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Sonntag, 24. Februar 2019

Der Architekt Ralph Erskine

Ralph Erskine kam am 24. Februar 1914 in London zur Welt und studierte dort an der Regent Street Polytechnic Architektur. Im Jahr 1939 brach Erskine mit Fahrrad, Rucksack und Schlafsack nach Schweden auf und fand den Baustil von Ragnar Östberg, Gunnar Asplund und Sven Markelius geradezu revolutionär. Er entschied sich daher den Funktionalismus zu studieren. Während seines Aufenthalts in Schweden brach dann der Zweite Weltkrieg aus und Erskine entschied sich in Schweden zu bleiben, heiratete im Stockholmer Stadshus seine Jugendliebe Ruth, die kurz nach ihm nach Schweden gekommen war, und begann in Schweden als Architekt aktiv zu werden.

Noch 1939 öffnete Ralph Erskine dann ein Architekturbüro in Stockholm, auch wenn er sich 1944 noch für ein Jahr an der Kunsthochschule einschrieb um sich dort mehr mit der schwedischen Architektur zu beschäftigen. Erskine war von der schwedischen Natur begeistert und entschied sich bei seinen Bauwerken, das Klima und die natürliche Umgebung zu integrieren, was bedeutet, dass er die Sonnenwärme optimal für die Erwärmung der Gebäude nutzte und das Licht ein dominantes Element wurde, da dieses im Winter als Mangelware zu sehen war, aber von den Bewohnern der Gebäude auf optimale Weise genutzt werden wollte. Erskine versuchte auch Ökologie, Umwelt und soziale Bedürfnisse bei seinen Plänen zu berücksichtigen und war damit seiner Zeit weit voraus.

Ralph Erskine, der am 16. März 2005 in Ekerö starb, war an rund 200 Bauprojekten beteiligt und entwickelte sich in nur wenigen Jahren zu einem der bedeutendsten Architekten Schwedens, was sich auch darin auszeichnet, dass er Ehrendoktor der Universität Lund, Mitglied der Akademie der freien Kunst und Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten wurde, dass aber auch mehrere seiner Bauten mit bedeutenden Preisen belohnt wurden, zumal Erskine nie das politische und soziale Engagement vergaß und bei seinen Plänen grundsätzlich auch an die Bewohner der Gebäude dachte. Auch wenn Ralph Erskine bestimmt hatte dass sein Name aus dem von ihm gegründeten Architekturbüro nach seinem Tod entfernt werden musste, so erinnert noch jedes dritte Jahr der Ruth and Ralph Erskine Prize an den Architekten, ein Preis, der für soziale und ökologische Innovationen in der Architektur vergeben wird.


24. Februar 1389: Die Bedeutung der Schlacht bei Åsle
24. Februar 1457: Karl Knutsson wird dreimal König Schwedens
24. Februar 1673: Die barocke Ervalla Kyrka
24. Februar 1708: Israel Holmström und die Gesellschaftspoesie des Barock
24. Februar 1741: Johan Henrik Hästesko wird in Stockholm hingerichtet
24. Februar 1746: Der Erzbischof Uno von Troil
24. Februar 1910: Der schwedische Fußballklub Malmö FF
24. Februar 1925: Hjalmar Branting wird zum dritten Mal Ministerpräsident
24. Februar 1933: Der schwedische Reichsverband für sexuelle Aufklärung
24. Februar 1972: Sven Markelius, der Architekt der schwedischen Funkis-Bewegung

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 27. März 2018

Der Energiekonzern E.ON in Schweden

Die Geschichte des Energiekonzerns E.ON geht in Schweden bis zum 27. März 1906 zurück, als sich die Energieverantwortlichen der Städte Malmö, Lund, Landskrona, Helsingborg und Halmstad trafen und entschieden die Sydsvenska Kraftaktiebolaget zu gründen, ein gemeinsames Unternehmen, das in die Wasserkraft investieren wollte um die fünf genannten Städte mit Energie versorgen zu können. Das Ergebnis der Firmengründung waren vier größere Wasserkraftanlagen, die bald so viel Energie produzierten, dass man ab 1915 auch einen Teil der gewonnenen Energie per Unterseekabel an Dänemark liefern konnte.

Ab 1920 kaufte das Unternehmen mehrere Stromversorgungsfirmen und Kraftwerke in Skåne, Blekinge und im Småland ein und entwickelte sich zu größten Stromlieferanten Südschwedens. Weder der Erste, noch der Zweite Weltkrieg oder die Depression konnten das Wachstum bremsen, so dass sich 1960 die Stromproduktion des Unternehmens verdoppelte, aber auch die Nachfrage noch deutlich mehr anstieg. Da man nicht mehr in der Lage war die Wasserkraft weiter auszubauen und Öl zu teuer für die Stromproduktion war, begann man sich nun für die Kernkraft zu interessieren, was dazu führte, dass die Firma im Jahr 1971 das erste kommerzielle Kernkraftwerk in Oskarshamn in Betrieb nahm.

Im Jahr 1977 wurde aus dem ursprünglichen Unternehmen die Firma Sydkraft AB, was vor allem in den 90er Jahren zu einer weiteren Expansion mit zahlreichen Aufkäufen führte, aber, mit der einsetzenden Privatisierungswoge auch immer mehr private Besitzer zuließ. Im Jahr 2001 konnte daher die deutsche Eon AG die Aktienmehrheit von Sydkraft erwerben, ohne jedoch den Namen des Unternehmens unmittelbar zu ändern. Erst 2005, nach weiteren Aufkäufen von Energieunternehmen, entstand dann die schwedische Niederlassung von E.ON. Im Januar 2016 wurde das Unternehmen E.ON dann in zwei Zweige getrennt, so dass E.ON nur noch für die alternative Energiequellen und Kundenlösungen zuständig ist, die zweite Firma, die den Namen Uniper trägt, jedoch für Kernkraft und Wasserkraft zuständig ist. Auf diese Weise konnte sich E.ON in Schweden ein weißes Hemd beschaffen und sich als umweltfreundliches Unternehmen profilieren.


27. März 1794: Die schwedisch-dänische Konvention von 1794
27. März 1805: Johan Murberg und der Erfolg der schwedischen Sprache
27. März 1868: Der Schriftsteller und Künstler Axel Emil Ebbe
27. März 1873: Der schwedisch-amerikanische Künstler David Edström
27. März 1904: Der erste Golfklub in Stockholm
27. März 1922: Die Öresundsvarvet in Landskrona geht in Konkurs
27. März 1940: Der schwedische Freiwilligen-Verband
27. März 1942: Laila Westersund, eine Karriere mit bereits vier Jahren
27. März 1966: Ragnar Josephson wird in Lund verewigt
27. März 1966: Ragnar Josephson, von der Poesie bis ins Dramaten
27. März 1989: Nordic Channel, der heutige Kanal 5 

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Der Hallandsåstunnel in Schonen (Skåne)

Am 8. Dezember 2015 wurde der Hallandsåstunnel offiziell eingeweiht und eine Woche später verkehrten dann auch die ersten Züge in den beiden 8,7 Kilometer langen Tunnelröhren, die gegenwärtig den längsten Eisenbahntunnel Schwedens ausmachen. Den Namen erhielt der Tunnel nach dem Höhenzug Hallandsåsen, der gewissermaßen die Trennungslinie zwischen den beiden Regionen Halland und Skåne ausmacht. Da diese Hügelkette bis zu 226 Meter hoch ist, war vor dem Bau des Tunnels der Eisenbahnverkehr entlang der Südwestküste Schwedens relativ problematisch und nur über einen Umweg möglich.

Von einem Tunnel durch den Hallandsåsen sprach man bereits 1975, auch wenn es dann zehn Jahre dauern sollte bis das Projekt erstmals auf den Schreibtischen der Regionalpolitikern lag. Bereits 1990 wusste man dass dieses Projekt mit einigen Problemen für die Umwelt verbunden war, aber man war überzeugt davon die Probleme zu meistern und als die Regierung dann ein Jahr später den Bau als notwendig betrachtete, gab es kein zurück. Ab 1992 waren die Bauarbeiter an ihrem Arbeitsplatz, im Gedanken, dass die Arbeit am Tunnel fünf Jahre dauern sollte und nicht einmal eine Milliarde Kronen kosten sollte, eine Annahme, die sich bald als Illusion herausstellen sollte.

Sehr bald reihte sich dann ein Problem an das andere, denn der eingesetzte Bohrer war für den Tunnel ungeeignet und man musste eine Spezialbohrer beschaffen und einsetzten, Zement konnte die Wasserlecks nicht dichten und die Spezialmasse aus Frankreich, die man anschließend als Dichtungsmasse verwendete, zeigte sich extrem giftig und führte zu einem gigantischen Fischsterben. Das Grundwasser der Höfe auf der Anhöhe senkte sich und brachte Probleme, die bis heute nicht vollständig beseitigt werden konnten. Auch an fünf Jahren Bauzeit war nicht zu denken, sondern sie wurde um 18 Jahre überschritten, bei Kosten die über zehnmal so hoch lagen als ursprünglich geplant.


8. Dezember 1625: Kristina von Holstein-Gottorp wird in Schweden Königin
8. Dezember 1626: Kristina von Schweden, die widerspenstige Königin
8. Dezember 1808: Elias Sehlstedt, der der Poet der Schären vor Stockholm
8. Dezember 1818: Johan Gottlieb Gahn, der uneigennützige Chemiker
8. Dezember 1860: Otto Zeidlitz, ein Pionier des Esperanto
8. Dezember 1907: Oscar II. und die Industrialisierung Schwedens
8. Dezember 1912: Die Kirche in Kiruna, die schönste Kirche Schwedens
8. Dezember 1972: Tony Olssons Weg zum Verbrecher

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Die Akademie der Mahlzeiten (Måltidsakademien) wird gegründet

Am 19. Oktober 2000 wurde in Schweden eine weitere Akademie gegründet, die Akademie der Mahlzeiten (Måltidsakademien). Das Ziel dieses quer-wissenschaftlichen Forschungsinstituts soll sein die Mahlzeiten unter allen Aspekten zu untersuchen und, als Zusatz zur universitären Forschung, den Weg zu einer sinnvollen, gesunden und haltbaren Ernährung zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in die Akademie die unterschiedlichsten Berufsgruppen gewählt, die die Ernährung aus möglichst unterschiedlicher Perspektive beleuchten können.

Die Måltidsakademien beschäftigt sich natürlich nicht nur mit der Qualität des Essens und einer gesunden Ernährung, sondern untersucht auch wie der Mensch das Essen mit seinen Sinnen empfindet, warum jede Person einen anderen Geschmack hat und welche Rolle hierbei erbliche Faktoren spielen. Ein weitere Ziel ist die Kalorienforschung, denn die Mitglieder der Akademie der Mahlzeiten will auch wissen warum man von gefährlichen und ungefährlichen Kalorien sprechen kann und warum das gleiche Essen eine Person zunehmen lässt während andere keinerlei Gewichtsveränderung spüren.

Neben der Empfehlung von Büchern zum gesunden und sinnvollen Essen interessiert sich die Måltidsakademien auch für die kulturellen Aspekte des Essens und vergleicht die verschiedensten Mahlzeit-Traditionen weltweit und ihre globale Veränderungen, mit dem Ziel eine Tradition weitgehend zu fördern oder zumindest diese Kenntnisse zu erhalten. Auch die Veränderungen der Ernährung durch Import und Export spielt für die Akademie eine Rolle, da dadurch nicht nur Lebensmittel neue Abnehmer finden, sondern in den Lebensmittel auch verschiedene Gifte landesübergreifend verbreitet werden.


19. Oktober 1072: Der deutsche Bischof Egino stirbt in Lund
19. Oktober 1758: Der schwedische Barockkomponist Johan Helmich Roman
19. Oktober 1821: Der letzte Geadelte Schwedens: Sven Anders Hedin
19. Oktober 1917: Ministerpräsident Nils Edén und der Parlamentarismus
19. Oktober 1928: Das Chinateatern (Chinatheater) in Stockholm
19. Oktober 1975: Der schwedische Sänger und Musiker Lars Winnerbäck
19. Oktober 1979: Homosexualität keine Krankheit mehr in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 6. Februar 2016

Das Verbot von DDT in Schweden

Auch wenn Schweden immer bekannt gibt dass DDT bereits im Jahre 1972 verboten wurde, bevor die Nachbarstaaten überhaupt an ein Verbot dachten, wurde DDT in Schweden erst am 6. Februar 1975 tatsächlich verboten, da die Waldwirtschaft bis dahin vom Verbot des Jahres 1972 ausgenommen wurde. Und selbst 1982 gab es noch Politiker in Schweden, die das Insektizide DDT für die Waldwirtschaft wieder einführen wollen, da man den Schaden durch Schädlinge als negativer betrachtete als die Schäden durch DDT. Und bis heute ist dieser Gedanke nicht ganz ausgerottet und in gewissen Kreisen Schwedens hält man das Gift immer noch für ein Wundermittel.

DDT war, kurz nach seiner Entwicklung, bereits in den 40er Jahren nach Schweden gekommen und galt um diese Zeit als eines der optimalen Insektizide, die, wie man dachte, keinerlei negative Effekte auf Säugetiere habe. Der ersten Zweifel tauchten in Schweden auf als in einer kleinen Region in Skåne (Schonen) im Jahre 1958 eines morgens rund 15.000 tote Stare gefunden wurden und Forscher bald feststellten dass dies nur auf DDT zurückzuführen war. Weitere Forschungen zeigten später auch dass sich DDT negativ auf die Fertilität von Mensch und Tier auswirkt und mehrere Insekten gegen DDT resistent wurden, das Insektizid daher bald nur noch negative Wirkungen habe.

Auch wenn die Halbwertzeit von DDT im Boden mit 15 Jahren und im Grundwasser mit 31 Jahren angegeben wird, so findet man noch heute in vielen Teilen Schwedens DDT und man darf nicht vergessen, dass auch in atmosphären Niederfällen noch DDT enthalten ist, da das Gift immer noch hergestellt und in vielen Ländern weierhin benutzt wird. Lebensmittelanalysen konnten beim Test von zehn verschiedenen Olivenölen in einem davon ebenfalls DDT feststellen und in drei anderen andere gefährliche Umweltgifte. Mediziner aus den USA konnten mittlerweile sogar einen Zusammenhang zwischen DDT und Alzheimer feststellen, und dennoch gibt es immer wieder Versuche DDT in Schweden in begrenztem Umfang wieder zuzulassen, denn immerhin geht es dabei nur um zehn Tonnen des wirksamen Insektizids pro Jahr.

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Der schwedische Diplomat Sverker Åström

Sverker Åström kam am 30. Dezember 1915 als Sohn eines Rechtsanwalts in Uppsala zur Welt. Nach seiner Hochschulreife studierte Åsträm Philosophie und Jura an der Universität Uppsala das er 1939 mit einer Kandidatur beendete. Noch im gleichen Jahr wurde der Jurist als Attaché im Auswärtigen Amt angestellt um bereits 1940 für drei Jahre als Diplomat nach Moskau zu gehen. Anschließend folgte noch ein mehrjähriger Auftrag in Washington bevor Åström dann 1948 Bürochef des schwedischen Auswärtigen Amts wurde.

Sverker Åström, der am 26. Juni 2012 im Alter von 96 Jahren in Stockholm starb und als Kritiker der amerikanischen und der israelischen Politik galt, gilt als der maßgebliche Vertreter Schwedens während der Verhandlungen zu einem Beitritt Schwedens in die EU und war von 1964 bis 1970 der ständige Vertreter Schwedens in den UN, was dem Diplomaten ermöglichte zahlreiche Weichen der schwedischen Politik des letzten Jahrhunderts zu stellen ohne dass dabei jedoch sein Name in den Vordergrund trat.

Innerhalb den UN war es Sverker Åström, dem es 1968 gelang dort globale Umweltfragen in das öffentliche Programm mit aufzunehmen, was letztendlich auch 1972 zur Umweltkonferenz in Stockholm führte, die Verhandlung, die der Startschuss für die Umweltarbeit der UN wurde. Erst im Alter von 87 Jahren ging Åström mit der Information an die Öffentlichkeit dass er homosexuell war, ein Geheimnis, das er bis dahin nur seinen Vorgesetzten mitgeteilt hatte um politische Erpressungen unmöglich zu machen. Åström war während seiner Studentenzeit in Uppsala Mitglied des faschistischen Studentenverbands Nationella Studentklubben, was ihm jedoch nie negativ angekreidet wurde.


30. Dezember 1661: Das Schloss Drottningholm brennt ab
30. Dezember 1886: Georg Arn, der Architekt, der Örebro seinen Stempel gab
30. Dezember 1913: Sophia von Nassau wird Königin Schwedens
30. Dezember 1923: Carl-Göran Ekerwald, ein literarischer Forscher des Jämtland
30. Dezember 1923: Sara Lidman, ein literarischer Kampf gegen den Kolonialismus
30. Dezember 1940: Schiffe aus Göteborg müssen eskortiert werden
30. Dezember 1946: Die Stadt Kramfors erhält ihr Stadtwappen
30. Dezember 1995: Katarina Taikon, die bekannteste Roma-Autorin Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Dienstag, 16. Juli 2013

Annie Lööf bringt der Zentrumspartei wenig Wähler

Annie Lööf, geborene Johansson, wurde am 16. Juli 1983 in Värnamo im Småland geboren . Die Politikerin ist seit 2006 Mitglied im schwedischen Parlament und seit 2011 nicht nur die Vorsitzende der Centerpartiet (Zentrumspartei) sondern auch gleichzeitig Regions- und Wirtschaftsministerin. Lööf gehört damit zu den jüngsten Spitzenpolitikern des Landes, was sich jedoch nicht unbedingt als Vorteil erweist, sowohl hinsichtlich ihrer geringen Erfahrung als auch in einer Welt in der Männer und das Alter oft eine wichtige Rolle spielen und Vorurteile sehr schnell zur Barriere werden.

Als Tochter eines führenden Lokalpolitikers, schien es fast logisch, dass sich Annie Lööf noch Ende ihrer Gymnasialzeit ebenfalls für Politik zu interessieren begann, Mitglied des Jugendverbands der Partei wurde, die auch ihr Vater unterstützte und bald selbst eine wichtigere Rolle auf lokaler Ebene spielte. Nachdem Lööf einige Zeit bei der Partei angestellt war, begann sie ein Jurastudium, das sie im August 2011 mit einer Kandidatur beendete. Ihre politische Aktivität ab 2001, als sie Mitglied der Zentrumspartei wurde, ging in mehrere Richtungen, zeigte aber immer wieder die Tendenz zu Umweltfragen, deren Richtung jedoch nicht der Linie der Grünen folgte.

Ab 2006 zeigte sich Annie Lööf immer häufiger in den Media und war Mitglied in zahlreichen Ausschüssen, was einer politischen Karriere nur nützlich sein kann. Als man daher 2011 eine neue Vorsitzende für die Centerpartiet suchte, schien Annie Lööf die richtige Person zu sein, die auch bereit war der Partei einen eigenen Stempel zu geben. Nach Problemen der Wirtschaftsministerin Maud Olofsson ernannte sie Fredrik Reinfeldt nahezu zwangsweise auch zur neuen Wirtschaftsministerin. Einige kleinere Affären, Uneinigkeiten in der Partei und eine unklare Politik führten in der Folge jedoch dazu, dass Annie Lööf immer mehr Wählerstimmen verlor und die Centerpartiet bei den kommenden Wahlen im Jahr 2014 um ihr Überleben im Parlament kämpfen muss.


16. Juli 1661: Der erste Geldschein kommt aus Schweden 
16. Juli 1860: Der Tamms Kanal im Hälsingland

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Die Grünen Schwedens werden gegründet

Auch die schwedische Miljöpartiet de gröna, die Grünen Schwedens, haben ihren Ursprung in der außerparlamentarischen Opposition, die sich Ende der 60er Jahre in ganz Europa bildete, wobei die Friedensbewegung, der Kampf gegen die Kernenergie und die Fragen nach Solidarität und Mitentscheidung des Volkes im Zentrum lagen. Der entscheidende Anstoß sich politisch zusammenzuschließen, kam jedoch aus Deutschland, wobei für Schweden weniger die Parteigründung der Grünen eine Rolle spielte, sondern vielmehr Petra Kelly mit ihren Argumenten den Ausschlag gab.

Die schwedische Miljöpartiet wurde zwar offiziell erst im Jahre 1981 gegründet, ein Jahr vor den folgenden Parlamentswahlen, aber als Startdatum zählt man den 25. Oktober 1980, als sich etwa 50 Personen des ganzen Landes in der Hagalundsskolan in Solna trafen um über die Bildung einer grünen Partei zu diskutieren, die block-neutral sein sollte, damit die Ziele der Mitglieder vertreten werden konnten und nicht eine pauschale Links- oder Rechtspolitik. Die Gruppe nannte sich allerdings noch nicht Miljöpartiet, sondern Aktionsgruppen för ett Framtids- och Miljöparti.

Obwohl sich die Mitglieder der grünen Gruppe bereits aus Aktivisten der unterschiedlichsten schwedischen Bewegungen zusammensetzte, die alle bereits politische Erfahrungen gesammelt hatten, gelang es den schwedischen Grünen bei der ersten Parlamentswahl gerade einmal 1,7 Prozent der Wählerstimmen zu erhalten und sie konnten daher nicht in das Parlament einziehen. Ab 1984 begann sich die Miljöpartiet de gröna sich zu organisieren und sie führten eine gemischte Führung ein bei der als Vorsitzende der Partei grundsätzlich ein Mann und eine Frau mit den gleichen Rechten auftreten sollten, seit 2011 Åsa Romson und Gustav Fridolin. Seit dem Regierungswechsel des Jahres 2014 bilden die Grünen eine Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten, was durch starke Kompromisse geprägt ist und die Partei weit vor ihrem ursprünglichen Ziel entfernte.


25. Oktober 1954: Marika Stiernstedt und die Abwendung von der Aristokratie
25. Oktober 2003: Fredrik Reinfeldt, Ministerpräsident Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 8. September 2012

Umeå stellt alle Stadtbusse auf Ethanol um

Die nordschwedische Stadt Umeå verfügt über elf zentrale Buslinien, eine Linie für den Fernverkehr und eine Buslinie vom Zentrum zum Flughafen, wobei die Geschichte des lokalen Busverkehrs relativ jung ist und nur bis zum Jahr 1965 zurückreicht, als die Firma Gabrielsson mit dem Warenzeichen Ultra (Umeå Lokaltrafik) die erste reguläre Linie einrichtete. Da der Name Ultra von der Stadt eingetragen wurde, kann man noch heute zahlreiche Busse in Umeå mit diesem Namen verkehren sehen.

Am 8. September 1994 war Umeå dann die erste Stadt Schwedens, die sämtliche Busse auf Ethanolbetrieb umstellte und damit den ersten Schritt zur umweltfreundlichsten Stadt Schwedens machte. Aber auch wenn der Ansatz sehr gut war, so änderte sich vieles als Veolia im Juni 2006 den städtischen Busverkehr übernahm. Veolia änderte nicht nur die Farbe der Busse, sondern wählte auch wieder überwiegend Diesel als Treibstoff. Wegen den hohen Kosten wurde der Vertrag mit Veolia jedoch bereits für 2008 gekündigt, eine Entscheidung, die auch die Umweltfragen wieder mehr ins Zentrum setzte.

Die Wende begann in der Tat im Jahre 2009 als die Stadt Umeå die ersten Hybridfahrzeuge erwarb und das lokale Unternehmen Hybricon die Technik auf Busse übertrug. Im Jahr 2011 investierte die Stadt dann 4,8 Millionen Kronen in den weltweit ersten schnell ladbaren Hybridbus, der jedoch in diesem Jahr noch als Testfahrzeug unterwegs war, da man wissen wollte wie sich diese Motoren bei der nordischen Kälte verhalten. Nach Abschluss des Testes verkehrt nun bereits ein Hybridbus regelmäßig zum Flughafen Umeå und 1914, wenn Umeå europäische Kulturhauptstadt wird, werden alle Besucher der Stadt die wachsende Flotte an Hybridbussen testen können, die so leise sind, dass der Busfahrer sich wieder Klingeltönen bedienen muss wenn er sich Haltestellen nähert.


8. September 1930: Mads Edvin Rydman, Poet und Filmschauspieler
8. September 1962: Wir Kinder aus Bullerbü - Alla vi barn i Bullerbyn

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. Mai 2012

Schweden gründet die ersten Nationalparks Europas

Am 24. Mai 1909 entschied sich das schwedische Parlament neun Gebiete zu Nationalparks zu erklären und war damit das erste Land in ganz Europa, das sich für den tatsächlichen Naturschutz von großflächigen Gebieten einsetzte. Auch wenn diese neun Nationalparks, verglichen mit den heutigen 29, gering scheint, so handelt es sich dabei jedoch um über die Hälfte der Gesamtfläche, die mittlerweile als Nationalpark ausgezeichnet ist. Seit über 100 Jahren wurde nicht mehr so viel Naturraum geschützt wie im Gründungsjahr.

Um als Nationalpark erklärt zu werden und damit der Natur den höchstmöglichen Schutz zu gewähren, muss das gesamte Gebiet in staatlichem Besitz sein, was in Schweden natürlich weitaus weniger Probleme verursachte als in anderen europäischen Ländern, da der Staat der größte Waldbesitzer Schwedens ist und der Begriff Naturpark natürlich nicht bedeutet, dass dort jede Waldwirtschaft verboten ist, denn Krankheiten, Stürme und andere Ereignisse können auch in den geschütztesten Gebieten Schwedens zur industriellen Nutzung führen.

Das Ziel der gegenwärtig 29 Nationalparks Schwedens ist natürlich die Natur und den Artenreichtum an Tieren und Pflanzen aufrecht zu halten, was allerdings bereits bei den ersten neun Nationalparks des Landes (Abisko, Garphyttan, Hamra, Pieljekaise, Sarek, Stora Sjöfallet, Sånfjället, Ängsö und teilweise Gotska Sandön) gewisse Schwierigkeiten mit sich brachte, nicht zuletzt auch wegen den Überschreitungen des Jedermannsrechts, den Ansprüchen der Sami oder Tieren wie Wölfe, die die Grenze eines Nationalparks kaum beeindruckt.


24. Mai 1919: Frauen bekommen in Schweden das allgemeines Wahlrecht
24. Mai 1973: Die schwedische Countrysängerin Jill Johnson 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 22. Februar 2012

Umweltskandal in Skåne

Am 22. Februar 1979 wurde einer der größten schwedischen Umweltskandale im schwedischen Skåne damit beendet, dass die Gebäude des Herstellers von Unkrautbekämpfungsmitteln und Holzschutzmitteln BT Kemis in Teckomatorp gesprengt wurde, sämtliche heimlich vergrabenen Tonnen mit Umweltgift eingekapselt wurden und entschieden wurde das gesamte Gebiet des Unternehmens zu sanieren sei. Die Sanierungsarbeiten sind auch heute noch nicht abgeschlossen und werden bis zu einem weiteren Jahrzehnt fortsetzen.

Als die Fabrik im Jahre 1965 gegründet wurde, gab es kein Umweltschutzgesetz und das Unternehmen hatte daher kaum Beschränkungen zu befürchten. Nur die Regionalregierung sollte Bedingungen für die Erhaltung eines gesunden Grundwassers stellen, was jedoch auch 1970 noch nicht geschehen war und BT Kemis bekam weiterhin eine „vorläufige“ Zulassung. Auch nachdem sich die Anwohner des Gebietes über den Gestank beklagten, der Farn der ganzen Umgebung verwelkte und das Wasser der Braån nachweislich vergiftet war, geschah nichts.

Ab 1971 begann dann BT Kemis hunderte von Fässern mit giftigem Inhalt zu vergraben. Die Klagen der Anwohner blieben weiterhin ohne Gehör und das Unternehmen sollte nach einem Beschluss lediglich 23 kritische Punkte der Lagerung und Herstellung verbessern, aber die Genehmigungen für BT Kemis wurden weiterhin verlängert. Durch Drohungen konnte das Unternehmen selbst einen kritischen Zeitungsartikel verhindern. Erst als 1977 insgesamt 360 Tonnen mit hochgefährlichen Gift ausgegraben waren, wurde der Umfang der Handlungen völlig bekannt. Die Geschäftsführer wurden nie wegen ihren Handlungen verurteilt und das Unternehmen musste an einige Kläger lediglich einen gewissen Schadersatz zahlen. Dass das Gebäude dann am 22. Februar 1979 gesprengt wurde, konnte jedoch nicht verhindern, dass der Boden auf dem Fabrikgelände für weitere 40 Jahre hochgradig vergiftet war und auch 2012 noch weiterhin saniert werden muss.

22. Februar 2011: Laila Westersund, eine Karriere mit bereits vier Jahren

Copyright: Herbert Kårlin