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Freitag, 12. April 2019

Der Psychiater und Künstler Bror Gadelius

Bror Gadelius kam am 29. März 1862 als Sohn eines Kapitänleutnants in Göteborg zur Welt und studierte nach seiner Hochschulreife ab 1883 Medizin an der Universität Uppsala. Nach seiner Kandidatur in Medizin ging Gadelius 1889 an die Universität Lund um dort sein Studium 1893 mit einem Lizenziat zu beenden und als beitretender Arzt an das Krankenhaus in Lund zu gehen. Nach dem Erwerb seines Doktors in Medizin wurde Gadelius als Dozent in Psychiatrie an die Universität Lund berufen, ohne jedoch seine Tätigkeit als Arzt aufzugeben. Im Jahr 1902 wurde Bror Gadelius, der am 12. April 1938 in Stockholm starb, Oberarzt am Hospital Konradsberg in der schwedischen Hauptstadt.

Als Bror Gadelius in Stockhom als Psychiater zu arbeiten begann, wurden die Patienten noch isoliert  und in Zellen untergebracht, was Gadelius in nur wenigen Jahren änderte, denn er war der Meinung, dass die Patienten Menschlichkeit und Kontakt mit anderen benötigen um geheilt zu werden. Diese Änderungen führten dazu, dass Gadelius nicht nur bei seinen Behandlungen Erfolg zeigte, sondern auch das Vertrauen seiner Patienten gewann und dadurch in der Lage war diese Krankheiten zu erforschen. Neben dieser medizinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitete Gadelius auch an der Anerkennung der Rechtspsychiatrie, und er schuf damit das heute noch existierende Rechtssystem hinsichtlich geistig kranker Personen.

Neben seiner Tätigkeit als Psychiater zeigte sich Bror Gadelius auch als ausgezeichneter wissenschaftlicher Autor und als Kunstkenner. In diesem Zusammenhang schrieb Gadelius, neben Abhandlungen zur Psychiatrie, auch mehrere Abhandlungen über die Kunst und arbeitete in seiner Freizeit als Skulpteur und Maler. Auch wenn seine eigenen Werke bis heute kaum Beachtung fanden, so findet man im schwedischen Nationalmuseum eine Sammlung an Zeichnungen und Malereien seiner Patienten, denn Gadelius benutzt auch den künstlerischen Ausdruck um Zugang zum Denken seiner Patienten zu finden, eine der Eigenschaften, die ihn zum ersten modernen Psychiater Schwedens machte und die Basis für die heutige Psychiatrie legte.


12. April: Der schwedische Vorname Liv und seine Bedeutung
12. April 1106: Rikissa von Polen, zweimal schwedische Königin und einmal Fürstin
12. April 1116: Rikissa von Polen wird zweimal zur schwedische Königin
12. April 1167: Karl Sverkersson stirbt auf Visingsö
12. April 1537: Kristina von Holstein-Gottorp wird in Schweden Königin
12. April 1838: Axel Elmlund, vom Ballett zur Tragödie
12. April 1838: Der Künstler und Kupferstecher Gustaf Broling
12. April 1912: Der Architekt und Karikaturist Erik Molander
12. April 1959: Die Markthalle Hötorget in Stockholm 

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 5. April 2019

Ministerpräsident Carl Axel Wachtmeister

Carl Axel Wachtmeister kam am 9. Mai 1754 als Sohn des Majors Carl Wachtmeister zur Welt und studierte an 1768 an der Universität Lund um sich auf eine Karriere in der Administration vorzubereiten. Drei Jahre später wurde Wachtmeister dann in der Staatskanzlei angestellt, wo er eine brillante Karriere machte, denn 1777 war Wachtmeister Revisionssekretär, zwei Jahre später war er Justizkanzler und mit 28 Jahren wurde er dann zu einem der Herren des Reiches ernannt. 1787 macht Gustav III. Wachtmeister dann zum Präsidenten des Landesgerichts und übertrug ihm die Überwachung der gesamten schwedischen Gesetzgebung.

Carl Axel Wachtmeister gehörte mit zu den engsten Vertrauten des Königs Gustav III., was sich, unter anderem, dadurch ausdrückte, dass er Wachtmeister 1789 als seinen Vertreter einsetzte für jenen Zeiten, in denen der König selbst abwesend war. Im gleichen Jahr ernannte Gustav III. Wachtmeister auch zum Kanzler der Universität Lund und ernannte ihn zum Justizrat im neu gegründeten Obersten Gerichtshof des Landes. Auch nach dem Tod des Königs behielt Wachtmeister das Vertrauen des Königshauses und die Vormundschaftsregierung des zukünftigen Königs Gustav IV. Adolf ernannte Wachtmeister zum Präsidenten des Gesetzeskommission.

Als Gustav IV. Adolf dann König wurde, versuchte Carl Axel Wachtmeister diesen zur Zurückhaltung in der Außenpolitik zu überzeugen, da er zum einen die Gefahr sah, die von Napoleon I. ausging, zum anderen Wachtmeister auch über den Widerstand gegen den König von Seiten Carl Johan Adlercreutz informiert war, der den König stürzen wollte. Wachtmeister gehörte letztendlich zu den wenigen Getreuen des Königs bevor dieser abgesetzt wurde. Da Carl Axel Wachtmeister, der am 5. April 1810 starb, nicht an Intrigen beteiligt war, erhielt er auch vom folgenden König, Karl XIII. das Vertrauen und wurde nach dessen Regierungsreform zum neu geschaffenen Amt des Ministerpräsidenten ernannt, ein Amt, das der Politiker jedoch nur noch kurze Zeit innehatte.


5. April 1501: Kort Rogge, Bischof in Strängnäs
5. April 1697: Karl IX. ein Ersatzkönig leitet Schweden
5. April 1719: Axel von Fersen der Ältere in der Opposition
5. April 1776: Der Politiker Nils Månsson i Skumparp
5. April 1786: Die Svenska Akademien, Verteidiger der schwedischen Sprache
5. April 1842: Der Archäologe und Reichsantiquar Hans Hildebrand
5. April 1950: Die Karriere der schwedischen Sängerin Agnetha Fältskog
5. April 1954: Die schwedische Sängerin Anna-Lotta Larsson
5. April 1962: Sara Danius, ständige Sekretärin der Svenska Akademien 
5. April 2001: Die schwedische Jazzsängerin Sonya Hedenbratt
5. April 2007: Maria Gripe und das realistische Kinderbuch Schwedens
5. April 2007: Maria Gripe, Kinderbücher ohne Gewalt

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 27. Februar 2019

Der Reichsantiquar und Historiker Johan Gustaf Liljegren

Johan Gustaf Liljegren wurde am 27. Februar 1791 als Sohn eines Gutsbesitzers in Fryele im Småland geboren und schrieb sich 1811, nach seinem Schulgang in Växjö, an der Universität Lund ein um dort Philosophie zu studieren. Liljegren begann 1818 an der Königlichen Bibliothek zu arbeiten und machte dann im Laufe der Jahre als Amtsmann eine Karriere, die ihn 1835 bis zum Reichsrat des Reichsarchivs führte. Liljegren zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er Archive organisierte und sich in diesem Rahmen auf historische Dokumente stützte, die auch die Basis für einige seiner Veröffentlichungen wurden.

Johan Gustaf Liljegren, der ab 1826 als Reichsantiquar tätig war, veröffentlichte 1829 sein erstes Werk, das Svensk Diplomatarium, eine Sammlung mittelalterlicher Texte, die bis heute eine bedeutende Rolle in der Geschichtsforschung spielen, da Liljegren auf die chronologische Ordnung der Dokumente größten Wert legte. Im gleichen Stil veröffentlichte Liljegren 1832 eine Runenlehre und ein Jahr später das Werk Run-urkunder, in dem alle damals bekannten nordischen Runeninschriften aufgenommen wurden, ein Werk, das geradezu als die Bibel der Runeninschriften gelten kann, auch wenn das Werk nicht vollständig ist und einige der genannten Runeninschriften mittlerweile verloren gingen.

Auch wenn Johan Gustaf Liljegren eine immense schriftliche Inventurarbeit leistete und auch archäologische Ausgrabungen in Birka und Visby in die Wege leitete, so blieben seine Verdienste innerhalb der Geschichtswissenschaft und Archäologie beschränkt, denn Liljegren konnte schriftliches Material sammeln und einordnen, aber er war nicht in der Lage Fundstücke in der gleichen Weise zu präsentieren und zu dokumentieren, und er war, trotz seines hohen Amtes, nicht in der Lage die ausgearbeiteten Texte und Dokumente in verständlicher Form zu präsentieren. Alle Schriftstücke Liljegrens, der am 2. Juni 1837 in Stockholm starb, mussten von Helfern umgeschrieben werden, was zu jener Zeit extrem ungewöhnlich war.


27. Februar 1477: Der schwedische Erzbischof Jakob Ulvsson
27. Februar 1705: Der schwedische Naturwissenschaftler Peter Artedi
27. Fabruar 1793: Elise Frösslind, Opernsängerin und Schauspielerin
27. Februar 1862: Die schwedische Textilkünstlerin Agnes Branting
27. Februar 1869: Der Göta Kanal, vom Lastverkehr zum Tourismus
27. Februar 1921: Willy Kyrklund und die existentielle philosophische Literatur Schwedens
27. Februar 1953: Gustaf Hellström und das gesellschaftliche Leben in Kristianstad
27. Februar 1974: Der König Schwedens wird politisch entmachtet
27. Februar 1981: Die Eisenhütte Domnarvet bei Borlänge in der Krise
27. Februar 1984: Die schwedische Fußballspielerin Lotta Schelin 

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 15. Februar 2019

Der Reichsrat Claes Fleming af Liebelitz

Claes Fleming, bisweilen Klas Fleming geschrieben, kam am 15. Februar 1649 als Sohn eines Admirals und Oberstadthalters in Stockholm zur Welt und erhielt eine nahezu militärische Bildung bei der er jedoch auch ein breites Allgemeinwissen erwarb. 1662 begann Claes Fleming ein Studium an der Universität Uppsala, das er jedoch 1669 in Åbo, dem finnischen Turku, beendete, da der Vater dorthin als Gouverneur versetzt worden war. Wie zu jener Zeit üblich begab sich Fleming anschließend auf eine längere Auslandsreise, die er mit einem kürzeren Studium in Groningen und einem militärischen Einsatz in Frankreich unterbrach. Nach seiner Rückkehr nach Schweden im Jahr 1674 wurde der 25-jährige Fleming in der königlichen Kanzlei beschäftigt.

Claes Fleming wurde insbesondere in der Finanzverwaltung tätig und gewann dabei die Gunst des Königs Karl XI., der ihn 1680 zum Landmarschall ernannte und ihm rinrn bedeutenden Einfluss bei der Regierungsreformen gab. Bei den angestrebten Reformen zeigte sich Fleming sehr diplomatisch und konnte die Entscheidungen so beeinflussen, dass der König für keinerlei Fehler verantwortlich gemacht werden konnte. Diese diplomatische Fähigkeit zeigte sich für Fleming sehr vorteilhaft, denn dadurch gab ihm der König eine steigende Machtstellung und ernannte ihn sogar zum Kanzler der Universität Lund.

Claes Fleming erhielt unter Karl XI. die Oberaufsicht über das gesamte Finanzwesen Schwedens, wobei er ab 1684 auch der Präsident des Bergkollegiums und des Staatsbüros war. Als deutlicher Unterstützer des Königs wurde Fleming jedoch auch zu einem der gehasstesten Männer Schwedens, was heute schwer zu verstehen ist, da Fleming für seine Leistungen kaum entlohnt wurde und er bis zu seinem frühen Tod am 31. Juli 1685, als er auf dem Weg nach Aachen war, sehr arm war. Dank seiner Dienste versorgte der König anschließend seine Ehefrau und seine Kinder, die ohne diese Unterstützung, auf der Straße gelandet wären.


15. Februar 1362: Håkan Magnusson, der König auf verlorenem Posten
15. Februar 1700: Casten Rönnow und das älteste Herbarium Schwedens
15. Februar 1714: Der Admiralgeneral Hans Wachtmeister af Johannishus
15. Februar 1794: Olof Celsius der Jüngere, Philosoph und Politiker
15. Februar 1819: Jacob Axelsson Lindblom, ein besonderer Bischof Schwedens
15. Februar 1820: Der schwedische Ministerpräsident Arvid Posse
15. Februar 1893: Hans von Euler-Chelpin erhält den Nobelpreis in Chemie
15. Februar 1897: Der schwedische Künstler Alfred Nyström
15. Februar 2004: Hasse Ekman, Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 25. März 2018

Der schwedische Jurist Johan Gabriel Richert

Johan Gabriel Richert kam am 25. März 1784 als Sohn eines Regierungspräsidenten in Tidavad zur Welt und schrieb sich im Jahr 1800 an der Universität Lund ein um dort ein Jurastudium zu beginnen, das er in der Rekordzeit von nur einem Jahr absolvierte. Bereits 1801 wurde Richert daher Hilfskraft am Oberlandesgericht und unterstütze seinen Vater bei seiner Arbeit. Im Selbststudium bildete sich Richert anschließend in Jura, Geschichte und Philosophie fort, so dass ihm die Universität Lund 1842 sogar zum Professor der Rechtswissenschaften  ernennen wollte, was der Wissenschaftler jedoch ablehnte.

Johan Gabriel Richert kann in Schweden gewissermaßen als der erste liberale Politiker betrachtet werden, denn während seines Lebens löste er sich vollständig von der klassischen Idee, dass der Adel von Geburt an über dem Volk liege und daher alle politischen Entscheidungen treffen müsse. Dies führte natürlich zu harten Konfrontation mit der regierenden Schicht des Landes und auch mit Karl XIV. Johan, zumal Richert enge Verbindungen zur liberalen Opposition pflegte. Dies führte auch dazu, dass seine Änderungsvorschläge zum schwedischen Strafrecht erst nach seinem Tode durchgeführt wurde.

Auch wenn Johan Gabriel Richter dann mit Oscar I., dessen Lehrer er früher war, einen Freund seiner liberalen Ideen gefunden hatte, so konnte der Jurist auch unter ihm nur einen Teil seiner Reformvorschläge verwirklichen. Während sein Plan auch Frauen zu mündigen Bürgern zu machen, weiterhin scheiterte, gelang es ihm das Erbrecht für Frauen durchzusetzen und große Teile des Privatrechts zu modernisieren. Johan Gabriel Richert, der am 2. Januar 1864 in Göteborg starb, gelang es auch die Macht der Priester und des Adels zu brechen, deren Entscheidungen noch zu seiner Lebenszeit durch ein Veto der Partei der Gutsbesitzer und der Bürgervertretung verhindert werden konnte.


25. März: Der Waffeltag in Schweden
25. März 1751: Fredrik I., König Schwedens dank seiner Ehefrau
25. März 1826: Die schwedische Künstlerin Wilhelmina Lagerholm
25. März 1902: Sten Broman, ein schwedisches Original
25. März 1954: Massiver Widerstand gegen das Fernsehen in Schweden
25. März 1975: Die schwedische Sängerin Sofia Karlsson
25. März 2008: Bengt Helldal, der fitte Arzt aus Falkenberg
25. März 2012: Der schwedische Spion Bertil Ströberg 

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Politiker und Bischof Gottfrid Billing

Gottfrid Billing kam am 19. April 1841 als Sohn eines Regionalpolitikers in einem alten Geschlecht Skånes in Önnestad zur Welt und studierte an der Universität Lund Theologie, wobei der Theologe von Beginn an sowohl in der Politik als auch der Religion eine sehr konservative Haltung einnahm, was, auf Grund seines Einflusses, auch die Entwicklung Schwedens zum Teil über Jahre hinweg bremste. Mit 40 Jahren wurde Billing Professor der Theologie an der Universität Lund, 1884 Bischof des Stiftes Västerås und nur ein Jahr später auch oberster Hofprediger der Königshauses.

Seine engen Beziehungen zum Königshaus und den konservativen kirchlichen  Kreisen führten dazu, dass Gottfrid Billing gefragt wurde, ob er Anton Niklas Sundberg als Erzbischof folgen wollte. Billing lehnte das Angebot ab, ließ sich dafür jedoch in die Svenska Akademien wählen, da dies mit mehr Prestige verbunden war. Billig vertrat die Svenska Kyrkan auch als konservativer Politiker beim Reichstag von Västerås. Hier gelang es dem Politiker jede Anfrage nach einem allgemeinen Wahlrecht zu blockieren, wobei er insbesondere Frauen von der gesellschaftlichen Entwicklung ausschließen wollte.

Auch in theologischen Fragen zeigte sich Gottfrid Billing als extrem konservativ, was sich insbesondere darin ausdrückte, dass er noch 1910 die Existenz des Teufels vertrat, denn schließlich habe Jesus selbst diese Aussage verbreitet. In diesen Jahren gab es mehrere fortschrittliche Theologen, die die Kirche erneuern wollten und daher die Existenz des Teufels bereits als Dummheit bezeichneten. Billing konnte die Verbreitung dieser modernen Meinung weitgehend bremsen. Nach dem ersten Weltkrieg zog sich Gottfrid Billing, der am 14. Januar 1925 in Lund starb, aus dem öffentlichen Leben zurück, behielt jedoch bis zu seinem Tod das Amt als Bischof und erster Hofprediger und war weiterhin aktives Mitglied der Svenska Akademien.


14. Januar 1794: Erik Sjöberg und der Kampf gegen die literarischen Schulen
14. Januar 1814: Der Kieler Frieden einigt Schweden und Norwegen
14. Januar 1818: Der finnlandschwedische Schriftsteller Zacharias Topelius
14. Januar 1843: Der schwedische Historiker Hans Forssell
14. Januar 1864: Waldemar Bülow, Verleger und Politiker
14. Januar 1912: Ein Kreuzer für Kriegszwecke aus privaten Mitteln
14. Januar 1928: Lars Forssell und die Nachkriegsliteratur Schwedens
14. Januar 1963: Ingmar Bergman wird Chef des Dramaten in Stockholm
14. Januar 1996: Der schwedische Künstler Axel Wallenberg
14. Januar 2006: Der Mord an einem Jungen bringt ein neues Gesetz
14. Januar 2011: Sun Axelsson, die Welt der Diktaturen und der Bekenntnisroman

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 18. Februar 2017

Hans Larsson, Philosoph und Schriftsteller

Hans Larsson wurde am 18. Februar 1862 als Sohn eines Landwirts in Östra Klagstorp geboren und schrieb sich, nach der Hochschulreife an der Kathedralschule in Lund, an der Universität Lund ein um dort Philosophie zu studieren. Als Larsson 1893 den Doktor in Philosophie erworben hatte, wurde er auch zum Dezent in theoretischer Philiosphie an der Kronoberg Volkshochschule. Acht Jahre später, und einem Lehrauftrag in Uppsala, wurde Larsson dann im gleichen Fach zum Professor an der Universität Lund ernannt.

Der Philosoph Hans Larsson war ein starker Verfechter der Literatur und der philosophischen Denkweise der Zeit um 1880 und stellte Intuition und Ästhetik in Zusammenhang mit dem Kulturradikalismus, der diese Zeit prägte. Dabei stellte sich der Philosoph auch gegen die Denkweise von Verner von Heidenstam und Ola Hansson. Auf Grund seiner einfachen Herkunft war Larsson auch bereit die Philosophie in den Alltag zu bringen und einer breiten Schicht näher zu bringen, im Gegensatz zu Philosophen rein akademischer Herkunft. Dies verhalf Larsson auch dazu gewissermaßen eine eigene philosophische Richtung zu schaffen und die Denkweise innerhalb der Philosophie zu erneuern.

Hans Larsson gehört zu den wenigen Philosophen, die auch zur Belletristik griffen um ihre Denkweise nach außen zu tragen, wobei er mit seiner Logik, als bodenständiger Romantiker, auch gegen die Zeitströmung lief, da er die starke Nationalromantik, die immer mehr zu nationalistischen und antidemokratischen Gedanken führte, in dieser Konsequenz ablehnte. Dies zeigt sich auch sehr deutlich ab etwa 1910, als Larsson immer mehr in die politische Debatte einsteigt und seine Meinung auch in der Tagespresse ausdrückt. Dieser Charakterzug verhinderte es auch weitgehend dass Larsson, der am 16. Februar 1944 in Lund starb, innerhalb der Philosophie die Ehre erhielt, die ihm eigentlich zusteht.


18. Februar 1527: Peder Jakobsson wird als Staatsfeind hingerichtet
18. Februar 1602: Per Brahe der Jüngere und Visingsö im Vättern
18. Februar 1860: Anders Zorn, der internationalste Maler Schwedens
18. Februar 1862: Die Männergesellschaft Concordia in Örebro
18. Februar 1908: Das Dramaten in Stockholm, das Nationaltheater Schwedens
18. Februar 1928: Die schwedische Künstlerin Karin Larsson
18. Februar 1956: Ted Gärdestad und der Tod unter der Eisenbahn
18. Februar 1960: Per Hallström, der Schriftsteller der nordischen Schwermut
18. Februar 1981: Ebba von Sydow, Trendbücher die eine Generation beeinflussen

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Donnerstag, 2. Februar 2017

Der Erzbischof und Politiker Anton Niklas Sundberg

Als Anton Niklas Sundberg am 2. Februar 1900 als Erzbischof in Uppsala starb, hatte er nicht nur eine außerordentliche Karriere hinter sich, sondern er ging auch als der einzige im Bohuslän geborene Führer der schwedischen Kirche und der ungewöhnlichste Erzbischof Schwedens in die Geschichte ein, da Sundberg Humor hatte und, trotz seines Amtes, auch nicht zögerte zu fluchen und seine eigenen Grenzen testete. Zudem hält Sundberg einen anderen Rekord, denn nach der Reformation gab es bis heute keinen anderen Erzbischof, der dieses Amt so lange innehatte wie Sundberg.

Anton Niklas Sundberg war am 27. Mai 1818 als Sohn eines Hutmachers in sehr einfachen Verhältnissen in Uddevalle im Bohuslän zur Welt gekommen. Über seine Jugend ist nichts bekannt, da der spätere Erzbischof immer der Meinung war dass seine Kindheit keinerlei Rolle spielte und es nicht der Rede wert war darüber zu sprechen. Mit 18 Jahren begann Sundberg an der Universität Uppsala ein Studium der Theologie, das er 1845 mit einem Doktorat in Philosophie abschloss. Im gleichen Jahr wurde Sundberg auch zum Priester geweiht und vier Jahre später wurde er Studienrat für Theologie an der Universität Lund. In relativ kurzer Zeit wurde der Theologe dann zum Professor ernannt, Bischof in Karlstad und 1870, im Alter von 52 Jahren, war Sundberg Erzbischof und Prokanzler der Universität Uppsala.

Anton Niklas Sundberg war der letzte Erzbischof bevor sich die Kirche Schwedens erneuerte und modernisierte und hatte hierfür bereits den Weg geöffnet, Dies zeigt sich, unter anderem, in seiner Abhandlung zur Taufe des Jahres 1851, als er die Baptisten mit ihrer konservativen Einstellung als gefährlicher bezeichnete als die katholische Kirche, da diese die subjektive Meinung über objektive Fakten stellen. Sundberg wehrte sich auch gegen die Meinung dass ein Kind, das ohne Taufe stirbt, verdammt sei. Auch in seiner Rolle als Erzbischof zeugt die Meinung Sundbergs, der 1874 in die Svenska Akademien gewählt wurde, deutlich von einem Reformwillen, der in vielen Punkten bei seiner einfachen Herkunft zu suchen ist, da Sundberg Religion auch im täglichen Leben gesehen hatte und nicht die akademische Warte als allgemeingültig betrachtete.


2. Februar 1250: Erik Eriksson, der Lispelnde und Hinkende, wird König Schwedens
2. Februar 1455: Johan II. von Schweden (König Hans), König für vier Jahre
2. Februar 1621: Der schwedische Sprachwissenschaftler Johannes Schefferus
2. Februar 1854: August Bondeson, der Schriftsteller des schwedischen Volkes
2. Februar 1911: Jussi Björling, ein schwedischer Hofsänger
2. Februar 1913: Der Archäologe und Reichsantiquar Hans Hildebrand
2. Februar 1948: Ture Sventon, der merkwürdigste Privatdetektiv Schwedens
2. Februar 1983: Carolina Klüft gewinnt Gold beim Siebenkampf
2. Februar 1987: Karin Söder, erste weibliche Vorsitzende einer schwedischen 

Copyright: Herbert Kårlin


Dienstag, 17. Januar 2017

Die Schriftstellerin und Künstlerin Elsa Grave

Elsa Grave wurde am 17. Januar 1918 als Tochter eines Bergbauingenieurs in Norra Vram in Skåne (Schonen) geboren und besuchte ab 1935 das Mädchengymnasium in Helsingborg und nahm gleichzeitig Unterricht im Zeichnen, schrieb aber auch bereits erste Gedichte. Nach der Hochschulreife im Jahre 1938 schrieb sich Grave an der Universität Lund ein, nach eigenen Aussagen lediglich um Wissen zu sammeln, nicht um einen Beruf zu erlernen, was auch logisch klingt, denn Grave studierte parallel hierzu auch Kunst in Paris und anschließend bei Isaac Grünewald in Stockholm. Dennoch schloss sie ihr Studium in romanischen Sprachen, Kunstgeschichte und Religionsgeschichte in Lund 1942 mit einer Kandidatur in Philosophie ab.

Nach Ende ihres Studiums beschäftigte sich Elsa Grave sowohl mit der Malerei als auch der Dichtkunst ohne sich zwischen den beiden Bereichen wirklich entscheiden zu können. 1943 erschien dann der Gedichtband Inkräktare bei Bonnier und ein Jahr später hatte Grave auch ihre erste Kunstausstellung in Lund. Das Schicksal leitete Grave dann jedoch zur Literatur, denn während bereits ihr erstes Werk Dank ihrer Symbolsprache das Interesse der Kritik geweckt hatte, so veröffentlichte sie 1948 mit Bortförklaring geradezu ein Meisterwerk und wurde damit zu einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen der 40er Jahre, eine Vorreiterin der Modernisten.

Elsa Grave, die neben Gedichten auch Dramen schrieb, gehört zu jenen weiblichen Schriftstellerinnen, die in allen ihren Werken nicht nur eine Zeitkritik ausdrückt, sondern auch immer wieder auf die Rolle der Mutter innerhalb der Gesellschaft zurückkommt und damit auch eine wichtige Rolle innerhalb der Frauenbewegung Schwedens spielt. Elsa Grave, die die 1957 Halmstad zu ihrer Heimat machte und am 17. Juni 2003 in Laholm im Halland starb, wurde ab den 60er Jahren mit mehreren bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem 1963 mit dem Bellmanpriset, ist aber heute nahezu vergessen in der literarischen Landschaft Schwedens.


17. Januar 1861: Malla Silfverstolpe und der literarische Salon in Uppsala 
17. Januar 1909: Sven Hedin kehrt von seiner letzten Asienreise zurück 
17. Januar 1916: Die Eisenhütte Galtström bei Sundsvall
17. Januar 1938: Der schwedische Glaskünstler Bertil Vallien
17. Januar 1944: Jan Guillou, vom Sozialismus zum historischen Roman 
17. Januar 1944: Jan Guillou, der wegen Spionage verurteilte Schriftsteller 
17. Januar 1945: Raoul Wallenberg, ein schwedischer Held
17. Januar 1946: Jenny Nyström und die schwedischen Weihnachtstrolle 
17. Januar 1983: Der erste große Konflikt der Hotelbranche Schwedens
17. Januar 1994: Die schwedische Radiostation Mix Megapol 

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 16. Januar 2017

Der schwedische Schriftsteller C. V. A. Strandberg

Carl Wilhelm August Strandberg, bekannt als Talis Qualis, wurde am 16. Januar 1818 als Sohn eines Priesters in Sigtoma im Södermanland geboren und schrieb sich, nach seiner Hochschulreife in Strängnäs und einigen Jahren als Privatlehrer, 1834 an der Universität Uppsala ein, um jedoch bereits ein Jahr später zur Universität Lund zu wechseln. Ab 1844 war Strandberg dann als Journalist aktiv und arbeitete, unter anderem, auch beim Stockholms Dagblad. Zur gleichen Zeit veröffentlichte Strandberg auch seine ersten Gedichte, die unmittelbar ein bedeutendes Aufsehen erregten.

Die ersten Gedichte von C. V. A. Strandberg waren sehr stark vom sogenannten Jungen Deutschland geprägt und zeugten vom politischen Freiheitsdrang und der Unterstützung der Unterdrückten, was sich vor allem in seinem ersten Gedichtsband Sångar i pansar des Jahres 1845 sehr deutlich ausdrückt. Nur drei Jahre später zeigte der Poet dann bereits mehr Reife und weniger Aggression in seinen Gedichten, denn bei seinem Werk Vilda rosor des Jahres 1848 ist der Stil seiner Werke ausgeglichen und die politischen Botschaften verschwinden. Aus dem Revolutionär Talis Qualis war damit ein ausgereifter Dichter geworden.

Auf Grund seiner permanenten schlechten finanziellen Situation war  C. V. A. Strandberg gezwungen auch als Übersetzer zu arbeiten, eine Aufgabe, bei der seine wahre Fähigkeit hervorkam, denn nach zahlreichen Kritikern legte er die beste Übersetzung von Don Juan vor, die jemals in Schweden veröffentlicht wurde, denn Talis Qualis war in der Lage alle Gefühle des Originals ins Schwedische zu übertragen, als ob er die Handlung selbst erlebt hätte. Erst ab 1860 verbesserte sich die finanzielle Lage des Schriftstellers, als ihn die Svenska Akademien zu unterstützen begann und Strandberg damit offiziell als Poet anerkannt wurde. Nur zwei Jahre später wurde er dann auch in die Svenska Akademien gewählt. Am 5. Februar 1877 starb  C. V. A. Strandberg an seinem Schreibtisch.


16. Januar 1703: Erik Dahlbergh und die schwedischen Festungen
16. Januar 1814: Henning Hamilton und die Hamiltonaffäre
16. Januar 1878: Der schwedische Künstler Karl Isakson 
16. Januar 1900: Folkpartiet, die Volkspartei von der Idee bis heute 
16. Januar 1936: Schwedische Streichhölzer und die Stiftung Solstickan 
16. Januar 1940: Die finnischen Kriegskinder kommen in Schweden an 
16. Januar 1940: Kjell E. Genberg, der Vielschreiber unter den Autoren 
16. Januar 1992: Lotta Engberg und die Fernsehlotterie Bingolotto

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 6. Januar 2017

Sven Lovén und die Marine Zoologie in Schweden

Sven Lovén kam am 6. Januar 1809 als Sohn eines Handelsbürgermeisters in Stockholm zur Welt und begann nach seiner Hochschulreife im Jahre 1823 Zoologie an der Universität Uppsala zu studieren. Sechs Jahre später schloss er das Studium mit einem Magister ab und ein weiteres Jahr später wurde der Wissenschaftler zum Dozenten in Zoologie an der Universität Lund ernannt. Der Schwerpunkt seiner Forschungen lag um diese Zeit bei den Wirbeltieren, mit dem Schwerpunkt Vögel.

Die Änderung der wissenschaftlichen Richtung kam für Sven Lovén mit seinem Studienaufenthalt in den Jahren 1830 und 1831 in Berlin, wo er vor allem das Organisationsverhalten von Tieren studieren wollte, denn seine Lehrer waren Spezialisten für wirbellose Tiere, die anschließend Lovén für immer faszinieren sollten. Bereits 1930 machte er in diesem Bereich seine erste Forschungsreise an die Westküste Schwedens und Ende der 30er Jahre war der Wissenschaftler der erste Schwede der eine Forschungsreise nach Spitzbergen unternahm, wo er einen Zusammenhang zwischen der arktischen Fauna und jener während der Eiszeit in Schweden nachweisen konnte.

Ab den 40er Jahren spezialisierte sich Sven Lovén vor allem auf Mollusken, die er insbesondere an der Küste des Bohuslän erforschte. Die Leistungen Lovéns und seine zahlreichen Veröffentlichungen führten dazu, dass der Naturwissenschaftler 1840 zum Intendanten für wirbellose Tiere des Reichsmuseums ernannt wurde, im gleichen Jahr in die Wissenschaftsakademie gewählt wurde und ein Jahr später der erste Professor Schwedens für wirbellose Tiere wurde. 1877 gründete Sven Lovén dann eine marine Forschungsstation in Fiskebäckskil, die seit 2008 als Sven Lovén Zentrum der Universität Göteborg bekannt ist. Der Forscher selbst gilt heute als der erste Meeresbiologe Schwedens.


6. Januar 1430: Filippa von England wird in Schweden Königin 
6. Januar 1493: Olaus Petri und die schwedische Reformation 
6. Januar 1493: Olaus Petri, der schwedische Reformator
6. Januar 1809: Der schwedische Naturwissenschaftler Sven Lovén
6. Januar 1912: Johnny Bode, der schwedische Skandalschriftsteller
6. Januar 1912: Johnny Bode, der erste Punkstar Schwedens
6. Januar 1852: Der schwedische Künstler Carl Kylberg
6. Januar 1963: Gunnar Bohman, mit der Laute zum Weltruhm

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 30. September 2016

Die Wissenschaftssendung Fråga Lund

Am 30. September 1962 wurde im schwedischen Staatsfernsehen SVT erstmals die populärwissenschaftliche Sendung Fråga Lund ausgestrahlt, ein Programm, das sehr bald sehr viele treue Zuschauer hatte und, mit einigen Unterbrechungen, bis zum Jahr 2000 ausgestrahlt wurde. Das Prinzip der Sendung war, dass Wissenschaftler der Universität Lund die Fragen von Zuschauern auf eine möglichst einfache Weise erklärten und damit einen wichtigen Beitrag zur Allgemeinbildung leisteten, zumal die Fragen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Wissenschaft kamen.

Die Idee der Sendung Fråga Lund, die teilweise auch aus anderen Städten als Lund ausgestrahlt wurde, war die sogenannte dritte Aufgabe der Universitäten Schwedens wahrzunehmen, nämlich Wissen aus allen Bereichen einer möglichst breiten Schicht näher zu bringen, ohne jedoch banal zu werden oder die Wissenschaft in eine Show zu verwandeln. Im Jahr 2000 verknüpfte SVT die Fernsehsendung mit Internet und man konnte Fråga Lund nicht nur auf beide Methoden verfolgen, sondern nach der Fernsehsendung im Web sogar noch eine Art Fortsetzung sehen.

Nach über fünf Jahren Pause wollte SVT Fråga Lund wieder auferstehen lassen und plante für 2016 eine neue Saison der beliebten Sendung, allerdings in einer modernisierten Version mit dem Komiker Kristian Luuk als Moderator und Fragen, die mehr in ein Unterhaltungsprogramm passen als in eine populärwissenschaftliche Fernsehsendung. Bereits nach der ersten Sendung ließ die Reaktion nicht auf sich warten, denn die Zuschauer zeigten ihren Missmut unmittelbar auf Internet und den Kritikern in der Presse fehlte bei Fråga Lund jedes Niveau, auch wenn der Programmdirektor seine Sendung immer noch mit den besten Worten lobte.


30. September 1782: Die Gustavianische Opern in Stockholm
30. September 1916: Der schwedische Musiker Roland Bengtsson
30. September 1919: Ragnar Thoursie, ein Autor wider seinen Willen

30. September 1972: Die Ölandbrücke zwischen Småland und Öland
30. September 1984: Der schwedische Künstler Hilding Linnqvist
30. September 2002: Der schwedische Abenteurer Göran Kropp stürzt in den Tod

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 6. Juli 2016

Der schwedische Arzt und Dichter Anders Anderson

Anders Anderson kam am 6. Juli 1822 als Sohn eines Priesters in Ödestugu bei Jönköping zur Welt und schrieb sich im Jahre 1839, nach einer Hochschulreife im Gymnasium in Växjö, an der Universität Lund im Fachbereich Theologie ein. In Lund legte Anderson 1844 seinen Magister in Philosophie ab, studierte jedoch anschließend noch Medizin an der gleichen Universität. 1855 legte er sein Lizenziat in Medizin ab, zwei Jahre später auch in Chirurgie und 1863 beendete Anderson sein Doktorat. Bereits seit 1857 arbeitete er jedoch auch als Assistenzarzt am Karolinska Insititut, wo er nur ein Jahr nach dem Doktorat zum ersten Professor Lunds in Obstetrik (Geburtshilfe) und Gynäkologie ernannt wurde, was ihm 1875 die Aufnahme in die Svenska Akademien einbrachte.

Anders Anderson gehörte zu den bedeutendsten Schüler des Mediziners und Rassenbiologen Anders Retzius, der ihm auch mit Hilfe seiner Beziehungen zu einem schnellen Aufstieg verhalf. Im Rahmen seiner Professur war Anderson auch für eine kleine Krankenhausabteilung verantwortlich, die der Militär- und Gefängnisarzt Theodor Schagerström gegründet hatte. Über die tatsächliche Leistung Andersons als Professor ist nichts bekannt, da seine Vorlesungen nie in gedruckter Form erschienen, daher ist auch nicht bekannt welche Rolle der Arzt innerhalb der Rassenbiologie spielte.

Als Bewunderer des Dichters Esaias Tegner war Anders Anderson bereits als Student auch sehr aktiv in der Studentenbewegung und zeichnete sich auch als Redner und Dichter im Stile Tegnérs aus. Wie sein Bruder, Johan Andersson, widmete sich der Arzt auch nach seinem Studium in seiner Freiheit der Dichtkunst. Aus nicht erklärten Gründen erschien seine erste Gedichtsammlung jedoch erst 1889, als Anderson bereits 67 Jahre alt war. Weitere vier Jahre später gab Gustaf Ljunggren ein größeres Werk Andersons, der am 10. September 1892 in Östrabo gestorben war, heraus. Das bekanntest Prosawerk des Dichters ist ein biographisches Fragment über seinen Lehrer Anders Retzius.


6. Juli 1774: Vom Vorname Gustav zu Gustav Vasa
6. Juli 1823: Sophie Adlersparre und die schwedische Frauenbewegung
6. Juli 1859: Verner von Heidenstam und der Umbruch in eine neue Zeit
6. Juli 1859: Verner von Heidenstam, ein Erneuerer der schwedischen Literatur
6. Juli 1903: Der schwedische Biochemiker Hugo Theorell
6. Juli 1917: Der schwedische Architekt Rudolf Arborelius
6. Juli 1946: Die schwedische Sängerin Ulla Billquist 

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Freitag, 3. Juni 2016

Gustaf Cronhielm, Kanzleipräsident und Reichsrat

Als Gustaf Cronhielm am 3. Juni 1737 in Stockholm starb, konnte er auf eine bedeutende politische Karriere zurückblicken und er er hinterließ ein Vermächtnis, das ihn bis heute mit dem schwedischen Rechtssystem verbindet, denn mit der Überarbeitung und Bearbeitung der damaligen Gesetze schuf er das sogenannte Gesetz des Jahres 1734, das als die Grundlage der heutigen Gesetze in Schweden und in Finnland betrachtet wird. Es handelt sich dabei um die bisher letzte Gesamtrevision der schwedischen Gesetze, die das Kristofers landslag und die stadslagen ersetzte, also regionale und städtische Gesetze, ein Gesetz, das 1736 in Kraft trat..

Gustaf Cronhielm war am 18. Juli 1664 als Sohn eines deutschstämmigen Politikers in Stockholm zur Welt gekommen und studierte zwischen 1677 und 1682 an der Universität Uppsala, ein Studium, das er im Reichsarchiv und durch Studienreisen nach London und Paris ergänzte. Nach einem Jahr als Kammerherr am Hofe Württemberg rief ihn Karl XI. zurück nach Schweden um ihn dort zum Hofjunker zu ernennen, und wenig später zum Kammerherren des Kronzprinzen Karl, dem späteren Karl XII. Der wahre Aufstieg begann für Cronhielm jedoch erst 1698, nach dem Tod des Vaters, der Regierungspräsident im Västmanland gewesen war.

Gustav Cronhielm übernahm das Amt seines Vaters und begann sich ab dieser Zeit mehr und mehr für die Politik zu interessieren, was ihn schließlich über das Amt des Landmarschalls bis zum Hofkanzler und königlichen Berater führte. Mit diesen hohen Ämtern wurde Cronhielm zum Vorsitzenden der Rechtskommission ernannt, 1713 Kanzler der Universität Lund und 1719 Kanzler der Universität Uppsala. Nachdem Cronhielm jedoch 1719 den Kronprinzen kritisiert hatte, blieb seine seine Stellung am Hof bis zu seinem Lebensende etwas angespannt, aber auf Grund seiner Erfahrungen blieb er Reichsrat und verlor lediglich die Präsidentschaft des Kammerkollegiums.


3. Juni 1605: Hogenskild Bielke wird in Stockholm hingerichtet
3. Juni 1720: Der dritte Frieden von Stockholm
3. Juni 1924: Der Nobelpreisträger Torsten Wiesel
3. Juni 1954: Monica Törnell, vom Kinderstar zum Eurovision Song Contest
3. Juni 1990: Die schwedische Schauspielerin Aino Taube

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 26. Mai 2016

Der schwedische Schriftsteller Lorenz Peter Bagge

Lorenz Peter Bagge kam am 26. Mai 1775 als Sohn eines Kaufmanns in Göteborg zur Welt und studierte nach seiner Hochschulreife im Jahre 1788 an der Universität Lund Theologie. Einige Jahre nach Abschluss des Studiums begann er 1795 ein weiteres Studium an der Universität Uppsala, das er nur zwei Jahre später mit dem Kanzleiexamen beendete, das ihm theoretisch den Weg in die höhere Administration Schwedens ermöglichte. Allerdings zerschlug sich dieser Plan, da Bagge die schriftliche Aufnahmeprüfung im Kanzleikollegium nicht schaffte.

Das älteste überlieferte Gedicht von Lorenz Peter Bagge stammt aus dem Jahre 1790, dem vier Jahre später seine erste Gedichtsammlung Försök af en yngling folgte. Auch wenn dieser kleine Band sehr positiv von der Kritik aufgenommen wurde, so enthielt er nur einige wenige von Thomas Thorild, Carl Gustaf af Leopold und der deutschen Wertherbewegung beeinflusste Gedichte und überwiegend Übersetzungen der deutschen Schriftsteller Friedrich Gottlieb Klopstock, Christoph Martin Wieland und Salomon Gessner.

Nach dem Scheitern seiner Berufspläne verschlechterte sich die finanzielle Situation von Lorenz Peter Bagge. Leopold verhalf ihm jedoch zu einer Anstellung an der Svenska Akademien, was ihm wenige Jahre später ermöglichte eine längere Zeit nach Deutschland zu reisen und schließlich auch von der Regierung Pommerns beschäftigt zu werden. Als Pommern jedoch nach Dänemark abgetreten wurde, kehrte Bagge zurück nach Schweden. In diesen Jahren veröffentlichte Bagge einige wenige philosophische Schriften, übersetzte jedoch mehrere deutsche Theaterstücke ins Schwedische. Während Kritiker Bagge zu Beginn noch schätzten, bemerkten sie jedoch bald seine geringe intellektuelle Leistung, was dazu führte, dass Bagge die letzten Jahre vor seinem Tod am 11. November 1840 unter sehr bescheidenen Verhältnissen leben musste.


26. Mai 1879: Der Streik von Sundsvall, der erste Großstreik Schwedens
26. Mai 1888: Karolina Widerström, die erste Ärztin Schwedens
26. Mai 1931: Sven Delblanc und die Nachkriegsliteratur Schwedens
26. Mai 1931: Sven Delblanc, Autor und Literaturwissenschaftler
26. Mai 1931: Die pädagogische Reformatorin Anna Sandström 
26. Mai 1943: Alice Tegnér und die Kinderlieder Schwedens
26. Mai 2012: Die schwedische Sängerin Loreen und der ESC

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Mittwoch, 30. März 2016

Axel Herrlin, Philosoph, Psychologe und Pädagoge

Axel Herrlin kam am 30. März 1870 als Sohn eines Priesters in Östra Vemmenhög zur Welt und studierte ab 1887 Philosophie an der Universität Lund. Nach einer Kandidatur und einem Lizenziat in Philosophie promovierte Herrlin 1892 im gleichen Bereich in Lund. Im gleichen Jahr wurde er als Dozent in Theoretischer Philosophie an der Universität Lund angestellt, um jedoch 1906 in gleicher Eigenschaft an die Hochschule in Göteborg zu wechseln. 1910 erhielt er vom Karolinska Institut die Ehrendoktorwürde in Medizin. Ein Jahr später wurde er zum Professor ernannt und 1912 wurde Herrlin der erste Professor für Psychologie und Pädagogik an der Universität Lund.

Axel Herrlin gilt als einer der Pioniere der modernen Philosophie in Lund und vertrat, im Gegensatz zu Lehre der Universität Uppsala, die Meinung dass Philosophie und Naturwissenschaft eng miteinander verknüpft seien. In seinen zahlreichen Schriften geht der Philosoph auch so weit die kulturelle Entwicklung im historischen Zusammenhang zur Philosophie zu erklären. Für Herrlin war keine wissenschaftliche Richtung von der Philosophie zu trennen, die, in seinen Augen, die Verbindung zwischen jedem Wissen und jeder Entwicklung ist. Auch als Herrlin Professor in Psychologie und Pädagogik war, bettete er diese Bereiche in der Philosophie ein.

Auch innerhalb der Psychologie war Alex Herrlin, der am 10. Oktober 1937 starb, ein Pionier, denn er war der erste Psychologe, der in Schweden die Forschungsmethoden der Experimentalpsychologie einführte und damit auch die Grenzbereiche der Psychologie wie Psychiatrie, Okkultismus und Spiritismus in seinen Forschungen und Schriften integrierte. Mit seinen Arbeiten über die Zuverlässigkeit und die Krankheiten der Seele griff Alex Herrlin auch in die Entwicklung des Strafrechts in Schweden ein, da er die Basis für die Bewertung der Zurechnungsfähigkeit eines Täters legte. Herrlin legte in Schweden auch die Basis für die psychologische Untersuchung für Piloten, aufbauend auf die Erkenntnisse anderer Länder.


30. März 1796: Johan Simmingsköld, ein homosexueller Schriftsteller im 18. Jahrhundert
30. März 1798: Torsten Rudenschöld, der Gründer der schwedischen Volksschule
30. März 1808: Gustaf Fredrik Gyllenborg, der Satiriker des 18. Jahrhunderts
30. März 1858: Arvid Nordquist, eine Erfolgsgeschichte Schwedens
30. März 1920: Jan Olof Olsson, der historische Roman und Reiseschilderungen
30. März 1926: Ingvar Kamprad und das schwedische Imperium Ikea
30. März 1933: Filip Månsson und die öffentliche Kunst Schwedens
30. März 1944: Pauline Brunius, die erste Frau, die das Dramaten leitete
30. März 1976: Dampferfahrt auf dem schwedischen See Mjörn

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Montag, 25. Januar 2016

Arvid Carlsson und der Nobelpreis in Physiologie oder Medizin

Arvid Carlsson kam am 25. Januar 1923 als Sohn eines Professors in Uppsala zur Welt, wuchs jedoch in Lund auf, wo sein Vater 1926 als Professor an die Universität Lund berufen wurde. Als eine Art Revolte gegen die humanistische und kunstbezogene Erziehung der akademischen Familie entschied sich Carlsson nach seiner Hochschulreife Medizin zu studieren um, nach eigenen Aussagen, etwas sinnvolleres als Kunst zu schaffen. Das Medizinstudium in Lund, das Carlsson 1941 begann, wurde indes vom Militärdienst unterbrochen so dass er dieses erst 1951 mit einem Lizenziat und einem Doktorat beenden konnte.

Noch während seines Medizinstudiums entschied Arvid Carlsson sich auf die Forschung in Pharmazie zu spezialisieren, nicht zuletzt deswegen, weil er bereits 1944 eine unbezahlte Nebenbeschäftigung im pharmakologischen Institut erhalten hatte und damit die Bedeutung von Medikamenten innerhalb der Medizin erkannt hatte. Für seine spätere Forschung ausschlaggebend war jedoch Professor Gunnar Ahlgren, der Carlsson mit der Erforschung des Metabolismus von Calcium betraute, denn auch wenn das ursprüngliche Forschungsziel nicht erreicht wurde, konnte Carlsson während seiner Arbeit feststellen dass Calcium nicht nur eine Rolle im Metabolismus spielt, sondern auch vom menschlichen Skelett aufgenommen wird.

Im Jahre 2000 wurde Arvid Carlsson der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen, den er mit zwei weiteren Forschern teilte. Carlsson war es gelungen die Signalsubstanzen im Nervensystem zu entdecken, gewissermaßen die Sprache der einzelnen Nervenzellen. Eine dieser Substanzen ist Dopamin, das die Bewegungen eines Körpers kontrolliert, also teilweise auch Parkinson erklären kann. Dank seiner Forschung war es gelungen Medikamente zu entwickeln, die bei Parkinson eingesetzt werden können und zumindest die Entwicklung der Krankheit bremsen können.

Copyright: Herbert Kårlin