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Donnerstag, 19. Juni 2014

Lars Madsén und das Leben auf dem Lande

Lars Madsén wurde am 19. Juni 1904 in Vänersborg geboren und entschied sich nach seinem Studium und einem Magister in Philosophie  im Jahre 1933 zum Radio zu gehen, auch wenn er dort zu Beginn nur die etwas undankbare Aufgabe hatte Hörspiele ausländischer Autoren zu übersetzen und hin und wieder als Sprecher zu arbeiten. Als Madsén ein Jahr später den ersten Regieauftrag für die Realisierung eines Hörspiels, hatte er nicht nur seine eigene Berufung gefunden, sondern auch seine Vorgesetzten stellten fest, dass das Hörspiel wie geschaffen für den neuen Mitarbeiter war.

Lars Madsén, der dem Rundfunk 36 Jahre lang treu bleiben sollte, zeichnete sich dann dadurch aus, dass seine Hörspiele am Samstagabend die schwedische Masse vor das Rundfunkgerät holten. Mit der Familienserie Ingenjör Björk med familj, einer auf den Rundfunk angepassten Soap, gelang es Madsén sein Publikum sieben Jahre lang anzuziehen, wobei er dieses Hörspiel immer didaktischer gestaltete und die Soap im Laufe der Jahre in eine lehrhafte Lebensstudie verwandelte. Allerdings adaptierte er in dieser Zeit auch Werke von Autoren wie Nils Ferlin oder dem Musiker Josef Briné für den Rundfunk.

Was jedoch Lars Madén unvergesslich machte, waren seine Reportagen über das Leben in Schweden, die er in den 40er und 50er Jahren realisierte und der Reporter gewöhnlich die Bewohner des Landes, aber auch Personen wie Tage Aurell, Stig Dagerman, Sara Lidman oder Per Olof Sundman interviewte, denn Madén hatte Geduld und führte mit seinen Partnern stundenlange Gespräche, die er in voller Länge aufzeichnete. Zurück im Studio begann der Radiojournalist dann das Material zu sortieren und zu schneiden, was seine Vorgesetzten so manchmal zur Verzweiflung brachte. Aber gerade dadurch war Madén der einzige Reporter seiner Zeit, der „literarisch bearbeitete“ Interviews bot, die einen logischen Aufbau hatten mit Höhepunkten, die den Zuhörer überraschen konnte, eine Leistung, die ihm sehr viele treue Zuhörer brachte und Lars Madén in die Radiogeschichte und auch die Literaturgeschichte eingehen ließen. Madén starb am 23. Dezember 1974 an den Folgen eines Autounfalls.


19. Juni 1652: Louis De Geer, der Wegbereiter der schwedischen Industrialisierung 
19. Juni 1918: Gunnel Vallquist und die moderne katholische Literatur Schwedens 
19. Juni 1957: Anna Lindh stirbt nach Überfall im Kaufhaus NK
19. Juni 1976: Königliche Hochzeiten in Schweden
19. Juni 2005: Totta Näslund und der Weg zu Bob Dylan
19. Juni 2010: Kronprinzessin Victoria Ingrid Alice Désirée

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Dienstag, 5. März 2013

Ludde Gentzel, der Optimist des schwedischen Radios

Als Ludde Gentzel am 5. März 1963 in Göteborg starb, verschwand nicht nur ein Schauspieler und ein Sänger, der einst als Friseur und Perückenmacher arbeitete, aber seinen Beruf aufgab als er 1905 das erste Mal mit einer Operettengesellschaft zur Haarpflege und Verwandlung der Schauspieler und Sänger unterwegs war, sondern es verschwand auch eine Legende des schwedischen Radios der die Hörer Ende der 30er und zu Beginn der 40er Jahre vor das Gerät lockte und damit in Schweden unsterblich wurde.

Ludde Gentzel war am 17. Januar 1885 in Jönköping zur Welt gekommen und bekam nach mehreren kleinen Auftritten im Jahre 1909 unter Axel Engdahl einen festen Vertrag als Schauspieler, Sänger in Revuen und als Komödiant, was wiederum 1916 zum ersten Filmvertrag führt und Gentzel unter Georg af Klercker in Nattens barn einen Kellner und ein Jurymitglied spielte. Von 1934 bis zu seiner Pension im Jahre 1957 war Ludde Gentzel dann dem Stadttheater in Göteborg treu, wo er auch unter Ingmar Bergman in Macbeth mitwirkte, ohne jedoch andere Aktivitäten, ebenfalls in Göteborg, aufzugeben.

Auch wenn Ludde Gentzel nicht in Göteborg geboren wurde, so zählt er zu jenen Personen, die den Göteborger Humor zur Perfektion beherrschten und sehr viel zu seinem außerordentlichen Ruf beitrug. Diese Art des Humors trat besonders bei der Radioserie Optimisten och Pessimisten deutlich hervor, bei der Gentzel den Optimisten spielte. Diese  Sendungen wurden einmal die Woche übertragen und gehörten zu den meist gehörten Sendungen der 40er Jahre, da das Publikum nicht nur auf die positiven und negativen Argumente wartete, die teilweise auch einen politischen Einschlag hatten, sondern auch auf jedes Thema neugierig waren.


5. März 1856: Die erste Dampflok zwischen Örebro und Ervalla 
5. März 1922: Der Vasalauf in Schweden
5. März 1953: Katarina Frostenson und die dunkle moderne Lyrik Schwedens 

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. Januar 2013

Der Frufridagen in Schweden, ein freier Tag für die Frau

Als Lennard Hyland in seinem Radioprogramm Karusellen am 23. Januar zum 24. Januar 1954 den ersten Frufridagen, den Tag der freien Frau, ausrief, ahnte niemand, dass dieser Tag je in die Liste der Thementage aufgenommen würde, noch welche Reaktion dieser Aufruf bewirken würde, der von sehr vielen Zuschauern nicht als Diskussionspunkt betrachtet wurde, sondern als offizielle Meldung. Hyland hatte nahezu zu einer Revolution aufgerufen, denn ein freier Tag für Frauen war für sehr viele Schweden undenkbar.

Dabei war der Aufruf zu einem Frufridagen nichts anderes als eine der Wunsch nach einer Art zweitem Muttertag, mit dem Unterschied, dass man die Frau an diesem Tag nicht ehren sollte, sondern ihr nur einen Tag lang die gesamte Hausarbeit abnehmen sollte. Der Ehemann sollte sich dadurch nur einmal im Jahr dazu bewegen das Essen zu kochen, Wäsche zu waschen, zu spülen, sauber zu machen und sich um die Kinder kümmern, damit er sich eine klare Vorstellung davon machen konnte welche Leistung eine Hausfrau im Jahre 1954 pro Tag zu bringen hatte.

Nach der ursprünglich etwas humoristischen Sendung ging die Diskussion tagelang durch die Presse, denn Sportklubs machten sich Gedanken darüber was an diesem Tag aus Wettbewerben würde, wenn die Männer die Windeln wechseln müssen und einige Geschäfte boten am Frufridagen Rabatte für weibliche Käufer. Immerhin gelang es Lennard Hyland, dass dieser Thementag noch heute existiert, auch wenn die Statistiken zeigen, dass der Tag nur geringe Folgen zeigt und noch heute eine Frau im Durchschnitt doppelt so viel Hausarbeit leistet als ein Mann, da Hausarbeit nun einmal Frauensache ist, selbst wenn sich die Frau heute ebenfalls ihre 40 Stunden in der Woche am Arbeitsplatz befindet.


24. Januar 1781: Das Toleranzedikt erlaubt die Ausübung anderer Religionen
24. Januar 1882: Sigfrid Siwertz und die konservative Bourgoisie Schwedens
24. Januar 1991: Bo Setterlind, das religiöse Erwachen in der Romantik  

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 16. September 2012

Der schwedische Komiker Måns Nilsson

Måns Nilsson wurde am 16. September 1977 bei Lund geboren, wo er auch aufwuchs, bevor er sich an der Universität in Lund einschrieb. Bereits an der Universität fühlte er sich von der Welt des Radio angezogen, der er engagierte sich unmittelbar bei Radio AF, dem Studentenfunk Lunds, wo er, gemeinsam mit Anders Johansson zwei Jahre lang das Programm Vanilj zu einem gewissen Erfolg brachte, eine Sendung mit Musik, die die beiden persönlich mochten und mit humoristischen Beiträgen zu allem was ihnen durch den Kopf ging.

Mit 21 kam dann für Måns Nilsson eine größere Hörerzahl, denn mit einigen anderen Freunden kam er zum Sketchprogramm Wallraff, das im staatlichen Kanal P3 ausgestrahlt wurde und nach Günter Wallraff benannt war. Das Team wollte durch fiktive Dokumentationen, fiktive versteckte Mikrofone und Sketche den verlogenen Durchschnittsschweden bloßstellen. Diese Sendung lief mit grossem Erfolg ebenfalls zwei Jahre lang.

Anschließend ging es für Måns Nilsson Schlag auf Schlag, denn es folgten weitere Radioprogramme, öffentliche Auftritte und ab 2006 folgten immer häufiger Auftritte und humoristische Serien im Fernsehen. Seit 2010 erscheinen nun Måns Nilsson und Anders Johansson regelmäßig in der humoristischen Serie „Succéduon med Anders och Måns“, wo sich die beiden Komiker selbst spielen und über das Leben nach 30 spekulieren, wenn vieles nicht mehr ganz so einfach läuft und so manches missglückt.


16. September 1621: Die Eroberung von Riga durch Gustav II. Adolf
16. September 1920: Dan Andersson, zwischen Arbeitergedichten und Wildmark
16. September 1920: Dan Andersson stirbt in Stockholm an Cyanidvergiftung

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Der schwedische Adventskalender

Während der deutsche Papier-Adventskalender bereits gegen 1880 erfunden wurde, wurde er in Schweden erst zum 1. Dezember 1934 unter der Bezeichnung Julkalender (Weihnachtskalender) eingeführt, auch wenn Schweden bereits vorher seinen vorweihnachtlichen „Adventskalender“ hatte, da die verschiedenen Tage im Dezember jeweils bestimmten vorbereitenden Arbeiten gewidmet waren. Man war sich daher immer bewusst wie viele Tage noch bis Weihnachten blieben. Man könnte daher von einem „praktischen Adventskalender“ sprechen der in den Alltag integriert war. Der erste schwedische Papierkalender im Jahre 1934 stellte dann Tomtenissar (Hauswichtel) aus dem Dalarna dar und wurde von Pfadfindermädchen verkauft.

Am 1. Dezember 1957 wurde dann vom schwedischen Staatsradio Sveriges Radio der erste gesprochene Adventskalender ausgestrahlt. Jeden Tag wurde ein kleiner Teil einer Geschichte in Form eines Hörspiels ausgestrahlt, das dann am Heiligen Abend mit der Auflösung der Handlung endete und bis 1960 nahezu alle schwedischen Kinder in der Adventszeit vor die Radiogeräte zog, bis das Fernsehen mit einem eigenen Adventskalender einen Teil des jungen Publikums für sich gewann. Die gesprochenen Adventskalender des Radios wurden von einem gedruckten Kalender begleitet, der aus Reklamegründen kostenlos verteilt wurde. Auch heute noch ist dieser "Weihnachtskalender" eine Tradition des schwedischen Rundfunks.

Am 1. Dezember 1960 wurde dann der erste schwedische Adventskalender im Fernsehen ausgestrahlt. Die Idee wurde vom Radioprogramm übernommen, wobei diese Sendungen noch immer einen außerordentlichen Erfolg haben und, wie auch das Beispiel „Pelle Svanslös“ bewies, der Adventskalender von 1997, ein Teil der schwedischen Kultur. Die etwa 15-minütigen Abschnitte, die mit dem Öffnen eines Türchens enden, werden sowohl früh morgens als auch am Abend ausgestrahlt und helfen dabei Kinder auch in der dunklen Zeit des Jahres sehr früh aus dem Bett zu bekommen.

1. Dezember 1856: Die erste staatliche Eisenbahn in Schweden
1. Dezember 1900: Die schwedische Bevölkerung zur Jahrtausendwende 1900 

Copyright: Herbert Kårlin