Posts mit dem Label Moderaterna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Moderaterna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 9. Januar 2017

Von der Högerpartiet zu den Moderaterna

Als sich 1952 der ursprüngliche Allmänna Valmansförbundet und die folgende Högerns Riksorganisation in Högerpartiet (rechte Partei) umbenannte, wollte man vor allem den Ruf als „Hitlerpartei“ verlieren und das konservative Gedankengut der Partei dem gehobenen Bürgerstand schmackhafter machen, was unter der Leitung von Jarl Hjalmarson auch einen gewissen Erfolg hatte, da dieser sich, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, volksnah zeigte. Aber auch wenn die Partei damit wieder aus dem absoluten Tief auftauchte, so gelang es auch Hjalmarson nicht die Sozialdemokraten von der Macht zu verdrängen, und selbst die Parteien der Mitte sahen die Högerpartiet noch als extremistisch, so dass eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien nahezu ausgeschlossen war.

Die Högerpartiet hatte bei seiner Umbenennung zwar erkannt, dass sie der Mehrheit der Bürger Zugeständnisse machen musste und es unmöglich war das Volk rechtlos zu lassen, so waren der Partei dennoch eine starke Monarchie, die Verteidigung und das Wachstum von Wirtschaftsunternehmen wichtiger als die Mitentscheidung und die soziale Absicherung der Bevölkerung. Als daher die Sozialdemokraten in den 60er Jahren das Folkhemmet nicht mehr nur als vagen Begriff benutzten, sondern Wohnungen für alle bauten, war die Bedeutung der Högerpartiet erneut auf dem Tiefpunkt angekommen und hatte kaum noch eine Unterstützung in der Bevölkerung.

Da man diesen Verlust an Wählern stark mit dem Begriff Högerpartiet in Zusammenhang brachte, entschied sich die Partei erneut für einen Namenswechsel, ohne jedoch zu viele Werte auf der Strecke zu lassen. Am 9. Januar 1969 wurde dann aus der Högerpartiet die Moderate Samlingspartiet (Moderaterna), die vom Wort her eine Politik der Mitte ausdrücken sollte, da man mit moderat eine Mitte-Rechts-Politik verbindet. Als Gösta Bohman dann 1970 den Vorsitz der Partei übernahm, sollte es aufwärts gehen, denn trotz seiner konservativen Einstellung zu Familie, Verteidigung und Gesetzgebung, zeigte er sich im Handel relativ liberal und wollte Schweden durch einen internationalen Handel zu einer europäischen Vormacht führen. Allein diese Öffnung und das Versprechen von Steuersenkungen halfen der umbenannten Partei erneut zum Aufschwung. Im Laufe der Jahre sollten die Moderaten dann tatsächlich mehr und mehr eine Mittenposition einnehmen und konnten damit von 2006 bis 2014 die Regierung stellen. Nach dem Rücktritt des Vorsitzenden Fredrik Reinfeldt im Jahre 2015 nahm die Partei erneut seine extrem konservative Haltung ein und konnte bei den Wahlen des Jahres 2018 gerade noch 19,8 Prozent der Wähler gewinnen.


9. Januar 1202: Birger Brosa unter Knut Eriksson und Sverker den yngre
9. Januar 1636: Die neue schwedische Kupferkompanie
9. Januar 1811: Desideria von Schweden, eine Kaufmannstochter wird Königin
9. Januar 1895: Greta Johansson und olympisches Gold
9. Januar 1897: Die schwedische Künstlerin Tyra Lundgren 
9. Januar 1900: Der Lorensbergs Cirkus in Göteborg brennt
9. Januar 1939: Annette Kullenberg, die Schriftstellerin mit der spitzen Zunge 
9. Januar 1954: Der Frachtdampfer Nedjan sinkt bei Eggegrund 
9. Januar 1969: Moderaterna, von extrem rechts zur Mitte

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 14. April 2016

Anna Kinberg Batra, Vorsitzende der Moderaterna

Anna Kinberg Batra kam am 14. April 1970 als Anna Kinberg in einer sehr gut situierten Familie in Stockholm zur Welt und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in den Niederlanden, überwiegend jedoch in Stockholm. Kinberg Batra besuchte den naturwissenschaftlichen Zweig im Gymnasium, studierte jedoch nach ihrer Hochschulreife Französisch und Holländisch. Nach Abschluss dieses Studiums besuchte die Politikerin die Handelshochschule in Stockholm, wo sie ihr Studium im Jahre 2000 als Diplomkauffau abschloss. Neben ihrer politischen Tätigkeit arbeitete sie von 2000 bis 2005 in der Werbebranche und anschließend ein Jahr an der Stockholmer Handelskammer.

Weitaus wichtiger als eine Karriere in der Wirtschaft war Anna Kinberg Batra indes die Politik, denn bereits 1983 trat sie dem Jugendverband der Moderaterna (MUF) bei und 1993 wurde sie, ohne politische Ausbildung, von Carl Bildt in der Regierungskanzlei als politische Beraterin beschäftigt. Seit dieser Zeit hatte Batra Kinberg dauerhaft wichtige Rollen innerhalb der Partei, wobei sie zum Aufstieg auch gerne Methoden der Werbung verwendete, die nicht unbedingt von Seriosität sprechen. Nachdem ihre Aussage im Jahre 1998, dass Stockholmer cleverer seien als Landbewohner, nicht sehr gut ankam, versprach sie  bei der Parlamentswahl 2002 Nacktbilder und Geheimnisse ihres Sexlebens. Diese Werbung reichte zwar nicht ganz für den Einzug ins Parlament, aber machte Kinberg Batra berühmt, auch wenn das Nacktbild nur ein kleines Stück Haut war, das man dem Körper nicht zuordnen konnte und die Geheimnisse des Sexlebens sich als Tipps für Unternehmer herausstellten.

Erst 2006 wurde die Politikerin Anna Kinberg Batra dann ins Parlament gewählt, neben ihrer Wahl in den Stadtrat von Nacka, und wurde erst die Vorsitzende des Europa-Ausschusses, später des Finanzausschusses, und ab 2010 auch Gruppenführerin der Moderaterna. Als Fredrik Reinfeldt nach dem Wahlverlust 2014 unmittelbar von seinem Amt als Parteivorsitzender zurücktrat, wurde Kinberg Batra zu seinem Nachfolger gewählt. In dieser Rolle vertrat die Politikerin die Moderaterna bei allen Verhandlungen mit der Regierung Löfven und konnte auch einige wichtige Punkte der Partei innerhalb der neuen Regierung durchsetzen. Auch bei ihrer Vorbereitung auf die kommende Wahl, entdeckt man sehr viel Werbeverhalten Kinberg Batras, da ihre Ideologie zu sein scheint alle Maßnahmen des linken Flügels PR-mäßig zu diskreditieren und durch wage Versprechen die Wähler der extrem rechten Bewegung Schwedens zu gewinnen.


14. April 1552: Der schwedische Reformator Laurentius Andreae
14. April 1891: Karl Gerhard, der König der schwedischen Revue
14. April 1924: Eine Straßenbahn, die mit Benzin fährt
14. April 1927: Der erste Volvo läuft vom Band
14. April 1954: Tetra Pak, eine schwedische Marke und Erfindung
14. April 1984: Marianne Aminoff, der unbekannte Filmstar

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Donnerstag, 22. Januar 2015

Ivar Anderson zwischen Politik und Pressegeschehen

Ivar Anderson wurde am 22. Januar 1891 in Kalmar geboren und legte dort auch im Jahre 1909 seine Hochschulreife ab bevor er sein Philosophiestudium an der Universität Uppsala begann. Nach dem Kanzleiexamen blieb Anderson an der Universität, machte ein Lizentiat in Philosophie und 1917 mit einer Arbeit über die Zeit unter Karl XIV. Johan seinen Doktor in Geschichtswissenschaft. Bereits als Student arbeitete Anderson regelmäßig am Stockholms Dagblad mit, der massgeblichen Tageszeitung jener Epoche.

Nach Abschluss seines Studiums in Uppsala wurde Ivar Anderson unmittelbar erster Redakteur des Östgöta Correspondenten und wenig später Haupteigentümer und Chefredakteur des Östergötlands Daglad, dem er anschließend bis 1940 die Treue hielt. Die Zeitung verließ er jedoch dann um Redakteur beim Svenska Dagbladet zu werden, der Zeitung bei der er erst zum Hauptredakteur aufstieg und 1952 Chefredakteur wurde. Mit 64 Jahren schloss Anderson dann jedoch seine journalistische Karriere endgültig ab um sich nur noch der Politik zu widmen, wenn auch nur in der zweiten Garde.

Ab wann sich Ivar Anderson entschied auch als Politiker Karriere zu machen, ist nicht bekannt, auch wenn sicher ist, dass er bereits 1931 im nationalen Jugendverband aktiv war und noch Anfang 30er Jahren eine hohe Position in der Högerpartiet (Rechtspartei), den heutigen Moderaterna, errungen hatte, denn 1935 strebte Anderson an der Vorsitzende der Partei zu werden, verlor jedoch bei der Abstimmung gegen Gösta Bagge. Zwischen 1935 und 1948 vertrat Anderson die Högerpartiet im Reichstag, wobei er in diesen Jahren auch zahlreiche politische Aufträge hatte. Ivar Anderson starb am 19. April 1980 in Täby bei Stockholm.


22. Januar 1849: August Strindberg, der schwedische Schrifststeller der Konflikte
22. Januar 1912: August Strindberg erhält den Anti-Nobelpreis 
22. Januar 1922: Elsa Andersson, die erste Fallschirmspringerin Schwedens 
22. Januar 1932: Birger Furugård, der schwedische Politiker mit Hakenkreuz

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 21. Januar 2015

Rickard Falkvinge, der Gründer der schwedischen Piratenpartei

Rickard Falkvinge, genannt Rick Falkvinge, kam am 21. Januar 1972 unter dem Namen Dick Greger Augustsson in Göteborg zur Welt und wählte im Gymnasium den naturwissenschaftlichen Zweig. In dieser Zeit hatte Augustsson im Grunde nur zwei Interessen, nämlich die politische Aktivität im Jungendverband der Moderaterna und ein großes Interesse für Technik, die, seiner Meinung nach, die Welt bald verändern sollte. Der Jugendliche beließ es allerdings nicht bei Theorie, sondern er gründete mit 16 seine erste Firma mit der er die Unternehmensführung schwedischer Firmen weitgehend digitalisieren wollte.

Seine ursprünglich Ein-Mann-Firma entwickelte sich sehr schnell und 1994 hatte Rickard Falkvinge ein Unternehmen mit fünf Angestellten, die sich in Göteborg, Kalmar und Strömsund mit Systementwicklung beschäftigten. Im Jahre 2004 beantragte der 32-Jährige einen Namenswechsel und wurde zu Rick Falkvinge. Im Herbst des Folgejahres kam Falkvinge dann auf die Idee eine neue Partei zu gründen, die sich hauptsächlich mit Filsharing, Urheberrecht und Patentrecht beschäftigen sollte. Als Falkvinge dann am 1. Januar 2006 über ein Chatforum seine Idee verbreitete, dauerte es nur wenige Tage bis ganz Schweden über die neue Partei sprach.

Aber auch wenn die von Rickard Falkvinge gegründete Partei wuchs, deren Vorsitzender er wurde, so war die finanzielle Lage katastrophal. Am 29. Dezember 2008 bat der Politiker daher alle Leser seines Blogs um ein Geldspende. Die Summe, die auf seinem Privatkonto einging, reichte dafür, dass Falkvinge die Führung der Partei hauptberuflich fortsetzen konnte und die Piratenpartei dann weitere 18 Monate über dem Wasser zu halten. Bei der Europawahl im Jahre 2009 erreichte die Piratenpartei 7,13 Prozent der Wählerstimmen und fand sich in der internationalen Presse, unter anderem bei CNN, BBC und Reuters. Am 1. Januar 2011 übergab Rickard Falkvinge dann jedoch die Parteiführung an Anna Troberg und begann sich den Lebensunterhalt durch Vorträge über seine Visionen zu verdienen. 2011 wurde Falkvinge von Foreign Policy unter den 100 größten Denkern der Welt aufgenommen und 2012 bezeichnete in Time als einen der 100 einflussreichsten Personen weltweit.


21. Januar 1598: Eine späte Beerdigung für Witwenkönigin Gunilla
21. Januar 1829: Oscar II. will die Macht des Königs retten 
21. Januar 1860: Karl Staaf wird liberaler Ministerpräsident 
21. Januar 1893: Gunnar Mascoll Silfverstolpe, der intime Alltagsdichter Schwedens 
21. Januar 2002: Der Tod von Fadime Sahindal bewegt Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Die Tageszeitung Svenska Dagbladet, Svenskan

Nur kurze Zeit nachdem Oscar Norén und Axel Jäderin im Jahre 1884 die Morgenzeitung Svenska Dagbladet gegründet hatten, die oft nur als Svenskan oder SvD bezeichnet wird, kam am 18. Dezember 1884 die erste Nummer dieser Zeitung auf den Markt, 18 Tage später als ursprünglich geplant und in einer Form, die man heute kaum als Tageszeitung bezeichnen könnte, denn die erste Nummer bestand nur aus vier Seiten, die keine Informationen boten, dafür jedoch gefüllt mit Werbung waren, denn immerhin hatten Norén und Jäderin die besten Beziehungen in der Welt der Industrie und des Handels.

Dass bei Erscheinen dieser ersten Nummer des Svenska Dagbladet die bereits existierenden Konkurrenten wie Aftonbladet, Dagens Nyheter oder Stockholms Dagblad aufatmeten, wies sich jedoch sehr bald als Fehler heraus, denn die beiden Redakteure arbeiteten von Beginn an an einer Zeitung, die in ganz Schweden erscheinen sollte und hatte eine Zusammenarbeit mit rund 40 Korrespondenten die über ganz Schweden verteilt waren. Die extrem konservative Zeitung war nämlich sehr schnell eine sehr ernst zu nehmende Konkurrenz, die nicht nur eigenes Material bieten konnte, sondern auch das Kulturleben Stockholms intensiv verfolgte.

Als 1897 Helmer Key Chefredakteur des Svenska Dagbladet wurde, nahm diese eine ewas mehr liberale Stellung ein, was auch dazu führte, dass die SvD ab 1910 das Sprachrohr der heutigen Moderaten (Moderaterna) wurde. Der Erfolg der Zeitung lag natürlich auch daran, dass Kulturpersönlichkeiten wie Verner von Heidenstam und Ellen Key regelmäßige Mitarbeiter waren und sehr viele Leser anzogen. Eine weitere journalistische Neuerung kam im Jahre 1974 mit der sogenannten Idagsidan, die soziale Fragen behandelte, über Lebensstil berichtete und philosophische Betrachtungen anbot. Auch hierbei spielten die beiden Verantwortlichen eine wichtige Rolle, denn es handelte sich um Marianne Fredriksson und Ami Lönnroth. Heute bezeichnet sich das Svenska Dagbladet, das mittlerweile dem norwegischen Medienkonzern Schibsted gehört, als liberal moderat, neigt jedoch zu einer konservativen bürgerlichen Berichtserstattung.


18. Dezember: Der Tag des Kuchens in Schweden
18. Dezember 1290: Der schwedische König Magnus Ladulås
18. Dezember 1661: Der schwedische Erfinder Christopher Polhem
18. Dezember 1793: Der schwedische Künstler Johan Niclas Byström
18. Dezember 1828: Viktor Rydberg, der Autor, der Jesus zum Menschen machte
18. Dezember 1869: Hilma Borelius, Wissenschaft und Frauenrecht in der Literatur
18. Dezember 1936: Ulla Trenter, zwischen Kriminalroman und Novelle
18. Dezember 2014: Die Sundsvallsbron, die längste Autobahnbrücke Schwedens 

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Samstag, 29. November 2014

Die Gründung des Studienverbands Medborgarskolan

Die Geschichte des schwedischen Studienverbands Medborgarskolan geht bis zum 29. November 1940 zurück, als sich Henry Jarild und Folke Kyling der Högerpartiet (Rechtspartei), die sich später zu den Moderaten (Moderaterna) entwickelte, dazu entschlossen auf Gut Gimo im Uppland einen Studienverband zu gründen, der zu Beginn vor allem der Ausbildung und Weiterbildung von Parteimitgliedern diente. Noch bis 1991 behielten die Moderaten einen gewissen Einfluss auf die Kurstätigkeiten, da sie erst in diesem Jahr alle Verbindungen zum Gut Gimo aufgaben.

Der ursprünglich rechte Studienverband öffnete sich im Lauf der Jahre immer größeren Gruppen und gehört heute mit zu den größten Studienverbänden Schwedens, die nicht mehr nur Kurse anbieten, sondern auch Kindergärten und Schulen besitzen, aber auch für mehrere Sprachschulen im Ausland verantwortlich sind. Aber auch wenn sich die Besitzverhältnisse mittlerweile stark geändert haben, so bezeichnet sich die Medborgarskolan auch heute noch als humanistisch und hat daher, im Gegensatz zum Arbetarnas bildningsförbund, eine relativ konservative Einstellung.

Die Bedeutung der Medborgarskolan kann man heute daran ermessen, dass diese Einrichtung in 229 der 290 schwedischen Gemeinden existiert und die 8000 Ausbilder des Studienverbands jedes Jahr etwa eine Million Teilnehmer zählen,die sich an einem oder mehreren der Kurse oder Ausbildungen einschreiben. In den letzten Jahren kamen, nicht zuletzt auf Grund von staatlichen Subventionen, auch mehrere berufsbildende und berufseinführende Kurse für Langzeitarbeitslose zu den mehr klassischen Ausbildungen hinzu, was im Jahre 2011 zu gewissen Kritiken an der Medborgarskolan führte.


29. November 1772: Der schwedische Philosoph Carl Mesterton
29. November 1927: Das erste Telefongespräch von Stockholm nach New York
29. November 1937: Tom Trana, mit Volvo und einer Kurventechnik zum Erfolg
29. November 1958: Der schwedische Sänger und Musiker Orup
29. November 2011: Marianne Zetterström, die Autorin der wenigen Worte

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 20. April 2014

Beatrice Ask, Justizministerin Schwedens

Beatrice Ask wurde am 20. April 1956 in Sveg im Härjedalen geboren und studierte nach ihrer Hochschulreife internationale Wirtschaft an der Universität Uppsala, ein Studium, das sie jedoch nie abschloss. Über ihren frühen politischer Werdegang ist wenig bekannt, denn wirklich in Erscheinung tritt Ask erst im Jahre 1984, als sie Sprecherin des Jugendverbands der Moderaterna wurde, was ihr sehr schnell zum Aufstieg in der Partei verhalf, denn schon 1888 war Beatrice Ask für die Schulbildung in Stockholm verantwortlich, ohne je eine pädagogische Bildung erhalten zu haben.

Allein ihr Amt in Stockholm qualifizierte Beatrice Ask dafür im Jahre 1991 Kultusministerin Schwedens zu werden. Auf diese Zeit geht eine der wichtigsten Reformen des Schulwesens zurück, denn Ask legte unter der Regierung Carl Bildts die Reform der Freischulen vor. Ab dieser Zeit werden Privatschulen Schwedens mit staatlichen Geldern unterstützt, was sich letztendlich in ein sehr heißes Eisen verwandelte, da dadurch auch Schulen geschaffen wurden, die über Riikokapitalgesellschaften staatliche Gelder steuerfrei in Steuerparadiese schaffen können ohne eine hohe Qualität an Ausbildung bieten zu müssen.

Im Laufe der Jahre wechselte Beatrice Ask von der Schulbildung zum Justizausschuss über und entwickelte sich zwischen 2003 und 2006 zur Sprecherin der Moderaterna in Rechtsfragen. Nahezu logisch war es dann, dass Ask im Jahre 2006 unter Fredrik Reinfeldt zur Justizministerin ernannt wurde, was die Bevölkerung Schwedens erstaunte, denn damit war Ask, historisch gesehen, die dritte Person, die ohne Jurastudium zur Justizministerin ernannt wurde, also ohne über den nötigen Hintergrund zu verfügen. In dieser Eigenschaft versuchte Ask mehrmals die Pressefreiheit zu begrenzen und wollte männlichen Sexkäufern ein buntes Kuvert ins Haus schicken, damit Briefträger und Familie erfahren, dass der Betroffene Sex gekauft hatte. Trotz mehrerer dieser juristisch sehr zweifelhaften Vorschläge wurde Beatrice Ask grundsätzlich von Fredrik Reinfeldt in vollem Umfang geschützt. Beim Regierungswechsel im Oktober 2014 musste Beatrice Ask ihr Amt an Morgan Johansson der Sozialdemokraten abgeben.


20. April 1535: Ein Sonnenphänomen und eine politische Auseinandersetzung
20. April 1795: Johan Henric Kellgren, erster Vorsitzender der Svenska Akademien 
20. April 1903: Dagmar Edqvist und die selbständige Frau des 20. Jahrhunderts 
20. April 1907: Tradition der Majblomman (Maiblume) in Schweden 
20. April 1947: Björn Skifs, mehr als nur ein schwedischer Sänger 
20. April 1978: Neues Thronfolgegesetz in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 27. Dezember 2013

Tobias Billström, schwedischer Migrationsminister

Tobias Billström wurde am 27. Dezember 1973 in Malmö geboren und studierte sowohl in Cambridge als auch in Lund philosophische Geschichtswissenschaft. Sein Studienschwerpunkt war dabei die britische Kolonialherrschaft in Indien und Jamaika. Bereits während seines Studiums engagierte sich Billström in der Jugendorganisation der Moderaterna. Bereits 2002 wurde der Politiker dann ins Parlament gewählt und im Folgejahr wurde er der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Ausbildung und Forschung. Ab 2005 beschäftigte sich Billström dann mit der Migration und zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass er die Asylpolitik der Sozialdemokraten bekämpfte.

Als die Moderaterna und damit Fredrik Reinfeldt 2006 in Schweden an die Macht kamen, wurde Tobias Billström am 6. Oktober 2006 zum Migrationsminister ernannte und er trat seine Karriere bereits mit einem Skandal an, denn es zeigte sich, dass der neu ernannte Minister bisher keine Fernsehgebühr bezahlt hatte. Erstaunlich war bei seiner Ernennung jedoch nicht nur, dass er jahrelang gegen schwedische Bestimmungen verstoßen hatte, sondern auch, dass er nicht mehr wie seine Vorgänger im Auswärtigen Amt seinen Sitz hatte, sondern im Justizdepartement Platz nahm, eine symbolische Handlung für seine spätere Ideologie und Politik.

Die wichtigsten Änderungen mit dem Antritt von Tobias Billström als Migrationsminister waren, dass nicht mehr die Asylpolitik im Zentrum stand, sondern der Schwerpunkt auf die Arbeitskrafteinwanderung gesetzt wurde, parallel zur Einführung einer Unterstützung für Rückwanderer. Mit dieser Politik sollten Arbeitskräfte, die in Schweden Mangelware waren, vorrangig aufgenommen werden und jene, die nicht mehr benötigt wurden mit Hilfe einer Unterstützung zur Rückkehr in die Heimatländer geleitet werden, eine Politik, die Billström bis heute als Entwicklungshilfe bezeichnet. Im Jahre 2012 zeichnete sich Tobias Billström dadurch aus, dass er dafür sorgte, dass Kinder von Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung ein Recht zum Schulgang in Schweden haben, allerdings mit Argumenten, die von den Media teilweise als rassistisch betrachtet wurden und ohne zu garantieren, dass diese Kinder nicht von der Ausländerpolizei an den Schulen aufgelauert wurden um die Eltern zu finden.


27. Dezember 1919: Die schwedische Filmindustrie SF wird gegründet 
27. Dezember 1991: Das Wunder von Gottröra

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 19. März 2012

Allan Hernelius macht die SvD zum politischen Organ

Am 19. März 1911 wurde Allan Hernelius in Tidaholm geboren, ein Mann, der sich bereits während seiner Studienjahre entschlossen hatte einen politischen Einfluss auszuüben und als ausgebildeter Jurist auch jede Grenze kannte, die ihm auferlegt war. Vom ersten Tag an stellte er sich auf die Seite der konservativen Arbeitgeber und entschied sich für eine rechte Politik innerhalb der Moderaterna, was ihm allerdings selbst in den eigenen Reihen mehrmals erhebliche Kritik einbrachte.

Bald nach Abschluss seines Studiums wurde Allan Hernelius die leitende Person des Verbands der Herausgeber von Tageszeitungen und gleichzeitig Chef des Arbeitgeberverbands der schwedischen Zeitungsherausgeber. Dies war das Sprungtuch für die verantwortlichen Stellen des Svenska Dagbladet (SvD), wo er anschliessend die Erfolgsleiter sehr schnell hoch kletterte und ab 1955 als Chefredakteur beschäftigt war und die Richtung der Zeitung vorgab.

Da Allan Hernelius bereits seit 1953 der Vorstand des Stockholmer Rechtsverbandes war, war es für ihn selbstverständlich, dass er seine politische Meinung auch auf die SvD übertrug und die Tageszeitung zu einem politischen Sprachrohr machte, das unter seiner Leitungen einen extremen Rechtsruck erfuhr. Ab 1962 verband er seine Aufgabe im Parlament mit jener als Chefredakteur, wobei er, trotz der doppelten Belastung, nahezu täglich einen eigenen Artikel in der SvD veröffentlichte. Auch wenn Allan Hernelius wenigen bekannt ist, so war er zwischen 1969 und seinem Tod im Jahre 1986 einer der einflussreichsten Hintergrundspolitker Schwedens.

19. März 1863: Alfred Hellerström, der Baumeister Helsingborgs
19. März 1914: Der Verein der freidenkenden Frauen Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 25. Oktober 2011

Fredrik Reinfeldt, Ministerpräsident Schwedens

Am 6. Oktober 2006 wurde John Fredrik Reinfeldt Schwedens Ministerpräsident und damit zum wichtigsten politischen Mann des Landes. 2010 wurde er dann, nachdem seine Partei, die Moderaterna (Moderaten), über 30 Prozent der Wählerstimmen bekam, erneut Ministerpräsident, was bedeutet, dass er Shweden bis 2014 steuern wird. Seine „Allians för Sverige“, die seit 2010 als Minoritätsregierung an der Macht ist, formte Reinfeldt bereits 2004, ein Jahr nachdem er am 25. Oktober 2003 bereits der Vorsitzende der Moderaterna geworden war und er der Partei mit dem Begriff „De nya Moderaterna“ einen neuen Anstrich gegeben hatte.

Fredrik Reinfeldt, der in Stockholm Wirtschaftswissenschaften studierte, begann seine politische Karriere bereits mit 18 Jahren, als er dem Jugendverband der Moderaterna beitrat und von dieser Zeit an nahezu permanent eine wichtige Rolle in der Partei einnahm und dann mit 26 Jahren ins Parlament einzog. Reinfeldt einigte in den 90er Jahren den Jugendverband der Partei und führte ihn 1992 sehr erfolgreich auf eine konservative Linie zurück. Die Veröffentlichung seines Buches „Det sovande folket“ im Jahre 1993 stürzte die Partei jedoch in eine Krise, da er hier offen das Wohlfahrtsystem Schwedens angriff und er forderte, dass niemand, auch kein Arbeitsloser, in Schweden von Steuergeldern leben darf, sondern eine Leistung bringen muss. Erst 1995 begann Fredrik Reinfeldt dann einer weniger harten Linie zu folgen, da er von der Parteiführung wegen seinen extrem rechten Forderungen zur Mäßigung gebeten worden war.

Als Fredrik Reinfeldt dann 2004 die „Allians för Sverige“ einging, indem er einen Bund mit den anderen drei bürgerlichen schwedischen Parteien (Volkspartei, Zentrumspartei und Christdemokraten) schloss, konnte er einen starken Bund gegen die Sozialdemokratische Regierung aufbauen und zudem sicher sein, dass seine Partei bei einer erfolgreichen Wahl den Ministerpräsidenten stellen würde. Als er dann bei den Wahlen 2006 als jugendlicher, dynamischer Kandidat die Vollbeschäftigung in Schweden versprach, konnte er sich die Macht sichern. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2010 konnten dann jedoch die extrem rechten Sverigedemokraterna (Schwedendemokraten), auf Kosten der Allians, im Parlament einziehen und Reinfeldt musste sich mit der Rolle der Minoritäten-Ministerpräsidenten zufrieden geben.

Als die Regierungsallianz im Jahre 2014 die Macht an eine Koalition der Sozialdemokraten und der Grünen abgeben musste, folgte der Sozialdemokrat Stefan Löfven Reinfeldt als Ministerpräsident. Reinfeldt trat bei diesem Anlass auch als Vorsitzender der Moderaterna zurück und erklärte seinen Rücktritt aus der schwedischen Politik.

25. Oktober 1980: Die Grünen Schwedens werden gegründet

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 17. Oktober 2011

Moderaterna, von extrem rechts zur Mitte

Am 17. Oktober 1904 bildete sich der Allmänna valmansförbundet, der sich dann umbenannte in Högers riksorganisation, dann Högerpartiet und schließlich, mit Fredrik Reinfeldt an der Spitze, zu den Nya Moderaterna wurde, eine Entwicklung, die weniger das Parteiprogramm beeinflusste als vielmehr vom Ruf einer extrem rechten Partei zum Ruf einer Partei der Mitte führen sollte, da der Begriff ”höger” (rechts) von den Wählern im Laufe der Jahrzehnte immer negativer aufgefasst wurde und heute nicht einmal mehr von den Sverigedemokraterna aufgenommen werden will.

Von Beginn an war die Politik der heutigen Moderaterna für die Aufrechterhaltung der Monarchie, für ein straffes Rechtswesen und eine starke Verteidigung, Werte, die die Partei noch heute sehr hoch hält. Im Jahre 1918 widersetzte sich die Partei auch energisch gegen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Schweden und befürwortete diese linke Forderung letztendlich nur, da sie die Russische Revolution vor Augen hatte, die auf Schweden überspringen konnte. Die Erhaltung ihrer Macht war in diesem Punkt wichtiger als das Grundprinzip der Partei.

Als Fredrik Reinfeldt 2003 an die Spitze der Moderaterna kam, waren seine wichtigsten Forderungen eine Nulltoleranz bei Kriminalität, eine Verbesserung des Gesundheitswesens und der Ausbildung, sowie die Forderung, dass es sich wieder lohnen sollte zu arbeiten. Seit dieser Zeit stieg jedoch die Anzahl der Morde von 189 Fällen im Jahre 2003 auf 329 im letzten Jahr und die Misshandlung von Kindern hat sich nahezu verdreifacht. Schulbildung und Gesundheitswesen sollten von privaten Unternehmern geleitet werden, was dazu führte, dass sich private Schulen und Altersheime vermehrten und die einträchtigen Gewinne ins steuerfreie Ausland fliessen. Die Arbeitslosigkeit stieg in diesem Zeitraum ebenfalls von 6,5 Prozent auf 7,3 Prozent an.

17. Oktober 1842: Gustaf Retzius, der bedeutendste Rassenbiologe Schwedens
17. Oktober 1969: Die Eisenhütte in Nykroppa wird stillgelegt

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg