellt. Das Parteiorgan Rött der heutigen Linken erscheint nun als Magazin nur noch viermal pro Jahr und kann daher kaum als Nachfolger von Ny Dag bezeichnet werden.


2. Januar 1296: Das Upplandslagen, schwedische Gesetze des Mittelalters
2. Januar 1512: Der schwedische Reichsvorstand Svante Nilsson
2. Januar 1749: Der Bischof und Sprachforscher Carl Gustaf Nordin
2. Januar 1824: Die Morgenzeitung Stockholms Dagblad 
2. Januar 1895: Folke Bernadotte wird in Israel ermordet
2. Januar 1909: Der schwedische Künstler Ivar Arosenius 
2. Januar 1926: Gustaf Lagerheim, der Gründer der Pollenanalyse
2. Januar 1974: Wärme, Öl und Benzin werden in Schweden rationiert
2. Januar 2000: Die Stabkirche in Skaga wird durch einen Brand zerstört

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 21. März 2018

Die Textilkünstlerin Hannah Ryggen

Hannah Ryggen kam am 21. März 1894 als Hannah Jönsson als Tochter eines Werkstattarbeiters in Malmö zur Welt und hatte sehr früh die Neigung zu einer künstlerischen Karriere, entschied sich dann jedoch für einen soliden Beruf und wurde mit 19 Jahren Lehrerin in Lund und dann in Malmö. Während dieser Zeit nahm Ryggen jedoch auch Privatunterricht im Zeichnen und Malen, unter anderem bei Fredik Krebs, der in Lund sein Atelier hatte. Im Jahr 1922 erhielt Ryggen ein Stipendium für ihre künstlerische Leistung, das sie für eine Studienreise durch Europa nutzte. Bereits in Dresden lernte sie dann den norwegischen Künstler Hans Ryggen kennen, heiratet ihn noch im gleichen Jahr und zog dann 1924 nach Norwegen.

Auch wenn das Künstlerpaar unter extrem einfachen Verhältnissen wohnte und arbeitete, war Hannah Ryggen sowohl in der Arbeiterbewegung Norwegens engagiert als auch in der Frauenbewegung Skandinaviens. Neben der eigenen künstlerischen Aktivität gab Ryggen auch Web- und Pflanzenfärbekurse in ihrer Umgebung um die Bevölkerung für die Kunst zu öffnen. Ab Ende der 30er Jahre hatte Ryggen auch immer mehr Ausstellungen, wobei sie 1937 an der Weltausstellung in Paris und 1939 an jener in New York teilnahm, dem Jahr, in dem sie als Textilkünstlerin ihren großen Durchbruch hatte.

Die Werke Hannah Ryggens sind nicht nur künstlerische Meisterwerke, sondern auch politische Manifeste, die die antifaschistische, antimilitaristische und feministische Einstellung der Künstlerin ausdrücken. Trotz dieser Aussagen konnte Ryggen auch während des Zweiten Weltkriegs im von Hitler besetzten Norwegen weiterarbeiten, auch wenn der Ehemann 1944 als Widerstandskämpfer und Waffenschmuggler festgenommen wurde. Hannah Ryggen, die am 2. Februar 1970 in Trondheim starb, hinterließ die Mehrheit ihrer Werke Museen, hinterließ jedoch auch ein unvollendetes gewebtes Selbstportrait, das noch im Rahmen festgespannt war.


21. März 1809: Die Konvention auf Åland
21. März 1833: Der schwedische Entomologe Carl Stål
21. März 1881: Anders Fryxell und der erste Geschichtsroman Schwedens
21. März 1917: Der schwedische Maler Arne Isacsson
21. März 1937: Der Järvsöbacken und das Skigebiet im Härjedalen
21. März 1940: Die Schriftstellerin und Designerin Helena Henschen
21. März 1966: Der schwedische Racerfahrer Kenny Bräck
21. März 1996: Göran Persson an der Spitze der Macht

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 20. Dezember 2016

Das Abkommen von Saltsjöbaden

Das Abkommen von Saltsjöbaden (Saltsjöbadsavtalet), das am 20. Dezember 1938 vom Gewerkschaftsbund LO und der Arbeitgebervereinigung SAF unterschrieben wurde, entwickelte sich sehr schnell zu einem Stützpfeiler des sogenannten schwedischen Modells, da dieses Abkommen zu Fragen des Arbeitsmarkts anschließend von allen anderen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden als Basis anerkannt wurde und zu einem Vorteil sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer wurde. Erst nach einem knapp 70-jährigen Bestehen des Abkommens zeigten sich auch Nachteile des Saltsjöbadsavtalet und die Arbeitgeberverbände setzten sich, wenn auch vergebens, für eine grundlegende Änderung des Abkommens ein.

Die Jahre vor dem Abkommen von Saltsjöbaden waren, mit dem Aufkommen der Arbeiterbewegungen, von mehreren Großstreiks und Unruhen geprägt und insbesondere die Fronten zwischen LO und SAF hatten sich verhärtet, da die Arbeitgeber keinerlei Zugeständnisse machen wollten. Als jedoch 1936 die Sozialdemokraten endgültig die Macht in Schweden übernahmen, waren die Arbeitgeber zum Umdenken gezwungen, da der politische linke Druck kaum zum Vorteil der Arbeitgeber sein konnte, es daher sinnvoll wurde bei Streitigkeiten die politische Macht zu reduzieren oder auszuschließen.

Das Abkommen von Saltsjöbadet umfasst vor allem vier verschiedene Gebiete, wobei der wichtigste Punkt dabei war immer zu Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen zu greifen und das politische Eingreifen bei einem Arbeitskonflikt auszuschließen war. Im Saltsjöbadsavtalet wurde auch klar geregelt in welcher Weise Verhandlungen zwischen den Parteien zu erfolgen hatten, welche Bedingungen bei Kündigungen gelten und welche Arbeiten auch im Falle eines Streiks durchgeführt werden müssen. Einige dieser Punkte wurden später neu verhandelt, ohne jedoch aus dem Rahmenwerk zu verschwinden, sondern lediglich um gesellschaftlichen und arbeitsrechtlichen Bedingungen angepasst zu werden.


20. Dezember 1483: Dialogus creatorum, das erste gedruckte Buch Schwedens
20. Dezember 1537: König Johan III., der Bauherr Schwedens
20. Dezember 1851: Der schwedische Nationalökonom Knut Wicksell
20. Dezember 1946: Peps Persson bringt Blues und Reggae nach Schweden
20. Dezember 1977: Die schwedische Sängerin Sonja Aldén 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 16. November 2016

Der schwedische Ministerpräsident Edvard Carleson

Edvard Carleson wurde am 16. November 1820 als Sohn eines Oberleutnants in Valstad im Östergötland geboren und war, vor der Staatsreform im Jahre 1876, der vorletzte Politiker Schwedens der den Titel Justitiestatsminister trug und damit gleichzeitig Ministerpräsident, Justizminister und Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs war. Bereits sein Nachfolger, Louis De Geer der Ältere war nur kurze Zeit noch Justitiestatsminister um dann 1876 vom König als Ministerpräsident eingesetzt zu werden. Edvard Carleson war daher während seiner kurzen Amtszeit, nach dem König natürlich, die wichtigste Person Schwedens.

Edvard Carleson studierte Jura an der Universität Uppala um unmittelbar danach eine Karriere am Svea Oberlandesgericht zu beginnen, wo er auch ab 1860 zum Richter ernannt wurde. Carleson verkehrte in diesen Jahren vor allem in liberalen Kreisen und war ein Fürsprecher der Religionsfreiheit  und der feien Wirtschaft, die die Macht und den Einfluss Schwedens stärken sollten. Der politische Einfluss Carlesons war indes bis 1875 relativ eingeschränkt, auch wenn er als Adeliger und Ritter bereits ab 1850 im Reichstag vertreten war. 1875 wurde Carleson dann von Oscar II. zum Justitiestatsminister ernannt und stand an der Spitze der Macht in Schweden.

Warum Oscar II. ausgerechnet Edvard Carleson dieses Amt anvertraute, lag vermutlich an seiner liberalen Einstellung und der Hoffnung des Königs dass dieser dadurch positiv auf das Volk einwirken könne, denn die Zeit war turbulent, da die Industrialisierung des Landes auch zur Armut führte, die Arbeiterbewegung wuchs und Schweden zudem in eine finanzielle Krise geriet. Sehr schnell zeigte sich jedoch dass Carleson der Aufgabe nicht gewachsen war und ein stärker Politiker nötig war um Schweden aus der Tiefphase zu führen. Bereits am 11. Mai 1875 setzte der König daher Louis De Geer als Nachfolger Carlesons ein. Edvard Carleson kehrte zurück zu seinem Amt als Richter und starb am 1. April 1884 in Stockholm.


16. November 1779: Pehr Kalm, ein Apostel des Botanikers Carl von Linné
16. November 1785: Johan Gottschalk Wallerius und die schwedische Landwirtschaft
16. November 1901: Die Nobelbibliothek der Schwedischen Akademie
16. November 1912: Volksbildung wird in Schweden zur Arbeiterbewegung
16. November 1940: Albert Engström, Humor als Ausdrucksmöglichkeit
16. November 1944: Expressen, die Zeitung gegen den Nationalsozialismus
16. November 1969: Die heutige Jakobskirche in Stockholm 

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Montag, 8. Februar 2016

Das Folkets hus (Haus des Volkes) in Göteborg

Mit der wachsenden Arbeiterbewegung in Schweden und den ersten Gewerkschaften Ende des 19. Jahrhunderts kam in Schweden auch der Ruf nach Versammlungslokalen auf, Räumen für die Volksbildung und nach kulturellen Veranstaltungen für Arbeiter. In dieser Bestrebung entstand am 27. September 1890 in einer Werkstatt in Kristianstad das erste Folkets Hus (Haus des Volkes) Schwedens. Im gleichen Jahr plante man in Malmö den Bau eines Folkets Hus, das den Bedürfnissen von Arbeitern und Gewerkschaften weitaus näher kam als die Werkstatt in Kristianstad. Allerdings sollte das Folkets Hus in Malmö erst am 2. April 1893 eingeweiht werden und seine Arbeit aufnehmen.

Auch in Göteborg, wie in mehreren anderen Städten Schwedens, kam bereits Ende des 19. Jahrhunderts der Wunsch nach eigenen Räumen für Arbeiteraktivitäten auf, aber auch hier entschied man sich erst die Räume des lokalen Arbeitervereins am Järntorget dafür zu verwenden, wobei man die Räume am Järntorget vor allem wegen seiner langen Geschichte der Arbeiterbewegung wählte. Obwohl man sehr bald feststellte, dass man ein gesamtes Gebäude für die Treffen, den Unterricht und die Veranstaltungen benötigte, so sollte es noch bis 1944 dauern bis man den Architekten Nils Einar Eriksson mit dem Bau eines Folkets Hus am Göteborger Järntorget beauftragte. Am 8. Februar 1952 konnten die Gewerkschaften dann endlich in das Folkets Hus in Göteborg einziehen, denn an diesem Tag fand die Einweihung der Basisgebäude statt, das anschließend noch mit dem Kino Draken und dem Tanzrestaurant Vågen ergänzt wurde, die vier Jahre später eingeweiht wurden.

Seit 1952 hat sich das Folkets Hus in Göteborg natürlich sehr verändert, auch wenn das Kino Draken noch heute existiert und aus dem Tanzrestaurant Vågen das Dansforum wurde, also immer noch der Tanz im Zentrum steht. Die Hauptaktivität des Folkets Hus am Järntorget ist heute die Organisation von Konferenzen, die bei weitem nicht mehr alle mit der Arbeiterbewegung verknüpft werden können und das Folksteater zieht ebenfalls nicht mehr Arbeiter an, sondern Personen, die ein alternatives Theater suchen. In den zahlreichen Räumen des Folkets Hus in Göteborg findet man auch ein kleines „Museum“ mit mehreren bekannten Künstlern Göteborgs, aber auch diese Gemälde sind nicht mehr der Allgemeinheit zugänglich.

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Dienstag, 22. September 2015

Der satirische Zeichner und Künstler Ivar Starkenberg

Auch wenn Ivar Starkenberg im Laufe seines Lebens sehr viele unpolitische Zeichnungen aus dem Sport- und dem Kulturleben veröffentlichte und auch als Künstler tätig war, galt er bei seinem Tod am 22. September 1947 als einer der wichtigsten politischen, satirischen Zeichner Schwedens. Noch weniger bekannt als seine kulturellen Zeichnungen waren allerdings seine Gedichte, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hatte. Von seinem schöngeistiges Jugendwerk, das er unter dem Namen Brutus veröffentlicht hatte, wollte der Künstler später selbst nichts mehr wissen und gab vor sich nicht mehr daran zu erinnern.

Ivar Starkenberg war am 27. Februar 1886 als Sohn eines Zöllners in Stockholm zur Welt gekommen und begann mit 13 Jahren in wechselnden Berufen zu arbeiten, zu denen man keine Ausbildung benötigte, verdankte es jedoch seiner Intelligenz zum Buchhalter aufzusteigen und wurde 1990 Hausmeister im Reichstag. Um diese Zeit begann sich Starkenberg auch für Karikaturen zu interessieren, parallel zu seinem Engagement in der immer stärker werdenden Arbeiterbewegung Schwedens, was sich in seinem Album Farbröder aus dem Jahre 1912 zeigt, einer Sammlung an Karikaturen der damaligen Parlamentarier. Obwohl Starkenberg auch als Zeichner ein Autodidakt war, begann er ab 1913 satirische Zeichnungen in der Presse der Arbeiterbewegung zu veröffentlichen.

Sehr früh wurden die Karikaturen von Ivar Starkenberg in Zeitungen wie dem Social-Demokraten, Söndags-Nisse und dem Grönköpings Weckoblad veröffentlicht, wobei er ab 1912, gemeinsam mit Erik Lindorm, auch die satirische Zeitschrift Naggen, den schwedischen Simplicissimus, herausgab, die bis 1922 existierte. Auch wenn Starkenberg sich im Grunde am Rande des extrem linken Flügel der Sozialdemokraten Schwedens bewegte, entwickelte er sich ab den 20er Jahren zum wichtigsten zeichnerischen Agitator der Partei und erhielt auch den Auftrag mehrere der Plakate der Sozialdemokraten zu malen. Eine besondere Eigenart des satirischen Zeichners war, dass er bei der politischen Satire keine Auftragsarbeit annahm, sondern grundsätzlich nur seine selbst geschaffenen Werke zur Veröffentlichung anbot.


22. September 1782: Fredrik Westin, vom Portraitmaler zum Maler von Altarbildern
22. September 1790: Anders af Botin und die Geschichtsschreibung Schwedens
22. September 1855: Der schwedische Architekt Gunnar Asplund 
22. September 1906: Oscar Levertin, Autor, Literaturkritiker und Professor
22. September 1932: Ingo (Ingemar Johansson) wird Weltmeister im Schwergewicht
22. September 1959: Johan Norberg und der moderne Jazz Schwedens
22. September 1993: Kommerzielle Radiostationen erreichen Schweden
22. September 2008: Olov Svedelid, Kriminalromane im Stockholmer Milieu

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 12. November 2014

Der schwedische Ministerpräsident Rickard Sandler

Als Rickard Sandler am 12. November 1964 starb, hatten die Sozialdemokraten einen ihrer intellektuellsten Politiker verloren der die Arbeiterbewegung und die Politik Schwedens nicht nur von der Warte des Arbeiters betrachtete, sondern die Entwicklung Schwedens mehr im Sinne von Karl Marx sah, dessen Kapital er auch ins Schwedische übersetzte. Sandler zeichnete sich in seiner Politik dadurch aus, dass er keine harte Auseinandersetzung suchte, sondern erklären und überzeugen wollte, was ihm jedoch nicht nur Freunde innerhalb der Partei verschaffte.

Rickard Sandler war am 29. Januar 1884 in Torsåker im Ångermanland geboren worden, hatte ein Examen der Universität Uppsala und ein Lizentiat der Universität Göteborg, wobei er seine politische Karriere bereits während seiner Zeit in Uppsala einleitete. Seine Besonnenheit und seine Argumentation ermöglichten es, dass Sandler bereits im Alter von nur 26 Jahren in die Führungsschicht der Sozialdemokraten aufstieg und er war bis 1952 in diesem Rahmen aktiv. Erstmals im Parlament vertreten war Sandler im Jahre 1912, was ihn auch zu einem der jüngsten einflussreichen Politiker der Sozialdemokraten jener Zeit machte.

Dass Rickard Sandler im Jahre 1925 zum Ministerpräsidenten Schwedens ernannt wurde, war indes von keiner Seite geplant, aber als Hjalmar Branting erkrankte, war es logisch, dass ihm Fredrik Thorsson im Amt als Ministerpräsident folgen sollte. Dieser hatte jedoch kurz zuvor erfahren, dass er Magenkrebs hatte und konnte deshalb die Position nicht annehmen, musste nun jedoch selbst einen Ministerpräsidenten vorschlagen. Er stand zwischen Per Albin Hansson, der allerdings von der Opposition nicht akzeptiert war und eben Rickard Sandler, der von allen Seiten akzeptiert wurde. Allerdings konnte sich auch Sandler nur bis1926 als Ministerpräsident halten und stolperte dann über das Problem der steigenden Arbeitslosigkeit des Landes.


12. November 1860: Ola Hansson, der schwedische Schriftsteller ohne Heimat
12. November 1869: Carl Georg Brunius, ein Priester als Architekt und Kunstkenner
12. November 1887: Elisabeth Bergstrand-Poulsen, Künstlerin und Schriftstellerin
12. November 1921: Lars Gyllensten, philosphische Gedanken zum Alltagsleben
12. November 1921: Lars Gyllensten, ein schwarzes Schaf der Svenska Akademien
12. November 1961: Ernst Thörnberg, der vergessene sozioökonomische Schriftsteller
12. November 1965: Filippa K wird zum Modeimperium in Schweden
12. November 1987: Cornelis Vreeswijk, eine musikalische schwedische Legende

Copyright: Herbert Kårlin

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Donnerstag, 7. August 2014

Der schwedische Gewerkschaftsbund LO

Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich in Schweden die Arbeiter der Städte zu organisieren, wenn auch noch in sehr eingeschränktem Masse und ihm Rahmen einzelner lokaler Berufsgruppen und als Interessenverbände. Erst nachdem August Palm seinen Vortrag Hvad vilja Social-Demokraterna gehalten hatte verstärkte sich diese Arbeiterbewegung und 1886 wurde dann die erste offizielle Gewerkschaft Schwedens gegründet, die Gewerkschaft der Drucker, der noch im gleichen Jahr eine Gewerkschaft der Postangestellten folgte.

Innerhalb kürzester Zeit entstanden dann zahlreiche Gewerkschaften, die überwiegend auch die gleichen Ziele hatten, denn es ging um den Arbeitstag von acht Stunden und das allgemeine Wahlrecht. Während zu Beginn der Aufruf zur Zusammenarbeit der Arbeiter vor allem über Pamphlete und lokale, teilweise illegale, Zeitungen in den Arbeitergegenden verbreitet wurde, kam mit der Gründung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens im Jahre 1889 eine übergreifende politische Bewegung hinzu, die den Gewerkschaften den tatsächlichen Durchbruch brachten.

Da sich die Grundforderungen aller  Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts sehr ähnlich waren, entstand auch bald die Idee eine Dachorganisation für alle Gewerkschaften zu schaffen, da nur dies die Möglichkeit bot auch einige der Forderungen durchzusetzen. Am 7. August 1898 kam es dann zur Gründung des Dachverbands LO (Landesorganisationen i Sverige). Bereits beim Gründungskongress waren die Vertreter von 24 organisierten Gewerkschaften, jene von 13 freien Fachverbänden und jene von 19 lokalen gewerkschaftlichen Vereinen vertreten, die die Rechte von rund 50.000 Arbeitern durchsetzen wollten. Im Laufe der kommenden hundert Jahre sollte die LO einen immer größeren Einfluss in der Arbeiterpolitik erhalten, sich aber auch teilweise von den ursprünglichen Werten lösen.


7. August 1598: Georg Stiernhielm, der Vater der schwedischen Skalden
7. August 1848: Jacob Berzelius und die Kennzeichnung der chemischen Elemente
7. August 1862: Victoria von Baden wird schwedische Königin
7. August 1869: Ellen Palmstierna und der Kampf für eine andere Zukunft
7. August 1890: Anna Månsdotter und die Todesstrafe in Schweden
7. August 1892: Der schwedische Künstler Einar Forseth 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 23. April 2014

Die Entstehung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens

Auch wenn die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens (abgekürzt S oder SAP) erst am 23. April 1889 in Stockholm gegründet wurde, so geht die Geschichte der Socialdemokraterna bis ins Jahr 1881 zurück, als August Palm in Malmö seine Rede Hvad vilja socialdemokraterna? hielt. Bereits bei dieser ersten Rede legte Palm die Grundlinie der Partei vor, die notwendig war um die Sozialdemokraten an die Spitze zu führen, denn er forderte das allgemeine Wahlreicht aller Schweden, denn zu dieser Zeit entschieden nur etwa fünf Prozent der männlichen Schweden über die Politik des Landes.

Als dann 1889 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens entstand, so bildete die Partei als solches und der Gewerkschaftsbund LO eine Einheit die den Arbeitern des Landes Vertrauen geben sollte. Erst 1889 wurden Politik und Gewerkschaft voneinander getrennt, auch wenn der LO nach wie vor die gesamte Linie der Sozialdemokraten beeinflusste. Es sollte sieben Jahre dauern bis es der neuen Partei gelang mit Hjalmar Branting einen Vertreter der Arbeiterbewegung in den Reichstag zu bringen, da die konservative Schicht Schwedens die Gefahr der Arbeiterbewegung sehr schnell erkannt hatte und dessen Einfluss verhindern wollte.

Während des Ersten Weltkrieges begann sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu splittern was letztendlich dazu führe dass sich der kommunistische Flügel der Partei im Mai 1917 abspaltete und die Sozialdemokraten eine mehr moderate Stellung einnehmen konnten. Durch mehrere bedeutende Streiks zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich die Position der Partei zu stärken, auch wenn es noch bis 1919 dauern sollte um einen Arbeitstag von acht Stunden durchzusetzen und Frauen erst 1921 das erste Mal wählen durften.


23. April 1847: Erik Gustaf Geijer, der nationalistische Dichter Schwedens
23. April 1889: Die schwedische Prinzessin Eugénie
23. April 1906: Der religiöse Dichter Anders Frostenson
23. April 1938: Anna Maria Roos, vom Schulbuch zum Drama und zum Kinderbuch
23. April 1941: Karin Boye und die Zerbrechlichkeit einer Schriftstellerin
23. April 1942: Das nordische Folkbåt (Volksboot) läuft vom Stapel
23. April 1967: Musik, Vergnügen und Essen im Stockholmer Nalen

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 1. Dezember 2013

Die schwedische Bevölkerung zur Jahrtausendwende 1900

Am 1. Dezember 1900 zählte man in Schweden genau 5.136.441 Einwohner und hatte die Fünf-Millionen-Schwelle damit zum dritten Mal überschritten. Um diese Zeit hatte das Land gerade einmal rund 50.000 Einwanderer aus anderen Ländern, was einem Prozent der Bevölkerung entsprach und weit entfernt von der heutigen Menge liegt, denn bereits 2010 waren 26 Prozent der Einwohner ausländischer Herkunft. In gewisser Weise war die Jahrtausendwende in sehr vielen Punkten der Umbruch des Landes.

Am 1. Dezember 1900 stellte man zum ersten Mal fest, dass sich das immense Bevölkerungswachstum, das rund eine Million Schweden dazu zwang in die USA auszuwandern, verlangsamte. Im Grunde hätte man von einer Stabilisierung sprechen können, aber die Medizin hatte Fortschritte gemacht, denn auch wenn nun die Familien weniger Kinder hatten, so war auch die Kindersterblichkeit zurückgegangen und knapp 30 Jahre später stellte man zudem fest, dass nun mehr Personen in Schweden einwanderten als auswanderten. Das Bevölkerungswachstum wurde daher nur erheblich gebremst, aber schritt weiterhin fort.

Aber Schweden änderte sich um die Jahrtausendwende auch auf eine andere Weise, denn die Landwirtschaft wurde immer unrentabler und die Landbevölkerung hoffte nun in den Fabriken der Städte reich zu werden. Während sich Dörfer entvölkerten, wuchsen die Städte und die Armut zog ach dort ein. In dieser schwierigen Situation entwickelte sich gerade deswegen auch eine starke Gewerkschaftsbewegung und die Arbeiter begannen um das Wahlrecht zu kämpfen und hofften damit die Aristokratie abzuschaffen. Es sollte allerdings 30 Jahre dauern bis sich die neue und alte Arbeiterschicht der Städte dann wirklich Gehör verschaffen konnten, trotz einiger vorhergehender Streiks.


1. Dezember 1856: Die erste staatliche Eisenbahn in Schweden
1. Dezember 1934: Der schwedische Adventskalender

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 11. November 2013

Anton Nilson, ein Held als Verbrecher

Anton Nilson, in den Registern als Anton Nilsson aufgeführt, wurde am 11. November 1887 geboren und gehört zu den Legenden der sozialistischen und sozialdemokratischen Bewegung Schwedens, die zu Beginn mit aller Macht für die Rechte der Arbeiter kämpften, auch wenn es in diesem Fall einen Toten und mehrere Verletzte gab. Nilson war daher für die gewerkschaftlich engagierten Arbeiter ein Idol und für die Arbeitgeber und die Regierung ein gefährlicher Verbrecher.

Im Sommer 1908 streikten die Hafenarbeiter in Malmö für bessere Arbeitsbedingungen, was zu jener Zeit als gesetzeswidrig betrachtet wurde. Die Arbeitgeber riefen daher die Polizei und das Militär zu Hilfe, die für die Sicherheit der englischen Streikbrecher sorgen sollten. Die Malmöer Arbeiter sahen dies als Provokation an, aber nur wenige wagten es konkret dagegen vorzugehen. Anton Nilson, der damals Mitglied der Jungsozialisten war, war einer der wenigen, die sich von Polizei und Militär nicht abschrecken ließen, sondern er ruderte eines Nachts mit einer selbstgebauten Bombe zur Amalthea, auf der die Streikbrecher untergebracht waren, und sprengte das Schiff in die Luft. Da es dabei einen Toten und 23 Verletzte gab und die Gerichte ein Zeichen setzen wollten, wurde Nilson zum Tode verurteilt, was jedoch später in eine lebenslanges Zuchthausstrafe verwandelt wurde.

Mit der steigenden Bedeutung der Arbeiterbewegung Schwedens forderten dann jedoch sehr bald große Massen an Arbeitern die Freilassung von Anton Nilson und nicht nur in Schweden gingen dafür Arbeiter auf die Straße und wurden 130.000 Unterschriften für die Freilassung des Agitators gesammelt, sondern unter Joe Hill nahm die Angelegenheit eine internationale Dimension an. Nilson wurde für die Arbeiter ein Nationalheld. Erst als Schweden dann mit Edén-Branting eine neue und arbeiterfreundlichere Regierung erhielt, wurde Anton Nilson dann 1917 freigelassen, was letztendlich auch die Unruhen der Arbeiter dieser Zeit etwas dämpfte.


11. November 1882: Gustav VI. Adolf, der König mit Interesse für Archäologie 
11. November 2008: Der Tag der Schokolade (Chokladens Dag) in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 5. Februar 2013

Mäster Palm, der Schneider wird zum Agitator

Am 5. Februar 1849 kam August Teodor Palm in Fårabäck in Skåne zur Welt, ein Mann, der später als Mäster Palm bekannt wurde. Als August zehn Jahre alt war, starb der Vater und der Junge kam in eine Pflegefamilie eines Schneiders, wo er wie selbstverständlich auch dieses Metier erlernen musste. Als er mit 18 Jahren seine Wanderjahre begann, kam er in Dänemark und in Deutschland sehr schnell mit der Gewerkschaftsbewegung und dem sozialistischen Gedankengut in Kontakt und verstand die Macht, die davon ausgehen konnte.

Allerdings war der Weg zur Arbeiterbewegung und damit zur Sozialdemokratie nicht ganz einfach, denn aus Deutschland wurde er wegen seiner Aktivität als Kämpfer für die Rechte der Arbeiter ausgewiesen, so dass er seine Gesellenjahre nur in Dänemark abschließen konnte. Als Mäster Palm dann 1881 nach Schweden zurückkehrte, so war es für ihn eine klare Sache dort den damals noch sozialistischen Gedanken zu verbreiten und für die Rechte der Arbeiter einzutreten. Als erstes Forum bot sich für August Palm die Stadt Malmö an.

Am 6. November 1881 hielt Mäster Palm seine erste Rede zum Thema „Was wollen die Sozialisten?" und drei Wochen später hatte er bei seiner zweiten Rede bereits 800 Zuhörer. Am 18. Dezember begann August Palm dann durch Schweden zu reisen um seine Gedanken zu verbreiten. Überall im Land fand er Unterstützung, nicht zuletzt in Göteborg, wo er von Beginn an von C. M. Heurlin unterstützt wurde. Bereits 1882 gründete August Palm in Malmö die sozialdemokratische Zeitung Folkviljan und 1885 den Social-Demokraten. Obwohl Mäster Palm der Gründer der sozialdemokratischen Bewegung war, wurde er bald von Hjalmar Branting überschattet, nicht zuletzt deswegen, weil Palm das Königshaus und den schwedischen Militarismus kritisierte, was Branting elegant zu vermeiden wusste.


Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 16. November 2012

Volksbildung wird in Schweden zur Arbeiterbewegung

Der sozialdemokratische Politiker und Volkshochschullehrer Rickard Johannes Sandler hatte gegen 1910 die Idee eine Art Studienkreis und Bildungsverband zu schaffen, der Arbeitern den Zugang zu steigendem Wissen und einer Kompetenzentwicklung bietet. In diesem Rahmen suchte er unter den verschiedenen Gewerkschaften und Arbeiterverbänden Unterstützung. Bereits 1912 war es Sandler dann möglich genügend Gruppen zu vereinen, die gemeinsam bereit waren diese Aufgabe im Geiste der wachsenden Arbeiterbewegung zu übernehmen.

Am 16. November 1912 entstand dann der Arbetarnas Bildningsförbund ABF, der damit nicht nur der älteste Studienverband Schwedens ist, sondern sich auch zum größten Studienverband des Landes entwickelte und heute von 59 verschiedene Organisationen geleitet wird und mit weiteren 54 Organisationen eng zusammenarbeitet. Der ABF kann daher in allen Großgemeinden des Landes Kurse, Vorlesungen, kulturelle Veranstaltungen und Studienkreise anbieten, wobei der ABF auch dabei hilft, wenn Privatpersonen einen Studienkreis gründen oder aufbauen wollen.

Auch wenn jedes Jahr nahezu drei Millionen Schweden von einem der Angebote des ABF profitieren, so stellten die Verbände fest, dass immer mehr Personen die Organisation losgelöst von der schwedischen Arbeiterbewegung sehen. Seit 2006 will der ABF daher seine Aufgabe wieder deutlicher machen und darauf hinarbeiten, dass sämtliche Aktivitäten mit den grundlegenden Werten der schwedischen Arbeiterbewegung übereinstimmen und das Recht auf Ausbildung und die Teilnahme an kulturellen Ereignissen für Jedermann bedeutend hervorheben.


16. November 1779: Pehr Kalm, ein Apostel des Botanikers Carl von Linné
16. November 1940: Albert Engström, Humor als Ausdrucksmöglichkeit
16. November 1944: Expressen, die Zeitung gegen den Nationalsozialismus

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 30. Juli 2012

Karl Gustav Ossiannilsson, ein Literat der Widersprüche

Am 30. Juli 1875 wurde Karl Gustav Ossiannilsson, der eigentlich Ossian Nilsson hieß, in Lund geboren, der erste schwedische Schriftsteller aus bürgerlichem Haus, der sich in großen Zügen auf die Seite der arbeitenden Bevölkerung stellte, ohne jedoch alle Werte der Arbeiterbewegung zu übernehmen. Ossiannilson schrieb sein erstes Buch noch während seiner Zeit im Gymnasium in Malmö, wobei der Titel „Förteckning på svenska språket föremommande umbärliga främmande ord och uttryck“ bereits sehr provokativ war, da er damit eine reine schwedische Sprache ohne jedes Fremdwort forderte.

Im Jahre 1900 kam dann Ossianilssons Gedichtsammlung „5 dikter“ auf den Markt, die ihm unmittelbar einen Platz unter den beruflichen Autoren schaffte und ihm zu einem Aufenthalt in London verhalf, den Ellen Key organisierte und der Buchverlag Bonniers mit einem Stipendium von 1000 Kronen unterstützte, mit der Zusage verbunden, dass der Verlag alle künftigen Bücher des Autors verlegen werde. Insgesamt schrieb Karl Gustav Ossinnilsson dann, neben zahlreichen Artikeln in Zeitschriften, 120 Bücher und war ein oft eingeladener Redner.

Politisch engagierte sich Ossiannilsson im Sozialdemokratischen Jugendverband, wo er im Gründungsjahr 1903 auch zum Vorstand gewählt wurde. Diese Bindung hielt jedoch nur relativ kurze Zeit, da Karl Gustav gleichzeitig für nationalistische Propagandaschriften arbeitete. Schrittweise näherte sich Karl Gustav Ossionnilsson dann immer mehr der nationalistischen Bewegung, was dazu führte, dass er Mussolini als idealen Politiker Europas betrachtete und 1928 einer faschistischen Bewegung Schwedens beitrat. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nahm er dann von jeder politischen Bewegung Abstand, da er im Grunde gegen jede Unterdrückung des Volkes war.


30. Juli 1796: Nils Nordlander, ein Priester gründet die Stadt Skellefteå
30. Juli 2007: Ingmar Bergman macht schwedischen Film zum Exportschlager

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Dienstag, 1. Mai 2012

Der 1. Mai in Schweden

Der erste Mai ist auch in Schweden das Symbol der Arbeiterbewegung und wird seit dem 1. Mai 1890 in Erinnerung an die amerikanische Haymarket Affair des Jahres 1886 regelmässig für Kundgebungen benutzt. Als die linken politischen Gruppen Stockholms noch 1890 zur ersten Maidemonstration aufriefen, konnte man zu Beginn bereits rund 20.000 Personen zählen, deren Zahl bis zur Kundgebung im Stadtteil Gärdet auf 50.000 Teilnehmer angewachsen war, die alle Hjalmar Branting, Hinke Bergegren und August Palm hören wollten.

Bei dieser Rede wurde in Schweden erstmals offiziell der Acht-Stunden-Arbeitstag gefordert, wobei zu dieser Zeit auch noch alle linken Parteien gemeinsam auf die Straße gingen und nicht, wie heute, jede Gruppierung ihre eigene Demonstration organisiert. Es dauerte dann dennoch bis 1939 bis der erste Mai in Schweden zum Feiertag wurde. Zwischen 1939 und 2005 war dies der einzige allgemeine Feiertag Schwedens, der keine Beziehung zur Svenska Kyrkan hatte. 2005 kam dann auch der Nationaltag zur nicht-christlichen Serie der Feiertage hinzu.

Während der erste Mai ursprünglich nur von den sogenannten Arbeiterparteien für Kundgebungen beansprucht worden war, ausgenommen die Zeit während des Zweiten Weltkrieges, als alle Parteien für die Einigkeit und Unabhängigkeit Schwedens demonstrierten, begannen in Schweden ab 1987 auch die rechten Parteien ihr Engagement zu zeigen und bereits Ende des 20. Jahrhunderts sprachen rechte Parteien am erste Mai über ihre arbeiterfreundliche Politik und fügten dann auch noch ihre Meinung zum Kinderrecht hinzu, auch wenn diese Aufrufe bisher weitaus weniger Demonstranten auf die Straße brachten als die Aufrufe der linken Parteien.


1. Mai 1969: Schwedischer Reaktor entgeht nur knapp einer Kernschmelze
1. Mai 2009: Hochzeit für Homosexuelle in Schweden

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Sonntag, 11. Dezember 2011

Ellen Key und die befreite Arbeiterfrau

Am 11. Dezember 1849 wurde in der Nähe von Västervik Ellen Karolina Sofia Key geboren, die als Autorin, Pädagogin, Differenzfeministin und Atheistin bekannt wurde und ihre Spuren, in Form der Stiftung Strand, bis heute hinterlassen hat und daher einen Langzeitfeminismus betrieben hat. Ellen Key gehörte zu den ersten Frauen, die sich für ein Wahlrecht der Frauen, die Redefreiheit und das Persönlichkeitsrecht in Schweden einsetzten. Auch ihre pädagogischen Theorien leben bis heute fort.

Ellen Key war in der Arbeiterbewegung ebenso aktiv wie in der Gruppe der aktiven Antialkoholikerinnen, wobei viele ihrer Gedanken in jener Zeit geradezu revolutionär waren. Ellen Key lehnte sich, zum Beispiel, gegen die Religionen des Leidens auf, die die Frauen unterdrückt, zu leidenden Wesen macht, und unterrichtete daher in der von ihr gegründeten Sonntagsschule den Glauben an eine eigene Entscheidung und des positiven Denkens, was ihr die Feindschaft des religiösen Schicht Schwedens einbrachte.

Als Differenzfeministin ging sie auch gegen die Linie der allgemeinen Bewegung der Feministinnen an, da ihrer Meinung nach die Frau nicht die Gleichstellung mit dem Mann fordern sollte, sondern Frauen und Männer nun einmal Unterschiede aufweisen und die Frau daher ihren eigenen Weg gehen muss, der mit dem notwendigen Selbstbewusstsein die Frau auf eine Parallelebene zum Mann stellt, bei der selbst der biologische Unterschied zum Vorteil für beide werden kann.

Ellen Key schrieb Bücher zur Volksbildung, über die Arbeiterbewegung, über Feminismus und machte auch vor politischen Pamphleten nicht halt. Bekannt wurde sie jedoch mit ihrem zweibändigen Werk „Barnets århundrade“, das im Jahre 1900 erschien und in 26 Sprachen übersetzt wurde. In diesem Werk fordert sie Kinder zu selbstbewussten Menschen zu erziehen. Die Autorin Ellen Key, die in Strindbergs Roman „Svarta Fanor“ unter dem Namen Hanna Paj erscheint, verfügte in ihrem Testament, dass das Haus Strand in Omberg (am Vättern) ein Sommerheim für Arbeiterinnen sei sollte. Noch heute werden dort jeden Sommer Frauen aufgenommen um sich zu erholen und ihren Studien zu widmen. Ab Mitte April kann das Gebäude auch allgemein besichtigt werden.

11. Dezember 1741: Der Militärpriester und Dichter Jacob Fabricius
11. Dezember 2010: Terroristisches Attentat im weihnachtlichen Stockholm

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Dienstag, 26. April 2011

Der Folkets Park in Malmö

Am 26. April 1891 öffnete in Malmö der erste Folkpark (Volkspark) in Schweden, der damals noch Möllevångsparken hieß und in der Tat sogar der erste Volkspark weltweit war. Der Park wurde von der Malmöer Arbeiterbewegung gegründet um den Arbeitern der Stadt eine Alternative zu den Bierhallen zu bieten und um ihnen einen Platz für Versammlungen zu schaffen, aber auch um die Aktivitäten der sozialistischen Bewegung zu finanzieren, unter anderem das Folkets Hus und die Arbeiterzeitung.


Noch heute findet man im Folkets Park, der seit 1990 der Stadt Malmö gehört, den Jagdpavillon, den rechteckigen Teich und das Gårdshuset aus der Gründerzeit. Auch wenn der damalige Möllevångsparken bereits am 26. April öffnete, so wurde die Einweihungsfeier auf den 1. Mai gelegt, was symbolisch für die Ausrichtung der Anlage war und eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der Stadt war.

Der heutige Folkets Park bot von Beginn an eine Art Biergärten, in denen jedoch mehr gegessen als getrunken wurde und wo viel über Arbeiterpolitik geredet wurde. 1895 wurde im Folkets Park die Tanzbahn gebaut, wo später die bekanntesten Tanzbands Schwedens zum Tanz aufspielten. 1994 hat die Stadt Malmö diese Tanzbahn als Bühne für Kinder umgebaut. Und am 15. Mai 1914 fand hier die Baltische Industrie- und Handwerksausstellung statt, eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Malmös. Noch heute ist der Folkets Park der bedeutendste Treffpunkt für die Bewohner Malmös wo sich alle Kulturen treffen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen im Folkets Park ist grundsätzliche kostenlos.

26. April 1893: Harr Hjörne rettet die GP (Göteborgs-Posten)
26. April 1998: Sven Olov Lindholm, der Verehrer Hitlers

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