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Mittwoch, 30. November 2016

Der samische Schriftsteller Johan Turi

Johan Turi, dessen Familienname auch Thuuri und Thuri geschrieben wird, starb am 30. November 1936 im nordschwedischen Jukkasjärvi. Wer im dortigen Friedhof seinen Grabstein sucht, kann darauf lesen „Samernas författare“, der Schriftsteller der Samen, eine Aussage, die die Leistungen Turis für die samische Kultur kaum besser beschreiben könnte, denn Turi gilt als der Nationalskalde der Volksgruppe und ist der erste Schriftsteller der Samen, der zum einen in der samischen Sprache schrieb, zum anderen über das Leben dieses Volkes schrieb, das Zeit seines Lebens nur diskriminiert wurde und für schwedischen Autoren ein Randthema war.

Johan Turi war am 10. März 1854 im norwegischen Kautokeino zur Welt gekommen und kam, wie viele andere Samen zu Beginn der 80er Jahre nach Schweden, nachdem die Russen 1852 die Grenzen nach Finnland auch für Rentiere geschlossen hatten, und er ließ sich im Samendorf Talma nieder. Obwohl Turi keinerlei Schulbildung hatte, hatte er sehr früh den Wunsch ein Buch über das Leben der Gebirgssamen zu schreiben. Diesen Wunsch konnte sich Johan Turi erst 1910 erfüllen, denn erst musste Turi das Schreiben erlernen und anschließend auch noch mit den Vorurteilen der eigenen Volksgruppe kämpfen, denn die Idee ein Buch zu schreiben, fand man absurd, da man ein Buch über das samische Leben um diese Zeit kaum in Schweden veröffentlichen konnte und die Idee daher geradezu als unsinnig betrachtet wurde.

Johan Turis erstes Werk, Muitalus sámiid birra, wäre vermutlich für immer ein Traum geblieben, wenn er nicht 1904 die dänische Schriftstellerin Emilie Demant-Hatt kennengelernt hätte, denn Turi half der Schriftstellerin dabei ein Jahr lang unter den Samen leben zu können, und sie versprach ihm dafür ihm bei seinem Buch zu helfen. 1907 zog die Schriftstellerin dann für einige Monate zu Turi und half ihm nicht nur bei der Arbeit an seinem Buch, sondern sortierte auch die unzähligen Aufzeichnungen und bat Hjalmar Lundblom, einen ihrer Freunde, das Buch, dem sie eine dänische Übersetzung beifügte, zu veröffentlichen. Diesem Werk, das Johan Turi auch bebilderte, sollten noch zwei weitere Bücher folgen, die dabei halfen die samische Kultur besser zu verstehen und späteren samischen Schriftstellern den Weg öffnete.


30. November 1718: Karl XII., der „Kriegskönig“ Schwedens
30. November 1833: Artur Hazelius, das Nordische Museum und Skansen
30. November 1868: August Blanche und das Stockholmer
30. November 1888: Die Markthalle auf Östermalm in Stockholm
30. November 1977: 67 Häuser verschwinden bei einem Erdrutsch bei Göteborg
30. November 2005: Der Komiker, Sänger und Schauspieler Mikael Dubois
30. November 2010: Der Kåldolmens dag, der schwedische Tag der Kohlrouladen 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 18. September 2016

Der samische Dichter Anders Fjellner

Anders Fjellner kam am 18. September 1795 in einer Familie von Rentierhaltern in Rödfjället im Härjedalen zur Welt. Als Fjellner neun Jahre alt war, starb ein Vater und er wurde von Verwandten aufgenommen, die ihm eine „bessere“ Erziehung und Bildung bieten wollten und den Jungen daher in die Schule nach Östersund schickten. Dort entschied sich der spätere Dichter auch seinen ursprünglichen Familiennamen Jonsson gegen Fjellner zu tauschen. Nach der Grundschule in Östersund besuchte Fjellner das Gymnasium in Härnösand und 1818 schrieb er sich an der Universität Uppsala ein um dort Theologie zu studieren.

Bereits im ersten Jahr in Uppsala gab Anders Fjellner eine erste Sammlung an finnischen Volksgedichten heraus und begann sich mit samischer und finnischer Dichtung zu beschäftigen, was gleichzeitig bedeutete, dass er neben dem Südsamischen, das er in seiner Kindheit gelernt hatte, auch Nordsamisch und Finnisch lernte, da für Fjellner die gesamte samische Dichtung und Tradition eine gewisse logische Einheit bildeten. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1821 ging Fjellner als Priester nach Jukkasjärvi um die Samen ganz zum protestantischen Glauben zu bringen. Als gebürtiger Same hatte Fjellner auch sehr guten Kontakt zur samischen Bevölkerung, wurde jedoch weniger von den schwedischen Siedlern geschätzt, die vorgezogen hätten einen autoritären schwedischen Priester zu erhalten.

Auch wenn Anders Fjellner eine sehr persönliche Dichtkunst pflegte, die sich mehr dem finnischen Epos Kalevala nähert und wenig mit der akademischen schwedischen Dichtung zu tun hat, und seine Werke nur in übersetzter oder später von Literaturwissenschaftler aufgezeichneten Form existieren, so hat sein Gedicht Solens söner (Päiven pardne) selbst die samische Flagge mit inspiriert. Die Dichtkunst von Anders Fjellner ist in der Literaturwissenschaft bis heute umstritten, da der Dichter sich vor allem aus den samischen Gesängen beeinflussen ließ und dabei auch die verschiedenen samischen Sprachen mit Finnisch mischte, was für eine Seite die Kunst Fjellners ausmacht, für klassische Literaturwissenschaftler jedoch ohne die Regeln der Poesie geschrieben wurde. Für die samische Bevölkerung spielt dies indes keine Rolle, da unter ihnen der Kontakt mit andren Sprachen und auch die Sprachmischung sogar das Verständnis der Gedichte vergrößert und dabei die samische Einheit zeigt.


18. September 1197: Petrus, der dritte Erzbischof Schwedens
18. September 1784: Georg Haupt, der Designer der gustavianischen Möbel
18. September 1786: Leonard Fredrik Rääf im Kampf gegen Neuerungen
18. September 1872: Karl XV., König von Schweden
18. September 1905: Greta Garbo, von der Friseuse zum Weltstar
18. September 1910: Carl Cederström, vom Landwirt zum Flugpionier
18. September 1924: HSB und der schwedische Wohnungsmarkt
18. September 1928: Sigrid Kahle und die Welt des Islam
18. September 1961: Dag Hammarskjöld, eine schwedische Legende
18. September 2008: Bekämpfung der Dyskalkulie in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 27. April 2011

Die Geburt Kirunas und die Flucht der Stadt

Am 27. April 1900 wurde die Stadt Kiruna gegründet, die nördlichste Stadt Schwedens, die mit seinen knapp 20.000 Einwohnern oft als die Hauptstadt Lapplands bezeichnet wird. Für Touristen ist Kiruna wegen seiner Nähe zum Abisko Nationalpark, der Nähe des Eishotels in Jukkasjärvi und dem legendären Wanderweg Kungsleden (Königspfad) bekannt.

Kiruna entstand auf Initiative von Hjalmar Lundbohm, dem technischen Leiter des Grubenbetriebs LKAB, und war bis 1948 nur eine kleine Gemeinde, die zu Jukkasjärvi gehörte. Als Kiruna 1948 Stadt wurde, wurde sie als die flächenmäßig größte Stadt Schwedens bezeichnet, was sich jedoch 1971 änderte, als man Stadt Kiruna und Land Kiruna trennte.

Kiruna, das vor dem 27. April 1900 Luossavaara hieß und nach dem Namen eines nahen Berges benannt war, ist nicht nur wegen seiner Erzgruben bekannt, sondern auch für sein Raumfahrtprogramm, das dort bereits in den 50er Jahren begann. Da das Zentrum Kirunas wegen der Grubenarbeiten einzustürzen droht, muss, nach einem Beschluss vom 8. Januar 2007, die gesamte Innenstadt verlagert werden. Während einige Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden, hoffen die Bewohner Kirunas, dass zumindest einige historische Gebäude erhalten werden können.

27. April 1900: Die Gründung der Stadt Kiruna
27. April 1971: Inge Schiöler, der schwedische Maler der kräftigen Farben 

Copyright: Herbert Kårlin