Montag, 22. September 2014

Anders af Botin und die Geschichtsschreibung Schwedens

Als Anders af Botin am 22. September 1790 in Stockholm starb, hinterließ er im Grunde mehr unvollendete geschichtliche Werke als ausführliche Darstellungen. Dennoch sind seine Aufzeichnungen in großen Zügen bedeutender als jene seiner Zeitgenossen, da Botin einen hohen Wert auf das Quellstudium legte und damit ein Erneuerer der Geschichtsschreibung war, was ihm natürlich auch die Feindschaft anderer Autoren einbrachte, da er Schweden einen Teil des Glanzes nahm, den andere Autoren aufrecht halten wollten.

Da Anders af Botin in der gehobenen Bürgerschicht aufwuchs, wurde er im Privatunterricht auf ein Studium vorbereitet. Als Botin 20 Jahre alt war, begann er Jura an der Universität Uppsala zu studieren um der Linie der Rechtsgelehrten seiner Vorfahren treu zu bleiben. Aber da sich der Student immer mehr der Geschichte zuwandte, verzichtete er nicht nur auf die vorgegebene Laufbahn, sondern lehnte auch ein Angebot von Olof Celsius ab, der ihn als Dozent an der Universität behalten wollte. Stattdessen entschied sich Botin für eine Arbeit als Archivar. Insbesondere seine Tätigkeit im Reichsarchiv erlaubte ihm auch den Zugang zu allen geschichtlichen Originaldokumenten und Kopien jener Zeit.

Anders af Botin wollte die gesamte schwedische Geschichte neu schreiben und dabei modernisieren, eine Aufgabe, die allerdings unmöglich zu erfüllen war, zudem der Geschichtswissenschaftler auch Monografien über die bedeutendsten Personen der Geschichte Schwedens herausgeben wollte. In der Tat erschienen leider nur die Bände über Styrbjörn und über Birger Jarl. Auch seine Darstellung Utkast till svenska folkets historia, die von der Vorgeschichte des Landes bis zu Gustav Vasa führen sollte, konnte Botin nie nach seinen Ideen und Plänen vollenden, auch wenn dieses Werk noch heute einen Einblick in das geschichtliche Denken und Argumentieren des 18. Jahrhunderts bietet. Selbst wenn Anders af Botin auf Grund seines Wissen allgemein als Historiker anerkannt wurde, so scheiterten seine Pläne vor allem an seiner Offenheit, denn selbst sein Gönner, Gustav III., bremste seine Arbeiten, da Botin offen wichtige Personen des Landes kritisierte und ihnen unwissenschaftliches Arbeiten vorwarf.


22. September 1782: Fredrik Westin, vom Portraitmaler zum Maler von Altarbildern
22. September 1790: Anders af Botin und die Geschichtsschreibung Schwedens
22. September 1906: Oscar Levertin, Autor, Literaturkritiker und Professor
22. September 1932: Ingo (Ingemar Johansson) wird Weltmeister im Schwergewicht
22. September 1947: Der satirische Zeichner und Künstler Ivar Starkenberg
22. September 1959: Johan Norberg und der moderne Jazz Schwedens
22. September 1993: Kommerzielle Radiostationen erreichen Schweden
22. September 2008: Olov Svedelid, Kriminalromane im Stockholmer Milieu

Copyright: Herbert Kårlin

Keine Kommentare:

Kommentar posten