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Freitag, 29. Mai 2015

Långholmen, ein Gefängnis wird zum Hotel

Die Geschichte des Gefängnisses auf Långholmen geht bis auf das Jahr 1724 zurück, als Stockholm dort das sogenannte Rasp- och Spinnhus einrichtete, eine Art Frauengefängnis in dem alle Bettler und Obdachlosen der Stadt landeten um eine für die Gesellschaft sinnvolle Arbeit zu leisten. Als dann 1825 das Frauengefängnis verlegt wurde, wurde das Gefängnis Långholmen umgebaut und erhielt die ersten 127 Zellen für männliche Strafgefangene, die dort unter sehr üblen Verhältnissen untergebracht wurden.

Da das Gefängnis Långholmen immer mehr Gefangene unterbringen sollte, wurde es mehrmals erweitert, insbesondere im Jahre 1850 als auch das Untersuchungsgefängnis mit dort untergebracht werden musste, eine Einrichtung, die in Schweden mit der Gefängnisreform des Jahres 1840 entstanden war. Berühmt wurde das Gefängnis jedoch erst 1910, also dort Alfred Ander hingerichtet wurde, denn es handelte sich nicht nur um die letzte Hinrichtung Schwedens, sondern auch um die einzige Hinrichtung mit der neu angeschafften Guillotine.

Bereits in den 20er Jahren war den Politikern Schwedens klar, dass Långholmen veraltet war und die dortige Strafvollziehung kaum noch zu verantworten war. Aber erst am 29. Mai 1956 entschied sich das Parlament dann dazu das Gefängnis zu schließen. Von dieser Entscheidung bis zur tatsächlichen Schließung sollten allerdings dann 19 Jahre vergehen, denn erst 1975 verließen die letzten Sträflinge das Gebäude. Als man dann 1982 begann das Gefängnis abzureißen, konnte das Stadtmuseum Stockholm jedoch einen Teil des Baus aus kulturhistorischen Gründen retten. Heute findet man in dem berüchtigten Bau ein Hotel, eine Jugendherberge und ein Gasthaus, so dass die ehemaligen Zellen weiterhin genutzt werden, wenn auch nicht mehr von der gleichen Schicht an Personen.


29. Mai 1766: Baltzar von Platen, der Gründer des Göta Kanals
29. Mai 1772: König Gustav III. will die Macht nicht teilen
29. Mai 1856: Edvard Hedin, der Gründer der Freikirche Helgelseförbundet
29. Mai 1938: Körperstrafe und Dunkelhaft werden in Schweden abgeschafft
29. Mai 1940: Hemvärnet, eine paramilitärische Einheit in Schweden
29. Mai 1985: Der mysteriöse Tod der Journalistin Cats Falck

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Montag, 5. Januar 2015

Alfred Ander, das Leben vor dem Raubmord und der Guillotine

Alfred Ander, der heute fast ausschließlich als der letzte und einzige Mörder bekannt ist, der unter der Guillotine starb, kam am 27. Oktober 1873 in Ljusterö bei Stockholm als Sohn eines ehemaligen Seemanns zur Welt, der um diese Zeit ein kleineres landwirtschaftliches Anwesen betrieb. Da die Mutter von Alfred Ander bereits starb als der Junge ein Jahr alt war, wurde er bis zum Alter von zehn Jahren allein von seinem Vater erzogen. Die Beziehung zur Stiefmutter, die er um diese Zeit erhielt schien angespannt, auch wenn darüber wenig berichtet wird.

Als Alfred Ander 14 Jahre alt war, verließ er das Elternhaus und fand noch im gleichen Jahr eine Anstellung in einem Restaurant in dem er in relativ kurzer Zeit bis zum Kellner aufstieg. In den folgenden Jahren arbeitete Ander in verschiedenen Restaurants als Kellner, lernte seine Frau kennen, die er nach seinem Wehrdienst in den Jahren 1893 und 1894 heiratete. Gleichzeitig mit der Ehe gab Ander auch seinen Beruf auf um sich selbständig zu machen. Sein erstes eigenes Geschäft wurde ein Tabakhandel in dem seine Frau zu jener Zeit arbeitete. Als er ein Jahr später das Geschäft verkaufte, geriet er an einen Betrüger, der ihm nur rund 20 Prozent der vereinbarten Summe auszahlte.

Alfred Ander kehrte zurück zu seiner Arbeit als Kellner, taucht dann jedoch erstmals 1900 im Polizeiregister auf und wird wegen dem Diebstahl eines Fahrrads zu drei Monaten Strafarbeit verurteilt. Nachdem die Strafe gebüßt ist, zog das Ehepaar nach Finnland und Ander begann erneut als Kellner zu arbeiten. Bereits zwei Jahre später kehrte das Paar jedoch zurück nach Schweden und Ander gründete sein eigenes Restaurant, das er jedoch ein Jahr später wieder verkaufte, da ihm die Schankgenehmigung entzogen wurde. Ander versuchte sich nun als Hotelier, musste jedoch so hohe Kredite aufnehmen dass das Unternehmen von Beginn an zum Scheitern verurteilt war und mit dem Konkurs endete. Es folgten einige kriminelle Kleintaten, die Ander nicht nur Gefängnisstrafen einbrachten, sondern auch dazu führten dass er keinerlei Einkommen mehr hatte und selbst die Wohnung verlor, was letztendlich zum Raubmord und dem Todesurteil am 5. Januar 1910 führte.


5. Januar 1559: Kristina Nilsdotter, eine starke Frau Schwedens 
5. Januar 1667: Anders Nordencrantz und die schwedische Wirtschaft 
5. Januar 1674: Ebba Brahe, die Geliebte des Königs Gustav II. Adolf 
5. Januar 1814: Polizeichef Nils Henrik Liljensparre 
5. Januar 1949: Alva Myrdal, ein Leben für die Schulreform und den Frieden 
5. Januar 1960: Der Flugplatz Arlanda in Stockholm 
5. Januar 1970: Flugzeugabsturz beim Stockholmer Flugplatz Arlanda

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 6. September 2011

Der Tod durch die Guillotine in Schweden

Am 6. September 1910 bestätigte der Oberste Gerichtshof Schwedens das Todesurteil gegen Johan Alfred Andersson Ander wegen eines Raubmords. Alfred Ander wurde damit der letzte Schwede, der hingerichtet wurde, obwohl die Todesstrafe in Schweden erst im Jahre 1921 abgeschafft wurde. Alfred Ander war auch der einzige Schwede, der durch die im Jahre 1906 aus Frankreich importierte Guillotine hingerichtet wurde, dem Exemplar, das man heute im Nordischen Museum in Stockholm sehen kann.

Alfred Ander wurde am 23. November des gleichen Jahres im Alter von 37 Jahren im Långholmens Gefängnis in Stockholm hingerichtet, nachdem ihn sämtliche gerichtliche Instanzen für schuldig erklärten, auch wenn er selbst die Tat abstritt. Zu diesem Urteil kam es jedoch sicherlich nicht nur wegen den erdrückenden Indizien, sondern auch, weil Alfred Ander bereits eine Karriere als Kleinkrimineller hinter sich hatte, zum Alkohol neigte, permanente Geldprobleme hatte und als gewalttätig galt. Der Mord passte daher zu seinem Werdegang.

Während eines Raubüberfalls auf die Wechselbank Ander Gerell in Stockholm raubte der Täter 5211 Kronen 27 Öre und misshandelte die Angestellte so stark, dass sie wenig später verstarb. Die Spur führte unmittelbar zu Alfred Ander, da man in seinem Hotelzimmer einen Koffer mit einem Teil des Geldes fand, das stark blutverschmiert war. Im Koffer lagen auch die Papiere von Alfred Ander und ein Foto von ihm. Anschließend konnte auch noch die Tatwaffe, eine Handwage, mit ihm in Verbindung gebracht werden, was schließlich zu seinem Todesurteil führte.

6. September 1815: Der schwedische Sprachforscher Johan Ernst Rietz
6. September 1868: Axel Anders Teodor Hägerström, der Gründer der Uppsala-Schule

Copyright: Herbert Kårlin