Sonntag, 3. November 2013

Der schwedische Kapellmeister William Lind

Wiliam Reinhold Lind wurde am 3. November 1911 in Fristad bei Borås geboren und wurde bereits als Kind stark von der Musik beeinflusst, da sein Vater Fahnenjunker im Musikcorps war. Noch bevor Lind dann von 1933 bis 1936 das Stockholmer Musikkonservatorium besuchte, hatte er als Caféhauspianist reichlich Erfahrung gesammelt, denn bereits mit 13 begann er dort professionell zu spielen und mit 17 leitete er auch das Orchester der Revue in Borås.

Nachdem William Lind 1936 sein Examen als Organist abgelegt hatte und sein Studium am Konservatorium abgeschlossen hatte, kehrte der Musiker zurück zur Unterhaltungsmusik und spielte bis 1943 in Restaurants um dort die Gäste zu unterhalten. Der große Durchbruch kam für Lind im Jahre 1943, als er beim schwedischen Rundfunk als Pianist angestellt wurde, denn dort stieg er sehr bald zum Chef des Kabarettorchesters und schließlich zum Chef des Rundfunkorchesters auf, was 1959 dann zu einer Anstellung als Musikchef für das schwedische Fernsehen führte.

Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1976 war William Lind dann einer der bedeutendsten Musiker, Arrangeure und Komponisten Schwedens, der nahezu täglich im Radio zu hören war, aber auch Filmmusik komponierte und die gesamte Unterhaltungsmusik in Rundfunk, Fernsehen und auf der Theaterbühne beeinflusste. Lind gehört zu jenen Musikern Schwedens, die das absolute Gehör besaßen und sich ein Leben ohne Musik nicht vorstellen konnte. Nach dem Tode des Künstlers im Jahre 1995 wurde die William Lind-sällskapet gegründet, die jedes Jahr mit Stipendien junge Musiker unterstützt und die Erinnerung an William Lind aufrecht hält.


3. November 1896: Gustaf Tenggren, von Trollen zu Disneys Pinocchio 
3. November 1902: Die Göteborgs-Tidningen (GT) erscheint zum ersten Mal

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 2. November 2013

Rolf Bergh und die moderne Kirche Schwedens

Als der schwedische Architekt Rolf Bergh am 2. November 2005 in Täby starb, hatte er sich einen bedeutenden Ruf als Kirchenarchitekt geschaffen, denn kaum ein Architekt Schwedens hat während seines Lebens so viele moderne Kirchen gebaut wie Bergh, so viele erweitert und zusätzlich so viele alte Kirchen restauriert wie dieser Architekt. Rolf Bergh gab der modernen Kirche Schwedens ein neues Gesicht, das von zahlreichen anderen Architekten des Nordens übernommen wurde.

Rolf Bergh hatte an der Kungliga Tekniska Högskolan in Stockholm sowie an der dortigen Kunsthochschule Architektur studiert, war anschließend bei Helge Zimdal und Hakon Ahlberg angestellt, wechselte 1954 zu HSB (Hyresgästernas sparkasse- och byggnadsförening) und machte sich dann 1954 selbständig. Nur ein Jahr später baute der Architekt dann seine erste Kirche in Friggeåker bei Skara. Auch wenn er bei diesem Bau noch zu Ziegel und Zement griff, so zeigte bereits dieser Bau die Zeichen, die später zu seinem enormen Ruf beitrugen, denn er integrierte die kleine Kirche in ihre Umgebung in der man die Ruinen einer alten Kirche aus dem 12. Jahrhundert findet, einem Platz, der historisch dem Heiligen Sigfrid zugeordnet wird.

In den 60er Jahren entwickelte Rolf Bergh dann einen Kirchentyp aus Fertigbauteilen, die leicht von einem Ort zum anderen umziehen konnte und von der Svenska Kyrkan vor allem in Neubaugebieten aufgestellt wurden. Leider sind heute nur noch sehr wenige dieser Kirchen erhalten, eine davon in Göteborg. Die Grundidee Berghs beim Kirchbau war, dass eine Kirche der Gemeinschaft dienen muss, was nur möglich ist, wenn der Altar im Zentrum steht, weshalb er die Stühle oft in Form eines Zirkels plante und den Kirchenraum in eine Art Studio verwandelte. Ein anderes Zeichen seiner Kirchen ist, dass sie für jede Liturgie geeignet sind und zudem nicht für einen bestimmten Glauben gedacht sind.


2. November 1963: Jonas Gardell, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens 
2. November 1993: Der Tag des Stockfischs (Lutfiskens Dag) in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 1. November 2013

Torgny Segerstedt und der Kampf gegen den Nazismus

Torgny Segerstedt wurde am 1. November 1876 in Karlstad geboren und wurde als einer der streitbarsten Kritiker des deutschen Nationalsozialismus bekannt. Als Chefredakteur der Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning hatte er auch ein Sprachrohr mit dem er sich die Führungsschicht Schwedens bereits vor Kriegsausbruch zum Feinde machte, da sowohl Königshaus als auch die Regierung auf der Seite Hitlers standen, auch wenn beide nicht unbedingt in den Krieg eingreifen wollten.

Bis heute gehört Torgny Segerstedt, trotz seiner Weitsicht, die er hinsichtlich Hitlers Ideen zeigte, zu den umstrittensten Personen Schwedens, denn während man heute seinen Kampf gegen den Nazismus in der Vordergrund bringt, so gehörte Segerstedt, der Theologie studiert hatte, als Person zu einer konservativen Schicht mit einem übersteigerten Selbstgefühl. Der Religionswissenschaftler vertrug keine Kritik und ging eigenwillig seine Wege, was letztendlich auch zum Untergang der Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning führte. Sein engster Freund war der Finanzgigant Marcus Wallenberg, was auch seine rechte Einstellung zur Finanzpolitik Schwedens sehr deutlich zeigt.

Torgny Segerstedts Kritik gegen das deutsche Naziregime muss von schwedischer Warte aus betrachtet werden, denn der Theologe wollte in erster Linie die Unabhängigkeit und die Entwicklung Schwedens stützen, nicht gegen den Nationalsozialismus als solches vorgehen. Für Segerstadt war Hitler eine Gefahr für Schweden. Dass Segerstedt letztendlich in die Weltpolitik hineingezogen wurde, lag daran, dass die schwedische Regierung die Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning mehrmals beschlagnahmte und man Segerstedt jede Kritik gegen Deutschland untersagen wollte. In diesem Rahmen muss man auch sehen, dass sich Torgny Segerstedt gegen den deutschen Transitverkehr in Schweden aussprach, für die Pressefreiheit in Schweden kämpfte, aber die Ereignisse in ganz Europa mit einem weitaus größeren Abstand behandelte und der Theologe in den 20er Jahren Benito Mussolini sogar als einen der größten Staatsmänner bezeichnete. Torgny Segerstedt starb, nur kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 31. März 1945 in Göteborg.


1. November 1772: Allerheiligen in Schweden
1. November 1937: Die Pfadfinderbewegung in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Die schwedische Fußballlegende Gunnar Gren

Gunnar Gren wurde am 31. Oktober 1920 in Göteborg geboren und wurde gewissermaßen bereits mit 13 Jahren entdeckt, denn als am 7. Oktober 1934 in den alten Messehallen ein Wettbewerb im Fußballjonglieren ausgetragen wurde, hatte der junge Gren nicht nur den ersten Platz errungen, sondern verfügte mit 126 Punkten auch nahezu über doppelt so viele Punkte wie der Junge, der den zweiten Platz belegte. Das Ergebnis war nicht nur eine Plakette, sondern er wurde mit seinem Können auch zur Unterhaltung des Publikums während der Pausen eines Handballmatch engagiert.

Jan Steens Skulptur von Gunnar Gren vor dem Ullevi in Göteborg

Als professioneller Fußballer stand Gunnar Gren erstmals mit dem Klub Gårda BK am 1. Mai 1938 auf dem Göteborger Rasen. Das Spiel gegen Malmö endete allerdings mit 0 zu 0.  Nur zwei Jahre später wurde Gren in die Nationalmannschaft aufgenommen und 1941 wechselte er von Gårda BK zu IFK Göteborg, einen Klub, dem er acht Jahre lang die Treue hielt und für den er bei insgesamt 164 Ausscheidungen 78 Tore schoss. In der Nationalmannschaft spielte der Fußballer allerdings nur viermal.

Im Jahr 1949 verließ Gunnar Gren den IFK um erst für Mailand und später für Florenz zu spielen. Seine Spielmethode und seine Leistungen führten bald dazu, dass Gren in Italien von seinen Fans den Namen „Il Professore“ verliehen bekam. Erst 1956 kam Gren zurück nach Göteborg und schloss sich dem Örgryte IS an. Während seiner Karriere konnte Gunnar Gren auch zwei Rekorde vorweisen, denn zum einen war er der erste Schwede, der der Technische Direktor für Juventus Turin wurde und zum anderen war er der älteste Spieler, der je für einem schwedischen Klub noch auf dem Rasen stand. Gunnar Gren starb am 10. November 1991 in Göteborg.


31. Oktober 1878: Die Dampfmühle Eldkvarn in Stockholm brennt 
31. Oktober 2006: Der Umskalstunneln zwischen Schweden und Norwegen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Karl Ragnar Gierow holt das europäische Theater nach Schweden

Als Karl Ragnar Gierow am 30. Oktober 1982 in Stockholm starb, hatte er mehrere Karrieren in seinem Lebenslauf zu verzeichnen, denn er war Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Übersetzer und hatte für den schwedischen Staatsfunk gearbeitet. Da Gierow die Öffentlichkeit scheute und selbst als ständiger Sekretär der Svenska Akademien die Nobelpreisträger nur mit einer Sonnenbrille auf der Nase bekannt gab, gilt er als Hintergrundfigur der schwedischen Kultur über die man relativ wenig veröffentlichte.

Karl Ragnar Gierow, der 1904 in Helsingborg zur Welt gekommen war, begann seine berufliche Karriere im Jahre 1930, als er eine Anstellung beim Verlag Norstedt fand. Nur sieben Jahre später wurde er literarischer Mitarbeiter des Rundfunks und spielte eine wichtige Rolle für viele Literaten des Landes. Knapp zehn Jahre später übernahm Gierow die Literaturabteilung des Svenska Dagbladet und 1951 kam er als Direktor ans Dramaten, das unter seiner Leitung zwölf Jahre lang eine bedeutende Wende nahm.

Als Karl Ragnar Gierow das Dramaten übernahm, ging er dazu über europäische, überwiegend sehr kritische und kontroverse, Dramen auf die Nationalbühne zu bringen. Gierow brachte auf diese Weise Bertolt Brecht, Jean-Paul Sartre und Eugene O'Neill dem schwedischen Publikum näher. In vielen Fällen übernahm Gierow bei diesen Werken auch die Regie, da er die Bühne vom traditionellen Denken wegführen wollte. Im Jahre 1961 wurde Karl Ragnar Gierow dann in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Hjalmar Gullberg, auf dem Stuhl Nummer 7 Platz nahm.


30. Oktober 1807: Handelsmann Johanna aus Ödeshög 
30. Oktober 1860: Der Weg zur Religionsfreiheit in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 29. Oktober 2013

Lorens Marmstedt, vom Filmkritiker zum Produzenten

Lorens Marmstedt wurde am 29. Oktober 1908 mit dem Familiennamen Eriksson geboren, den er nach dem Tod seines Vaters gegen den Künstlernamen Marmstedt tauschte. Dass sich Marmstedt zum Film hingezogen fühlte, hat vermutlich viel mit seiner Kindheit zu tun, denn sein schwedischer Vater und seine italienische Mutter sprachen grundsätzlich Französisch miteinander, die Mutter mit ihrem Sohn Italienisch und der Vater griff zu Schwedisch. Da die Familie auch noch viel auf Reisen war, war Marmstedt in der Schule ein Fremdkörper, der sich in seine eigene Welt zurückzog und mit 18 begann für die Dagens Nyheter Filmkritiken zu schreiben.

Mit 24 begann Lorens Marmstedt dann eine, wenn auch weniger geglückte Karriere als Filmregisseur. Sein erster Film En stulen vals mit Aino Taube in der weiblichen Hauptrolle, verdankte seinen Erfolg mehr den Schauspielern als der Regie Marmstedts. In den 30er Jahren hatte Marmstedt die Regie von etwa zehn Filmen hinter sich und konnte mit Kanske en diktare nur einen wirklichen Erfolg vorweisen, wobei es sich hierbei jedoch um die Filmversion des erfolgreichen Bühnenstücks von Gösta Ekman handelte.

Vermutlich erkannte Lorens Marmstedt seine Schwäche als Regisseur selbst, denn 1938 gründete er die Filmproduktionsfirma AB Terrafilm. Als Produzent zeigte Marmstadt dann sein wirkliches Gespür für den Film, denn er wählte als Manuskriptautoren Schriftsteller wie Bertil Malmberg, Sven Stolpe oder Dagmar Edqvist und gab Regisseuren wie Ingmar Bergman, Hasse Ekman  und Hampe Fausmann eine enorme Freiheit bei der Realisation der Filme und gab damit dem schwedischen Film eine eigene Identität, die der Beginn dafür war, dass der schwedische Film wegen seiner Eigenheiten weltweit zu einem Erfolgsprodukt wurde, das über Jahrzehnte hinweg das Bild und die Kultur Schwedens prägte.

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 28. Oktober 2013

Elisabeth Killander entwickelt sich zur Schmerzspezialistin

Elisabeth Killander wurde am 28. Oktober 1929 in Göteborg geboren und machte im Sophiahemmet in Stockholm eine Ausbildung zur Krankenschwester, einen Beruf, den sie dort bis zur ihrer Ehe mit  dem Künstler Sven Arne Gillgren im Jahre 1955 ausübte. Rund 20 Jahre kümmerte sich Killander dann um ihre Familie und übte ihren Beruf nur noch von zu Hause aus durch, was um diese Zeit relativ ungewöhnlich für eine Frau war, da für die Mehrheit der Frauen die berufliche Aktivität mit der Ehe endete.

Im Jahre 1977, als die beiden Kinder erwachsen waren, begann Elisabeth Killander dann im Radiumhemmet am Karolinska Sjukhuset in Stockholm zu arbeiten, der ersten auf Krebs spezialisierten Klinik Schwedens. Killander kümmerte sich dort insbesondere um die Schmerzlinderung bei Krebspatienten, wobei ihre Philosophie dabei war, dass nicht das Organ den Schmerz empfindet, sondern der Mensch. Die Krankenschwester war daher bereit teilweise auch sehr hohe Dosen an Opiaten zu geben, damit die Patienten so wenig wie möglich leiden mussten.

Ihre Methode Schmerz zu lindern war von den Ärzten des Krankenhauses stark kritisiert und als Elisabeth Killander 1979 auch noch das Buch Lindring av smärta och obehag hos döende veröffentlichte, war sie gezwungen zum Universitätskrankenhaus in Linköping zu wechseln, wo man ihre Leistung bei der Schmerzbekämpfung sehr positiv sah. Diese Anerkennung drückt sich auch dadurch aus, dass Killander 1999 von der dortigen Universität zum Ehrendoktor in Medizin ernannt wurde. Elisabeth Killander wurde nach mehreren Büchern und die letzten Jahre ihres Lebens sehr häufig als „Morphinkönigin“ bezeichnet, da sie davon ausging, dass es besser ist Krebspatienten Morphin zu geben, damit sie nicht leiden, als eine übertriebene Angst vor der Abhängigkeit zu zeigen.


28. Oktober 1820: Die erste Sparkasse Schwedens 
28. Oktober 1966: Der letzte Holzkohle-Hochofen Schwedens wird geschlossen

Copyright: Herbert Kårlin