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Dienstag, 15. Januar 2019

Per Ahlmark, schwedischer Politiker und Schriftsteller

Per Ahlmark kam am 15. Januar 1939 als Sohn eines Ärztepaares in Stockholm zur Welt und zeigte im Jahre 1956 erstmals sein politisches Engagement. Gemeinsam mit dem Mitschüler Hans Hederberg forderte er die Freistellung vom damals obligatorischen Morgengebet vor Schulbeginn und wandte sich damit an die damalige schwedische Regierung. Auch wenn sein Antrag abgelehnt wurde, so konnte er damit eine öffentliche Debatte zu diesem Thema in der Presse erreichen, was nur wenige Jahre später dazu führte, dass es Schülern grundsätzlich freigestellt wurde am Morgengebet teilzunehmen oder nicht.

Die politische Karriere Per Ahlmarks begann jedoch erst mit seiner Mitgliedschaft im Jugendverband der Volkspartei (Folkpartiet), die zur Mitgliedschaft in der Volkspartei, 1975 zum Vorsitz der Partei und zu späteren Ministerposten führte. Während Ahlmark sich in den 60er Jahren stark für die Abschaffung des Zweikammersystems interessierte, kämpfte er in der ersten bürgerlichen Nachkriegsregierung als Minister vor allem darum die Arbeitslosigkeit zu senken, wobei er beweisen konnte, dass auch bürgerliche Parteien dabei Erfolg haben können, was die Sozialdemokraten immer bestritten hatten. Nach dem Selbstmord seiner damaligen Partnerin, Maude Adelson, im Jahre 1977 geriet der Politiker jedoch in eine schwere Depression und brach seine politischen Ambitionen vollständig ab.

Nach seinem Rückzug aus der Politik engagierte sich Per Ahlmark beim Svenska Filminstitutet SF und später auch an der Elie Wiesel Foundation, setzte seine Energie jedoch vor allem in die Schriftstellerei, die nicht nur aus politischen Werken bestand, die sehr deutlich die schwedische Linke als Feind der Demokratie darstellten, sondern er schrieb auch aus drei Gedichtbände und einem Roman, und schrieb zahlreichen Artikeln in verschiedenen liberalen und rechts orientierten Zeitungen. Seine Nähe zu Israel drückte der Politiker und Schriftsteller auch dadurch aus, dass er, gemeinsam mit seiner Ehefrau, die Werke des israelischen Poeten Yehuda Amichai übersetzte.


15. Januar 1860: Der schwedische Künstler Oscar Björk
15. Januar 1866: Nathan Söderblom,Träger des Friedensnobelpreises
15. Januar 1869: Der schwedische Künstler Alfred Bergström
15. Januar 1886: Henning Hamilton und die Hamiltonaffäre

15. Januar 1909: Die schwedische Künstlerin Eva Bonnier 
15. Januar 1912: Sven Hedin, Abenteurer und Schriftsteller in fernen Ländern
15. Januar 1986: Josef Högstedt, der beliebte Lyriker Pälle Näver
15. Januar 1987: Der mysteriöse Tode von Carl Algernon
15. Januar 1989: Der Tag der Tulpen in Schweden
15. Januar 2005: Sven Christer Swahn, von der Lyrik bis Science Fiction

15. Januar 2006: Die schwedische Piratenpartei (Piratpartiet)

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 3. Januar 2019

Die Einführung der Citymaut in Stockholm

Noch 2002 versprachen die Sozialdemokraten der schwedischen Hauptstadt dass es in Stockholm keine Citymaut geben werde, ein Versprechen, das nicht sehr lange hielt, denn bei den folgenden Wahlen benötigte die Partei die Unterstützung der Grünen um regieren zu können. Die wichtigste Forderung der Grünen war jedoch eine Citymaut einzuführen um die Luft in Stockholm zu verbessern und den Autoverkehr zu reduzieren. Dass um diese Zeit eine bedeutende Mehrheit der Stockholmer gegen diese Gebühr war, spielte bei allen folgenden Entscheidungen kaum eine Rolle. Um die Bürger überzeugen zu können, entschieden sich die Sozialdemokraten sogar dazu ihren Bürgern die aufkommenden Kosten zu verschweigen.

Um das Projekt der Citymaut bis zur Reichstagswahl im Herbst 2006 zu klären, entschied man sich in Stockholm, trotz des Widerstands der Bürger, ab 3. Januar 2006 versuchsweise eine Citymaut einzuführen, ein Versuch, der am 31. Juli des gleichen Jahres abgeschlossen sein sollte und eine Bewertung ermöglichen sollte. Nach Abschluss des Tests kamen Meinungsforscher zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, was die Grünen Stockholms dazu veranlasste eine manipulative Volksbefragung durchzuführen, unter anderem auch mit dem Versprechen, dass sämtliche Einnahmen aus der Citymaut dem Straßenunterhalt und den öffentlichen Verkehrsmitteln Stockholms zurückgeführt werde. Das Ergebnis davon war, dass 51,5 Prozent der Stockholmer der Einführung der Citymaut zustimmten.

Zum 1. August 2007 wurde entsprechend eine permanente Citymaut in Stockholm eingeführt, jedoch mit veränderten Regeln. Da in Schweden städtische Brücken- und Straßengebühren nur für neue Straßen und Brücken verlangt werden dürfen, übernahm die Regierung die Entscheidung und setzte eine Straßensteuer als Citymaut fest, wobei die Einnahmen als ganzes dem Staatsbudget zugerechnet werden, das die Regierung nach Entscheidungen des Parlaments verteilen kann. Es zeigte sich auch, dass die Unterhaltskosten für die Citymaut enorm waren. Um auch später keinen Widerstand aufkommen zu lassen, gab es nach der festen Einführung der Citymaut in Stockholm keinerlei offizielle Analyse mehr hinsichtlich der Rentabilität der Steuer oder dem Vorteil für die Stockholmer Luft.


3. Januar 1676: Der konservative Erzbischof Johannes Steuchius
3. Januar 1760: Der Matallurgist und Zeichner Reinhold Angerstein
3. Januar 1868: Isidor Behrens und der schwedische Sportklub AIK
3. Januar 1890: Die schwedische Schriftstellerin Ulla Bjeme-Biaudet
3. Januar 1928: Der schwedische Künstler Hans Norman 
3. Januar 1937: Die Pfadfinderbewegung in Schweden 
3. Januar 1947: Nylonstrümpfe kommen nach Schweden 
3. Januar 1960: Victor David Sjöström, der Stern des schwedischen Stummfilms

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 30. Januar 2017

Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme

Olof Palme kam am 30. Januar 1927 als Sohn eines Versicherungsdirektors in der Stockholmer Nobelgegend Östermalm zur Welt uind erhielt daher auch von den jüngsten Jahren an eine ausgezeichnete Ausbildung. Man sagt, dass bereits der vierjährige Palme mit seinem Kindermädchen Französisch sprach, mit seiner Mutter Deutsch und seinen Geschwistern Schwedisch. Mit sieben Jahren begann Palme seine Schulbildung mit der zweiten Klasse des Beskowska Schule und als er zehn Jahre alt war, begann er mit dem Gymnasium. Nach der Hochschulreife im Jahre 1944 begann Palme für das Svenska Dagbladet zu schreiben und machte einen vierjährigen Militärdienst bevor er in den USA seine Studien begann. Als Olof Palme 1951 nach Schweden zurückkehrte, schrieb er sich an der Universität Stockholm ein um dort Jura zu studieren, parallele hierzu setzte er jedoch auch seine militärische Karriere fort und 1956 wurde er Leutnant der Kavallerie.

Obwohl Olof Palme in der bürgerlichen Schicht Schwedens aufgewachsen war, wurde er ab den 50er Jahren bei den Sozialdemokraten politisch aktiv. Nach eigenen Aussagen hatten ihn drei Ereignisse von der Politik der bürgerlichen Parteien entfernt. Zum einen die Steuerdebatten im Jahre 1947, zum anderen sein Aufenthalt in den USA, als der Politiker mit den Klassenunterschieden konfrontiert wurde, und zum dritten eine Asienreise im Jahre 1953, als Palme die Folgen des Kolonialismus mit eigenen Augen gesehen hatte. Olof Palme vertrat daher die Sozialdemokraten an 1958 im Parlament und hatte unter Ministerpräsident Tage Erlander auch mehrere bedeutende politischen Aufgaben. Dieser politische Wandel und die elitäre Herkunft Palmes ist nahezu einmalig in der schwedischen Politik und verhalf dem Politiker sicher auch teilweise zu seinem besonderen Ruf, nicht zuletzt deshalb, weil er als Nicht-Arbeiter der Politik Schwedens teilweise auch eine andere Richtung geben konnte.

Am 1. Oktober 1969 wurde Olof Palme zum Parteivorsitzenden der Sozialdemokraten gewählt und am nur zwei Wochen später wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt. Bereits während seiner ersten Phase als Ministerpräsident zeigte sich Palme mit einer deutlichen sozialistischen Linie, denn er kritisierte die USA auf Grund des Vietnamkrieges, er erreichte ein Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und er schwächte den Einfluss der Monarchie, da er dem König jeden Einfluss bei Regierungsbildungen nahm. Aber auch während seiner zweiten Phase als Ministerpräsident konnte Palme die schwedische Politik sehr deutlich prägen, auch wenn er sich nun mehr in der Verteidigung seiner Ideologie sehen musste, denn die bürgerlichen Parteien zeigten seine Verhandlungsbereitschaft mit der Sowjetunion als Schwäche und seine Kritik an Israel auf Grund des Palästina-Konflikts  wurden nicht als Friedensgedanke betrachtet, sondern als Angriff auf Israel. Die Israelkritik Palmes wird heute von der schwedischen Außenministerin Margot Wallström weitergeführt, wenn auch weitaus aggressiver als durch Palme. Olof Palme wurde am 28. Februar 1986 in Stockholm ermordet.


30. Januar 1658: Über das Eis und den Großen Belt zum Frieden von Roskilde
30. Januar 1716: Der schwedische Architekt Carl Fredrik Adelcrantz
30. Januar 1813: Adam Smedberg und die Erweckungsbewegung in Närke
30. Januar 1896: Die schwedische Internatsschule Lundsberg
30. Januar 1941: Erik Lindorm, ein Anarchist wird zum Schriftsteller
30. Januar 1945: Die größte menschliche Katastrophe auf der Ostsee
30. Januar 1982: Tora Dahl, die Bewältigung einer unehelichen Geburt
30. Januar 2009: Ingo (Ingemar Johansson) wird Weltmeister im Schwergewicht

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Montag, 6. Juni 2016

Die Regierungsreform des Jahres 1809

Auch wenn der schwedische Nationaltag erst seit 1983 gefeiert wird, so geht er auf drei sehr wichtige Ereignisse zurück, denn am 6. Juni 1523 wurde Gustav Vasa zum König gewählt, am 6. Juni 1809 wurde von König Karl XIII. die bedeutendste Regierungsreform Schwedens unterzeichnet und am 6. Juni 1974 wurde auch die jüngste Regierungsform Schwedens unterschrieben. Mit welchem der Daten der Nationaltag tatsächlich in Verbindung zu bringen ist, bleibt daher eine Diskussionsfrage. Das logische Datum wäre vermutlich der 6. Juni 1809, denn an diesem Tag ging ein Teil der Macht des Königs auf den Reichstag über, was der erste Schritt zum modernen Schweden war.

Die Ursache der Regierungsreform des Jahres 1809 ist zum einen dabei zu suchen, dass man die Diktatur des Königs Gustav III. für immer brechen wollte, zum anderen aber auch nicht zur Freiheitszeit zurückkehren wollte, als der König kaum eine Entscheidungsgewalt hatte und die Mitglieder des Reichstags durch Bestechungen nur das eigene Wohl im Sinne hatte, was das Land ebenfalls in schwere Probleme stürzte. 1809 wollte man daher eine Reform schaffen, die die Macht des Königs eindeutig regelte, aber auch  dem Reichsrat eine klare Aufgabe schuf, die dem Volke zu Gute kommen sollte.

Das Ergebnis der Regierungsreform des Jahres 1809 war daher, dass dem König zwar die Leitung des Landes übertragen wurde, jedoch nur in Zusammenarbeit mit Ministern und Staatssekretären. Das Steuerrecht wurde in seinen Grundlinien ganz dem Reichstag übergeben, die Rechtsgebung wurde in mehrere Bereiche aufgeteilt, bei der der König nur über die wirtschaftliche Linie allein entscheiden konnte und die Rechtsprechung unterlag ab 1809 dem Obersten Gerichtshof, dessen Mitglieder allerdings vom König ernannt wurden. Natürlich erhielt der König dadurch weiterhin eine bedeutende Machte, aber das Staatssystem war nun in vier Bereiche geteilt, die eine eindeutig Aufgabe hatten, eine Grundlage, die auch bei der Reform des Jahres 1974 weitgehend beachtet wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Freitag, 7. November 2014

Christian Lundeberg wird Ministerpräsident Schwedens

Als Christian Lundeberg am 10. November 1911 im Alter von 69 Jahren starb, gehörte er zur Reihe der Personen, die einst die höchste politische Position des Landes erreicht hatten, auch wenn er nur knappe vier Monate lang der Ministerpräsident des Landes war, bevor er am 7. November 1905 zurücktrat und das Amt an Karl Staaff weitergeben musste. Lundeberg gehörte zu jenen Führern des Landes, die gewohnt waren zu regieren und er war, als einer der bedeutendsten Industriellen im Raume Gävles, vor allem gewohnt zu entscheiden und seinen Willen durchzusetzen.

Christian Lundeberg gehörte bereits bevor er Ministerpräsident wurde zu den bedeutendsten politischen Personen des Landes, die die schwedische Verteidigung ab Ende des 19. Jahrhunderts als grundlegend betrachteten. Unter seinem Einfluss wurde die Festung in Boden gebaut, die Seeverteidigung ausgedehnt und er entwickelte ein schlagkräftiges Heer, das durch lange Waffenübungen immer auf den Ernstfall vorbereitet war. Nahezu logisch ist daher auch, dass Lundeberg Norwegen jede Selbständigkeit absprach und, wie jeder konservative Politiker des Landes, die Union zwischen Schweden und Norwegen als natürlich betrachtete.

Die Ernennung von Christian Lundeberg zum Ministerpräsidenten beruhte mit Sicherheit auf seiner extrem konservativen Einstellung. Der Politiker sah das Volk als unfähig zu einer politischen Mitbestimmung an und er wollte selbst eine Vetorecht der Ersten Kammer bei neuen Gesetzen durchführen, da nur die Elite des Landes entscheiden kann was gut für das Land und das Volk sei. In diesem Rahmen muss man auch sehen, dass Lundeberg vermutlich der einzige Ministerpräsident Schwedens jener Zeit war bei dessen Entscheidungen der König nicht mitwirkte. Erstmals unter seiner Regierung wurde auch ein Vertreter des Bauernstandes zum Staatsrat ernannt, ein liberaler Gutsbesitzer, der es ermöglichte eventuelle Widersacher der Regierung Lundeberg zu besänftigen und eine Öffnung der Politik zur ländlichen Schicht zu zeigen.


7. November 1852: Johan Ramstedt, eine Notlösung als Ministerpräsident
7. November 1893: Das Karlstads Theater, genannt Wermland Opera
7. November 1929: Erik-Gunnar Eriksson und Hoppets Stjärna
7. November 1935: Johan Lindström Saxon, der Heimatautor Närkes
7. November 1938: Der Tag des Kladdkaka in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Die Grünen Schwedens werden gegründet

Auch die schwedische Miljöpartiet de gröna, die Grünen Schwedens, haben ihren Ursprung in der außerparlamentarischen Opposition, die sich Ende der 60er Jahre in ganz Europa bildete, wobei die Friedensbewegung, der Kampf gegen die Kernenergie und die Fragen nach Solidarität und Mitentscheidung des Volkes im Zentrum lagen. Der entscheidende Anstoß sich politisch zusammenzuschließen, kam jedoch aus Deutschland, wobei für Schweden weniger die Parteigründung der Grünen eine Rolle spielte, sondern vielmehr Petra Kelly mit ihren Argumenten den Ausschlag gab.

Die schwedische Miljöpartiet wurde zwar offiziell erst im Jahre 1981 gegründet, ein Jahr vor den folgenden Parlamentswahlen, aber als Startdatum zählt man den 25. Oktober 1980, als sich etwa 50 Personen des ganzen Landes in der Hagalundsskolan in Solna trafen um über die Bildung einer grünen Partei zu diskutieren, die block-neutral sein sollte, damit die Ziele der Mitglieder vertreten werden konnten und nicht eine pauschale Links- oder Rechtspolitik. Die Gruppe nannte sich allerdings noch nicht Miljöpartiet, sondern Aktionsgruppen för ett Framtids- och Miljöparti.

Obwohl sich die Mitglieder der grünen Gruppe bereits aus Aktivisten der unterschiedlichsten schwedischen Bewegungen zusammensetzte, die alle bereits politische Erfahrungen gesammelt hatten, gelang es den schwedischen Grünen bei der ersten Parlamentswahl gerade einmal 1,7 Prozent der Wählerstimmen zu erhalten und sie konnten daher nicht in das Parlament einziehen. Ab 1984 begann sich die Miljöpartiet de gröna sich zu organisieren und sie führten eine gemischte Führung ein bei der als Vorsitzende der Partei grundsätzlich ein Mann und eine Frau mit den gleichen Rechten auftreten sollten, seit 2011 Åsa Romson und Gustav Fridolin. Seit dem Regierungswechsel des Jahres 2014 bilden die Grünen eine Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten, was durch starke Kompromisse geprägt ist und die Partei weit vor ihrem ursprünglichen Ziel entfernte.


25. Oktober 1954: Marika Stiernstedt und die Abwendung von der Aristokratie
25. Oktober 2003: Fredrik Reinfeldt, Ministerpräsident Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 18. April 2012

Jan Björklund, der Kultusminister mit militärischem Hintergrund

Am 18. April 1962 wurde Jan Björklund in Skene, Västergötland, geboren. Jan Björklund ist seit dem 7. September 2007 der Vorsitzende der schwedischen Folkpartiet (Volkspartei), seit 2010 zweiter Mann nach Fredrik Reinfeldt und war von 2007 bis 2014 Kultusminister des Landes. Bereits ab der ersten Regierungsbildung von Fredrik Reinfeldt wurde Jan Björklund an die Spitze des schwedischen Ausbildungswesen gesetzt, auf der Basis seiner sozialwissenschaftlichen Spezialisierung im Gymnasium und der schulpolitische Erfahrung als Lokalpolitiker.

Die wahre Karriere von Jan Björklund begann mit seiner Wehrpflicht im Jahre 1981, denn nach Abdienen des Pflichtdienstes wurde er Zeitsoldat im gleichen Regiment in Borås. 1985 schloss er dann die Offiziershochschule der Infanterie ab. Anschließend besuchte er die Kriegshochschule in Karlsberg, wo er zum Leutnant ernannt wurde. Seine weiteren Studien beim Militär führten ihn dann im Laufe von elf Jahren bis zum Major. Nachdem er alle Prüfungen der militärischen Laufbahn mit Auszeichnung bestanden hatte, ließ er sich 1994 dann freistellen um eine politische Laufbahn zu beginnen. 2005 wurde Björklund Reserveoffizier und 2008 beendete er seine militärische Laufbahn vollständig zu Gunsten der Politik.

Jan Björklund trat 1976 dem Jugendverband der Folkpartiet bei und wurde bereits 1985, noch während seiner militärischen Karriere, Vice-Vorsitzender der Partei. Ab 1991 wurde Björklund dann, auf lokaler Ebene und parallel zu seiner militärischen Tätigkeit, im Schulwesen aktiv, was der direkte Weg zu seinem Ministerposten wurde. Björklunds Politik ist stark von seiner rein militärischen Karriere beeinflusst, was sich auch daran zeigt, dass er einen Beitritt Schwedens in die NATO fordert, sich für den schwedischen Einsatz im Irak und anderen Krisengebieten aussprach, das Budget der Verteidigung grundsätzlich erhöhen will und für eine deutliche schwedische Europapolitik ist. Sein Amt als Kutusminister musste Björklund am 3. Oktober 2014 an Gustav Fridolin der Grünen abgeben.

18. April 1589: Prinz Johan verzichtet zweimal auf die schwedische Krone
18. April 1965: Der Priester, der sich für die Homosexualität einsetzt

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 23. Februar 2012

Anna Maria Viktoria Uddgren und die erste Strindberg-Verfilmung

Am 23. Februar 1868 wurde in Stockholm eine Frau geboren, die zwar ihrer Zeit voraus war, es aber leider nie schaffte wirklich bekannt zu werden, obwohl sie die uneheliche Tochter des Königs Oscar II. war und zu Beginn ihrer Karriere als Sängerin im Stockholmer Tivoli als Königin der Unterhaltungsindustrie galt. Anna Maria Viktoria Uddgren ist bis heute nur in einer kleinen Schicht für ihre tatsächlichen Leistungen bekannt.

Anna Maria Viktoria Uddgren war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die erste Frau, die die Regie für mehrere Filme führte, und sie behielt diesen Titel in Schweden 50 Jahre lang, denn es dauerte ein halbes Jahrhundert bis die nächste Schwedin auch hinter der Kamera akzeptiert wurde. Anna Maria Viktoria Uddgren war in dieser Zeit nahezu alles auf einmal, denn sie spielte in einigen ihrer Filme, produzierte sie und schrieb einige der Manuskripte dafür, wobei sie nebenbei auch noch Zeit fand fünf Kinder zu erziehen.

Anna, die ihre Werke als Anna Hofman-Uddgren zeichnete, hatte in den Jahren 1911 und 1912 die Regie von sechs Langfilmen, darunter „Fadern“ und „Fröken Julie“ von August Strindberg, der ihr die Exklusivität für alle Verfilmungen seiner Werke übertragen hatte. Anna Maria Viktoria Uddgren, die rechtzeitig den Sprung von der unterhaltenden Revue zur Kunstart Film gefunden hatte, gehörte in Schweden mit zu Pionieren, die einen Film und Theater zur allgemeinen Unterhaltung machten, auch wenn sie heute nur selten neben ihren männlichen Kollegen genannt wird.

23. Februar 2002: Die schwedische Version von Chess kommt nach Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 6. Februar 2012

Der letzte politische Machtbeweis der schwedischen Könige

Am 6. Februar 1914 versammelten sich 32.000 schwedische Konservative in Stockholm um den König in seiner Forderung nach einer stärkeren Verteidigung des Landes zu stützen. Im königlichen Hof versicherte der Organisator der Demonstration, Uno Nyberg, Gustav V. seine Unterstützung und warnte vor den negativen politischen Kräften der Regierung, die Schweden mit dem Wunsch einer Abrüstung in große Gefahr brächten. Zahlreiche Demonstranten kamen in ihren Nationaltrachten um ihre Einstellung zu Schweden zum Ausdruck zu bringen, was heute noch beim Königshaus und den Sverigedemokraterna bei bedeutenden Anlässen der Fall ist.

Nominell hatte der König Schwedens bis 1975 das Recht sich in alle Angelegenheiten der Regierung einzumischen und selbst Änderungen zu verlangen. Allerdings kam es am 6. Februar 1914 letztmals zu dieser Auseinandersetzung, die nicht nur König und Regierung in eine zweifelhafte Situation gebracht hatten, sondern auch Bauern und Arbeiter, da die Bauern den König unterstützten und die Arbeiter die bestehende Regierung unter Karl Staaff.

Obwohl am 8. Februar 1914 dann die Arbeiter Schwedens eine Gegendemonstration in Stockholm veranstalteten und mit 50.000 Teilnehmern der Regierung die Unterstützung versicherten, konnte diese sich nicht gegen die Macht des Königshauses durchsetzen und musste am 17. Februar, nur wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, aufgelöst werden. Da diese Situation ganz Schweden in eine schwere Regierungskrise (Borggårdskrisen) versetzte, versicherte Gustav V. anschliessend sich nicht mehr aktiv in die Regierungsgeschäfte einzumischen.

6. Februar 1993: Der Nationaltag der Samen in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 9. April 2011

Kristina von Schweden, die widerspenstige Königin

Am 9. April 1689 starb die ehemalige Königin Kristina von Schweden, die von 1632 bis 1654 auf dem schwedischen Thron saß, in Rom. Kristina nimmt in der schwedischen Geschichte eine sehr vielschichtige Rolle ein und noch heute sind viele Fragen über ihre Entwicklung und ihre Entscheidungen offen, trotz der Autobiografie der einstigen Königin.

So bleibt, zum Beispiel, die Frage, warum Kristina, die nach der geänderten Erbfolge nur unter der Voraussetzung Königin wurde, dass sie auch schnellstmöglich heirate, damit ein Thronfolger gesichert war, nie eine Ehe einging. Es konnte nie nachgewiesen werden, dass Kristina je eine Liebesaffäre mit einem Mann hatte, aber es sind zahlreiche Verhältnisse zu Frauen bekannt.

Da es im 17. Jahrhundert undenkbar war, dass eine Königin lesbisch sein könne, kamen die merkwürdigsten Gerüchte auf, unter anderem, dass sie verstümmelt oder gar ein Mann sei. Bestätigungen fand man vor allem in der Stärke und der Eigenwilligkeit mit der sie die Regierungsgeschäfte führte. Da sie keine Ehe eingehen wollte, dankte Kristina von Schweden am 1. Juni 1654 ab, was sie am 6. Juni in aller Öffentlichkeit wiederholte und am 16. Juni vom Reichstag bestätigt wurde. Noch im selben Jahr trat sie auch zum Katholischen Glauben über.

9. April 1944: Lars Norén und die schwedischen Außenseiter
9. April 1947: Maria-Pia Boëthius und der schwedischer Feminismus

Copyright: Herbert Kårlin