Sonntag, 22. Juli 2012

Gustaf Retzius und die schwedische Rassenbiologie

Am 22. Juli 1919 starb Gustaf Retzius in Stockholm, ein Mann, der für seine Forschungsarbeiten 23 Mal für den Nobelpreis in Physiologie nominiert wurde, diesen aber nie erhielt, im Gegensatz zu unzähligen Ehrenbezeichnungen in ganz Europa. Retzius, der von 1901 bis zu seinem Tod Mitglied der Svenska Akademien war, ist eine der wichtigsten Figuren der europäischen Rassenbiologie, die er in manchen Punkten auch weltweit ins Gespräch brachte.

Der Erfolg von Gustaf Retzius lag vor allem daran, dass er bei Rassenbiologie, zumindest bis Ende des 19. Jahrhunderts Ideologie von Wissenschaft trennte und damit zwar die Menschheit nach ihren anatomischen Eigenheiten, insbesondere den Massen des Schädels, in Gruppen einteilte, dies aber nicht in Beziehung zur Intelligenz einer Person setze. Auch eine andere Tatsache half Retzius bei seinem Aufstieg, denn 1884 erbte er von seinem Schwiegervater Lars Johan Hierta die Mehrheitsaktien der Abendzeitung Aftonbladet, deren Leitung er, neben seiner Professur, bis 1887 behielt, was ihm bei der Verbreitung seiner Ideen große Hilfe leistete.

In seinen Werken ab 1902 änderte sich dann der Ton von Gustaf Retzius hinsichtlich der menschlichen Rassen und er beginnt die Schweden als deutliche germanische Rasse zu betrachten, was 1909 dann so weit führte, dass er die nordische Rasse als natürlich aristokratisch beschrieb, die sich durch ein nobles Verhalten, ein Freiheitsgefühl und einen Heroismus auszeichnet, die anderen europäischen Rassen fehlt und die deswegen besser für eine repetitive industrielle Arbeit geeignet sind. Die späten Theorien Retzius wurden vor allem während des Dritten Reiches in Deutschland aufgegriffen, zumal die Werke des Wissenschaftlers alle in Deutsch vorlagen.


22. Juli 1535: Katarina Stenbock und der schwedische König Gustav Vasa
22. Juli 1984: Die schwedische Sängerin Elin Lanto 

Copyright: Herbert Kårlin

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