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Samstag, 14. Juli 2012

Folke, ein schwedischer Vorname am Aussterben

Auch wenn der schwedische Vorname Folke in Schweden problemlos bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, so tauchte dieser Vorname erst ab dem 14. Juli 1901 in den schwedischen Kalendern auf, dem Jahr, als zahlreiche christliche Namenstage mehr nordischen Namen Platz machen mussten. Heute feiert man daher am 14. Juli den Vorname Folke und denkt nicht mehr an den katholischen Sankt Phocas, der vorher an der Stelle von Folke zu finden war.

Der Name Folke, der sowohl als Vorname als auch als Familienname existiert, hat seine Wurzeln im Altnordischen, und bedeutet soviel wie Führer oder Häuptling. Dies drückt sich auch darin aus, dass ein gesamtes Königsgeschlecht, das Bjälboätten, ursprünglich folkungar genannt wurde, da der erste König dieses Geschlechts Folke Filbyter war, eine Zentralfigur in Verner von Heidenstams Roman „Folke Filbyter“ aus dem Jahre 1903. Seit den 30er Jahren ist der Vorname Folke in Schweden allerdings immer mehr im Rückgang, so dass dieser alte schwedische Name mittlerweile nahezu am Aussterben ist.

Umso erstaunlicher ist diese Entwicklung, da der Vorname Folke in Schweden insbesondere mit Folke Bernadotte, einem Diplomaten des schwedischen Königshauses, in Verbindung gebracht wird, der durch die sogenannten Weißen Busse bekannt wurde und am 17. September 1948 während der Palästinakrise von extrem rechten Juden ermordet wurde. Unmittelbar nach seiner Ermordung wurde denn der Folke Bernadotte Minnesfond gegründet, der bis heute in Form von internationalen Jugendlagern Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 25 das Leben und Denken in anderen Ländern näher bringt.


14. Juli 1866: Der schwedische Architekt Ragnar Östberg 
14. Juli 1918: Ingmar Bergman, eine schwedische Legende

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 21. Juni 2012

Der schwedische Vorname Alf und die nordische Mythologie

Der schwedische Vorname Alf, bisweilen auch Alv geschrieben, kommt vom isländischen Wort álfr und gehört mit zu den ältesten Vornamen Schwedens. Die abgeleiteten Vornamen Alvar, Alfred, Alfhild oder auch Alva sind alle erst Jahrhunderte später entstanden. Am 21. Juni haben allerdings, nach den schwedischen Kalendern, nur die rund 25.000 Alv und die knapp 7000 Alvar ihren Namenstag. Die meisten Männer mit diesem Vornamen werden allerdings nicht Alf, sondern umgangssprachlich „Affe“ genannt, was im Deutschen eine vollkommen andere Bedeutung hat.

Der Name Alf kann, dank einer Inschrift in einem Runenstein, bis ins elfte Jahrhundert zurückverfolgt werden und taucht ab dieser Zeit permanent in Schweden auf, wobei Alf zwischen 1920 und 1950 regelrecht zu einem Modename Schwedens wurde und heute wieder in Vergessenheit gerät. Nur noch etwa 100 Neugeborene erhalten gegenwärtig jedes Jahr diesen nordischen Vorname und nur in Einzelfällen gilt er auch als Rufname. Nach der unbestätigten Geschichte Schwedens war Alf ein Sohn Alriks. Nach der isländischen Sage Heimskringla regierte er, gemeinsam mit seinem Bruder Yngve, über Schweden, tötete seinen Bruder und wurde dann von diesem, bereits im Todeskampf, ebenfalls getötet.

Weitaus angenehmer klingt dann die Deutung der Herkunft des Namens in denen die nordische Mythologie im Vordergrund steht, denn danach haben die „álfar“ Elfen, die, je nach der gewählten Sage, göttliche Eigenschaften oder aber werden als mystische Naturwesen betrachtet. Nach Snorres Edda unterscheidet man dann noch die himmlischen „ljusalver“ (Lichtelfen) und die „mörkalver“ (Dunkelelfen), die in Erdhöhlen leben. Dass der Vorname Alf nicht mit einem v geschrieben wird, beruht darauf, dass man in diesem Fall die Rechtschreibreform von 1906 missachtet und ausdrücken will, dass dieser Vorname noch aus der vorchristlichen Zeit Schwedens kommt.


21. Juni 1903: Alf Sjöberg, der Revolutionär des schwedischen Theaters
21. Juni 1874: Das Nordlicht und Anders Jonas Ångström

Copyright: Herbert Kårlin
 

Montag, 11. Juni 2012

Barnabas, der verschwundene Namenstag Schwedens

Wer heute am 11. Juni nach dem Vornamen Barnabas in den schwedischen Kalendern sucht, sucht vergebens, denn bereits bei der Reform im Jahre 1901 wurde dieser christliche Name Barnabas durch die mehr schwedischen Namen Bertil und Berthold ersetzt. Bertil wurde dann vor allem über Prinz Bertil ein gängiger Name, obwohl dieser Name, auch als Familienname bereits seit 1396 existierte und Berthold, der ebenfalls deutschen Ursprungs ist, ist lediglich eine andere Schreibweise für den schwedischen Bertil.

Heute findet man in Schweden gerade noch 36 Männer, die Barnabas als Vorname tragen, wobei es sich bei niemandem mehr um den Rufnamen handelt. Im ebenfalls protestantischen Großbritannien ist der Vorname Barnabas heute noch verbreitet, auch in Forma von Barnaby und Barnabus, und auch in Frankreich und Spanien wird dieser Vorname noch regelmäßig vergeben. Schweden, das mit der katholischen Kultur so weit wie möglich brechen wollte, hat heute nicht einmal mehr eine Kirche, die dem Heiligen Barnabas geweiht ist.

Barnabas, der ein Mitarbeiter des Apostel Paulus war, soll nach einer Legende die erste katholische Kirche auf Zypern gegründet haben, wobei ihm auch eine tragende Rolle in der Gründung der Urkirche und der Anerkennung von Paulus zugesagt wird. Auch wenn in Schweden der Vorname Barnabas als verschwunden gilt und der Heilige nichts mit der Svenska Kyrkan zu tun hat, so wird der Heilige von einigen Freikirchen, unter anderem der Pingstkyrkan, weiterhin verehrt und die schwedische Mission Barnabas will mit dem Namen des Heiligen fehl geleitete Schweden missionieren.


11. Juni 1743: Der Stora Daldansen, der Ruf nach Gerechtigkeit

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 13. Mai 2012

Linnea, eine Blume wird zum schwedischen Vornamen

Seit dem 13. Mai 1901 findet man in den schwedischen Kalendern den Namen Linnea an diesem Tag eingetragen, was bedeutet, dass um diese Zeit der Name relativ häufig wurde, auch wenn man nicht sagen kann, wann in Schweden erstmals jemand den Vornamen Linnea erhielt. Gegenwärtig (2012) tragen in Schweden 69.344 Frauen und drei Männer den Namen Linnea, wobei sich dieser Vorname schon seit den 70er Jahren auf der schwedischen  Topliste der Vornamen hält und gegenwärtig den 8. Platz belegt.

Der Vorname Linnea geht auf den schwedischen Botaniker Carl von Linné zurück, genau genommen auf eine Linde, die vor seinem Geburtshaus stand und der Familie ursprünglich ihren Namen gegeben hatte. Aber natürlich will man mit Linnea nicht an den Wissenschaftler erinnern, sondern an die Blume „Linnea Borealis“, die ihren Namen nach dem berühmtesten Botaniker Schwedens erhielt und seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Nationalblume Smålands ist.

Carl von Linné, der so viele schöne Blumen aus der ganzen Welt gesehen hatte, hatte eine Vorliebe für die "Linnæa", wie er sie in einer seiner Jugendschriften nannte, auch wenn sie in seinem wissenschaftlichen Werk dann als „Rudbeckia“ auftauchte. Der holländische Ratsherr Gronovius fand jedoch, dass zu dieser Blume der Name Linnea besser passt und änderte ihn zu Ehren des Botanikers und Linné selbst fügte dann den Artnamen „borealis“ hinzu, was soviel bedeutet wie „die Nördliche“. Später fügte Carl von Linné die Linnea auch seinem Wappen hinzu und lies sich einen Siegelring mit der Blume herstellen.


13. Mai 1921: Rassenstudien in Schweden
13. Mai 1979: Prinz Philip und der verlorene Thron Schwedens 

Copyright: Herbert Kårlin