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Donnerstag, 29. März 2018

Simon Boëthius, Politiker und Geschichtswissenschaftler

Simon Boëthius wurde am 6. März 1859 als Sohn eines Priesters in Säfnäs geboren und studierte, nach seiner Hochschulreife in Falun, an der Universität Uppsala Philosophie und Geschichte. Ab 1877 wurde Boëthius Dozent an der gleichen Universität. Wenige Jahre später wechselte der Wissenschaftler als Dozent zum Gymnasium in Uppsala, um dann jedoch 1901 als ordentlicher Professor an die Universität zurückzukehren. Nur zwei Jahre vorher war Boëthius auch in den Stadtrat Uppsalas gewählt worden, um eine Parallelkarriere als Politiker einzuleiten.

Als Wissenschaftler interessierte sich Simon Boëthius insbesondere für die Freiheitszeit Schwedens, aber auch die französische Revolution, wobei er in all seinen Schriften die Geschichte eng in die Entwicklung des Staates einbettete und der Kulturgeschichte Schwedens einen höheren Rang gab als der Kriegsgeschichte. Der größte wissenschaftliche Einsatz von Boëthius lag nicht in der Forschung, sondern daran die in Schulen verwendeten Geschichtsbücher zu überarbeiten und damit ein für die damalige Zeit moderneres Geschichtsdenken einzuführen. Indem der Wissenschaftler auch zahlreiche populärwissenschaftliche Artikel veröffentlichte, gelang es ihm auch die schwedische Geschichte einer breiteren Schicht der Bevölkerung zugänglich zu machen.

Als Politiker hatte Simon Boëthius im Grunde zwei Interessen, die er auch in gewisser Weise durchsetzen konnte. Zum einen gelang es ihm die Bildung auf einen klassischen Weg zu bringen bei dem Geschichte eine wichtige Rolle spielte, aber er führte auch die Realschulprüfung ein, die vor allem dazu dienen sollte, dass die Bevölkerung allgemein eine höhere Bildung erhalten sollte, um jedoch nach der Realschule ins Berufsleben überzugehen. Zum anderen war das Wahlrecht für ihn eine sehr bedeutende Frage, auch wenn er hierbei seine konservative Einstellung nicht aufgab, aber Simon Boëthius, der am 29. März 1924 in Uppsala starb, war der Meinung, dass der Adel nur beschränkt über das Land entscheiden sollte, die Bauern dagegen an einem demokratischen Prozess Schwedens beteiligt werden müssen.


29. März 1638: Die Kolonie Neues Schweden (Nya Sverige)
29. März 1772: Emanuel Swedenborg, der große Mystiker Schwedens
29. März 1772: Emanuel Swedenborg, der größte Mystiker Schwedens
29. März 1792: König Gustav III. will die Macht nicht teilen
29. März 1828: Der schwedische Künstler Edward Bergh
29. März 1832: Carl Rupert Nyblom, von der Romantik zum Realismus
29. März 1874: Die Schriftstellerin und Künstlerin Tyra Kleen
29. März 1915: Die Künstlerin und Designerin Sylvia Leuchovius
29. März 1965: GAN, Gösta Adrian-Nilsson, und die moderne Kunst Schwedens
29. März 1968: Der Tingstadstunnel, ein Tunnel unter dem Göta Älv
29. März 2006: Niklas Lindgren, genannt Hagamannen

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Politiker und Bischof Gottfrid Billing

Gottfrid Billing kam am 19. April 1841 als Sohn eines Regionalpolitikers in einem alten Geschlecht Skånes in Önnestad zur Welt und studierte an der Universität Lund Theologie, wobei der Theologe von Beginn an sowohl in der Politik als auch der Religion eine sehr konservative Haltung einnahm, was, auf Grund seines Einflusses, auch die Entwicklung Schwedens zum Teil über Jahre hinweg bremste. Mit 40 Jahren wurde Billing Professor der Theologie an der Universität Lund, 1884 Bischof des Stiftes Västerås und nur ein Jahr später auch oberster Hofprediger der Königshauses.

Seine engen Beziehungen zum Königshaus und den konservativen kirchlichen  Kreisen führten dazu, dass Gottfrid Billing gefragt wurde, ob er Anton Niklas Sundberg als Erzbischof folgen wollte. Billing lehnte das Angebot ab, ließ sich dafür jedoch in die Svenska Akademien wählen, da dies mit mehr Prestige verbunden war. Billig vertrat die Svenska Kyrkan auch als konservativer Politiker beim Reichstag von Västerås. Hier gelang es dem Politiker jede Anfrage nach einem allgemeinen Wahlrecht zu blockieren, wobei er insbesondere Frauen von der gesellschaftlichen Entwicklung ausschließen wollte.

Auch in theologischen Fragen zeigte sich Gottfrid Billing als extrem konservativ, was sich insbesondere darin ausdrückte, dass er noch 1910 die Existenz des Teufels vertrat, denn schließlich habe Jesus selbst diese Aussage verbreitet. In diesen Jahren gab es mehrere fortschrittliche Theologen, die die Kirche erneuern wollten und daher die Existenz des Teufels bereits als Dummheit bezeichneten. Billing konnte die Verbreitung dieser modernen Meinung weitgehend bremsen. Nach dem ersten Weltkrieg zog sich Gottfrid Billing, der am 14. Januar 1925 in Lund starb, aus dem öffentlichen Leben zurück, behielt jedoch bis zu seinem Tod das Amt als Bischof und erster Hofprediger und war weiterhin aktives Mitglied der Svenska Akademien.


14. Januar 1794: Erik Sjöberg und der Kampf gegen die literarischen Schulen
14. Januar 1814: Der Kieler Frieden einigt Schweden und Norwegen
14. Januar 1818: Der finnlandschwedische Schriftsteller Zacharias Topelius
14. Januar 1843: Der schwedische Historiker Hans Forssell
14. Januar 1864: Waldemar Bülow, Verleger und Politiker
14. Januar 1912: Ein Kreuzer für Kriegszwecke aus privaten Mitteln
14. Januar 1928: Lars Forssell und die Nachkriegsliteratur Schwedens
14. Januar 1963: Ingmar Bergman wird Chef des Dramaten in Stockholm
14. Januar 1996: Der schwedische Künstler Axel Wallenberg
14. Januar 2006: Der Mord an einem Jungen bringt ein neues Gesetz
14. Januar 2011: Sun Axelsson, die Welt der Diktaturen und der Bekenntnisroman

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 27. November 2015

Louis De Geer, ein entscheidungsunwilliger Ministerpräsident

Louis De Geer kam am 27. November 1854 als Sohn des Ministerpräsidenten gleichen Namens in Kristianstad zur Welt und studierte an 1873 Jura an der Universität Uppsala. Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1979 begann De Geer unmittelbar eine politische Laufbahn und wurde 1901 als liberaler Politiker in die Erste Kammer gewählt, nachdem er bereits vorher im Finanzministerium gearbeitet hatte und in mehreren Ausschüssen aktiv war. Allerdings gehörte De Geer als Liberaler zur kleineren Gruppe der Parteien und spielte daher auch nur eine sekundäre Rolle.

Auf Grund seiner Einstellung verließ Louis De Geer 1914 die Liberalen, was jedoch auch dazu führte dass der Politiker nicht mehr in den Reichstag gewählt wurde und daher ab dieser Zeit als unabhängiger Politiker für seine Ziele kämpfte. De Geer gehörte dabei zu jenen Politikern, die sowohl gegen eine weitere Union mit Norwegen waren als auch ein ausgedehntes Wahlrecht forderten, zwei Punkte, die im Grunde dafür sprachen, dass er nach Karl Staaf als wahrscheinlicher Ministerpräsident galt. Allerdings konnten seine politischen Gegner dies verhindern,  so dass De Geer, der am 25. Februar 1935 starb, zwischen 1914 und 1920 nur eine sehr eingeschränkte Machtstellung behalten konnte.

Die Überraschung kam für Louis De Geer dann jedoch mit dem Wahlverlust von Hjalmar Branting und dessen Rücktritt als Ministerpräsident im Jahre 1920, denn nun ernannte Gustaf V. überraschenderweise De Geer zum Ministerpräsidenten, allerdings mit Ministern, die zum Teil den Liberalen angehörten, zum Teil zum moderaten rechten Flügel standen. Allerdings gelang es De Geer durch seine permanente Inaktivität sämtliche Reichstagsmitglieder in kürzester Zeit zu verärgern und sämtliche seiner Minister reichten beim König ein Abschiedsgesuch ein, mit der Aussage, dass Gustaf V. zwischen De Geer und den Ministern wählen müsse. Dieser Schritt führte dazu, dass Louis De Geer sein Amt bereits nach 111 Tagen an der Macht wieder verlassen musste.


27. November 1640: Freiherr Gabriel Gustafsson Oxenstierna
27. November 1701: Anders Celsius und die Celsius-Skala
27. November 1907: Astrid, die Entwicklung eines altnordischen Namens

27. November 1937: Der schwedische Ministerpräsident Felix Hamrin
27. November 1949: Åsa-Nisse, der Kino-Erfolg Schwedens
27. November 1984: Die schwedische Sängerin Sanna Nielsen

Copyright: Herbert Kårlin

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Montag, 19. Oktober 2015

Ministerpräsident Nils Edén und der Parlamentarismus

Nils Edén kam am 25. August 1871 als Sohn eines Rektors in Piteå zur Welt und erhielt eine standesmäßige Bildung, die ihn nach der Hochschulreife in Luleå als Student an die Universität Uppsala brachte, wo er 1897 seinen Doktor in Philosophie machte und gleichzeitig Dozent für Geschichte wurde. Der Aufstieg Edéns war außerordentlich schnell und schon 1909 wurde er als ordentlicher Professor an die Universität Uppsala berufen. Bereits vor seiner Professur hatte sich Edén auch der Politik zugewandt, war 1908 in den Reichstag gewählt worden und nahm ab 1912 eine immer wichtigere Rolle innerhalb der Liberala samlingspartiet ein. Edén war der letzte Vorsitzende der Partei bis sich diese spalte und später, unter anderem, die heutige Folkpartiet (Volkspartei) daraus hervorging.

Als die rechten und königstreuen Parteien Schwedens im Jahre 1917 bei den Wahlen schwere Verluste erlebten und die Mehrheit der Stimmen bei den Liberalen, also Nils Edén, und den Sozialdemokraten unter Hjalmar Branting lag, versuchte Ministerpräsident Carl Swartz mit allen Mitteln und Intrigen die Regierungsübernahme von Edén zu stoppen, aber letztendlich blieb Gustav V. keine andere Wahl als Nils Edén mit der Regierungsbildung zu beauftragen und ihn am 19. Oktober 1917 zum Ministerpräsidenten zu ernennen, obwohl die Sozialdemokraten bei der Wahl mehr Stimmen erhalten hatten als die Liberala samlingspartiet. Dies lag natürlich auch daran, dass die Sozialdemokraten um diese Zeit die Monarchie abschaffen wollten, nicht jedoch Nils Edén.

Nils Edén war,als liberaler Politiker, in diesen kritischen Jahren eine Ideallösung des Königs, der zwar damit das allgemeine Wahlrecht einführen musste und damit gerechtere Wahlen ermöglichte, jedoch die entscheidende Macht behielt. Aber auch wenn Edén den Sozialdemokraten Branting zum Finanzminister gemacht hatte, so konnte diese Verbindung nicht auf die Dauer halten und schon 1920 zerbrach die Regierung. Edén, ein Gegner des Alkoholverbotes, konnte nach der Volksbefragung zum Alkoholverbot auch seine Partei nicht mehr einigen und entschied sich daher 1924 die nationale Politik ganz zu verlassen. Die Leistungen des Politikers, der am 16. Juni 1945 in Stockholm starb, lagen zum einen die Einführung des Parlamentarismus in Schweden, zum anderen darin, dass er, nach seinem Rückzug aus der Politik, die Geschichte des schwedischen Reichstags verfasste und herausgab.


19. Oktober 1072: Der deutsche Bischof Egino stirbt in Lund
19. Oktober 1758: Der schwedische Barockkomponist Johan Helmich Roman 
19. Oktober 1821: Der letzte Geadelte Schwedens: Sven Anders Hedin 
19. Oktober 1928: Das Chinateatern (Chinatheater) in Stockholm
19. Oktober 1975: Der schwedische Sänger und Musiker Lars Winnerbäck
19. Oktober 1979: Homosexualität keine Krankheit mehr in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 11. August 2015

Johan August Gripenstedt und der Liberalismus

Johan August Gripenstedt wurde am 11. August 1813 als Sohn eines Majors im deutschen Holstein geboren und begann 1827 auch selbst eine militärische Karriere in Schweden. Durch die Einheirat in das Geschlecht Anckarswärd ging nicht nur seine Karriere aufwärts, sondern Gripenstedt wurde auch zur Politik geführt. Schon 1840 war der Leutnant dann in der Kammer der Ritter und des Adels im Parlament vertreten, was ihn allerdings mit seinen liberalen Gedanken in gewisse Schwierigkeiten brachte, da er als Abgeordneter gegen das Interesse der eigenen Gruppe handelte, sich jedoch auch von den Liberalen distanzierte, da Gripenstedt eine langsame Entwicklung zum Freihandel sah.

Als wenig später Oscar I. an die Macht kam, der die schwedische Politik erneuern und öffnen wollte, wurde Johan August Gripenstedt mit 35 Jahren beratender Staatsrat und 1856 auch Finanzminister, was eine deutliche Wende in der schwedischen Politik war, denn dadurch konnte Gripenstedt den Ausbau der Eisenbahnlinie vorantreiben und er konnte während der Bankenkrise des Jahres 1857 durch einen staatlichen Eingriff die Skånes Enskilda Bank retten. Durch seinen Einfluss gelang es dem Politiker auch Schweden zu industrialisieren und zu einer der reichsten Nationen der damaligen Welt zu machen.

Die Basis dafür war in erster Linie das Öffnen der schwedischen Wirtschaft zu den wichtigsten europäischen Großmachten und das Herabsetzen der Zölle, zwei geradezu revolutionäre Schritte in jener Zeit. Aber nicht nur in der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Schwedens jener Zeit findet man die Handschrift Gripenstedts, denn der Politiker setzte sich seit seiner Wahl in das Parlament auch dafür ein die adeligen Privilegien abzuschaffen, ein Zweikammer-System einzuführen und das sehr restriktive Wahlrecht auszudehnen, obwohl einige dieser Punkte dem konservativen Geist Schwedens stark entgegenliefen.


11. August 1465: Bischof Kettil Karlsson ändert den Lauf der Geschichte
11. August 1908: Torgny T. Segerstedt verändert die schwedische Gesellschaft
11. August 1925: Rune Andréasson und der berühmteste Bär Schwedens
11. August 1948: Kenneth Gustafsson, bekannt unter dem Namen Kenta
11. August 1999: Die Schauspielerin und Regisseurin Mimi Pollak
11. August 2000: Ein Rettungshubschrauber explodiert am Kebnekaise

Copyright: Herbert Kårlin

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Freitag, 5. Juni 2015

Der schwedische Ministerpräsident Carl Swartz

Carl Swartz kam am 5. Juni 1858 als Sohn eines Fabrikanten in Norrköping zur Welt und übernahm, nach einem Studium in Uppsala und Bonn, den Familienbetrieb, die Tabakfirma Petter Swartz. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Bonn wurde Swartz auch in der Kommunalpolitik aktiv und kümmerte sich vor allem um die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung seiner Heimatstadt. Auf Grund seiner Beziehungen und seiner Leistungen gelang es dem Firmenbesitzer auch bald in mehrere staatliche Ausschüsse berufen zu werden, die ihm den Weg in eine nationale politische Karriere öffneten.

Im Jahre 1906 wurde Carl Swartz unter Arvid Lindman zum Finanzminister ernannt und war für zahlreiche Reformen verantwortlich. Unter anderem führte er eine einheitliche, progressive Einkommens- und Vermögenssteuer in Schweden ein. Und als 1917 die Regierung unter Hjalmar Hammarskjöld aufgeben musste, wurde Swartz von Gustaf V. zum Ministerpräsidenten ernannt, da der König hoffte, dass Swartz als moderater rechter Politiker das Volk beruhigen konnte, da um diese Zeit in Schweden das Gerücht kursierte, dass sich die russische Februarrevolution auch nach Schweden ausdehnen sollte.

In der Tat gelang es Carl Swartz sowohl die extrem konservative Rechte als auch die Linke zu beruhigen und Ausschreitungen zu verhindern. Auch das größte Problem Schwedens jener Zeit konnte Swartz in den Griff bekommen, die extreme Hungersnot des Jahres 1917. Während die Linken die Hungernot dazu ausnutzten wollten um ein allgemeines Wahlrecht zu erzwingen, verhandelte Swartz mit Großbritannien und konnte dadurch Lebensmittel importieren. Die Forderungen der Sozialdemokraten blockierte er durch eine taktische Maßnahme, denn er verwies auf die kommenden Wahlen im Herbst und verhinderte damit, dass der König eine neue Regierung einsetzte, sondern das Parlament entscheiden konnte. Carl Swartz führte die schwedische Regierung lediglich 203 Tage. Der Politiker starb am 6. November 1926 in Stockholm und gilt bis heute als Wohltäter Norrköpings, da er der Stadt 1912 die Villa Swartz schenkte um dort eine Bibliothek und ein Museum einzurichten.


5. Juni 1862: Allvar Gullstrand revolutioniert die Augenheilkunde
5. Juni 1964: Die Revue Gula Hund (Gelber Hund)
5. Juni 1965: Prinz Wilhelm Ludvig, ein gemeinsames Leben ohne Trauschein
5. Juni 2007: Schweden muss Alkoholkauf über Internet zulassen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 11. Februar 2015

Der schwedische Ministerpräsident Erik Gustaf Boström

Erik Gustaf Boström kam am 11. Februar 1842 als Sohn eines Politikers und Rechtsgelehrten in Stockholm zur Welt, besuchte nach Privatunterricht von Kristian Claëson die Kathedralschule in Uppsala und begann 1861 ein Studium an der Universität Uppsala, das er jedoch nach dem Tod seiner Mutter im Jahre 1863 abbrechen musste um das Gut der Mutter zu leiten. Was zu dieser Zeit in gehobenen Kreisen noch häufig war, so kaufte sich Boström auch vom Militärdienst frei, begann sich jedoch unmittelbar politisch zu engagieren und wurde bereits 1870 in die Regionalregierung Stockholms gewählt. Nur fünf Jahre später machte Boström dann auch seinen Eintritt im Reichstag, dem Parlament.

Als Erik Gustaf Boström am 10. Juli 1891 zum Ministerpräsidenten ernannt wurde, so hatte er weder die dafür übliche akademische Ausbildung, noch aber Erfahrung, jedoch die Unterstützung von Oscar II., was Boström weitaus mehr Möglichkeiten und Macht bot als seine Vorgänger hatten. Einer der wichtigsten Punkte während seiner ersten Regierungszeit, die im Jahre 1900 endete, war die Frage nach dem allgemeinen Wahlrecht. Boström weigerte sich sogar die Delegation des Volksreichstags zu empfangen, mit der Aussage, dass nur das Parlament Gesetze erlassen kann und daher ein Volksreichstag für ihn nicht existiert und das Wahlrecht nicht auf diese Weise diskutiert werden kann. Auch in Verteidigungsfragen konnte sich Boström durchsetzen, denn obwohl die Zweite Kammer mehrheitlich nein zu einer Festung in Boden sagte, gelang es ihm diesen Plan durchzuführen und schon 1901 wurde mit dem Bau der Festung begonnen.

Bereits am 5. Juli 1902 wurde Erik Gustaf Boström erneut zum Ministerpräsidenten ernannt, da man der Meinung war, dass nur er die Probleme mit dem Wahlrecht und dem Selbständigkeitsbestreben Norwegens lösen könne. Aber auch wenn Boström einen Kompromissvorschlag zur Änderung des Wahlrechts vorlegte, so zeigte sich, dass sein Vorschlag von der Ersten Kammer abgelehnt wurde, weil diese den Parlamentarismus vollkommen ablehnte und die Sozialdemokraten waren der Meinung, dass ihnen Boström nicht genügend Rechte zubilligen wolle. Trotz des Versagens konnte Boström noch bis 1905 an der Macht bleiben, denn erst als er den Zusammenbruch der schwedisch-norwegischen Union nicht aufhalten konnte, gab sich Boström besiegt und dankte ab. Selbst Oscar II. gelang es nicht Boström vom Rücktritt abzuhalten.


11. Februar 1744: Hedvig Taube, die erste offizielle Maitresse Schwedens 
11. Februar 1774: Hans Järta, revolutionäre Schriften und die Wandlung
11. Februar 1795: Carl Michael Bellman, der Nationalskalde Schwedens 
11. Februar 1795: Carl Michael Bellman, der Außenseiter unter den Skalden 
11. Februar 1874: Elsa Beskow, jedes Jahr ein neues Kinderbuch 
11. Februar 1876: Anders Bjurholm und die schwedischen Bierflaschen 
11. Februar 1958: Bertil Malmberg und die göttliche Lyrik
11. Februar 1978: Harry Martinson, ein Nobelpreisträger begeht Selbstmord 
11. Februar 2007: Marianne Fredriksson und die christliche Frauenliteratur Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

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Montag, 17. November 2014

Die Feministin und Politikerin Anna Bugge

Anna Bugge kam am 17. November 1862 im norwegischen Egersund zur Welt und legte 1886 an der Universität in Kristiania, dem heutigen Oslo, ihre Kandidatur ab, dem 1911 ein Abschluss als Juristin an der Universität Lund folgen sollte. Um ihre Unabhängigkeit zu behalten und um für die Rechte der Frauen weiterkämpfen zu können, ging Bugge 1889 lediglich eine vertraglich festgelegte Partnerschaft mit Knut Wicksell ein, da nur dies verhinderte, dass Wicksell beim gemeinsamen Umzug nach Schweden automatisch ihr Vormund wurde, eine Idee, die Wicksell voll mit seiner Partnerin teilte.

Schon in ihrer Jugend stand Anna Bugge gegen die damalige Gesellschaft auf, denn bereits um studieren zu können, gründete sie mit einigen Freunden einen Studienkreis, der die Mitglieder auf das für Frauen gesperrte öffentliche Abitur vorbereitete. Auf diese Weise wurde Bugge 1885 die fünfe Frau, der der Zugang zu einer norwegischen Universität möglich wurde. Schon während der Vorbereitung auf die Hochschulreife nahm die junge Frau auch an der Gründung des feministischen norwegischen Vereins Norsk Kvindesaksforening teil dessen Vorsitzende sie einige Jahre später wurde. Bugge reiste in diesen Jahren durch Norwegen um für das Wahlrecht der Frauen zu kämpfen und war 1888 Mitglied der norwegischen Delegation beim Kongress zum Recht der Frauen in Kopenhagen

Nach ihrem Umzug nach Schweden kämpfte Anna Bugge zwar weiter für die Rechte der Frauen, unterstützte jedoch während der ersten Jahre ihren Lebenspartner bei seinen Forschungsarbeiten. Erst als sich dann die finanzielle Lage der Beiden verbesserte, machte Bugge ihr Examen in Jura und trat wieder massiv an die Öffentlichkeit. Ihre wichtigsten Aufgaben sah die Frauenrechtlerin im Wahlrecht der Frauen und der Friedensbewegung. In diesem Rahmen und mit ihren juristischen Kenntnissen half Bugge auch dem schwedischen Ministerpräsidenten Karl Staaf beim Regierungsvorschlag zur Änderung des Wahlrechts in Schweden. Anna Bugge war bis zu ihrem Tod durch Krebs am 19. Februar 1928 eine der führenden Figuren der Frauenbewegung, die sich für die Rechte der Frauen im gesamten nordischen Raum einsetzte.


17. November 1587: Louis De Geer und die schwedische Industrialisierung
17. November 1592: König Johan III., der Bauherr Schwedens
17. November 1777: Der schwedische Künstler Johan Stålbom
17. November 1877: Hans Magnus Melin und die moderne Bibel Schwedens
17. November 1924: Maj-Briht Bergström-Walan, die erste Sexologin Schwedens
17. November 1967: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
17. November 1971: 35 Jahre Hem till byn im schwedischen Fernsehen

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 22. Juni 2014

Das schwedische Zweikammersystem

Am 22. Juni 1866 wurde in Schweden mit der Einführung des Zweikammersystems dem Adel sein Einfluss auf die Politik des Landes genommen, was man als einen Schritt zur Demokratie bezeichnen kann, auch wenn Frauen bis 1919 vom allgemeinen Wahlrecht ausgeschlossen waren und die heutige Regierungsform mit einer Kammer erst 1971 in Schweden eingeführt wurde. Aber bereits mit der Reform im Jahre 1866 war Schweden eines der letzten europäischen Länder, die ein moderneres Wahlsystem einführten und auf gewisse alte Vormachtstraditionen verzichteten.

Aber auch wenn mit der Einführung des Zweikamersystems in Schweden der Adel seine Macht verlor, so konnten auch damals die Bürger nur die 190 Repräsentanten der zweiten Kammer in direkter Wahl wählen. Über die Mitglieder der Ersten Kammer konnten, über eine indirekte Wahl, nur jene Schweden entscheiden, die in der Regel älter waren und ein hohes Kapital oder Grundbesitz aufweisen konnten. Auf diese Weise wollte man übereilte Beschlüsse von beiden Seiten verhindern, gab jedoch dem Kapital eine gewisse Vormacht, die sich vor allem in der lokalen Politik des Landes zeigte. Erst ab 1933 bekamen dann alle Schweden ein einheitliches Wahlrecht, das nun auch die Zusammensetzung der Ersten Kammer beeinflussen konnte.

Im Gegensatz zu den Zweikammersystemen anderer Länder, hatte man in Schweden allerdings beiden Kammern die gleiche Macht gegeben, was jedoch auch bedeutete, dass jede Kammer durch ein Veto die Vorschläge der anderen Kammer blockieren konnte und Veränderungen daher teilweise sehr viel Zeit benötigten, andererseits aber auch ermöglichten, dass Tage Erlander schwedischer Ministerpräsident bleiben konnte obwohl er 1956 die Mehrheit in der Zweiten Kammer verloren hatte. Politische Manöver erlaubten es bereits mit dem Zweikammersystem, dass eine Minorität den Ministerpräsidenten an der Macht halten konnte und eine Minorität das Land regieren durfte, was von 1951 bis 1960 die gesamte politische Linie Schwedens beeinflusste.


22. Juni 1622: Umeå, die schwedische Stadt der Birken
22. Juni 1851: Der schwedische Architekt Lars Johan Laurentz
22. Juni 1860: Eric Hermelin und die persische Poesie
22. Juni 1906: Die Geschichte der schwedischen Flagge
22. Juni 1936: Elfjähriger findet Menschen aus dem Mittelalter
22. Juni 1942: Die S/S Ada Gorthon sinkt vor Öland
22. Juni 1945: Frida Stéenhoff und die Revolution der Frau
22. Juni 1975: Per Wahlöö und der politische Kriminalroman Schwedens
22. Juni 1997: Ted Gärdestad und der Tod unter der Eisenbahn

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg Jährlicher Gothia Cup in Göteborg

Freitag, 2. Mai 2014

Harald Hjärne als Historiker und Politiker

Harald Hjärne kam am 2. Mai 1848 in Norra Kyrketorp bei Skövde zur Welt und schrieb sich bereits mit 17 Jahren an der Universität Uppsala ein um dort Geschichte und alte Sprachen zu studieren. 1871 wurde Hjärne dann Dozent in Uppsala und dank seines Kapitals und einiger Stipendien konnte sich der Geschichtswissenschaftler, der 1903 in die Svenska Akademien aufgenommen wurde, in den Folgejahren mehrere Auslandsreisen leisten, die ihm einen völlig neuen Blick zur Geschichtswissenschaft Schwedens öffneten.

Als Historiker nahm Harald Hjärne eine besondere Rolle in Schweden ein, da er einer der ersten schwedischen Wissenschaftler war, der zwar die Großmachtszeit Schwedens als besonders wichtig nahm, andererseits aber die Geschichte des Landes in einem internationalen Zusammenhang sah und daher davon ausging, dass Schweden nicht seine eigne Geschichte schaffen kann, sondern von Ereignissen in anderen Ländern abhängig ist. In diesem Zusammenhang sah er auch die schwedisch-norwegische Union eher als Möglichkeit der nordischen Stärke, obwohl er sehr früh am Überleben der Union zweifelte. Als Lehrer wiederum gehörte er zur kleinen Schicht der Professoren, die ihren Studenten beibrachten grundsätzlich jede Denkweise erneut in Frage zu stellen, da es nur selten eine einzige Lösung oder Analyse gibt.

Aber auch als Politiker ging Harald Hjärne einen sehr eigenen Weg, der eine Mischung aus modernem und konservativem Gedankengut war. Am bekanntesten wurde dabei seine Aussage, dass die schwedische Neutralität nur dann gesichert werden kann wenn das Land über eine sehr starke Verteidigung verfügt und die Nationalisten einsehen, dass sie einen internationalen politischen Dialog führen müssen, Forderungen, die noch heute dem rechten Block Schwedens entsprechen. Allerdings sah Hjärne eine stärkere Verteidigung nur unter der Voraussetzung möglich, dass man in Schweden das allgemeine Wahlrecht einführe damit sich der Bürger als Teil seines Landes fühlen kann, eine Forderung, die sich noch wenige Jahre vor dem Tod des Wissenschaftlers am 6. Januar 1922 erfüllte.


2. Mai 1754: Hedemora brennt bis auf wenige Häuser nieder
2. Mai 1797: Gustaf Engzell, der konservative Modernist der schwedischen Literatur
2. Mai 1875: Der schwedische Künstler Gunnar Hallström
2. Mai 1981: Olle Bærtling, der gemobbte Künstler Schwedens
2. Mai 1986: Åsa, mehr als nur ein Namenstag
2. Mai 2007: Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 23. April 2014

Die Entstehung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens

Auch wenn die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens (abgekürzt S oder SAP) erst am 23. April 1889 in Stockholm gegründet wurde, so geht die Geschichte der Socialdemokraterna bis ins Jahr 1881 zurück, als August Palm in Malmö seine Rede Hvad vilja socialdemokraterna? hielt. Bereits bei dieser ersten Rede legte Palm die Grundlinie der Partei vor, die notwendig war um die Sozialdemokraten an die Spitze zu führen, denn er forderte das allgemeine Wahlreicht aller Schweden, denn zu dieser Zeit entschieden nur etwa fünf Prozent der männlichen Schweden über die Politik des Landes.

Als dann 1889 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens entstand, so bildete die Partei als solches und der Gewerkschaftsbund LO eine Einheit die den Arbeitern des Landes Vertrauen geben sollte. Erst 1889 wurden Politik und Gewerkschaft voneinander getrennt, auch wenn der LO nach wie vor die gesamte Linie der Sozialdemokraten beeinflusste. Es sollte sieben Jahre dauern bis es der neuen Partei gelang mit Hjalmar Branting einen Vertreter der Arbeiterbewegung in den Reichstag zu bringen, da die konservative Schicht Schwedens die Gefahr der Arbeiterbewegung sehr schnell erkannt hatte und dessen Einfluss verhindern wollte.

Während des Ersten Weltkrieges begann sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu splittern was letztendlich dazu führe dass sich der kommunistische Flügel der Partei im Mai 1917 abspaltete und die Sozialdemokraten eine mehr moderate Stellung einnehmen konnten. Durch mehrere bedeutende Streiks zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich die Position der Partei zu stärken, auch wenn es noch bis 1919 dauern sollte um einen Arbeitstag von acht Stunden durchzusetzen und Frauen erst 1921 das erste Mal wählen durften.


23. April 1847: Erik Gustaf Geijer, der nationalistische Dichter Schwedens
23. April 1889: Die schwedische Prinzessin Eugénie
23. April 1906: Der religiöse Dichter Anders Frostenson
23. April 1938: Anna Maria Roos, vom Schulbuch zum Drama und zum Kinderbuch
23. April 1941: Karin Boye und die Zerbrechlichkeit einer Schriftstellerin
23. April 1942: Das nordische Folkbåt (Volksboot) läuft vom Stapel
23. April 1967: Musik, Vergnügen und Essen im Stockholmer Nalen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 7. August 2013

Ellen Palmstierna und der Kampf für eine andere Zukunft

Freiherrin Ellen Palmstierna kam am 7. August 1869 als Eleonora Palmstierna in einem sehr bürgerlichen und traditionellen Haus zur Welt. Bis zu ihrer Ehe mit Freiherr Fabian Lilliecreutz im Jahre 1896, einem Politiker aus Jönköping, verliefen die Bahnen Palmstiernas in den üblichen Bahnen einer Frau jener Zeit, weswegen auch, bis zu ihrem Umzug nach Jönköping, relativ wenig über die Freiherrin bekannt ist.

In Jönköping machte Ellen Palmstierna dann die Bekanntschaft mit der Frauenbewegung der Stadt und setzte ihre Energie dafür ein das Wahlrecht für Frauen zu propagieren. Ihr Engagement nahm einen immer größeren Platz in ihrem Leben ein und führte 1910 sogar dazu, dass Palmstierna die Vorsitzende des Frauenvereins in Jönköping wurde. Je mehr sich jedoch die Frauenrechtlerin für das Wahlrecht der Frauen einsetzte, umso mehr begann es in der Ehe zu kriseln. Bereits 1911 kam es dann zur Scheidung und Ellen Palmstierna setzte nun ihre gesamte Kraft in die Sozialarbeit und das Frauenrecht.

Wenige Jahre nach ihrer Scheidung zog Ellen Palmstierna zurück nach Stockholm und führte von dort aus den Kampf für das Recht der Frauen weiter. Im Jahre 1915 nahm sie an der Frauenkonferenz in Haag teil, später an einem Kongress in Russland und schließlich erhielt Palmstierna einen Auftrag bei der National Conference och Women's International League for Peace and Freedom. Im Jahre 1919 war Ellen Palmstierna eine der Gründerinnen der Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen und verbesserte damit das Schicksal armer Kinder Schwedens nach dem Ersten Weltkrieg.


7. August 1848: Jacob Berzelius und die Kennzeichnung der chemischen Elemente 
7. August 1890: Anna Månsdotter und die Todesstrafe in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 12. Juli 2013

Oscar von Sydow, für acht Monate Ministerpräsident Schwedens

Oscar von Sydow wurde am 12. Juli 1873 in Kalmar geboren, wuchs jedoch in Nordschweden auf. Auch wenn der Name Sydow in Schweden mit mehreren Politikern und einflussreichen Personen zusammenhängt, so geht dieser Familienname grundsätzlich auf Einwanderer aus Pommern zurück, die wegen ihrem protestantischen Glauben nach Schweden gekommen waren und hier nicht nur, auf königlichen Beschluss, ihre adeligen Rechte behalten konnten, sondern sich auch in sieben adelige Zweige verteilten von denen heute noch fünf existieren.

Oscar von Sydow ging als der am kürzesten regierende Ministerpräsident Schwedens in die Geschichte ein, der zudem nur gewählt wurde, weil Hjalmar Branting das Amt vorher abgelehnt hatte. Sydow akzeptierte das Amt, obwohl Schweden damals in der Krise stand und er wusste, dass er wegen seiner harten Linie eine schwere Stellung haben würde. Um jedoch nicht machtlos auf die baldigen Wahlen zu warten, forderte von Sydow Garantien, die ihm auch ermöglichten die Staatsgeschäfte aktiv zu führen und nicht nur als Marionette an der Spitze Schwedens zu stehen.

Noch heute wird der parteilose Oscar von Sydow nur so nebenbei als Ministerpräsident genannt, obwohl gerade er es war, der den Sozialdemokraten, und damit auch dem folgenden Ministerpräsidenten Hjalmar Branting, eine gute Regierungsbasis bot, denn als Ministerpräsident hatte in der kurzen Zeit seiner Macht zwei wichtige Änderungen herbeigeführt und zum einen die Todesstrafe in Friedenszeiten abgeschafft und das Wahlrecht der Frauen endgültig abgesichert, damit also die konservativen Kritiker der neuen Bestimmungen endgültig zum Schweigen gebracht. Man kann heute sagen, dass Oscar von Sydow mit seiner Änderung der Verfassung die Demokratie in Schweden geschaffen hat. Oscar von Sydow starb am 19. August 1936 im Alter von 63 Jahren in Stockholm.


12. Juli 1908: Fußball in Schweden 
12. Juli 1953: Wolfgang Zaugg, alias John Ausonius, der Lasermannen

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Samstag, 27. Oktober 2012

Klas Pontus Arnoldson, Träger des Friedensnobelpreises

Am 27. Oktober 1844 wurde Klas Pontus Arnoldson in Göteborg geboren, der erste Schwede, der im Jahre 1908 den Friedensnobelpreis erhielt, was in Schweden allerdings wenig geschätzt war, da Klas Pontus Arnoldson in Fragen der schwedisch-norwegischen Union die Seite Norwegens unterstützte und sich sehr klar für eine Auflösung der Union ausgesprochen hatte, was gegen das allgemeine Interesse Schwedens lief. Hinzu kam, dass schwedisches Geld für diesen „Verrat“ ausbezahlt werden musste.

Klas Pontus Arnoldson ist bis heute in Schweden eine etwas umstrittene Person, denn Arnoldson entfernte sich sehr früh von der Svenska Kyrkan und schloss sich einer freikirchlichen Bewegung an und setzte sich nahezu für jedes damalige Tabuthema ein, weswegen er eher als Revolutionär gesehen wurde und weniger als Politiker. Klas Pontus Arnoldson setzte sich für das allgemeine Wahlrecht in Schweden ein, für die Freiheit der Religion, schloss sich der Friedensbewegung an und setzte sich für die Neutralität Schwedens ein, was natürlich in den Augen der führenden Schicht Schwedens den Zusammenbruch des damaligen Systems bedeutete.

Auch wenn die Meinung von Klas Pontus Arnoldson in Schweden wenig beliebt war, so fand er seine Anhänger in anderen Ländern, unter anderem Norwegen. Das Nobelkomitee, das damals der schwedischen Friedensbewegung nahe stand, interessierte sich bei der Preisvergabe wenig um die politische Meinung des Landes, sondern sah die pazifistischen Ideen des Politikers und erkannte, dass die Preisvergabe eine Zeichen für eine friedliche Zukunft im nordischen Raum setzten konnte, was sich Jahre später auch als realistisch zeigte.


27. Oktober 1964: Dawit Isaak, zehn Jahre Gefangenschaft eines Journalisten

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Freitag, 12. Oktober 2012

Emilie Rathou, die Gründerin des Vita bandet

Am 12. Oktober 1948 starb Emilie Rathou, die Gründerin des Vita bandet (Weißen Bandes), in Stockholm, eine Frau, die seit dem Jahre 1884 für Abstinenz, das Wahlrecht der Frauen, den Frieden und gegen die gesetzlich geregelte Prostitution kämpfte. Emilie gehört zu jenen Frauen, die die Frauenbewegung Schwedens im 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst haben. Sie kämpfte bis ins hohe Alter für ihre Ideale und konnte ihre Begeisterung auf tausende von Frauen übertragen.

Emilie Rathou, die 1862 ihren Namen Gustafsson in Rathou änderte, war am 8. Mai 1862 in Karlskrona geboren. Ab 1884, also gerade einmal mit 22 Jahren, begann sie sich ausschließlich für die Rechte der Frau einzusetzen, wobei sie in diesem Rahmen Schriften publizierte und in ganz Schweden Vorträge hielt. 1891 war sie bei einer Demonstration zum ersten Mai die erste Frau Schwedens, die öffentlich des Wahlrecht für Frauen forderte und 1893 war sie die einzige Frau, die im schwedischen Reichstag vertreten war.

Bis heute bekannt geblieben ist Emilie Rathou jedoch auf Grund ihrer Initiative Vita bandet (Weißes Band), das sie im Jahre 1900 zum Leben erweckte, eine Bewegung, die aus den USA nach Schweden gekommen war und ein weiblicher Kampf gegen den Alkoholismus der Männer war, wobei es im Ursprung gar nicht um die Abstinenz ging, sondern darum, dass die Männer den gesamten Lohn in den Kneipen ließen. Die Frauen zogen daher los, ein weißes Band um den Arm, um die Männer aus den Kneipen zu holen. Notfalls belagerten sie auch bei Gesang und Gebet die Kneipe bis sie schließen musste.


12. Oktober 1617: Gustav II. Adolf wird König von Schweden
12. Oktober 1831: Anders Gustaf Jönsson und die schwedische Abstinenzbewegung
12. Oktober 1908: Gösta Knutsson und Pelle Svanslös 

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Freitag, 9. Dezember 2011

Schweden führt Wahlrecht für ausländische Bürger ein

Am 9. Dezember 1975 wurde in Schweden das allgemeine aktive und passive Wahlrecht für Bewohner des Landes eingeführt, die noch nicht naturalisiert sind oder auch ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft behalten wollen. Das schwedische Parlament sah dies als Demokratisierung des Landes an, in dem Frauen erstmals im Jahre 1921 wählen konnten und sogar erst 1945 auch Arme bei den allgemeinen Wahlen in Schweden zugelassen wurden. Schweden nahm damit innerhalb nur eines Jahrhunderts alle Schritte der Demokratisierung des Wahlrechts.

Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass noch 1892 in 44 schwedischen Gemeinden jeweils eine einzige Person über mehr als 50 Prozent aller Stimmen verfügte und damit allein über die Zukunft des Ortes entscheiden konnte. 1908 durften dann, nach den damaligen Bestimmungen, gerade einmal zehn Prozent aller Schweden ihre Stimme abgeben und ab 1945 durften dann auch Personen, die von der Sozialhilfe lebten oder in Konkurs gegangen waren, über die Führung des Ortes, der Region und des Landes entscheiden.

Das allgemeines Wahlrecht für ausländische Bürger, die in Schweden leben, hat natürlich einige Beschränkungen, denn nur Personen mit schwedischer Staatsangehörigkeit dürfen das Parlament wählen. Alle anderen können an Lokal- und Regionalwahlen teilnehmen und sich auch als Kandidat aufstellen lassen. Ein Unterschied besteht auch, ob der Wahlberechtigte aus einem europäischen Land kommt oder nicht, denn Europäer können, sobald sie eine Personennummer besitzen, an den Wahlen teilnehmen, während Nichteuropäer vorher drei Jahre lang ihren Hauptwohnsitz in Schweden haben müssen.

9. Dezember: Die Bedeutung des Annadagen (Annatag) in Schweden
9. Dezember 1936: Der schwedische Ministerpräsident Arvid Lindman 

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Dienstag, 18. Oktober 2011

Hjalmar Branting wird zum dritten Mal Ministerpräsident

Am 18. Oktober 1924 wurde Hjalmar Branting, nach zwei kurzen Unterbrechungen, zum dritten Mal sozialdemokratischer Ministerpräsident Schwedens. Bereits 1907 war Karl Hjalmar Branting Vorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens geworden und 1920 dann der erste Ministerpräsident der schwedischen Sozialdemokraten, trotz seines bürgerlichen Hintergrundes, der ihn ursprünglich weit von der Arbeiterschicht entfernte.

Hjalmar Branting Büste, öffentliches Werk des Künstlers Carl Eldh in Göteborg

Hjalmar Branting, der am 23. November 1869 geboren wurde und am 24. Februar 1925 starb, kam durch seine zahlreichen Reisen in Berührung mit dem Marxismus und bereits 1878, im Alter von 18 Jahren, bezeichnete er sich, vermutlich als der erste Schwede, als Sozialdemokrat. Das Vermögen, das er zwei Jahre später beim Tod seiner Eltern erbte, verschwand so schnell wie er es bekommen hatte, nämlich durch Feste, Bürgschaften und Kredite, die er freizügig vergab. Insbesondere durch seine Verstöße gegen die Pressefreiheit landete Branting zudem mehrmals im Gefängnis und wurde zu Geldstrafen verurteilt, was jedoch seinem Ruf als Kämpfer nur half.

Hjalmar Branting kämpfte von 1887 bis 1917 über die Zeitschrift Social-Demokraten für die Rechte der Arbeiter und das Allgemeine Wahlrecht in Schweden. Seinen Durchbruch hatte er jedoch im Jahre 2017, als er bei den Hungerkrawallen, die kurz vor heftigen Straßenschlachten waren, da sich rechte Bürgerwehren entwickelten, die den „hungernden Mob“ klein kriegen wollten, zwischen Regierung und Arbeitern vermittelte und damit die Krise abbaute und die Regierung die Bürgerwehren verbot. Aus gesundheitlichen Gründen musste Branting jedoch am 24. Januar 1925 von seinem Amt zurücktreten und Rickard Sandler wurde dadurch der neue Ministerpräsident Schwedens.

18. Oktober 1854: Der schwedische Polarforscher Salomon August Andrée
18. Oktober 2009: Lars Schmidt bringt das Musical nach Schweden

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Montag, 17. Oktober 2011

Moderaterna, von extrem rechts zur Mitte

Am 17. Oktober 1904 bildete sich der Allmänna valmansförbundet, der sich dann umbenannte in Högers riksorganisation, dann Högerpartiet und schließlich, mit Fredrik Reinfeldt an der Spitze, zu den Nya Moderaterna wurde, eine Entwicklung, die weniger das Parteiprogramm beeinflusste als vielmehr vom Ruf einer extrem rechten Partei zum Ruf einer Partei der Mitte führen sollte, da der Begriff ”höger” (rechts) von den Wählern im Laufe der Jahrzehnte immer negativer aufgefasst wurde und heute nicht einmal mehr von den Sverigedemokraterna aufgenommen werden will.

Von Beginn an war die Politik der heutigen Moderaterna für die Aufrechterhaltung der Monarchie, für ein straffes Rechtswesen und eine starke Verteidigung, Werte, die die Partei noch heute sehr hoch hält. Im Jahre 1918 widersetzte sich die Partei auch energisch gegen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Schweden und befürwortete diese linke Forderung letztendlich nur, da sie die Russische Revolution vor Augen hatte, die auf Schweden überspringen konnte. Die Erhaltung ihrer Macht war in diesem Punkt wichtiger als das Grundprinzip der Partei.

Als Fredrik Reinfeldt 2003 an die Spitze der Moderaterna kam, waren seine wichtigsten Forderungen eine Nulltoleranz bei Kriminalität, eine Verbesserung des Gesundheitswesens und der Ausbildung, sowie die Forderung, dass es sich wieder lohnen sollte zu arbeiten. Seit dieser Zeit stieg jedoch die Anzahl der Morde von 189 Fällen im Jahre 2003 auf 329 im letzten Jahr und die Misshandlung von Kindern hat sich nahezu verdreifacht. Schulbildung und Gesundheitswesen sollten von privaten Unternehmern geleitet werden, was dazu führte, dass sich private Schulen und Altersheime vermehrten und die einträchtigen Gewinne ins steuerfreie Ausland fliessen. Die Arbeitslosigkeit stieg in diesem Zeitraum ebenfalls von 6,5 Prozent auf 7,3 Prozent an.

17. Oktober 1842: Gustaf Retzius, der bedeutendste Rassenbiologe Schwedens
17. Oktober 1969: Die Eisenhütte in Nykroppa wird stillgelegt

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Der Botanaische Garten in Göteborg

Montag, 12. September 2011

Die ersten freien Parlamentswahlen in Schweden

Am 12. September 1921 fanden in Schweden die ersten freien Parlamentswahlen statt, nachdem den Frauen des Landes erst am 24. Mai 1919 das Wahlrecht gewährt worden war und sie 1921 daher nicht nur die Führung Schwedens mit wählen durften, sondern auch ins Parlament gewählt werden konnten. 1921 konnten daher statt 1,2 Millionen Bürger plötzlich 3,2 Millionen vor die Urnen treten, wobei sich in diesem Jahr jedoch nur 47 Prozent der schwedischen Frauen dazu entschlossen an der Wahl teilzunehmen. Fünf Frauen waren anschließend akiv an der Politik Schwedens beteiligt.

Noch bis 1911 waren jedoch nicht nur Frauen von der schwedischen Politik und dem Parlament ausgeschlossen, sondern auch die Mehrheit der Männern. Zwischen 1867 und 1911 hatten nur 5,5 Prozent der Schweden, bzw. 21 Prozent aller Männer über 21 ein Stimmrecht und konnten in eine der Kammern des Parlaments gewählt werden. In dieser Zeitspanne war das Wahlrecht nämlich mit einem gewissen Vermögen und dem Einkommen verbunden. Außerdem mussten sämtliche Steuern bezahlt sein um als wahlmündig betrachtet zu werden.

Innerhalb von nur zehn Jahren machte daher die schwedische Politik einen enormen Schritt in den Fragen der Gleichberechtigung voran. Bereits 1919 wagten nur noch wenige Politiker des rechten, konservativen Flügels am Entscheidungsvermögen der Frauen Frauen offen zu zweifeln. Aber auch wenn 1921, also vor 90 Jahren, den Frauen eine politische Gleichberechtigung in Schweden zugesagt wurde, so sind auch heute noch 192 Männer und nur 157 Frauen im Parlament vertreten, 8 weniger als noch bei den letzten Wahlen.

12. September 1984: Die schwedische Sängerin Petra Marklund
12. September 1997: Stikkan Anderson, Musik für die schwedische Gruppe Abba

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Dienstag, 24. Mai 2011

Frauen bekommen in Schweden das allgemeines Wahlrecht

Im selben Jahr wie in Deutschland, jedoch mehrere Jahre nach den skandinavischen Nachbarn, erhielten die schwedischen Frauen am 24. Mai 1919 das allgemeine Wahlrecht und wurden in diesem Punkt den Männern gleichgestellt. Die ersten Parlamentswahlen, bei denen eine bedeutende Anzahl an Frauen auch zu den Urnen schritt, wurden dann im Jahre 1921 abgehalten.

Der erste Antrag für das allgemeine Wahlrecht von Frauen wurde allerdings bereits 1884 eingereicht, wurde jedoch von kaum einem Mitglied der Regierung gestützt. Erst als sich ab etwa 1900 die Frauen begannen zu organisieren und 1903 einen Landesverband gründeten, der sich für ihr Stimmrecht einsetzte, kam Bewegung in die Angelegenheit. Und als der Verein 1913 dann bereits 17.000 Mitglieder zählte und bei einer Petition 350.000 Unterschriften vorweisen konnte, kam ihr Wahlrecht in greifbare Nähe.

Allerdings konnte auch im Jahre 1919 nicht jeder Schwede oder jede Schwedin wählen, da das Wahlrecht an mehrere Bedingungen geknüpft war. So konnte niemand, der von der Sozialfürsorge lebte, wählen, niemand, der in Konkurs gegangen war, kein Mann, der seine Wehrpflicht nicht abgeleistet hatte und niemand der wegen einem Vergehen sein Stimmrecht verloren hatte.

Sveriges Radio Värmland bietet mit dem kurzen Artikel „När värmlandskvinnorna krävde rösträtt“ eine zweiteilige Reportage über den Kampf der Frauen, der schließlich mit dem allgemeinen Wahlrecht für Frauen endete.

24. Mai 1909: Schweden gründet die ersten Nationalparks Europas
24. Mai 1973: Die schwedische Countrysängerin Jill Johnson 

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Messetermine in Göteborg