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Sonntag, 20. Dezember 2015

Der schwedische Nationalökonom Knut Wicksell

Knut Wicksell kam am 20. Dezember 1851 als Sohn eines Immobilienmaklers in Stockholm zur Welt und verdankte es dem Wohlstand seiner Eltern, die er sehr früh verlor, dass er sich dennoch an der Universität Uppsala einschreiben konnte um dort Mathematik und Physik zu studieren. Nach einem Lizenziat in beiden Fächern wechselte der Student Wicksell zur Nationalökonomie, was ihm wiederum ein Stipendium einbrachte das ihm ermöglichte seine Studien in England, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Deutschland zu vervollständigen und sich mit den verschiedensten Theorien vertraut zu machen. Nach seiner Promotion im Jahre 1899 wurde Wicksell erst Dozent in Nationalökonomie und Finanzrecht in Uppsala und 1901 wurde er zum Professor in beiden Fächern an die Universität Lund berufen.

Auch wenn Knut Wicksell heute fast vergessen ist, so galt er zu Beginn des 20.Jahrhunderts als einer der bedeutendsten Nationalökonomen Europas, zumindest bis John Maynard Keynes 1936 die Nationalökonomie revolutionierte. Wicksell hat indes sowohl die Theorien von Keynes, als auch die sogenannte Stockholmer Schule und Gunnar Myrdal stark beeinflusst, da der Wissenschaftler alle damaligen Meinungen zur Geldtheorie in Frage setzte und die Marktwirtschaft auf eine, damals revolutionäre Form, beschrieb, die bis heute auch die Steuerpolitik Schwedens beeinflusst. Um die historische Entwicklung der europäischen Volkswirtschaft zu verstehen, ist Wicksell nicht zu vernachlässigen.

Die Haupttheorie von Knut Wicksell war, dass nicht die Menge des Geldes über das wirtschaftliche Wachstum entscheidet, sondern vor allem das Verhältnis der Rentabilität bei Investitionen, die Wicksell als natürliche Zinsen bezeichnete, und die Darlehenszinsen über die Kaufkraft entscheiden, was bedeutet, dass die Wirtschaft aufwärts strebt sobald die Rentabilität höher ist als die zu zahlenden Zinsen und umgekehrt. Politisch gesehen arbeitete Wicksell vor allem gegen den damals in Schweden herrschenden Protektionismus und griff dabei auch die Staatskirche an, die sich durch Kapital steuern ließ und dadurch auch steuerte, was dem Nationalökonomen wegen Gotteslästerung zwei Monate Gefängnis einbrachte.


20. Dezember 1483: Dialogus creatorum, das erste gedruckte Buch Schwedens
20. Dezember 1537: König Johan III., der Bauherr Schwedens
20. Dezember 1946: Peps Persson bringt Blues und Reggae nach Schweden
20. Dezember 1977: Die schwedische Sängerin Sonja Aldén 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 17. Mai 2015

Gunnar Myrdal und der politische Wandel Schwedens

Als Gunnar Myrdal am 17. Mai 1987 im Alter von 88 Jahren in Stockholm starb, hatte der Wirtschaftswissenschaftler nicht nur den Nobelpreis in Wirtschaft erhalten und über Jahre hinweg die europäische Wirtschaftskommission der UNO geleitet, sonder er musste es auch nicht erleben, dass sich mehrere seiner Theorien als Irrtum erwiesen und selbst der schwedische Sozialstaat nicht nach seinen Theorien erhalten bleiben konnte, obwohl gerade seine Theorien Schweden der sozialen Gerechtigkeit näher gebracht hatten.

Gunnar Myrdal war am 6. Dezember 1898 in Gustafs in Dalarna als Sohn eines Eisenbahnkonstrukteurs zur Welt gekommen und studierte nach seiner Hochschulreife Jura. Auf Anregung seiner Ehefrau, Alva Myrdal, schloss er diesem Studium noch Studien in Volkswirtschaft, Soziologie und Finanzwissenschaften an. Von Beginn an zeigte sich Myrdal dabei als Sozialdemokrat, der sich jedoch in jedem Punkt gegen den Marxismus stellte. Dennoch unterzeichnete Gunnar Myrdal während seiner zwei Jahre als Wirtschaftsminister ein Handelsabkommen mit der Sowjetunion, das im allgemeinen stark kritisiert wurde. Als es dann 1947 auch noch zur schwedischen Währungskrise kam, legte Myrdal alle seine politischen Aufträge ab, ohne jedoch den Gedanken einer sozialen Reform Schwedens aus den Augen zu verlieren.

Jan Myrdal lehnte jedoch nicht nur jeden marxistischen Gedanken ab, sondern kritisierte auch sämtliche anderen Wirtschaftstheorien seiner Zeit und schuf die sogenannte Polarisationstheorie, nach der die lokale und regionale Wirtschaftskonzentration als Motor des Wirtschaftswachstums dient. Myrdal kam daher zum Schluss, dass der Staat in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen muss um eine wirtschaftliche Machtkonzentration weitgehend zu verhindern, da diese Wirtschaftskonzentration auch zu sozialen Ungerechtigkeiten führen muss. In diesem Gedanken verfasste Gunnar Myrdal, gemeinsam mit seiner Frau, auch das Buch „Die Krise in der Bevölkerungsfrage“, das letztendlich zur Einführung der Sozialhilfe für Familien in Schweden führte.


17. Mai 1788: Das Dramaten in Stockholm, das Nationaltheater Schwedens 
17. Mai 1900: Der erste Lastwagen Schwedens liefert Bier
17. Mai 1918: Die schwedische Opernsängerin Birgit Nilsson 
17. Mai 1936: Lars Gustafsson und die gesellschaftskritische Literatur der Gegenwart 
17. Mai 1979: Jimmie Åkesson, Vorsitzender der Sverigedemokraterna

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Sonntag, 18. Januar 2015

Das schwedische Folkhemmet, ein Symbol der Sozialdemokraten

Am 18. Januar 1928 benutzte der Sozialdemokrat und später Ministerpräsident Per Albin Hansson das erste Mal bei einer öffentlichen Rede den Begriff Folkhemmet, da er dieses Wort für einprägsamer hielt als Medborgarhemmet, das im Grunde die Alternative war. Auch wenn das Folkhemmet bereits um diese Zeit extrem rechtslastig war und auch unter den Sozialdemokraten eine starke Diskussion herausforderte, sollte dieser Ausdruck die Politik der schwedischen Sozialdemokraten über Jahrzehnte prägen, zumindest bis Göran Persson die Politik der Sozialdemokraten zu prägen begann.

Vermutlich wäre der Begriff Folkhemmet, der für Hansson der Ausdruck dafür war, dass Schweden das Heim für ein ganzes Volk werden solle, sehr bald wieder aus dem Wortschatz der Sozialdemokraten verschwunden, da es auch vom rechten Staatswissenschaftler Rudolf Kjellén verwendet wurde und in Deutschland zur Volksgemeinschaft wurde, einer Idee, die die Nationalsozialistische Arbeiterpartei aufnahm, wenn Hansson das Paar Gunnar und Alva Myrdal 1934 nicht mit dem Buch Kris i befolkningsfrågan zu Hilfe gekommen wäre, denn dadurch wurde das Folkhemmet ein Symbol für das kommende Schweden, den sogenannten Wohlfahrtsstaat.

Der Begriff Folkhemmet, der in keinem Parteiprogramm der Sozialdemokraten zu finden ist, begann durch zahlreiche Reformen bereits in den 80er Jahren zu verblassen, denn ab dieser Zeit wurde die damit zusammenhängende Baupolitik aufgegeben und staatliche Unternehmen wurden mehr und mehr in wirtschaftliche Unternehmen verwandelt. Selbst die Arbeitspolitik änderte sich dann in den 90er Jahren, als die Sozialdemokraten plötzlich von der Idee der Vollbeschäftigung abgingen und eine vierprozentige offene Arbeitslosigkeit propagierten. Göran Persson und später auch Mona Sahlin geben dann dem Begriff Folkhemmet einen völlig neuen Inhalt und gingen, trotz der fortgesetzten Benutzung des Wortes, ganz von der Grundidee Hanssons ab.


18. Januar 1862: Anders Magnus Strinnholm und die schwedische Geschichte 
18. Januar 1865: Magnus Jacob Crusenstolpe der schreibende Revolutionär
18. Januar 1938: Die Beerdigung des Schauspielers Gösta Ekman 
18. Januar 1945: Jane Horney, mit 27 Jahren im Meer versenkt 
18. Januar 1972: Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg-Gotha 
18. Januar 1980: Warum die Almöbron von der Tjörnbron ersetzt wurde 
18. Januar 2008: Kerstin Johansson i Backe, Kinderbücher aus dem Norden

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 5. Dezember 2014

Alva und Gunnar Myrdal mit Kris i befolkningen

Als am 5. Dezember 1934 das Buch Kris i befolkningen von Alva Myrdal und Gunnar Myrdal erschien, hätte auch eine Bombe einschlagen können, denn die beiden Autoren stellten in ihrem Werk die gesamte Sozialpolitik Schwedens in Frage, was zu sehr heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen in der Bevölkerung und in der Politik führte, auch wenn nur wenige Jahre später, auf Grundlage des Buches, das schwedische Modell eines Wohlfahrtstaates entstehen sollte und die Ideen des Paares teilweise in die Realität umgesetzt wurden.

Kris i befolkningen (Crisis in the Population Question), ein Buch, das bis heute eine gewisse Brisanz behalten hat, war in den 30er Jahren geradezu als revolutionär zu betrachten, denn das Ehepaar Myrdal ging in einer Zeit der Krise mit einer Arbeitslosigkeit von 200.000 Personen damit an die Öffentlichkeit, dass in einer Krise nicht weniger Kinder zur Welt kommen müssen, sondern mehr, da sonst die Bevölkerung gegen 1970 überaltert sei und eine Minorität die Majorität ernähren müsste, statt umgekehrt. In der Tat hatten natürlich in den 30er Jahren vor allem Arbeiter immer weniger Kinder, da sie Angst davor hatten diese nicht mehr ernähren zu können.

Alva und Gunnar Myrdal hatten natürlich auch das Rezept, das diese Angst nehmen konnte, denn sie forderten gleichzeitig ein politisches Umdenken. In ihren Augen musste ein Kindergeld für Bedürftige eingeführt werden, günstige Wohnungen mussten gebaut werden, die Krankenversorgung musste kostenlos werden und Kinder mussten täglich eine Mahlzeit in der Schule erhalten. Zudem sollten, nach Meinung der Autoren, Arbeiter günstige Kredite für den Hausbau erhalten, da das damalige Einkommen für ein Eigenheim nicht ausreichte. Während diese Ideen teilweise auch wirklich umgesetzt wurden, so gab es auch Punkte, die auch heute noch zum Widerstand führen würden, denn das Ehepaar wollte Kinder in Heimen unterbringen damit beide Elternteile berufstätig sein konnten und damit die Familienstruktur auflösen und sie waren für die Sterilisation von „unverantwortlichen“ Personen, unter anderem von unverheirateten Frauen, die mehrere Kinder bekamen.


5. Dezember 1716: Olof Celsius der Jüngere, Philosoph und Politiker
5. Dezember 1940: Peter Pohl und das düstere Jugendbuch der Probleme
5. Dezember 1940: Peter Pohl, der düstere Jugendbuchautor Schwedens
5. Dezember 1954: Die schwedische Schauspielerin Dagmar Ebbesen
5. Dezember 1969: Schweden bekommt einen zweiten Fernsehkanal
5. Dezember 1975: Daniel Nyhlén, das Königshaus, Skandale und die Unterwelt
5. Dezember 2013: Vom Kallax Flugplatz zum Luleå Airport 

Copyright: Herbert Kårlin