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Mittwoch, 25. Januar 2017

Der Schriftsteller und Politiker Carl Henrik Anckarsvärd

Auch wenn Carl Henrik Anckarsvärd bei seinem Tod am 25. Januar 1865 in Stockholm kaum noch eine politische Macht hatte, so entschied er über sehr viele Jahre hinweg über große Teile der schwedischen Politik und widersetzte sich dabei mehrmals den Wünschen des Königs  Karl XIV. Johan, der ihn wegen seiner freien Meinung einmal selbst hinrichten wollte. Anckarsvärd hatte jedoch während seiner Glanzzeit nahezu das gesamte Parlament hinter sich, obwohl der Politiker kaum eine Führungseigenschaft besaß, sondern lediglich mit Wort und Schrift ausgezeichnet umgehen konnte.

Carl Henrik Anckarsvärd war am 22. April 1782 als Sohn eines Generals und Politikers auf der Festung Sveaborg im heutrigen Finnland zur Welt gekommen, wurde im Alter von drei Jahren bereits als Offizier eingeschrieben, auch wenn er erst als 16-Jähriger seinen Dienst als Fähnrich in der Leibgarde antrat. Nach einem Auslandsaufenthalt und der aktiven Teilnahme am Feldzug nach Deutschland ging die Karriere Anckarsvärds steil nach oben und schon 1813 war er Generaladjutant beim Stab des Königs. Noch im gleichen Jahr kam allerdings auch der erste Knick in der Karriere, denn Anckarsvärd kritisierte sowohl den Krieg als auch die schwedische Politik in einem Brief an Karl XIV. Johan, der dies sehr übel aufnahm und ihn zum Rücktritt aus dem Militärdienst zwang.

Allerdings wurde Carl Henrik Anckarsvärd durch die Entscheidung des Königs nur noch mächtiger, denn bereits 1817 war er der politische Führer der Ritterhausopposition und vertrat seine Meinung noch deutlicher als früher. Nach einigen kritischen Äußerungen Anckarsvärds forderte  Karl XIV. Johan sogar die Todesstrafe, aber scheiterte daran dass dies zu deutlich nach einer Racheaktion aussah. Anckarsvärd wurde jedoch durch diese Anklage weiterhin gestärkt und 1828 hatte der Politiker einen so starken Einfluss erreicht, dass allgemein angenommen wurde Anckarsvärd würde eine neue Regierung einsetzen und dem König weitgehend die Macht nehmen, aber schnell zeigte sich dass der Politiker damit überfordert war und der Politiker griff wieder mehr zur Feder und verfasste eine Schrift zur Auflösung des Ständesystems im Reichstag. Mit einem weiteren Schriftstück des Jahres 1833 gelang es Anckarsvärd dann nahezu den König zu stürzen, aber dies jedoch misslang, war auch die politische Karriere Anckarsvärds zu Ende.


25. Januar 1622: Das kurze Leben des Vasaprinzen Karl Filip
25. Januar 1757: Gustaf Engzell, der konservative Modernist der schwedischen Literatur
25. Januar 1880: Torsten Fogelqvist und die Begegnung mit der Arbeiterbewegung
25. Januar 1922: Die Volksbefragung kommt als politisches Instrument nach Schweden
25. Januar 1923: Arvid Carlsson und der Nobelpreis in Physiologie oder Medizin
25. Januar 1931: Der schwedische Musiker Stikkan Anderson kommt zur Welt
25. Januar 1946: Schweden liefert Kriegsflüchtlinge an die Sowjetunion aus
25. Januar 1956: Der berühmte Alkoholhändler Ivan Bratt stirbt in Bettna
25. Januar 1957: Skogsmulle bringt Kindern die Natur näher
25. Januar 1957: Die ersten Massenimpfungen gegen Polio in Schweden
25. Januar 1967: Das U-Boot HMS Sjöormen wird zu Wasser gelassen

Copyright: Herbert Kårlin

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Donnerstag, 24. Juli 2014

Carl Fredrik Bergstedt, ein Revolutionär seiner Zeit

Carl Fredrik Bergstedt wurde am 24. Juli 1817 in Lillkyrka in Närke als Sohn eines Landwirts geboren, der ihn jedoch die Schule in Örebro und später in Strängnäs besuchen ließ um ihm den Weg in eine bessere Zukunft zu bieten. 1836 begann Bergstedt ein Studium der Philosophie an der Universität Uppsala, das dieser 1843 mit einem Magister abschloss. Nur ein Jahr später wurde der Wissenschaftler Dozent für griechische Literatur, wobei Bergstedt jedoch sehr bald zu Sanskrit wechselte und damit der erste Wissenschaftler Schwedens dieser alten Sprache wurde und einige der grundlegenden Werke vom Sanskrit ins Schwedische übersetzte.

Sehr schnell wurde Carl Fredrik Bergstedt allerdings das schwarze Schaf der Universität Uppsala, da er auf Grund seiner Herkunft andere Vorstellungen vertrat als das akademische Uppsala. Bergström setzte sich für den allgemeinen Schulunterricht ein, die Religionsfreiheit, forderte die Bildung für Frauen und verwarf die romantischen Ideen jener Zeit, die in seinen Augen Kunst und Literatur nur subjektiv bewerteten und damit einen elitären Standpunkt einnahmen. Bereits ab 1844 vertrat er seine, für die Zeit revolutionären Meinungen, in den verschiedensten Publikationen Uppsalas.

Als Lars Johan Hierta 1852 einen Nachfolger als Herausgeber des Aftonbladets suchte, übernahm Carl Fredrik Bergstedt diese Aufgabe um auf diese Weise seine reformatorische Bewegung fortsetzen zu können. Nur drei Jahre später legte er das Amt jedoch nieder, da er die Meinungen der Redakteure der Zeitung hinsichtlich der schwedischen Außenpolitik nicht teilte. 1866 begann Bergstedt dann durch seine Wahl in die Regionalregierung und den Reichstag seine politische Karriere und dehnte dabei seine Forderungen für eine veränderte Gesellschaft noch aus. Bergstedt forderte nun auch die Abschaffung der Todesstrafe, das Erbrecht für Frauen, die Pressefreiheit und eine grundlegende Schulreform, die allen Schweden die gleichen Chancen bietet. Bergstedt starb am 26. Januar 1903 in Kristberg im Alter von 85 Jahren.


24. Juli: Kristina, ein unveränderlicher Namenstag in Schweden 
24. Juli 1719: Russische Galere greift Nyköping an 
24. Juli 1842: Die Skeppsholmskyrkan in Stockholm 
24. Juli 1842: Die Carl Johans kyrka in Stockholm
24. Juli 1870: Anders Abraham Grafström, ein religiöser Skalde aus Nordschweden

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 12. Juli 2013

Oscar von Sydow, für acht Monate Ministerpräsident Schwedens

Oscar von Sydow wurde am 12. Juli 1873 in Kalmar geboren, wuchs jedoch in Nordschweden auf. Auch wenn der Name Sydow in Schweden mit mehreren Politikern und einflussreichen Personen zusammenhängt, so geht dieser Familienname grundsätzlich auf Einwanderer aus Pommern zurück, die wegen ihrem protestantischen Glauben nach Schweden gekommen waren und hier nicht nur, auf königlichen Beschluss, ihre adeligen Rechte behalten konnten, sondern sich auch in sieben adelige Zweige verteilten von denen heute noch fünf existieren.

Oscar von Sydow ging als der am kürzesten regierende Ministerpräsident Schwedens in die Geschichte ein, der zudem nur gewählt wurde, weil Hjalmar Branting das Amt vorher abgelehnt hatte. Sydow akzeptierte das Amt, obwohl Schweden damals in der Krise stand und er wusste, dass er wegen seiner harten Linie eine schwere Stellung haben würde. Um jedoch nicht machtlos auf die baldigen Wahlen zu warten, forderte von Sydow Garantien, die ihm auch ermöglichten die Staatsgeschäfte aktiv zu führen und nicht nur als Marionette an der Spitze Schwedens zu stehen.

Noch heute wird der parteilose Oscar von Sydow nur so nebenbei als Ministerpräsident genannt, obwohl gerade er es war, der den Sozialdemokraten, und damit auch dem folgenden Ministerpräsidenten Hjalmar Branting, eine gute Regierungsbasis bot, denn als Ministerpräsident hatte in der kurzen Zeit seiner Macht zwei wichtige Änderungen herbeigeführt und zum einen die Todesstrafe in Friedenszeiten abgeschafft und das Wahlrecht der Frauen endgültig abgesichert, damit also die konservativen Kritiker der neuen Bestimmungen endgültig zum Schweigen gebracht. Man kann heute sagen, dass Oscar von Sydow mit seiner Änderung der Verfassung die Demokratie in Schweden geschaffen hat. Oscar von Sydow starb am 19. August 1936 im Alter von 63 Jahren in Stockholm.


12. Juli 1908: Fußball in Schweden 
12. Juli 1953: Wolfgang Zaugg, alias John Ausonius, der Lasermannen

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 10. Dezember 2012

Die letzte Hinrichtung in Västerås

Am 10. Dezember 1900 wurde in der schwedischen Stadt Västerås das letzte Mal ein Mörder hingerichtet. Es war die vorletzte Hinrichtung Schwedens und die letzte, die ein Scharfrichter mit dem Beil ausüben musste. Beim Hingerichteten handelte es sich um John Filip Nordlund, der am 17. Mai durch den Massenmord auf dem Dampfer Prins Carl in ganz Schweden bekannt geworden war und sich in einem Brief an seine Eltern und Brüder den Tod herbeigewünscht hatte.

Auch wenn vermutlich niemand mit John Filip Nordlund Mitleid hatte als er am 10. Dezember um acht Uhr morgens hingerichtet wurde, zumal der Mörder keinerlei Mitleid mit seinen Opfern zeigte und vor Gericht bedauerte, dass es ihm nicht gelungen war auch die Verletzten zu töten und er bei einem Fluchtversuch noch zwei Wächter schwer verletzt hatte, so war diese Hinrichtung eine Wende des schwedischen Strafvollzugs und es wurde ausgerechnet bei einem Massenmörder über die Abschaffung der Todesstrafe diskutiert.

Die Hinrichtung von John Filip Nordlund kam gerade zu jener Zeit, als man sich die Frage stellte ob ein Verbrecher seine Neigung geerbt hatte, als Hjalmar Branting sich deutlich gegen die Todesstrafe ausgesprochen hatte und man bei Verbrechen nach der Schuld der Gesellschaft suchte. Der Fall des Mälarmördaren war aber auch aus einem anderen Grund noch ein juristischer Sonderfall, da ein Psychologe in seinem Gutachten erklärte, dass der Mörder geisteskrank war, was für viele bedeutete, dass John Filip Nordlund zwar lebenslang eingesperrt werden musste, es aber nicht logisch war ihn hinzurichten auf Grund einer Krankheit.


10. Dezember 1898: Emil Kléen, der dekadente Poet des 19. Jahrhunderts
10. Dezember 1909: Selma Lagerlöf erhält den Nobelpreis der Literatur

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 23. Juli 2012

Erik Brahe will die schwedische Königsmacht stärken

Erik Brahe starb am 23. Juli 1756 auf dem Schafott, da er an einer Verschwörung beteiligt war, die die Königsmacht im Land stärken sollte. Er beendete damit seine bis dahin glänzende Laufbahn, die ihn vom einfachen Ritter in der Kavallerie Skånes bis zur ritterlichen Leibgarde des Königs bgebracht hatte. Als Graf hatte Brahe zudem im schwedischen Reichstag einen gewissen Einfluss erlangt. Leider ließ er sich in dieser Position von Königin Lovisa Ulrika in eine Konspiration verstricken.

Lovisa Ulrika wollte die Macht des Königs in Schweden ausdehnen und suchte daher in ihrer Umgebung so viele Verbündete wie möglich. In diesem Rahmen verpfändete sie selbst die Kronjuwelen, die jedoch Eigentum des Landes waren. Erik Brahe ließ sich nur zu gerne von dieser Änderung überzeugen, die nach dem Umsturz auch die Macht des Adels beschränkt sein sollte, was ihm einen höheren Einfluss und eine höheres Einkommen bringen konnte. Allerdings rechneten weder die Königin noch Brahe damit, dass die Hofdame Ulrika Strömfelt den Plan verraten würde.

Am 22. Juni 1756 wurde der Plan während eines Reichstags, bei dem auch Erik Brahe anwesend war, aufgedeckt und am 16. Juli fiel bereits das Urteil. Alle Beteiligten, außer dem Königspaar, wurden zum Tode verurteilt und sämtliche ihre Güter wurden eingezogen. Die 22-jährige Ehefrau Brahes, die gerade ein Kind erwartete, versuchte die Richter und den Reichsrat, der für Begnadigungen zuständig war, umzustimmen um das Leben ihres Mannes auf jede erdenkliche Weise zu retten, ohne jedoch irgendeinen Erfolg zu erreichen. Am 23. Juli 1756, nur eine Woche nach dem Urteil, wurde Erik Brahe öffentlich hingerichtet.


23. Juli 1373: Visionen der Heiligen Birgitta
23. Juli 1896: Untergang der S/S Freja af Fryken in den Frykensjöarna

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 16. Mai 2012

Massenmord auf dem Mälaren

Am 16. Mai 1900 beging John Filip Nordlund auf dem Dampfer Prins Carl, der auf dem Mälaren unterwegs war, einen Massenmord, der als eines der größten Verbrechen in die Kriminalgeschichte Schwedens einging. Der Dampfer war in der Nacht vom 16. zum 17. Mai von Arboga nach Stockholm aufgebrochen, wobei weder Besatzung noch Passagiere ahnen konnten wen sie an dieser Nacht an Bord hatten und welche Pläne in diesem Mann gereift waren.

Als John Filip Nordlund, ein bereits mehrmals vorbestrafter Dieb, an Bord stieg, hatte er bereits zwei Ziele im Auge. Zum einen wollte er sämtliche Passagier ausrauben und die Bordkasse stehlen, zum anderen wollte er keinen Zeugen der Tat am Leben lassen und den Dampfer in Brand stecken. Um das größte Chaos an Bord zu schaffen, tötete er den Kapitän des Bootes zuerst. Im folgenden tötete er dann fünf Passagiere und verletzte weitere acht zum Teil schwer. Nur die Ankunft des Schiffes „Köping“ verhinderte weitere Tote und John Filip Nordlund flüchtete in einem Rettungsboot.

Bereits am nächsten Tag wurde der Täter dann jedoch am Bahnhof in Skogstorp festgenommen, was seiner Flucht nach Kopenhagen ein Ende setzte. Bei der Verhandlung gab es keine große Überraschung über die Strafe, denn John Filip Nordlund wurde zum Tode durch das Beil verurteilt. Am Morgen des 10. Dezembers 1900 wurde er dann in Västerås hingerichtet und war damit die vorletzte Person in Schweden, die tatsächlich hingerichtet wurde und der letzte, der durch das Beil starb, denn Alfred Ander, der noch nach ihm hingerichtet wurde, starb durch die Guillotine.


16. Mai 1923: Alkoholverkauf in Schweden
16. Mai 1930: Eine Ausstellung in Stockholm verändert die Architektur des Landes 

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 7. Mai 2012

Abschaffung der Todesstrafe in Schweden

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Todesstrafe die übliche Strafe in Schweden, wobei in einer Akte von 1734 sogar noch auf 68 verschiedene Vergehen die Todesstrafe stand. Noch 1858 gab es noch in jeder Region Schwedens einen Scharfrichter, da eine einzelne Person die Hinrichtungen in Schweden nicht leisten konnte. Erst am 7. Mai 1921 wurde dann bei einer Regierungsreform die Todesstrafe, mit Wirkung ab dem 30. Juni 1921, im Zivilleben abgeschafft.

Dies bedeutete jedoch nicht, dass Soldaten bei einem Vergehen nicht immer noch mit einer Hinrichtung rechnen musste, denn die Entscheidung von 1921 betraf ausschließlich die Zivilbevölkerung. Nach dem Militärgesetz von 1882 war bei Vergehen von Soldaten in Kriegszeiten weiterhin die Todesstrafe vorgesehen. Allerdings sollten die Betroffenen nach 1921 nur noch erschossen werden und nicht mehr durch das Beil sterben. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges galt dies allerdings auch wieder für einige Gruppen der Zivilbevölkerung.

Erst im Jahre 1973 wurde dann durch ein königliches Dekret die Todesstrafe auch für Soldaten abgeschafft und 1975 wurde das Grundgesetz dahingehend geändert, dass die Todesstrafe in ganz Schweden verboten wurde. Aber auch wenn die Gesetze damit eine klare Linie zogen, so war dies bei der Bevölkerung noch nicht der Fall, denn nach einer Sifos-Umfrage von 1997 erklärten noch 40 Prozent der Schweden für die Todesstrafe zu sein und als 2006 die kostenlose Tageszeitung Metro eine Untersuchung anstellte, waren noch 33 Prozent der Schweden der Meinung, dass bei gewissen Taten die Todesstrafe angebracht sei. Immerhin sprachen sich dann schon 56 Prozent der Schweden dagegen aus.


7. Mai 1697: Das königliche Schloss in Stockholm brennt nieder
7. Mai 1840: Der deutsch-schwedische Künstler Caspar David Friedrich 
7. Mai 1856: Die Erweckungsbewegung innerhalb der Svenska Kyrkan

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 19. November 2011

Joe Hill, der berühmteste Schwede Amerikas

Am 19. November 1915 wurde Joel Emmanuel Hägglund, der allgemein nur als Joe Hill bekannt ist, in Salt Lake City hingerichtet, da eine Jury ihn des Mordes schuldig fand. Es gab keine Beweismittel, keine glaubhaften Zeugen und die Anwälte, die ihn kostenlos verteidigten, arbeiteten gleichzeitig für den Staatsanwalt. Selbst die weltweiten Proteste gegen ein manipuliertes Urteil konnten Joe Hill nicht retten und falls man ihn, wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten, zum Schweigen bringen wollte, so erreichte man das Gegenteil, denn von diesem Tag an wurde Joe Hill unsterblich.

Joe Hill verließ Schweden während der großen Auswanderungswelle und war einer der 1,2 Millionen Schweden, die um diese Zeit ihr Glück in den USA machen wollten. Wie so viele, so gelang es auch Joe Hill nicht der Arbeiterklasse zu entkommen und er zog in den USA, auf der Suche nach Arbeit, von Ort zu Ort. Sehr bald geriet er dabei an die amerikanische Gewerkschaftsbewegung in der er sich bedeutend engagierte. Er organisierte Streiks und vertrat die IWW vor allem mit seinen Protestliedern, die dazu führten, dass er bereits zu Lebzeiten eine Legende wurde, die nach zahlreichen Berichten an mehreren Orten gleichzeitig sein konnte.

Durch die Hinrichtung wurde Joe Hill die Galionsfigur der amerikanischen Arbeiterbewegung und ein Märtyrern der gerechten Sache. An seiner symbolischen Beerdigung nahmen 30.000 Personen teil, mehr als ein Staatsoberhaupt je erreichen konnte. Im Jahre 1960 wurde ein Brief mit einem Teil seiner Asche auch nach Schweden gebracht, die dann 1967 in Landskrona eingemauert wurde. 1969 kaufte die Sveriges Arbetares Centralorganisation das Haus in Gävle in dem der Poet, Musiker und Gewerkschaftler aufgewachsen war und verwandelte es in den Joe Hill-Gården, ein Museum, das für immer an Joe Hill erinnern soll. Die Protestsongs von Joe Hill haben Musiker wie John Lennon, Bob Dylan, Joan Baez und Woody Guthrie beeinflusst und der Song „I Dreamed I Saw Joe Hill Last Night“, den unzählige Musiker interpretierten, erinnern noch heute an den Kämpfer der Unterdrückten.

19. November 1919: Die schwedische Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen
19. November 1973: Fünf Ameisen sind mehr als vier Elefanten 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Homosexualität keine Krankheit mehr in Schweden

Vor dem Jahre 1869 gab es in Schweden den Begriff der Homosexualität nicht, sondern sie fiel unter Sodomie, worauf die Todesstrafe stand. Erst als Gustav III. im Jahre 1778 verordnete, dass jede Hinrichtung von ihm genehmigt werden musste, wurden Homosexuelle nicht mehr hingerichtet. Bis 1933 riskierten Homosexuelle dennoch bis zu zwei Jahren Zuchthaus und verloren natürlich jedes Ansehen in der Gesellschaft, was in der Regel bedeutete, dass der Bestrafte auch keine Arbeit mehr fand.

Zwischen 1933 und 1944 war Homosexualität nach wie vor eine Straftat in Schweden und wurde entsprechend verfolgt, auch wenn die "Schuldigen" dann meist nur noch Geldstrafen bezahlen mussten. Die neuen Gesetze im Jahre 1944 erlaubten schließlich die Homosexualität unter Erwachsenen über 18 Jahren, was jedoch nicht bedeutete, dass die Gesellschaft dieser Entwicklung folgte, zumal ab diesem Zeitpunkt Homosexualität zwar erlaubt war, sie nun jedoch medizinisch gesehen als psychische Krankheit betrachtet wurde, also als abnormal zu sehen war.

Erst am 19. Oktober 1979 nahm das Socialstyrelse (Gesundheitsamt) Schwedens Homosexualität aus der Liste der Krankheiten, insbesondere deshalb, weil es der Medizin nicht gelungen war einen Beweis zu erbringen, dass Homosexualität in irgend einer Weise eine Krankheit sei, noch wie man sie heilen konnte und die Erklärungen der Ärzte und Psychologen in alle Richtungen gingen. Allerdings reichten 32 Jahre nicht aus um zu erreichen, dass Homosexualität in der schwedischen Gesellschaft allgemein akzeptiert und toleriert wird. Selbst die Hochzeit unter Homosexuellen ist in Schweden erst seit 1995 legalisiert.

19. Oktober 1072: Der deutsche Bischof Egino stirbt in Lund
19. Oktober 1975: Der schwedische Sänger und Musiker Lars Winnerbäck 

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 6. September 2011

Der Tod durch die Guillotine in Schweden

Am 6. September 1910 bestätigte der Oberste Gerichtshof Schwedens das Todesurteil gegen Johan Alfred Andersson Ander wegen eines Raubmords. Alfred Ander wurde damit der letzte Schwede, der hingerichtet wurde, obwohl die Todesstrafe in Schweden erst im Jahre 1921 abgeschafft wurde. Alfred Ander war auch der einzige Schwede, der durch die im Jahre 1906 aus Frankreich importierte Guillotine hingerichtet wurde, dem Exemplar, das man heute im Nordischen Museum in Stockholm sehen kann.

Alfred Ander wurde am 23. November des gleichen Jahres im Alter von 37 Jahren im Långholmens Gefängnis in Stockholm hingerichtet, nachdem ihn sämtliche gerichtliche Instanzen für schuldig erklärten, auch wenn er selbst die Tat abstritt. Zu diesem Urteil kam es jedoch sicherlich nicht nur wegen den erdrückenden Indizien, sondern auch, weil Alfred Ander bereits eine Karriere als Kleinkrimineller hinter sich hatte, zum Alkohol neigte, permanente Geldprobleme hatte und als gewalttätig galt. Der Mord passte daher zu seinem Werdegang.

Während eines Raubüberfalls auf die Wechselbank Ander Gerell in Stockholm raubte der Täter 5211 Kronen 27 Öre und misshandelte die Angestellte so stark, dass sie wenig später verstarb. Die Spur führte unmittelbar zu Alfred Ander, da man in seinem Hotelzimmer einen Koffer mit einem Teil des Geldes fand, das stark blutverschmiert war. Im Koffer lagen auch die Papiere von Alfred Ander und ein Foto von ihm. Anschließend konnte auch noch die Tatwaffe, eine Handwage, mit ihm in Verbindung gebracht werden, was schließlich zu seinem Todesurteil führte.

6. September 1815: Der schwedische Sprachforscher Johan Ernst Rietz
6. September 1868: Axel Anders Teodor Hägerström, der Gründer der Uppsala-Schule

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 7. August 2011

Anna Månsdotter und die Todesstrafe in Schweden

Am 7. August 1890 wurde Anna Månsdotter im Gefängnis von Kristianstad als letzte Frau Schwedens hingerichtet. Der Scharfrichter Albert Gustaf Dahlman war, da der erste Hieb nicht richtig saß, gezwungen dreimal die Axt zu betätigen bis der Kopf von Anna Månsdotter vom Rumpf getrennt war. Aber auch nach ihrem Tode blieb Anna Månsdotter im Gespräch, denn ihre Todesmaske kann im Stockholmer Polizeimuseum besichtigt werden und mehrmals wurde die Geschichte der Mörderin verfilmt, letztmals im Jahre 1986 für das schwedische Fernsehen.

Die anfängliche Geschichte von Anna Månsdotter, die mit 48 Jahren hingerichtet wurde, unterschied sich kaum von anderen Frauen des Landes, denn sie war mit einem 13 Jahre älteren Mann verheiratet und hatte drei Kinder geboren, von denen nur ein Sohn, Per Nilsson, am Leben blieb. Anna hatte sich von der Ehe ein sorgenloses Leben erwartet, das sich jedoch zu einem Leben mit ständigen Schulden und in Armut entwickelte. In dieser Situation entfernte sie sich immer mehr von ihrem Mann und näherte sich dem Sohn.

Auch wenn der Prozess viele Fragen offen ließ, so stellte sich heraus, dass Per Nilsson und Anna Månsdotter, die auch ein sexuelles Verhältnis miteinander hatten, gemeinsam den Mord an Pers Ehefrau Hanna Johansdotter geplant hatten und Anna, nachdem sie die Frau seines Sohnes erwürgt hatte, den Mord als Unfall kaschieren wollte. Als man Hanna fand, glaubte man daher zuerst auch, dass die junge Frau die Kellertreppe hinabgefallen sei und sich dabei das Genick gebrochen habe. Vor Gericht gaben die beiden Täter jedoch die Tat zu und wurden zum Tode verurteilt. Während Anna Månsdotter hingerichtet wurde, wurde das Urteil Pers in lebenslanges Zuchthaus mit Schwerstarbeit umgewandelt.

7. August 1848: Jacob Berzelius und die Kennzeichnung der chemischen Elemente
7. August 1869: Ellen Palmstierna und der Kampf für eine andere Zukunft

Copyright: Herbert Kårlin