Dienstag, 12. Februar 2019

Kjerstin Göransson-Ljungman, Architektin und Schriftstellerin

Kjerstin Göransson-Ljungman kam am 12. Februar 1901 als Tochter eines Leutnants in Stockholm zur Welt und studierte ab 1922 an der Althins Malerschule, parallel zu einem Studium an der Universität Uppsala. Nur zwei Jahre später wechselte  Göransson-Ljungman zur Universität Stockholm um dort Architektur zu studieren. Als sie 1928 ihr Studium beendete, gründete sie unmittelbar ein eigenes Architekturbüro in Stockholm, gemeinsam mit Ingeborg Wærn Bugge, der ersten Frau Schwedens, die ein Architekturexamen abgelegt hatte. Noch während ihres Studiums hatte  Göransson-Ljungman auch die Vereinigung weiblicher Technologen gegründet, dessen Vorsitzende sie bis 1929 war.

Kjerstin Göransson-Ljungman und  Ingeborg Wærn Bugge behielten ihr Architekturbüro bis 1936, wobei Göransson-Ljungman in diesen Jahren auch mehrere technische Bücher zur Architektur schrieb und sich insbesondere als Kämpferin für das Frauenrecht auszeichnete, was den Auftragseingang im Architekturbüro allerdings etwas bremste. Auch ihre zwei relativ kurzen Ehen waren in jener Zeit nicht unbedingt als Werbung zu sehen, was Göransson-Ljungman wenig an ihrer Entwicklung hinderte, denn sie machte sich immer mehr ans Malen und öffnete ihr Gut in Sigtuna für kulturelle Diskussionen und war zeitweise die Sekretärin im Verein schwedischer Künstlerinnen.

Wirklich bekannt geworden ist Kjerstin Göransson-Ljungman indes weder mit ihren Bauten, noch als Künstlerin oder Frauenrechtlerin, sondern als Erneuerin des schwedischen Kriminalromans. Als 1939 ihr erster Krimi 27 sekundmeter, snö erschien, hatte sie den ersten schwedischen Puzzle-Krimi geschaffen, der zwei Jahrzehnte mit immer neuen Auflagen verkauft wurde, 1993 als einer der besten Kriminalromane der letzten 100 Jahre ausgezeichnet wurde und 2006 die Vorlage für einen Fernsehfilm wurde. Auch wenn die Folgeromane der Schriftstellerin sich ebenso stark von den allgemeinen Kriminalromanen abheben wie ihr erstes Werk, wurde kein anderes Buch so berühmt wie ihr erster Kriminalroman. Kjerstin Göransson-Ljungman starb am 20. April 1971 in Sigtuna.


12. Februar 1579: Der Psalmenverfasser Laurentius Petri Gothus
12. Februar 1771: Adolf Fredrik stirbt an einer Lebensmittelvergiftung
12. Februar 1849: Der schwedische Schriftsteller Carl von Zeipel
12. Februar 1885: Der Designer und Künstler Ivar Johnsson
12. Februar 1940: Der schwedische Dokumentarfilmer Ebbe Gilbe 
12. Februar 1959: Die schwedische Sängerin Susanne Alfvengren
12. Februar 1972: Die schwedische Sängerin Sophie Zelmani

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 11. Februar 2019

Die Skultuna Messingfabrik

Die Skultuna Messingfabrik (Skultuna Messingbruk AB) wurde bereits am 11. Februar 1607 von Karl IX. gegründet und ist eine der wenigen schwedischen Unternehmen, die bis heute überlebten. Der Hoflieferant, der gegenwärtig rund 400 Schmuck- und Haushaltsartikel anbietet, gehört damit mit zu den ältesten Messingfabriken weltweit. Zur Gründungszeit hatte das Werk allerdings ein anderes Ziel, denn um diese Zeit hatte Schweden gegenüber der Hanse enorme Schulden, die durch eine eigene Messingherstellung abgebaut werden sollten, eine der teuersten Importwaren jener Zeit.

Der Grund, warum man das Messingwerk in Skultuna anlegte, ist an seiner geografischen Lage zu suchen, denn der Ort lag am Fluss Svartå, der die nötige Wasserkraft bot, die Grube in Falun, die das Rohmaterial Kupfer lieferte, war in nächster Nähe und die Wälder in der Umgebung boten genügend Holz für die notwendige Holzkohle. Die Skultuna Messingfabrik war von Beginn an über eine größere Fläche verteilt, da man jede Werkstatt mit einer bestimmten Aufgabe betraute und Skultuna von Anfang an eine große Palette an Produkten bieten wollte. Aus dem Jahr 1619 ist heute jedoch nur noch ein Leuchter erhalten, den man in der Vårfrukyrkan in Enköping finden kann, da es sich bei den meisten Gegenständen um Gebrauchsgegenstände handelte.

Trotz eines Brandes, mehrmaliger finanzieller Probleme und anderem mehr, gelang es der  Messingfabrik Skultuna alle Probleme zu überwinden, neue Techniken anzuwenden und sich immer wieder dem wechselnden Bedarf der Kunden anzupassen. Die bedeutendste Neuerung war indes nicht technischer Natur, sondern die Tatsache, dass das Werk ab 1896 Designer beschäftigte um auf diese Weise an den Weltausstellungen 1897 in Stockholm und 1900 in Paris teilzunehmen und einige der bedeutendsten Preise für ihr Kunsthandwerk zu gewinnen. Das in Paris ausgestellte Taufbecken kann man heute im Museum in Skultuna bewundern. Die gegenwärtig angebotenen Gegenstände des Unternehmens entstammen nahezu ausschließlich Künstlerhänden, die für das Design verantwortlich sind.


11. Februar 1700: Der Beginn des Großen Nordischen Krieges
11. Februar 1744: Hedvig Taube, die erste offizielle Maitresse Schwedens 
11. Februar 1774: Hans Järta, revolutionäre Schriften und die Wandlung
11. Februar 1795: Carl Michael Bellman, der Nationalskalde Schwedens 
11. Februar 1795: Carl Michael Bellman, der Außenseiter unter den Skalden
11. Februar 1842: Der schwedische Ministerpräsident Erik Gustaf Boström
11. Februar 1874: Elsa Beskow, jedes Jahr ein neues Kinderbuch 
11. Februar 1876: Anders Bjurholm und die schwedischen Bierflaschen 
11. Februar 1958: Bertil Malmberg und die göttliche Lyrik
11. Februar 1978: Harry Martinson, ein Nobelpreisträger begeht Selbstmord
11. Februar 1987: Ebba Busch Thor und die Christdemokraten Schwedens
11. Februar 2007: Marianne Fredriksson und die christliche Frauenliteratur Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 10. Februar 2019

Der Möbeldesigner und Architekt Ernst Spolén

Ernst Spolén kam am 14. Oktober 1880 als Sohn eines Prosten in Halmstad zur Welt, wuchs jedoch in Fryksände im nördlichen Värmland auf. Spolén studierte nach seiner Hochschulreife an der Technischen Hochschule Chalmers, wo er auch den Künstler Ivar Arosenius kennen lernte mit dem ihm eine lebenslange Freundschaft verband. Nach seiner Hochzeit mit der Schwester des Künstlers ging Spolén 1905 nach Stockholm um dort seine Studien mit einem Architekturstudium an der Kunstakademie zu ergänzen. Nach Abschluss dieses Studiums im Jahr 1906 blieb das Ehepaar in Stockholm.

Ab 1906 arbeitete Ernst Spolén dann als Architekt bei Torben Grut, Ernst Stenhammar und Ivar Tengbom, die um diese Zeit bereits einen ausgezeichneten Ruf hatten. Nach den ersten Berufserfahrungen wurde Spolén von Ragnar Östberg angestellt und war damit auch an der Planung des Stockholmer Stadshuset beteiligt, was Spolén sehr wichtige Erfahrungen brachte, die ihm später zu seinem Ruhm verhalfen. Ab 1916 wurde Spolén nämlich für die Einrichtung des Gebäudes verantwortlich und er wurde zum Designer sämtlicher Möbel im Gyllene Saal und im Saal Tre kronor.

Ab dem folgenden Jahr ging die Karriere von Ernst Spolén dann parallel in zwei Richtungen, denn bereits 1917 nahm er mit einer Küche und einem Wohnzimmer, dessen Möbel er im gustavianischen Stil entworfen hatte, an einer Ausstellung in der Kunsthalle Liljevalch teil, aber er arbeitete auch als Architekt weiter. Wenige Jahre später wurde er zum Stadtarchitekten in Kristinehamn ernannt, anschließend in Filipstad und ab 1946 hatte er ein eigenes Architekturbüro in Karlstad, wo er bis zu seinem 80. Lebensjahr aktiv blieb. Ernst Spolén starb am 10. Februar 1974 in Bolum.


10. Februar 1050: Ingegerd Olofsdotter, eine russisch-orthodoxe Heilige aus Schweden
10. Februar 1306: Torgils Knutsson, der Gründer Viborgs
10. Februar 1858: Nils Lovén, der schreibende Priester Skånes
10. Februar 1876: Der Nationalromantiker August Söderman
10. Februar 1881: Pauline Brunius, die erste Frau, die das Dramaten leitete
10. Februar 1914: Karl Staaff tritt mit der liberalen Regierung zurück
10. Februar 2003: Der schwedische Regisseur Lars-Eric Kjellgren 
10. Februar 2013: Der Lomma Kanal am Öresund 

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 9. Februar 2019

Die Orgel im Konzerthaus in Stockholm

Wer heute das Glück hat während eines Konzertes im Stockholmer Konzerthaus die am 9. Februar 1982 eingeweihte Orgel zu hören, wird von diesem Klang geradezu berauscht sein, denn die von der Grönlunds Orgelbyggeri gebaute Orgel hat, vom Klang her, nur noch einen Konkurrenten, nämlich die Orgel im Concertgebouw in Amsterdam. Dennoch ist die Orgel in Stockholm bekannter, denn während der Nobelfeiern wird die Fassade dieser Orgel jedes Jahr einem weltweiten Publikum gezeigt, eine Orgel an der bereits die bekanntesten Organisten während eines Gastspiels saßen, wobei diese Orgel seit 2008 digital gesteuert wird und es ermöglicht 20.000 Klangkombinationen zu speichern.

Der Weg zu dieser Konzertorgel war allerdings sehr lang, denn als Ivar Tengbom den Auftrag für den Bau des Konzerthauses erhielt, hatte er seine eigenen Ideen hinsichtlich einer Orgel. Nicht nur dass im großen Saal ein Orchester mit 100 Musikern und ein Chor mit 150 Personen Platz haben sollte, die Orgel sollte geteilt werden und je eine Hälfte auf den beiden Seiten der Bühne Platz finden. Das Ergebnis war entsprechend, denn die dadurch auftretenden Klangverzögerungen machten ein Zusammenspiel zwischen Orchester und Orgel nahezu unmöglich. Da eine Orgel jedoch eine immense Investition ist, so musste diese noch bis 1970 dienen.

Im Jahr 1970 wurde das Konzerthaus renoviert und man entschied sich, als anschliessende Übergangslösung, eine elektronische Yamahaorgel zu kaufen. Bereits bei der Einweihung des modernisierten Konzerthauses im Jahr 1973 stellte man jedoch fest, dass die Idee nicht gerade ideal war, denn, nach Meinung der Musiker des Stockholmer Konzerthauses, entsprach der Klang dieser Orgel mehr einem Mückenscharm aus Nordschweden als einer Kombination von Tönen. Schon 1976 erhielt daher der Direktor des Konzerthauses den Auftrag sich Gedanken über eine andere Lösung zu machen. Letztendlich konnte man dann die heutige Orgel bauen lassen, was jedoch auch einige Zeit in Anspruch nahm, da die Kosten für das Wunderwerk bei 7,2 Millionen Kronen lagen.


9. Februar 1753: Der schwedische Architekt Carl Hårleman
9. Februar 1772: Frans Michael Franzén, vom modernen Dichter zum Bischof
9. Februar 1772: Frans Michael Franzén, vom Skalde zum Bischof
9. Februar 1853: Die Stiftung Arbetarbostadsfonden
9. Februar 1910: Das Alkoholmonopol in Schweden
9. Februar 1916: Helmer Linderholm und der historische Roman Schwedens
9. Februar 1946: Der Frukostklubben, noch heute eine Legende Schwedens
9. Februar 1974: Der schwedische Orientalist Henrik Samuel Nyberg
9. Februar 1996: Der Vinterparken (Winterpark) in Östersund

Copyright: Herbert Kårlin

Oslo Führer

Freitag, 8. Februar 2019

Der erste Flug der Saab 37 Viggen

Am 8. Februar 1967 fand der erste Probeflug des schwedischen Kampfflugzeugs Saab 37 Viggen statt, ein Flugzeug, das der Flugzeugbauer Saab AB als Nachfolger für die 35 Draken entwickelt hatte und vom Antriebssystem so gebaut war, dass die Maschinen auch auf den kürzesten Landebahnen kein Problem hatten. Die Saab 37 Viggen wurde zudem in vier verschiedenen Versionen gebaut, so dass man damit auch die unterschiedlichsten Aufgaben wahrnehmen konnte, wobei man dabei natürlich an den Kalten Krieg dachte, der mit der Angst verbunden war, dass Russland Schweden angreifen würde.

Auch wenn die erste Saab 37 Viggen bereits 1967 in die Höhe stieg, so sollte es noch vier Jahre dauern bis die ersten Maschinen auch an die schwedische Luftwaffe geliefert wurden, da die Serienproduktion erst im Jahr 1970 eingeleitet wurde und dann den Flugzeugbauer 20 Jahre lang beschäftigen sollte. Die letzte Maschine der Luftwaffe startete dann am 25. November in Norrbotten, bevor sämtliche Saab 37 Viggen aus dem offiziellen Dienst genommen wurden, auch wenn bis heute zwei der Maschinen im Hangar stehen, ohne jedoch noch eine Fluggenehmigung zu haben.

Der Name Viggen ist etwas mehrdeutig, denn vigg ist im Grunde die Reiherente, bedeutet aber auch Keil und Blitz. Da die Spitze der Saab 37 Viggen, die bereits ab 1952 geplant wurde, einem Entenschnabel ähnelt, ist die Beziehung zu diesen Vögeln natürlich logisch. Auf Grund der anderen Bedeutungen von vigg konnte man auch eine Verbindung zu åskvigg (Donnerblitz) schaffen, also eine Verbindung zum nordischen Donnergott Thor mit seinem Hammer. Auf diese Weise konnte man dem Flugzeug mehrere Attribute geben, die eine Spanne von der nordischen Mythologie bis zum Entenschnabel bieten und mehrere Interpretationen offen lassen.


8. Februar 1782: Malla Silfverstolpe und der literarische Salon in Uppsala
8. Februar 1878: Elias Magnus Fries, der erste schwedische Fachmann für Pilze
8. Februar 1883: Der Künstler und Mineraloge Gregori Aminoff
8. Februar 1903: Der schwedische Nationalsozialist Sven Olov Lindholm
8. Februar 1911: Gustaf Fröding, der Dichter mit der geistigen Verwirrung
8. Februar 1914: Die Sozialdemokraten antworten auf die Provokation des Königs
8. Februar 1952: Das Folkets hus (Haus des Volkes) in Göteborg
8. Februar 1966: Carl-Henning William Crafoord bringt den Hiphop nach Schweden
8. Februar 1969: Pippi Langstrumpf wird in Schweden zum Fernseherfolg
8. Februar 1874: Elisabeth Barnekow, Künstlerin und Holzschnitzerin 

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 7. Februar 2019

Die Opernsängerin Sigrid Arnoldson-Fischhof

Sigrid Arnoldson-Fischhof kam 20. März 1861 als Tochter eines Operntenors in Stockholm zur Welt und erhielt ihre Gesangsausbildung vom schwedischen Tenor Oscar Arnoldson und der belgischen Sopranistin Désirée Artôt, was die junge Frau zu einer internationalen Karriere als Opernsängerin vorbereitete. Entsprechend trat Arnoldson-Fischhof auch 1883 erstmals als Rosina im Barbier von Sevilla in Prag auf und spielte anschließend in den Opernhäusern in Frankreich, Deutschland, Italien und anderen Ländern mehr.

Auch wenn Sigrid Arnoldson-Fischhof, nach den Kritikern ihrer Zeit, keine besonders große Stimme hatte, so hatte sie, im Gegensatz zu vielen Sängerinnen ihrer Epoche eine tragende Stimme, der man unmittelbar die gute Ausbildung entnehmen konnte und die durch eine Koloratur brillierte. Hinzu kam, dass sie auf der Bühne sehr graziös wirkte.  Die größten Erfolge feierte die Sängerin allerdings nicht in Schweden, wo sie nur Gastspiele gab, sondern in Sankt Petersburg, Moskau und Paris. In London wurde  Arnoldson-Fischhof sogar als die neue schwedische Nachtigall gefeiert, um sie auf die gleiche Stufe zu stellen wie Jenny Lind.

Da Sigrid Arnoldson-Fischhof mit dem Impressario Alfred Fischhof aus Wien verheiratet war, verbrachte die Opernsängerin ihr Leben mehr in Österreich als in Schweden, was jedoch ihrer Karriere nur zu Gute kam, denn 1909 wurde sie zur königlich sächsischen Kammersängerin ernannt und zwei Jahre später auch zur schwedischen Hofsängerin und in die Musikalische Akademie Schwedens gewählt. Als sich  Arnoldson-Fischhof im Jahr 1922 von der Bühne zurückzog, arbeitete sie weitere 25 Jahre lang in Wien als Gesangspädagogin. Erst 1938 kehrte die Sängerin nach Stockholm zurück, da ihr Mann einer jüdischen Linie entstammte, um dann jedoch  in Stockholm bis zu ihrem Tod am 7. Februar 1943 weiterhin als Gesangspädagogin zu unterrichten.


7. Februar 1795: Anders Fryxell und der erste Geschichtsroman Schwedens
7. Februar 1809: Charles Emil Hagdahl und die moderne Küche Schwedens
7. Februar 1837: Gustav IV. Adolf, der vom Thron verstoßene König Schwedens
7. Februar 1839: Karl August Nicander, Aufstieg und Fall eines Poeten
7. Februar 1860: Die Opernsängerin Anna Norrie
7. Februar 1871: Wilhelm Stenhammar: Pianist, Komponist und Dirigent
7. Februar 1905: Der schwedische Nobelpreisträger Ulf Euler
7. Februar 1909: Enok Sarri, der Wettermann der Samen
7. Februar 1999: Der schwedische Schriftsteller Lars Molin 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 6. Februar 2019

Der schwedische Bauernzug im Jahr 1914

Bereits vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verbreiteten die konservativen Parteien Schwedens eine Angst vor ausländischen Spionen, einem möglichen Krieg auf schwedischem Raum und wollten damit die Bürger gegen die liberale Regierung von Karl Staaff aufstacheln, mit dem Ziel die Regierung zu hohen militärischen Ausgaben zu zwingen, was natürlich zu einer noch größeren Verarmung der Arbeiter und Städter geführt hätte. Um ihr Ziel zu erreichen, riefen sie insbesondere die konservativen Landwirte ganz Schwedens zu einer gigantischen Demonstration auf, die Gustav V. zeigen sollte, dass die alten Werte Schwedens von der Bevölkerung des Landes weiterhin gestützt werden.

Auf Grund einer landesweiten Organisation zogen daher am 6. Februar 1914 über 32.000 Bauern in Stockholm ein, die ihren Glauben an traditionelle Werte auch dadurch zum Ausdruck brachten. Jede Region zog in einer eigenen Gruppe durch die schwedische Hauptstadt, die Regionalfahne an der Spitze und die Bauern in ihren Nationaltrachten folgten. Die Demonstration erregte zwar große Aufmerksamkeit und Karl Staaff versprach die vorgebrachten Argumente der Bauern zu überdenken, ohne jedoch ein weiteres Versprechen abzugeben, denn in der Tat war dieser Bauernzug mehr ein Auseinandersetzung zwischen den konservativen Landbewohnern und den mehr fortschrittlichen Städtern, wo Arbeiter ganz andere Forderungen hatten als Landwirte.

Auch wenn zwei Tage später Hjalmar Branting bei einer Gegendemonstration in Stockholm mit Arbeitern über 50.000 Demonstranten sammeln konnte, so hatte der Bauernzug dennoch eine große Bedeutung für die Wahlen im gleichen Jahr, denn das Eingreifen des Königs führte dazu, dass Karl Staaff von seinem Amt zurücktrat und die kommende Regierung eine konservative Regierung mit Beamten wurde. Noch bedeutender war jedoch, dass dadurch auch eine sehr konservative Bauernbewegung entstand, die 1921 zum Reichsverband der Landwirte führte, die damit auch bei allen zukünftigen Wahlen in Schweden berücksichtigt werden musste. Die Rüstungsfrage war indes nach dem Bauernzug des Jahres 1914 zweitrangig geworden.


6. Februar 1816: Henrik Gahn, einer der bekanntesten Ärzte Schwedens
6. Februar 1837: Johan Anders Wadman, der Skalde, der an Alkoholmangel stirbt
6. Februar 1900: Rudolf Värnlund, der unverstandene Arbeiterliterat
6. Februar 1914: Der letzte politische Machtbeweis der schwedischen Könige
6. Februar 1927: Der nordschwedische Künstler Leander Engström
6. Februar 1929: Der schwedische Skiläufer Sixten Jernberg 
6. Februar 1975: Das Verbot von DDT in Schweden
6. Februar 1981: Der schwedische Musiker Jens Lekman 
6. Februar 1988: Die nationalistische Partei Sverigedemokraterna
6. Februar 1992: Der Nationaltag der Samen in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin