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Freitag, 19. April 2019

Der Reichsrat Emanuel De Geer

Emanuel De Geer wurde am 19. Oktober 1748 als Sohn eines Fabrikbesitzer geboren und entschied sich sehr früh für eine militärische Laufbahn. Im Jahr 1764 wurde er Fähnrich der Leibgarde, aber schon sieben Jahre später gab er dann seinen Dienst auf um bei der Witwenkönigin Lovisa Ulrika Kammerherr zu werden. In den kommenden Jahren hatte er mehrere diplomatische Aufträge, bis er 1786 dann von Gustav III. als Reichsrat zurück nach Stockholm gerufen wurde. Als intelligenter Politiker entdeckte er sehr bald, dass der König den Reichsrat auflösen wollte um nur einige Getreue um sich zu sammelt. Im Jahr 1787 bat er daher um seinen Abschied und konnte damit jede Konfrontation mit Gustav III. vermeiden.

Politisch nimmt Emanuel De Geer eine gewisse Sonderstellung am Hof ein, da er an keinerlei Intrigen interessiert war und daher die vermutlich einzige neutrale Person war, die dem König nahestand. Gustav III. wollte diese Neutralität zu seinen Gunsten ausnutzen, erst indem er De Geer als Diplomat nach Haag schickte, damit dieser dort die politische Tendenz ausspioniere, später um De Geer zu einer Einflussnahme bei den Verwandten des Königs zu bewegen, da das eigene Geschlecht sich als die größte Gefahr für die Macht des Königs zeigte. Beide Aufträge erfüllte De Geer auf diplomatische Weise, ohne dass er jedoch auch nur für eine der Seiten Stellung nehmen musste.

Bevor sich Emanuel De Geer, der am 19 April 1803 starb, 1787 ganz aus der Politik zurückzog, kämpfte er auch noch gegen zwei andere Punkte, die er als schädlich für Schweden betrachtete. Zum einen wollte er den Pastoratverkauf durch Adelige unterbinden, die teilweise das gleiche Pastorat gegen viel Geld an mehrere Priester verkauften, obwohl nur ein Priester das Amt auch antreten konnte, zum anderen wollte er Gustav III. dazu bewegen die königlichen Alkoholbrennereien abzuschaffen, die der König ohne Beratung im Reichstag geschaffen hatte, sondern das Alkoholbrennen allgemein wieder zulassen, jedoch den Alkohol mit einer Steuer zu belegen. In beiden Fällen konnte De Geer nur teilweise von Erfolg reden.


19. April 1552: Olaus Petri und die schwedische Reformation
19. April 1632: Sigismund, ein König nicht wie die anderen
19. April 1738: Der schwedische Bischof Johan Wingård
19. April 1819: Der schwedische Fabrikant John Lenning
19. April 1864: Der schwedische Architekt Erik Lallerstedt
19. April 1868: Der Architekt Erik Julius Lallerstedt
19. April 1873: Die Künstlerin und Schriftstellerin Ruth Milles
19. April 1892: Sigfrid Lindström und die moderne Welt der Sagen
19. April 1916: Der Trollhätte-Kanal wird für den Verkehr geöffnet
19. April 1958: Von Trelleborg nach Sassnit
19. April 1986: Der schwedische Komponist Dag Wirén
19. April 2004: Per Verner-Carlsson, der Revolutionär des schwedischen Theaters

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 1. Oktober 2016

Das schwedische Mellanöl, weder Starkbier noch Schwachbier

Bereits 1956 tauchte in Schweden erstmals die Frage nach einem sogenannten Mellanöl („Zwischenbier“) auf, das vom Alkoholgehalt in etwa dem internationalen Pilsner entspricht. Die Idee dabei war ein Bier anzubieten, das gut zum Essen passt, ohne jedoch die volle Stärke eines Starköl, eines Starkbiers, zu erreichen. Dieses erste Projekt wurde jedoch sehr schnell niedergelegt und erst am 1. Oktober 1965 sollte dann ein Mellanöl zugelassen werden, und zwar zum Verkauf in normalen Lebensmittelgeschäften und, dank eines geringeren Steuersatzes, auch zu einem relativ günstigen Preis.

Der Erfolg des Mellanöl war entsprechend groß und entsprach mit seinen 4,5 Prozent an Alkohol auch dem Geschmack der Biertrinker, die man mit Lättöl (Schwachbier, Dünnbier), das in Schweden meist 2,2 Prozent Alkohol enthält, nicht überzeugen konnte. Bereits am ersten Tag, an dem Mellanöl zugelassen wurde, fand man in den Läden nicht weniger als 35 verschiedene Sorten an Mellanöl. Allerdings gab es beim Verkauf von Mellanöl einige Beschränkungen, denn im Gegensatz zu Dünnbier, durfte Mellannöl nicht mehr nach 20 Uhr verkauft werden, und auch nicht an Sonntagen.

Bereits 1977 sollte das Mellanöl jedoch wieder aus den Lebensmittelläden verbannt werden, die Steuer wurde angehoben und der Verkauf ging auf die staatliche Systembolaget über. Als Ursache galt das Problem dass Jugendliche sich ebenfalls von Starköl angezogen fühlten und dabei weniger an ein Getränk zum Essen dachten, sondern sich damit berauschten. Auch wenn keine wissenschaftliche Untersuchung angestellt wurde ob diese Behauptung stimmte, so gelten bis heute die Jugendlichen als der Tod des Verkaufs von Mellanöl in normalen Lebensmittelläden. Auch wenn es heute, steuerlich gesehen, keinerlei Mellanöl mehr in Schweden gibt, sondern nur noch Lättöl und Starköl, lebt der Name Mellanöl auf Bierdosen und in Kneipen fort, in der Hoffnung dabei an den Ruf der 60er und 70er Jahre anzuknüpfen.


1. Oktober 1408: Karl Knutsson wird dreimal König Schwedens
1. Oktober 1559: Katarina Vasa gewinnt Einfluss in Ostfriesland
1. Oktober 1779: Tammerfors (Tampere) wird von Gustav III. gegründet
1. Oktober 1780: Göran Wahlenberg und die Ökologie der Pflanzen
1. Oktober 1800: Peter Wieselgren und die schwedische Abstinenzbewegung
1. Oktober 1808: Thomas Thorild, der revolutionäre Schriftsteller des 18. Jahrhunderts
1. Oktober 1828: Ebba Ramsay, die Gründerin des Krankenheims Vilhelmsro
1. Oktober 1858: Das schwedische Züchtigungsrecht wird gemindert
1. Oktober 1938: Alf Svensson, 31 Jahre lang Vorsitzender einer Partei
1. Oktober 1952: Anders Larsson, der Autor mit der Neigung zum Absurden
1. Oktober 1977: Der Göteborger Flughafen Landvetter 

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 7. September 2016

Die Hernö Gin-Destillerie

Am 7. September 2012 wurde in Dala, am Rande von Härnösand, die weltweit nördlichste Gin-Destillerie gegründet, die in kürzester Zeit mehr Preise für die Qualität ihres Gins errang als jede andere Destillerie. Im Jahr 2016 erhielt der klassische Gin der Hernö brenneri vom IWSC den Titel der beste Gin-Destillerie weltweit. Die kleine Destillerie aus dem Norden erhielt bei dieser Gelegenheit nicht nur die Gin & Tonic Trophy, sondern auch ein Gold Outstanding, eine Goldmedaille und fünf weitere Medaillen. Wenn man bedenkt, dass an dieser Ausscheidung 90 Länder teilnahmen, so kann man sich vorstellen wie stolz die Besitzer der Hernö brenneri in ihren Ort zurückkehrten.

Die Sensationsgeschichte begann im Grunde bereits 1999, als Jon Hillgren mit einigen Freunden nach London ging um dort als Bartender zu arbeiten. Als er im Zentrum der Gin-Fabrikation dieses typisch britische Getränk kennen lernte, war er vom Geschmack fasziniert, sammelte jede Information über Gin und besuchte so viele Destillerien wie möglich um alles über die Herstellung von Gin zu erfahren. Im Jahr 2011 entschied sich Hillgren dann die erste schwedische Gin-Destillerie zu gründen und Mitglied in der erlesenen Gruppe der rund 160 offiziellen Gin-Destillerien weltweit zu werden.

Die Hernö Destillerie ist aber nicht nur wegen der Qualität des Gin einzigartig, sondern das Gebäude ist in klassischer schwedischer Holzbauweise entstanden, die nötige Energie kommt von eigenen Solarzellen und sämtliche Zutaten wurden auf ökologische und haltbare Weise gewonnen, inklusive der Vanille aus Madagaskar und den Preiselbeeren aus Schweden. Mittlerweile sind 16 Gin-Liebhaber Teilhaber der Destillerie in Dala und die Nachfrage nach ihrem Produkt steigt, obwohl die Hernö brenneri, wie alle anderen Hersteller von Alkohol in Schweden, ihre Ware nur über die staatlichen Systembolaget vertreiben dürfen.


7. September 1450: Katarina Karlsdotter wird die Königin Schwedens
7. September 1520: Die Eroberung Stockholms durch Kristian II.
7. September 1620: Söderhamn wird zur Stadt erhoben
7. September 1631: Die Schlacht bei Breitenfeld und der schwedische Sieg
7. September 1661: Gunno Dahlstierna, Mundart in der schwedischen Literatur
7. September 1818: Karl XIV. Johan erhält die Krone Schwedens
7. September 1888: Märta Lindqvist, Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin 
7. September 1909: John Wigforss, vom Bohème-Revolutionär zum Konservatismus

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 1. Juli 2016

Schweden entscheidet sich für 0,2 Promille im Verkehr

Im Jahre 1920 konnte man nach der schwedischen Straßenverkehrsordnung nur dann seinen Führerschein erhalten, wenn man dafür bekannt war grundsätzlich nüchtern zu sein, was jedes berauschte Auftreten in der Öffentlichkeit ausschloss. Wenn man um diese Zeit die zulässige Höchstgeschwindigkeit in berauschtem Zustand überschritt, ohne dass hierbei eine Promille-Grenze existierte, so musste man mit drei Monaten Gefängnis rechnen. Ab 1930 gab es bei Alkohol am Steuer auch ohne Geschwindigkeitsüberschreitung eine Gefängnisstrafe, was bedeutete, dass im Grunde die Null-Promille-Grenze galt.

Im Jahre 1941 wurde dann die Alkoholgrenze am Steuer in Schweden auf 0,8 Promille festgelegt, was auch in Anlehnung an die Gesetze anderer Länder geschah. Bereits 1957 wurde dieses Gesetz erneut geändert und die neue Höchstgrenze von 0,5 Promille eingeführt. Auch wenn die meisten Industrieländer diese Alkoholgrenze bis heute beibehielten, entschied sich die schwedische Regierung bereits zum 1. Juli 1990 dazu die Alkoholgrenze am Steuer erneut zu senken, dieses Mal auf 0,2 Promille. Als man jedoch feststellte, dass viele Richter des Landes Alkoholsünder nur zu Bußgeld verurteilten, kam 1994 ein Zusatzgesetz, das bei einem Alkoholgehalt von ab einem Promille sehr hohe Strafen vorsieht, nämlich bis zu zwei Jahren Gefängnis.

Auch wenn heute die Alkoholgrenze in Schweden bei 0,2 Promille liegt, so bedeutet dies, dass man bei einer Polizeikontrolle bis zum maximalen Messwert von 0,23 Promille weiterfahren darf. Dieses Gesetz gilt auch für Mopedfahrer und Fahrradfahrer, was viele Bürger nicht wissen. Bei Drogen gilt in Schweden die Null-Toleranz, was sich auch auf gewisse Medikamente erstreckt, die das Fahrverhalten beeinträchtigen können. Trotz dieser harten Gesetze sitzen, nach einer Hochrechnung der Polizeistatistiken, jede Stunde rund 500 Personen betrunken am Steuer, was das Unfallrisiko auf Schwedens Straßen bedeutend erhöht.


1. Juli 1350: Die Hinrichtung von Tidericus auf Gotland
1. Juli 1855: Die erste Briefmarke Schwedens
1. Juli 1885: Der schwedische Flugpionier Hjalmar Nyrop
1. Juli 1891: Sten Selander, vom Poeten zum Naturschützer Schwedens
1. Juli 1971: Arbeitsregelungen für Hausangestellte in Schweden
1. Juli 1984: HMS Halland, der letzte Zerstörer der schwedischen Marine
1. Juli 2000: Über die Öresundbrücke (Öresundsbro) nach Schweden
1. Juli 2009: Das Monopol für Apotheken wird in Schweden abgeschafft

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 15. Juni 2016

Der Schriftsteller und Poet Marcus Birro

Marcus Birro kam am 15. Juni 1972 als Sohn eines italienischen Vaters und einer schwedischen Mutter in Göteborg zur Welt und wuchs unter bescheidenen Verhältnissen in einem Vorort der Stadt auf. Die Ehe der Eltern zerbrach als Birro 16 Jahre alt war und stürzte den Jugendlichen zwischen zwei Welten, nämlich zwischen das väterliche Italien und die schwedische Erziehung. Birro begann in einer Rockband zu spielen, nahm verschiedene Jobs an und besuchte zeitweise die Universität, ohne jedoch je ein seriöses Studium zu beginnen. Seine umfassenden Kenntnisse sammelte er nach einer persönlichen Methode.

Marcus Birro suchte den Weg nach oben. Zwischen 1999 und 2009 konnte man ihn in unterschiedlichen Radioprogrammen hören, er tauchte immer öfter im Fernsehen auf und zeigte sich, unter anderem, als Fußballspezialist. In diesen Jahren tauchte auch die religiöse Neigung Birros auf, der zwar Mitglied der Svenska Kyrkan ist, jedoch seit Jahren davon spricht zum Katholizismus überzutreten. Das gespaltene Wesen Birros zeigt sich jedoch nicht nur in der Religion, denn durch das starke Vertreten seiner persönlichen Meinungen durch provokative Aussagen wird er in Schweden gleichzeitig zum Vorbild als auch zur Hassfigur, die Morddrohungen erhält. Das Selbstvertrauen des Poeten, wie er sich selbst beruflich bezeichnet, ist enorm, so dass er die Kritik an seiner Person nur selten versteht.

Ab 2014 bricht die Karriere von Marcus Birro ein, denn er kritisiert offen den Islam und ist in einem Podcast der Sverigedemokraterna zu hören. Expressen entlässt Birro, und auf Grund seiner kontroversen Stellungsnahmen verliert er weitere drei Daueraufträge. Auch die Ehe beginnt in eine Krise zu geraten, und als 2015 bekannt wird dass der Christ mit der Ehefrau eines führenden Sverigedemokraten ein Verhältnis hat, wird Birro von vielen Seiten ganz gemieden. Marcus Birro besitzt, nach eigenen Aussagen, ausschließlich die italienische Nationalität, was ihm 2010 zum Verhängnis wurde, als er sich zum Vorsitz der Christdemokraten bewerben wollte. Als Literat macht sich Marcus Birro vor allem als trockener Alkoholiker einen Namen, da er bereits sehr viel über seinen Weg aus dem Alkohol schrieb.


15. Juni 1587: Freiherr Gabriel Gustafsson Oxenstierna
15. Juni 1587: Gabriel Gustafsson Oxenstierna auf Tyresö Schloss
15. Juni 1744: Maria Kristina Kiellström, bekannt als Ulla Winblad
15. Juni 1866: Die Stockholmer Ausstellung des Jahres 1866
15. Juni 1926: Gun Kessle und die Dritte Welt
15. Juni 1981: Kodjo Akolor, Komiker wider seinen Willen
15. Juni 1998: Jokkmokks-Jokke und das schwedische Volkslied

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Mittwoch, 16. März 2016

Die Kinderzeitschrift Kamratposten

Am 16. März 1892 gründete die Lehrerin und Frauenrechtlerin Stina Quint die Zeitschrift Folkskolans barntidning, die in einem Rhythmus von drei Wochen erschien und sich an die Altersgruppe zwischen acht und 15 Jahren richtete. Nach der Idee von Quint sollte diese Zeitschrift eine Art unendliches Buch sein, denn beim Inhalt handelte es sich, neben Rätseln, vor allem um Erzählungen bekannter Schriftsteller, die die Kinder im Gottesglauben stärken sollten, aber zur Liebe zur Heimat und dem Tierschutz anhalten sollte, und natürlich die Gefahr von Alkohol hervorzuheben hatte. Sehr wichtig war Quint auch die Sparte mit Leserbriefen, deren Antworten alle mit Nisse tidningstomte unterzeichnet waren.

Stina Quant und ihre Nachfolger gaben die Folkskolans barntidning bis 1930 mit Unterstützung des Königshauses heraus, verkauften sie dann jedoch an den Verlag Åhlén & Åkerlund, der später im Zeitschriftenkonzern Bonnier aufging. Unter dieser Regie wurden bald die ersten Seiten farbig und gleichzeitig begann auch Astrid Lindgren regelmäßig für die Kinderzeitschrift zu arbeiten, die bis 1950 das ursprüngliche Konzept aufrecht hielt, sich dann allerdings den moderneren Strömungen anpasste und auch den Namen vom Folkskolans barntidning in Kamratposten änderte.

Kamratposten, die heute ein relativ bescheidenes Dasein führt und Kindern mittlerweile vor allem von Eltern und Verwandten geschenkt wird, hatte seinen größten Erfolg ab 1969, als die Zeitschrift Kamratposten die Sexologin
Maj-Briht Bergström-Walan für eine regelmäßige Spalte gewinnen konnte, die bedeutend zur Aufklärung in dieser Altersgruppe beitrug und heute unter Kropp & Knopp weitergeführt wird. Kamratposten richtet sich heute vor allem an die Altersgruppe zwischen sechs und dreizehn Jahren, kann sich jedoch auch mit neueren Konzepten nur noch schwer durchsetzen. Kamratposten gehört zu den wenigen Zeitschriften Schwedens in denen man keine Werbung findet, wobei Bonnier die Rentabilität zum einen im Verkauf von Abonnements, aber auch im Angebot von Produkten, die die entsprechende Altersgruppe ansprechen, sieht.

16. März 1596: Ebba Brahe, die Geliebte des Königs Gustav II. Adolf
16. März 1757: Bengt Lidner, der Skalde, der in Ungnade fiel
16. März 1792: Mord auf dem Maskenball
16. März 1835: Der Buchdrucker Nils Magnus Lindh wird zum größten Verleger Schwedens
16. März 1846: Der schwedische Mathematiker Gösta Mittag-Leffler
16. März 1878: Schweden übergibt seine letzte Kolonie Saint-Barthélemy an Frankreich
16. März 1940: Selma Lagerlöf, christliche Literatur und Frauenbewegung
16. März 1957: Das Motel Gyllene Ratten in Stockholm
16. März 1968: Gunnar Ekelöf, der erste surrealistische Autor Schwedens
16. März 1970: Karl Gustav Ossiannilsson, nationalistisches Denken als Arbeiterliterat
16. März 1971: Der schwedische Stand-up Künstler Jakob Öqvist

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 21. Januar 2016

Die Stockholmer Stadtmission und ihre Entstehung

Der Name Stockholms Stadsmission (Stockholmer Stadtmission) geht bis zum 21. Januar 1856 zurück, auch wenn die Hilfsorganisation bereits viele Jahre früher von christlichen Gruppen gegründet worden war. Nur wenig nach der Namensgebung verließen die Lutheraner, die mittlerweile die Evangeliska Fosterlandsstiftelsen gegründet hatten, jedoch die die intensive Zusammenarbeit mit der Stadtmission so dass dann fast ausschließlich die Baptisten in der Stadtmission vertreten waren und die Lutheraner nur noch einen geringen Einfluss ausübten, der 1912 endgültig aufhörte, da die Lutheraner dann endgültig andere Wege  einschlugen.

Im Jahre 1912 entschied sich der Vorstand der Stadtmission auch dazu nach einem eigenen Gebäude für die verschiedenen sozialen Aktivitäten zu suchen, was dazu führte dass die Stockholms Stadsmission zwei Häuser am Stortorget kaufte, die nach einem Umbau im Jahre 1915 eingeweiht wurden und bis heute die zentralen Lokale und der Sitz der Stadtmission sind. Lediglich die Second Hand Shops und sekundäre Aktivitäten sind über ganz Stockholm verteilt.

Die Grundidee der Stockholmer Stadtmission ist, aufbauend auf eine christliche Einstellung, Stockholm zu einer menschlichen Stadt zu machen. Während sich die Arbeit der Stadsmission anfangs auf ältere Personen, Kranke und Kinder ausrichtete, helfen sie heute vor allem Obdachlosen, Alkoholikern und Drogenabhängigen bei ihrem Weg zurück in die Gesellschaft. In diesem Rahmen gründete die Stockholms Stadsmission nicht nur Beratungsstellen, Familienkolonien, Schulen und andere Einrichtungen in dieser Richtung, sondern auch kleinere Unternehmen, die dem Arbeitstraining von Langzeitarbeitslosen dienen und für diese einen erster Schritt zurück ins Berufsleben bietet.

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 5. November 2015

Die Guttempler-Loge Schwedens wird in Göteborg gegründet

Nach Aufzeichnungen von Sigfrid Wieselgren lag der Alkoholkonsum in Schweden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei knapp 50 Liter Alkohol pro Personen, was zu extremer häuslicher Gewalt und hoher Armut in großen Teilen der Bevölkerung führte. Aus diesem Grund entstanden ab 1830 in ganz Schweden vor allem freichristlich geführte Gruppen die gegen den hohen Alkoholkonsum angingen. Die Folge davon war, dass sich der Alkoholkonsum zwischen 1830 und 1850 nicht nur halbierte, sondern auch der Zustrom zu antialkoholischen Vereinen stieg stark an.

Da diese Vereine jedoch nur lokal existierten und nur in sehr geringer Weise zusammenarbeiteten, gründete der Baptist Olof Bergström, gemeinsam mit etwa 40 Gleichgesinnten, am 5. November 1879 in Göteborg die erste Nüchternheitsloge, die Guttempler, eine Bewegung, die Bergström während seiner Reisen in die USA und nach England entdeckt hatte. Im Gegensatz zu den früheren Bewegungen der lokalen Vereine, die in Göteborg bereits unter Peter Wieselgren, dem Vater Sigfrid Wieselgrens, entstanden waren, war Bergström ein strikter Abstinenzler, denn Wieselgren erlaubte noch zu bestimmten Gelegenheiten den Alkoholkonsum. Allerdings hatte es Bergström auch weitaus einfacher sich für die Abstinenz einzusetzen, denn 1856 lag der Alkoholkonsum in Schweden nur noch bei rund zehn Litern pro Person, also bei 20 Prozent der Menge, die noch zu Beginn des Jahrhunderts getrunken worden waren.

Allerdings wollte die Guttempler-Loge Schwedens nicht nur zur absoluten Alkohol-Abstinenz führen, sondern veränderte auch in sehr vielen anderen Punkten die Gesellschaft, denn innerhalb der Loge galt bereits 1879 die Gleichstellung aller Mitglieder, unabhängig der Religion oder der Hautfarbe und der demokratische Gedanke war tief verwurzelt. Zum anderen setzten sich die Guttempler massiv für die Volksbildung ein und sorgten für eine medizinische Aufklärung der schwedischen Bevölkerung. Im Geiste der Zeit teilte sich die Loge jedoch bald in verschiedene Richtungen, denn 1883 entstand das Blaue Band, das vor allem einen deutlich christlichen Stempel hatte und 1890 kam, unter Emilie Rathou, das Weiße Band hinzu, eine Gruppe, die nur Frauen offen war.


5. November 1818: Esaias Tegnér, Aufstieg und Fall einer schwedischen Legende
5. November 1829: Die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg
5. November 1919: Die schwedische Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen
5. November 1921: Gustaf Fredrikson, vom Schauspieler zum Theaterdirektor
5. November 1932: Sonora, das schwedische Label für Schallplatten

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Samstag, 7. März 2015

Der Aufstieg des Grafen Carl Gustaf Löwenhielm

Als Carl Gustaf Löwenhielm am 7. März 1768 in Stockholm starb, ging er als einer der bedeutendsten Politiker der Hutpartei in die Geschichte Schwedens ein, obwohl viele seiner Handlungen im Hintergrund des politischen Geschehens abliefen und Löwenhielm, der unter dem Namen Carl Gustaf Nordberg geboren worden war und seinen Namen bei der Erhebung des Vaters in den Adelsstand erhielt, im Verdacht stand Bestechungsgelder aus dem Ausland akzeptiert zu haben um die schwedische Politik entsprechend zu beeinflussen, eine Anschuldigung, die allerdings nie offiziell bewiesen wurde.

Carl Gustaf Löwenhielm kam am 5. Januar 1701 zur Welt und machte nach seinem Studium an der Universität Uppsala sehr schnell eine politische Karriere und wurde bereits 1729 zum Regierungspräsidenten im Dalsland ernannt. Ab 1738, als Löwenhielm Regierungspräsident im Värmland wurde, begann er im Reichstag für die Ziele der Hutpartei einzutreten, was 1740 dazu führte, dass Löwenhielm in den geheimen Ausschuss einging, der die Friedensbedingungen mit Russland ausarbeitete, obwohl der Krieg mit Russland nicht nicht erklärt war. Diese Friedensbedingungen waren später tatsächlich die Grundlage bei den Friedensverhandlungen der beiden Länder.

Der Einfluss von Carl Gustaf Löwenhielm, der auch bedeutende Industrieanlagen für die Eisenindustrie im Värmland besaß, stieg in den folgen Jahren weiterhin an. Der Politiker spielte vor allem in zwei weiteren Punkten eine wichtige Rolle für Schweden, denn zum einen sorgte er für eine Stabilisierung des Staatshaushalts, unter anderem durch das Verbot der Herstellung von Branntwein und die Einführung der Überflussverordnung (överflödsförordningen), die den Import von damaligen Luxusgütern wie Seide, Kaffee und Schokolade einschränkte, damit nationale Produkte gefördert werden konnten. Zum anderen erhielt er 1765 den Auftrag über eine Zusammenarbeit mit England und Russland zu verhandeln ohne jedoch das Bündnis mit Frankreich zu gefährden. Letzteres gelang dem Politiker allerdings nicht, denn als Frankreich von den Verhandlungen erfuhr, löste das Land seine Abkommen mit Schweden.


7. März 1785: Sklaverei in schwedischer Kolonie 
7. März 1897: Der schwedische Sportklub Hammarby IF 
7. März 1905: Anna Wästberg, Dichtung und Theater im 19. Jahrhundert 
7. März 1932: Ein dreifacher Mord und zwei Selbstmorde 
7. März 1965: Lady Louise Mountbatten wird Königin von Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

In Scandic Hotels wohnen

Montag, 9. Februar 2015

Das Alkoholmonopol in Schweden

Auch wenn der Beginn des schwedischen Alkoholmonopols Systembolaget erst 1917, damals unter dem Namen AB Vin & Spritcentralen, entstand, so geht das tatsächliche Alkoholmonopol bereits bis auf den 9. Februar 1910 zurück, damals allerdings noch auf ganz andere Weise, denn an diesem Tag übernahm Nils Mathiasson auch die letzte große Firma Schwedens, die um diese Zeit alkoholische Getränke herstellte, und gründete in Stockholm die Reymersholmens gamla Spritförädlings AB. Neben dieser Firma gab es ab diesem Datum nur noch kleinere, überwiegend private, Brennereien, die oft ohne jede Genehmigung Alkohol herstellten.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts, nach seiner Rückkehr aus Amerika, hatte Nils Mathiasson seinen Siegeszug begonnen, da er aus Übersee sehr viele wirtschaftlichen Erfahrungen mitgebracht hatte und dort auch die Bedeutung einer Kartellbildung gelernt hatte. Zu Beginn übernahm Mathiasson in Form einer Holding nur kleinere Alkoholproduzenten, wobei es ihm damit gelang ein Unternehmen aufzubauen, dass den großen Konkurrenten in Schweden trotzen konnte. Mit Hilfe der Stockholmer Handelsbank und der Svenska Emissionsbolaget gelang es dem Unternehmer bald darauf die zwei größten Konkurrenten aufzukaufen und 1909 besaß er 90 Prozent aller schwedischen Alkoholproduzenten.

Wenn die Antialkoholiker in Schweden nicht immer stärker geworden wären und es Ivan Bratt nicht 1914 gelungen wäre vom Staat die einzige Konzession für den Einzelhandel von Alkohol zu erhalten, wäre der Aufstieg Mathiassons kaum zu bremsen gewesen. Aber Mathiasson konnte die Zukunft der schwedischen Alkoholpolitik erahnen und schloss 1914 ein Abkommen mit Bratt in dem er sich für den kontrollierten Absatz von Alkohol aussprach, sich aber gleichzeitig finanziell absicherte, denn als 1917 die Vin- & Spritcentralen (Systembolaget) gegründet wurde, verkaufte er dieser sämtliche seiner Alkoholfabriken für 23 Millionen Kronen.


9. Februar 1772: Frans Michael Franzén, vom modernen Dichter zum Bischof
9. Februar 1772: Frans Michael Franzén, vom Skalde zum Bischof
9. Februar 1916: Helmer Linderholm und der historische Roman Schwedens
9. Februar 1946: Der Frukostklubben, noch heute eine Legende Schwedens
9. Februar 1974: Der schwedische Orientalist Henrik Samuel Nyberg

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 6. Oktober 2014

Per Albin Hansson, ein Antialkoholiker als Ministerpräsident

Als Per Albin Hansson am 6. Oktober 1946 in Stockholm plötzlich an einem Herzinfarkt starb, hatte er knapp 14 Jahre lang als Ministerpräsident Schwedens über die Poltik des Landes entschieden und mit seiner Idee des schwedischen Volksheimes (Folkhemmet) den Sozialdemokraten eine Ideologie geboten, die die ideologische Basis für die folgenden Ministerpräsidenten Tage Erlander und Olof Palme festlegte. Ach wenn die Sozialdemokraten Schwedens noch heute den Begriff Folkhemmet verwenden um Wähler zu gewinnen, so ging die ursprüngliche Idee des Sozialstaats den der Begriff beinhaltet, nach Olof Palme verloren.

Per Albin Hansson von Emil Näsvall im Folkets Park in Malmö

Per Albin Hansson war am 28. Oktober 1885 in ärmlichen Verhältnissen in Malmö aufgewachsen und begann nach der vierjährigen Volksschule zu arbeiten. Als Hansson 16 Jahre alt war, schloss er sich dem Verband der Antialkoholiker Verdani an. Den Gedanken der absoluten Abstinenz verfolgte Per Albin Hansson sein Leben lang, auch wenn er selbst Abende mit Grog liebte. Die Forderung die absolute Abstinenz gesetzlich zu regeln verursachte auch bedeutende Spannungen mit Hjalmar Branting und führte dazu, dass der politische Aufstieg Hanssons, der ab 1910 bei der Zeitung Social-Demokraten in Stockholm arbeitete, bis zum Tode Brantings gebremst wurde.

Der Erfolg von Per Albin Hansson als Ministerpräsident lag jedoch weniger an seiner Einstellung zum Alkohol oder seiner Idee des Folkhemmet, sondern an einer Reihe von politischen Entscheidungen, die den Sozialdemokraten über viele Jahre hinweg die Vormacht boten. Hansson zwang 1917 die revolutionäre Gruppe der Partei, die heutigen Linken, die Sozialdemokraten zu verlassen, er spielte eine wichtige Rolle bei der Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Schweden und er sorgte als Verteidigungsminister für die Abrüstung um Gelder für soziale Maßnahmen zu befreien. Mit der sogenannten Baltenauslieferung verursachte Per Albin Hansson allerdings auch den ersten politischen Skandal Schwedens nach dem Zweiten Weltkrieg, entging jedoch durch seinen plötzlichen Tod den bedeutendsten Kritiken.


6. Oktober 1550: Karin Månsdotter, die erste bürgerliche Königin Schwedens
6. Oktober 1820: Jenny Lind erscheint auf einem schwedischen Geldschein
6. Oktober 1821: Der schwedische Naturwissenschaftler Anders Jahan Retzius
6. Oktober 1869: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
6. Oktober 1888: Der schwedische Künstler Einar Nerman
6. Oktober 1942: Anna Wahlgren und die Bibel für Mütter
6. Oktober 1942: Anna Wahlgren und das Barnaboken
6. Oktober 1958: Die Mosebackes Monarchie wird ausgerufen

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 24. September 2014

Ivan Bratt und das Alkoholmonopol in Schweden

Ivan Bratt kam am 24. September 1878 in Jönköping zur Welt und studierte nach seiner Hochschulreife Medizin in Stockholm. Nachdem der Arzt drei Jahre lang im Krankenhaus der schwedischen Hauptstadt gearbeitet hatte, öffnete er im Jahre 1906 seine eigene Praxis. Im Jahre 1908 wurde Bratt dann in den Stadtrat gewählt in dem er nur drei Jahre später der Vorsitzende des Komitees war, das sich für die absolute Abstinenz einsetze. In dieser Frage ging Bratt dann allerdings einen sehr eigenen Weg, der ihn sogar in die Alkoholgeschichte des Landes eingehen ließ.

Nachdem es nahezu aussichtslos war ein generelles Alkoholverbot durchzusetzen, was bisher immer gefordert wurde, hatte Ivan Bratt die Idee den gesamten Alkoholverkauf zu monopolisieren. Die Regierung konnte der Arzt für seine Idee gewinnen indem er dieser zusagte, den gesamten Gewinn aus dem Monopol an die Staatskasse zu bezahlen. Bereits 1914 erhielt Bratt daher die alleinige Konzession für den Detailhandel von Alkohol in Schweden und er begann zudem so viele Alkoholhersteller wie möglich aufzukaufen, die nach Einrichtung des Monopols sogar dankbar waren einen Käufer zu finden, da Bratt mit seinem Monopol auch über Alkoholpreise entschied und man mit Alkohol nun keinen immensen Gewinn mehr in Schweden machen konnte.

Ende 1918 besaß Ivan Bratt bereits 98 Unternehmen zu denen jedoch nicht nur die bedeutendsten Hersteller und Großhändler von Alkohol gehörten, sondern auch das Arzneimittelunternehmen Astra, das Grand Hotel in Stockholm und andere Immobilien. Nach Einrichtung seines Monopols bezahlte er bereits im ersten Jahr fünf Millionen Kronen an die Staatskasse, was damals rund zehn Prozent des gesamten Staatshaushalts entsprach. Anschließend erwarb der schwedische Staat die gesamten Aktien Bratts und die heute bekannten Systembolaget sah das Licht, die zu Beginn allerdings noch Vin & Spritcentralen hieß. Ivan Bratt verdankte man auch das sogenannte Motboken, in dem von 1917 bis 1955 jeder Alkoholverkauf eines Bürgers eingetragen wurde um die Alkoholausgabe begrenzen zu können.


24. September 1838: Die Tageszeitung Östgöta Correspondenten
24. September 1852: Der schwedischen Sängerprinz Gustaf Oscar
24. September 1888: Der Örebro Kanal, eine Attraktion in Närke
24. September 1919: Lennart Hyland, eine Legende des schwedischen Fernsehens
24. September 1928: Carl Wilhelm Wilhelmson, der Maler des Bohuslän
24. September 1975: David Vikgren, moderne Lyrik aus dem dem hohen Norden
24. September 2008: Bengt Anderberg, der Schriftsteller der schwedischen Erotik

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 20. August 2014

Johan Liljencrantz, der Wirtschaftsberater von Gustav III.

Johan Liljencrantz wurde am 20. August 1730 als Johan Westerman in Gävle geboren und erhielt seinen späteren Familiennamen erst 1768, als er in den Adelsstand Schwedens aufgenommen wurde. Als Sohn eines Prosten war Liljencrantz bereits ab der frühsten Kindheit eine angemessene Erziehung und Ausbildung garantiert, was ihm auch die Möglichkeit bot an der Universität Uppsala eine Kombination von Fächern zu studieren, die heute der Volkswirtschaft am nächsten kommen. Diese Ausbildung ermöglichte es Liljencrantz erst als Notar zu arbeiten und in den Jahren 1755 und 1756 Sekretär in der Handels- und Manufakturdeputation zu werden.

Nach einer Studienreise durch mehrere europäische Länder kam Johan Liljencrantz mit umfassenden Kenntnissen des internationalen Handels zurück und nach seiner Ernennung zum Handelsindententen sowie der Gründung eines Fonds für die Eisenindustrie kam Gustav III. an die Macht, der von den Fähigkeiten des mittlerweile adeligen Liljencrantz überzeugt war und ihm daher weitgehend die Handelsgeschäfte Schwedens anvertraute. In dieser Zeit führte der Ökonom dann auch seine wichtigsten Reformen durch.

Die erste Reform von Johan Liljencrantz bestand darin das damalige Währungssystem zu modernisieren. Dies geschah zum einen dadurch, dass Liljencrantz dem König Gustav III. vorschlug die unterschiedlichen Münzen und Währungen jener Epoche abzuschaffen und den Reichstaler einzuführen. Gleichzeitig sollte der König die sich im Umlauf befindlichen Geldscheine zum halben Preis aufkaufen. Der Erfolg war nicht nur die Schaffung eines einheitlichen Zahlungssystems, sondern auch, dass durch die Entwertung des Geldes der Staatshaushalt gesundete. Die zweite bedeutende Reform von Liljencrantz war das Verbot des weitverbreiteten Brennens von Alkohol zu Hause. Der Wirtschaftler schlug daher die Einrichtung von königlichen Brennereien vor in denen die Bürger und einigen Unternehmern, gegen eine Gebühr, ihren Alkohol brennen konnten, was erneut sehr viel Geld in die königlichen Kassen brachte. Als Liljencrantz jedoch am 22. Januar 1815 in Stockholm starb, waren die Staatskassen erneut leer da der König an unbegrenzte Ressourcen glaubte und das Wort Sparsamkeit nicht kannte.


20. August 1386: Bo Jonsson, der mächtigste und reichste Mann Schwedens
20. August 1779: Jacob Berzelius und die chemischen Elemente
20. August 1843: Die schwedische Sängerin Kristina Nilsson erobert sie Welt
20. August 1893: Axel Rudolf Mauritz Wall und die Dagens Nyheter
20. August 1898: Vilhelm Moberg und die schwedischen Auswanderer
20. August 1904: Gustav Sandgren, vom Industriearbeiter zum Literat
20. August 1982: Die schwedische Schauspielerin Ulla Jacobsson

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Samstag, 25. Januar 2014

Die Volksbefragung kommt als politisches Instrument nach Schweden

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts tauchte in Schweden immer stärker die Forderung auf dem Volk ein bedeutenderes Mitspracherecht zu bieten und damit den demokratischen Gedanken zu verwirklichen. Am 25. Januar 1922 kam daher das Parlament zur Entscheidung die Volksbefragung, auch oft als Referendum oder Volksentscheid bezeichnet, auf nationaler und lokaler Ebene zuzulassen. Allerdings war diese Entscheidung weniger vom demokratischen Gedanken geprägt als vielmehr davon, dass die Parteien in Fragen des angestrebten Alkoholverbots auf die Bevölkerung hofften ohne sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen.

Das Gesetz zur Volksbefragung sollte allerdings dem Volk nicht wirklich ein Machtwerkzeug in die Hände geben, sonder lediglich dazu dienen den Politikern einen Hinweis zur Volksmeinung zu bieten, denn in der Tat handelte es sich bei diesem Gesetz, das noch heute gültig ist, nur um eine ratgebende Volksbefragung, denn das Parlament ist in keiner Weise an die Volksentscheidung gebunden, was sich bei den bisherigen Volksbefragungen auch sehr deutlich zeigte, da die Schweden, zum Beispiel, mehrheitlich gegen den Rechtsverkehr stimmten und die Kernkraft auslaufen lassen wollten. In beiden Punkten entschied die Regierung nicht auf das Volk zu hören.

Auch wenn die Politiker die Idee der Volksbefragung als eigene Idee ausgaben, so war die Entscheidung im Jahre 1922 die Folge davon, dass die Bewegung der Antialkoholiker bereits 1907 eine eigenständige Volksbefragung veranstaltet hatte an der rund zwei Millionen Schweden teilnahmen und sich 99 Prozent unter ihnen für ein generelles Alkoholverbot ausgesprochen hatten. Dieses Problem des Alkoholverkaufs spaltete die Parteien, so dass die Regierung durch das neue Gesetz die eigenen Probleme auslagern konnten. Zum Erstaunen sehr vieler Schweden lehnte dann jedoch die Mehrheit der Wähler bei der Volksbefragung am 27. August 1922 ein generelles Alkoholverbot ab.


25. Januar 1622: Das kurze Leben des Vasaprinzen Karl Filip
25. Januar 1757: Gustaf Engzell, der Modernist der schwedischen Literatur 
25. Januar 1880: Torsten Fogelqvist und die Arbeiterbewegung 
25. Januar 1946: Schweden liefert Kriegsflüchtlinge an die Sowjetunion aus 
25. Januar 1957: Polio-Epidemie in Schweden 
25. Januar 1957: Skogsmulle bringt Kindern die Natur näher 
25. Januar 1967: Das schwedische U-Boot HMS Sjöormen

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Der Botanaische Garten in Göteborg

Donnerstag, 16. Januar 2014

Folkpartiet, die Volkspartei von der Idee bis heute

Auch wenn die Folkpartiet, genauer genommen die Folkpartiet liberalerna (FP), die man mit Volkspartei übersetzen kann, ihren Namen erst am 5. August 1934 erhielt, so geht die Idee eine entsprechende Partei zu gründen bis ins 18. Jahrhundert zurück und ihre tatsächliche Geschichte beginnt am 16. Januar 1900 mit der Gründung der sogenannten Liberala Samlingspartiet, ein Zusammenschluss mehrerer liberaler Parteien. Als sich dann 1902 die Frisinnade landsföreningen gründete und dem Verband anschloss, so wurde diese als Reichsorgan der Volkspartei betrachtet. Eigentlich wurde daher die Folkpartiet sogar zweimal gegründet, im Abstand von zwei Jahren.

Die Entstehung der Folkpartiet war im Grunde eine liberale Volksbewegung mit klaren Zielen. Da diese Bewegung jedoch stark von der Erweckungsbewegung beeinflusst war, war zu Beginn das Hauptziel der Kampf gegen den Alkohol, aber es ging auch um das allgemeine Wahlrecht, die ausgedehnte Pressefreiheit, die Organisation von Gewerkschaften und eine sozialere Gerechtigkeit. Allerdings sollte die Gruppe der Hardliner, die ein absolutes Alkoholverbot forderten, die Partei bereits 1923 wieder spalten, denn die Gruppe, die das Alkoholverbot für eine zu starke Maßnahme hielt, wurde einfach aus dem Reichsverband ausgeschlossen und gründete daher die Sveriges liberala parti.

Am 5. August 1934 vereinten sich die beiden liberalen Parteien erneut und es kamen einige Splitterparteien hinzu, was letztendlich zum Namen der heutigen Folkpartiet liberalerna (FP) führte. Der Aufschwung der Partei war bedeutend und 1956 verfügte die Volkspartei über knapp 24 Prozent der Wählerstimmen. Aber auf Grund ihrer Einstellung zu Pensionsfragen war dies nur ein kurzer Erfolg. Die Partei gewann dann erst 2006 wieder einen bedeutenden Einfluss, als die rechte Gruppierung der Moderaterna die Macht nur durch eine Koalition mit den Parteien der Mitte und den Christdemokraten ergreifen konnte. Seit dieser Zeit ist Jan Björklund der Vorsitzende der Partei, der jedoch auf Grund seiner permanenten Reformen des Schulsystems die Wähler nicht wirklich vom Ideal der Folkpartiet überzeugen kann.


Am 3. Oktober 2014 übergab Jan Björklund sein Amt als Kultusminister, das er seit dem 7. September 2007 innehatte, an den Grünen Gustav Fridolin. Björklund ist jedoch weiterhin der Vorsitzende der schwedischen Folkpartiet, die am 25. November 2015 ihren Namen in Liberalerna änderte um die liberale Politik der Partei in den Vordergrund zu setzen.

16. Januar 1703: Erik Dahlbergh und die schwedischen Festungen
16. Januar 1814: Henning Hamilton und die Hamiltonaffäre
16. Januar 1936: Schwedische Streichhölzer und die Stiftung Solstickan
16. Januar 1940: Die finnischen Kriegskinder kommen in Schweden an 
16. Januar 1940: Kjell E. Genberg, der Vielschreiber unter den schwedischen Autoren 
16. Januar 1992: Bingolotto wird durch eine Sonergenehmigung eine nationale Lotterie

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Dienstag, 12. November 2013

Cornelis Vreeswijk, eine musikalische schwedische Legende

Als Cornelis Vreeswijk am 12. November 1987 in Stockholm starb, wurde der Troubadour mit Carl Michael Bellman und Evert Taube verglichen und gehörte zu den bedeutendsten Musikern Schwedens, die das schwedische Chanson wieder populär gemacht hatten. Vreeswijk war ein schwedisches Symbol geworden, obwohl er nicht in Schweden geboren war und ihm, vermutlich wegen seiner Lebensführung, die Staatsbürgerschaft verweigert wurde. Nach dem ersten Abschlag hatte er allerdings auch kein zweites Mal danach angesucht.

Cornelis Vreeswijk war 1937 in Holland geboren worden und war mit 13 mit seinen Eltern nach Schweden gekommen. Seine Karriere begann dann in den 60er Jahren als Schauspieler, Autor von Liedern, Dichter und volkstümlicher Sänger, der weder mit Geld umgehen konnte, noch aber dem Alkohol widerstand. Auf Grund seiner Freigebigkeit und seinem teilweise sehr ausschweifenden Leben hatte der Pazifist Vreeswijk bei seinem Tod im Alter von 50 Jahren trotz verschiedenen Hilfen und Abbezahlungsplänen noch 700.000 Kronen Schulden beim Finanzamt.

Auch wenn Cornelis Vreeswijk bereits Anfang der 60er Jahre einen gewissen Ruf als Liedersänger in Stockholm hatte, so verdankte er seine Schallplatte und den folgenden Erfolg in gewisser Weise seinem Freund Fred Åkerström, der einige Lieder von Vreeswijk aufnehmen wollte. Da Åkerström kein Demoband hatte, nahm er seinen Freund mit ins Studio, der seine Lieder selbst vortrug. Das Ergebnis war, dass anschließend nicht Åkerström die Lieder interpretierte, sondern der Produzent diese mit Cornelis Vreeswijk aufnahm. Bereits 1964 erschien dann das erste Album des Sängers mit dem Titel Ballader och oförskämtheter mit der Balladen om Fredrik Åkare und zwei Jahre später nahm der Sänger ein Album mit den Erfolgshit Cecilia Lind auf. Um diese Zeit begann der Musiker auch zahlreiche Schlager für andere schwedische Sänger zu schreiben, unter anderem für Monica Zetterlund, Siw Malmkvist und Anna-Lena Löfgren.


12. November 1921: Lars Gyllensten, ein schwarzes Schaf der Svenska Akademien 
12. November 1965: Filippa K wird zum Modeimperium in Schweden

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Der Botanaische Garten in Göteborg

Samstag, 12. Oktober 2013

Anders Gustaf Jönsson und die schwedische Abstinenzbewegung

Anders Gustaf Jönsson wurde am 12. Oktober 1831 in ärmlichen Verhältnissen in Ryssby geboren und übernahm nach seiner Ehe mit Britta Stina Jaensdotter den Hof der Eltern seiner Frau im gleichen Ort. Bereits um diese Zeit war er ein Verfechter der Freikirchen und kam über diesen Weg auch zur damals aufkommenden Abstinenzbewegung. Diese beiden Gedanken sollten Jönsson auch sein Leben lang begleiten.

Auf Grund der Unterstützung der Freidenker jener Zeit gelang es Anders Gustaf Jönsson im Jahre 1884 in den Reichstag gewählt zu werden in dem er bis 1902 verblieb. Politisch gesehen war Jönsson seiner Zeit voraus, denn er setzte sich, wenn auch teilweise sehr eigennützig, für das freie Wort, die freie Religionswahl, eine fortschrittliche Steuerpolitik und die Schulbildung für alle ein. So nebenbei forderte er auch eine gerechte Bezahlung von Wehrpflichtigen und Postangestellten, was in der damaligen Regierung nicht unbedingt positiv gesehen wurde.

Anders Gustaf Jönsson war während seiner Jahre in der Zweiten Kammer des Reichstags immer daran interessiert zu erfahren was das Volk in seinem Wahlkreis für Wünsche hatte, auch wenn er nicht immer ihre Wünsche erfüllen wollte, denn in Fragen von Alkohol gab es für ihn nur die Abstinenz. In anderen Fragen konnte alle Bewohner seines Wahlkreises bei sogenannten regelmäßigen Volkstreffen ihre Meinung sagen und Vorschläge einbringen, die sehr genau protokolliert wurden. Vor allem in Zollfragen und hinsichtlich der Verteidigung folgte Jönsson in den meisten Fällen dem Willen des Volkes. Wollte der Politiker eine eigene Idee durchsetzen, so trat er gerne als brillanter Redner in seinem Wahlkreis auf und sammelte anschließend die einflussreichsten Personen des Wahlkreises zu einer Beratung um sich.


12. Oktober 1617: Gustav II. Adolf wird König von Schweden 
12. Oktober 1948: Emilie Rathou, die Gründerin des Vita bandet

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Sonntag, 3. März 2013

Kenneth Gustafsson, bekannt unter dem Namen Kenta

Als Kenneth Gustafsson, allgemein genannt Kenta, am 3. März 2003 an seinem Krebs starb, war er in ganz Schweden bekannt. Bei den einen als der Drogenabhängige Sänger, bei anderen als der hervorragende Musiker, der er war und bei den Dritten, weil sie ihn im schwedischen Kultfilm Dom kallar oss mods gesehen hatten. Kenta hinterließ verschiedene Bilder ohne dass vermutlich der wahre Kenta an die Oberfläche geriet, denn Kenta hatte viele Gesichter.

Kenneth Gustafsson war am 11. August 1948 in Nacka auf die Welt gekommen und hatte dabei das Pech, dass sowohl sein Vater als auch seine Mutter vom Alkohol abhängig waren und sich der Junge seine Erziehung auf der Straße suchen musste und sich bereits sein Taschengeld auf eine eigene Weise beschaffte. Nach seinen eigenen Worten waren es diese Erfahrung, die ihn zum Gegner des sogenannten schwedischen Sozialsystems mit dem Folkhemmet machten, denn niemand kümmerte sich um ihn und niemand half seinen Eltern.

Wie selbstverständlich führte der Weg von Kenta zur sogenannten Modskulturen, einer Bewegung Jugendlicher aus der gleichen Schicht, die sich gegen die Gesellschaft auflehnten und immer mehr in die Welt der Drogen und des Alkohols gerieten. Kenneth Gustafsson versuchte mehrmals dieser Schicht zu entkommen und machte dabei auch eine Karriere als Musiker, wobei er 1980 mit Utan att fråga sogar an der schwedischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest teilnahm und den siebten Platz einnahm. Wirklich bekannt wurde Kenta jedoch über den Dokumentarfilm Dom kallar oss mods von Stefan Jarl, in dem Kenneth Gustafsson nahezu seine eigene Rolle spielte.


3. März 1813: Die schwedische Kolonie ohne schwedische Führung
3. März 1906: Artur Lundkvist auf der Suche nach einer neuen schwedischen Sprache
3. März 1940: Terroristisches Attentat in Schweden 

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Freitag, 1. Februar 2013

Clark Oderth Olofsson und ein halbes Leben im Gefängnis

Als Clark Oderth Olofsson am 1. Februar 1947 in Trollhättan geboren wurde, hatte er wenig Glück, denn seine Eltern hatte bedeutende Probleme mit Alkohol, was eine normale Erziehung nahezu unmöglich machte. Als der Junge acht Jahre alt war, war die Mutter mit ihm und zwei jüngeren Schwestern ohne Partner, aber nach wie vor so stark vom Alkohol abhängig, dass die drei Kinder für einige Zeit bei einer Pflegefamilie untergebracht werden mussten. Erst als die Mutter eine Arbeitsstelle fand, konnten die Kinder in nach wie vor etwas schwierige Verhältnisse zurückkehren.

Im Grunde war es daher nicht erstaunlich, dass Clark Oderth Olofsson bereits als Jugendlicher in schlechte Gesellschaft geraten war, Kleinkriminalität begangen hatte und bereits 1963 im Alter von 16 Jahren im Erziehungsheim landete. Schon drei Jahre später handelte es sich jedoch nicht mehr um Einbruch und Diebstahl, sondern Clark wurde, gemeinsam mit seinem Freund Gunnar Norgren, wegen Mordes an einem Polizisten gesucht und zu acht Jahren Haft verurteilt.

Im Jahre 1973 tauchte der Name Clark Oderth Olofsson in Zusammenhang mit dem Geiseldrama in der Kreditbanken auf und zwei Jahre später erleichterte er die Handelsbanken in Göteborg um eine Million Kronen, die bis dahin größte Beute bei einem Raubüberfall in Schweden. Das Geld blieb bis heute teilweise verschwunden. Seit 1991 taucht Olofsson immer wieder in Zusammenhang mit Narkotikaschmuggel auf, wofür er noch bis mindestens 2015 im Gefängnis sitzt. Im Jahre 1991 nahm Clark Oderth Olofsson den Namen Daniel Demuynck an. Olofsson ist mittlerweile belgischer Mitbürger und mit Marijke verheiratet.



Copyright: Herbert Kårlin