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Freitag, 29. März 2019

Die Regisseurin und Schauspielerin Catti Edfeldt

Catti Edfeldt kam am 29. März 1950 als Catharina Edfeldt in Gävle zur Welt und gehört zu jenen Frauen, die, trotz ihrer enormen Einsätze kaum bekannt sind, da sie nie in großen Rollen auf der Bühne stand. Dies begann bereits bei ihrer ersten Rolle in Olle Hellboms Film Barnen i Bullerbyn (Wir Kinder aus Bullerbü), aus dem Jahre 1960, denn Edfeldt ist dabei nicht einmal zu sehen, da sie nur die sprechende Rolle Lisas „spielt“ und über das Leben auf Bullerby erzählt. Erst vier Jahre später konnte man Edfeldt dann in Mai Zetterlings Älskande Barn erstmals vor der Kamera sehen, und weitere zwei Jahre später in Jan Troells Film Här har du ditt liv, beide Male jedoch nur in kleineren Rollen.

Catti Edfeldt zeigte jedoch auch nach diesen Erfahrungen als Schauspielerin wenig Interesse vor der Kamera zu stehen. Edfeldt wurde daher bald Teil des festen Teams um Olle Hellbom, wurde seine Regieassistentin und war verantwortlich für sämtliche Rollenbesetzungen der Astrid-Lindgren-Filme, die der Regisseur bis zu seinem Tod drehte. Später übernahm Edfeldt die gleiche Rolle unter Tage Danielsson und Lasse Hallström, der 1980 erneut die Bullerbü-Filme zum Leben erweckte. In all diesen Jahren sammelte Catti Edfeldt die Arbeit mit Kindern, vom Casting bis zur Rollenverteilung und den Bewegungen vor der Kamera. Bis heute ist es keiner anderen Regisseurin gelungen Kindern soviel Zuversicht mitzugeben wie Edfeldt.

Im Jahr 1988 machte Catti Edfeldt dann die Feuertaufe mit ihrem ersten eigenen Fernsehfilm Mimmi, der zu zahlreichen Aufträgen hinter der Kamera und und hinter den Kulissen führte. !994 kam dann der erste Kinofilm Edfeldts, wobei die Regisseurin auch hierbei natürlich auf Kinder setzte und Ulf Starks Kinderbuch Sixten verfilmte. Auch bei den folgenden Spielfilmen Edfeldts spielten Kinder die Hauptrolle, wobei sie jedoch von der Idylle Astrid Lindgrens immer mehr zum problematischen Aufwachsen in schwedischen Vororten überging, was der Regisseurin auch einige bedeutende Preise brachte.


29. März 1638: Die Kolonie Neues Schweden (Nya Sverige)
29. März 1772: Emanuel Swedenborg, der große Mystiker Schwedens
29. März 1772: Emanuel Swedenborg, der größte Mystiker Schwedens
29. März 1792: König Gustav III. will die Macht nicht teilen
29. März 1828: Der schwedische Künstler Edward Bergh
29. März 1832: Carl Rupert Nyblom, von der Romantik zum Realismus
29. März 1874: Die Schriftstellerin und Künstlerin Tyra Kleen
29. März 1915: Die Künstlerin und Designerin Sylvia Leuchovius
29. März 1924: Simon Boëthius, Politiker und Geschichtswissenschaftler
29. März 1965: GAN, Gösta Adrian-Nilsson, und die moderne Kunst Schwedens
29. März 1968: Der Tingstadstunnel, ein Tunnel unter dem Göta Älv
29. März 2006: Niklas Lindgren, genannt Hagamannen

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 8. Januar 2018

Der Komponist und Musiker Georg Riedel

Georg Riedel wurde am 8. Januar 1934 als Sohn eines Architekten in Karlovy Vary, der damaligen Tschechoslowakei, geboren, kam jedoch bereits 1938 nach Stockholm, da seine Mutter Jüdin war und der Einmarsch Hitlers bevorstand. Die Reise nach Schweden sollte jedoch in Finnland nahezu ein Ende finden, da die Mutter, die allein mit ihren beiden Kindern unterwegs war, kein Geld mehr hatte um eine Fähre für die Überfahrt nach Schweden zu bezahlen, wo der Vater bereits auf sie wartete. Ein Kapitän hatte jedoch Mitleid mit den Flüchtlingen und brachte sie daher kostenlos nach Schweden.

Georg Riedel lernte, da er seinen ersten Sommer in einem Ferienlager verbrachte, sehr schnell Schwedisch und erhielt ab seinem vierten Lebensjahr Musikunterricht in der Adolf Fredriks Volksschule in Stockholm. Riedel begann sehr früh Violine zu spielen, entschied sich jedoch mit 15 Jahren auf den Kontrabass umzusteigen und eignete sich an der Musikhochschule der schwedischen Hauptstadt nicht nur seinem neuen Instrument, sondern spezialisierte sich auch auf Jazz, der seine gesamte Leidenschaft war. Mit 19 Jahren begann Riedel mit dem Jazzmusiker Lars Gullin zu spielen und ein Jahr später traf er den Jazzpianisten Jan Johansson des Arne Domnérus Orchesters mit dem er 1962 die bekannteste und meist verkaufte Jazzplatte Schwedens aufnahm.

Als Jan Johansson im Jahre 1968 starb, übernahm Georg Riedel dessen Arbeit als Komponist für verschiedene Fernsehserien und die Filme von Astrid Lindgren. Riedel gelang es dabei in schwedische Volksweisen Jazz-Elemente einzufügen, wobei der Musiker und Komponist auch den Werken von Barbro Lindgren Musik verlieh oder für die Fernsehserie Willi Wiberg die Leitmelodie komponierte. Ab dem Jahrtausendwechsel verließ Riedel dann den Jazz nahezu vollständig um sich insbesondere der Komposition von Chorgesang zu widmen, komponierte jedoch auch Ballettmusik und eine Oper. Sein letztes größeres Werk veröffentlichte Riedel im Jahr 2009, also im Alter von 75 Jahren.


8. Januar 1810: Daniel Melanderhjelm, Astronom und Mathematiker
8. Januar 1864: Carl August Hagberg und die schwedische Literatur 
8. Januar 1917: Folgen des Ersten Weltkriegs in Schweden
8. Januar 1937: Der schwedische Theologe Olle Meurling stirbt in Spanien
8. Januar 1940: Briefzensur in Schweden
8. Januar 1994: Hans Asplund, der Architekt des Brutalismus
8. Januar 2005: Der Orkan Gudrun hinterlässt ein Chaos in Schweden
8. Januar 2007: Die Geburt Kirunas und die Flucht der Stadt

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 8. April 2017

Claes Malmberg, Schauspieler und Stand-Up-Comedian

Claes Malmberg kam am 8. April 1961 in Göteborg zur Welt und teilt sein berufliches Leben zwischen der Schauspielerei und der Stand-Up-Comedy, wobei er in beiden Bereichen einen großen Erfolg hat, zumindest seit seiner komischen Rolle Ronny Jönsson, in der man den Künstler ab 1988 im Rundfunk, Fernsehen und auf der Bühne finden konnte. Im Kontrast dazu bekennt sich Malmberg zum Buddhismus und einem sozialistischen Denken. Der Schauspieler und Komiker tritt auch aktiv für die Selbständigkeitsbewegung Tibets ein. Malmberg lebt zur Zeit in Stockholm und kann sich eine Rückkehr in die Provinzstadt Göteborg nicht vorstellen, da man dort nur über kumpelhafte Beziehungen etwas erreichen könne.

Nach dem ersten großen Erfolg als Ronny Jönsson wandte sich Claes Malmberg dann jedoch erst einmal der Stand-Up-Comedy zu, und ging mit Lennie Norman, einem Musiker und Stand-Up-Comedian, auf Tournee. Das Duo machte sich sehr schnell einen Namen und wurde dann für das Fernsehprogramm Måndagsklubben engagiert, wobei Malmberg in dieser Zeit auch parallel dazu in der TV-Satire Parlamentet zu sehen war. Es zeigte sich jedoch schnell, dass Claes Malmberg nicht ohne Film und Theaterbühne leben konnte. Seine erste bedeutende Rolle als Schauspieler war dann 1990 Thénardier in Les Miserables im Cirkus in Stockholm.

Für Claes Malmberg folgen dann zahlreiche weitere Auftritte, sowohl in ernsthaften, als auch in komischen Rollen, wobei er für die seine Rolle in der schwedischen Version des Broadway-Musicals Det våras för Hitler eine begehrte Goldmaske für die beste männliche Hauptrolle überreicht bekam. Malmberg zeigte ab den 90er Jahren seine volle künstlerische Breite, denn er stand nicht nur in bedeutenden Rollen auf der Bühne, sondern wirkte auch in den Astrid Lindgren Filmen mit und war in zahlreichen Unterhaltungsprogrammen im Fernsehen zu sehen. 2013 nahm er sogar, als Mitglied der Gruppe Ravaillasz an der schwedischen Vorausscheidung des Eurovison Song Contests teil. Seine bisher letzte große Rolle hatte Claes Malmberg in August Strindbergs Hemsöborna im Stadttheater in Stockholm.


8. April 1864: Die Karriere des schwedischen Schauspielers Oskar Textorius
8. April 1888: Die Sophiakirche in Jönköping wird eingeweiht
8. April 1931: Erik Axel Karlfeldt, der religiöse Dichter des 20. Jahrhunderts 
8. April 1931: Erik Axel Karlfeldt: Mit Poesie zum Nobelpreis der Literatur
8. April 1938: Der schwedische Einzelhandelgigant ICA
8. April 1956: M/S Gripsholm, von Schweden nach Amerika
8. April 1957: Sten Selander, vom Poeten zum Naturschützer Schwedens
8. April 1966: Mia Leche-Löfgren und die autobiographische Literatur Schwedens
8. April 1966: Die schwedische Pazifistin Mia Leche-Löfgren

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 26. März 2017

Åke Grönberg, Schauspieler, Sänger und Regisseur

Åke Grönberg kam am 26. März 1914 als Sohn eines Schmiedes in ärmeren Verhältnissen in Stockholm zur Welt und hatte als Jugendlicher lediglich als Süßigkeitenverkäufer mit dem Kino Kontakt. Anschließend bildete sich Grönberg zum Schmied aus, aber da ihm der Beruf wenig sagte, wechselte er er mehrmals die berufliche Richtung. Seine wirkliche Karriere begann dann Anfang der 30er Jahre als Statist im Dramaten, denn während dieser Zeit entdeckte man sein Talent als Unterhalter, Schauspieler und Sänger. Schon 1936 arbeitete Grönberg dann an der Freilichtbühne im Skansen und in den Folgejahren zog er mit Theatergesellschaften durch Schweden.

Noch während der 30er Jahre entschied sich Åke Grönberg für eine sehr breite Aktivität, denn neben dem unterhaltenden Theater spielte er in Revuen und nahm die ersten Schallplatten auf, unter anderem mit den Erfolgshit Den gamla dansbanan. Innerhalb von nur zehn Jahren war Grönberg in ganz Schweden bekannt und trat auf den größten Bühnen des Landes auf. Insgesamt nahm Grönberg rund 300 Schallplatten auf, und auch auf der Theaterbühne überzeugte er mit einem extrem breiten Repertoire, das von einem Zirkusartisten und Landstreicher bis zu einer Rolle in August Strindbergs Fröken Julie reichte.

Åke Grönberg, der ohne jede Ausbildung zum Schauspiel gekommen war, hatte 1936 in Anders Henriksons 65, 66 och jag auch seine erste Filmrolle, der knapp 90 weitere Filmrollen folgen sollten, unter anderem in Paradis Oskar, der ersten Filmversion von Astrid Lindgrens Luffaren und Rasmus und in Ingmar Bergmans Gycklarnas afton. Gegen Ende seiner Karriere kehrte Grönberg mehr und mehr zum Theater zurück und ging dabei vom Lustspiel auf ernstere Rollen über, insbesondere im Dramaten und im Stadttheater in Stockholm. Åke Grönberg starb am 15. September 1969 im Alter von 55 Jahren an einem Herzinfarkt.


26. März 1747: Elis Schröderheim im Dienste von Gustav III.
26. März 1822: Die missglückte Ehrung von Karl XIII.
26. März 1828: Elisabeth Olin, die erste Primadonna Schwedens
26. März 1888: Elsa Brändström, der „Sibirische Engel“ aus Schweden
26. März 1920: Die schwedische Studentenzeitung Lundagård
26. März 1940: Christina Odenberg wird erster weiblicher Bischof Schwedens
26. März 1948: Jugendrevolte in Schweden
26. März 1963: Das Stadtviertel Krämaren wird die Galerie Krämaren
26. März 2015: Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Tomas Tranströmer 

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Montag, 19. Dezember 2016

Die schwedische Schriftstellerin Ann Mari Falk

Ann Mari Falk kam am 19. Dezember 1916 als Tochter eines Ingenieurs unter dem Namen Ann-Marie Söderbergh in der Bürgerschicht Stockholms zur Welt und erhielt daher eine gute Ausbildung, auch wenn die Eltern eine Schule wählten in der der Schwerpunkt bei Literatur lag und nicht bei Mathematik oder den Feinheiten der französischen Sprache. Nach Abschluss der Schule machte Falk eine Handelsausbildung und begann bei einer Versicherungsgesellschaft zu arbeiten, bei der sie bis 1951 beschäftigt war, dem Jahr in dem sie hauptberufliche Schriftstellerin und Übersetzerin wurde.

Wann Ann Mari Falk sich entschied Schriftstellerin zu werden, ist nicht bekannt, aber vermutlich wurde sie von ihrer ersten Schwiegermutter Alma Falk dazu ermuntert, denn 1944, als die Autorin seit fünf Jahren mit Jan Falk verheiratet war, erschien ihre erste Novellensammlung Fruntimmer, der im Laufe der folgenden Jahre rund 60 Bücher folgen sollten, angefangen von Kriminalromanen und Kinderbüchern bis zu psychologischen Romanen, wobei vor allem die Psychologie der handelnden Personen für Falk immer sehr bedeutend war, selbst bei ihren Kinderbüchern. Bei den Kinder- und Jugendbüchern Falks steht fast grundsätzlich ein Konflikt im Zentrum, zum Beispiel ein Todesfall oder eine etwas komplizierte Scheidung.

Während Ann Mari Falk in den 50er Jahren mehr Übersetzungen von Jugend- und Kinderbüchern als eigene Werke bot, schränkte sie diese Tätigkeit anschließend stark ein, nicht zuletzt deswegen, weil Falk in den 60er Jahren ihren echten Durchbruch als Schriftstellerin hatte. Ann  Mari Falk, die eine enge Freundin Astrid Lindgrens war, war bei ihren Romanen stark von den den beiden gescheiterten Ehen beeinflusst, denn das Bild, das sie in ihren Büchern immer wieder zeichnet, drückt die Enttäuschungen aus, die die handelnden Personen erleben und die dabei auch die gesamte Familie, insbesondere die Kinder betreffen. Während die Kinderbücher Falks noch eine positive Richtung zeigen, sind ihre Romane teilweise geradezu als depressiv zu bezeichnen.


19. Dezember 1666: Die Gründung der schwedischen Universität Lund
19. Dezember 1880: Die Caroli kyrka, die Deutsche Kirche in Malmö
19. Dezember 1893: Harry Blomberg und die religiöse Literatur des 20. Jahrhunderts
19. Dezember 1917: Die Knut und Alice Wallenberg Stiftung 
19. Dezember 1954: Frans G. Bengtsson, Militärromantik und die Antidemokratie

19. Dezember 1996: Die Schengener Abkommen in Schweden
19. Dezember 2011: Das Ende der klassischen, schwedischen Saab Automobile

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 29. Juni 2016

Das kulturistorische Museum Näktergalen in Vimmerby

Das Museum Näktergalen, seit 2012 offiziell Stadsmuseet Näktergalen, nimmt in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung innerhalb der schwedischen Museumswelt ein. Zum einen hat das Museum, das am 29. Juni 1996 eingeweiht wurde, das Ziel die gesamte kulturhistorische Entwicklung Vimmerbys darzustellen, einer Kleinstadt mit knapp 8000 Einwohnern, und zum anderen findet man das Museum in einem der kulturhistorisch interessantesten Bauten Schwedens, das gegen 1740 gebaut wurde und damit selbst von architektonischer Warte noch extrem interessant ist.

Das Stadtmuseum Näktergalen in Vimmerby will in erster Linie das lokale Kulturerbe erhalten und kauft daher Gegenstände und Kunstwerke ein, die entweder eine Geschichte der Gemeinde zu erzählen haben oder aber zu offiziellen Kunstwerken gehören, unter der Voraussetzung, dass diese Gegenstände und Kunstwerke von Handwerkern oder Künstlern geschaffen wurden, die auch eine echte Verbindung zu Vimmerby haben oder hatten. Auf diese Weise soll die Geschichte der Kleinstadt auch für die Zukunft erhalten bleiben.

Das Gebäude, in dem dass Museum Näktergalen eingerichtet wurde, entstand gegen 1740, mit einem Aufbau Mitte des 19. Jahrhunderts, und wurde in der traditionellen Holzbauweise erstellt. An den Decken und Wänden der Räume kann man noch großteils die ursprünglichen Barockmalereien finden, die typisch für das Vimmerby des 18. Jahrhunderts waren. 1990 sollte das Haus im Rahmen einer Stadtsanierung abgerissen werden, was glücklicherweise in letzter Sekunde verhindert werden konnte, nicht zuletzt auch dank einer Schenkung von Astrid Lindgren und Gaben der gesamten Gemeinde, die es ermöglichten dass Vimmerby das historische Gebäude aufkaufen und in ein Museum verwandeln konnte.


29. Juni 1561: König Erik XIV (Erich XIV.), der Nachfolger von Gustav Vasa
29. Juni 1613: Seved Ribbing, Reichsschatzmeister und Reichsrat
29. Juni 1763: Hedvig Charlotta Nordenflycht, die erste Feministin Schwedens
29. Juni 1763: Hedvig Charlotta Nordenflycht, mit Lyrik in den Tod
29. Juni 1809: König Karl XIII. von Schweden
29. Juni 1861: Die schwedische Schriftstellerin Rosa Arbman
29. Juni 1865: Der schwedische Landschaftsmaler Nils Andersson
29. Juni 1900: Die Nobelstiftung und der Nobelpreis Alfred Nobels

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 2. April 2016

Die Stadtbibliothek in Göteborg

Bereits am 30. Dezember 1861 weihte der Dompropst Peter Wieselgren eine Volksbibliothek in Göteborg ein, die der Kaufmann James Dickson als Stiftung in der Arbeitergegend Haga geschaffen hatte, um den Arbeitern ein kostenloses Vergnügen zu bieten und sie dabei gleichzeitig zum Lesen zu bringen, da Lesen damals auch eng mit Allgemeinbildung verbunden wurde. Dickson erweiterte die Bibliothek bis zu seinem Tode und konnte am Ende seines Lebens eine Bibliothek mit rund 3000 Büchern bieten, und schon 1897 wurde daraus die erste offizielle Volksbibliothek Schwedens, die 1950 von der Stadt Göteborg übernommen wurde und bis 1967 der Vorläufer der Stadtbibliothek Göteborgs war.

Als Astrid Lindgren dann am 2. April 1967 die neu errichtete Stadtbibliothek in Göteborg einweihte, wurde die Volksbibliothek endgültig aufgelöst und die neueren Bücher wurden Bestand der neuen Bibliothek. Die Bibliothek entwickelte sich mit hoher Geschwindigkeit und gegen 1990 verfügte sie über etwa 450.000 Bücher und war damit die größte Bibliothek Schwedens. Als die Stadsbiblioteket Göteborg dann 2012 wegen Umbauten geschlossen wurde, war der Bestand jedoch um nahezu ein Drittel geschrumpft. Während der Bautätigkeiten, die zwei Jahre in Anspruch nahmen, wurden Teile der Stadtbibliothek ausgelagert, aber viele Bücher waren in dieser Zeit nicht greifbar.

Als die erweiterte und renovierte Stadtbibliothek in Göteborg im April 2014 neu eingeweiht wurde, war der Buchbestand auf etwas über 200.000 Exemplare geschrumpft, da sich Göteborg für eine Großreinigung entschieden hatte und alle etwas zerlesenen Bücher und Doppelexemplare aus dem Bestand nahm. Das Ergebnis war natürlich, dass man heute selbst in der Stadtbibliothek in Malmö weitaus mehr Bücher findet als in jener in Göteborg. Die einzige wirklich positive Entwicklung war, dass ab dieser Zeit Bücher, die sich in irgendeiner Bibliothek der Stadtteile befanden, im Leihsystem integriert wurden und man jedes geliehene Buch an jeder der Bibliotheken zurückgeben kann. In Stockholm sollte zur gleichen Zeit die Stadtbibliothek ebenfalls modernisiert und erweitert werden, was bisher jedoch daran scheiterte, dass man dort kulturhistorische Aspekte geltend machte und den Anbau der Umgebung angepasst werden soll, was in Göteborg gar nicht erst zur Sprache kam und dazu führte dass die neue Bibliothek wie ein Fremdkörper in der Umgebung wirkt.


2. April 1796: Die schwedische Künstlerin Ulrika Pasch
2. April 1884: GAN, Gösta Adrian-Nilsson, und die moderne Kunst Schwedens
2. April 1900: Gustaf Åkerhielm, Ministerpräsident Schwedens
2. April 1904: Karl Ragnar Gierow holt das europäische Theater nach Schweden
2. April 1954: Der schwedische Künstler Lars Lerin
2. April 1954: LIN, die schwedische Fluggesellschaft Linjeflyg
2. April 1974: Håkan Hellström, Musik aus Schweden
2. April 1995: Hannes Alfvén, ein Nobelpreisträger als Kernkraftgegner

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Mittwoch, 16. März 2016

Die Kinderzeitschrift Kamratposten

Am 16. März 1892 gründete die Lehrerin und Frauenrechtlerin Stina Quint die Zeitschrift Folkskolans barntidning, die in einem Rhythmus von drei Wochen erschien und sich an die Altersgruppe zwischen acht und 15 Jahren richtete. Nach der Idee von Quint sollte diese Zeitschrift eine Art unendliches Buch sein, denn beim Inhalt handelte es sich, neben Rätseln, vor allem um Erzählungen bekannter Schriftsteller, die die Kinder im Gottesglauben stärken sollten, aber zur Liebe zur Heimat und dem Tierschutz anhalten sollte, und natürlich die Gefahr von Alkohol hervorzuheben hatte. Sehr wichtig war Quint auch die Sparte mit Leserbriefen, deren Antworten alle mit Nisse tidningstomte unterzeichnet waren.

Stina Quant und ihre Nachfolger gaben die Folkskolans barntidning bis 1930 mit Unterstützung des Königshauses heraus, verkauften sie dann jedoch an den Verlag Åhlén & Åkerlund, der später im Zeitschriftenkonzern Bonnier aufging. Unter dieser Regie wurden bald die ersten Seiten farbig und gleichzeitig begann auch Astrid Lindgren regelmäßig für die Kinderzeitschrift zu arbeiten, die bis 1950 das ursprüngliche Konzept aufrecht hielt, sich dann allerdings den moderneren Strömungen anpasste und auch den Namen vom Folkskolans barntidning in Kamratposten änderte.

Kamratposten, die heute ein relativ bescheidenes Dasein führt und Kindern mittlerweile vor allem von Eltern und Verwandten geschenkt wird, hatte seinen größten Erfolg ab 1969, als die Zeitschrift Kamratposten die Sexologin
Maj-Briht Bergström-Walan für eine regelmäßige Spalte gewinnen konnte, die bedeutend zur Aufklärung in dieser Altersgruppe beitrug und heute unter Kropp & Knopp weitergeführt wird. Kamratposten richtet sich heute vor allem an die Altersgruppe zwischen sechs und dreizehn Jahren, kann sich jedoch auch mit neueren Konzepten nur noch schwer durchsetzen. Kamratposten gehört zu den wenigen Zeitschriften Schwedens in denen man keine Werbung findet, wobei Bonnier die Rentabilität zum einen im Verkauf von Abonnements, aber auch im Angebot von Produkten, die die entsprechende Altersgruppe ansprechen, sieht.

16. März 1596: Ebba Brahe, die Geliebte des Königs Gustav II. Adolf
16. März 1757: Bengt Lidner, der Skalde, der in Ungnade fiel
16. März 1792: Mord auf dem Maskenball
16. März 1835: Der Buchdrucker Nils Magnus Lindh wird zum größten Verleger Schwedens
16. März 1846: Der schwedische Mathematiker Gösta Mittag-Leffler
16. März 1878: Schweden übergibt seine letzte Kolonie Saint-Barthélemy an Frankreich
16. März 1940: Selma Lagerlöf, christliche Literatur und Frauenbewegung
16. März 1957: Das Motel Gyllene Ratten in Stockholm
16. März 1968: Gunnar Ekelöf, der erste surrealistische Autor Schwedens
16. März 1970: Karl Gustav Ossiannilsson, nationalistisches Denken als Arbeiterliterat
16. März 1971: Der schwedische Stand-up Künstler Jakob Öqvist

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 18. Januar 2016

Vi på Saltkråkan von Astrid Lindgren

Am 18. Januar 1964 wurde der erste Teil der 13-teiligen Fernsehserie Vi på Saltkråkan (Ferien auf Saltkrokan oder Ferien auf der Kräheninsel) vom Staatsfernsehen SVT in Schweden ausgestrahlt. Der Erfolg dieser Serie war so groß, dass man sich bereits 1968 dazu entschied, das Material neu zu schneiden um einen Kinofilm daraus zu machen, wobei beide Versionen, neben zahlreichen Bühnenstücken, bis heute viele Kinder in ihren Bann ziehen und zu den Kultfilmen des Landes zählen, die nahezu jeder Schwede mehrmals gesehen hat.

Vi på Saltkråkan wurde von der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren geschrieben und von Olle Hellbom verfilmt. Als 1963 die Dreharbeiten begannen, hatte Lindgren erstmals ein Filmmanuskript geschrieben ohne dass vorher das Buch existierte, im Gegensatz zu den anderen verfilmten Werken der Autorin. Das gleichnamige Kinderbuch erschien erst als Beiprodukt zum Film als die Fernsehserie abgeschlossen war. Interessant ist auch, dass sich die Fernsehserie, die Kinofilme und das Buch nicht vollständig entsprechen, sondern jeweils andere Schwerpunkte in den Vordergrund dringen, was für Kinder manchmal etwas verwirrend ist.

Saltkråkan ist eine von Astrid Lindgren erfundene Insel in den Schären vor Stockholm auf der sich die gesamte Handlung abspielt und, eingebettet in unzählige Abenteuer die Annäherung zwischen den festen Bewohnern einer Schäreninsel und den Sommergästen zeigt, die nur die positive Sommerzeit in der Romantik erleben und nicht das hrte Leben im Winter. Die Fernsehserie wirkt noch heute modern, da Lindgren hier Vorurteile aufzeigt, die man nur überwinden kann wenn man sich auch neuen Ideen öffnet und nicht verurteilt bevor man andere Kulturen erlebt hat. Vi på Saltkråkan ist auch einer jener Filme, der die Gedankenwelt von Astrid Lindgren am deutlichsten zeigt.

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 8. Januar 2015

Briefzensur in Schweden

Die Geschichte Schwedens während des Zweiten Weltkriegs wird bis heute kaum behandelt, da man ungern über „jüdische Pässe“, „Lager“ oder auch „deutsche Truppentransporte“ innerhalb Schwedens Grenzen sprechen will. Noch weniger findet man in schwedischen Büchern über die Briefzensur, die das Parlament bereits ab dem 8. Januar 1940 genehmigte, neben dem Recht im Bedarfsfall Privatfahrzeuge der Bürger zu beschlagnahmen. Vor allem die Briefzensur ist im Grunde eine etwas heiße Angelegenheit, da König und Regierung meinungsmäßig auf der Seite Hitlers standen und die Neutralität vor allem deswegen gewählt wurde um weiterhin Eisen nach Deutschland und Kugellager nach England liefern zu können.

Ob die Akten über die am 8. Januar 1940 eingeführte Briefzensur nach Ende des Weltkriegs je an die Öffentlichkeit gelangt wären, ist heute nicht mehr zu beurteilen, denn um diese Zeit war eine bekannte Schriftstellerin Schwedens in der sogenannten snuskavdelningen beschäftigt, die später von ihren Erfahrungen berichtete, nämlich Astrid Lindgren. Während eines Radiointerviews im Jahre 1993 erzählte Lindgren sehr ausführlich von ihrer damaligen Arbeit und das vom Staat lang gehütete Geheimnis trat damit an die Oberfläche.

Wie umfassend allerdings die Briefzensur war, ist bis heute nicht ganz geklärt, denn sicher ist nur, dass jedes Propagandamaterial von und und nach Deutschland kontrolliert wurde und jeder Brief, der an Konsulate und Botschaften anderer Länder gerichtet war erst über den Tisch des schwedischen Geheimdienstes ging. Die Briefzensur war jedoch nur der Beginn der Überwachung und der Steuerung der schwedischen Meinungsbildung, denn ein Jahr später wurde auch die Pressefreiheit massiv eingeschränkt und das Verbreiten jeder Nachricht die dem Land Schaden zufügen könne, wurde verboten, was jedoch nur bedeutete, das Zeitungen beschlagnahmt wurden, die sich kritisch zu Deutschland stellten.


8. Januar 1810: Daniel Melanderhjelm, Astronom und Mathematiker
8. Januar 1864: Carl August Hagberg und die schwedische Literatur 
8. Januar 1917: Folgen des Ersten Weltkriegs in Schweden
8. Januar 1937: Der schwedische Theologe Olle Meurling stirbt in Spanien 
8. Januar 1994: Hans Asplund, der Architekt des Brutalismus 
8. Januar 2007: Die Geburt Kirunas und die Flucht der Stadt

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 12. März 2014

Alice Tegnér und die Kinderlieder Schwedens

Alice Tegnér wurde am 12. März 1864 unter dem Namen Alice Sandström als Tochter eines Kapitäns in Karlshamn geboren. Zur Musik kam das Mädchen sehr früh über ihren Vater, der seine vier Töchter immer wieder mit auf seine Reisen auf der Ostsee nahm und ein Piano in seiner Kajütte hatte für das die junge Alice ein besonderes Interesse zeigte. Auf Grund ihrer Musikalität erhielt sie daher auch sehr früh Pianolektionen beim Organisten in Karlshamn, der Tegnér das absolute Gehör zusprach.

Da die Familie jedoch kein Geld für ein Musikstudium hatte, musste sich Alice Tegnér mit einer Ausbildung zur Lehrerin begnügen. Bei einer Studienreise nach Finnland, wo die Künstlerin ein Jahr lang als Gouvernante für die Kinder von Frans Beijer arbeitete, lernte sie den ebenfalls sehr musikalischen Jakob Tegnér kennen mit dem sie nicht nur gemeinsam Musik machte und sang, sondern den sie auch wenig später heiratete. Da ihr Ehemann in Stockholm beschäftigt war, zog das Paar in die schwedische Hauptstadt, die damals das Zentrum der schwedischen Kultur war.

Drei Jahre lang komponierte und sang Alice Tegnér in ihrem Heim Kinderlieder für die eigenen Kinder und deren Freunde, bis Fredrik Skoglund das Talent entdeckte und 1892 ihre erste Liedersammlung Sjung med oss, Mamma! Veröffentlichte, der in den folgenden Jahren weitere acht Sammlungen folgen sollten. Auf diese Weise wurde Alice Tegnér zur bedeutendsten Komponistin von schwedischen Kinderliedern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Da Tegnér mit ihren Liedern den Kindern eine Zukunftsperspektive bot, wird sie oft mit Astrid Lindgren verglichen, da beide Frauen die gleichen Ideen hatten und sich literarisch und musikalisch komplettieren. Alice Tegnér starb am 26. Mai 1943 im Alter von 79 Jahren in Djursholm.


12. März: Kronprinzessin Victoria hat Namenstag
12. März 1610: Schweden nimmt die russische Hauptstadt Moskau ein
12. März 1781: Eine schwedische Königin gibt drei Orten ihren Namen 
12. März 1871: Oscar Hedström und die Erfolgsmotorräder der USA 
12. März 1882: Victoria, der verschobene schwedische Namenstag 
12. März 1890: Evert Taube, der abenteuerlichste Künstler Schwedens 
12. März 1932: Ivar Kreuger, der meist gehasste Schwede und sein Selbstmord 
12. März 1945: Leif GW Persson, ein Kriminologe als Autor von Kriminalromanen 
12. März 1955: Der schwedische Architekt Folke Zettervall

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 10. März 2013

Astrid Lindgren und der Widerstand gegen sie Steuern

Am 10. März 1976 erschien in der schwedischen Abendzeitung Expressen die satirische Sage Pomperipossa i Monismanien mit der Astrid Lindgren geradezu einen Aufstand verursachte, da sie mit dieser Sage die Steuerpolitik der Sozialdemokraten angriff und berechnete, dass sie für das Vorjahr 102 Prozent Steuern zahlen musste. Auch wenn diese Berechnung nicht wirklich die Tatsachen schilderte, da die Schriftstellerin von der Marginalsteuer sprach und nicht von der Einkommenssteuer oder der Vermögenssteuer, hatte ihr Artikel die Folge, dass die Sozialdemokraten die kommende Wahl verloren haben und die Steuern für Topverdiener anschließend gesenkt wurden.

Das Besondere an Pomperipossa i Monismanien ist zum einen, dass es sich um den ersten Beitrag handelte, den Astrid Lindgren für den Expressen schrieb, der seit Jahren versucht hatte die Schriftstellerin für kulturelle Beiträge anzuheuern und zum anderen verband sie zwei bekannte Begriffe anderer Autoren um die aktuelle Steuerpolitik anzugreifen. Pomperipossa ist eine Hexe, die der Schriftsteller Falstaff, fakir (Axel Wallengren) erfunden hatte und das Land Monismanien mit seiner Einparteiendiktatur entstammt dem futuristischen Film Monismanien 1995 von Kenne Fants, der ein Jahr vor dem Artikel Lindgrens in die schwedischen Kinos gekommen war.

Die Sage, die Astrid Lindgren im Expressen schrieb, war eine Allegorie, denn Pomperipossa wohnt in einem weit entfernten Land und schreibt Kinderbücher, aber wie viel sie auch schreibt und sich schindet, so bleiben ihr jedes Jahr nur 5000 Kronen übrig und keine Leistung der Welt führt dazu, dass diese Summe je steigen wird. So nebenbei erwähnt sie dann auch, dass man es natürlich auch machen kann wie der damalige sozialdemokratische Finanzminister Gunnar Sträng und sich ein Luxushaus kaufen kann und dabei das Haus so hoch belastet, dass man fast keine Steuern mehr zahlen muss.


10. März 1911: Olof Lagercrantz, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens
10. März 1911: Olof Lagercrantz, der umstrittenste Literaturkritiker Schwedens 
10. März 1920: Hjalmar Branting verändert Schweden
10. März 1997: Lars Ahlin und das soziale Leben der schwedischen Kleinstadt 

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Die schwedische Filmindustrie SF wird gegründet

Am 27. Dezember 1919 wurde durch einen Zusammenschluss der Firmen Svenska Biografteatern, das sowohl über Studios als auch mehrere Kinos verfügte, und der Filmindustri AB Skandia, das in den gleichen Sparten aktiv war, die AB Svensk Filmindustrie, die allgemein nur unter den beiden Buchstaben SF bekannt ist, gegründet und seit 1983 zum Medienkonzern Bonnier gehört, das in sechzehn Ländern arbeitet, insgesamt etwa 175 Firmen besitzt und den nordischen Medienmarkt dominiert.

SF oder Svensk Filmidustri wurde in den 50er und 60er Jahren in ganz Europa ein Begriff, da das Unternehmen sämtliche Ingmar Bergman Filme produzierte und vertrieb und dann in den 70er und 80er Jahren die Bücher Astrid Lindgrens verfilmte und international vermarktete. Unter der Leitung der Familie Bonniers trennte sich später die Kinokette SF Bio AB ab, die heute über die absolute Mehrheit der schwedischen Kinos verfügt und über Video on Demand über Kabel Filme in ganz Skandinavien anbietet.

Die publikumträchtigsten Errungenschaften von Svensk Filmindustri waren jedoch nicht die Kinos als solches und die Studios, die nicht immer mit Gewinn arbeiteten, sondern das sogenannte Filmjournal, das das Svenska Biografteatern bereits im Jahre 1914 eingeführt hatte und damit ein Filmjournal nach dem Model des französischen Pathé-film entwickelt hatte. Rund 50 Jahre war dieses SF-journalen die Nachrichtenquelle aller Schweden, denn nur im Kino konnte man vor den Filmen das wöchentliche Journal mit Nachrichten aus der ganzen Welt verfolgen.


27. Dezember 1832: Anna Wästberg, Dichtung und Theater im 19. Jahrhundert
27. Dezember 1978: Jonas Hassen Khemiri und das multikulturelle Schweden 
27. Dezember 1991: Das Wunder von Gottröra

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 12. August 2012

Kerstin Thorvall und die sexuelle Revolution Schwedens

Kerstin Thorvall wurde am 12. August 1925 in Eskilstuna geboren und hatte sehr früh den Wunsch das Elternhaus zu verlassen, denn als der manodepressive Vater im Jahre 1936 starb und Kerstin gerade einmal 11 Jahre alt war, begann ein Verhältnis mit der Mutter, das nur aus Spannungen und Konflikten bestand. Unmittelbar nach ihrem Abitur zog Kerstin Thorvall daher nach Stockholm, wo sie auf der Hochschule für Design Beckman eine Ausbildung als Modezeichnerin machte.

Da ihr jedoch die Arbeit als Modezeichnerin wenig zusagte, begann Kerstin Thorvall ab den 50er Jahren Bücher und Zeitschriften zu illustrieren und bald auch humoristische Beiträge für die Frauenzeitschriften „Veckorevyn“ und „Damernas Värld“ zu schreiben. Ihre literarische Karriere begann dann im Jahre 1959, als Bonniers sie beauftragte das Jugendbuch „Boken till dig“ zu schreiben. Diesem Werk folgten mehrere Jugend- und Kinderbücher, wobei Kerstin Thorvall jedoch auch weiterhin an Illustrationen arbeitete, unter anderem für Astrid Lindgrens Buch „Kalle Blomkvist och Rasmus“.

Vor allem in den 70er Jahren verursachte Kerstin Thorvald dann eine Art Moralpanik in Schweden, da sie sehr freizügig über die sexuelle Befreiung der Frau, insbesondere aber Jugendlicher, schrieb. Obwohl oder gerade weil Kerstin von den Frauenbewegungen abgelehnt wurde, weil sie in ihren Büchern keine politische Position einnahm und sämtliche Kritiker ihre Werke als Skandal bezeichneten, wurden die Bücher zu Bestsellern und waren der Anfang der sogenannten „Bekännelselitteraturen“, die in Schweden bis heute Bestseller schafft. Ab den 90er Jahren überzeugten Thorvalds Bücher dann allerdings selbst die Kritiker. Kerstin Thorvall starb am 9. April 2010 im Alter von 84 Jahren in Stockholm.


12. August 1901: Adolf Erik Nordenskiöld, der Entdecker der Nordpassage
12. August 1920: Schwedische Luftfahrt und erste Luftftransport

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Donnerstag, 5. April 2012

Maria Gripe, Kinderbücher ohne Gewalt

Am Gründonnerstag, dem 5. April 2007, starb die schwedische Kinderbuchautorin Maria Gripe nach einer längeren Krankheit im Alter von 83 Jahren in Rönninge. Maria Gripe gehörte mit ihren 38 Büchern zu den produktivsten Autoren Schwedens, die zudem international anerkannt wurden, denn einige ihrer Jugendbücher wurden in 30 verschiedenen Sprachen aufgelegt und waren die Vorlage für mehrere erfolgreiche Filme. „Trolltider“ wurde selbst zum Julkalender (Adventskalender) des Jahres 1979.

Maria Gripe, die in vielen Punkten mit Astrid Lindgren verglichen werden kann, nicht zuletzt auch gemessen an ihrem Erfolg, forderte von den Lesern ihrer Büchern vom ersten Tag an den Respekt vom Einzelindividuum und vertrat die Theorie, dass jeder Mensch einzigartige Charaktereigenschaften besitzt, die man nur entdecken muss. Am deutlichsten tritt dies bei ihrer Serie „Elvis“ zu Tage, die in den 70er Jahren entstand. Diese Serie war eine Zusammenarbeit mit ihrem Mann, Harald Gripe, der auch nahezu alle Umschläge und Illustrationen für die Bücher seiner Frau lieferte.

Bei Büchern, die Maria Gripe ab Ende der 70er Jahre schrieb, entdeckt man auch einen starken Einfluss von Autoren wie den Geschwistern Brontë oder Edgar Allan Poe, denn Maria Gripe versucht, im Gegensatz zu anderen Jugendbuchautoren dieser Zeit, ihre Spannung nicht durch das Einflechten von Gewalt zu schaffen, sondern indem sie mehr im Mystischen sucht. In diesem Stil schrieb sie dann in den 80er Jahren zahlreiche Hörspiele bei denen sie bei den Hörern eine Gänsehaut schaffen konnte ohne je eine gewaltsame Szene zu benutzen.


5. April 1786: Die Svenska Akademien, Verteidiger der schwedischen Sprache
5. April 1950: Die Karriere der schwedischen Sängerin Agnetha Fältskog 

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Mittwoch, 8. Februar 2012

Pippi Langstrumpf wird in Schweden zum Fernseherfolg

Am 8. Februar 1969 wurde im schwedischen Fernsehen der erste von 13 Teilen über Pippi Langstrumpf gezeigt, eine Serie, die auf die gleichnamigen Bücher der Jugendbuchautorin Astrid Lindgren basiert. Im Gegensatz zur letzten Verfilmung im Jahre 1949 schrieb dieses Mal Astrid Lindgren das Filmmanuskript selbst, da sie mit der vorherigen Version nicht sehr zufrieden war, die ihre Charaktere in ein etwas falsches Licht setzten.

Als Drehort diente überwiegend Visby auf Gotland, da Astrid Lindgren dort die typischen Gebäude und die Natur ihrer Phantasiewelt fand. Pippi Langstrumpf wurde bei dieser Fernsehserie von der knapp 10-jährigen Inger Nilsson gespielt, die, gemeinsam mit Maria Persson als Annika und Pär Sundberg als Tommy, ein Abenteuer nach dem anderen erlebt und die Serie zu einem gigantischen Erfolg machte, die noch heute jedes Kind in Schweden kennt.

Inger Nilsson, die ein Jahr später auch die Hauptrolle in zwei Pippi Langstrumpf Kinofilmen erhielt, wurde ab diesem Moment immer mit ihrer ersten Hauptfigur identifiziert, was dazu führte, dass sie später nur schlecht eine Rolle in Film oder Theater bekam und bisweilen als Sekretärin arbeiten musste. Ihr größter späterer Erfolg war die Rolle der Rechtsmedizinerin Ewa aus den Kriminalromanen von Mari Jungstedt, die zwischen 2006 und 2008 für das deutsche Fernsehen gedreht wurden.

8. Februar 1966: Carl-Henning William Crafoord bringt den Hiphop nach Schweden

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Montag, 14. November 2011

Astrid Lindgren und ein erfundenes Schweden

Am 14. November 1907 wurde Astrid Anna Emilia Lindgren in Vimmerby im Småland geboren, der Stadt, in der sie die ersten 19 Jahre ihres Lebens verbrachte, um dann jedoch permanent nach Stockholm zu ziehen. Es gibt keinen schwedischen Autor, der das Bild Schwedens weltweit so stark geprägt hat wie Astrid Lindgren mit ihren Kinderbüchern, die mittlerweile in 95 Sprachen übersetzt wurden und wovon nahezu 150 Millionen Exemplare verkauft wurden. Vor allem ihre Filme, von denen einige in der Astrid Lindgren Welt in Vimmerby gedreht wurden, zeigen ein etwas idealisiertes Schweden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zeigen aber auch immer wieder Ansätze einer Gesellschaftskritik, die Astrid Lindgren in regelmäßigen Debattenartikeln vertrat.

Marie-Louise Ekmans Astrid Lindgren in Vimmerby

Astrid Lindgren war, vor allem ab den 70er Jahren, politisch stark engagiert. Sie kämpfte für die Rechte der Kinder, setzte sich für den Tierschutz ein und war engagierte Gegnerin der Kernkraft. Weltweit machte sie, wenn auch mit etwas irreführenden Angaben, auf die hohen schwedischen Steuern aufmerksam und kritisierte, dass man in Schweden unter gewissen Voraussetzungen mehr Steuern bezahlen muss als man einnimmt. Diese öffentliche Kritik war auch mit dafür verantwortlich, dass die Sozialdemokratische Partei unter Olof Palme 1976 die Regierung abgeben musste.

Als Astrid Lindgren am 28 Januar 2002 in Stockholm starb, hatte ihre Beerdigung mehr Aufmerksamkeit als die eines Königs und wurde von Dagens Nyheter mit einem Staatsbegräbnis verglichen. Ihr Sarg wurde auf einem schwarz gemalten Wagen von der Adolf Fredriks Kirche zur Storkyrkan transportiert, wobei ein Mädchen hinter dem Sargwagen einen weißen Hengst führte, was ein deutliches Symbol aus der heidnischen Zeit Schwedens ist. Nach der Zeremonie wurde die Leiche Astrid Lindgrens nach Vimmerby transportiert, wo die Autorin dann begraben wurde.

Die Astrid Lindgren Welt in Vimmerby entwickelte sich seit 1981 fortschreitend zu einem Themapark, der die Welt der Kinderbücher lebendig machen will und hat daher nicht sehr viel mit der Realität Schwedens zu tun. Das kleine Dorf soll während der Sommermonate träumen lassen und Kinder und Erwachsene in eine Parallelwelt der Bücher Astrid Lindgrens führen. Ab 2014 wird Astrid Lindgren auch auf den neuen 20-Kronen-Scheinen Schwedens zu finden sein.

14. November 1907: Astrid Lindgren, von Pippi Langstrumpf bis zu Emil und Ronja
14. November 1994: Die nordländische Modeschöpferin Paula Fahlander 
14. November 2004: Der Tag des Käsekuchen (Ostkakans dag) in Schweden

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Donnerstag, 8. September 2011

Wir Kinder aus Bullerbü - Alla vi barn i Bullerbyn

Obwohl die Fernsehserie „Wir Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren bereits 1960 in deizehn Teilen verfilmt wurde, dauerte es bis zum 8. September 1962 bis sich der staatliche Sender SVT dazu entschloss die Serie dann auch im Fernsehen zu übertragen, gefolgt von Ausgaben auf VHS und später DVD mit dem Titel „Bara roligt i Bullerbyn“. Allerdings blieb selbst die Version auf DVD unvollständig, denn der dreizehnte Teil „Året om i Bullerbyn“ wurde grundsätzlich nicht mit übernommen, so dass für viele, die die Serie auf DVD sahen die TV-Serie „die Kinder aus Bullerbü“ mit Mittsommer endet.

Alla vi barn i Bullerbyn“ wurde auf der Insel Väddö nördlich von Stockholm gedreht und prägte über 30 Jahre lang das Bild eines Schwedens, das es in der von Astrid Lindgren geschilderten Form nie wirklich gab, sondern, wie auch die später gedrehten Filme, ein idealisiertes Land und Erinnerung aus der Zeit um 1920 zeigten. Bevor sich SVD dazu entschloss die Serien im Fernsehen zu zeigen, wurde das Material jedoch zu zwei Kinofilmen zusammengeschnitten, die unter den Titeln „Alla vi barn i Bullerbyn“ und „Bara roligt i Bullerbyn“ in den Jahren 1960 und 1961 in die Kinos kamen.

Erst in den Jahre 1986 und 1987 verfilmte dann Lasse Hallström erneut „Wir Kinder aus Bullerbü“, dieses Mal entstanden zwei Kinofilme, deren Manuskripte erneut Astrid Lindgren schrieb, die erst 1989 zu einer Fernsehserie zusammengeschnitten wurde und im SVT übertragen wurden. Dieses Mal wurden die Filme in Sevedstorp im Småland gedreht, dem Ort, den Astrid Lindgen als Vorbild für ihre Bücher sah. Die Kinder im Film gehen allerdings auch nicht in die Astrid Lindgren Schule in Vimmerby, sondern die Tveta Skola bei Mörlunda.

8. September 1790: Johan Henrik Hästesko wird in Stockholm hingerichtet
8. September 1994: Umeå stellt alle Stadtbusse auf Ethanol um

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Montag, 14. März 2011

Die erste Anwältin Schwedens

Am 14. März 1918 wurde in der schwedischen Anwaltskammer die erste Frau als Anwältin zugelassen. Eva Andén wurde 1886 in Uppsala geboren und studierte an der Universität Uppsala Jura, wo sie bereits ein starkes Interesse dafür entwickelte die Rechte von Frauen und Kinder zu vertreten.

Als Eva Andén, noch als Praktikantin, erstmals einen Fall vor Gericht präsentierte, wurde sie vom Richter gefragt, ob sie Fräulein oder Frau sein, was damals jedoch keine Diskriminierung war, denn als Fräulein hatte sie das Recht allein Entscheidungen zu fällen, als Frau hätte sie jedoch eine Vollmacht ihres Ehemannes vorweisen müssen, da verheiratete Frauen in Schweden erst 1924 Männern gleichgestellt wurden.

Eva Andén wurde als Anwaltin sehr geschätzt und vertrat einige der bedeutendsten Frauen Schwedens in allen rechtlichen Fragen. Unter ihren Kunden findet man Namen wie Selma Lagerlöf und Astrid Lindgren. Die Anwältin war nie verheiratet und lebte, ebenfalls als Vorreiterin einer neuen Epoche, jahrelang mit ihrer Mitarbeiterin Lisa Ekedahl zusammen. Eva Andén starb 1970 und gilt als Symbolfigur weiblicher Anwälte.

14. März 1707: Der schwedische Sprachforscher Johan Ihre
14. März 1807: Josefina von Leuchtenberg wird Königin in Schweden

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