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Donnerstag, 11. April 2019

Der Schriftsteller Karl Vennberg

Karl Vennberg kam am 11. April 1910 als Sohn eines Landwirts in Blädinge zur Welt und wurde im strengen christlichen Glauben erzogen, da die Eltern ihn auch als Priester sehen wollten. Vennberg begann, nach seiner Hochschulreife, eine entsprechende Ausbildung an der Universität Lund, die er jedoch nicht zu Ende führte, sondern vorher nach Stockholm ging um dort, ebenfalls ohne Abschluss, die Universität zu besuchen. In diesen Jahren begann Vennberg auch erste Gedichte und Novellen in der Tagespresse zu veröffentlichen und versuchte sich, wenn auch wenig erfolgreich, ebenfalls an Kriminalnovellen.

Als Dichter zeigte sich Karl Vennberg erstmals 1937 mit seinem Erstlingswerk Hymn och hunger, das bereits die Zeitströmung der Dichter der 40er Jahre zeigte, jedoch vollständig um christliche Themen kreiste. Bereits in diesem Band fand man die Ironie, die Zeitkritik und die existentielle Fragestellung, die man auch in allen späteren Veröffentlichungen des Schriftstellers findet. Erst 1949 sollte Vennberg dann mit seinem Gedichtband Fiskefärd seinen Durchbruch haben, als er die Religion mehr mystifizierte, jedoch gleichzeitig zur Idylle neigte, womit sich der Leser weitaus einfacher identifizieren konnte. Erst ab den 70er Jahren sollte sich Vennberg etwas von den religiösen und politischen Themen, die seine Schöpfungen prägen, lösen und er sich selbst als Poet erneuern.

Über die Einstellung von Karl Vennberg zu Hitler wird noch heute diskutierte, da er vor allem in hitler-kritischen Zeitungen und Zeitschriften mitarbeitete, in den Jahren 1936 und 1937 jedoch Hitler auch verteidigte und mit ihm vor allem die Meinung teilte, dass Sigmund Freud den moralischen Verfall herbeileite, 1940 dann jedoch schrieb, dass alles Böse aus Deutschland komme. Wenige Jahre später kann man bei Karl Vennberg, der am 12. Mai 1995 starb, lesen, dass der Nazismus nichts anderes sei als der letzte Ausweg des Privatkapitalismus, er also die Bewegung Hitlers sogar in die linke Ideologie einbettete. Politisch schien sich Vennberg gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf jeden Fall ganz von Hitlers Ideologie abzuwenden, da er später die Neutralität Schwedens als Grundpfeiler der Weltpolitik sah.


11. April 1810: König Karl XIII. genehmigt den Bau des Göta Kanals
11. April 1833: Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Wilhelm von Otter
11. April 1837: Der schwedische Kampf gegen den Alkohol
11. April 1860: Ferdinand Boberg, Architekt und Designer
11. April 1882: Ragnar Ring, ein Militär wird Regisseur und Schriftsteller
11. April 1896: Der schwedische Künstler Olof Sager-Nelson
11. April 1899: Gustaf Emanuel Beskow und das Schulwesen
11. April 1940: Schweden rüstet sich gegen Deutschland
11. April 1955: Die schwedische Sängerin Lena Andersson
11. April 1973: Szenen einer Ehe, ein Film von Ingmar Bergman
11. April 1977: Die schwedische Sängerin Sara Löfgren
11. April 1990: Ivar Lo-Johansson, ein Pfeiler der Arbeiterliteratur Schwedens
 
Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 18. Oktober 2016

Der schwedische Schriftsteller Hjalmar Edgren

Hjalmar Edgren wurde am 18. Oktober 1840 als Sohn eines Fabrikverwalters in Östanås im Värmland geboren und besuchte nach einigen Jahren Privatunterricht zu Hause das Gymnasium in Karlstad, um dann 1858 die Hochschulreife an der Universität Uppsala abzulegen. Statt einem Studium wählte Edgren anschließend jedoch eine militärische Karriere. Nach drei Jahren im Regiment Värmland entschied sich Edgren am amerikanischen Sezessionskrieg teilzunehmen. Als der Militär 1865 nach Schweden zurückkehrte, diente er weitere fünf Jahre als Leutnant, kehrte jedoch bereits 1970 dem Militär ganz den Rücken.

Hjalmar Edgren unternahm anschließend in Deutschland und in Frankreich Sprachstudien um dann erneut nach Amerika zu gehen, wo er nach einer Kandidatur in Philosophie unter anderem in Yale mehrere Sprachen unterrichtete. Nach seinem Doktorexamen in Yale im Jahre 1874 wurde Edgren dort Dozent für Französisch und Professor in Sanskrit. Bis 1901 war der Sprachwissenschaftler dann wechselweise an amerikanischen und schwedischen Universitäten aktiv, verbrachte jedoch die letzten beiden Jahre seines Lebens, als Mitglied der Svenska Akademien, in Stockholm, wo er am 9. Dezember 1903 starb.

Hjalmar Edgren war als Autor sehr produktiv, widmete sich jedoch überwiegend sprachwissenschaftlichen Werken und Übersetzungen. Als Übersetzer waren vor allem seine Übertragungen von altindischen Gedichten von großer Bedeutung. Neben einer Reiseschilderung Mexikos schrieb Edgren vor allem Gedichte mit einem deutlichen idealistischen Stempel. Sein erster Gedichtband Dikter erschien bereits 1884 und Brusta återljud kam erst nach seinem Tod auf den Markt. Gesamt gesehen spielen die Übersetzungen Edgrens innerhalb des literarischen Geschehens in Schweden eine weitaus bedeutendere Rolle als seine eigenen Werke, da er Strömungen aus den USA und England nach Schweden brachte.


18. Oktober 1807: Carl Fredrik Ridderstad und der schwedische Feuilletonroman
18. Oktober 1854: Der schwedische Polarforscher Salomon August Andrée
18. Oktober 1860: Gustaf Lagerheim, der Gründer der Pollenanalyse
18. Oktober 1868: Ernst Didring und die schwedische Gesellschaft gegen 1900
18. Oktober 1891: Der vergessene schwedische Histologe Gösta Häggqvist
18. Oktober 1905: Der schwedische Komponist Dag Wirén
18. Oktober 1924: Hjalmar Branting wird zum dritten Mal Ministerpräsident 
18. Oktober 2009: Lars Schmidt bringt das Musical nach Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 12. September 2016

Der schwedische Schriftsteller Olle Svensson

Olle Svensson wurde am 12. September 1904 als Sohn eines Holzfällers und Landwirts in in Sunnansjö in Dalarna geboren, wuchs jedoch überwiegend in Söderala im Hälsningland auf. Da Svensson mit fünf Jahren an Kinderlähmung erkrankte, konnte er keine schwere Arbeit leisten und kam daher mit 13 Jahren als Knecht auf einem Hof, eine Arbeit, die er kaum leisten konnte, wo er jedoch über eine ältere Dienstmagd die Welt der Literatur entdeckte. Als der Vater Olles wenige Jahre später das kleine Gut der Eltern übernahm, zog die Familie nach Gustavsfors und Svensson versuchte sich in verschiedenen Berufen, wobei er 1923 und 1924 parallel dazu auch die Volkshochschule in Bollnäs besuchte.

In diesen Jahren begann Olle Svensson auch Gedichte zu schreiben, ohne jedoch über Jahre hinweg auch nur eines davon verkaufen zu können. Erst als es ihm 1934 gelang seine Gedichtsammlung Som mitt liv zu veröffentlichen, sollte sich dies ändern, auch wenn der Weg zum Schriftsteller immer noch sehr langsam vor sich ging und Svensson versuchte auch über Malerei und Holzschnitzerei bekannter zu werden. Erst in den 40er Jahren kam dann die Anerkennung als Schriftsteller für Svenssen, mit seinen beiden autobiografischen Romanen Hon som ville bli fri, der 1946 erschien, und Han ville bli diktare, der ein Jahr später veröffentlicht wurde. 1948 zog Svensson dann mit seiner Frau Berna wieder nach Sunnansjö, wo er bis zu seinem Tod am 4. September 1972 leben und arbeiten sollten.

Olle Svensson gelang es, trotz dem Dan Andersson Preis und dem Nils Ferlin Preis, nie vollständig als Arbeiterdichter anerkannt zu werden, da er sich an keine offizielle literarische Linie hielt, sondern bei Lyrik zu persönlich schrieb und zu offiziell veraltetem Versmaß griff, und seine Romane passten nicht in das Arbeiterbild seiner Zeit. Als Einzelgänger gelang es Svensson auch nicht sich in den literarischen Kreisen zu zeigen, die wichtig waren um eine Anerkennung zu erfahren, was wiederum dazu führte, dass auch die Literaturkritiker ihn nur nebenbei behandelten. Olle Svensson gilt innerhalb der schwedischen Literatur als Unikat, der in seinen Werken mehrere literarische Linien vereint und daher im Grund in keiner genannt wird.


12. September 1745: Ostindiefararen Götheborg, Pier 4 in Göteborg
12. September 1680: Per Brahe der Jüngere und Visingsö im Vättern
12. September 1818: Aurora von Qvanten, die vergessene Schriftstellerin
12. September 1921: Die ersten freien Parlamentswahlen in Schweden
12. September 1984: Die schwedische Sängerin Petra Marklund
12. September 1988: Die schwedische Sängerin Amanda Jenssen
12. September 1997: Stikkan Anderson, Musik für die schwedische Gruppe Abba

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 2. Mai 2016

Der Dichter und Priester Carl Fredric Dahlgren

Als Carl Fredric Dahlgren am 2. Mai 1844 im Alter von nur 52 Jahren an Krebs in Stockholm starb, gehörte er mit zu den bekanntesten Dichtern seiner Zeit, der sich durch seinen Humor und seine Satire auszeichnete, aber auch sehr viele romantische Gedichte geschrieben hatte. Seine Bekanntheit verdankte er, unter anderem, auch der Tatsache, dass er Beichtvater für mehrere einflussreiche Frauen jener Epoche war und mit einigen unter ihnen einen Briefwechsel pflegte, der deutlich seine Verbindung zwischen Religion und Natur zeigt. Dass der Skalde Dahlgren heute nahezu vergessen ist, liegt wiederum daran, dass er bei seinen Gedichten oft nur spontan improvisierte und dabei zeitweise auch sehr wenig literarische Fähigkeiten zeigte, Gedichte, die vorgetragen Erfolg hatten, nicht jedoch einen schriftlichen Bestand.

Carl Fredric Dahlgren kam am 20. Juni 1791 als Sohn eines Hütteninspektors in Kvillinge im Östergötland zur Welt und begann 1809 ein Studium an der Universität Uppsala, das er, unterbrochen von Auslandsreisen, 1815 mit der Priesterweihe beendete. Auch wenn Dahlgren als Priester keinen großen Aufstieg zu verzeichnen hatte, so war sein Einfluss als Politiker des Priesterstandes umso bedeutender, denn ab 1829 war er nahezu ständig im Reichstag im liberalen Flügel vertreten. Als Priester war Dahlgren auch viele Jahre als Pädagoge tätig und kümmerte sich um Alte und Kranke in seiner Gemeinde.

Bereits im Gymnasium in Linköping zeigte sich, dass Carl Fredric Dahlgren weniger Priester werden wollte, sondern seine Zukunft in der Dichtung suchte, jedoch auf Grund des geringen Kapitals seiner Eltern einen entlohnten Beruf benötigte. Schon 1908 hatte Dahlgren einen ersten literarischen Verein gegründet, dem im Laufe seines Lebens mehrere folgen sollten. Seine Werke, Lyrik und Prosa, erschienen, unter anderem, im Poetisk Kalender, den Per Daniel Amadeus Atterbom herausgab. Dahlgren veröffentlichte auch einige Romane und Novellen, unter denen jedoch nur sein autobiographisches Werke von größerer Bedeutung ist, wenn auch weniger aus literarischen, als vielmehr aus kulturhistorischen Gründen.


2. Mai: Åsa, mehr als nur ein Namenstag
2. Mai 1754: Hedemora brennt bis auf wenige Häuser nieder
2. Mai 1797: Gustaf Engzell, der konservative Modernist der schwedischen Literatur
2. Mai 1848: Harald Hjärne als Historiker und Politiker
2. Mai 1875: Der schwedische Künstler Gunnar Hallström
2. Mai 1981: Olle Bærtling, der gemobbte Künstler Schwedens
2. Mai 2007: Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 26. Dezember 2015

Der schwedische Schriftsteller Samuel Johan Hedborn

Als Samuel Johan Hedborn am 26. Dezember 1849 im Alter von 66 Jahren auf dem Kirchhof in Askeryd im Småland starb, galt er als einer der bedeutendsten Psalmdichter seiner Zeit. Hedborn war von 1820 bis zu seinem Tod Priester in Askeryd und hatte daher mehrmals seine Aufstiegschancen verpasst, denn noch 1815 war er außerordentlicher Hofprediger in Uppsala und Stockholm gewesen und in seinen frühen Jahren verkehrte er in den bedeutendsten literarischen Kreisen Schwedens und hatte, selbst in den Augen von Per Daniel Amadeus Atterbom eine Karriere als Schriftsteller vor sich.

Samuel Johan Hedborn war kam am 14. Oktober 1783 als Sohn eines Grenadiers in sehr ärmlichen Verhältnissen in Kolstad im Östergötland zur Welt. Allerdings empfand Hedborn die Armut nicht als Belastung,sondern er beschrieb später seine Kindheit als Idylle, geprägt von Traditionen, Volksweisen und Volksmusik. Da Hedbom bereits sehr früh als sehr intelligent betrachtet wurde, musste er nicht das übliche harte Leben auf dem Lande führen, sondern durfte die Schule besuchen, die ihn, wie nahezu alle anderen intelligenten armen Kinder jener Zeit, bis zum Priester führen sollte. Als er mit 15 in die Kathedralschule in Linköping kam, wurde ihm dies dadurch ermöglicht indem ihn einer seiner Lehrer bei sich aufnahm, der junge Hedborn daher weder für Essen noch Unterkunft bezahlen musste. In dieser Schule lernte er auch Atterbom kennen was sich zu einer lebenslangen Freundschaft entwickeln sollte.

Im Jahre 1806 schrieb sich Samuel Johan Hedborn an der Universität Uppsala ein, die er jedoch drei Jahre später aus Geldmangel, jedoch mit Priesterweihe, wieder verlassen musste. Auch in den wenigen Jahren an der Universität musste Hedborn immer wieder als Privatlehrer arbeiten um seine Studien fortsetzen zu können. In Uppsala gründete Hedborn, gemeinsam mit Atterbom und einigen anderen Studenten den Verein Musis Amici, der wenig später zum literarischen Verband Auroraförbundet wurde. In dieser Zeit schrieb Hedborn zahlreiche Gedichte und plante eine literarische Zukunft. Nach dem Hedborn die Universität Uppsala verlassen musste, folgte eine mehrjährige Phase an Depressionen, der er 1814 entkam, einer Zeit in der er sich immer mehr der Religion zuwandte und von Gedichten auf Psalmen  überging.


26. Dezember 1302: Valdemar Birgersson, der liebestolle König Schwedens
26. Dezember 1302: Valdemar Birgersson, der Frauenheld unter den Königen
26. Dezember 1795: Johan Albrecht Pripp und die legendären Pripps Brauereien
26. Dezember 1925: Die Uppståndelsekapellet im Stockholmer Waldfriedhof
26. Dezember 1965: Der Film Att angöra en brygga von Hasse und Tage

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 24. Mai 2014

Die schwedische Künstlerin Harriet Löwenhjelm

Harriet Löwenhjelm starb am 24. Mai 1918 an Tuberkulose in einem Sanatorium in Tranås, einem Ort in dem sie die Werke ihres kurzen Lebens sammelte und ordnete. Löwenhjelm verbrachte die letzten fünf Jahre ihres Lebens in verschiedenen Sanatorien damit ihren Gedichten und Zeichnungen eine Linie zu geben, die der Nachwelt ihr Genie zeigen sollten, eine Hoffnung, die sich nach ihrem Tode tatsächlich erfüllte, auch wenn es bis 1927 dauern sollte, dass Schweden wirklich auf die Künstlerin und Dichterin aufmerksam wurde.

Harriet Löwenhjelm war am 18. Februar 1887 in einer gehobenen bürgerlichen Familie in Helsingborg geboren worden und schuf bereits als Kind mit Gedichten und Zeichnungen eine Phantasiewelt abseits der konservativen Gesellschaft jener Zeit. Ihre Gedichte neigten bereits damals oft zum Surrealismus und ihre Malereien zeigten eine Vorliebe für Linien, die Zeichnen und Malen vermischen, eine Ausdrucksweise, die zu jener Zeit nur die Künstlerin selbst verstehen konnte und der Zeit weit voraus war.

Um als Frau die Selbständigkeit zu bewahren, besuchte Harriet Löwenhjelm das Lehrerinnenseminar, dem sie eine Kunstausbildung an der Kunstakademie in Stockholm und an der Kunsthochschule Valand in Göteborg anschloss, ohne jedoch die Kunstausbildung beenden zu können. Auf Grund ihrer persönlichen Kreativität, ihrem Eigenwillen und der „entarteten Kunst“, die Löwenhjelm vorlegte, wurden ihre Arbeiten selbst für die Schülerausstellung abgelehnt und 1911 wurde sie indirekt dazu gezwungen die Ausbildung als Künstlerin aufzugeben, was jedoch die Künstlerin wenig beeindruckte und ihr den Glauben an einen Durchbruch nicht nahm. Bei ihrem Tod hinterließ Harriet Löwenhjelm rund 100 Gedichte, tausende von Zeichnungen und Malereien und zahlreiche Tagebücher, die heute in der Königlichen Bibliothek in Stockholm aufbewahrt werden. Seit den 40er Jahren werden vor allem die Gedichte Löwenhjelms regelmäßig neu aufgelegt.


24. Mai 1276: Der schwedische König Magnus Ladulås
24. Mai 1907: Der schwedische Architekt Leif Reinius
24. Mai 1909: Schweden gründet die ersten Nationalparks Europas
24. Mai 1919: Frauen bekommen in Schweden das allgemeines Wahlrecht
24. Mai 1973: Die schwedische Countrysängerin Jill Johnson

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 29. April 2012

Sophia Elisabet Brenner und die Frauenbewegung

Am 29. April 1659 wurde Sophia Elisabet Brenner in Stockholm geboren, die erste Frau Schwedens, die schöngeistige Literatur verfasste und dabei gleichzeitig für die Befreiung der Frau kämpfte. Ihre schriftstellerische Leistung wurde auch von offizieller Seite gewürdigt, was dazu führte, dass Sophia Elisabet Brenner auch die erste Frau Schwedens wurde, die im Jahre 1723 die Autorenpension erhielt. Die gesamten Werke der Autorin werden gegenwärtig neu herausgegeben.

Sophia Elisabet Brenner war die Tochter von Niklas Weber, der 1630 von Deutschland nach Schweden ausgewandert war und seinen Töchtern Bildung vermitteln wollte. Auch wenn Sophia Elisabet in die Deutsche Schule ging und zu Hause nur Deutsch geredet wurde, lernte sie sehr schnell Schwedisch und Latein, das sie auch bei einigen ihrer Gedichte benutzte. Als Nebensprachen kamen dann noch Französisch, Italienisch und Holländisch hinzu. Nicht verwunderlich ist daher, dass Sophia Elisabet Brenner auch eine der ersten Frauen des Landes war, die in der Visingsö Schule studierte.

Sophia Elisabet wurde durch ihre „Tillfällesdikter“ (Gelegenheitsgedichte) bekannt deren Stoff sie aus dem täglichen Geschehen holte. Sie behandelte dabei politische Probleme neben Gedanken zur schwedischen Sprache oder der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Als 1713 ihr erstes lyrisches Werk „Poetiska Dikter“ veröffentlicht wurde, war Sophia Elisabet Brenner die erste Frau Schwedens, die Gedichte in schwedischer Sprache präsentierte und ihr den Beinamen „Die zweite Sappho“ einbrachte. Bereits 1693 hatte die Schriftstellerin mit „Det Qwinliga Könetz rätmätige Förswar“ auch das erste feministische lyrische Prosawerk Schwedens veröffentlicht, das später andere Feministinnen Schwedens inspirierte.


29. April 1812: Emilie Högqvist, ein kurzes Leben im Glanz
29. April 1913: Der schwedische Reißverschluss erobert die Welt

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

Sonntag, 8. April 2012

Erik Axel Karlfeldt: Mit Poesie zum Nobelpreis der Literatur

Am 8. April 1931 starb der schwedische Poet Erik Axel Karlfeldt in Stockholm, ein Autor, der 1913 in die Svenska Akademien gewählt wurde und posthum den Nobelpreis für Literatur erhalten hat, obwohl er nur sechs Gedichtbände veröffentlicht hatte und er sein anerkanntestes Werk erst als Mitglied der Akademien geschrieben hatte. Nach seinem Tode konnte seine Ehefrau sein Gesamtwerk für 173.206 Kronen an den Verlag Wahlström & Widstrand verkaufen, was heute nahezu fünf Millionen Kronen entsprechen würde.

Im Jahre 1895 veröffentlichte Erik Axel Karlfeldt seinen ersten Gedichtband unter dem Namen Vildmarks- och Kärleksvisor, der sich allerdings als Fiasko entpuppte, nicht zuletzt, weil der Autor das Reimen wichtiger nahm als jede literarische Versform. Es folgten dann zwei Gedichtsammlungen, die den Namen Fridolin im Titel hatten, das alter ego des Poeten. Die Sprache der beiden Werke ist der Bibel von Karl XII. angepasst und bei den Gedichten ließ er sich von Autoren des 17. Jahrhunderts inspirieren, aber auch die Feder von Carl Michael Bellman ist sehr deutlich zu spüren. Viele würden heute diese beiden Werke fast schon als Plagiate einordnen, da sie wenig von eigenem poetischem Können zeugen.

Auch das Privatleben von Erik Axel Karlfeldt, der ursprünglich Eriksson geheißen hatte, war nicht gerade vorbildlich, denn als Untermieter bei Mathilda von Düben begann er mit dessen Hausangestellten Gerda Holmberg ein Verhältnis, was zur Geburt eines Sohnes führte. Im gleichen Jahr als der Sohn geboren war, begann er regelmäßig die Anwaltsfrau Aagot Lidforss zu treffen, die dann ebenfalls bald ein Kind von ihm erwartete. Als der Ehemann Aagots von diesem Verhältnis erfuhr, wurde es vom Autor abgeschlossen, wobei er sofort ein neues Verhältnis mit Gerda Wessen einging, die er allerdings ebenfalls nicht heiraten wollte. Parallel dazu beschäftigte er seine erste Geliebte als Haushälterin und bekam ein weiteres Kind mit ihr. Was ihn jedoch nicht davon abhielt eine Affäre mit Lena Börjeson zu beginnen. Als Lena jedoch von seinen Kindern erfuhr, brach sie mit Erik Axel Karlfeldt, der dann, nach einem weiteren Kind mit Gerda Holmberg, diese am 19. Juni 1916 doch heiratete.


8. April 1956: M/S Gripsholm, von Schweden nach Amerika

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 2. Dezember 2011

Tomas Tranströmer bekommt Augustpriset und Nobelpreis

Am 2. Dezember 1996 wurde dem schwedischen Poeten Tomas Tranströmer für seine Gedichtsammlung „Sorgegondolen“ der begehrte Augustpriset verliehen. Es handelt sich bei dieser Gedichtsammlung, die bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde, um die ersten Gedichte, die Tomas Tranströmer in japanischer Haiku-Form geschrieben hat, wobei etwa die Hälfte davon vor seiner Hirnblutung entstand und die andere Hälfte danach, ohne dass dies jedoch an irgendeiner Stelle sprachlich auffällt.

Den Titel für sein Buch und die Inspiration für die Gedichte nahm Tomas Tranströmer von einem Werk von Franz Liszt, wobei der Autor in seinem Gedicht „Sorgegondol nr. 2“ sowohl List als auch Richard Wagner persönlich nennt. Bei anderen Gedichten des Buches, z.B. dem Werk „Tystnaden“, setzt sich Tranströmer damit auseinander, wie man Poesie schaffen kann, wenn man sich nicht mehr poetisch ausdrücken kann, was nach mehreren Kritikern ein Zeichen dafür ist, dass dieses Gedicht erst nach seiner Hirnblutung entstanden sind.

Nach seiner Hirnblutung, nach der er auf der rechten Seite gelähmt blieb, entstanden nur noch relativ wenige Gedichte des Autors, der einst Literaturgeschichte und Psychologie studierte, wobei alle seine späteren Werke in der kurzen Haikuform geschrieben sind. Tranströmer, der bereits nach der Herausgabe seines Erstlingswerkes „17 dikter“ (17 Gedichte) in der schwedischen literarischen Welt als Genie betrachtet wurde, erhielt im Jahre 2011 für seine Gesamtwerke den Nobelpreis der Literatur.

2. Dezember 1766: Schweden verfügt weltweit über das erste Gesetz zur Pressefreiheit
2. Dezember 1961: Fredrik Böök verändert die literarische Landschaft Schwedens 


Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Karin Boye und ihre melancholische Dichtkunst

Am 26. Oktober 1900 wurde die Dichterin und Schriftstellerin Karin Boye im zentralen Göteborg geboren. Ihre Gedichte und Romane werden von einer tiefen Melancholie getragen, die sie in all ihren Werken eng mit der Natur in Verbindung brachte. Bereits ihre erste Gedichtsamlung „Moln“ (Wolken) spiegeln ihre eigenen Zweifel an ihrem Leben und ihrer Zukunft, was man jedoch erst Jahre später verstand, als ihre lesbische Neigung bekannt wurde, die in jener Zeit als Straftat galt.

Peter Lindes Karin Boye (Detail) an der Stadtbibliothek in Göteborg

Erst während eines Aufenthalts in Berlin in den Jahren 1932/1933 wagte es Karin Boye offen zu ihrer homosexuellen Neigung zu stehen und ließ sich von ihrem Mann, Leif Björk, scheiden. Als sie zurück in Schweden war, lud sie ihre deutsch-jüdische Freundin Margot Hanel nach Schweden ein, die sie, nach eigenen Angaben, in Berlin verführt hatte. Die beiden Frauen lebten dann bis zum Tode Karin Boyes zusammen, unabhängig von der permanenten Drohung, die damals über allen Homosexuellen schwebte.

Karin Boyes bekanntestes Gedicht ist „Ja, visst gör det ont när knoppar brister“, ihre bekanntesten Romane das autobiographische Werk „Kris“ und die Dystopie „Kallocain“. Die Autorin beging am 23. oder 24. April 1941, im Alter von 40 Jahren, Selbstmord in Alingsås. Der Stein, auf dem sie gefunden wurde, ist heute ein Erinnerungsstein, der selbst in touristischen Führern aufgenommen wurde. Ihre Freundin Margot Hanel nahm sich ein Jahr später ebenfalls das Leben.

26. Oktober 1900: Karin Boye und die Zerbrechlichkeit einer Schriftstellerin
26. Oktober 1942: Cecilia Torudd und der treffende Cartoon

Copyright: Herbert Kårlin