Posts mit dem Label Unruhe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Unruhe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. Januar 2012

Folgen des Ersten Weltkriegs in Schweden

Am 8. Januar 1917 beschlagnahmte die schwedische Regierung im ganzen Land Getreide, Mehl und Brot um es rationieren zu können. Dieser Entschluss, der insbesondere die Stadtbevölkerung und die Ärmsten des Landes am stärksten traf, führte wenig später in mehreren Städten des Landes zu den größten Unruhen des vorigen Jahrhunderts. Aber auch private Finanzunternehmen spürten den Umschwung und wurden durch neue Gesetze und Bestimmungen in den Konkurs getrieben.

Bereits mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 spürte Schweden die Probleme eines Systems, das auf den Import von Lebensmittel und Rohstoffen angewiesen ist, da sich dies auf die Bevölkerung vor allem durch den schnellen Mangel an Lebensmitteln auswirkte. Da kein Dünger mehr nach Schweden kam, verteuerten sich landwirtschaftliche Produkte nahezu täglich und bald wurde Zucker, Kaffee, Eier, Butter und selbst Fisch rationiert und nur noch gegen Lebensmittelkarten ausgegeben. Die Preissteigerungen für tägliche Lebensmittel stiegen während des Krieges stufenweise um über 100 Prozent, wobei gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit immer mehr zunahm.

All diese Probleme hatten ihren Höhepunkt mit der Rationierung von Brot erreicht, denn das Recht auf Brot war für die Mehrheit der Bevölkerung als selbstverständlich betrachtet worden. Nahezu gleichzeitig brachen daher die ersten Unruhen, die als Brödupproret in die Geschichte eingingen, in Göteborg, Västervik und Ådalen aus. Allein in Göteborg sammelten sich am 5. Mai 1917 rund 40.000 Personen aus den Arbeiterstadtteilen zu einer massiven Demonstration gegen die Politik der Regierung, was damit endete, dass die Regierung das Militär zu Hilfe rief, das die Unruhen mit Gewalt unterdrückte, was letztendlich jedoch dazu führte, dass Gustav V. in seiner Macht beschnitten wurde und Hjalmar Branting und die sozialdemokratische Bewegung in Schweden einen dauerhaften Einfluss gewannen.

8. Januar 1937: Der schwedische Theologe Olle Meurling stirbt beim spanischen Krieg

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 14. Juni 2011

EU-Gipfel in Göteborg mit Unruhen

Am 14. Juni 2001 fanden in Göteborg, im Rahmen eines EU-Gipfel-Treffens, die ersten Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush und europäischen Politikern bereits einen Tag vor Beginn der Verhandlungen statt. Zahlreiche Organisation riefen zu diesem Anlass zu Demonstrationen gegen die Europa-Politik und vor allem die Anwesenheit Bushs auf. Parallel zum EU-Gipfel waren hunderte von Gegenveranstaltungen in Göteborg geplant, die großenteils durch den Einsatz der schwedischen Polizei verhindert wurden.

Bis heute wurden die Ereignisse, die zu den bedeutendsten Unruhen Schwedens gehören, nicht vollständig aufgeklärt, da jede Seite Falschinformationen streute und die Presse ausschließlich die offizielle Version von Polizei und Regierung veröffentlichte. Sicher ist jedoch, dass bis zu 50.000 friedliche Demonstranten von etwa 500 „professionellen“ Unruhestiftern mehrerer Länder begleitet und unterwandert wurden, die auf der Paradestraße Avenyn einen Schaden von mehreren Millionen Kronen verursachten und 53 Polizisten, sowie 90 Demonstranten bei gewaltsamen Ausschreitungen auf beiden Seiten teilweise schwer verletzt wurden.

Während rund ein Prozent gewaltsame Demonstranten Unruhe stifteten, schoss die Polizei erstmals seit den Unruhen in Ådalen im Jahre 1931 wieder auf Demonstranten. Als Beweise der Gefährlichkeit des am schwersten Verletzten legte die Polizei eine Filmmontage vor, die an unterschiedlichen Stellen mit unterschiedlichen Personen gedreht waren, wie der Filmer Jahre später erklärte. Nach Informationen der CIA, die Terroristen und Waffen in zwei Schulen in Göteborg vermutete, durchsuchte die Polizei die beiden Schulen und richtete erhebliche Schäden an, ohne jedoch fündig zu werden. Die schlecht koordinierte Aktion zerstörte dabei jedoch jedes Vertrauen, das die Göteborger Jugend in die Polizei gesetzt hatte.

14. Juni 1874: Das Grand Hotel in Stockholm entsteht
14. Juni 1897: Jan Fridegård, der Autor der modernen Klassik Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 14. Mai 2011

Todesschüsse in Ådalen ändern die Geschichte Schwedens

Am 14. Mai 1931, vor genau 80 Jahren, wurden vom schwedischen Militär fünf Personen getötet und fünf weitere verletzt, weil sich die Arbeiter in Ådalen für ihre Rechte einsetzten und mit einer Lohnsenkung nicht einverstanden waren. Die tatsächlichen Geschehnisse wurden bis heute nicht vollständig geklärt, da die Berichte der Arbeiter nicht mit jenen der Unternehmer oder des Militärs übereinstimmen und die Presse ebenfalls sehr unterschiedlich berichtete.

Sicher ist jedoch, dass die Krise der 30er Jahre zu Absatzschwierigkeiten führte, die Arbeiter jedoch nicht mit noch weniger Geld auskommen konnten. Seit Anfang 1930 brodelte bereit ein Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft wegen Lohnsenkungen, was auch zu mehreren Streiks führte und am 13. Mai 1931 ihren Höhepunkt erreichte und 6000 Arbeiter zu gemeinsamen Aktionen zusammenführte.

Da die Unternehmen, trotz der Streiks, ihre Aktivitäten aufrecht halten wollten, stellten sie Studenten und professionelle Streikbrecher für die notwendigen Arbeiten ein, was teilweise zu sehr gewaltsamen Ausschreitungen führte. Da es in Schweden damals noch keine nationale Polizei gab, durften die zu Hilfe gerufenen Beamten nicht eingreifen und die Lokalregierung bat um Hilfe des Militärs. Während einer abschließenden Demonstration glaubten einige Soldaten Waffen in den Händen der Demonstranten zu sehen und Schüsse zu hören. Sie eröffneten daher selbst das Feuer und töteten vier Demonstranten und einen Zuschauer.

Dieses Ereignis in Ådalen, das als reiner Arbeitskampf begann und von dem die linken Parteien Schwedens noch heute sprechen, hatte vor allem zwei Wirkungen auf die schwedische Geschichte. Zum einen richtete sich eine starke Kritik gegen das militärische Eingreifen und das Volk forderte, dass sich Schüsse von Militärs auf Streikende nie mehr wiederholen dürfen. Zum anderen wurde nach dem Ereignis die Diskussion über eine nationale Polizei eingeleitet, die dann bereits 1933 gegründet wurde und das Militär bei Aufruhr ersetzte.

14. Mai 1959: Schweden führt die allgemeine Zusatzpension ATP ein
14. Mai 1981: Die Schwedische Zeichensprache wird offiziell anerkannt

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

Donnerstag, 21. April 2011

Streik und Revolution in Schweden

Der 21. April 1917 war in Schweden der Höhepunkt einer seit langem anhaltenden Unruhe, der in Ådalen zu einem Generalstreik führte, an dem sich in hunderten von Orten des Landes das Volk in Demonstrationen gegen die damalige Politik auflehnte und wo zehntausende von Arbeitern vor dem Reichstagshaus ihren Forderungen Nachdruck verliehen.

Einer der wichtigsten Anlässe war die Hungersnot, die seit Beginn des ersten Weltkriegs in Schweden Einzug gehalten hatte. Allein im April und Mai 1917 forderten rund 300.000 Arbeiter des Landes „Brot und Freiheit“. Bei den meisten dieser Demonstrationen gingen Arbeiterfrauen an der Spitze der Demonstrationen, die später als Hungerupproret bekannt wurden. In einigen Städten wurden bei dieser Gelegenheit selbst Geschäfte geplündert.

Hunderte von Streiks des Jahres 1917 richteten sich gegen das kapitalistische Schweden, in dem sich Unternehmer am Krieg bereicherten, während das Volk verhungerte. Die Preise von Lebensmittel stiegen während dieser Jahre um ein Vielfaches, die Arbeitslöhne sanken, so dass sich ein schwedischer Arbeiter im April 1917 weder Brot noch Kartoffeln leisten konnte. Die Unruhen dieses Jahres zwangen Politiker und König zu sozialen Zusagen, die das Land langfristig veränderten.

21. April 1612: Karl IX. ein Ersatzkönig leitet Schweden
21. April 1948: Klasse Möllberg, der Liebling schwedischer Kinder 


Copyright: Herbert Kårlin