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Donnerstag, 11. April 2019

Der Schriftsteller Karl Vennberg

Karl Vennberg kam am 11. April 1910 als Sohn eines Landwirts in Blädinge zur Welt und wurde im strengen christlichen Glauben erzogen, da die Eltern ihn auch als Priester sehen wollten. Vennberg begann, nach seiner Hochschulreife, eine entsprechende Ausbildung an der Universität Lund, die er jedoch nicht zu Ende führte, sondern vorher nach Stockholm ging um dort, ebenfalls ohne Abschluss, die Universität zu besuchen. In diesen Jahren begann Vennberg auch erste Gedichte und Novellen in der Tagespresse zu veröffentlichen und versuchte sich, wenn auch wenig erfolgreich, ebenfalls an Kriminalnovellen.

Als Dichter zeigte sich Karl Vennberg erstmals 1937 mit seinem Erstlingswerk Hymn och hunger, das bereits die Zeitströmung der Dichter der 40er Jahre zeigte, jedoch vollständig um christliche Themen kreiste. Bereits in diesem Band fand man die Ironie, die Zeitkritik und die existentielle Fragestellung, die man auch in allen späteren Veröffentlichungen des Schriftstellers findet. Erst 1949 sollte Vennberg dann mit seinem Gedichtband Fiskefärd seinen Durchbruch haben, als er die Religion mehr mystifizierte, jedoch gleichzeitig zur Idylle neigte, womit sich der Leser weitaus einfacher identifizieren konnte. Erst ab den 70er Jahren sollte sich Vennberg etwas von den religiösen und politischen Themen, die seine Schöpfungen prägen, lösen und er sich selbst als Poet erneuern.

Über die Einstellung von Karl Vennberg zu Hitler wird noch heute diskutierte, da er vor allem in hitler-kritischen Zeitungen und Zeitschriften mitarbeitete, in den Jahren 1936 und 1937 jedoch Hitler auch verteidigte und mit ihm vor allem die Meinung teilte, dass Sigmund Freud den moralischen Verfall herbeileite, 1940 dann jedoch schrieb, dass alles Böse aus Deutschland komme. Wenige Jahre später kann man bei Karl Vennberg, der am 12. Mai 1995 starb, lesen, dass der Nazismus nichts anderes sei als der letzte Ausweg des Privatkapitalismus, er also die Bewegung Hitlers sogar in die linke Ideologie einbettete. Politisch schien sich Vennberg gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf jeden Fall ganz von Hitlers Ideologie abzuwenden, da er später die Neutralität Schwedens als Grundpfeiler der Weltpolitik sah.


11. April 1810: König Karl XIII. genehmigt den Bau des Göta Kanals
11. April 1833: Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Wilhelm von Otter
11. April 1837: Der schwedische Kampf gegen den Alkohol
11. April 1860: Ferdinand Boberg, Architekt und Designer
11. April 1882: Ragnar Ring, ein Militär wird Regisseur und Schriftsteller
11. April 1896: Der schwedische Künstler Olof Sager-Nelson
11. April 1899: Gustaf Emanuel Beskow und das Schulwesen
11. April 1940: Schweden rüstet sich gegen Deutschland
11. April 1955: Die schwedische Sängerin Lena Andersson
11. April 1973: Szenen einer Ehe, ein Film von Ingmar Bergman
11. April 1977: Die schwedische Sängerin Sara Löfgren
11. April 1990: Ivar Lo-Johansson, ein Pfeiler der Arbeiterliteratur Schwedens
 
Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 28. November 2016

Die deutsch-schwedische Künstlerin Lotte Laserstein

Lotte Laserstein kam am 28. November 1898 als Tochter eines Apothekers in Preußisch Holland, dem heutigen Polen, zur Welt, wuchs jedoch mit ihrer Mutter in Dresden und Berlin auf, da der Vater bereits 1902 starb. Als Laserstein 1927 ihr Kunststudium in Berlin abgeschlossen hatte, machte sich die Künstlerin einen Namen als Porträtmalerin und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Vertreterinnen der Malerei der Weimarer Republik. Ihrem Aufstieg sollte jedoch ihre jüdische Herkunft der Nationalsozialismus in Deutschland ein Ende setzen, denn ab 1933 wurde es für Laserstein nicht nur immer schwieriger Aufträge zu erhalten, sondern an Ausstellungen war nun nicht einmal mehr zu denken.

Eine Ausstellung in der Galerie Moderne in Stockholm im Jahre 1937 sollte dann das Leben von Lotte Laserstein von Grund auf verändern, denn durch eine Scheinehe gelang es ihr die schwedische Staatsbürgerschaft zu erhalten und konnte sich als Künstlerin in Stockholm niederlassen. Da sie jedoch keine Genehmigung erhielt ihre Mutter nachzuholen, starb diese 1943 im Konzentrationslager Ravensbrück, einer der Gründe warum Laserstein auch nach dem Krieg nicht mehr Deutschland zurückkehren wollte. Auch in Schweden arbeitete Laserstein vor allem an Porträts, die, unter vielen anderen, auch Torgny Segerstedt und Natanael Beskow darstellen.

Allerdings gelang es Lotte Laserstein bis zu ihrem Lebensende am 21. Januar 1993 in Kalmar nicht mehr an den Erfolg der beginnenden 30er Jahre anzuknüpfen, denn auch wenn eine Ausstellung im Jahre 1987 in London Aufmerksamkeit erweckte, so sollte Laserstein erst 2005 wieder in aller Munde sein, als das Judiska Museet in Stockholm ihre Gemälde ausstellte und parallel dazu die deutsch-schwedische Nobelpreisträgerin Nelly Sachs würdigte und dabei auf das Problem von Künstlern während der Diktatur Hitlers aufmerksam machte. Als dann 2010 eines der Meisterwerke Lasersteins bei Sotheby's in London angeboten wurde, ging das Gemälde „Abend über Potsdam“ für knapp fünf Millionen Kronen an die Neue Nationalgalerie in Berlin, wo das Meisterwerk noch heute zu finden ist.


28. November 1718: Hedvig Charlotta Nordenflycht, die erste Feministin Schwedens
28. November 1773: Die Adolf-Friedrich-Kirche (Adolf Fredriks Kyrka) in Stockholm
28. November 1793: Carl Jonas Love Almqvist, ein Revolutionär zur falschen Zeit
28. November 1811: Oscar Patric Sturzen-Becker, ein literarischer Revolutionär
28. November 1898: Die schwedische Lebensrettungsgesellschaft
28. November 1906: Oskar Andersson, der erste Comiczeichner Schwedens
28. November 1927: Die Komponistin und Musikerin Gullan Bornemark 
28. November 1935: Der schwedische Künstler Georg Pauli
28. November 1972: Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg-Gotha

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 11. Juli 2016

Das Verteidigungsmuseum auf Gotland

Am 11. Juli 2009 wurde in Tingstäde, das etwa 20 Kilometer von Visby entfernt liegt, das Verteidigungsmuseum Gotlands eingeweiht, ein Museum, das zum Netzwerk der staatlichen verteidigungshistorischen Museen gehört und die gesamt Geschichte der schwedischen Verteidigung von der Frühzeit bis heute erklärt und dabei geschichtliche Ausstellung und die Präsentation von kriegstechnischen Geräten und Fahrzeugen mischt um eine möglichst breite Gruppe an Personen anzuziehen. Heute empfängt das Gotlands Försvarsmuseum in Tingstäde rund 10.000 Besucher pro Jahr, etwa die Hälfte der Besucher, die die Festungsanlagen in Boden besuchen.

Das Verteidigungsmuseum auf Gotland wurde in der Festung Tingstäde eingerichtet, die noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg fertiggestellt wurde und die wichtigste Verteidigungsanlage im Ostseeraum war. Noch heute kann man bei einem Besuch der Anlage sehen wie die Soldaten jener Zeit untergebracht waren und auf welche Weise sie Schweden verteidigen wollten. Das daneben liegende Kriegskrankenhaus Lärbo wurde gebaut als der Zweite Weltkrieg ausbrach und war um diese Zeit das modernste Kriegskrankenhaus Schwedens. Ein Jahr bevor das Krankenhaus im Jahre 1946 eingestellt wurde, zeigten sich hier auch die Gräueltaten Hitlers, denn hier kamen 500 Personen an, die die deutschen Konzentrationslager überlebt hatten, wobei jedoch 45 unter ihnen nicht überlebten und im dortigen Friedhof begraben liegen.

Das Verteidigungsmuseum Gotlands besteht im Grunde aus drei verschiedenen Museen, nämlich dem Kriegskrankenhaus, der Festung als solches und dem Museumsteil, in dem man, unter anderem, auch die Geschichte der russischen Okkupation Gotlands im Jahre 1809 und die Geschichte Gotlands während des Ersten Weltkriegs genauer entdecken kann. Da Gotland in der Verteidigung Schwedens schon immer eine besondere Position einnahm, verbindet sich im Museum auch die Verteidigungsgeschichte des Heeres, der Marine und der Luftwaffe, was, auf Grund der russischen Bedrohung, auch heute wieder zu einem aktuellen Thema Schwedens wird.


11. Juli 1709: Johan Gottschalk Wallerius und die schwedische Landwirtschaft
11. Juli 1912: Die schwedische Schauspielerin Aino Taube
11. Juli 1927: Dénis Lindbohm und die Science Fiction Bewegung in Schweden
11. Juli 1942: Der Untergang der M/S Luleå
11. Juli 1974: Pär Lagerkvist und ein Leben ohne Gott
11. Juli 1974: Pär Lagerkvist, ein Kämpfer für die Freiheit
11. Juli 1979: Sigvard Nilsson-Thurneman, der Anführer der Salaligan

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Donnerstag, 8. Januar 2015

Briefzensur in Schweden

Die Geschichte Schwedens während des Zweiten Weltkriegs wird bis heute kaum behandelt, da man ungern über „jüdische Pässe“, „Lager“ oder auch „deutsche Truppentransporte“ innerhalb Schwedens Grenzen sprechen will. Noch weniger findet man in schwedischen Büchern über die Briefzensur, die das Parlament bereits ab dem 8. Januar 1940 genehmigte, neben dem Recht im Bedarfsfall Privatfahrzeuge der Bürger zu beschlagnahmen. Vor allem die Briefzensur ist im Grunde eine etwas heiße Angelegenheit, da König und Regierung meinungsmäßig auf der Seite Hitlers standen und die Neutralität vor allem deswegen gewählt wurde um weiterhin Eisen nach Deutschland und Kugellager nach England liefern zu können.

Ob die Akten über die am 8. Januar 1940 eingeführte Briefzensur nach Ende des Weltkriegs je an die Öffentlichkeit gelangt wären, ist heute nicht mehr zu beurteilen, denn um diese Zeit war eine bekannte Schriftstellerin Schwedens in der sogenannten snuskavdelningen beschäftigt, die später von ihren Erfahrungen berichtete, nämlich Astrid Lindgren. Während eines Radiointerviews im Jahre 1993 erzählte Lindgren sehr ausführlich von ihrer damaligen Arbeit und das vom Staat lang gehütete Geheimnis trat damit an die Oberfläche.

Wie umfassend allerdings die Briefzensur war, ist bis heute nicht ganz geklärt, denn sicher ist nur, dass jedes Propagandamaterial von und und nach Deutschland kontrolliert wurde und jeder Brief, der an Konsulate und Botschaften anderer Länder gerichtet war erst über den Tisch des schwedischen Geheimdienstes ging. Die Briefzensur war jedoch nur der Beginn der Überwachung und der Steuerung der schwedischen Meinungsbildung, denn ein Jahr später wurde auch die Pressefreiheit massiv eingeschränkt und das Verbreiten jeder Nachricht die dem Land Schaden zufügen könne, wurde verboten, was jedoch nur bedeutete, das Zeitungen beschlagnahmt wurden, die sich kritisch zu Deutschland stellten.


8. Januar 1810: Daniel Melanderhjelm, Astronom und Mathematiker
8. Januar 1864: Carl August Hagberg und die schwedische Literatur 
8. Januar 1917: Folgen des Ersten Weltkriegs in Schweden
8. Januar 1937: Der schwedische Theologe Olle Meurling stirbt in Spanien 
8. Januar 1994: Hans Asplund, der Architekt des Brutalismus 
8. Januar 2007: Die Geburt Kirunas und die Flucht der Stadt

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 1. November 2013

Torgny Segerstedt und der Kampf gegen den Nazismus

Torgny Segerstedt wurde am 1. November 1876 in Karlstad geboren und wurde als einer der streitbarsten Kritiker des deutschen Nationalsozialismus bekannt. Als Chefredakteur der Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning hatte er auch ein Sprachrohr mit dem er sich die Führungsschicht Schwedens bereits vor Kriegsausbruch zum Feinde machte, da sowohl Königshaus als auch die Regierung auf der Seite Hitlers standen, auch wenn beide nicht unbedingt in den Krieg eingreifen wollten.

Bis heute gehört Torgny Segerstedt, trotz seiner Weitsicht, die er hinsichtlich Hitlers Ideen zeigte, zu den umstrittensten Personen Schwedens, denn während man heute seinen Kampf gegen den Nazismus in der Vordergrund bringt, so gehörte Segerstedt, der Theologie studiert hatte, als Person zu einer konservativen Schicht mit einem übersteigerten Selbstgefühl. Der Religionswissenschaftler vertrug keine Kritik und ging eigenwillig seine Wege, was letztendlich auch zum Untergang der Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning führte. Sein engster Freund war der Finanzgigant Marcus Wallenberg, was auch seine rechte Einstellung zur Finanzpolitik Schwedens sehr deutlich zeigt.

Torgny Segerstedts Kritik gegen das deutsche Naziregime muss von schwedischer Warte aus betrachtet werden, denn der Theologe wollte in erster Linie die Unabhängigkeit und die Entwicklung Schwedens stützen, nicht gegen den Nationalsozialismus als solches vorgehen. Für Segerstadt war Hitler eine Gefahr für Schweden. Dass Segerstedt letztendlich in die Weltpolitik hineingezogen wurde, lag daran, dass die schwedische Regierung die Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning mehrmals beschlagnahmte und man Segerstedt jede Kritik gegen Deutschland untersagen wollte. In diesem Rahmen muss man auch sehen, dass sich Torgny Segerstedt gegen den deutschen Transitverkehr in Schweden aussprach, für die Pressefreiheit in Schweden kämpfte, aber die Ereignisse in ganz Europa mit einem weitaus größeren Abstand behandelte und der Theologe in den 20er Jahren Benito Mussolini sogar als einen der größten Staatsmänner bezeichnete. Torgny Segerstedt starb, nur kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 31. März 1945 in Göteborg.


1. November 1772: Allerheiligen in Schweden
1. November 1937: Die Pfadfinderbewegung in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Sonntag, 10. Februar 2013

Pauline Brunius, die erste Frau, die das Dramaten leitete

Pauline Brunius, geborene Lindstedt, kam am 10. Februar 1881 in Stockholm zur Welt und hatte sich schon als Kind für die Theaterbühne entschieden. Im Alter von zehn Jahren begann sie als Ballettschülerin an der Königlichen Oper der schwedischen Hauptstadt, entschied sich dann jedoch bald die Tanzschuhe an den Nagel zu hängen um Schauspielerin zu werden. Im Jahre 1902 hatte Brunius dann ihren ersten Auftritt im privaten Olympiatatern auf Östermalm.

Nach den ersten Erfolgen als Schauspielerin wechselte Pauline Brunius zum Oscarsteatern, wo sie auch wenig später begann als Regisseur zu arbeiten. Ab 1926 übernahm sie dann, gemeinsam mit ihrem Ehemann, John Wilhelm Brunius, und Gösta Ekman, die beide ebenfalls Schauspieler waren, bis 1932 das Oscarsteatern, was der Anfang zu einer ungewöhnlichen Karriere jener Zeit wurde, denn 1938 wurde Pauline Brunius die erste Frau, der die Leitung des Dramaten anvertraut bekam.

Die zehn Jahre am Dramaten brachten Pauline Brunius sehr viel Lob, aber auch sehr viel Kritik. Gelobt wurde sie für ihren eisernen Willen und die Kraft sich in der von Männern dominierten Welt der Kunst durchsetzen zu können, eine zweite Bühne im Theater zu schaffen und Subventionen aushandeln zu können. Die Kritik kam vor allem im Jahre 1941, als sie sich entschied ein Gastspiel in Berlin zu akzeptieren, als die schwedische Welt der Bühne bereits eine sehr negative Einstellung zu Hitler hatte. Brunius, die auch mehrere Filmmanuskripte schrieb, starb am 30. März 1954 im Alter von 73 Jahren in Stockholm.


10. Februar 1050: Ingegerd Olofsdotter, eine russisch-orthodoxe Heilige aus Schweden
10. Februar 1858: Nils Lovén, der schreibende Priester Skånes 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 19. September 2012

Carl Milles, einer der grössten Skulpteure Schwedens

Carl Milles, der bei Geburt noch Carl Andersson hieß, starb am 19. September 1955 im sogenannten Millesgården auf Lidingö, wo er sich regelmäßig im Sommer aufhielt und den er und seine Frau Olga Milles bereits 1936 in Form einer Stiftung dem schwedischen Volk geschenkt hatte. Die Anlage, die heute ein Skulpturengarten und ein Museum ist, war beim Tode von Carl Milles nahezu fertig, wobei man dort nicht nur Skulpturen findet, die der Künstler, aber auch seine Frau, in Schweden fertigte, sondern auch zahlreiche Werke, die in den USA entstanden.

Im Alter von 17 Jahren begann Carl Milles eine Schreinerlehre, wobei er jedoch unmittelbar Abendkurse am Konstfack (damals noch Technische Schule) in Stockholm besuchte, wo er nur drei Jahre später ganztägig zu studieren begann. Als er 1897 vom Verein der Kunsthandwerker ein Stipendium in Höhe von 200 Kronen erhielt, begab er sich nach Paris, wo er sich für mehrere Jahre niederließ und unter anderem an der Ecole des Beaux-Arts studierte. In Paris war er von den Arbeiten Auguste Rodins so beeindruckt, dass ihn diese Art der Skulptur nie wieder los ließ, was man beim Betrachten seiner Werke deutlich erkennen kann.

Carl Milles, der in Schweden als künstlerisches Genie betrachtet wird, und sich auch selbst als solches betrachtete, legte sich vor und während des Zweiten Weltkriegs mit allen damals als fortschrittlich betrachteten Journalisten und Medien Schwedens an, da er, im Gegensatz zur Mehrheit der Künstler und Journalisten der Zeit, ein absoluter Bewunderer von Hitler, Mussolini und Franco war, die in seinen Augen ein klares Ziel vor Augen hatten und ihre Länder "reinigen" würden. In diesem Rahmen verteidigte er auch jede völkerfeindliche Maßnahme dieser Staatsmänner. Im gleichen Jahr als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging wurde Carl Milles indes amerikanischer Staatsbürger.


Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

Donnerstag, 26. April 2012

Sven Olov Lindholm, der Verehrer Hitlers

Am 26. April 1998 starb Sven Olov Lindholm im Alter von 95 Jahren in Salem. Sven Olov Lindholm war vermutlich der bedeutendste Vertreter der extrem rechten Bewegungen Schwedens und derjenige, der die nationalsozialistische Bestrebung in Schweden am deutlichsten und auch am wirksamsten vertreten hat, auch wenn er, selbst als Vorsitzender der Svensk socialistisk samling (SSS) nie den Einfluss errang, den andere Führer nationalsozialistischer Parteien in Europa gewannen.

Sven Olov Lindholm schloss sich bereits 1927 der damals neu gegründeten Partei SFKO (Sveriges Fascistiska Kamporganisation) an, die bedeutend von Konrad Hallgren, einem deutschen Unteroffizier, gesteuert war. Um jedoch seiner eigenen politischen Linie folgen zu können, brach er 1933 mit der mittlerweile zu SNSP umbenannten Partei und gründete die NSAP (Nationalsocialistiska Arbetarepartiet), die der Ideologie Hitlers sehr nahe kam. Allerdings hatte die Partei bei den Parlamentswahlen nur einen mäßigen Erfolg, da die Mitglieder und Anhänger der Partei überwiegend sehr jung waren und das Wahlalter in Schweden noch bei 23 Jahren lag.

Sven Olov Lindholm hatte sehr schnell verstanden, dass er den deutschen Nationalsozialismus Schweden anpassen musste und änderte daher 1938 den Namen seiner Partei in SSS (Svensk socialistisk samling) und benutzte, statt dem deutschen Hakenkreuz, die Vasagarbe, aber die Änderungen kamen bereits zu spät, denn die Partei wurde bereits zu eng mit der Hitlerbewegung in Verbindung gebracht und verlor dann im Laufe des Zweiten Weltkriegs nahezu alle seine Mitglieder. Die SSS wurde 1950 aufgelöst. Sven Olov Lindholm schrieb dann noch mehrere Bücher zur extrem rechten Bewegung Schwedens, konnte aber seinen Erfolg der Vorkriegszeit nicht mehr wiederholen.


26. April 1891: Der Folkets Park in Malmö
26. April 1893: Harr Hjörne rettet die GP (Göteborgs-Posten

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

Donnerstag, 15. März 2012

Zarah Leander, eine Karriere in Deutschland

Am 15. März 1907 wurde Stina Hedberg in Karlstad geboren, eine schwedische Künstlerin, die, nach einem Gesangsstudium in lettischen Riga, unter dem Namen Zarah Leander bekannt wurde. Ihre Karriere begann im Jahre 1929, als sie in einer Revue von Ernst Rolf für die erkrankte Primadonna Margit Rosengren einspringen durfte und Greta GarbosVill ni se en stjärna“ interpretieren durfte, ein Lied, das ihr unmittelbar zum Durchbruch in Schweden verhalf.

Aber auch wenn Zarah Leander in Schweden einen gewissen Erfolg hatte, so begann ihr wirklicher Aufstieg erst ab 1936 als sie erst in Wien auf der Bühne stand, dann ihren ersten Film in Deutschland drehte und sich fest in Deutschland niederließ. In der Strömung des Nazideutschland wurde Zarah Leander zum Stern des deutschen Films, einem Idol, das die Deutschen vom Krieg ablenkte und nahezu jeden Deutschen in die Kinos zog. Lieder wie „Nur nicht aus Liebe weinen“ wurden Tag für Tag in den Radiostationen gespielt und ihre zehn Filme bei der UFA hatten einen Erfolg, der alle andere Filme, die während des Zweiten Weltkriegs gedreht wurden, in den Schatten stellte.

Auch wenn man nie erfahren konnte wie Zarah Leander zum Regime Hitlers stand und sie nur erklärte, dass sie dankbar dafür war, dass sie in Deutschland die anspruchsvollen Rollen bekam, die man ihr in Schweden verweigerte, so wurde sie bei ihrer Rückkehr nach Schweden im Jahre 1943 wie eine heiße Kartoffel behandelt und es dauerte nahezu zehn Jahre, bevor sie auch in Schweden wieder wirklich Fuß fassen konnte, trotz einem kurzen Erfolg, den sie bei einem Auftritt im Jahre 1949 in Malmö hatte. Viele Schweden haben der Künstlerin, die 1981 in Stockholm starb, ihren Aufenthalt in Deutschland zur Kriegszeit nie verziehen.

Dokumentation "Hitlers Frauen - Zarah Leander": Teil I, Teil II, Teil III


15. März 1931: Unterwegs auf dem Göta Kanal 
15. März 1999: Der erste Nachrichtenkanal Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 13. März 2012

17 schwedische Tageszeitungen werden beschlagnahmt

Am 13. März 1942 ließ die schwedische Regierung gleichzeitig 17 Tageszeitungen beschlagnahmen, weil diese über die deutsche Tortur in norwegischen Gefängnissen berichten wollten. Der Justizminister wollte damit verhindern, dass in Schweden negativ über Deutschland geschrieben wird, da Königshaus und Regierung davon ausgingen, dass Hitler den Krieg gewinnen wird und ein deutschfreundliches Schweden nach dem Krieg wirtschaftlich von seiner loyalen Einstellung während des Krieges profitieren könne.

Die liberalen und linken Pressemedien Schwedens wollten an diesem Tag Zeugenaussagen veröffentlichen, die bestätigten, dass die deutsche Wehrmacht mit Terror und Tortur die norwegische Widerstandsbewegung ausradieren wollte. Da selbst der Regierung bewusst war, dass diese Aussagen auf Tatsachen beruhten, so griff sie bei ihrer Entscheidung die Zeitungen zu beschlagnahmen auf einem Gesetz zurück, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschaffen war und es untersagte „fremde Mächte unter Umständen in ihrer Meinung zu verletzen“, ein Gesetz, das damals über jenem der Pressefreiheit stand.

Während einige der Zeitungen nicht mit einem politischen Eingriff gerechnet hatten und dadurch ihre gesamte Auflage vernichtet wurde, hatte Torgny Segerstedt, der Chefredakteur der Göteborger Zeitung GHT (Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning), einen intelligenten Schachzug geplant. Als er daher wählen konnte, ob er den Artikel einfach streicht oder die Zeitungen vernichtet, so ließ er die Presse stoppen, ließ den Teil auf dem der Artikel stehen sollte weiß, aber versah diese Stelle mit der Überschrift „In norwegischen Gefängnissen und Konzentrationslagern“. Die Regierung konnte gegen diese Überschrift nichts einwenden, aber alle Leser wussten, was diese Überschrift tatsächlich bedeutete.

13. März 1809: Revolution in Schweden
13. März 1974: Die schwedische Popsängerin Linda Bengtzing

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 11. Januar 2012

Deutsche Nazigruppe wird aus Schweden ausgewiesen

Als Hitler im Jahre 1933 die Macht übernommen hatte, machte er sich unmittelbar daran in den Nachbarländern ein Netz der Sympathisanten aufzubauen, so auch in Schweden. Das Ziel war in erster Linie Deutsche im Ausland anzusprechen, ausgewanderte Deutsche auf seine Linie zu bringen, aber auch um Schweden davon zu überzeugen, dass er eine gerechte Sache vertritt, die nicht nur Deutschland stützt, sondern auch den befreundeten Staaten eine positive Zukunft bringt.

Ab 1935 verstärkte Hitler seine Bemühungen in Schweden, ausgehend von Stockholm, wo er auf die Unterstützung des Königs rechnen konnte. In diesem Rahmen wurde am 11. Januar 1936 im Sveavägen 29 das „Deutsche Kolonie-Heim“ (Tyska kolonihemmet) gegründet, das mit allen nazitreuen Gruppen Schwedens engen Kontakt hatte und sehr bald als das Nazizentrum Schwedens bekannt wurde. An der Spitze dieses schwedischen Netzes stand Heinz Bartels, ein treuer Gefolgsmann Hitlers.

Da der Führer des Kolonie-Heims, Heinz Bartels, immer aktiver wurde und deutschen Auswanderern, die nicht die Meinung Hitlers vertraten, bedrohte, wurde er vom schwedischen Staat mehrmals ohne jedes Ergebnis verwarnt und schließlich, gemeinsam mit seinen beiden wichtigsten Helfern in Stockholm, des Landes verwiesen. Deutschland versuchte die Ausweisung mit Drohungen zu verhindern, konnte jedoch die Entscheidung nicht beeinflussen. Als Folge der Ausweisung wurden dann von der Hitlerregierung drei schwedische Geschäftsleute aus Deutschland ausgewiesen.

11. Januar 1732: Peter Forsskål, ein Vorreiter des schwedischen Liberalismus

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 27. Juni 2011

Der letzte Geadelte Schwedens: Sven Anders Hedin

Am 27. Juni 1902 wurde der letzte Schwede, Sven Anders Hedin, in den Adelsstand erhoben, obwohl die schwedischen Könige noch bis zur Regierungsreform im Jahre 1975 das Recht hatten jemanden zu adeln. Am 1. Juli 2003 wurden in Schweden dann auch die letzten Privilegien des Adelstandes abgeschafft, auch wenn der Adelstand bis heute weiterhin besteht und nach wie vor vererbt wird.

Sven Anders Hedin (1865 - 1952) war einer der bedeutendsten Entdecker Schwedens und erforschte insbesondere Zentralasien. Hedin war der erste Forscher, der Tibet auf die Weltkarten brachte, das bis dahin nur ein weißer Fleck war. Obwohl er als Maßstab die Schrittlänge von Kamelen nahm, zeichnen sich seine Karten noch heute als relativ exakt aus. Seine Reisen und Entdeckungen machten Sven Anders Hedin zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum vermutlich bekanntesten Schweden seiner Zeit.

Trotz seiner großen Entdeckungen fiel Hedin nach dem Zweiten Weltkrieg in Ungnaden beim schwedischen Volk, da er als großer Freund Deutschlands sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg verteidigte. Dass er sämtliche Verschwörungstheorien gegen Hitler als Wahrheit betrachtete und nach dem Tode Hitlers diesen als „den größten Mann, den die Weltgeschichte je hervorbrachte“ bezeichnete, machte ihn in Schweden letztendlich zur persona non grata. Noch heute wird Sven Anders Hedin in Deutschland positiver gesehen als in seinem Heimatland.

27. Juni 1995: Sophie Adlersparre und die schwedische Frauenbewegung
27. Juni 2003: Carl Bernadotte und die Affäre Huseby 

Copyright: Herbert Kårlin